Kapitel-Anfang

XIII. KAPITEL. []

DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER.

Polen. Russland: Moskau, St. Petersburg. Die Türkei: Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi, Syrien. Das östliche Asien, China, das chinesische Tafeldruckverfahren und die Papierfabrikation. Europäischer Druck in Asien.

P POLEN, im xv. und xvi. Jahrhundert ein blühendes Reich, wo Wissenschaft und Litteratur begünstigt wurden, förderte auch rüstig die Buchdruckerkunst. Johann Haller aus Nürnberg (um d. J. 1500), ein Schüler Kobergers, war ein bedeutender Buchdrucker und Buchhändler in KRAKAU. Die Juden begannen 1517 den hebräischen Druck zu üben, der sehr aufblühte. Paul Helic gab 1540 das von einem getauften Juden ins Hebräische übersetzte Neue Testament heraus. Mit ihm gleichzeitig wirkte Hieronymus Victor aus Wien (1518-1543).

Der bedeutendste Buchdrucker war wohl Nikolaus Scharfenberg. Berühmt sind seine den Königen Sigismund August, Heinrich von Valois und Stephan i. gewidmeten Bibeln in polnischer Sprache und seine Constitutiones, statuta et privilegia in comitiis regni etc., die er für den Buchhändler Andreas Lazarsz druckte, der, selbst Buchdrucker, auch eine grosse Anzahl vorzüglicher und hochgeschätzter Werke aus seiner Offizin lieferte.

Polen.

Einer der angesehensten Männer Polens war Johann Januszowski. Früher Gesandter bei Kaiser Maximilian ii. und Geheimschreiber des Königs Sigismund August, zog er sich von den Staatsgeschäften ganz zurück, um nur den Wissenschaften und der Typographie zu leben. Polen hat seiner Feder und seinen Pressen eine Menge wertvoller Schriften zu verdanken. Ein berühmter Buchdrucker war Franz Cäsarius (wahrscheinlich ein Deutscher, Kaiser), der die Lazarszsche Offizin erwarb, welche über 100 Jahre im Besitz der Familie blieb.

Unter den jüdischen Buchdruckern zeichnete sich namentlich Isaak-Ben-Aaron Prostitz (um 1550) aus. Unter vielen anderen Schriften druckte er sowohl den babylonischen als den jerusalemitischen Talmud. In POSEN, WILNA und LUBLIN, wo sich der Sitz der Socinianer[1] befand, wurde viel gedruckt, ebenso in BRZESC, wo die bekannte Biblia swięta mit Illustrationen (1563) erschien, die nach dem Kostenträger gewöhnlich die Radziwill-Bibel genannt wird. In OSTROG kam auf Kosten des Fürsten Konstantin von Ostrog, Palatins von Kiew, die jetzt sehr selten gewordene Bibel in altrussischer Sprache heraus. Die Leitung hatte der Patriarch Jeremias von Konstantinopel übernommen; die Typen sind genau den slawischen Manuskripten nachgebildet. Der Druck ist vorzüglich, nur das Papier ist nicht gut.

In WARSCHAU wurde erst 1580 gedruckt; in LEMBERG 1593. Die galizische Presse hat nie eine Bedeutung erlangt und wurde von den Jesuiten vollständig beherrscht. Aus Böhmen und Mähren ist wenig zu berichten. PRAG hat einige hebräische Drucke von Bedeutung aufzuweisen. Auf dem Schlosse KRALITZ in Mähren liess der Freiherr von Zarotin von böhmischen Brüdern die erste Bibel in der Landessprache in 6 Quartbänden drucken (1579-1593).

Ungarn.

In UNGARN war die frische Blüte bald vorbei und die Buchdruckerkunst in Ofen bis 1725 wieder in Vergessenheit geraten. SIEBENBÜRGEN erhielt in KLAUSENBURG 1550 seine erste Druckerei. Der berühmteste Typograph und Schriftgiesser dort war Nikolaus Tótfalu, der sogar Florenz und Amsterdam mit georgischen und samaritanischen Schriften versorgte.[2]

Russland.

