»S.O. Urundi, 8. Oktober 1892, 8h 58 a. m.«,

stalaktitischer Brauneisenstein bezw. Raseneisenstein von

»Nord Urundi, 9. September 1892«
und vom
»Tümpelrand beim Lager Urambo, 29. Oktober 1892«

vor; ausserdem ist ein gänzlich verwitterter Gneiss von

»West Ussui, in Klötzen am Hang verstreut, 4. September 1892«,

in einem solchen Grade mit Hämatit imprägnirt, dass er für die Eisengewinnung local vielleicht von einer gewissen Bedeutung sein könnte.

In der Gruppe der vorwiegend chemischen Sedimente möge hier auch noch das Vorkommen von Salzen Erwähnung finden, von welchen diejenigen von Kochsalz im Innern von Deutsch-Ostafrika selbstredend eine grosse wirthschaftliche Bedeutung besitzen. Dr. Baumann hat eine Anzahl von solchen Salzproben zum Theil als natürliche Efflorescenzen in der Umgebung der zahlreichen Natronseen gesammelt, zum Theil von den Eingeborenen erhalten, welche Salz aus diesen salzreichen Sedimenten auswaschen und sich augenscheinlich mit sehr unreinen Producten begnügen. Die vorliegenden Salzproben stammen von

1. »Südl. Uha, Uvinsa«,
2. »Singisa-See, Turu«,
3. »Nyarasa, Salzefflorescenz«,
4. »Mangati, Balangda-See«,
5. »Strandsalz (Magadi) Manyara-See, Nordende, 11. März 1892«,
6. »Magadi vom Südende des Manyara-Sees«,
7. »Salziger Lehm von Laua ya Sereri, Kutadus Land, Umbugwe«,
8. »Irangi, aus dem Boden gewaschen«.

Sie sind grossentheils stark verunreinigt durch sandig-thonige Beimengungen und zeigen eine sehr schwankende chemische Zusammensetzung, indem bald Chlornatrium, bald kohlensaures Natron, bald schwefelsaures Natron vorherrscht. Mit Ausnahme des letzten, von Irangi herrührenden, relativ reinen Kochsalzes, dessen qualitative Prüfung auch die Anwesenheit von Magnesia ergab, sind die vorerwähnten Salzproben im chemischen Laboratorium der Königl. Bergakademie zu Berlin analytisch untersucht worden. Diesen Analysen zufolge ist die Zusammensetzung der Salzproben No. 1-7:

100 Theile Salz enthalten von No. 1 No. 2 No. 3 No. 4 No. 5 No. 6 No. 7
Chlornatrium 95,57 87,53 83,22 59,53 39,64 5,38 2,31
Schwefelsaures Natron 1,09 2,13 1,68 22,74 1,31 20,46 4,05
Kohlensaures Natron 0,12 0,07 8,61 13,13 10,48 48,63 12,92
Schwefelsaures Kali 1,22
Phosphorsaures Natron 0,40 0,34
Thon, Sand 2,00 10,27 6,49 4,60 48,17 25,19 80,72
  100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00

Sehr auffallend ist die grosse Verschiedenheit der Salze vom Manyara-See No. 5 und 6; das letztere dürfte, ebenso wie No. 4, wegen des hohen Gehalts an Natronsulfat und Natroncarbonat sich zur Verwendung als Speisesalz ohnehin nicht mehr eignen.

