Zweites Buch.
Am Teich- und Flußufer.

Lektion 1.
Das Leben des Frosches.

(Erstes Vollbild.)

Quak, quak, quak lassen sich die Frösche im März hören. Sie machen in diesem Monat sehr viel Lärm, weil sie gerade aus ihrem Winterschlafe, den sie am Boden des Teiches gehalten haben, erwachen.

Die weiblichen Frösche legen ihre winzigen dunklen Eier ins Wasser. Ein solches Ei ist nicht größer als ein Sandkorn. Aber es hat eine gallertartige Umhüllung, und diese schwillt und schwillt im Wasser, bis sie so groß ist wie eine Erbse. Das Ei bildet dann einen kleinen schwarzen Punkt in der Mitte, und die gallertartigen Klumpen kleben alle zusammen. Man kann sie fast in jedem Teiche sehen, wo sie vom Winde ans Ufer getrieben werden. Bald wird der schwarze Punkt größer. An einem Ende wächst ein Kopf, am anderen ein Schwanz. Der Kopf hat ein Maul, aber noch keine Augen. Der Schwanz ist mit einer Flosse versehen, und bald wiegt sich die Kaulquappe in ihrem schleimigen Bette hin und her.

Nach einer Woche ungefähr schlängelt sie sich aus der Gallertmasse heraus und hängt sich mit dem Maule an eine Wasserpflanze (1). Dann wachsen ihr zwei sonderbare Büschel an beiden Seiten des Kopfes. Sie entnimmt damit dem Wasser die Luft zum Atmen. Man kann sie deutlich sehen, wenn man ein Glas in den Teich taucht und einige Kaulquappen fängt.

Um diese Zeit läßt die Kaulquappe die Wasserpflanze los und schwimmt umher. An ihrem Maule ist ein scharfer Schnabel gewachsen, den sie gebraucht, um Stückchen von den Wasserpflanzen zur Nahrung abzunagen. Nun entwickeln sich auch Augen und Nasenlöcher (2). Die Büschel schrumpfen zusammen und an ihrer Stelle entstehen unter der Oberfläche des Körpers Gebilde, die Fischkiemen ähnlich sehen. Die Kaulquappe zieht Wasser durch das Maul ein und stößt es durch eine seitliche Öffnung hinter den Kiemen wieder aus. Wenn es durch die Kiemen geht, nehmen diese Luft heraus, und so atmet sie.

Bald erscheinen nun zwei kleine Höcker an beiden Seiten des Körpers gerade da, wo der Schwanz beginnt. Sie werden größer und größer, bis endlich zwei Beine herauskommen. Diese Beine werden sehr lang und stark, und die Kaulquappe gebraucht dieselben zum Schwimmen. Auch zwei Vorderbeine wachsen heran, aber man kann sie nicht sehen, weil sie unter der Haut liegen. In einigen Tagen kommen auch sie zum Vorschein (3); sie sind kurz und gedrungen.

Unsere Kaulquappe hat nun vier Beine und einen Schwanz. Sie hat vier Zehen an den Vorderfüßen und fünf Zehen an den Hinterfüßen; zwischen denen der letzteren befindet sich eine Haut. So sind also die Hinterfüße mit einer Schwimmhaut versehen, die der Quappe beim Schwimmen hilft.

Sie kommt jetzt öfter an die Oberfläche des Wassers und läßt eine Luftblase aus dem Maule aufsteigen. Was meint ihr wohl, was geschehen ist? Die Öffnung hinter den Kiemen hat sich geschlossen, und an deren Stelle sind im Innern zwei Lungensäcke gewachsen. Deshalb kommt sie an die Oberfläche, um die Luft mit dem Maule einzuatmen, anstatt sie wie bisher aus dem Wasser durch die Kiemen aufzunehmen.

Nun liebt sie es, sich in den Schatten einer Wasserpflanze zu setzen. Sie braucht den Schwanz nicht mehr, da sie ganz gut mit den Beinen schwimmen kann. Deshalb wird der Schwanz allmählich aufgesogen, um den Körper zu ernähren.

Da habt ihr nun den kleinen Frosch (4). Wenn man die Sonne durch die Schwimmhaut des Fußes scheinen läßt, so kann man sehen, daß das Tier rotes Blut hat. Aber es ist kein warmes Blut wie das unsrige. Der Frosch ist immer kalt und schlüpfrig, weil sein Blut langsam fließt.

Er hat jetzt zahlreiche Zähne im Oberkiefer und eine ganz sonderbare Zunge. Sie ist vorn am Maule angewachsen, sonst frei beweglich. Die sehr klebrige Spitze kann bis in den Schlund zurückgelegt werden. Er frißt jetzt keine Pflanzen mehr, sondern Insekten und Larven, die er fängt, indem er seine Zunge hervorschnellen läßt und schnell wieder zurückzieht.

Der Frosch lebt während des Sommers hauptsächlich auf dem Lande. Wenn er nicht von Enten, Ratten oder Schlangen gefressen wird, läßt er sich bei Beginn der kalten Witterung auf den Boden des Teiches sinken, um dort im Schlamme seinen Winterschlaf zu halten.