Die Blüten des Hirtentäschelkrauts sind sehr klein, daher wollen wir die Blüten einer anderen Pflanze zur Hilfe nehmen, um etwas über sie zu lernen. Wenn man im Garten eine Kohlrübe finden kann, die in Samen geschossen ist, so wird man sehen, daß sie Blüten hat wie die des Hirtentäschelkrauts, sie sind nur größer und gelb statt weiß.
An beiden Blüten haben wir vier äußere grüne Blätter. Sie heißen Kelchblätter, denn sie bilden den Kelch der Blüte. Dann sehen wir noch vier farbige Blätter, die über den Kelchblättern wachsen. Sie heißen Blumenkronblätter, weil sie die Blumenkrone der Blüte bilden. Sie sind weiß beim Hirtentäschelkraut und gelb bei der Kohlrübe. Aber in beiden Blüten stehen sie in Form eines Kreuzes.
Nun kommen sechs dünne Fäden mit kleinen Köpfchen an der Spitze. Zwei derselben sind kurz und vier lang. Sie heißen Staubfäden. Die Köpfchen heißen Staubbeutel, die den gelben Blütenstaub oder Pollen enthalten. In der Mitte der Blüte finden wir endlich den Fruchtknoten. Beim Hirtentäschelkraut ist dieser wie ein Herz geformt, bei der Blüte der Kohlrübe wie eine lange Schote.
Die Schoten wachsen auf kleinen Stielen am Stengel. Sie waren einst von Blütenblättern umgeben, aber diese sind verwelkt, und die Schoten sind groß geworden.
Einige der besten Gemüse in unseren Gärten haben Blüten wie diese in der Form eines Kreuzes und vier lange und zwei kurze Staubgefäße. Mehrere, wie die Kohlrübe und das Radieschen, haben Wurzeln, die sehr wohlschmeckend sind. Von anderen, wie z. B. dem Weißkohl und dem Braunkohl, essen wir die Blätter, vom Blumenkohl dagegen die Stiele des Blütenstandes mit den Blütenknospen.
Wir wollen nun zur Kohlrübe zurückkehren. Was hat sie für eine prächtige dicke Wurzel! Man findet eine Art von Kohlrübe wild wachsend, aber die Wurzel ist hart — du würdest sie nicht essen können. Unsere Rüben dagegen sind weich und deshalb so gut, weil sie in fruchtbarem Boden gewachsen sind, der seit vielen Jahren in bester Weise bearbeitet worden ist, und weil nur der beste Same ausgesät wird.
Ihr werdet nun vermutlich glauben, daß die Kohlrüben nur für uns dasein müßten, da wir den Boden umgraben und den Samen säen. Aber es gibt viele Tiere und Insekten, die auch ihren Anteil daran haben wollen. Sobald die Pflanze ihre ersten grünen Blätter herausstreckt, ist schon ein kleiner Käfer da, um sie zu fressen. Wenn seine Flügel geschlossen sind, ist er nicht größer als der Buchstabe „o“ in der Überschrift dieser Lektion. Er hat lange Hinterbeine und kann sehr gut springen, und deshalb wird er Erdfloh genannt.
Im Winter schlafen diese Käfer unter der Erde oder unter verwelkten Blättern. Wenn der Frühling kommt, erwachen sie und nähren sich vom Hirtentäschelkraut oder irgend einem anderen Unkraut, das früh im Jahre aufschießt. Dann legt das Weibchen seine Eier unter die Blätter, und bald kriechen kleine Larven aus und fressen Löcher in dieselben.
In vierzehn Tagen sind sie fett. Dann fallen sie auf den Boden und spinnen sich in Kokons ein, gerade wie die kleinen Ameisen im Ameisenhaufen. In weiteren vierzehn Tagen werden sie kleine Käfer.
