[121] Riepl, S. 280 f.

[122] Riepl, S. 309.

[123] Cassius Dio 63, 114.

[124] Cicero ad fam. VIII, 1.

[125] Die acta diurna hießen auch acta urbana, weil nämlich nur Dinge der Hauptstadt darin standen, sie hießen auch acta publica, sofern sie unter Aufsicht des Staates redigiert wurden.

[126] In des Tacitus Zeit wurden die Senatsakten freilich nicht mehr vollständig, sondern nur in Auswahl publiziert, aber ihm, als Senator, standen die vollständigen Verhandlungsberichte ohne Frage zur Verfügung.

[127] Auffällig ist auch, daß diese Akta nie mit Buchzählung zitiert werden, welche doch, falls eine Unzahl von Buchrollen, die die Jahrgänge enthielten, sich ansammelte, unerläßlich war. Daß wir sie nie als Jahrgänge, d. h. nach dem Jahr ihres Erscheinens zitiert finden, erklärt sich schon daraus, daß das Altertum eine Jahreszählung überhaupt nicht hatte.

[128] Philostrat, Apollonius von Tyana VII, 16.

[129] Vegetius de re militari V, 9.

[130] Cicero ad Att. XI, 16, 4.

[131] Cicero ad fam. X, 31 u. 33.

[132] Bei Plutarch (Caesar 37) wird es dem Caesar zum Vorwurf gemacht, daß er beim Wintersturm über das Meer setzt, was selbst ein Gott nicht könne; vgl. auch Plut. Antonius 7; Lucan V, 504 ff.

[133] Im Winter bringen auch dem Vespasian, der in Alexandrien ist, seine Verehrer aus Rom persönlich die Nachricht, daß Vitellius tot ist: Tacitus hist. III, 48: dies ist ein Merkmal dafür, wie wichtig es damals war, sich des neuen Kaisers Gunst sofort zu sichern.

[134] Bei Cassius Dio 51, 45 wird noch ein ähnlicher Fall erzählt, wo Antonius im Winter über das, was Oktavian treibt, völlig ohne Nachricht bleibt. Übrigens stand es um das Jahr 400 n. Chr. ähnlich zwischen den getrennten Reichen des Arkadius und Honorius; von Constantinopel kommen nur verspätete und unzuverlässige Nachrichten nach Rom. Vgl. den Historiker Eunapius fr. 74 (meine Claudian-Ausgabe S. XXXIV, Anmerkung).

[135] Unter „London“ 28. April berichteten unsere deutschen Zeitungen folgende Mitteilungen. Daily Telegraph meldet: Die Nachricht von dem Aufruhr in Dublin wurde gestern früh hier durch Reisende aus Irland herübergebracht. Sie sprach sich vormittags in der Stadt herum. Daily Chronicle: Die Mitteilungen des Staatssekretärs für Irland im Parlament waren für das Haus eine vollständige Überraschung. Basel, 28. April: Der Überfahrtsverkehr von England nach Irland ist eingestellt. London, 27. April: Im Unterhaus sagte Birrell, er wisse nicht, ob die Postverbindung mit Irland funktioniere; zwei Dampferlinien seien unterbrochen. London, 28. April: Im englischen Oberhaus fällt die Äußerung, die Aufständischen haben das Kabel durchschnitten. Dann wird noch gemeldet, daß sie in Dublin das Hauptpostamt und zwei Bahnhöfe besetzten und alle Drähte durchschnitten.

[136] Juvenal 7, 97.

Die Laus im Altertum.

[137] Der Verfasser ist Dr. Ernst Schultze.

[138] In den umfassenden Werken über griechische und römische Altertümer und Sittengeschichte der Alten, die wir besitzen, von C. F. Hermann und seinen Fortsetzern, von Marquardt-Mau, von Blümner und Friedländer habe ich mich umsonst nach Auskunft über diesen Gegenstand umgesehen. Diese Werke notieren leider immer nur das, was die Alten besaßen, nicht, was ihnen fehlte; und oftmals ist das letztere noch charakteristischer für die Kultur als das erstere. Gleichwohl hoffe ich, daß mir in der nachfolgenden Zusammenstellung an Nachweisen über die Laus nichts Wesentliches entgangen ist.

