Die Druckerei.

Das Universitätsgebäude lag, und liegt noch, in einer breiten, von einem Kanal, dessen Ufer mit grossen Bäumen bepflanzt waren, durchzogenen Strasse, der „Rapenburg“. Das Gebäude war früher ein Nonnenkloster gewesen, die Seitenfront kehrte es nach der Strasse, daneben lief eine Mauer, in welcher sich der Eingang zu dem Universitätshof und dem botanischen Garten befand. Das angrenzende Haus hatte Matthias, Isaacks Vater, am 26. Aug. 1608 gekauft. Als Isaack nun Universitätsbuchdrucker geworden war, teilte er dem Senat mit, dass er bereit sei, das Haus seines Vaters zu beziehen, wenn man ihm gestatten wollte, längs seinem Hause in dem unbenutzten Winkel des Universitätshofes, der dem Ganzen keineswegs zur Zierde gereichte, ein Atelier anzubauen. Es würde dies eine sehr grosse Annehmlichkeit für die Professoren und die Studierenden sein. Man fand den Vorschlag annehmbar und gestattete Isaack ein Gebäude von 14 Fuss Tiefe, bestehend in einem Parterre mit einem hohen Dach, zu errichten. Der Eingang für seine Arbeiter sollte jedoch durch sein Haus sein, und das Hofthor nur für die Besucher der Universität dienen. Auch hinsichtlich der Anbringung der Fenster wurden ihm verschiedene Beschränkungen auferlegt. In diesem bescheidenen Lokal, das jetzt verschwunden ist, blieb die Druckerei bis zu ihrem Aufhören.

Isaack erwirbt die
Offizin Erpenius.

Die Massregel der Universität, Isaack zu ihrem Buchdrucker zu ernennen, war gewiss eine glückliche, denn durch die Ausführung schwieriger Arbeiten, unter welchen namentlich das Theatrum geographiæ veteris in Folio, für Rechnung des Buchhändlers J. Hondius, besondere Erwähnung verdient, hatte er sich bereits einen guten Namen erworben, und sich auch in anderer Weise, durch den Ankauf der Buchdruckerei des berühmten Orientalisten Erpenius (Th. van Erpe), klüglich vorbereitet. Nicht damit zufrieden, die orientalischen Sprachen zu lehren und Werke herauszugeben, hatte Erpenius eine Druckerei in seinem Hause eingerichtet, die er selbst überwachte. Nach seinem plötzlichen Tod an der Pest am 13. Nov. 1624 legte die Universität grosses Gewicht darauf, seine Druckerei für Leyden zu erhalten. Mit dem seinem Geschlechte eigenen Geschäfts-Instinkt war Isaack den Wünschen der Universität bereits zuvorgekommen, und hatte alle Stempel, Matrizen und Schriften des Erpenius erworben.

Druckerzeichen.

Als Druckerzeichen nahm Isaack eine Ulme an, die von einem Rebstock voll Trauben umschlungen wird, daneben steht ein Einsiedler; die Devise lautet: non solus. Der Baum mit dem Rebstock deutet dasselbe an, was das Bund mit den Pfeilen ausdrücken will. Dies Druckerzeichen wurde bis 1712 benutzt. Ein anderes, von Isaack verwendetes: ein Palmbaum mit der Umschrift Assurgo pressa, war ursprünglich das Insigne des Erpenius. Im übrigen bedienten sich Isaack sowohl als auch Bonaventura und Abraham mitunter der Marke des Vaters.

Isaack giebt das
Geschäft auf.

Trotz des günstigen Fortgangs des Geschäfts fasste jedoch Isaack den Entschluss, dasselbe aufzugeben, angeblich aus Besorgnis um die Folgen des langwierigen Krieges in Deutschland. Durch Vertrag vom 24. Dez. 1625 übergab er die Offizin mit 5 Pressen und 1 Kupferdruckpresse, 10 000 Kilo Schriften, Stempeln, Matern etc. seinem Bruder Bonaventura und seinem Neffen Abraham für die Summe von 9000 Gulden, und 2000 Gulden für das Lokal. Im Februar 1626 legte er auch sein Amt nieder und verliess in den letzten Tagen des Jahres Leyden, trat in den Marinedienst und hatte 1632 Kapitänsrang. 1648 finden wir ihn in Delft in Association mit seinen zwei jüngsten Söhnen, um eine Brauerei zu betreiben. Er starb in Köln am 8. Okt. 1651.


Bonaventura und
Abraham.

Wir kehren nun zu dem Stammgeschäft zurück. Bonaventura, wahrscheinlich so nach dem berühmten Gelehrten Bonaventura Vulcanus (de Smidt) aus Brügge genannt, war 1583 in Leyden geboren. Sein Vater liess ihn zeitig Geschäftsreisen machen. Abraham, in Leyden am 14. April 1592 geboren, war an Stelle seines Vaters eingetreten. Er hatte in Leyden studiert und sich bei seinem Bruder Isaack mit der Typographie vertraut gemacht. Am 21. Mai 1621 heiratete er Katharina van Waesberghe, Tochter des Admiralitätsbuchdruckers in Rotterdam, und kam dadurch in eine unabhängige Stellung, sodass er sich als Buchhändler etablieren konnte. Ein Glück für Bonaventura war es, nachdem 1625 die Druckerei Isaacks ihm noch zugefallen war, einen Mitarbeiter gefunden zu haben, der sich namentlich der Buchdruckerei widmete.

In demselben Jahre heiratete Bonaventura Sahra van Keulen, Tochter des berühmten Gelehrten Daniel Colonius, für ihn ein doppelter Vorteil, indem er nicht nur in eine sehr angesehene Familie eintrat, sondern auch in nähere Verbindung mit einer grossen Anzahl der bedeutendsten Gelehrten trat, die sich nun vorzugsweise der Pressen der Elzeviere bedienten.