In RUSSLAND war die alte Zarenstadt MOSKAU der Hauptsitz der slawischen Gelehrsamkeit. Hier entstand unter dem Grossfürsten Iwan Wassiljewitsch 1553 die erste Buchdruckerei Synodalnija typografia durch den Diakon Iwan Feodorow und Timoféew Mstislavzoff unter Aufsicht des Dänen Hans Hannsen, und hier erschien 1564 der in der russischen Litteratur so berühmte Apostol, in slawischer Sprache gedruckt, von welchem das einzige bekannte Exemplar in der Bibliothek der Akademie zu St. Petersburg aufbewahrt wird. Das Volk verjagte die Drucker, die es für Zauberer hielt und die nun ihre Arbeiten in Wilna und Lemberg fortsetzten. Erst 1644 unter Michael Fedorowitsch' Regierung wurde eine neue Offizin eröffnet, deren Erzeugnisse, fast nur aus kirchlichen Werken bestehend, grosses Lob verdienen. Im Jahre 1643 hatte der Klostergeistliche Arsenij Suhanow den Gebrauch einer sehr schmalen und schlanken Schrift eingeführt, die noch jetzt in der Synodaldruckerei unter dem Namen „die arsenijsche“ vorhanden ist. Im Jahre 1663 erschien die zweite sorgfältige Ausgabe der russischen Bibel nach dem Muster der Ostroger v. 1581.

Peter der Grosse.

Die Einführung der weltlichen russischen, sich an die Antiqua anlehnenden, Schrift, durch welche die Volkslitteratur sich entschieden von der kirchlichen scheidet, ist ein Werk Peters des Grossen. Dieser erteilte im Jahre 1698 dem Amsterdamer Buchdrucker Tessing das Privilegium, Bücher für Russland zu drucken. Zar Peter liess auch Typen in Holland schneiden und Schrift giessen, mit welcher die Synodal-Buchdruckerei in Moskau 1705 die erste Zeitung in Russland druckte. Bis 1707 war das Drucken ein Vorrecht der Krone oder des Metropoliten gewesen, von da ab durften auch Privatpersonen das Buchdrucker-Geschäft ausüben, welches nun einen kräftigen Anlauf nahm.

Peter der Grosse.

Im Jahre 1717 liess Zar Peter die Bibel in Amsterdam von Jan van Duren derart drucken, dass von zwei Spalten die eine den holländischen Text enthielt, während die slawische Übersetzung auf die zweite Spalte in Russland eingedruckt werden sollte. In dieser Weise kam jedoch nur das Neue Testament 1721 zustande, das Alte blieb in der unfertigen holländischen Gestalt.

Im Jahre 1740 errichtete ein Engländer Andrew Johnson eine georgische Buchdruckerei, in welcher die Bibel mit Typen, die auf Befehl des gelehrten georgischen Fürsten Vakuset ausgeführt waren, gedruckt wurde, unter dessen Aufsicht auch das Evangelium Matthäi 1712 als Polyglotte in 8 Sprachen ausgeführt sein soll.

St. Petersburg.

Nach ST. PETERSBURG brachte Peter der Grosse die Pressen von Moskau, das erste hier erschienene Buch war „das Buch des Mars“, datiert 1713. Die erste St. Petersburger Zeitung erschien 1714. Der Senat erhielt 1719 eine eigene Offizin. 1720 errichteten die Mönche in dem St. Alexander Newski-Kloster eine Offizin, 1724 hatte das Admiralitäts-Kollegium, 1727 die Akademie der Wissenschaften, 1735 die Synode eigene Druckerei. Chinesische Bücher wurden bereits 1730 geliefert.

Für GRIECHENLAND war die Kunst so gut wie nicht vorhanden, nur hier und dort erschien vorübergehend eine ambulante jüdische Buchdruckerei.

Die Türkei.

In der TÜRKEI[3] war auf Anordnung des Sultan Bajazet ii. die Ausübung der Buchdruckerei verboten worden (S. 76) und sein Sohn Selim i. hatte dieses Verbot erneuert. Trotz der angedrohten Todesstrafe druckten jedoch die Juden im Stillen fort und aus den Jahren 1490-1726 sind manche Drucke in hebräischer Sprache bekannt, unter welchen der Polyglott-Pentateuch von 1546 wohl der bedeutendste ist.

Im xvii. Jahrhundert versuchte Nicodemus Metaxa, ein gelehrter Mönch aus Cephalonia, unter den Auspizien des Patriarchen Cyrillus Lukaris eine griechische Offizin in KONSTANTINOPEL zu begründen. Der Versuch wurde jedoch durch die Jesuiten vereitelt und eine 1698 aus Venedig eingeführte armenische Presse auf Befehl des Sultans zerstört.

