Fig. 562.

Fig. 562.

Dysodontes Schloß (Ostrea digitalina).

Fig. 563.

Fig. 563.

Taxodontes Schloß a von Area mit äußerem Ligament, b von Leda mit innerem Ligament.

Das heterodonte Schloß (Fig. 564) besitzt in jeder Klappe eine beschränkte Anzahl leistenförmiger, konischer oder hakenförmiger Zähne, die durch Zahngruben von einander getrennt sind. Die mittleren, unter den Wirbeln stehenden und mehr oder weniger divergierenden Zähne werden als Schloß- oder Kardinalzähne von den häufig dem Schalenrand parallelen vorderen und hinteren Seitenzähnen unterschieden. Jeder Zahn eines heterodonten Schlosses füllt eine Zahngrube der Gegenklappe aus. Zuweilen spaltet sich ein dreieckiger Schloßzahn in zwei divergierende Äste (Trigonia, Mactra) und fügt sich in eine einfache Grube der Gegenschale ein. Man nennt diese Ausbildung des Heterodontenschlosses schizodont.

Das pachyodonte Schloß ist eine besondere Modifikation von Heterodontie. Es besteht aus 1-3 unsymmetrischen, zapfenförmigen, plumpen Vorsprüngen, welche sich in Gruben oder scheidenartige Alveolen der Gegenklappe einfügen (Caprinidae, Rudistae).

Bei dem desmodonten Schloß (Fig. 565) fehlen in der Regel eigentliche Schloßzähne, dagegen ragen meist dünne, blattartige Vorsprünge in vertikaler oder horizontaler Richtung unter den Wirbeln vor und nehmen das innerliche oder halbinnerliche Band zwischen sich auf. Zuweilen verdicken sich die vorderen oder hinteren Ränder dieser Ligamentträger zu einem schwachen zahnartigen Vorsprung.

Fig. 564.

Fig. 564.

Heterodontes Schloß von Cyprina, linke und rechte Schale.

Fig. 565.

Fig. 565.

Desmodontes Schloß von Pleuromya.

Obige, von Neumayr[40] aufgestellte und begründete Terminologie des Bivalvenschlosses wurde von Dall[41] weiter ausgeführt und von letzterem die Heterodonta in die Gruppen Diogenodonta, Cyclodonta, Teleodonta zerlegt. Auch die ursprünglich aus fremdartigen Elementen zusammengesetzte Abteilung der Desmodonta erfuhr durch Bittner, Dall u. a. mancherlei Änderung.

Um eine kurze und präzise Bezeichnung der Schloßelemente zu ermöglichen, schlugen Steinmann und Döderlein Formeln vor, worin C die Kardinalzähne, o die diesen entsprechenden Zahngruben der anderen Schale, l die Seitenzähne und m die Vertiefungen zu ihrer Aufnahme in der anderen Schale bedeuten. Mit x werden nicht näher bestimmbare Vorsprünge des Schloßrandes bezeichnet. L bedeutet die linke, R die rechte Klappe. Die Formel beginnt stets am hinteren Ende und endigt am vordern. Beispiel:

Astarte borealis L m o 1 o 1 l .
 
R l 1 0 1 0 m

Mit der Entwicklung des Schlosses haben sich besonders F. Bernard[42] und v. Vest[43] beschäftigt. Danach beginnt das Schloß bei den meisten Lamellibranchiaten mit einer Anzahl von Kerben, welche sich vor und hinter dem Ligament entwickeln und das sogenannte Provinculum, ein dem kryptodonten Schloß ähnliche Bildung, hervorrufen. Unter diesem entstehen sodann vordere und hintere Leisten, welche den Schloßrand verdicken und deren innere Enden sich allmählich zu hakenförmigen Zähnen umgestalten. Die verschiedenartigen Modifikationen, aus welchen das definitive Schloß hervorgeht, sind von Bernard eingehend geschildert und darauf eine von der Steinmann'schen abweichende Terminologie der einzelnen Elemente des Schlosses begründet.

Von äußerlichen Merkmalen ist die Verzierung durch konzentrische oder radiale Streifung, Berippung oder Faltung, durch Knoten oder Stacheln beachtenswert. Unverzierte Schalen zeigen stets eine feine, das periodische Zunehmen andeutende konzentrische Zuwachsstreifung. Vor den Wirbeln befindet sich zuweilen ein durch Kanten oder vertiefte Linien begrenztes Feld (Lunula), und ebenso verläuft von den Wirbeln nach dem unteren Hinterrand häufig eine Kante oder Furche, wodurch ein längliches, zuweilen abweichend verziertes hinteres Feld (Area, Schildchen) von der übrigen Schale abgetrennt wird.