Dass unter den obwaltenden Verhältnissen die Stellung als Universitätsbuchdrucker den Elzeviers nicht entgehen konnte, ist fast selbstverständlich. Man gewährte ihnen das Recht, die alte Lokalität innezubehalten, und bewilligte ihnen ein jährliches Gehalt von 100 fl., das auf 200 und später auf 300 fl. erhöht wurde.

Der Glanz des
Hauses.

Die nun folgenden 26 Jahre waren die des grössten Glanzes des Hauses. Das Streben der Associés war von Beginn ab darauf gerichtet, sich von dem Alltäglichen zu emanzipieren und ihren Erzeugnissen mehr und mehr den Stempel der Vollkommenheit aufzudrücken. Schon ihre ersten Druckwerke übertrafen die Isaacks, und jedes Jahr zeigt einen Fortschritt, sei es in der Schrift, in der Ornamentierung, oder in dem Druck. Schritt für Schritt kann man diese Elzeviere auf ihrem Wege zur Vollendung verfolgen, bis sie, nach zehn Jahren, Meisterwerke wie ihren Cäsar, Terenz und Plinius v. J. 1635 hervorzubringen imstande waren. Ihnen verdankt man die Initiative zu allen den Unternehmungen, welche den Namen Elzevier zu einem unsterblichen in der Geschichte der Buchdruckerkunst und des Buchhandels gemacht haben. Im Jahre 1625 begannen sie die Sammlung der kleinen „Republiken“, für welche sie ein Privilegium vom 15. Mai 1626 erhielten. 1629 weihten sie die Reihe der lateinischen Klassiker in dem berühmten Duodez durch den Horaz und den Ovid ein; 1641 die Kollektion der renommiertesten Schriften einer neueren Zeit mit dem Cid; die Sammlung französischer Klassiker mit Régnier 1642. Daneben folgten aber auch Bücher in grösserem Formate, darunter verschiedene orientalische Werke.

Die kleinen Aus-
gaben.

Ihren Hauptruhm bilden jedoch die Duodezausgaben der Klassiker zu billigen Preisen. Zwar waren solche kleinere Ausgaben nicht ohne Vorbild, wir erinnern nur an die „Aldinen“, im allgemeinen war man jedoch bei den grossen Formaten geblieben, bis mit den Elzevieren die Ausnahme Regel wurde. Die Bändchen, von den berühmtesten Kritikern und Kommentatoren der Zeit besorgt, nahmen im Sturm das Publikum für sich ein. Das Oktavformat blieb nur für die Ausgaben mit vielen Noten und Varianten. Durch den billigen Preis von 1 fl. als Mittelpreis für einen Band von etwa 500 Seiten steigerte sich der Absatz enorm. Die Durchschnittsgrösse der Auflagen ist nicht bekannt, sie muss aber eine bedeutende gewesen sein.

Übrigens fehlte es nicht an Stimmen, die diese handlichen Bändchen als eine Herabwürdigung der Gelehrsamkeit bezeichneten und als eine rein kaufmännische Manipulation verdammten. Trotzdem suchten die Gelehrten eine Ehre darin, dass ihre Werke den Kollektionen einverleibt wurden. Ja, selbst Autoren, deren Schriften von den Elzevieren nachgedruckt waren, schrieben ihnen verbindliche Briefe auf Grund der auf den Nachdruck verwendeten Sorgfalt. Das Format wurde in ganz Holland und Belgien standard und auch von mehren Pariser Buchhändlern angenommen. Bald bemächtigte auch die Sammelwut sich der kleinen Bändchen. Noch vor Ablauf des Jahrhunderts wurde von Liebhabern berichtet, die sich das Allernotwendigste versagten, um eine komplette Elzeviersammlung zu besitzen.

Papier und Kor-
rektur.

Mit der Beschaffung des Papiers scheinen die Elzeviere manchmal Not gehabt zu haben. Öfters wenden sie französisches an, das jedoch schon in Frankreich auf Grund der dortigen Abgaben sehr teuer zu stehen kam, wie viel mehr also im Auslande. Während des Krieges mit Frankreich war die Einfuhr von Papier ganz verboten und die Elzeviere bezogen grosse Massen aus Deutschland, klagen jedoch öfters, dass dieses oder jenes Werk nicht recht gefördert werden könne, weil das in Frankfurt bestellte Papier nicht angekommen sei.

In Betreff der Korrektheit der Elzevier-Ausgaben sind von einander abweichende Stimmen laut geworden. Viele loben dieselbe sehr, viele tadeln derb die Inkorrektheit. Der Grund ist nicht schwer zu finden. Die Elzeviere waren nicht, wie die Aldi, Stephane, oder wie Badius, Morel, Oporin begeisterte Gelehrte, die im Interesse der Wissenschaft Typographen geworden waren und einen Hauptteil der litterarischen Arbeit auf sich nahmen; sie waren praktisch-tüchtige Geschäftsleute, welche die Typographie hochhielten, aber nicht in der Lage waren, durch ihre persönlichen Kenntnisse zur Förderung der Wissenschaft beizutragen. Man darf sich nicht von ihrem Titel „akademischer Buchdrucker“ oder von den gutgeschriebenen lateinischen Anreden in ihren Verlagswerken irreleiten lassen; letztere sind Arbeiten ihrer litterarischen Freunde, namentlich des Dan. Heinsius. Sie gaben sich alle Mühe, für gute Korrektoren zu sorgen, diese waren aber selten; oft mussten sie sich deshalb in Betreff der Korrektur auf die Verfasser selbst verlassen, die bekanntlich selten diese Arbeit in befriedigender Weise üben. So giebt es neben sehr gut korrigierten Ausgaben der Elzeviere auch fehlerreiche. Im allgemeinen sind ihre lateinischen Klassiker sorgsam korrigiert, der Virgil von 1676 gilt sogar als ein nicht leicht zu erreichendes Muster, auch ihre französischen und italienischen Ausgaben, obwohl Nachdrucke, waren öfters weit korrekter als die Originale. Viele bekannte Namen fanden sich unter ihren Korrektoren nicht vor, berühmte gar nicht.