Im Anschluss hieran mag noch an dieser Stelle erwähnt werden, dass Dr. Baumann auch Wasserproben mitgebracht hat und zwar vom

1. »Balangda-See, Mangati,«
2. »Eyassi-See, Nordende, 24. März 1892,«
3. »Manyara-See, 10. März 1892«
und von einer
4. »Heissen Quelle am Manyara - See, Temp. 80° C., 10. März 1892«,

sie wurden gleichfalls im chemischen Laboratorium der Königl. Bergakademie zu Berlin der Analyse unterworfen, welche ergab, dass in 1000 Theilen Wasser enthalten sind von:

  No. 1 No. 2 No. 3 No. 4
Chlornatrium 144,40   18,80   4,80   0,62  
Schwefelsaures Natron 41,00   1,79   0,53   0,11  
Kohlensaures Natron 94,10   10,50   12,04   1,50  
Schwefelsaures Kali 3,50   0,24  
Phosphorsaures Natron 0,40   0,09   0,12  
Schwefelnatrium Spur Spur
Summa der festen Bestandtheile: 283,40   31,18   17,73   2,23  

 

Was zum Schlusse die im Expeditionsgebiete gesammelten wesentlich klastischen Sedimentgesteine anlangt, so zerfallen dieselben in Grauwacken, Sandsteine und Schieferthone, welche leider ebensowenig wie die Kalksteine, wegen des Mangels an Fossilresten eine nähere Altersbestimmung ermöglichen; indessen besitzen die verkieselten Grauwacken von

1) »Kiruwassile-Bach (Lager), 30. März 1892«
2) »Bach, 1h 27 v. 1. April 1892 vor Elmarau Str. NS. F. W. 20°«
3) »Usenye-Hügel, 7. April 1892 früh«
4) »Kiruwiru am Speke-Golf, 8. Mai 1892 Str. NS. F. SO. ca. 70°«
5) »N. Urundi, 10. Sept. 1892 8h 2. a. m. Lagerung nicht sichtbar«

einen entschieden palaeozoischen Habitus. Aeusserlich Quarziten ähnlich, bestehen sie grösstentheils aus Quarzkörnchen, denen in geringem Maasse Feldspathpartikelchen beigemengt sind; das Bindemittel ist schwach doppelbrechende Kieselsäure, mehr oder weniger mit Eisenoxyden imprägnirt; nur bei No. 4 zeigt das Caement mehr die klastische Natur eines feinen chloritischen Detritus und dem entsprechend ist auch die Gesteinsfarbe eine grünliche, während die zuerst genannten Vorkommen roth gefärbt erscheinen.

Sandsteine wurden angetroffen

1) »Wasserriss bei Nyaruvunga, Ussui, 25. August 1892 7h 12 a. m. Str. NNO-SSW. F. WNN. circa 20°«
und
2) »Uyogoma, W. Ussui, 30. August 1892, 5h 53 a. m. Str. NNO.-SSW. F. NNW. ca. 10°«.

Der erstere ist ein mittelkörniger, mit Eisenoxydkrusten überzogener Quarzsandstein, der letztere äusserst feinkörnig und durch Beimengung von Feldspathmaterial mehr arkoseartig.

Schieferthone, z. Th. hart und splitterig, z. Th. weich und erdig, fanden sich in dem Grauwackenstrich vor Elmarau (s. o.), nämlich

1) »Bach 3h 9 p. m. vor Elmarau, 1. April 1892«

ebenso in

2) »Nord Urundi, 8. Sept. 1892 Str. NO.-SW. F. ┴«

ferner

3) »Am Rubana-Fluss, Nata, 7. Juni 1892«
4) »Kisura, Urundi, 7. Oktober 1892«
und
5) »SO. Urundi, 7. Oktober 1892, 9h 40 a. m. Str. O.-W. auch nach SO.-NW. F. N 40°«.

In Verbindung mit den jüngeren Eruptivgesteinen treten endlich im »Grossen Graben« und auf dem Mutyek-Plateau auch vulkanische TrümmergesteineTuffe — auf, die aus lockerem Auswurfsmaterial bestehend, durch kalkiges Bindemittel verfestigte Massen sind. Es sind meist scharfkantige Bruchsplitter, sehr selten vollständige Kryställchen von Augit und Feldspath, hin und wieder auch Olivin und Quarz neben reichlichem Magneteisen, die sie zusammensetzen. Besondere Verbreitung scheinen diese Tuffe

1) »Am Plateauabfall nördlich vom Eyassi-See«

zu besitzen, indem von hier mehrere, z. Th. sehr bröckelige Proben vorliegen.

