Nun werdet ihr imstande sein zu verstehen, wie es kommt, daß wir solche nahrhaften Gemüse aus dem Küchengarten erhalten. Die Bienen nehmen Honig und Blütenstaub aus den Blüten der Pflanzen. Wir nehmen den Zucker und die Stärke und andere Nahrung, die sie in ihren Blättern, Wurzelstöcken und Stengeln aufspeichern.
Die Mohrrübe, die Pastinake und die Rübenarten sind Pflanzen, die im ersten Jahre Nahrung in ihren Wurzeln aufhäufen und im zweiten Jahre blühen. Deshalb säen wir sie im ersten Jahre in fruchtbares Erdreich, und wenn sie dann einen ordentlichen Vorrat von süßer Nahrung aufgespeichert haben, ziehen wir sie aus und essen sie, ehe sie blühen können.
Wenn man eine dieser Pflanzen bis zum zweiten Jahre im Boden ließe, so würde sie blühen und Samen bilden. Aber eine Kohlrübe wird im ersten Jahre blühen, wenn man sie ganz früh im Frühling sät und den ganzen Sommer über stehen läßt. Deshalb säen wir unseren größten Vorrat von Kohlrüben im Juni und Juli, so daß sie nicht blühen, bevor wir sie im Winter gebrauchen.
Da höre ich jemand sagen: „Weshalb wird hier die Kartoffel nicht genannt?“ Aber Kartoffeln sind keine Wurzeln wie Mohrrüben und Rüben. Wenn man eine Kartoffel genau ansieht, so wird man einige vertiefte Stellen in der Schale finden, die „Augen“ genannt werden. Besonders deutlich treten sie hervor, wenn man die Kartoffel wäscht und sorgfältig betrachtet.
Jedes dieser Augen ist ein kleiner Keim mit einer wachsenden Spitze und den Anlagen zu Blättern. Nun wißt ihr aber, daß eine Wurzel keine Blätter tragen kann. Sie kann nur eine Knospe auf der Spitze haben, wo der Stengel beginnt. Die Kartoffel kann also keine Wurzel sein.
Wenn ihr einige Kartoffeln ausgrabt und die Wurzeln sorgfältig betrachtet, so werdet ihr sehen, daß jede einzelne am Ende eines weißen Stengels wächst, der von den Wurzeln sehr verschieden ist. Eine Kartoffel ist eine Verdickung am Ende eines Stengels, der unter dem Boden wächst. Sie ist ein Knollengewächs.
Wenn ihr entweder eine Kartoffel oder eine Batate in Stücken schneidet und an jedem eine „Augenknospe“ laßt, so wird jedes dieser Stücke zu einer neuen Pflanze heranwachsen, die Nahrung in den unterirdischen Stamm heruntersendet und weitere Knollen bildet. Jährlich blüht die Kartoffel und bildet Samen in weißlichen Beeren, die wie die ganze Pflanze anderer Nachtschattengewächse giftig sind. Der sehr giftige schwarze Nachtschatten mit seinen schwarzen Beeren gehört auch dazu. Man sollte niemals Beeren oder andere Früchte essen, die man nicht kennt, denn selbst viele Beeren, welche von Vögeln gefressen werden, sind für andere Tiere und für den Menschen giftig. Die Kartoffel speichert ihr Gift nur in ihrer grünen Beere auf, die Knolle selbst ist nicht giftig. Die Kartoffelkrankheit, die uns so viele Sorgen bereitet, wird verursacht durch eine kleine Pflanze, die dem Schimmel auf Eingemachtem gleicht. Sie zerstört die Kartoffel vollständig.
Beim Sellerie essen wir die knollenartig verdickten Stengel, die über der Erde wachsen. Aber wir bedecken sie mit Erde, um sie weiß zu halten, denn im Sonnenlichte würden sie grün werden. Beim Spargel essen wir die Stengel mit der Knospe an der Spitze. Diejenigen, welche wir nicht verzehren, wachsen im Sommer heran und haben nadelförmige, schöne Blätter und glänzende, rote Beeren.
Bei der Zwiebel, beim Lauch und bei den Schalotten endlich essen wir die Zwiebel. Sie hat in den schuppigen Blättern eine Menge guter Nahrung aufgespeichert.
Nun laßt einmal sehen, was man tun muß, um möglichst gute Rüben, Zwiebeln und Spargel zu ziehen. Erstens muß man den Boden trocken legen, wenn es nötig ist, und ihn tief umgraben, so daß den Wurzeln keine harten Erdklumpen im Wege sind, damit sie gerade und kräftig werden können. Dann muß man düngen. Sei sorgfältig und grabe den Dünger recht tief ein, denn Larven und Maden mögen Wurzeln und Zwiebeln ebenso gern wie wir. Die Schädlinge liegen nun im Herbst und Frühling, wenn man den Garten umgräbt, in ihren Kokons überall umher. Gräbt man sie nun mit dem Dünger tief in den Boden ein, so können sie, wenn sie sich in Insekten verwandeln, nicht heraus, um Eier zu legen.
Es gibt noch ein anderes Mittel, diese Larven und Maden unschädlich zu machen. Jede Pflanze hat ihre besonderen Feinde, die sich von ihr nähren. Als solche kennen wir die Larven der Zwiebelfliege, der Mohrrübenfliege und mancher anderen. Wenn man nun bei der Aussaat die Mohrrüben dahin sät, wo im vorigen Jahre die Zwiebeln standen, und die Zwiebeln in das Pastinakenbeet, so findet das Insekt, wenn es ausgekrochen ist, die Blätter für seine Eier nicht unmittelbar in der Nähe, und man kann auf diese Weise manche Pflanze retten.
Dann muß man bei Pflanzen, wie Zwiebeln und Mohrrüben die Zwiebeln und Wurzeln gut mit Erde bedeckt halten und wenn man solche herauszieht, muß man den Erdboden wieder festdrücken. Denn die Insekten legen ihre Eier auf den unter dem Boden befindlichen Teil der Pflanze, und wenn sie nicht in den Erdboden hinein kommen können, ist die Wurzel in Sicherheit.
Endlich kennt ihr wohl den schädlichen Drahtwurm, der sich dicht unter dem Boden hinwindet und alles frißt, was er findet. Um ihn zu beseitigen, muß man den Boden sehr rein halten, denn er liebt es, sich in allen möglichen Abfällen zu verstecken. Man tut auch gut, etwas Kali oder Kalk unter die Erde zu mischen. Wenn es auch sehr mühsam ist, so kann man auch einige Kartoffelscheiben dicht unter die Erde legen und einen kleinen Zweig hineinstecken, um zu zeigen, wo sie zu finden sind; der Wurm wird dann am frühen Morgen leicht unter diesen zu fangen sein.
Suche Gemüse mit: 1. einer Wurzel, 2. einer Zwiebel, 3. einem Stengel, 4. einer Knolle.