Trennung der
Buchdruckerei
vom Buchhandel.

Der BUCHHANDEL. Mit den steigenden Bedürfnissen der Lesewelt und der Verbreitung der Pressen selbst nach kleineren Städten musste die Vereinigung des Schriftgiessers, Buchdruckers, Verlegers und Händlers in einer Person von selbst fallen und die einzelnen Geschäftszweige lösten sich nach und nach vom Stamme ab. Zuerst musste der Buchdrucker-Verleger bei der Schwierigkeit des Betriebs Persönlichkeiten suchen, die seine Fabrikate an das Publikum verhandelten. So nahmen schon Peter Schöffer den Conrad Henliff; Joh. Mentel den Adolf Rusch als Bevollmächtigte und Teilnehmer an, welche weite Reisen machten, um die Bücher an den Mann zu bringen, wozu sie sich auch der Kaufleute bedienten, die Bücher zugleich mit anderen Waren führten. Neben dem kaufmännisch organisierten Vertrieb fand auch das Kolportieren, das Webern, statt. Schon im xv. Jahrhundert fanden sich bedeutende Buchhändler. Niederlagen wurden an den Knotenpunkten des Verkehrs errichtet, und gegen Ende des Jahrhunderts war der Buchhandel in Venedig, Lyon, Frankfurt am Main schon von grosser Bedeutung. Auch Köln war, wenn als Verlagsplatz auch unter dem drückenden Einfluss der geistlichen Bevormundung stehend, ein wichtiger Ort namentlich für die Vermittelung des Absatzes nach den reichen Niederlanden, wo die Buchhändler der angesehenen St. Lucas-Gilde angehörten, und nach England, wo indes der Buchhandel sich nur langsam entwickelte, da es keine Bücher in Tausch anzubieten hatte. Um bedeutende Werke erscheinen lassen zu können, wurde öfters zur Association unter Buchdruckern und Buchhändlern geschritten. Man teilte dann gewöhnlich die Auflagen.

Die Zensur.

Als die Bedeutung der neuen Kunst den geistlichen und weltlichen Behörden klar geworden war, fand sich, als unwillkommener Gast, baldigst die Zensur ein, schon in den sechziger Jahren in Köln, später in Mainz. Die Formel in Köln lautete: admissum ac approbatum ab alma universitate Coloniensi. Ob jedoch vom Beginn ab die Einholung der Approbation ein Zwang war, oder ob diese mehr als eine Empfehlung nachgesucht wurde, ist nicht ganz klar. Gegen das Ende des xv. Jahrh. findet man jedoch in allen deutschen Erzdiözesen eine wirkliche geistliche Zensur eingeführt.

