Phot. Kester & Co., München.
Abb. 358. Totenbretter, sogenannte Rebretter, am Rand eines Getreidefeldes.
In Bayern besteht vielfach die Sitte, die Toten auf einem Brett aufzubahren und diese Bretter späterhin am Rande der Landstraßen aufzustellen, damit die Vorübergehenden veranlaßt werden, für das Seelenheil der Verstorbenen zu beten.

Ihren Abschluß finden die Begräbnisfeierlichkeiten in einem Leichenschmause oder Leichentrunk, entweder im Hause des Verstorbenen oder im Wirtshause; früher ging es dabei nicht selten hoch her, jetzt aber pflegen dazu nur die Verwandten oder nächsten Bekannten zusammenzukommen; da sich zu Leichenbegängnissen auch entfernter Wohnende einzufinden pflegen, so wird die seltene Gelegenheit gern benutzt, um die Familienbande enger zu knüpfen. Die Bewirtung dabei besteht aus Kaffee und Kuchen oder Brot (Sterbewecklein), auch wohl noch Wein.

Für die Trauer, die sich meistens auch noch entsprechend der seit dem Tode verflossenen Zeit abstuft, ist in vielen Gegenden, wo noch die Volkstrachten getragen werden, eine bestimmte Tracht vorgeschrieben (Abb. 359).

Phot. C. S. Burne.
Abb. 359. Trauerhaube (Staffs),
wie sie beim Begräbnis von Mädchen oder kleinen Kindern getragen wird; dabei hält man in der Hand Rosmarin als Sinnbild des Gedenkens.

Die Grabhügel pflegt man mit Efeu oder mit Singrün zu bepflanzen und mit Zypressen oder Taxushecken, auch wohl mit Trauereschen einzufassen. Als Gräberschmuck dient in erster Linie die Rose, ferner die Lilie, die Ringelblume und der Rosmarin, eine den alten heidnischen Göttern Fro und seiner Gattin Holda geweihte Pflanze. Von Zeit zu Zeit, namentlich aber an bestimmten Tagen (Allerseelen, Totenfest, Karfreitag und anderen) schmückt man die Grabstätten mit frischen Blumen. In Schottland kennt man merkwürdigerweise keinen Gräberschmuck. Nebenbei bemerkt, sollen hier auch amputierte Gliedmaßen in aller Form beerdigt werden.

Der Aberglaube, daß der Tote nicht für immer seiner Familie entrückt sei, sondern noch längere Zeit, wenigstens solange er noch nicht verwest ist, mit ihr in Verbindung stehe und zurückkehre, ist fest eingewurzelt bei allen europäischen Völkern, offenbar ein altes Überbleibsel aus altheidnischer Zeit. Auf der einen Seite fürchtet man dieses Wiedererscheinen und sucht es durch allerlei Abwehrmaßregeln zu verhindern, wie schon mehrfach gezeigt wurde, anderseits aber wünscht man auch wieder, daß der Verstorbene möglichst lange in der Nähe weile. Man nimmt an, daß er unter anderem darum nach Hause zurückzukehren suche, um nachzusehen, ob alles in Ordnung sei und seinen alten Gang gehe. In Thüringen hängt man in der Wohnstube zu diesem Zweck ein Handtuch auf, hinter das der Verstorbene treten soll; man läßt für ihn bei Tisch einen Stuhl frei und stellt ihm Brot und Wasser hin. Einer im Wochenbett Verstorbenen setzt man an das Lager ihres Kindes nachts Wasser und einen Schwamm, damit sie ihren Liebling wasche und pflege, und was dergleichen Gebräuche mehr sind.