Die meisten Muscheln sind äußerlich von einer meist dünnen, hornigen Epidermis bedeckt, die aber zuweilen (namentlich bei Süßwasserbewohnern) auch einen dicken bräunlichen oder grünlichen Überzug bilden kann.

Die Kalkschale selbst wird teils von der Außenfläche der Mantellappen, teils vom Mantelsaum abgesondert und besteht demgemäß aus zwei histiologisch verschiedenen Schichten. Die äußere, vom Mantelsaum gebildete Schicht ist aus prismatischen Zellen zusammengesetzt, welche in der Regel vertikal gegen die Oberfläche gerichtet sind (Fig. 566) und nur bei den Rudisten dieser parallel stehen. Die Prismen variieren sehr in Stärke und Länge. Die größten sind bei Inoceramus und Pinna, die feinsten bei Anatiniden und Myiden beobachtet. Bei Mytiliden und bei vielen mit porzellanartigen Schalen versehenen Heterodonten (Veneridae, Cardiidae etc.) fehlt die äußere Prismenschicht, bei Pectiniden und Limiden ist sie nur an jugendlichen Schalen schwach entwickelt. Die innere Schalenschicht besteht aus zahlreichen, sehr dünnen, parallel übereinander gelagerten, zuweilen etwas wellig gebogenen Blättern und zeigt entweder porzellanartige oder perlmutterartige Beschaffenheit. Perlen haben die Struktur der inneren Schalenschicht und bilden sich als Umhüllung von Fremdkörperchen auf der Innenseite der Schale oder im Mantel.

Fig. 566.

Fig. 566.

Vertikaler Schnitt durch die Schale von Unio. Die äußere faserig-prismatische Schicht (e, b, a, a') bildet mehrere Absätze, welche die successive Entstehung der Schale veranschaulichen; c, c' innere blättrige Schicht (stark vergrößert, nach Carpenter).

Die äußere Schalenschicht zeigt die physikalischen Merkmale von Kalkspat, die innere von Aragonit. Letztere ist leichter löslich als erstere und darum an fossilen Muscheln zuweilen zerstört, während sich die äußere Schicht noch erhalten hat.

Fig. 567.

Fig. 567.

Prodissoconch von Ostrica Virginica (a von der Seite, b von oben, vergr.) nach Jackson.

Über die Entwicklungsgeschichte (Ontogenie) der Schalen geben die Untersuchungen von R. T. Jackson[44] den besten Aufschluß. Danach bildet der Embryo schon frühzeitig einen kleinen, aus zwei dünnen ovalen oder dreieckigen glatten, leicht konzentrisch gestreiften oder gekörnelten Schalen zusammengesetzten »Prodissoconch« (Fig. 567). Die beiden Schalen bestehen aus homogener Kalksubstanz und sind durch einen anfänglich geraden zahnlosen oder etwas gekerbten, später gebogenen Schloßrand, sowie zwei Schließmuskeln miteinander verbunden. Die Wirbel des Prodissoconch sind bei den Anisomyarien nach hinten, bei den meisten Homomyarien nach vorn gekrümmt. Der Prodissoconch nimmt die Wirbelregion der sich später bildenden definitiven Schale ein und erhält sich als eine kleine zweischalige Kappe (Fig. 568) einige Zeit oder er wird abgerieben oder fällt frühzeitig ab. Die Übereinstimmung der Embryonalschale bei den verschiedenartigsten Gattungen der Lamellibranchiaten spricht für ihre gemeinsame Abstammung. Von Interesse ist auch der Umstand, daß zahlreiche paläozoische Muscheln aus verschiedenen Ordnungen durch ihre dünnen Schalen und zahnlosen oder nur leicht gekerbten Schloßrand an embryonale Prodissoconchen erinnern. Neumayr wollte dieselben darum als besondere Ordnung »Palaeoconchae« allen Muscheln gegenüberstellen. Die während der Entwicklung der definitiven Schalen (Dissoconch) eintretenden Veränderungen, namentlich die durch Festheftung einer Klappe bewirkten Modifikationen, wurden von Jackson bei den Anisomyariern eingehend untersucht und daraus wichtige Ergebnisse für die Verwandtschaft der verschiedenen Familien erzielt.