Um diese Zeit stecken die frühen Kohlrüben gerade ihre ersten Blätter hervor, und der Erdfloh hüpft herbei, um sie zu fressen. Dann findet man, wenn man eines Morgens aufsteht, das Kohlrübenbeet kahl gefressen, und wenn man scharfe Augen hat, kann man die kleinen, schwärzlich glänzenden Käfer, die das Unheil angerichtet haben, fangen.
Wenn man früh im Jahre alles Unkraut ausjätet, und den Boden hackt, so daß die jungen Rüben schnell wachsen, so kann man den Erdfloh fernhalten. Aber dann fordern andere Geschöpfe ihren Teil. Der Kohlgallenrüsselkäfer legt seine Eier in die Wurzel unter der Erde, wie der Nußbohrer in die Haßelnuß (vgl. Buch I). Wenn man eine Kohlrübe sieht, an der kleine Klumpen oder Gallen sitzen, so kann man sicher sein, daß eine Larve dieses Käfers im Inneren ist.
Wenn dann die großen Kohlrübenblätter gewachsen sind, wird eine hübsche orangefarbige Blattwespe ihre Eier auf diese legen, so daß die Larven viele wegfressen. Dann wird das Kaninchen, wenn es herankommen kann, die Spitzen fressen, während die Mäuse die Wurzeln benagen. Und wenn man endlich Samenkohlrüben baut, so wird der kleine grünlich-schwarze Rapsglanzkäfer seinen Anteil fordern und die Blütenknospen fressen.
So hat die Kohlrübe, wie man sieht, viele Freunde, aber noch mehr Feinde. Ein guter Gärtner hat Freude daran, zu lernen, wie man diese Gartendiebe fernhält.
Nimm die Blüten des Goldlacks, der Levkoie, des Ackerpfennigkrauts, der Kohlrübe und des Hirtentäschelkrauts und beobachte ihre Ähnlichkeit in der Form und der Anordnung ihrer Teile.
Wir sahen in den beiden letzten Lektionen, daß eine Pflanze eine Wurzel, einen Stamm, Blätter, Blüten und Früchte hat. Heute will ich euch erzählen, wie diese Teile wachsen.
Wenn der Lehrer dich einen kleinen Versuch machen lassen will, so kannst du selbst beobachten, wie eine Pflanze aus dem Samen aufwächst. Nimm eine Untertasse und ein kleines Stück Flanell. Lege den Flanell in die Untertasse und gieße Wasser darüber, bis er ganz naß ist. Dann laß dir von jemand etwas Senfsamen geben und streue ihn auf den Flanell. Setze das Ganze dann in die Fensterbank oder auf den Tisch und sorge dafür, daß der Flanell immer feucht ist. Dann achte darauf, was geschehen wird.
Am zweiten Tage, nachdem du den Samen gesät hast, wirst du finden, daß er weich und aufgequollen ist. Er hat Wasser aufgesogen und braucht dasselbe zum Wachsen. Am dritten Tage werden viele der Samenkörner eine zierliche Wurzel ausgetrieben haben, welche sich an den Flanell anklammert.
Die Spitze der Wurzel wird nun noch mehr Wasser aufsaugen, und wenn man ein Samenkorn öffnet, so findet man, daß es sich in zwei Teile gespalten hat. Aus jeder der beiden Hälften wird ein Blatt werden. Aber diese sind nicht grün, sie sind noch ganz weiß, und man kann sich kaum denken, daß es Blätter sind.
Wenn du am vierten Morgen zur Schule gehst, wirst du wahrscheinlich finden, daß die beiden Hälften aus ihrer Umhüllung herausgewachsen sind. Einige sind noch weiß, aber andere werden schon an den Spitzen grün und unten rot, und jeder würde sie jetzt als Blätter ansehen. Sie wachsen auf einem Stiel, und die leere Umhüllung der Samen hängt an der Stelle, wo der Stiel und die Wurzel sich treffen.