Das ausländische
Geschäft.

Als eine Eigentümlichkeit der Elzevierischen Geschäftsorganisation wurde schon der ausgedehnte ausländische Vertrieb erwähnt, der bereits von Ludwig begonnen und sowohl (seit 1630) von dem Leydener als später von dem Amsterdamer Haus in System gebracht wurde.

Die meisten Glieder der Familie begannen ihre Thätigkeit mit dieser Branche. Selbst nach seiner Association mit Matthias und Abraham setzte Bonaventura seine Reisen fort; doch nötigten ihn später die steigenden Geschäfte, diesen Teil der Arbeit dem Neffen, Ludwig, zu überlassen, bis dieser sich 1638 in Amsterdam etablierte. Er wurde von Johann, dem ältesten Sohn Abrahams, dieser wieder von Daniel, Bonaventuras Sohn, abgelöst.

Als letzterer später dem Geschäft Ludwigs in Amsterdam beitrat, setzte er seine Reisen für dieses fort.

Über die Depots in Frankfurt, Italien und Paris wurde schon oben gesprochen. Eine grosse Bedeutung hatte die Verbindung mit den skandinavischen Ländern. Kopenhagen, der Hauptsitz der Litteratur im Norden, war gewohnt, sich in Frankfurt zu versorgen. Als jedoch der Verkehr im 30jährigen Krieg immer schwieriger wurde, hielten die Holländer mit ihrem merkantilen Genie es für angebracht, die litterarische Versorgung des Nordens zu übernehmen. Der erste, der den Versuch machte, war der Buchhändler Johann Jansson aus Amsterdam und der Erfolg war ein so glänzender, dass die dänischen Buchhändler bittre Beschwerden über die Eindringlinge führten. Eine Merkwürdigkeit war, dass der Buchhandel dort in den Kirchen betrieben wurde, was erst aufhörte, als Christian iv. die prachtvolle Börse baute, in deren erstem Stock eine Menge Detail-Läden, namentlich für den Buchhandel, sich befanden. Hier mieteten Jansson und die Elzeviere Lokale. Ihr Handel muss ein sehr bedeutender gewesen sein, denn sie liessen besondere Kataloge drucken, von welchen einer auf uns gekommen ist: Catalogus omnium librorum, qui hoc tempore in officina Elzeviriana prostant. Hafniæ 1642. Man sieht, es handelt sich um eine vollständige Filiale. Wer sie dirigierte, ist nicht bekannt; die Elzeviere selbst besuchten jedoch oft Kopenhagen. Nicht weniger gut als dort waren sie in Schweden angeschrieben, und die für die Wissenschaften eingenommene Königin Christine machte ihnen vorteilhafte Anerbietungen, um sie zu bestimmen, ein Haus dort zu gründen. Sie lehnten es ab, dagegen kamen die Verhandlungen mit Joh. Jansson zustande, der 1647 das Privilegium, eine Druckerei anzulegen, erhielt (vgl. S. 157).

Eigenschaften der
Associés.
Daniel Heinsius.

Zu dem Glanze des Leydener Hauses trug jeder der Associés bei. Bonaventura leitete mit grossem Geschick den bibliopolischen und kaufmännischen Teil des Geschäfts, wozu ihn eine sorgfältige Vorbereitung geeignet machte. Mit ihm verhandelten gewöhnlich die Gelehrten und die Kunden. Abraham besorgte mit gleicher Sorgfalt und grosser Hingebung das typographische Departement. Eine gute Hülfe hatten sie in Ludwig ii., bis dieser selbst sich etablierte. Eine ganz wesentliche Stütze für das buchhändlerische Geschäft war der berühmte Gelehrte Daniel Heinsius, der so eigentlich die Seele der litterarischen Produktion war. Heinsius war 1580 in Genf geboren. In Leyden war er der bevorzugte Schüler von Jos. Scaliger und später von dessen Nachfolger. Er war ein Universalgenie, in allen Fächern des Wissens zuhause, zugleich ein Dichter von gutem Geschmack. Ganz natürlich, dass ein solcher Mann einen Verleger im Guten sowohl wie im Bösen vollständig beherrschen konnte. In beiderlei Hinsicht übte er auf die Elzeviere, speziell auf Bonaventura, einen grossen Einfluss. Ihm verdanken sie den Besitz einer Reihe der besten Verlagswerke, bei deren Herausgabe er ihnen zuhilfe kam, indem er die Einleitungen und Dedikationen, mit welchen die Verleger ihre Werke begleiteten, schrieb. Er war jedoch eine streitsüchtige, egoistische Natur und hielt die Elzeviere von denjenigen Gelehrten ab, die bei ihm nicht in Gunst standen.

Tod Abrahams
u. Bonaventuras.

Bonaventura selbst zeigt sich auch nicht durchweg als liebenswürdiger Charakter, namentlich scheint er von einem mitunter hässlichen Geiz beherrscht gewesen zu sein. Nichtsdestoweniger suchte man gern eine Verbindung mit den Elzevieren und rühmte ihre Genauigkeit, Pünktlichkeit und ihren Eifer, sowie ihr warmes Interesse für ihren Beruf, dem sie einen förmlichen Kultus erwiesen. Liebenswürdiger als Bonaventura dürfte Abraham gewesen sein, Wenigstens spricht für seine Beliebtheit, dass die Universität nach seinem Tode, am 14. Aug. 1652, ihm zu Ehren eine goldene Medaille prägen liess, eine Auszeichnung, mit der sie sehr sparsam war. Dagegen geschah nichts zu Ehren Bonaventuras, als dieser einen Monat später, am 17. Septbr. 1652, verschied.