Fig. 568.

Fig. 568.

A Junge Schale von Avicula mit aufsitzendem Prodissoconch (p). (a Linke, b rechte Schale.)

B Desgleichen von Arca pexata.

Lebensweise. Die überwiegende Mehrzahl der Muscheln sind Meeresbewohner, höchstens 1/5 der lebenden Art hält sich in süßem oder brackischem Wasser auf. Die wichtigsten Vertreter der Süßwassermuscheln sind die Nayadiden und Cyreniden. Die marinen Muscheln leben in sehr verschiedener Tiefe; die dickschaligen, reich verzierten und bunt gefärbten meist in seichtem Wasser, in der Nähe der Küste und auf steinigem oder sandigem Grund. Die Tiefseeformen sind in der Regel dünnschalig, farblos, weiß oder rötlich, jedoch weit weniger zahlreich als die Seichtwasserbewohner. Die warmen Zonen beherbergen eine größere Menge von Muscheln als die gemäßigten und kalten.

Systematik. Für die Unterscheidung der Hauptgruppen der Lamellibranchiaten, von denen ca. 5000 lebende und ca. 10000 fossile Arten bekannt sein mögen, hat man verschiedene Merkmale, wie Zahl und Ausbildung der Schließmuskeln, Vorhandensein oder Fehlen der Siphonen, Zahl der Kiemenblätter, Entwicklung des Schlosses, symmetrische oder unsymmetrische Ausbildung der Schalen verwertet. Die mit einem oder zwei sehr ungleichen Schließmuskeln versehenen Anisomyaria (= Monomyaria und Heteromyaria) bilden eine natürliche Gruppe, welche den Homomyaria mit zwei gleichen oder doch ähnlichen Muskeln gegenüberstehen. Letztere lassen sich am besten nach der Entwicklung des Schlosses in Taxodonta, Heterodonta und Desmodonta einteilen.

1. Ordnung. Anisomyaria. Neumayr.
(Monomyaria und Heteromyaria auct.)

Hinterer Muskel kräftig, viel stärker als der häufig ganz verkümmerte vordere. Die vier Kiemenblätter gleichmäßig entwickelt. Mantellappen getrennt. Siphonen fehlen. Fuß klein oder ganz verkümmert.

Die Ordnung der Anisomyarier enthält alle bisher unter der Bezeichnung Monomyaria und Heteromyaria zusammengefaßten Muscheln, bei denen der hintere Muskel überwiegt und der vordere entweder gänzlich fehlt oder nur schwach entwickelt ist. Aus der Ontogenie von Ostrea, Avicula und anderen Gattungen geht hervor, daß auch die ausgesprochensten Monomyarier in ihrer Jugend zwei Schließmuskeln besaßen und darum offenbar aus zweimuskeligen Urformen hervorgegangen sind. Mit dieser Auffassung stimmt auch die geologische Verbreitung überein.

Eine Verwachsung der Mantellappen nebst Ausbildung von kurzen Siphonen kommt nur bei den in brackischem und süßem Wasser lebenden Gattungen Dreissensia und Dreissensiomya vor.

1. Familie. Aviculidae. Lam.[45]

Schale ungleichklappig, innen perlmutterglänzend. Rechte Klappe meist flacher und kleiner als die linke. Schloßrand zahnlos oder mit wenigen schwachen Kerbzähnen, lang, gerade, hinten meist in einen flügelartigen, vorne in einen kurzen, ohrförmigen Fortsatz verlaufend. Band linear an der ganzen Länge des Schloßrandes in einer oder mehreren seichten Rinnen befestigt. Vorderer Muskeleindruck klein oder verkümmert. Silur bis jetzt. Marin.

Die Aviculiden erreichen schon in paläozoischen Ablagerungen den Höhepunkt ihrer Entwicklung und enthalten nach Jackson die primitivsten Formen der Anisomyarier, aus welchen sich alle übrigen ableiten lassen.

Rhombopteria Jackson (Fig. 569). Schale rhomboidisch, schief. Hinterer Flügel durch keine Einbuchtung des Hinterrandes von der übrigen Schale geschieden. Vorderes Ohr kurz. Zwei Muskeln und hintere Leistenzähnchen vorhanden. Silur.

Leptodesma Hall. Devon.