Die übrigen stammen von

2) »Lgeju Sinoni, Serengeti, 28. März 1892, horizontal«
3) »Makenga Bach, 10. Januar 1893«
und vom
4) »Nordende des Maitsimba-Sees, Ufiomi, 28. Januar 1893«.

In den Trachyttuffen vom Eyassi-See begegnen wir, mit Ausnahme des Sodaliths allen Konstituenten des oben (p. 282) geschilderten Sodalithtrachyts wieder; der Tuff vom Makenga-Bach hat bei einem geringen Olivingehalt mehr basaltischen Charakter, in jenem von Serengeti ist in Gestalt von Turmalin führenden Quarzkörnchen augenscheinlich auch Urgebirgsmaterial vorhanden, während der lichtgraue kalkreiche Tuff vom Maitsimba-See mehr den Eindruck eines, mit viel vulkanischem Material vermengten, lacustren Sedimentes macht.

 

Wenn in den vorstehenden Zeilen auch wichtige neue Beobachtungen nicht enthalten sind, so ist das ihnen zu Grunde liegende Material doch höchst schätzbar für die Erweiterung unserer petrographischen Kenntnisse von dem Inneren Deutsch-Ostafrika's und der Eifer, wie das Verständniss, mit dem Herr Dr. Baumann auch in dieser Beziehung wieder gesammelt hat, im höchsten Grade anerkennenswerth. Vom wirthschaftlichen Standpunkte aus dürfte auch bei ferneren Expeditionen ein besonderes Augenmerk auf das Vorkommen und die Verbreitung der nutzbaren Mineralien und Gesteine, der Kalksteine, Thone, Salze, Eisenerze u. s. w., zu richten sein; die wissenschaftliche Geologie andererseits wird dankbar sein für alle, auch scheinbar geringfügigen Angaben in Bezug auf die Lagerungs- und gegenseitigen Verbandsverhältnisse der Gesteine, namentlich auch über das Vorkommen von fossilen Einschlüssen in den Sedimenten, welche für die ungefähre Altersbestimmung, für den geologischen Bau dieser Länderstriche im Besonderen und für die Erdgeschichte im Allgemeinen als brauchbare Anhaltspunkte dienen können.

 

[] II. Kulturpflanzen

gesammelt von Dr. O. Baumann. 1892/93.

Von Prof. Dr. F. Körnicke.

Andropogon Sorghum Brod.

Sämmtliche Exemplare gehören zu Varietäten, deren Früchte die Klappen überragen und sich beim Drusche lösen.

I. Sect. Effusus.

Rispe locker, Rispenäste ausgebreitet.

II. Sect. contractus.

Rispe dicht, Rispenäste aufrecht.

Hülsenfrüchte.

  

[] III. Ueber die Molluskenfauna Centralafrikas.

Von Dr. Rudolf Sturany, Wien.

[Mit Tafel XXIV und XXV.]

Dr. Oscar Baumann hat auf seiner letzten Reise eine Anzahl Schnecken- und Muschelschalen gesammelt, welche hauptsächlich dem Tanganyika-, Victoria- und Manyara-See entstammen und über welche im Folgenden durch namentliche Aufzählung der Arten eingehend berichtet werden soll.