Die Auszeichnung Abrahams fällt um so mehr auf, als schon 1649 Differenzen mit der Universität auf Grund der von den Elzevieren angesetzten Preise entstanden waren. Es kam sogar in Frage, ihnen die Emolumente zu entziehen, während sie ihrerseits auf Erhöhung derselben antrugen. Bei dem Tode Abrahams und Bonaventuras war noch nichts entschieden, doch muss ein Ausgleich stattgefunden haben, denn man bewilligte den Nachfolgern die bisherigen Emolumente, und so blieb es bis zum Erlöschen des Hauses 1712.


Johann und
Daniel.

Bonaventura vermachte seinem ältesten Sohne Daniel sein Haus auf der Rapenburg und seinen Anteil an allem, was er in Verbindung mit Abraham besessen hatte. Ein Gleiches that Abraham in Betreff seines Sohnes Johann.

Johann, der älteste Sohn Abrahams aus seiner Ehe mit Katharine van Waesberge, war das einzige von dessen Kindern, welches der väterlichen Laufbahn folgte. Er war zu Leyden im Febr. 1622 geboren; 1638 wurde er, 16 Jahre alt, nach Paris gesandt, wohl weniger um sich in der Typographie, als im Französischen zu vervollkommnen und um neue Verbindungen anzuknüpfen oder die alten zu pflegen. Schon 1643 ist er wieder dort, zum Vertrieb von Büchern; 1641 ging er nach Dänemark; 1644 wieder nach Paris. 1647 heiratete er Eva van Alphen aus Leyden; 1649 etablierte er sich im Hause des Grossvaters Bonaventura.

Daniel, der älteste Sohn Bonaventuras und der Sarah van Keulen, war im Aug. 1626 in Leyden geboren. Aus seiner Jugendzeit wissen wir nur, dass er 1645 nach Paris ging, um seine Ausbildung zu vollenden. Dort blieb er gegen drittehalb Jahre, um dann in Leyden zu studieren, dabei nahm er jedoch an den Geschäften teil.

Trennung
Daniels von
Johann.

Es war eine schwere Last, welche auf den Schultern der jungen Männer ruhte. Sie begannen jedoch guten Mutes ihr Werk. Ihre Ausgaben der Nachfolge Christi und des Psalters von 1653 gehören zu den besten Erzeugnissen der Elzeviere. Aber die Aussichten für die Zukunft waren weniger freundlich, als bisher. Gleichzeitig mit den Vätern war eine grosse Zahl der gelehrten Freunde und Ratgeber von der Bühne abgetreten; die Universität befand sich in einer Krisis; die Zeiten waren vorbei, wo die Arbeiten ihrer Professoren die gelehrte Welt in Bewegung setzten, sie genügten nicht mehr, um einer Druckerei eine Fülle von Arbeit und Ehre zu bringen. Dabei war das Verhältnis der jungen Männer zu der Universität ein nicht ganz ungestörtes. Es fehlte ihnen noch an der nötigen Erfahrung und Autorität, um glücklich über alle Klippen wegzukommen, Eigenschaften, die dagegen der Amsterdamer Ludwig in hohem Grad besass. Diejenigen berühmten Gelehrten, die durch Heinsius den Leydener Elzevieren entfremdet worden waren, näherten sich Ludwig; selbst Leydener Gelehrte suchten die Verbindung mit ihm. Diese Umstände, dazu Johanns schwankender Charakter werden wohl mitgewirkt haben, um Daniel zu bestimmen aus dem Geschäft zu treten und sich mit seinem Vetter Ludwig in Amsterdam zu verbinden. Ein weiterer Grund mag wohl auch seine Heirat mit Anna Bierninck, Enkelin von seinem Onkel Justus und Nichte und Mündel Ludwigs, gewesen sein. Er trennte sich nach zwei und einem halben Jahre von Johann.


Wir werden nun Ludwigs und Daniels Schicksale in Amsterdam verfolgen, um dann zu dem Leydener Geschäft und dessen traurigem Ende zurückzukehren.

Ludwig iii. und
das Amsterdamer
Haus.

Der Gründer des Amsterdamer Geschäfts, Ludwig iii., ältester der vier Söhne des Justus, war 1604 in Utrecht geboren. Früh vaterlos, wurde er, um zu studieren, nach Leyden gesandt, wo er bei seinem Onkel Matthias wohnte und Gelegenheit fand, sich mit Buchhandel und Typographie bekannt zu machen. Durch seine vielen Reisen kreuz und quer durch Europa hatte er sich vortrefflich für ein eigenes Etablissement vorbereitet. Er war 33 Jahr alt geworden; Aussichten auf eine selbständige Stellung in dem Leydener Geschäft waren nicht vorhanden; Konkurrenz wollte er demselben nicht machen. Er wählte deshalb Amsterdam zum Schauplatz seiner Thätigkeit. Wennauch vorzugsweise Handelsstadt, war Amsterdam doch durch seine gelehrten Gesellschaften bekannt, und besass eine Art von Universität in seinem neu errichteten Athenäum, welches schon berühmte Lehrer zu den Seinigen zählte. Die Leydener Verwandten hatten nichts gegen das Etablissement einzuwenden, sie hofften sogar Vorteile durch energische Verbreitung ihrer Artikel seitens Ludwigs zu erreichen und druckten auch anfänglich mehrere Werke für ihn.

Aufblühen des
Hauses.

Jedoch Ludwig war der Mann, um ganz auf eigenen Füssen zu stehen. Kaum etabliert, suchte er die Verbindung mit dem berühmten Hugo Grotius, der als schwedischer Gesandter in Paris lebte. Ohne Freigeist zu sein, hatte Ludwig auf seinen Reisen doch in religiösen Angelegenheiten einen freieren Blick erworben, als seine Leydener Verwandten, die eine grosse Strenggläubigkeit entweder wirklich besassen, oder durch die Verbindung mit der Universität zu zeigen gehalten waren. Er war so recht geeignet, als Verleger die unabhängigen Geister um sich zu versammeln. Er zählte sogar zur katholischen Kirche übergetretene zu seinen litterarischen Freunden, ohne dass dies ihn verhinderte, Schriften zu verlegen, welche die Katholiken wenig schonten. Seit 1642 druckte er alle Werke des Cartesius, was auf die volle Unabhängigkeit seines Charakters deutet, denn man weiss, welche heftigen Angriffe der Autor seitens der holländischen Theologen auszustehen hatte, sodass es in Leyden sogar verpönt war, den Namen Cartesius zu nennen. Auch die Werke der Schüler und Anhänger desselben gab Ludwig heraus, ebenso die Schriften der französischen Jansenisten.