Pterinea Goldf. (Fig. 570). Linke Schale gewölbt, rechte flach. Schloßrand lang, breit, hinten in einen Flügel, vorn in ein kurzes Ohr ausgezogen; Band in mehreren, dem Schloßrand parallelen Furchen. Unter dem Wirbel zwei oder mehr taxodonte Schloßzähnchen, sowie einige schräg nach hinten und unten divergierende leistenartige hintere Seitenzähne. Hinterer Muskeleindruck groß, vorderer kleiner, aber kräftig entwickelt, unter dem vorderen Ohr gelegen. Silur bis Karbon. Hauptverbreitung im Devon von Europa und Nordamerika.

Fig. 569.

Fig. 569.

Rhombopteria mira Barr. sp. Ob. Silur (E.) Prag. (Nach Jackson.)

Fig. 570.

Fig. 570.

a Pterinea laevis Goldf. Linke Schale von innen. Devonische Grauwacke. Niederlahnstein, Nassau. (Nat. Größe.)
b Pterinea lineata Goldf. Ebendaher (von außen).

Actinodesma Sandb. (Glyptodesma, Ectenodesma Hall, Dolichopteron Maurer). Wie Pterinea, aber beide Flügel stark verlängert und in Spitzen ausgezogen. Devon.

Kochia Frech (Onychia Sandb., Loxopteria Frech) Devon.

Avicula Brug. (Pteria Scopoli) (Fig. 571. 572). Wie Pterinea, jedoch Schloßrand zahnlos oder nur mit einem schwachen Schloßzähnchen. In der Regel nur der hintere Muskel entwickelt. Silur bis jetzt.

Fig. 571.

Fig. 571.

Avicula contorta Portlock. Rhätische Stufe. Reit im Winkel.

Fig. 572.

Fig. 572.

Avicula (Oxytoma) costata Sow. Groß-Oolith. Luc, Calvados.

Fig. 573.

Fig. 573.

Pseudomonotis echinata Sow. sp. Cornbrash. Sutton, England.

Subgenera. Actinopteria, Leiopteria, Vertumnia Hall (Devon), Pteronites M'Coy (Devon, Karbon),? Rutotia de Kon (Karbon), Oxytoma (Perm bis jetzt), Meleagrina Lam. (Jura bis jetzt).

Limoptera Hall (Monopteria M. W., Myalinodonta, Paropsis Oehlert). Wie Avicula, jedoch vorderer Flügel verkümmert. Hinterer Flügel groß. Devon. Karbon.

Pteroperna Morr. und Lyc. (Dogger.)

Pseudomonotis Beyr. (Eumicrotis Meek) (Fig. 573). Linke Schale gewölbt, rechte flach. Vordere Ohren winzig, abgerundet oder ganz verkümmert. Devon bis Kreide. Ps. Clarai Wißm. Trias. P. echinata Sow. sp. (Dogger.)

Aucella Keys. (Fig. 574). Schief verlängert, ungleichklappig, dünnschalig, konzentrisch verziert, Schloßrand kurz, zahnlos, gestreift. Linke Schale gewölbt mit eingekrümmtem Wirbel und dreieckigem Ausschnitt des Schloßrandes unter dem Wirbel. Rechte Schale flach, mit kleinem, löffelförmigem vorderen Ohr. Oberer Jura und unterste Kreide. Besonders häufig in Rußland und dem arktischen Polargebiet.

Cassianella Beyr. (Fig. 575). Linke Schale hochgewölbt, mit vorragendem, eingekrümmtem Wirbel, rechte etwas gedreht, flach oder konkav, ohne Byssusausschnitt. Schloßrand mit kleinen vertikalen Schloßzähnchen und einem leistenartigen vorderen und hinteren Seitenzahn. Bandfeld breit, unter den Wirbeln eine dreieckige Bandgrube. Trias.

Fig. 574.

Fig. 574.

Aucella Mosquensis Keys. Oberer Jura. Moskau.

Monotis Bronn (Fig. 576). Schale gleichklappig, radial gerippt. Schloßrand zahnlos. Wirbel wenig vorragend. Vorderes Ohr undeutlich, gerundet, hinteres kurz, schief abgestutzt oder ausgeschnitten. Trias.

Halobia Bronn (Daonella Mojs.) (Fig. 577). Gleichklappig, flach, zusammengedrückt, radial gestreift. Wirbel fast zentral. Ohren fehlen entweder ganz (Daonella), oder nur vorne ein sehr niedriges, nicht über die Schale vorragendes, langes dreieckiges glattes Feldchen vorhanden (Halobia). Häufig in der Trias.