[139] Diese vielen phth in der Transkription griechischer Wörter, wie phtheir, Phthiriasis, Naphtha, Diphthong, Diphtheritis, Ophthalmologie u. a., sind überaus lästig für jeden Leser; seit der Renaissancezeit sind diese Schreibungen leider eingebürgert und schwerlich zu beseitigen. Die richtige lateinische Umschrift ist vielmehr ptheir, Naptha, Dipthong usf.

[140] Plutos 537.

[141] φθειροκομίδης bei Hesych.

[142] Beim Komiker Aristophon fr. 12 und 13 (Kock). Chr. Jensen machte mich auf diese Stelle aufmerksam. Wenn es dort im fr. 13 heißt: φθεῖρας δὲ καὶ τρίβωνα τήν τ’ ἀλουσίαν οὐδεὶς ἄν ὑπομείνειε τῶν νεωτέρων, so ist es verfehlt, an dem τῶν νεωτέρων zu rühren. Das ergibt sich schon aus dem, was ich dargelegt. Für die jüngere Generation waren solche Leute damals unerträglich geworden. Auch darf das fr. 12 mit fr. 13 nicht zu einer Texteinheit zusammengefaßt werden.

[143] Wolken 145.

[144] Thesmoph. 1180.

[145] Wespen 372.

[146] Frösche 115.

[147] Thesmoph. 218 ff.

[148] Friede 740.

[149] Vgl. z. B. Arist. Ritter 1060.

[150] Ritter 51.

[151] Ich erinnere an Kaiser Julian, der in seiner humoristischen Schrift „Misopogon“ wirklich von den Läusen in seinem Barte redet.

[152] Arist. Ekklesiaz. 63.

[153] Der Komiker Eubulos, fr. 32 K. Man vergleiche dazu Celsus VI, 6, 15 von der Läusekrankheit (worüber unten): wer an ihr leidet, dem muß der Kopf bis auf die Haut geschoren werden (caput ad cutem tondendum).

[154] Athenaeus p. 586 A.

[155] Plato im Sophisten, p. 227 B.

[156] Diog. Laert. VI, 39–47.

[157] Im „Culex“.

[158] Vgl. dazu auch die σαπρά bei Aristophanes Thesmoph. 1025.

[159] Martial I, 37.

[160] Auch in dem üblen Martialgedicht XII, 59 steht nichts von ihr. Erst barbarische „Textverbesserer“ der Neuzeit haben in dies Gedicht die Läuse gebracht. Vgl. Rheinisches Museum 71, S. 274.

[161] Sueton Domit. 3.

[162] Catull c. 23; danach Martial XI, 32.

[163] Novius 107.

[164] Festus, pag. 210: pedibus obsitum.

[165] Titinius 177.

[166] Plautus Curc. 500.

[167] Lucilius v. 882 ed. Marx; Marx hat die Stelle nicht richtig verstanden.

[168] Vidularia, fr. XIX: ubi quamque pedem viderat, subfurabatur omnis: „wo immer er eine Laus sah, pflegte er sie gleich alle zu entfernen.“

[169] Appian, Bell. civil. I, 101.

[170] Hinzugefügt sei endlich noch Plutarch, Quomodo adulator eqs. pg. 49 C, der sagt: wie die Läuse den toten Menschen, so verlassen die Schmarotzer den reichen Mann, der verarmt. Vielleicht aber hat auch noch das Rätsel in der Anthologia Palatina XIV, 19 auf die Laus Bezug; s. Ohlert, Rätsel und Gesellschaftsspiele (1886), S. 143.

[171] Auch Pheretime, die Königin, stirbt so; vgl. Herodot IV, 205.

[172] Pausanias X, 10, 6 ff.

[173] Herodot II, 37.

[174] Von den Adyrmachiden: Herodot IV, 168.

[175] Strabo IX, p. 492, 497 u. 499; auch bei Ptolemäus. In des Plinius Zeit hieß dies Volk Salae oder Saltiae; vgl. Plinius, nat. hist. VI, 14.

[176] Das Waschen oder Baden bei den alten Germanen hebt schon Tacitus Germ. 22 hervor; vgl. Plutarch Mar. 19.

Der Mensch mit dem Buch.

[177] Die Homerfrage ist von mir genauer erörtert in meinem Buch „Kritik und Hermeneutik nebst Abriß des antiken Buchwesens“, München 1913, S. 89 f. und 247 f.