Bei der Durchsicht und dem Studium der sehr umfangreichen Literatur[27], welche ich zu Rathe ziehen musste, um die Bestimmungen durchführen zu können, ward mir bald klar, dass die Fauna des centralen Afrika trotz der wiederholten Aufsammlungen, die dort durch Reisende gemacht worden sind, noch immer unzulänglich bekannt ist; denn schon in der relativ geringen Ausbeute Dr. Baumann's befinden sich Formen, welche von den bisher bekannten Arten so abweichen, dass sie sich mit keiner von diesen gut vereinigen lassen. Ich halte es daher auch für gerathen, diese Formen besonders hervorzuheben, jedoch, — da sie meist nur in so geringer Anzahl vorliegen, dass strikte Diagnosen für diese vermuthlich neuen Arten nicht zu geben sind, — vorläufig bloss in der Weise, dass ich jede derselben unter ihrem unschwer festzustellenden Genus-Namen und einem hintangesetzten nov. sp.? anführe und abbilde; im Texte füge ich bloss noch Maassangaben bei und meine Ansicht über die Verwandtschaft der betreffenden Form. Sieht sich dann einmal ein Fachmann, der über ein grösseres Vergleichsmaterial verfügt, genöthigt, die von mir hier bekannt gegebenen »neuen« Formen aus guten Gründen (z. B. weil Uebergänge gefunden wurden u. dgl.) zu früher schon beschriebenen Arten einzuziehen, so wird mir damit nur die willkommene Aufklärung zu Theil. Die beigegebenen Abbildungen werden aber wohl auch dann noch ihren Werth zumindest für die Orientirung behalten.

Wo mir die Zugehörigkeit zu einer bereits bekannten Art über allen Zweifel erhaben schien, habe ich Abbildungen vermieden; im Uebrigen aber wurde mit Illustrationen nicht gespart, weil ich solche für das wichtigste Moment bei derartigen Publikationen halte.

[] I. Formen aus dem Tanganyika-See.

Nachdem Bourguignat[51] im Jahre 1889 nicht weniger als 271 Arten aus dem Tanganyika-See aufgezählt und in seiner Iconographie[48] und Histoire malacologique[56] eine grosse Anzahl vorzüglicher Abbildungen und genauester Beschreibungen gegeben hat, musste ich der Meinung sein, dass sich die von Dr. Baumann am Nordende des Sees gesammelten Conchylien — es sind dies nicht viele Arten — unter Zuhilfenahme der obigen Hauptwerke mit Leichtigkeit bestimmen lassen würden, und dies umsomehr, als die zahlreichen Aufsammlungen, die im Laufe der Jahre im Tanganyika-See von Reisenden und Missionären (Speke, Thomson, E. Coode Hore, Dr. Kirk, Damon, Dr. Böhm, V. Giraud, L. Joubert, Guillemé, Leroy, Hauttecœur u. A.) gemacht worden sind, die Vermuthung gerechtfertigt erscheinen liessen, dass wenigstens alle an den Ufern des Sees vorkommenden (auffindbaren) Formen bekannt sind. Indess gelang es mir bei den Repräsentanten der Gattungen Rumella und Grandidieria nicht, sie mit voller Gewissheit mit schon beschriebenen Arten zu identificiren, obwohl sie mit mancher derselben grosse Aehnlichkeit besitzen. Die Schuld an diesem Umstande liegt wohl — abgesehen von dem Formenreichthum der Fauna und deren noch immer nicht erschöpften Erforschung — auch in dem Verfahren Bourguignat's, der, wie fast allgemein zugegeben wird, in jeder Localform (Varietät) eine neue Art vermuthet und beschrieben hat und dadurch den Determinator neuen Materiales förmlich zwingt, jede wenn auch schwach abweichende Form, und wenn sie auch mit dieser oder jener der bereits aufgestellten sogenannten Arten unstreitig nahe verwandt ist, wieder zu isoliren. Ich bin auch überzeugt, dass Bourguignat, wenn er noch lebte, die von mir hier abgebildeten Formen von Rumella und Grandidieria ohne Zögern als unbedingt neue Species beschreiben würde.

Die in diesem Kapitel nunmehr aufzuführenden 12 Arten hat Dr. Baumann sämmtlich am Nordende des Tanganyika-Sees, östlich von der Russisi-Mündung, gesammelt.

Planorbis Sudanicus v. Martens.

