„Wohin gehst du, Grete?“ fragte Peter, als er sie an einem Sonnabendnachmittag im Juli im Heckengange traf. „Ich suche nach Blumen für die in nächster Woche stattfindende Blumenausstellung“, sagte Grete, „ich will sie noch nicht pflücken, ich will bloß nachsehen, welche Blumen ich finden kann.“
„Darf ich mitgehen?“
„Ja, wenn du den Mund halten kannst. Ich will eine neue Art von Blumenstrauß sammeln, aus Blumen, die im Wasser wachsen.“
„Aber sie werden alle verwelken, wenn du sie in einen Strauß bindest.“
„Ich will auch keinen Strauß daraus machen. Ich werde eine von Vaters großen Zinnschüsseln nehmen, die er für das Hundefutter gebraucht, und die Pflanzen im Wasser schwimmen lassen.“
So machten sich Peter und Grete also nach ihrem Lieblingsteiche auf den Weg.
„Sieh, Peter, ich muß eine von jenen schönen gelben Wasserrosen haben mit ihren großen glänzend grünen Blättern und eine von ihren sonderbaren Samenkapseln, die zurückbleiben, nachdem die gelben Blumenkronblätter abgefallen sind. Ich weiß, daß die Pflanze einen dicken Stamm im Schlamm unten im Teiche hat, und die langen Stengel wachsen gerade herauf, so daß die Blätter auf der Oberfläche des Wassers schwimmen. Kleine Käfer kriechen in die Blüte hinein und holen Honig aus dem Innern der gelben Blüte.“
„Dann muß ich einige von jenen weißen Sternen mit dem gelben Punkt in der Mitte haben. Sie sehen so hübsch aus zwischen den feinen grünen Blättern, die in drei Lappen geteilt sind. Das ist der Wasserhahnenfuß, und wenn du etwas davon mit deinem Stock heranholst, so werden wir sehen, daß die Pflanze noch andere Blätter unter dem Wasser hat, die in feine Streifen gespalten sind wie schmale Grashalme.“
„Warum sollte sie zwei Arten von Blättern haben, Grete?“
„Die eine Art sind die schwimmenden Blätter, die auf dem Wasser liegen. Auch die Blüten ragen aus dem Wasser heraus, so daß die Insekten an sie herankommen können. Die anderen Blätter sind feiner und breiten sich im Wasser aus. Und sieh, Peter, die gelben Linien auf den weißen Blüten zeigen gerade nach dem schmalen Ende des Blütenblattes, wo die Insekten den Honig finden.“
„Dann muß ich noch Wasserlinsen haben. Sie werden die Schüssel so hübsch füllen.“
„Aber Wasserlinsen sind nicht hübsch, Grete. Sie bestehen nur aus Blättern.“
„Nein, Peter, das ist gerade nicht der Fall. Paul sagte mir neulich, daß die Wasserlinse keine wirklichen Blätter hat. Jede Pflanze besteht aus einem Stückchen Stengel mit einer dünnen Wurzel, die in das Wasser hinabhängt. Sehr kleine Blüten wachsen zuweilen aus einem kleinen Spalt an der Seite des Stengels. Ich werde versuchen, einige davon zu bekommen. Aber es wird nicht leicht sein, da sie sehr klein sind und bloß aus zwei kleinen Staubbeuteln und einem Fruchtknoten bestehen, und Wasserlinsen nur auf dem Wasser schwimmen.“
„Dann möchte ich noch den blühenden Fieber- oder Bitterklee haben. Ich fürchte, es ist dafür ziemlich spät im Jahre, aber es gibt noch einige davon an dem flachen Ende des Teiches. Du mußt nach einer großen Ähre rotweißer Blüten ausschauen, die wie Glockenblumen geformt und mit weißen Haaren besetzt sind. Ah! da ist eine, deren Knospen sich gerade öffnen; sie wird am Mittwoch so weit sein.“
„Nun müssen wir noch eine andere finden. Eine kleine Pflanze, das ährige Tausendblatt, die fast ganz unter dem Wasser wächst, außer der Ähre mit den zierlichen rötlichen Blüten, die über die Oberfläche hervorragt. Sieh die hübschen Blätter an, die sternartig um den Stengel stehen und so schön im Wasser ausgebreitet sind. Wenn du die Blüten genau ansiehst, so wirst du bemerken, daß die oberen nur Staubbeutel und die unteren nur Fruchtknoten tragen. Aber sie sind so klein, daß sie nicht leicht zu sehen sind.“
„Nun darf ich keine mehr auswählen, denn ich muß jede Pflanze beschreiben, und das wird lange Zeit in Anspruch nehmen.“