Jedenfalls lag es gleich von Beginn ab in Ludwigs Absicht, eine Druckerei anzulegen. Im Jahre 1640 besass er eine solche, wennauch nach einem beschränkten Massstabe, denn seine Mittel waren nicht bedeutend. Er liess sowohl bei seinen Verwandten, wie bei anderen Kollegen, namentlich bei Fr. Hackius in Leyden drucken, der von allen Buchdruckern den Elzevieren am nächsten stand, um so mehr als ein Sohn des Hauses Hackius, Cornelius, mit Margaretha Elzevier, Schwester von dem in Utrecht als Buchhändler etablierten Peter und Nichte Ludwigs, verheiratet war.

Es dauerte nicht lange, so stand das Amsterdamer Geschäft dem Leydener gleich. Von 1640-45 kamen 219 Verlagsartikel heraus. Die Geschäfte wuchsen so rasch, dass es Ludwig nicht immer möglich war, die nötige Ordnung und Pünktlichkeit zu zeigen; er sah sich deshalb nach Hülfe um. So wurde die Association mit Daniel am 1. Mai 1655 abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit gingen eine Menge Verlagsartikel des Leydener Geschäfts auf Daniel über und von dieser Zeit an begannen auch die Amsterdamer Pressen, die berühmten Duodeze zu reproduzieren, auf welche das Leydener Geschäft bis jetzt faktisch das Monopol gehabt hatte. Die Zahl der von Ludwig und Daniel, während eines neunjährigen Zusammenwirkens, herausgegebenen Werke beträgt gegen 150; auch der Anfang ihres Hauptwerkes, der grossen Bibel von Desmarest, stammt aus dieser Zeit.

Druckerzeichen.

Als Zeichen bedienten sie sich der Minerva mit der Aegide, dem Ölzweig und der Eule und mit der Devise Ne extra oleos. Der Gedanke der Devise ist dem Wettrennen der Alten entlehnt, bei welchem das Ziel durch eine Reihe von Ölbäumen bezeichnet war. Die Warnung: „nicht über die Ölbäume hinaus“, heisst also soviel als: „Halte dich innerhalb der richtigen Grenzen, und schiesse nicht über das Ziel hinaus“.

Geschäftslokal.

Das Geschäftslokal war „opt Water in den Olm-boom“. Diese Bezeichnung „Auf dem Wasser“ hatte ein Hauptquai in Amsterdam, wo vorzugsweise die Lokale der Buchhändler und Buchdrucker sich befanden. Die Elzeviere bewohnten dort nach und nach verschiedene Häuser; wenn sie nichtsdestoweniger als „in der Ulme“ wohnhaft fort firmierten, so ist dies durch die Sitte erklärlich, die Häuser nicht nur nach den, von dem Besitzer über den Thorweg in Stein gehauenen Emblemen, sondern auch nach den beweglichen Schildern der gewerbetreibenden Bewohner zu bezeichnen.

Ludwigs Tod.

Im Jahre 1664 zog sich Ludwig zurück, und lebte auf seinem schönen Landsitz, welchen er halbwegs zwischen Amsterdam und Utrecht besass. Sein Name findet sich fernerhin nur auf der Bibel Desmarests, welche 1669 in 2 Bdn. in Folio vollendet wurde. Sie war bei dem Ausscheiden Ludwigs Gegenstand eines besonderen Übereinkommens unter den Associés geblieben. Ludwig starb 1670 in Leyden, infolge eines Beinbruchs.

In allen Angelegenheiten der Familie war Ludwig stets als das Oberhaupt betrachtet worden, und er hatte gesucht, ihr Interesse, wo er konnte, wahrzunehmen. Seine Rechtschaffenheit und Einsicht wurden überall anerkannt. In seinem Testament zeigt er sich als einen durchaus noblen Mann, sowohl gegen Andere, als auch gegen seinen Associé. Es sollten alle Rechnungen mit ihm ohne irgend eine Revision geordnet werden. Es war ihm freigestellt, die Artikel zu den Druck- und Papierkosten ohne Zinsen und sonstige Lasten zu übernehmen, und die daraus entstehende Schuld erst in langen Terminen unter 4% Verzinsung zu zahlen.


Daniels weitere
Wirksamkeit.

Die Weiterführung des ausgedehnten und vielseitigen Geschäfts war für Daniel mit seinen alleinigen Kräften eine schwere Aufgabe, wozu die grösste Energie notwendig war. Hierzu kamen noch ungünstige Zeitverhältnisse. Kurz nach der Übernahme brach der Krieg mit England aus, der zwei Jahre (1665-67) mit wechselndem Kriegsglück, aber unter fortwährender Hemmung der Geschäfte, dauerte. Daniel nahm deshalb Jakob Zetter in sein Geschäft, der den buchhändlerischen Teil sehr gut leitete. 1669 fesselte er den jungen Heinr. Wetstein, der bestimmt war, selbst einen bedeutenden Platz in der niederländischen Typographie einzunehmen, an sich. Wetstein war 1649 in Basel geboren, wo sein Vater Professor der griechischen Litteratur war. Er hatte eine vortreffliche wissenschaftliche Erziehung genossen, aber sein Trieb zur Typographie war ein unwiderstehlicher. Am besten glaubte er seinen Zweck in Holland zu erreichen, trat daher mit seinem 20. Jahre bei Daniel in die Lehre und blieb 7 Jahre bei ihm. 1676 verheiratete sich Wetstein und etablierte sich dann als Buchhändler. Er war mit Zetter zusammen dem Hause Elzevier von grossem Nutzen. Daniels Buchhandlung hatte vorher nur aus Verlags- oder Kommissionsartikeln bestanden; jetzt fügte Wetstein ein vollständiges Sortiment neuer und alter Bücher hinzu. 1674 gab Daniel, durch Wetstein unterstützt, seinen grossen Lagerkatalog, über 20000 Werke enthaltend, heraus.