Fig. 575.

Fig. 575.

Cassianella gryphaeata Mstr. sp. Ob. Trias. St. Cassian, Tirol.

Fig. 576.

Fig. 576.

Monotis salinaria Schloth. sp. Roter Alpenkalk. Berchtesgaden. (2/3 nat. Gr.)

Posidonomya Bronn (Ablacomya Steinm.) (Fig. 578). Schale dünn, zusammengedrückt, gleichklappig, konzentrisch gefurcht. Schloßrand gerade, ohne Ohren, zahnlos; Wirbel subzentral, kaum vorragend. Silur bis Jura; über 50 Arten beschrieben. Findet sich meist gesellig und erfüllt namentlich im Lias und Jura zuweilen ganze Schichten.

Fig. 577.

Fig. 577.

Halobia (Daonella) Lommeli Wissm. Unt. Keuper.
Wengen. Südtirol.

Fig. 578.

Fig. 578.

Posidonomya Becheri Bronn. Culmschiefer. Herborn, Nassau. (Nat. Größe.)

Fig. 579.

Fig. 579.

Aviculopecten papyraceus Sow. Steinkohlenschiefer. Werden, Westfalen.

Aviculopecten M'Coy (Fig. 579). Schale radial gerippt oder gestreift. Rechte Schale mit Byssusausschnitt. Schloßrand lang, vorne und hinten mit Seitenohren. Band in mehreren seichten, vom Wirbel nach vorn und hinten divergierenden Furchen gelegen. Silur bis Karbon.

Subgenera. Pterinopecten Hall, Orbipecten Frech (= Lyriopecten Hall von Conr.). Devon.

Crenipecten Hall (Pernopecten Winch.). Wie Aviculopecten, aber Schloßrand mit zahlreichen Kerbzähnchen. Karbon.

2. Familie. Ambonychiidae. Miller.

Schale gewölbt, gleichklappig, schief oval. Wirbel am vorderen Ende des geraden Schloßrandes, darunter zwei oder mehr Leistenzähnchen. Band in parallelen, dem Schloßrand folgenden Furchen. Hinterseite verbreitert, zwei ungleiche Muskeln vorhanden. Silur. Devon.

Ambonychia Hall (Fig. 580). Gleichklappig, meist radial gerippt, vorn steil abfallend. Unter dem Wirbel zwei schräge, leistenartige Zähnchen, außerdem mehrere leistenförmige Seitenzähne. Silur.

Subgenera. Megaptera Meek, Anomalodonta Miller (Silur).

Gosseletia Barrois (Cyrtodontopsis Frech). Wie Ambonychia, aber dickschaliger, häufig konzentrisch gestreift; Schloßzähne zahlreicher und stärker. Devon.

Mytilarca (Plethomytilus), Byssopteria, Palaeopinna Hall. Devon.

Fig. 580.

Fig. 580.

a Ambonychia bellistria Hall. Unter-Silur. Cincinnati. Rechte Schule von innen (nach Miller). b Ambonychia rabiata Hall. Ebendaher. (Nat. Größe.)

Cyrtodonta Billings (Cypricardites Conr., Palaearca, Megalomus Hall, Vanuxemia Billings). Quer rhomboidisch, dickschalig; Wirbel angeschwollen, eingekrümmt. Unter dem Wirbel 2-8 schiefe Zähnchen, außerdem einige lange, leistenförmige, dem Schloßrand folgende hintere Seitenzähne vorhanden. Häufig im Silur und Devon von Nordamerika und Australien.

3. Familie. Pinnidae. Gray.

Schale gleichklappig, dreieckig, mit spitzen, terminalen Wirbeln, hinten weit klaffend. Schloßrand gerade, zahnlos. Band lang, linear, halb innerlich. Hinterer Muskeleindruck groß, subzentral, vorderer sehr klein. Äußere Prismenschicht stark entwickelt, innere Perlmutterschicht sehr dünn. Devon bis jetzt. Marin.

Fig. 581.

Fig. 581.

Pinna pyramidalis Mstr. Quadersandstein. Schandau. (1/3 nat. Gr.)

Fig. 582.

Fig. 582.

Trichites Seebachi Böhm. Ober-Jura. Kelheim, Bayern.
a Exemplar von außen (1/3 nat. Größe), b dasselbe von innen.