Ibrahim und
Said Efendi.

Erst 1726 unter der Regierung Achmeds ii. trat die, von der Regierung erlaubte, ja von ihr unterstützte freie Ausübung der Buchdruckerei ein. Sie war ein Werk des verdienten und gelehrten Ibrahim Efendi. Besonders thätig war dabei Said Efendi, der als Gesandtschaftssekretär in Paris Geschmack an der Kunst gefunden hatte und nun die nötigen Schriften anschaffte, und zwar diese in Konstantinopel selbst schneiden und giessen liess. Nach vielen Beratungen mit den ersten Staatsmännern und Gesetzverständigen that der Mufti den Ausspruch, dass es gestattet sein solle, mit Ausnahme der Religionsbücher, in arabischer Sprache zu drucken, dass es aber gut sei, wenn vier Oberaufseher ernannt würden, welche wissenschaftliche Kenntnisse genug besässen, um über den richtigen Abdruck der Bücher zu wachen. Das erste Buch, welches demgemäss erschien, war Wankulis: Kitab Lugat, arabisch-türkisches Wörterbuch, 2 Bde., zusammen von 1422 Seiten, 1728. Ein kaiserlicher Befehl stellte den Preis auf 35 Piaster fest. Als erstes mit Antiquaschrift gedrucktes Buch folgte Holdermanns französisch-türkische Grammatik 1730. Um dieses Jahr entwickelte sich eine ziemlich lebhafte Druckthätigkeit, namentlich um geschichtliche und geographische Werke herzustellen, darunter eine Geschichte von Amerika mit Landkarten und Illustrationen, ein Atlas von 39 Tafeln; „das Buch von dem Spiegel der Welt“ u. a.

Dies Aufblühen der Buchdruckerei war jedoch nicht von langem Bestand. Man hat behauptet, dass sie auf Grund einer Pression der vielen Abschreiber auf die Regierung eingestellt worden sei. Das ist jedoch unbegründet, auch dürfte der Schaden, der den Abschreibern entstanden war, nur ein sehr kleiner gewesen sein, da die religiösen Werke nicht gedruckt werden durften, auch das Abschreiben vieler Werke noch notwendig blieb. Mehr scheint der Mangel an Arbeitern massgebend gewesen zu sein und die Vorliebe für schön geschriebene Bücher, die allen Orientalen gemeinsam ist.

Mit Ibrahims Tode tritt der Stillstand ein und erst gegen das Ende des Jahrhunderts lebte die Buchdruckerkunst in Konstantinopel wieder auf.

Die Wallachei.

In der WALLACHEI wurde im Kloster SNAGOF, nahe bei Bukarest, auf Kosten des Woywoden Johannes Konstantin Bessaraba, i. J. 1701 ein griechisch-arabisches Missal gedruckt. Die dortige Klosterbuchdruckerei war reich an arabischen, griechischen und illyrischen Schriften.

Syrien.

In SYRIEN bildeten die Klöster des Libanon eine Zuflucht für abendländische Wissenschaft, wo seit länger als 250 Jahren gedruckt worden ist. Paschalis-Elis und Joseph Ibn-Amimas arabisch-syrischer Psalter ist 1610 datiert. Aus ALEPPO, wo eine Buchdruckerei unter der Direktion des Patriarchen Athanasius von Antiochien bestand, existierten Drucke aus dem Jahre 1706, aus BEIRUT von 1751; georgische aus TIFLIS von 1701. In DAMASCUS druckten die Juden schon 1605. Im Jahre 1622 beschloss ein Konzil der armenischen Bischöfe die Buchdruckerei einzuführen. Ein Mönch aus Eriwan, Uscan oder Osgan (gest. 1676) wurde nach Amsterdam gesandt und druckte dort die Bibel. 1669 errichtete Uscan eine armenische Presse in Marseille, die schliesslich nach Konstantinopel übergeführt wurde.


Früher Druck in
China.