In den Jahren 1667-1672 wurden über 100 neue Werke gedruckt, daneben die grosse Bibel fortgesetzt. Daniel sammelte, als letzter der bedeutenden Elzeviere, die ganze Ehre des Namens auf sich und wurde als einer der Buchdrucker majorum gentium betrachtet. Als im Jahre 1672 ein grosser Brand einen bedeutenden Teil des Blaeuschen Geschäfts vernichtete und Blaeu in Verlegenheiten kam, kaufte Daniel eine Anzahl von dessen Verlagsartikeln. Auch von Hackius machte er bedeutende Erwerbungen.

Trotz der schweren Zeiten hat man sich also Daniel nicht als mutlos geworden zu denken, und noch in den Jahren 1675-1680 verliessen 90 Verlagswerke, unter welchen sich einige seiner bedeutendsten Leistungen befinden, seine Pressen.

Daniels Tod.

Da überraschte ihn der Tod mitten unter den Vorbereitungen zu einer Menge neuer grossartiger Unternehmungen. Am 13. Oktbr. 1680 unterlag er dem wiederholten Anfall eines heftigen Fiebers, wie solche in Amsterdam nicht selten auftreten.

Die Elzevier-
schriften.

Die Verhältnisse waren schwer zu beherrschen. Zwar beabsichtigte die Witwe das Geschäft fortzusetzen, sah aber bald die Notwendigkeit einer Beschränkung ein. Zuerst kam die Reihe an die Schriftgiesserei, bei welcher Gelegenheit ein Licht über die Entstehung der Elzevier-Schriften geworfen wird. Es gelang dem Herrn Alfons Willems, im Plantinschen Museum in Antwerpen ein Schreiben von der Witwe Daniels an die Witwe des Balthazar Moretus aufzufinden, in welchem erstere den Plantins ihre Schriftgiesserei anbietet, mit 27 Sorten von Stempeln und 50 Sorten Matern „gemaekt wesende bij Christoffel van Dyck, de beste meester van sijnen en onsen tijdt, en bij gevolge de beroemste gieterije, die ooyt ist geweesi“. Beigefügt ist eine Schriftprobe, ein einzelnes Blatt in Plakatformat, mit der Überschrift: „Proeven van Letteren die gesneden ziin door Wylen Christoffel van Dyck, soo als de selve verkoft sullen werden ten huyse van de Weduwe Wylen Daniel Elsevier, op't Water by the Papenbrugh, in den Olmboom, op Woensdagh, den 5 Martii 1681“.

Zwar ist nur die Rede von den Typen der Amsterdamer, aber es ist nicht anzunehmen, dass diese nur Plagiate der Leydener gewesen. Es würde die Witwe Daniels kaum gewagt haben von van Dyck als von dem ersten Schriftschneider seiner Zeit zu sprechen, wenn er nur ein Plagiator gewesen[7]. Früher hat man die Schriften der Elzeviere dem Claude Garamond oder den Sanleques zugeschrieben. Garamond war jedoch bereits 1561 gestorben, auch zeigen seine Schriften einen abweichenden Charakter. Eher stimmen die Elzevier-Schriften mit denen Sanleques überein, der ein Zeit- und Religionsgenosse der Elzeviere war, so dass die Vermutung, die Schriften stammten von diesem, mehr Wahrscheinlichkeit hatte.

Schicksale der
Elzevier-
schriften.

Das Plantinsche Haus nahm das Anerbieten der Witwe Elzevier nicht an, und die Schriftgiesserei ging nunmehr durch Kauf an Jean Bos im Hause Joseph Athias über. Letzterer war ein spanischer Jude, der ein bedeutendes typographisches Etablissement in Amsterdam besass. Er war namentlich bekannt als Drucker einer Anzahl von Bibeln in fremden Sprachen, ganz besonders ist seine hebräische Bibel berühmt, für welche ebenfalls Christoff van Dyck die Schriften geschnitten hatte, die noch jetzt unter die schönsten hebräischen Schriften zählen. Als Belohnung für diese Arbeit erhielt Athias von den Staaten von Holland und Westfriesland eine goldene Medaille an goldener Kette zu tragen, eine Auszeichnung, die noch keinem Israeliten zuteil geworden war. Vielleicht hat Athias seine Dankbarkeit gegen van Dyck, durch Ankauf des ganzen Komplexes seiner Schriften, zeigen wollen. Sein Etablissement ging in die Hände von J. J. Schepper über, später an den Schriftgiesser Johann Roman, der die oben erwähnten Proben genau mit allen Fehlern als Proben seiner Giesserei druckte. Diese kam 1767 an die Brüder Ploos van Amstel in Amsterdam und an Johann Enschedé in Haarlem, die den Fond teilten; später ging das Ganze auf Enschedé über. Dieser, ein warmer Bewunderer der Leistungen des Schriftschneiders Fleischmann, legte übrigens, wie es scheint, kein grosses Gewicht auf die Schriften von van Dyck.

Auflösung des
Amsterdamer
Geschäfts.

Die Verhältnisse bei dem Tode der Witwe Daniels im Mai 1681 machten alle Gedanken an eine wennauch beschränktere Fortführung des Geschäfts zunichte. Die Erbschaft konnte von den Beauftragten der neun Kinder Daniels nur cum beneficio inventarii angetreten werden. Die Liquidation fiel jedoch über alle Erwartung günstig aus und erzielte nach heutigem Geldwerte eine Summe von etwa einer viertel Million Mark. Die Amsterdamer Verleger hatten sich längst auf diesen Augenblick gerüstet und kauften mit Begierde die berühmten Verlagsartikel.