Aviculopinna Meek. Vor den Wirbeln ragt ein ganz kurzes Flügelchen vor. Karbon und Perm.

Pinna Lin. (Fig. 581). Schale dünn, glasig, dreieckig. Wirbel spitz, hinten weit klaffend. Devon bis jetzt.

Trichites Plott (Pinnigena Saussure) (Fig. 582). Schale sehr dick, groß, fast ganz aus der grobfaserigen Prismenschicht bestehend. Vorderrand klaffend. Muskeleindruck sehr groß. Jura. Kreide.

4. Familie. Pernidae. Zittel.

Schale gleichklappig oder ungleichklappig. Schloßrand gerade, hinten zuweilen flügelartig verlängert, zahnlos, gekerbt oder mit leistenartigen Zähnen. Band in eine größere Anzahl isolierter Quergruben des Schloßrandes eingefügt. Einziger Muskeleindruck subzentral, groß. Innere Schalenschicht perlmutterglänzend. Perm bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide. Marin.

Fig. 583.

Fig. 583.

a Gervillia aviculoides Sow. Oxfordton. Dives, Calvados.
b Gervillia linearis Buvignier (Schloß).

Bakewellia King. Schief verlängert, klein, etwas ungleichklappig. Schloßrand hinten flügelartig, mit mehreren entfernten Bandgruben, unter dem Wirbel 3-4 Leistenzähne. Zechstein.

Fig. 584.

Fig. 584.

Gervillia (Hoernesia) socialis Schloth sp. Muschelkalk. Würzburg.

Fig. 585.

Fig. 585.

Perna Soldanii Desh. Oligocän. Waldböckelheim bei Kreuznach (1/2 nat. Größe).

Fig. 586.

Fig. 586.

Inoceramus Cripsi Mant. Kreide. Gosau, Ober-Österreich. (1/2 nat. Größe.)

Fig. 587.

Fig. 587.

Inoceramus (Actinoceramus) sulcatus Park. Gault. Perte du Rhône. (Nat. Größe.)

Gervillia Defr. (Fig. 583). Schief verlängert, nahezu gleichklappig oder ungleichklappig. Schloßrand dick, mit undeutlichem Hinterflügel und mehreren Bandgruben. Wirbel spitz, terminal, darunter mehrere schiefe Leistenzähne. Trias bis Eocän.

Subgenera: a) Hoernesia Laube (Fig. 584). Schale ungleichklappig, gekrümmt. Bandgruben wenig zahlreich, unter den Wirbeln ein starker, dreieckiger, durch ein Septum gestützter Zahn und davor mehrere Kerbzähnchen. Trias.

b) Odontoperna Frech. Schale vierseitig, wenig schief, unter dem Wirbel 2-3 kurze Leistenzähne. Trias. O. (Perna) Bouéi Hauer.

Perna Brug. (Isognomon Klein, Mulletia Fischer). (Fig. 585). Gleichklappig, oval bis vierseitig. Innere Schalenschicht dick, blättrig, perlmutterglänzend. Wirbel spitz, terminal. Schloßrand breit, zahnlos, mit einer Reihe senkrechter Bandgruben. Vorderrand mit Byssusausschnitt. Trias bis jetzt.

Pernostrea Mun.-Chalmas. Jura.

Inoceramus Sow. (Catillus Brgt., Haploscapha Conr., Neocatillus Fischer) (Fig. 586. 587). Rundlich eiförmig, mehr oder weniger ungleichklappig, konzentrisch, seltener radial verziert. Wirbel vorragend, dem Vorderende genähert. Schloßrand zahnlos, mit sehr zahlreichen, schmalen, vertikalen Bandgruben. Äußere prismatische Schalenschicht sehr dick, innere Perlmutterschicht dünn. Jura. Kreide. Hauptverbreitung in der mittleren und oberen Kreide.

Subgenera: Actinoceramus Meek (Fig. 587), Volviceramus Stol., Anopaea Eichw.

Crenatula Lam. Dünnschalig, schief verlängert, glatt. Schloßrand mit mehreren kallösen Kerben.? Jura. Pliocän und Recent.