[178] Man hat den Umstand, daß Homer kein Buch erwähnt, gedankenlos genug, damit wegzudeuten versucht, daß Homer archaisiere und es deshalb, weil es den alten Helden nicht anstehe, unterdrückt habe. Warum erwähnt Homer denn doch die Schreibtafel? Es ist, wie auf der Hand liegt, zweierlei zu unterscheiden. Gewisse Dinge, wie vor allem die von Aristophanes so begünstigten turpia naturalia, verschweigt Homer, weil sie dem Heldenstil nicht anstehen, andere Dinge deshalb, weil er sie noch nicht kennt. Er redet noch nicht von Münzen, von Götterbildern, noch nicht von der Jahreszeit des Herbstes und so manchem anderen, was erst die spätere Kultur und Gedankenentwicklung brachte. Auch Hühner kennt Homer noch nicht, die erst später aus Asien zu den Griechen kamen. Mit Überzeugung stellen wir hierzu auch das Buch, das, sobald es aufkam, ein Stolz des Griechen war; denn, wie die Bildwerke uns zeigen, traten die Dichter und Sänger stets mit der Buchrolle in der Hand vor ihr Publikum. Es war nicht nur Hilfsmittel, es war Abzeichen ihres Berufs. — Die Schrift auf der Schreibtafel des Bellerophon war übrigens gewiß nicht die phönizisch-griechische, sondern die ältere Zeichenschrift, also die „ägäische“, worüber Evans, Cretan pictographs, London 1895. Vgl. Petersdorff, Germanen und Griechen (1902), S. 49 f.

[179] Eine andere Überlieferung besagt, daß Homer blind geboren war und daß ὅμηροι bei den Doriern die Blinden hießen; vgl. die Scholien zu Lucian, ed. Jacobitz IV, S. 191.

[180] Vgl. hierüber Gregorovius, Wanderjahre in Italien Bd. 3, (1881), S. 299. Auch in Bosnien treten übrigens Blinde noch heut als Volkssänger auf, wennschon sie keine Gilde bilden; s. Sitzungsber. d. Wiener Akad. Bd. 173 (1914), 3. Abh., S. 16.

[181] Diese Möglichkeit hielt mir Rudolph Wagner im Korrespondenzblatt für die höheren Schulen Württembergs 21 (1914), S. 456 entgegen.

[182] Es sind 27803 Hexameter, die auf 466 Tafeln stehen konnten, wenn jede Tafel 60 Verse aufnahm.

[183] Zum folgenden vergleiche Kritik und Hermeneutik S. 249 ff.

[184] Vgl. a. a. O. S. 277.

[185] Über die Hesiodfrage a. a. O. S. 220 ff.

[186] Vgl. hierzu: „Die Buchrolle in der Kunst“, Leipzig 1907, S. 10 ff.

[187] Man setzt das Leben des Stesichoros schätzungsweise in die Jahre 640–555; früher als das Jahr 600 aber braucht keins seiner Werke entstanden zu sein.

[188] Hierüber vergleiche Rud. Herzog: „Die Umschrift der älteren griechischen Literatur in das jonische Alphabet,“ Leipzig 1912; Kritik und Hermeneutik S. 133 und 379. Weitere Bestätigung brachten J. Wackernagels Sprachliche Untersuchungen zu Homer, Göttingen 1916.

[189] Vgl. zum Vorstehenden Kritik und Hermeneutik S. 307; Das antike Buchwesen (Berlin 1882) S. 433 ff., Die Buchrolle in der Kunst S. 212 f.

[190] Die Schilderung ist nach Achilles Tatios p. 121 ed. Hercher gegeben. Vergleiche übrigens Kritik und Hermeneutik S. 203 ff.; Die Buchrolle in der Kunst S. 6 f.

[191] Vgl. Kritik und Hermeneutik S. 278 f. und 351 f.

[192] a. a. O. S. 295.

[193] Vgl. über die Ausstattung der Bücher a. a. O. S. 327 ff.; über die Bilderbücher S. 305; über die Einrichtung der Bibliotheken S. 335 ff. Genaueres, Die Buchrolle in der Kunst S. 282 ff., 228 ff.

[194] Was ich hier vortrage, ist in dem Buch „Die Buchrolle in der Kunst“ ausführlich dargelegt.

[195] Das erste geheftete Literaturbuch ist nachweislich im Jahre 84 oder 85 n. Chr. hergestellt worden; auch in den nächsten 100 Jahren blieb es eine Seltenheit; s. Kritik und Hermeneutik S. 345 ff.