Beachte wohl die Form dieser Blätter. Sie bestehen aus zwei Halbkreisen mit einer Kerbe in der Mitte. Es sind die Keimblätter des Senfs. Sie sind aus dem Samen aufgewachsen und haben die Nahrung, die darin war, benutzt, um sich auszubreiten und in das Sonnenlicht emporzusteigen. Und wenn das Licht nun auf sie niederströmt, so werden sie grün und bereiten sich selbst Nahrung aus den Luftgasen und dem Wasser, das die Wurzeln einsaugen. Denn die Wurzel hat nun viele kleine Würzelchen und Wurzelfasern getrieben, wie man sehen kann, wenn man eine aus dem Flanell herauszieht.
In einigen Tagen zeigt sich eine grüne Spitze zwischen den beiden Keimblättern und wächst zu zwei weiteren Blättern heran. Diese haben zwischen sich wieder eine kleine Knospe, die wieder Blätter bildet, und so wird die Pflanze größer und größer.
Aber die neuen Blätter sind in ihrer Form ganz verschieden von den Keimblättern. Sie sind lang und haben fünf Lappen, einen großen an der Spitze und zwei kleinere an jeder Seite.
Was nun mit dem Senfsamen auf dem Flanell vor sich geht, ist dasselbe, was mit jedem Samen geschieht, den man in den Erdboden sät. Zuerst schwillt er auf, wenn der warme Regen ihn erreicht. Dann treibt er eine zarte Wurzel. Die Keimblättchen strecken sich, ihr Stiel wächst, sie schlüpfen aus ihren Umhüllungen und wachsen aus der Erde hervor.
Dann werden sie im Sonnenlichte grün und fangen an, Nahrung zu bereiten. Damit ernähren sie Stengel und Blätter, bis sie zu großen Pflanzen oder selbst zu Bäumen heranwachsen.
Ein anderer hübscher Versuch, den man machen kann, ist der, eine Bohne in warmem Wasser einzuweichen und sie auf einen mit Erde gefüllten Blumentopf zu legen. Halte die Erde feucht und beobachte die Bohne, wie du es bei dem Senfsamen getan hast. Das Wachsen derselben nimmt längere Zeit in Anspruch. Es kann eine Woche dauern, ehe die Wurzel den Weg in die Erde findet und eine weitere Woche, ehe die großen grünen Keimblätter aus ihrer Umhüllung hervorbrechen.
Es ist sehr merkwürdig, die Wurzel zu beobachten. Zuerst sendet die Bohne nur eine Keimwurzel aus, dann mehrere. Die schwere Bohne liegt noch auf der Erde, während der Stiel weiter wächst. So bildet derselbe einen Bogen, mit dem Samen an dem einen Ende und der Wurzel an dem anderen. Wenn nun die Pflanze die Nahrung in den Keimblättern verbraucht, werden diese allmählich leichter und der Stengel wird kräftig genug, sie zu heben, so daß sie sich nach oben richten. Sie lassen die Samenhülle nicht unten wie der Senfsamen. Sie tragen dieselbe mit empor, und sie vertrocknet und fällt ab. Dann kann man zwischen den Keimblättern die neue Knospe sehen, die sich bald zu wirklichen Blättern entfaltet.
Streue Senfsamen auf feuchten Flanell. Weiche eine Bohne eine Nacht lang in warmem Wasser ein und lege sie auf sehr feuchte Erde in einen Blumentopf.
(Zweites und drittes Vollbild.)
Wir verließen unsere Pflanzen am Ende der letzten Lektion, wie sie grüne Blätter im Sonnenlichte bildeten. Nun wachsen sie schnell heran. Ihre Wurzeln saugen Wasser aus dem Boden, und ihre Blätter nehmen Gase aus der Luft auf.
Wenn die Pflanze reichlich Wurzeln und Blätter gebildet hat, so beginnt sie Nahrung aufzuspeichern, um Blüten hervorzubringen, in denen neuer Same erzeugt wird. Dies ist ein sehr wichtiges Werk; denn Samen sind nötig, um neue Pflanzen zu erzeugen, und es werden so viele von Vögeln und Insekten vertilgt oder von anderen Pflanzen erstickt, daß es sehr viele geben muß, damit die Pflanze nicht ausstirbt.