5. Familie. Limidae. d'Orb.

Schale schief oval, häufig etwas nach vorn verlängert, gleichklappig, am Vorderrand etwas klaffend. Schloßrand zahnlos oder mit schwachen Kerbzähnchen, vorn in ein kurzes, hinten in ein etwas längeres Ohr ausgezogen. Bandgrube dreieckig, unter den Wirbeln dreieckig, halb äußerlich, halb innerlich. Nur ein Muskeleindruck vorhanden. Karbon bis jetzt. Marin.

Fig. 588.

Fig. 588.

Lima (Radula) pectinoides Sow. Unt. Lias. Balingen, Württemberg. (Nat. Gr.)

Fig. 589.

Fig. 589.

Lima (Plagiostoma) gigantea Sow. Unt.-Lias. Göppingen. (2/3 nat. Größe.)

Fig. 590.

Fig. 590.

Lima (Limatula) gibbosa Sow. Unt.-Oolith. Bayeux, Normandie.

Fig. 591.

Fig. 591.

Lima (Ctenostreon) proboscidea Sow. Oxfordton. Dives, Normandie.

Fig. 592.

Fig. 592.

Lima (Limea) duplicata Goldf. Groß-Oolith. Langrune, Normandie.

Lima Brug. (Fig. 588-592). Schale gewölbt, radial gerippt oder gestreift, selten glatt. Wirbel spitz, voneinander abstehend. Schloßrand zahnlos. Karbon bis jetzt. Hauptverbreitung in Trias, Jura und Kreide (über 300 Arten).

Von den zahlreichen Untergattungen enthält Mysidioptera Salomon triasische, gerippte oder glatte Formen mit einer dreieckigen, schief nach hinten gerichteten Bandgrube, Radula Klein (Fig. 588) die kräftig radial gerippten, Plagiostoma Sow. (Fig. 589) die glatten oder radial gestreiften, Limatula Wood (Fig. 590) die in der Mitte gerippten, seitlich glatten, Ctenostreon Eichw. (Fig. 591) die sehr dickschaligen, grob radialgefalteten Formen, Limea Bronn. (Fig. 592) kleine Schalen mit Kerbzähnchen vor und hinter der Bandgrube.

Fig. 593.

Fig. 593.

Vulsella Caillaudi Zitt. Unt.-Eocän. Minich, Ägypten. (2/3 nat. Gr.)

6. Familie. Vulsellidae. Stol.

Marine, fast gleichklappige Muscheln. Band in einer einzigen, unter den Wirbeln gelegenen Grube. Muskel subzentral. Jura bis jetzt.

Vulsella Lam. (Fig. 593). Schale höher als lang, etwas unregelmäßig. Schloßrand kurz, zahnlos, mit einer dreieckigen, vorspringenden Bandgrube unter den subzentralen Wirbeln. Eocän bis jetzt.

Weitere Gattungen Eligmus Desl. (Dogger), Chalmasia Stol. (Kreide), Nayadina Mun.-Chalm. (Kreide), Malleus Lam. Recent.

7. Familie. Pectinidae. Lam.

Schale oval oder rund, fast gleichseitig, gleich- oder ungleichklappig. Schloßrand zahnlos, gerade, vor und hinter den zentralen, wenig vorragenden Wirbeln, mit einer ohrförmigen Verlängerung. Unter dem vorderen Ohr der rechten Klappe meist ein Byssusausschnitt. Band innerlich in dreieckiger, kleiner Grube. Nur ein Muskeleindruck vorhanden. Silur bis jetzt. Die lebenden Arten häufig bunt gefärbt, reich verziert und oft von ansehnlicher Größe, in allen Meeren verbreitet. Die Pectiniden sind nach Jackson Abkömmlinge der Aviculiden.

Pecten Klein (Fig. 594-600). Schale frei, fast gleichseitig radial gerippt, gestreift oder glatt. Devon bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär.

Subgenera. a) Streblopteria M'Coy. Karbon.

b) Pleuronectites Schloth. Glatt, rechte Schale gewölbt, mit tiefem Byssusausschnitt, linke Klappe flach. Trias. S. laevigatus Schloth.

c) Camptonectes Ag. (Fig. 594). Oberfläche mit feinen gekrümmten, divergierenden Radialstreifen. Jura. Kreide.

d) Entolium Meek (Fig. 595). Glatt, dünn, gleichklappig. Ohren gleich groß, vom Wirbel an winklig ansteigend. Byssusausschnitt fehlt. Karbon bis Kreide.

Fig. 594.

Fig. 594.

Pecten (Camptonectes) lens Sow. Brauner Jura. Balin bei Krakau. (Nat. Größe.)