[196] Vgl. die Abbildungen „Die Buchrolle in der Kunst“ S. 142–168 und 195.

[197] Vgl. hierzu Neue Jahrbücher Bd. 19 (1907), S. 714 ff.

[198] Vgl. „Buchrolle“ S. 325.

[199] Vgl. auch Claudian Stilicho II, 476; bei Prudentius Peristeph. I init. schreibt so Christus.

Verlagswesen im Altertum.

[200] Nachweise für das Folgende findet man großenteils in dem Buch „Kritik und Hermeneutik“ S. 315–327; Ergänzendes im Rheinischen Museum 72, S. 311 ff.

[201] Der Eunuch des Terenz macht eine Ausnahme; s. Donat. I, S. 266 ed. W.: ut rursus esset vendita et ageretur iterum pro nova.

[202] Dies betont Horaz mit Nachdruck in der Ode IV, 8.

[203] Durch solche Aufgabenstellung sind Vergils Georgica und Aeneis entstanden.

Woher stammen die Amoretten?

[204] De Amorum in arte antiqua simulacris et de pueris minutis apud antiquos in deliciis habitis commentariolus Catullianus alter. Marpurgi 1892 (Elwertscher Verlag). Ich verweise im nachfolgenden kurz auf diese Schrift mit lateinischen Seitenzahlen. Nochmals habe ich den Gegenstand in der Deutschen Rundschau, Bd. 74, S. 370 ff. behandelt, ein Aufsatz, der im Vorliegenden wiederholt wird.

[205] Der Verfasser des Artikels „Eros“ in Pauly-Wissowas Realenzyklopädie scheint meine einschlägigen Arbeiten nicht gekannt zu haben.

[206] Vgl. E. Knoll, Über das Attribut der Beflügelung, München 1888; vorher J. Langbehn, Flügelgestalten, 1880. Paradox hierüber Victor Hehn, Reisebilder aus Italien und Frankreich (1894), S. 72, in Anknüpfung an Rafaels Vision des Ezechiel; mit diesem Gemälde Rafaels kann vielmehr das pompejanische Bild des fliegenden Zephyros mit Chloris (in Neapel) verglichen werden.

[207] Die Nikeflügel wurden mit den Erosflügeln identifiziert von Aristophon im Pythagoristen (fragm. comic. II, p. 280, Kock).

[208] Vgl. De Am. p. XLII. Bei Alexis (Kock a. a. O., S. 305) steht als Ansicht der „Sophisten“: nicht der Eros selbst könne fliegen, sondern die Liebenden; aus Irrtum malten die Maler ihn selbst mit Flügeln.

[209] Vgl. Roscher, Mytholog. Lexikon III, S. 1410 und 1462.

[210] Die Analogien, die Usener „Götternamen“ S. 298, heranzog, sind nicht zutreffend. Er verkannte, daß die Amoretten gar keine Götter, kein Gegenstand der Religion waren; denn sie hatten keinen Kultus. Sie sind lediglich ein Spiel der dichtenden Phantasie, und solchem Phantasie-Spiel kann man nicht auf gleichsam grammatischem Wege mit Analogien, wie Usener sie bringt, beikommen. Wer Poesie erklären will, muß in das volle Menschenleben greifen; denn alle Dichtung ist Reflex des Lebens, und das Leben ist kompliziert. Ein paar Zeilen genügen nicht, um die Sache zu erledigen.

[211] Alexis im Phaidros bei Kock, Bd. II, 386.

[212] Man vergleiche den Ausspruch des Ptolemäus bei Athenäus S. 536 E.

[213] Vgl. De Am. p. X.

[214] Vgl. p. XXXVII.

[215] Vgl. zum Folgenden p. X ff.

[216] Vgl. Seneca de tranquill. animi 17, 4.

[217] Eurip. fr. 856 Nauck, aus Aelian var. hist. 12, 15. Schon die Anführung des Herkules verrät, daß dies stoisch-zynische Ausführungen waren.

[218] Vgl. hierzu Aelian a. a. O.; Athenäus B. XII, S. 518 f., die auf gleiche Quelle (Favorinus?) zurückgehen.

[219] Prudentius in der Psychomachia, praef. v. 30.

[220] Ähnlich Kinder in der Rennbahn bei Cassius Dio 72, 13.