Daher ist der Fruchtknoten, in dem die Samen sich bilden, sehr sorgfältig geschützt. Er wächst gerade in der Mitte der Blüte, wo er dicht in die Knospe eingehüllt werden kann. Selbst wenn er unter der Blüte wächst, wie beim Geißblatt, sitzt die klebrige Spitze, auch Narbe genannt, immer sicher im Innern der Knospe.
Pflücke eine Schlüsselblume und eine Butterblume auf dem Felde und eine Erbsenblüte aus dem Garten und betrachte ihre Fruchtknoten. Inmitten der Blüte der Butterblume wirst du sehr viele finden. Sie haben die Form von Birnen, deren Stiele nach oben gerichtet sind, und in jedem der Fruchtknoten liegt die Anlage eines kleinen Samens.
Man muß die gelbe Blumenkrone der Schlüsselblume abreißen, ehe man den kleinen grünen Fruchtknoten in dem grünen Kelche sitzen sieht. Aus demselben wächst eine Röhre hervor, die in einem runden Knöpfchen endet.
In der Erbsenblüte bildet der Fruchtknoten eine einzelne Hülse im Innern der Blumenkronblätter, die mit einem langen Schnabel an der Spitze versehen ist. Wenn du die Hülse öffnest, so wirst du sieben oder acht kleine weiße Kügelchen finden. Das sind die kleinen Erbsen. Wenn man imstande ist, den Fruchtknoten der Schlüsselblume zu öffnen, so wird man dieselbe Art von Kügelchen finden. Sie sind aber außerordentlich klein, weich und durchscheinend. Man kann sie leicht mit dem Finger zerdrücken. Es sind keine wirklichen Samen, sondern nur „Samenanlagen“ oder Samenknospen. Ehe sie zu harten Samen werden können, müssen sich einige von den gelben Pollenkörnchen aus den Staubbeuteln, die über ihnen wachsen, mit ihnen verbinden.
Aus diesem Grunde tragen die Fruchtknoten Spitzen und Schnäbel und Knöpfchen. Die Spitze auf dem Fruchtknoten der Butterblume, der Schnabel am Ende der Erbsenschote und das Knöpfchen oben auf der Röhre, die über den Fruchtknoten der Schlüsselblume hervorragt, sind alle klebrig. Dieses Knöpfchen nimmt also den aus den berstenden Staubkörnern entlassenen Staub auf und sendet ihn durch die Röhre auf die Samenknospen des Fruchtknotens hinab, der sich zu einer Kapsel umwandelt und so die reifen Samen umschließt.
Wenn du nach Hause gehst, so pflücke irgend eine Blume, die du siehst, und versuche, ihren Fruchtknoten zu finden. Du kannst vielleicht in einem Kornfelde eine Klatschrose pflücken. Diese hat einen schönen großen Fruchtknoten, der aussieht wie eine mit einem Deckel versehene Tasse. Unter dem Deckel befinden sich kleine Löcher, wenn der Fruchtknoten reif ist. Der Wind bewegt ihn hin und her und schüttelt so die Samen aus den Löchern heraus. Es sind so viele, daß man sie nicht zählen kann.
Du kannst auch ein Veilchen pflücken, und wenn du dann die farbigen Blätter fortgenommen hast, so wirst du einen sehr sonderbaren Fruchtknoten finden. Denn die Röhre und der klebrige Knoten an der Spitze sehen genau wie der Hals und der Kopf eines Vogels aus. Die Staubbeutel, die dicht um den Fruchtknoten herumstehen, haben eine hübsche orangegelbe Farbe.
