Wenn die Fruchtknoten der Pflanzen ausgewachsen und reif sind, nennen wir sie Früchte. Vermutlich kommt es euch sonderbar vor, eine Erbsenschote „Frucht“ zu nennen. Aber wenn ihr an alle die anderen Früchte, die ihr kennt, denkt, so werdet ihr finden, daß alle aus Fruchtknoten entstanden sind.
Der Apfel entsteht aus dem Fruchtknoten der Apfelblüte. Die Stachelbeere enthält den Samen des Stachelbeerstrauches. Die Nuß ist die Frucht des Nußbaumes. Die Eichel ist die Frucht der Eiche.
Bei Erbsen und Puffbohnen essen wir die Samen der Frucht. Aber bei anderen Bohnenarten essen wir meistens die unreife Frucht, Samenkapsel sowohl als Samen. Wenn du in einem Gemüsegarten umhergehst, wirst du gewiß einige Gemüse finden, von denen wir die ganze Frucht essen.
In den meisten Gärten gibt es eine Ecke, in der welke Blätter und Abfall aufgehäuft werden, um daraus einen Düngerhaufen zu machen. Erde wird auf den Haufen geworfen, und Gurken und Kürbis werden darauf gezogen. Man wird sofort erkennen, daß Gurken und Kürbis fleischige Samenkapseln sind, denn sie sind voll von Samen.
Habt ihr jemals die Blüten des Kürbis angesehen? Sie sind ebenso groß und schön wie viele Gartenblumen. Ich möchte euch auf etwas Sonderbares in ihnen aufmerksam machen.
Wenn man verschiedene Blüten betrachtet, so wird man sehen, daß sie nicht alle gleich sind. Sie haben einen blaßgrünen Kelch mit fünf langen Spitzen und eine kleinere oder größere gelbe Blumenkrone. Die kleineren haben den Ansatz eines jungen Kürbis unter dem grünen Kelche, während die größeren nichts als den Stengel an Stelle des Kürbisansatzes haben. In einigen Tagen wird der junge Kürbis größer geworden sein, während die Blüten, aus denen kein Kürbis hervorgeht, allmählich verwelken.
Sieh in das Innere der verwelkenden Blüten. Du wirst einige sonderbare Staubbeutel voll von gelbem Blütenstaube finden, aber keinen klebrigen Stempel in der Mitte. Dann betrachte die kleinere Blüte über dem jungen Kürbis. Im Innern derselben stehen einige klebrige, klumpenförmige Gebilde und wahrscheinlich findet sich etwas gelber Staub auf ihnen. Jene verdickten Stellen bilden die Spitze des Fruchtknotens, die Narbe, aber du wirst keine Staubbeutel in dieser Blüte finden.
So siehst du also, daß der Kürbis die Staubbeutel in der einen Blüte und den Stempel in einer anderen hat. Wie kommt nun der gelbe Blütenstaub aus einer Blüte in die andere, um den Samen zum Wachsen zu bringen?
Hier helfen die Insekten. Wir fanden die schädlich, die die Kohlrüben vernichteten, jetzt werden wir nützliche finden.
Im Inneren jeder Kürbisblüte gibt es einige saftige, faltenartige Stellen, an denen die Bienen und andere Insekten gern nagen, um den süßen Saft zu bekommen. Wenn sie sich nun in die Blüte drängen, um an den Falten zu fressen, reiben sie sich an den Beuteln und tragen etwas von dem gelben Blütenstaube auf ihrem Rücken mit fort. Dann fliegen sie in die kleineren Blüten auf der Suche nach dem süßen Safte und kommen an der klebrigen Narbe vorbei. Die gelben Staubkörner kleben daran fest, und so kann der Inhalt des Blütenstaubs zu den Samenknospen gelangen, so daß diese zu Samen heranwachsen.
Die Blüten der Gurke sind ebenso verschieden wie die des Kürbis. Nun wissen wir auch, weshalb der Gärtner seine Mistbeetfenster alle Tage sorgfältig öffnet. Er muß nicht nur frische Luft einlassen, sondern auch den Insekten Gelegenheit geben, auf die Blüten zu fliegen. Denn wenn sie nicht kämen, würde der Blütenstaub nicht von einer Pflanze zur anderen getragen werden. Manche Gärtner pflücken eine Blüte mit Staubbeuteln ab und reiben sie an den klebrigen Narben der kleinen Blüte und verrichten so dieselbe Arbeit wie die Insekten.
Alle Arten von Kürbissen, wie Flaschen-, Riesenkürbisse usw., Melonen und Gurken haben zweierlei Blüten wie die oben beschriebenen.
Es gibt noch eine Frucht, die wir als Gemüse essen, aber ich bin nicht sicher, ob ihr sie in eurem Garten habt. Es ist die schöne Tomate, die wie ein tiefroter Apfel aussieht. Wenn ihr sie nicht habt, solltet ihr versuchen, sie anzubauen.
Säe die Samen im Februar in einen Kasten, decke Glas darüber und halte sie in der Küche, wo es warm ist. Wenn dann die kleinen Pflanzen einige Blätter getrieben haben, setze jede einzelne in einen kleinen Topf mit etwas sandiger Erde. Begieße die Pflanze tüchtig, und im Mai setze die Töpfe hinaus ins Freie in eine warme Ecke.
Sobald die Pflanzen sich abgehärtet haben, grabe an einem der Sonne ausgesetztem Platze ein tiefes Loch, fülle es mit Erde und Dünger und pflanze sie da hinein. Sie werden emporwachsen und schöne Tomaten hervorbringen. Man muß nur sorgfältig Raupen und Schnecken fernhalten; denn sie lieben den süßen Tomatensaft ebensosehr wie wir.
Wenn die Früchte groß genug sind, und das Wetter nicht warm genug ist, um sie im Freien zur Reife zu bringen, so kann man sie pflücken und auf die Küchenbretter legen. Sie werden sich dann rot färben und können gegessen werden.
Suche die zwei verschiedenen Arten der Blüten, die auf dem Kürbis und der Gurke wachsen. Suche die Frucht der Gurke und der Tomate.