So verblieb nur die Erinnerung an das angesehene Elzeviersche Haus in Amsterdam. Doch nicht allein der Glanz desselben wurde mit Daniel zu Grabe getragen, auch der hohe Ruhm der niederländischen Typographie im allgemeinen war dahin. Fast gleichzeitig mit Daniel schieden fast alle die grossen holländischen Buchdrucker, welche die letzte Hälfte des xvii. Jahrhunderts mit ihrem Ruhm erfüllt hatten. Zwar erstanden aufs neue tüchtige Männer, welche die typographische Fahne hochhielten, aber die Kette war gebrochen, und es gelang nicht, die Glieder wieder zu einem Ganzen zu vereinigen.


Ende d. Leydener
Hauses.

Wir haben nun noch den letzten Blick, der keine Freude gewährt, dem Leydener Hause zuzuwenden.

Daniels Austritt war ein schwerer Schlag, indes verlor Johann den Mut nicht. Da er keinen Associé hatte, suchte er helfende Kräfte zu gewinnen, und es scheint ihm dies durch das Engagement Karl Gerstekorns gelungen zu sein. Wenn unter den schwierigen Verhältnissen Johann den Senat um Erlaubnis ersuchte, die Offizin baulich erweitern zu dürfen, so ist dies, wenn es damit überhaupt Ernst war, nur in der Weise zu erklären, dass er sich auf die Druckerei allein hat beschränken und diese mit aller Kraft hat betreiben wollen. Wenigstens mässigt er seine Verlagsthätigkeit sehr und sucht sein Lager durch Auktionen zu erleichtern. Es gehören immerhin einige seiner Leistungen dieser Zeit, als: de Brebeuf, Pharsalus und P. le Moyne, Gallerie des femmes fortes, zu den besten seiner Pressen.

Johann starb, ohne einen Plan für die Zukunft des Geschäfts gelegt zu haben, am 8. Juni 1661, erst 39 Jahre alt. Seine Witwe entschloss sich, die Geschäfte fortzuführen, und erhielt auch die Bestätigung des Verhältnisses zur Universität. Durch Auktionen in den Jahren 1659, 1660 und 1661 entledigte sie sich des Leydener Lagers und der Haager Vorräte. Mit Ausnahme der Fortführung der grossen holländischen Bibel, die schon während Daniels Zeit angefangen und bei der er beteiligt geblieben war, scheint sie eigenes Verlegen ganz unterlassen zu haben. So ging das Geschäft nach und nach zurück. 1681 übergab sie es dem zweiten Sohne Abraham ii., und starb 1695.

Abraham, am 5. April 1653 geboren, hatte in Leyden studiert und 1679 den Doktorgrad erworben. 1695 wurde er Schöffe zu Leyden. Unter seiner Misswirtschaft verfiel die Druckerei vollständig. Als nach seinem am 30. Juli 1712 erfolgten Tode das Geschäft verkauft wurde, war der Erlös noch nicht 2000 Fl. — Sic transit gloria mundi.


Die Nachahmer
der Elzeviere.

Es konnte nicht anders sein, als dass der grosse Erfolg der Elzevierschen Duodezausgaben auch andere Buchdrucker innerhalb und ausserhalb der Grenzen der Niederlande zur Nachahmung anstachelte. Es dauerte nicht volle zehn Jahre nach den ersten Ausgaben seitens der Elzeviere, bis eine Überschwemmung mit Nachahmungen derselben eintrat, die oft die Vignetten und anderes Beiwerk so genau wiedergaben, dass die Entscheidung, ob ein Buch wirklich den Elzevieren gehörte oder nicht, manchmal eine sehr schwierige war.

Nach der Druckerei der Elzeviere war in Leyden die bedeutendste die von Franz Hackius, die viel für die erstgenannte druckte, und eine sehr leistungsfähige Offizin war. Um die Mitte des xvii. Jahrhunderts gab es in Leyden überhaupt 9 Druckereien mit 23 Pressen, darunter keine mit mehr als vier. In Amsterdam waren die Druckereien nicht so zahlreich, aber sehr tüchtig. Von den Blaeu hörten wir bereits. Johann Jansson, der nicht dieser Familie angehörte, druckte von 1618-1664 und war besonders als Nachdrucker bekannt. Fand ein Werk eines ausländischen oder auch eines holländischen Kollegen Beifall, so war Jansson schnell mit einem Nachdruck bei der Hand. Er hatte, wie schon erwähnt, eine Filiale in Kopenhagen und errichtete eine Druckerei in Stockholm. Nachdem Johann van Waesberge eine Tochter Janssons geheiratet hatte, fügte letzterer den Namen des Schwiegersohns dem seinigen bei. Nach Janssons Tod associierte sich Waesberge erst mit seinem Schwager Elisäus Weyerstraten (1664-1667), später mit dessen Witwe. Von 1669 ab bis zu seinem Tode 1681 druckte er allein[8].

Zu den talentvollsten Nachahmern der Elzeviere gehören auch die Brüsseler Buchdrucker François Foppens (gest. 1684) und Eugène Henry Frix (gest. um 1715).

Ein sehr geschätzter Buchdrucker, Buchhändler, Kartenstecher und Geograph war P. van der Aa (gest. 1730). Sein grösstes Werk, eine Weltgalerie, umfasst 66 Bände. Die berühmte Familie Wetstein wurde schon früher erwähnt.

Die Schrift-
giesserei.

Nach dem Erlöschen der Familie der Elzeviere ist die der Enschedé die bekannteste, namentlich ist ihre Geschichte mit der der Schriftgiesserei in Holland auf das engste verknüpft.