Von dieser Art liegen mir einige Exemplare vor, welche in der Grösse, wie folgt, verschieden sind:

Höhe 5,0 4,2 4,6 4,0  
Durchmesser 16,5 16,0 13,3 13,0   mm u. s. w.
Anzahl  der Windungen 5½ bis 6.

Hier kann ich die Bemerkung nicht unterlassen, dass die Art Planorbis tanganikanus Bourg. (Iconogr.[48] pl. 1 Fig. 16-17 und Hist. mal.[56] p. 16) wohl zu der älteren Pl. Sudanicus v. Martens eingezogen werden könnte, da sie von dieser kaum zu unterscheiden ist.

Neothauma Tanganikanum Grand.

Bekanntlich hat Grandidier[38] die Smith'sche Art Tanganyicense[27] in Tanganikanum umgetauft und sie von Crosse's Tanganyicense (op. c. [29] J. d. Conch. p. 112 pl. 4. Fig. 1-1a und op. c. [30] J. d. Conch. p. 281) getrennt, welch' letzterer er, um Verwechselungen zu verhüten, den Speciesnamen Bridouxianum gab. Da nun die von Dr. O. Baumann am Nordende des Tanganyika-Sees ziemlich zahlreich gesammelten Exemplare fast durchgehends mehr mit der ersteren Form übereinstimmen, so habe ich den Grandidier'schen Namen für die Aufschrift gewählt; im Uebrigen theile ich die von E. Smith in einer jüngeren Schrift[52] ausgesprochene Ansicht, dass nämlich die von Bourguignat[51, 48, 56] unterschiedenen 8 Neothauma-Arten nur Varietäten einer einzigen guten Art sind.

Ampullaria ovata Oliv.

Unter den Exemplaren vom Nordende des Sees befindet sich sowohl die schlankere, dem Typus der ovata Oliv. entsprechende Form als auch die mehr aufgeblasene, welche sich auf die vormals als Art betrachtete Kordofana Parr. bezieht.

Die Messungen ergaben:

für die Höhe der Schale 63 55 51 50½
" " Breite " " 55 44 46 40½
" " Höhe der Mündung 48 40 41 32
" " Breite " " 33 28 28 27  mm u. s. w.

Paramelania nassa Woodw.

Dr. Baumann hat von dieser Art am Nordende des Sees bloss ein Exemplar gefunden (Höhe 13, Breite 8½ mm).

Rumella nov. sp.?

Fig. 19, 24.

Den Namen Rumella hat Bourguignat einer im Tanganyika-See vorkommenden Gattung gegeben, welche grosse Aehnlichkeit mit der im Meere lebenden Gattung Ruma (Natica) hat. Die verschiedenen Arten, 6 an der Zahl, hat Bourguignat in seiner Iconographie[48] abgebildet und in der Histoire malacologique[56] ausführlich beschrieben. Ein paar Dutzend leider zumeist schlecht erhaltener Repräsentanten dieses interessanten Genus, welche Dr. Baumann fand, weichen von den bekannten Arten unbedeutend, aber doch so ab, dass ich sie mit ruhigem Gewissen zu keiner derselben rechnen kann. Ich lasse vor Allem die Abbildungen sprechen (Fig. 19, 24), welche man mit den Bourguignat'schen vergleichen möge, und füge nur hinzu: Die Exemplare sind von blassgelber, gelbbrauner oder braungrauer Farbe; die Epidermis ist zumeist abgerieben, und nur wo dies nicht der Fall ist, werden 8-10, selten noch mehr orangerothe Längsstreifen sichtbar, welche parallel zu einander laufen. Diese sind dann entweder in gleichen Zwischenräumen von einander entfernt, oder es treten mehrere feinere zusammen, oder es wechseln dickere und dünnere, gröbere und feinere, mit einander ab. Die Anzahl der Umdrehungen ist 4-4½, die Naht schneidet tief ein.

Die Grösse ist sehr variabel, wie die folgende Tabelle zeigt.