Im ÖSTLICHEN ASIEN wurde lange vor Einführung von Gutenbergs Kunst der Bücherdruck in ziemlichen Umfange getrieben und CHINA[4] ist oft als die Mutter der Buchdruckerkunst genannt. Nach dem, was wir unter Typographie verstehen, kann davon, wie auch gleich eingangs bemerkt wurde, keine Rede sein, aber der chinesische Bücherdruck ist wichtig und interessant genug, um demselben unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir übergehen alle sich in das Mythenreich verlierenden Erzählungen von der Entstehung der chinesischen Schrift und der frühesten Verwendung derselben, und halten uns an die historisch begründete Thatsache, dass um das Jahr 1000 n. Chr. viele Bücher von Holztafeln gedruckt wurden. Zuerst waren die Schriften vertieft in Stein oder Holz geschnitten worden, so dass nach der Einreibung mit Farbe die Schrift weiss auf schwarzem Grund erschien; man lernte jedoch bald die Vorzüge des erhabenen Buchstabenschnittes kennen.

Das chinesische Druckverfahren, wie es sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat, ist folgendes:

Das chinesische
Druckverfahren.

Aus hartem Holz, gewöhnlich Kirsch-, Birn- oder Pflaumenbaumholz, werden, ½-¾ Zoll dicke Tafeln geschnitten, die kleinen Ritzen und Löcher ausgefüllt und die geglätteten Flächen (man benutzt in der Regel beide) mit einem Reisteig überzogen. Das Herstellen solcher Platten ist ein besonderer Geschäftszweig. Der Schönschreiber malt nun genau und zierlich das zu Druckende auf durchsichtiges Papier und vergleicht seine Arbeit mit dem Manuskript. Ein Blatt (zwei neben einander stehende Seiten) enthält gewöhnlich ein halbes tausend Zeichen. Die beiden Seiten werden mit einem starken Strich umrahmt; ein anderer Strich durch die Mitte des Blattes bezeichnet die Stelle, wo das, nur auf der einen Seite bedruckte Blatt, mit der zugemachten Seite nach aussen gekehrt, beim Heften gefalzt werden muss, ganz wie es bei den xylographischen Reiberdrucken des xv. Jahrh. in Deutschland der Fall war.

Uebertragung
der Schrift.

Auf die noch feuchte Klebmasse, mit der das Holz überzogen wurde, wird das beschriebene Blatt verkehrt aufgelegt und, nachdem es angetrocknet ist, mit einem benetzten Finger das Papier sorgsam abgerieben. Die Schrift bleibt deutlich auf dem Holzblock zurück. Damit sie noch besser hervortritt und das Holz leichter zu behandeln ist, wird die Oberfläche mit Fett überzogen oder mit Öl getränkt.

Der Schnitt.

Dann geht „der Setzer“ (d. h. der Holzschneider) ans Werk und sticht alles nicht Beschriebene wie bei der Holzschnittzeichnung weg. Den durch einen solchen erhabenen Schnitt entstehenden Druck nennt man den männlichen (Jangwen), wird dagegen die Schrift vertieft geschnitten, so dass sie im Druck weiss auf schwarzem Grund erscheint, so heisst das Verfahren weiblicher Druck (Jenwen).

Der Drucker.

„Der Drucker“ sitzt vor einer Bank, auf welcher der Block so festgelegt wird, dass er sich nicht rücken und reiben kann, was schon deshalb vermieden werden muss, weil, wie erwähnt, gewöhnlich beide Seiten der Platte zum Schnitt benutzt werden. Auf der einen Seite steht ein Haufen Papier, auf der andern befindet sich der Topf mit der Schwärze, sowie der Pinsel oder die Bürste. Die Druckerschwärze besteht aus gestossenem und durch ein Haarsieb geschüttetem Lampenruss, welcher in Branntwein zu einem Brei aufgeweicht, bis zu einem Zehnteil der Masse mit animalischem Leim oder Pflanzenöl angemacht, schliesslich mit Wasser verdünnt wurde.

Reiberdruck.

Das erste Geschäft des Druckers ist, dass er mit dem in die Schwärze getauchten Pinsel oder der Druckbürste die Tafel zweimal sanft überfahrt, so dass die erhabenstehende Schrift gleichmässig gefärbt wird. Dann legt er einen Bogen auf die Schrift, streicht ihn behutsam mit der Bürste aus, legt einen zweiten Bogen als schützenden Deckel darauf und fährt mit der Bürste oder einem Reiber aus Palmenrinde ein paarmal fest darüber weg, dann ist der Druck fertig. Der Farbenanstrich dient für drei bis vier Abzüge und muss dann erneuert werden. Ein guter Drucker soll täglich zwei- bis dreitausend Blätter liefern können.

Das Heft.