Es gibt eine hübsche rote Blume, die Stockrose oder Malve, deren Fruchtknoten aussieht wie ein runder flacher Käse mit einer in der Mitte stehenden kräftigen Säule. Diese Säule hat acht bis zwölf klebrige Stellen, und rund herum stehen sehr viele gelbe Staubgefäße. Kinder nennen die Samenkapseln der Malve, wenn sie reif sind, und die Säule abgefallen ist, „Käse“.
Aber überrascht wirst du sein, wenn du einen Löwenzahn oder ein Gänseblümchen pflückst, denn du wirst keine Fruchtknoten in der Mitte finden. Der Grund ist der, daß der Löwenzahn und das Gänseblümchen nicht aus einer Blüte bestehen, sondern aus einer großen Menge von Blüten, die zu einer Blume vereinigt sind.
Zerlege eine Löwenzahnblüte, und du wirst finden, daß sich jede kleine Blüte leicht von den übrigen trennt. Es gibt deren mehr als hundert in einer Löwenzahnblüte. Nimm eine von diesen kleinen Blüten in die Hand und betrachte sie.
Am unteren Ende sitzt ein ovaler Sack, das ist der Fruchtknoten. Oben auf diesem stehen einige feine Haare; das sind die Kelchblätter. Dann folgt die gelbe Blumenkronröhre, die auf einer Seite zu einer langen Zunge ausgewachsen ist. Im Innern der Blumenkrone sehen wir die Staubgefäße mit sehr langen Staubbeuteln, die zu einer Röhre fest verwachsen sind. Durch diese Röhre wächst der Griffel mit zwei gelben klebrigen Hörnern, der Narbe, empor.
Dies zierliche Ding ist also eine vollständige Blüte, die mit ihren Gefährtinnen den Blumenkopf des Löwenzahns bildet. Bei dem Gänseblümchen ist es ebenso mit einigen kleinen Unterschieden. Versuche diese selbst herauszufinden.
Suche die Fruchtknoten der Erbse, des Goldlacks, des Hirtentäschelkrauts, der Butterblume, der Schlüsselblume, des Mohns, der Malve und des Löwenzahns.
Sobald die Sonne die Erde zu erwärmen beginnt, kann man nach Frühlingsblumen ausschauen. Wenn in der Nähe feuchte Wiesen und Gräben sind, so kann man im April die Sumpfdotterblume in Blüte finden. Dies ist eine Pflanze mit hohlem Stengel und dunkelgrünen, herzförmigen Blättern, die am Rande gekerbt sind. Die Blüten sind hellgelb; die Kinder nennen sie oft Butterblume.
Die Blüte hat 6 verschieden gestaltete Kronblätter und innen stehen zahlreiche Staubgefäße und Fruchtknoten. Wenn man einen der letzteren herausnimmt, so wird man eine kleine Höhlung mit Honig darin finden.
Die Bienen sind sehr hinter diesem Honig her, da es noch so früh im Jahre ist, daß sehr wenige Pflanzen blühen. Sie brauchen außerdem Blütenstaub, um Bienenbrot für die kleinen Bienen zu machen. Auch andere Insekten suchen nach Nahrung. Wenn man an einem sonnigen Tage die Butterblumen beobachtet, so wird man viele Bienen und Fliegen sich auf den Blüten niederlassen sehen.
Sie fliegen von Blüte zu Blüte, saugen aus jeder ein Tröpfchen und nehmen außerdem aus den Staubbeuteln Blütenstaub mit.
Wir sahen in der letzten Lektion, daß Pflanzen keine Samen bilden können, wenn der Blütenstaub nicht auf die Narbe gelangt, und man hat durch Versuche herausgefunden, daß der Samen besser wird, wenn der Blütenstaub von einer anderen Blüte kommt. So nützen die Bienen den Pflanzen, indem sie den Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen, als Bezahlung gewissermaßen für den Honig, den die Pflanzen ihnen spenden.