Höhe des Gehäuses 6,3 6,1 6,6 6,6 6,3
Breite   " " 5,0 5,0 5,1 5,1 5,0
Höhe der Mündung 5,1 5,1 5,5 5,1 5,0
Breite   " " (incl. Callus) 4,6 4,6 4,0 4,5 4,0  mm u. s. w.

Das Gehäuse ist durchwegs schlanker, d. h. schmäler und dabei etwas höher, als bei Rumella globosa Bourg. (Iconogr.[48] pl. 17, Fig. 20-22 und Hist. mal.[56] p. 250).

Von Rumella Giraudi Bourg.[39] p. 90 (Iconogr.[48] pl. 17, Fig. 35-37 und Hist. mal.[45] p. 253), mit der die mir vorliegenden Exemplare viel Aehnlichkeit hätten, sind sie durch den feinen, nicht abgestumpften Apex unterschieden.

Genus Grandidieria.

Diese Lamellibranchiaten-Gattung ist im J. 1885 von Bourguignat[37] aufgestellt worden und zugleich hat der Autor sehr treffende Merkmale zur Unterscheidung von den Unioniden und Sphaeriiden angegeben. Im Jahre 1889 gibt Bourguignat[51] schon ein Verzeichniss von 23 Grandidieria-Arten, wovon freilich mehrere auf früher irrthümlich als Unio-Arten beschriebene Muscheln zurückzuführen sind.

Dr. O. Baumann nun hat mir vom Nordende des Sees eine bunte Mischung einzelner Grandidieria-Schalen (sozusagen halbe Exemplare) übergeben, welche in der Farbe[28], Grösse und Form so verschieden sind, dass es mir eine saure Arbeit schien, eine strikte Determination vorzunehmen, indem sich auch hier wieder der Gedanke aufdrängte, dass viele der Bourguignat'schen Arten durch Uebergänge mit einander verbunden sind.

In dieser Auflese Baumann's sind vertreten:

Grandidieria rotundata Bourg.

Grandidieria insignis Ancey.

Grandidieria Smithi Bourg.

Grandidieria Tanganikana Bourg.

Einige Schalen, auffallend durch besondere Gestalt oder Grösse, lassen sich mit keiner beschriebenen Art vereinigen, z. B. eine aussen blaugraue, innen perlmutterartig glänzende linke Schale, 28 mm lang, 18½ mm hoch und (in der Hälfte) 9 mm tief. Diese ist auffallend stark gewölbt und zeichnet sich auch dadurch aus, dass der Wirbel nach vorne gerückt ist. Ich habe sie in Fig. 31 und 35 als Grandidieria nov. sp.? abgebildet.

Fig. 18 und 28 stellt das grösste Exemplar dar; diese (linke) Schale ist 33 mm lang, 24 mm hoch und 8½ mm tief, sie dürfte verwandt sein mit der schon oben angeführten Grandidieria insignis Ancey.

Cameronia Spekei (Woodw.) Bourg.

Die alte Woodward'sche Iridina (Pleiodon) Spekii ist im Jahre 1879 von Bourguignat[24] als erster Vertreter einer neuen Gattung, genannt Cameronia, aufgestellt worden. Zu dieser Art gehören zweifellos ein vollständig erhaltenes und ein zertrümmertes Exemplar aus der Kollection Dr. Baumann's. Ersteres ist 118 mm lang, 54 mm hoch und 34½ mm dick.

Ein drittes Exemplar vom Nordende des Tanganyika-Sees stimmt überein mit

Cameronia admirabilis Bourg.

Dies ist eine der 26 Arten, welche Bourguignat späterhin unterschied [42].

Das mir vorliegende Exemplar misst 140 mm in der Länge, 62½ mm in der Höhe und 48 mm in der Breite (Dicke). Die Epidermis ist stark abgerieben.

[] II. Zur Fauna des Nilquellgebietes und hauptsächlich des Victoria-Sees.