Die zusammengefalzten, gedruckten Blätter werden zu einem Heft (pen) vereinigt, selten mehr als 50-80 Blätter. Oft erhalten die Hefte einen obern und untern Deckel, mit Seide oder Brokat überzogen. Die zu einem Werke gehörenden Hefte werden zusammen in einer Kapsel von Pappe oder Holz aufbewahrt. Die Kapseln werden auf die Bücherbretter flach gelegt und über einander geschichtet.

Das Format.

Das beliebteste „Format“ ist, was wir ein längliches Oktav nennen würden. Doch giebt es auch „Ärmel-Ausgaben“ in kleinerem Format und ein „Quartformat“ bis 14 Zoll im Quadrat.

Typographische
Einteilung

Der „Titel“ kommt nach unserer Bezeichnung hinten, wie bei den semitischen Büchern, die erste Seite eines chinesischen Buches würde also unsere letzte sein. Die „Zeile“ geht von oben nach unten, und jede Zeile ist von der nächsten durch einen Längenstrich geschieden. Der allgemeine und der Kapiteltitel wird der Länge nach in der Mitte des Bundstegs gedruckt, so dass er halb auf der einen, halb auf der andern Kolumne steht. Der Titel zu Anfang giebt das Druckjahr und den Drucker an. Fängt das Buch nicht mit einem Vorwort an, so hat es gewöhnlich ein Schlusswort. Längere Anmerkungen werden auf dem oberen Teil der Seite angebracht und durch einen Strich von dem Text getrennt, kurze öfters mit kleinerer Schrift zwischen den Zeilen eingefügt. Reich illustrierte Ausgaben mit höchst zierlichen Konturzeichnungen sind sehr häufig. Ein Inhaltsverzeichnis wird manchmal beigegeben, nie ein Register, da ja der Begriff einer alphabetischen Anordnung überhaupt den Chinesen mangelt. Die Seiten werden gezählt, aber nicht durch das ganze Werk fortlaufend, sondern für jeden Abschnitt besonders. Vom Staat besorgte Ausgaben sind durch Drachenbilder kenntlich. Der Kaisersitz Hangtscheu war lange der Hauptort der Druckereien und die dort erschienenen Drucke galten als die vorzüglichsten.

Das Papier.

Das chinesische und japanische Papier wird hauptsächlich aus Bambusfasern, sowie aus Reis- und Getreidestroh, ausserdem auch aus der Rinde, teilweise aus den Wurzeln des Papier-Maulbeerbaumes (der Broussonetia papyrifera), der Schwertlilienpflanze, sowie aus mehreren Nadelhölzern, endlich aus Baumwolle, Hanf und Abfällen der Seidenspinnerei gefertigt.

Das Bambus-
rohrpapier.

Das für die Papier-Fabrikation bestimmte Bambusrohr wird im ersten chinesischen Monat geschnitten, von den Blättern befreit und in 3-4 Fuss lange dünne Stäbe gespalten. Diese werden entweder lose, oder in Bündel gebunden, in Küpen gelegt, worin sie, schichtweise mit Kalklagen bedeckt und mit Wasser übergossen, 3-4 Monate liegen, bis das Rohr in völlige Fäulnis übergegangen ist. Nach dieser Zeit werden die Stücke herausgenommen und mittels Schläger zu einem Brei verwandelt, der dann gehörig gereinigt, und mit etwas Leimwasser vermischt wird. Von der halbflüssigen Masse wird nun diejenige Quantität auf einen viereckigen siebartigen Rahmen geschöpft, die zur Erzeugung eines Bogens nötig ist, der Rahmen vorsichtig, aber rasch, hin und her bewegt, um die gleichmässige Verteilung der Masse auf dem Siebe zu ermöglichen, endlich die so gebildete dünne Schicht halbtrocken als Papierbogen vom Rahmen abgehoben. Diese Bogen werden später auf mässig erhitzte Wände geklebt und bei manchen Papiersorten mit einem Überzug von Reisstärke versehen, schliesslich an der Sonne völlig getrocknet. Für die besten Papiere werden bloss die Schösslinge des Bambus verwendet und diese noch, ehe man sie spaltet, sorgfältig abgeschabt, während für die Fabrikation geringerer Qualitäten auch die Blätter als Material dienen.

Der Papier-
Maulbeerbaum.