Es wurde schon früher erwähnt, dass Paffroed in Deventer[9] für damalige Zeit sehr schöne nationale Schriften geliefert hatte. Von da an jedoch machte in den Niederlanden der Schnitt der gothischen Schrift nur sehr langsam Fortschritte. Dürers litterarische Arbeiten waren durch seine Reise in den Niederlanden populär und von Joh. Jansson in Amsterdam sowohl lateinisch als auch (1606) deutsch mit Frakturschrift gedruckt worden. Die Fraktur fand bei den Schriftgiessern Aufnahme und Dirk Voskens z. B. lieferte sie in 14 Graden mit den entsprechenden Schwabacher Schriften. Wahrscheinlich geschah dies mit auf Antrieb Philipps von Zesen, der sich um die Mitte des xvii. Jahrhunderts in Amsterdam aufhielt und eine Anzahl eigener und übersetzter Werke dort und in Leyden herausgab. Auch verschiedene der grossen illustrierten Reisebeschreibungen wurden mit deutscher Schrift gedruckt. Es dauerte jedoch nicht lange, so wurde sie ganz durch die Antiqua und die Schreibschriften nach französischem Duktus verdrängt.

Die Antiqua erreichte jedoch im allgemeinen nicht die Schönheit der Vorbilder. Sie ist in der Regel sehr schmal geschnitten und eng zugerichtet, hauptsächlich auf Betrieb der holländischen Nachdrucker, die viel Ware für das Geld bieten mussten. Ament Tavernier in Antwerpen führte 1558 die, dem Granjon in Lyon nachgebildete Schreibschrift Civilité ein, deren sich Wilh. Sylvius zuerst bediente. Auch Plantin druckte ein Buch mit dieser Schrift, die bis in das xviii. Jahrhundert benutzt wurde. Die Ronde wurde ebenfalls als Werkschrift verwendet; daneben hielt sich die Coulé, von J. F. Rossart und J. M. Fleischmann geschnitten.

Isaak Enschedé.

Der Stammvater der Enschedés Isaak ward 1681 in Haarlem geboren und gehörte einer in Gröningen angesessenen Buchdruckerfamilie an. Um 1703 eröffnete er eine Buchdruckerei in Haarlem und druckte 1727 im Verein mit seinem Sohne Johannes eine Bibel in Folio nach dem neuen Verfahren von van der Mey und Müller.

Ob dies Verfahren wirklich dasselbe gewesen ist, welches wir jetzt als Stereotypie bezeichnen, blieb langezeit zweifelhaft. J. van der Mey stellte zu Anfang des xviii. Jahrh. mit Unterstützung des deutschen Predigers Johann Müller in Leyden (gest. 1710), der von vielen für den eigentlichen Erfinder gehalten wird, mehrere „stereotypierte“ Werke. Die ersten Versuche haben sich wohl auf zusammengelötete Schrift beschränkt, später scheint es jedoch, als habe man eine wirkliche Stereotypie erfunden, denn unter den zu dem Caxton-Jubiläum in London 1877 ausgestellt gewesenen Gegenständen befanden sich auch vier auf Holz genagelte Platten Meys und Müllers[10]. Die Firma S. & E. Luchtmanns in Leyden, für deren ersten Inhaber Samuel Luchtmanns mehrere solche stereotypierte Werke hergestellt waren, drückt sich in einem Schreiben vom 24. Juni 1801 an A. Renouard in Paris ebensowenig wie der Baron van Weestreenen van Tiellandt in seinem, im Auftrag der niederländischen Regierung abgefassten Bericht recht klar über das Technische aus[11]. Eine Bibel in 4° und eine in Folio; ein Neues Testament englisch und eins griechisch in 18°; ein syrisches Wörterbuch wurden stereotypiert, dann ward es wieder still von der Erfindung.

Johannes En-
schedé.

Isaak Enschedés Sohn Johannes fing schon als Knabe an, Schriften in Holz zu schneiden, und erwarb sich durch fortgesetzte praktische Arbeiten einen sichern Blick, der ihn zu einer Autorität in der Beurteilung xylographischer und typographischer Erstlingsdrucke machte. Sein langes Leben (er starb 1781) teilte er zwischen Wissenschaft und Praxis. Er vermehrte die schon von seinem Vater gegründete ausgezeichnete Bibliothek mit den grössten typographischen Seltenheiten. Das Ideal seines Strebens war, ein Hauptwerk über die Erfindung der Buchdruckerkunst zu schreiben, wobei seine Sammlungen ihm als Unterlage dienen sollten. Leider kam er aber damit nicht einmal so weit, wie Breitkopf mit seiner ähnlichen Arbeit, und wir haben von ihm nur eine Skizze über die Schriftgiesserei in den Niederlanden. Er entdeckte Fragmente eines Donat und eines Horariums, welches letztere von den Holländern als das erste Druckwerk Kosters mit beweglichen Typen angesehen wird. Sein Sohn Dr. Johannes Enschedé war noch mehr Gelehrter als Buchdrucker; er stand in freundschaftlichem Verkehr mit den berühmten Philologen Valckenaer und Ruhnken und vermehrte die seltene typographische Büchersammlung.

Durch die Vereinigung der wissenschaftlichen Bildung mit den praktischen Kenntnissen haben die Chefs ihrer, noch heute fortblühenden Buchdruckerei und Schriftgiesserei das eigentümliche Doppelgepräge eines Geschäfts und einer historischen Sammlung aufgedrückt. Sie stehen in dieser Hinsicht einzig in ihrer Art da, indem es hier gelungen ist, beinahe alle Originalschriften aus der Blütezeit der Buchdruckerei in Holland zu sammeln. Es bleibt unter diesen Umständen um so mehr zu bedauern, dass die prachtvolle Bibliothek im Jahre 1867 durch Versteigerung zerstreut wurde. Sie würde in Verbindung mit den seltenen Schätzen der Giesserei und der Druckerei eine würdige Vervollständigung des Plantinschen Museums abgegeben haben.