Im Folgenden sind die Mollusken aufgezählt, welche Dr. O. Baumann im Kagera-Nilquellgebiete, im Grumeti-Bach und in den Bächen von Ngoroïne (d. s. östliche Zuflüsse des Victoria-Sees), sowie im Victoria-See selbst aufgefunden hat.

Das Material, welches im Laufe der letzten 3 Decennien von verdienstvollen Forschern wie Speke, Hauttecœur, Guillemé, Leroy, Dr. Fischer, Dr. Emin Pascha, Dr. Stuhlmann, Hannington, Gordon u. A. im Victoria-See gesammelt worden ist, wurde in einer Reihe von Abhandlungen nach und nach bekannt gemacht. [8, 25, 34, 38, 41, 46, 54, 58, 62].

Zuletzt hat E. Smith [65, 66] die Molluskenfauna dieses grossen Wasserbeckens zusammengestellt und unter kritischer Ausscheidung derjenigen Formen, deren Vorkommen im See wegen unverlässlicher Fundortsangaben zweifelhaft erschien (Koll. Speke [8]), im Ganzen 37 Arten angeführt. Hierzu kommen aber noch zwei von diesem Autor übersehene, von Dr. von Martens [54] beschriebene Arten, Paludina constricta und Spatha subaequilatera, und nun — nach Durchsicht des Baumann'schen Materiales — möchte ich dem Verzeichnisse noch drei Arten hinzufügen: 1) die Corbicula pusilla Phil. (s. unten!), 2) eine vermuthlich neue Mutela-Art (s. unten!) und 3) die alte Olivier'sche Paludina unicolor, welche sich in einer Varietät im Kagera-Nilquellgebiete findet und in jungen Exemplaren (?) auch aus dem Victoria-See selbst von Dr. Baumann gebracht wurde (Abbildung und Beschreibung der letzteren siehe unten!). Dohrn [8] hat zwar Anno 1864 Paludina unicolor Oliv. vom Victoria-See angeführt, Smith aber lässt in seinem Verzeichnisse diese Art absichtlich — aus dem oben genannten Grunde — aus.

Die Muscheln aus Ngoroïne und dem Grumetibache sind neue Spatha-Arten.

Paludina victoriae Smith.

Fig. 5.

Das einzige mir vorliegende, vollständig gebleichte, in der Mündung etwas mangelhafte Exemplar aus dem Victoria-See misst 24,2 mm in der Höhe, 15,5 mm in der Breite. Die Mündung ist 10 mm hoch, 9 mm breit. Die Grössenverhältnisse würden also zu der von E. v. Martens beschriebenen Paludina constricta ([54] S. 56, Taf. 41, Fig. 7) auffallend stimmen, und auch Gestalt und Skulptur sind annähernd so, wie sie Prof. v. Martens in seiner Diagnose angiebt. Da aber der über der Naht stehende und bis zur Mündung reichende Kiel auffallend stark entwickelt ist und vortritt, und ferner über diesem, etwa in der Mitte des Umganges, ein zweiter, aber zarter Kielstreifen läuft, sehe ich mich veranlasst, das Baumann'sche Exemplar zu Smith's Viviparus victoriae zu rechnen und zwar speciell auf die in Smith's Abhandlung [65] in Fig. 10 abgebildete var. a zu beziehen, obwohl dieses Exemplar bedeutend niedriger ist. Sollte sich einmal herausstellen, dass die Arten victoriae und constricta zusammenfallen, so hätte der Martens'sche Name das Prioritätsrecht. Nahe verwandt damit scheinen mir auch die von E. v. Martens beschriebenen, aber noch nicht abgebildeten Arten phtinotropis und trochlearis zu sein (siehe Martens [62] S. 17-18).

Paludina (?) rubicunda v. Martens

Fig. 2, 3, 4.

Die 4 Exemplare, welche Dr. Baumann im Victoria-See gesammelt hat, und wovon hier die 3 grössten abgebildet sind, zeigen sehr verschiedene Proportionen, wie die folgende Uebersicht ergibt.