Man wird sicher irgendwo im März an den Hecken eine hübsche gelbe Blume finden, die wie ein Stern aussieht mit glänzend grünen, herzförmigen Blättern. Es ist das Scharbockskraut oder die Feigwurz. Sie hat drei grüne Kelchblätter und acht bis zwölf gelbe Blumenkronblätter. Bienen und andere Insekten kommen in großen Mengen zu ihr, denn sie hat einen Tropfen Honig an dem dünnen Ende jedes Blumenkronblattes in der Mitte der Blumenkrone.
Wenn man diese Pflanze ausgräbt, so wird man Knöllchen von Feigenform finden, die zwischen den Wurzeln wachsen. Jedes derselben hat eine kleine Knospe an der Spitze, aus der sich eine neue Pflanze entwickelt, wenn man sie in die Erde setzt.
Eine andere Blume, die schon früh auf den Feldern blüht, ist der gemeine gelbe Huflattich, ein für den Landmann sehr unangenehmes Unkraut. Er hat einen langen kriechenden Stengel und breitet sich sehr schnell unter dem Boden aus. Er hat eine Blumenkrone wie der Löwenzahn, aus Hunderten von winzigen Blüten bestehend. Diese wächst auf einem filzigen Stengel, welcher mit roten Schuppen bedeckt ist. Die Blätter wachsen erst, nachdem die Blüte verwelkt ist.
Sieh den Blütenkopf aufmerksam an. Du wirst ungefähr vierzig runde Blüten in der Mitte finden. Sie bergen in sich Staubgefäße und einen großen Tropfen Honig. Um diese herum stehen ungefähr 300 kleine Blüten, jede mit einer langen, gelben Zunge. Im Innern dieser äußeren Blütchen sitzt ein Fruchtknoten mit zwei klebrigen Hörnern. Die Bienen und anderen Insekten kriechen über diese äußeren Blüten, um den Honig aus den Blüten in der Mitte zu saugen, und wenn sie nun zurückkehren, so bringen sie etwas Blütenstaub mit, den sie auf den klebrigen Hörnern der Narben zurücklassen.
Und wenn du nun den Aronsstab oder die Aronswurz finden kannst, so will ich dir eine wirkliche Insektenfalle zeigen. Er hat eine weißliche tütenförmige Blüte mit einem purpurfarbenen Kolben im Innern. Im Frühling hat diese Blume einen sehr starken Geruch. Dieser lockt die Insekten an, und sie kriechen an dem purpurroten Kolben hinab, um nach Honig zu suchen.
Auf ihrem Wege dahin kommen sie an einer Reihe von steifen Haaren vorbei, die von ihrem Gewicht niedergebogen werden und sie vorüber lassen. Dann gelangen sie an einen Ring von roten Staubbeuteln, die noch nicht offen sind. Darauf treffen sie auf einige verkümmerte Fruchtknoten und erreichen endlich die wirklichen Fruchtknoten mit klebrigen Spitzen.
Nun sind sie bis auf den Boden gelangt und suchen nach Honig. Aber ach! Es ist keiner da. Dann versuchen sie zurückzugelangen. Aber die steifen Haare biegen sich nicht nach oben, und die Insekten sind Gefangene. Sie sind für ein oder zwei Tage eingeschlossen, dann verwelken die klebrigen Narben der Fruchtknoten und jede schwitzt einen Tropfen Honig aus. Die Insekten sind also nicht betrogen. Zu gleicher Zeit platzen die Staubbeutel, und der Blütenstaub fällt auf die Insekten. Dann verwelken auch die Staubgefäße und die Haare, und die Insekten können ihrem Gefängnisse entschlüpfen.
Wenn sie an den verwelkten Staubbeuteln vorbeikommen, streifen sie den übriggebliebenen Blütenstaub ab und tragen nun auf ihrem Rücken genug davon zu anderen Blumenfallen.
Man kann dies sehr leicht selbst sehen, wenn man zwei Aronsstäbe beobachtet und zwar eine junge Pflanze mit vollen Staubbeuteln und eine alte, in der diese schon verwelkt sind.
Suche Sumpfdotterblume, Scharbockskraut, Huflattich und Aronsstab.