[1] Unter den eingangs erwähnten Werken enthalten namentlich die von W. Blades und Th. de Vinne Beachtenswertes über die ältere Technik.
[2] Eigentliche Beschreibung aller Stände auf Erden etc. Frankfurt a. M. 1568. Mit Stichen von Amann und Versen von Hans Sachssen.
[3] Der Verlagsbuchhändler und Redacteur H. Klemm in Dresden, der mit grossen Kosten in einer verhältnismässig sehr kurzen Zeit eine bedeutende Anzahl typographischer Seltenheiten sammelte, hat auch die in einem Keller des früheren Hofes „Zum Jungen“ in Mainz aufgefundenen Bruchstücke einer Schraubenpresse erworben, von welchen einerseits (vergl. K. Klein, Über Gutenberg und das im ersten Druckhause aufgefundene Fragment der ersten Druckerpresse. Mit 2 Abbd. Mainz 1851) angenommen wird, dass sie der „ersten“, noch aus Strassburg stammenden Presse Gutenbergs angehörten, was andererseits angezweifelt wird, und zwar namentlich auf Grund der Inschrift J. MCDXLI G., die in den erhaltenen Oberbalken eingeschnitten ist, indem man sowohl an der Jahreszahl und der ungewohnten Art diese zu schreiben (CD statt CCCC) als auch an den römischen Buchstaben J. G. Anstoss nimmt. Herr Klemm hat die Presse nach seinen Annahmen vervollständigen lassen. Wie nahe er, namentlich in Betreff des, aus vier Stücken sinnreich konstruierten Rahmens, der sich leicht für verschiedene Formate einrichten lässt, der Wirklichkeit gekommen, ist ja nicht zu entscheiden. Nach H. Klemms Konjektur ist mit den „vier Stücken“, um deren Auseinandernahme (vergl. S. 25) man bei Dritzehns Tod so sehr besorgt war, ein solcher Rahmen gemeint.
[4] De la Lande, Art de faire le Papier. 2. Ed. Paris 1820. — De la Lande, Art de faire le parchemin. Paris 1762. (Beide Werke auch deutsch.) — G. Peignot, Essai sur l'hist. du parchemin et du velin. Paris 1812. — J. D. F. Sotzmann, Über ältere Papierfabrikation. Leipzig 1846 (Serapeum). — Über Papierzeichen vergl. die in der Einführung erwähnten Werke von Sotheby und Weigel sowie Ames, Typogr. Antiquities, ferner: G. Fischer, Versuch die Papierzeichen als Kennzeichen etc. anzuwenden. Nürnberg 1804; La Serna Santander, Les livres impr. dans le XV Siècle. Brüssel 1803 (Suppl. zu der Beschreibung der Bibliothek des Verfassers). Über Papierzeichen in Italien: Esame sui principii della etc. typogr. Lucca 1797.
[5] Mit dem tierischen Pergament ist nicht zu verwechseln das Pergamentpapier (vegetabilische Pergament), das in der neueren Zeit eine ziemlich grosse Verwendung findet.
[6] D. E. Beyschlag, Beiträge zur Kunstgesch. von Nördlingen. Heft IV u. V. Nördlingen 1798-1801.
[7] Rich. Steche, Zur Geschichte des Bucheinbandes. (Archiv z. G. d. Buchh. I.) Leipzig 1878. — G. Peignot, Essai etc. sur la reliure des livres. Dijon 1834. — J. Cundall, On bookbinding ancient and modern. London 1880. — Monuments inédits ou peu connus, faisant partie du Cabinet du G. Libri. London 1864. — M. Michel, La relieure française depuis l'invention de l'impr. Paris 1880.
[8] Von den vielen bibliographischen Werken, welche die früheren Erzeugnisse der Presse verzeichnen und zumteil näher beschreiben, nennen wir nur einige wenige der hervorragendsten und vollständigsten, da kaum anzunehmen ist, dass viele der dem Buchdruckfach angehörenden Leser dieses Handbuches in solchen Werken Belehrung suchen werden, und andere, dem Litteraten- und Buchhändlerberufe sich widmende, die betreffende Litteratur kennen:

Mich. Maittaire, Annales typographici ab artis inventæ origine ad Annum MD. (Die bis zum Jahr 1500 erschienenen Werke bezeichnet man im engeren Sinn als Wiegendrucke, Inkunabeln.) Tom. I des ganzen Werkes. Haag 1719, vervollständigt durch die Ed. nova (als Tom. IV). Amsterdam 1733. — Georg Wolfg. Panzer, Ann. typ. ab etc. ad annum MDCXXXVI. 11 Bände. Nürnberg 1793-1803. — Ludw. Hain, Repertorium Bibliogr. ab etc. usque ad annum MD. Stuttgart 1826-1838. — J. Ch. Brunet, Manuel du libraire et de l'amateur de Livres. 5. Aufl. 6 vols. Paris 1860 u. flg. — J. G. Th. Grässe, Trésor de livres rares et précieux. Dresden 1859 u. flg. Des näheren verweisen wir auf Dr. Julius Petzholdt, Bibliotheca Bibliographica, Kritisches Verzeichnis der das Gesamtgebiet der Bibliographie betreffenden Litteratur des In- und Auslandes. 938 S. gr. 8. Der Umfang beweist schon den enormen Reichtum dieser Litteratur.
[9] Ch. F. Harless, Die Litteratur der ersten hundert Jahre nach der Erfindung der Typographie. Leipzig 1840. — A. Kirchhoff, Die Handschriftenhändler des Mittelalters. 2. Ausg. Leipzig 1853. — A. Kirchhoff, Beiträge zur Gesch. des deutschen Buchh. 2 Bde. Leipzig 1851-1853; weitere Beiträge 1855. — Dr. F. Sachse, Die Anfänge der Büchercensur in Deutschland. Leipzig 1869.
Kapitel-Ende
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ZWEITES BUCH.

Verzierung

GLANZPERIODE UND VERFALL

DER

BUCHDRUCKERKUNST

1500—1750.