Die Anfertigung des Papiers aus den Schösslingen des Papier-Maulbeerbaumes erfolgt so: In jedem Jahre werden die Pflanzen bis auf die Wurzeln abgeschnitten. Von jedem Stengel entstehen in dem folgenden Jahre fünf Triebe, so dass sich im Laufe von fünf Jahren ein dichter Strauch bildet. Die Triebe aus dem fünften Jahre werden zu Papier verarbeitet. Nachdem die Stengel in Stücke von 2½-3 Fuss Länge geschnitten worden sind, werden sie in einem Kessel, der merkwürdigerweise aus Stroh besteht, mit Dampf behandelt. Durch diesen Prozess wird die Rinde von den Stengeln gelöst, welch letztere nur als Brennmaterial zu verwenden sind. Die Rinden werden getrocknet, später einen Tag lang in fliessendem Wasser gewaschen, um die Ablösung der innern Fasern, aus denen das beste Papier gemacht wird, zu erleichtern, während die äussere, dunkle Rinde nur zu ordinärem Papier dient. Die Fasern werden nun gepresst, gekocht und wieder gepresst und dann in Blöcken aufgehoben. Nach Bedarf wird dann die Masse mit einer Art Paste, die aus den Wurzeln des „Tororo“, einer der Baumwollenstaude nicht unähnlichen Pflanze, gewonnen wird, versetzt. Die Mischung wird tüchtig eingerührt, bis die richtige Konsistenz erreicht ist, und dann das Papier in Formen mit zwei Böden geschöpft, getrocknet und beschnitten.

Das Reispapier.

Ein, uneigentlich als Reispapier bezeichnetes Produkt ist das auf der Insel Formosa aus der Aralia papyrifera gewonnene. Das Mark dieser Pflanze wird in dünne Blättchen geschnitten und dann noch flacher gepresst und liefert Stücke von ½-1 Fuss im Quadrat. Die besten Stücke werden zum Bemalen, die kleinen Stücke zu der Fabrikation künstlicher Blumen benutzt.

Das Papiergeld.

Zur Fabrikation des Papiergeldes wird in Japan nur der Bast eines Baumes „Mitsumata“ verwendet, welcher ausdrücklich zu diesem Zweck kultiviert wird. Der Bast des Kaji-Baumes, der unserer Weide gleicht, wird namentlich zu Papiermaché verarbeitet, von welchem die Chinesen und Japanesen wie bekannt eine Unendlichkeit von Gegenständen herstellen[5].


Europäischer
Druck in China
und Japan.

EUROPÄISCHE TYPOGRAPHIE IN ASIEN. Um die Einführung der gutenbergischen Typographie im östlichen und südlichen Asien machten sich die Jesuiten-Missionäre schon ausgangs des xvi. oder anfangs des xvii. Jahrhunderts verdient und sie hatten in der Hauptstadt PEKING verborgene Pressen. Eins der ältesten dort gedruckten Bücher ist die Cœlestis doctrinæ vera ratio chinesisch aus dem Jahre 1603. In NANKING gab der Jesuit Nikolas Trigault um 1620 ein chinesisches Wörterbuch in 3 Bänden heraus, das jetzt zu den grössten Seltenheiten gehört. In MACAO wurde schon um 1590 gedruckt. Das erste Buch war der Bericht eines japanesischen Gesandten nach Rom in japanischer und lateinischer Sprache. In CANTON wurde vieles gedruckt, darunter ist zu erwähnen die „Bibliothek nützlicher Kenntnisse“ in 100 Bändchen. Auf der Insel FORMOSA erschien 1661 eine malaische Übersetzung der Evangelien Johannis und Matthäi.

Das Druckverfahren in JAPAN ist dem chinesischen gleich und wird seit uralter Zeit geübt. In europäischer Weise gedruckt erschien bereits 1591 in TACACO auf der Insel Nippon ein Leben der Apostel mit einem angehängten Vokabularium. Gleichzeitig druckten die Jesuiten in AMACUSA. NANGASAKI hatte zu Ende des xvi. Jahrh. schon eine ziemlich thätige Presse.

Ostindien.