[221] Vgl. p. XXXV ff. „Wein und Kinder reden die Wahrheit“ war ein griechisches Sprichwort (Philol. Suppl. Bd. VI, 1891, S. 249).

[222] Catull c. 55; zur richtigen Lesung des Textes dieses vielfach mißverstandenen Gedichts vgl. Philologus LXIII, S. 447 f.

[223] Vgl. p. XIII ff.

[224] Vgl. p. XVIII.

[225] Vgl. zum Folgenden p. XIX ff.; nackte Putten, Terrakotten von Zypern, s. Mitteilungen des Deutschen archäologischen Instituts in Athen, Bd. VI, S. 249.

[226] Vgl. auch das alte Werk Delle Antichità di Ercolano, tom. VI (1771), p. 183–195.

[227] Helbig, Campan. Wandgemälde, Nr. 1390; vgl. auch daselbst in den Friesbildern unter Nr. 1401 b die Szene mit liegendem nacktem Kind und den zwei nachdenklichen Frauen. Delicien auf Vasenbildern z. B. bei Benndorf, Griechisch-sicilische Vasenbilder (1869), Tafel 36, Nr. 1 und 5; Kinderköpfe auf wertvollen Steinen z. B. bei Arneth, Monumente des Wiener Münz- und Antikenkabinetts (Kameen), Tafel 21, Nr. 3 und 9. Wozu hier von Amoren reden? Man sage nicht mehr aus, als man sieht.

[228] Man vergleiche auch den Knaben mit der Fuchsgans, in den Jahresheften des österreich. archäol. Instituts VI (1903), S. 226 ff.

[229] Im Hera-Heiligtum zu Olympia, wo auch der Hermes des Praxiteles stand, war unter vielen Einzelstatuen die bronzene Aphrodite des Kleon von Sikyon aufgestellt, „vor ihr“ aber die Statuette eines „nackten, kleinen Kindes vergoldet“, ein Werk des genannten Boethos. Es war dies klärlich kein Eros, sonst hätte ihn Pausanias, der die Nachricht gibt (V, 17, 4), Eros benannt; sondern ein Kind ohne Flügel; es war ferner klärlich ein Werk ohne Erfindungszusammenhang mit der Venus, vor der es aufgestellt war. Boethos hat, soweit wir wissen, nur flügellose Kinder gearbeitet. Dies sei erinnert im Hinblick auf Dümmler (Mitteilungen des archäologischen Instituts in Athen, Bd. X, S. 27 ff.).

[230] Vgl. Mitteilungen des Deutschen Instituts in Athen, Bd. VI, Tafel 13.

[231] Vgl. p. XXX.

[232] Beispiele des dritten Jahrhunderts in Terrakotten, dazu die Marmorstatue von Beirut, s. Dümmler a. a. O.

[233] So Claudian; vgl. meinen Index zu diesem Dichter unter Amor; so schon vor Claudian und zuerst Philostrat, der raffinierte Ausleger von Gemälden, die nicht einmal wirklich vorhanden waren, sondern nach vorhandenen Motiven so fingiert sind, daß die Beschreibung vollstes Leben gewinne; unten Anmerkung 242.

[234] Vgl. p. XXXI und XXXVII.

[235] Vgl. p. XXXVIII.

[236] Vgl. zum weiteren p. XXXVIII ff.

[237] Auch das Kind Enorches war aus dem Ei zur Welt gekommen (siehe das Scholion zu Lykophron v. 212). Ein höchst merkwürdiges Vasenbild zeigt uns auf einem Altar ein großes Ei liegend, darin ein munteres kleines Kind, ohne Flügel, das lebendig ans Tageslicht verlangt: eine Frau steht davor und betrachtet es neugierig oder erwartungsvoll. Es scheint mir nach allem Gesagten nicht nötig, mit E. Braun (in Annali dell’ Istituto 1850, p. 214 ff.) die Erfindung dieses Bildes aus einem bestimmten Mythus herzunehmen. Weiteres über das Ei der Leda bei R. Kekulé, Bonner Festschrift für das römische Institut 1879.

[238] Die Beflügelung war hier nicht kühner als bei jenen großgeflügelten Mädchengestalten bei Helbig a. a. O. Nr. 926–937, die als „freie Produkte der Phantasie ohne Anspruch auf mythologische Benamung lediglich künstlerische Motive zur Darstellung bringen.“

[239] Vgl. p. XXI f.