Fig. 595.

Fig. 595.

Pecten (Entolium) cornutus Quenst. Malm. Hohenzollern. (Nat. Größe.)

Fig. 596.

Fig. 596.

Pecten (Amussium) cristatus Bronn sp. Miocän. Baden bei Wien. (Nat. Größe.)

Fig. 597.

Fig. 597.

Pecten (Chlamys) subtextorius Goldf. Coralrag. Nattheim.

Fig. 598.

Fig. 598.

Pecten (Chlamys) varius Lin. Pliocän. Rhodus.

e) Amussium Klein (Fig. 596). Glatt oder fein radial gestreift, dünn, etwas klaffend, im Innern mit radialen Rippen. Lias bis jetzt.

Fig. 599.

Fig. 599.

Vola quinquecostata Sow. sp. Grünsand (Cenomanien). Rouen. (Nat. Größe.)

f) Chlamys Bolten (Fig. 597. 598). Etwas ungleichklappig, radial gestreift oder gerippt; vordere Ohren größer als die hinteren. Rippen schuppig oder quergestreift. Von der Trias an.

g) Pallium Martini. Starke Radialrippen, kleine Ohren. Schloßrand mit undeutlichen Zahnkerben. Tertiär. Recent.

h) Vola Klein (Janira Schum., Neithea Drouet) (Fig. 599). Schale ungleichklappig, radial gerippt, geschlossen. Rechte Klappe hoch gewölbt, linke flach oder konkav. Ohren groß. Kreide, Tertiär und lebend. Hauptverbreitung in der Kreide.

Hinnites Defr. (Fig. 600). Radial gerippt oder blätterig. Rechte Schale in der Jugend frei, im Alter aufgewachsen. Ohren ungleich. Trias bis jetzt.

Fig. 600.

Fig. 600.

Hinnites abjectus Phil. sp. Brauner Jura. Balin bei Krakau. (Nat. Größe.)

8. Familie. Spondylidae. Gray.

Rechte Schale festgewachsen. Band innerlich in einer länglichen Querfurche unter den Wirbeln. Schloßrand isodont, in jeder Klappe mit zwei Zähnen. Hinterer Muskeleindruck groß, zuweilen ein kleiner vorderer Fußmuskel vorhanden. Trias bis jetzt. Marin. Nach Jackson Abkömmlinge der Pectiniden.

? Pachypteria de Kon. Karbon. P. (Ostrea) nobilissima de Kon.

Prospondylus Bittner. Trias.

Terquemia Tate (Carpenteria Desl.). Schale am Rand gefaltet. Rechte Schale aufgewachsen, linke flach oder konkav. Trias und Lias.

Plicatula Lam. (Harpax Park) (Fig. 601). Schale flach oder mäßig gewölbt, häufig mit hohlen Stacheln verziert. Schloßzähne divergierend, leistenförmig. Area unter den Wirbeln klein. Trias bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide.

Fig. 601.

Fig. 601.

Plicatula pectinoides Lam. Mittlerer Lias. Nancy.

Fig. 602.

Fig. 602.

Spondylus spinosus Sow. sp. Aus dem Plänerkalk von Strehlen bei Dresden. (2/3 nat. Größe.)

Fig. 603.

Fig. 603.

Spondylus tenuispina Sandb. Oligocän. Waldböckelheim bei Kreuznach. (Nat. Größe.)

Spondylus Lang (Fig. 602. 603). Schale gewölbt, radial gerippt, mit Blättern und Stacheln. Unter den Wirbeln eine ziemlich hohe, dreieckige Area. Neben dem innerlichen Band jederseits ein starker, etwas gekrümmter, hakenförmiger Schloßzahn. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung in Tertiär und Jetztzeit.

9. Familie. Dimyidae. Fischer.

Schale klein, rundlich, flach, festgewachsen. Band innerlich, unter den Wirbeln. Schloßrand in beiden Schalen mit zwei divergierenden Leisten oder zahnlos. Zwei Muskeleindrücke vorhanden, der vordere kleiner als der hintere. Trias bis jetzt. Marin.

Fig. 604.

Fig. 604.

Dimya Deshayesiana Rouault. Eocän. Pyrenäen. Rechte Schale von innen und außen, vergr. (3/2) nach Rouault.

Einzige Gattung Dimya Rouault (= Dimyodon Mun.-Chalm.) (Fig. 604).