OSTINDIEN. Im nördlichen Teile Ostindiens, in Kaschmir, Thibet und Kabul, wurde der Holztafeldruck schon seit vielen Jahrhunderten geübt. Der erste Ort, der 1563 nach europäischer Weise druckte, war GOA auf einer Insel an der Westküste des Dekan, die früheste Niederlassung der Portugiesen. Fast gleichzeitig, 1569, erhielt TRANQUEBAR auf der Koromandelküste seine Presse durch die Londoner Gesellschaft für Verbreitung des Evangeliums. Zuerst wurde ein schönes Neues Testament, in Quarto, gedruckt, dann verschiedene Gebetbücher und Katechismen in portugiesischer, englischer und dänischer Sprache, sowie in verschiedenen asiatischen Dialekten. Als Tranquebar in dänischen Besitz kam, war die dänische Mission sehr thätig. Bartholomäus Ziegenbalg und Heinrich Plutschau brachten eine Presse und Schriften aus Deutschland. Auf Kosten des Königs von Dänemark wurden tamulische Schriften in der Waisenhausbuchdruckerei in Halle gegossen und durch J. G. Adler nach Indien gebracht, wo dieser 1714 die vier Evangelien und die Apostelgeschichte, 1715 die Episteln und die Apokalypse herausgab. 1723 erschien die Biblia tamulica, 3 Teile in Quarto. Am wichtigsten für die Typographie Indiens ist BENGALEN, es wurde jedoch die Druckkunst erst 1778 dort eingeführt; demnach gehört die dortige Pressthätigkeit erst einer späteren Periode an.

Die asiatischen
Inseln.

In dem ASIATISCHEN ARCHIPEL fand die Kunst zuerst auf JAVA eine Heimat. Die niederländisch-indische Gesellschaft errichtete in BATAVIA zu Ende des xvii. Jahrhunderts mehrere Pressen.

Von dem Wunsche beseelt, den Eingebornen das Evangelium in der Landessprache in die Hände zu geben, befahl der Gouverneur von CEYLON Freiherr G. W. von Imhof 1737 eine Druckwerkstätte in COLOMBO zu errichten, die später auch manches wissenschaftliche Werk ans Tageslicht förderte. In der Hauptstadt der Philippinen, MANILLA, wurde um 1600 gedruckt. Im xviii. Jahrhundert wetteiferten die katholischen Missionäre hier mit den protestantischen in Tranquebar in der Verbreitung des Evangeliums.


So war die Kunst Gutenbergs, welche bereits in den ersten hundert Jahren ihres Bestehens sich über ganz Europa den Weg gebahnt und eine hohe Stufe der Ausbildung erreicht hatte, von welcher ungünstige Verhältnisse sie nur zeitweilig herabzudrängen vermochten, über die ganze Welt verbreitet. Schon um die Zeit, welche unsere vorläufige Grenze bildet, galt das, hundert Jahre später ausgesprochene Wort:

„Über des Oceans Raum in die fernsten Gebiete der Erde
Trägt, Gefeierter! dich Fama, nie rastend im Flug;
Nicht des Gesteines bedarf es für dich, noch gegossenen Erzes,
Denn es verkündet dein Lob jegliche Zeile des Buchs.“
[1] Unitarier. Vorläufer der Rationalisten.
[2] J. D. Hoffmann, de typographiis eorumque initiis et incrementis in Regno Poloniae. Danzig 1740. — K. Ungar, Neue Beiträge zur alten Gesch. d. Buchdrk. in Böhmen. Prag 1795. — Ch. d'Elwert, Beitr. zur Gesch. etc. Mährens. I. Bd. Brünn 1854. — Etwas von der Buchdr. des xv. u. xvi. Jahrh. in Ungarn und Siebenbürgen. (Ungar. Mag. 1788. No. 26.) Pressburg. — Joh. Nemeth, Mém. typogr. Pest 1838.
[3] J. Beckmann, Nachrichten von der Buchdruckerei zu Konstantinopel (Hann. Mag. 1768). — Giamb. Toderini, Litteratur der Türken. Aus dem Ital. durch P. W. G. Hausleutner. ii. Band. 2. Teil. Buchdruckerei der Türken. Königsberg 1790.
[4] Stan. Julien, L'imprimerie en Chine au VI Siècle de notre ère. Paris o. J. — Stan. Julien, Documens sur l'art de l'impr. etc. en Chine. Paris 1847. — H. Wuttke, Die Entstehung der Schrift etc. Leipzig 1872.
[5] In der Beschreibung der Herstellung des Papiers folgten wir dem Spezialkatalog der chinesischen Ausstellungskommission der Wiener Ausstellung, der in mehreren Punkten von den älteren Darstellungen, sowie von einer Beschreibung des Herrn von Ransonnet, abweicht. Die chinesische Ausstellung in Wien enthielt über hundert verschiedene Sorten von Papier.
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