[240] Auch Phosphorus erscheint als „Amorette“ fliegend; vgl. Wörmann, Landschaft in der alten Kunst, S. 241; auch S. 264. Auch die Jahreszeiten sind so dargestellt: ebenda S. 258; auch Zephyr bei Philostrat, Gemälde I, 9.

[241] Vgl. p. XXII; so auch Archäologische Zeitung 1848, Tafel XXIII, Nr. 1; vgl. auch Tafel XXII, Nr. 4.

[242] Ein Muster allegorischer Auslegung gibt der antike Sophist und kunstreiche Gemäldebeschreiber Philostrat in seiner berühmten Schilderung des Erotenbildes; daß ganz vorzüglich diese Philostratstelle auf die Amorettenerfindungen Rafaels, Dürers, Tizians Einfluß geübt, suchte H. Grimm darzutun: Fünfzehn Essays, neue Folge (1875), S. 102 ff. Jenes Bild mit seiner überfüllten Komposition, das Philostrat beschreibt, hat sichtlich nur in seiner Einbildung bestanden; er hat darin eine Fülle von Amorettenmotiven, die in Wirklichkeit verstreut vorkamen, zusammengehäuft, und in dieser Kombination zu einem Ganzen lag der Witz, lag der Reiz für den antiken Leser. Hier bei Philostrat finden wir es zuerst ersonnen, daß die Amoren (außer dem einen) nur Kinder von Nymphen sind; und sie sind so viele, „weil die Begierden der Menschen so mannigfaltigem nachstreben“. Zusammen von diesen Nymphen und diesen Eroten wird ein Götterbild der Aphrodite verehrt; die Kleinen halten Apfelernte, um der Göttin Äpfel, die Frucht, die ihr symbolisch eignet, darzubringen. Sie jagen einen Hasen, um ihn ihr lebendig als Opfertier zu weihen; es ist das Tier der Venus und der Fruchtbarkeit. Weiter aber: „Vier der allerschönsten! Das eine Paar wirft sich Äpfel zu, das andere schießt mit dem Bogen aufeinander; .... sie bieten die Brust den Pfeilen dar. Da will uns der Maler etwas zu raten aufgeben. Ob wir es wohl herausbringen? Das soll Liebe und Sehnsucht bedeuten. In denen dort, die mit den Äpfeln spielen, regt sich das erste Verlangen. Der eine küßt einen Apfel und wirft ihn dem anderen zu, und der ... wird ihn wieder küssen und zurückwerfen. Die beiden Bogenschützen aber treiben mit den Pfeilen die schon erwachte Liebe tief in ... die Herzen hinein. Und so sage ich: jene dort spielen mit der Liebe zum Beginn, diese hier geben ihr ewige Dauer.“ Man sieht, Philostrat hat mit Sorgfalt vor allem solche Szenen in sein Gemälde gesammelt, die allegorisch deutbar waren, wo die Eroten als Eroten „Sinn“ hatten. Bei anderem, wie bei ihrem Ringkampf, verzichtet er hübsch auf solches Auslegen, und bei den unten von mir zu besprechenden Genreszenen würde er erst recht darauf verzichtet haben. Überhaupt war es augenscheinlich schon eine Leistung, zu der ein Philostrat seine sophistischen Künste benötigte, auch nur jenen erotischen Bezug des Apfelküssens, Bogenschießens und Hasenjagens herauszugreifen und festzulegen. Es sind dies einige von den wenigen Fällen, wo die geflügelten Spielkinder noch wirklich ihrem Namen zu entsprechen schienen. Und man fragt schließlich verwundert: wozu hießen sie eigentlich noch Eroten? was hatten Kinder von Nymphen im Grunde noch mit Venus, mit der Liebe wirkenden Macht zu tun? Man sieht, die ganze Konstruktion Philostrats von den Nymphenkindern und ihrem Kultus des Venusbildes ist nachträglich und willkürlich ersonnen. Auch beachte man, daß diese Kinder bei ihm die Liebe der Menschen gar nicht entzünden; sie lieben nur untereinander. Das konnten schließlich auch die wirklichen Deliciae tun, und das Erotenspiel ist auch hier beim Philostrat nur eine Nachahmung des Menschenlebens, keine Beeinflussung desselben.

[243] Furtwängler bei Roscher, Mythol. Lex. I, S. 1368.

[244] Vgl. p. XXII, Anm. 3.