12. Familie. Galeommidae. Gray.

Kleine, dünne, mehr oder weniger klaffende Schalen. Schloß zahnlos oder mit 1-2 schwachen Kardinalzähnchen in jeder Klappe. Band innerlich. Tertiär und jetzt. Marin.

Galeomma Turton, Scintilla Desh. (Fig. 684), Passya Desh. etc.

Fig. 684.

Fig. 684.

Scintilla Parisiensis Desh. Mittl. Meeressand. Auvers. (2/3 nat. Größe, nach Deshayes.)

13. Familie. Erycinidae. Desh.

Schale klein, oval oder dreieckig, dünn, gleichklappig, geschlossen, glatt oder fein gestreift. Kardinalzähne stark divergierend. Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Band innerlich, zwischen den Schloßzähnen. Tertiär bis jetzt; eine einzige Art aus der Kreide.

Erycina Lam. (Fig. 685), Spaniodon Reuß, Kelliella Sars, Lasaea Leach., Montacuta Turton, Hindsiella Stol., Pythina Hinds. Tertiär und lebend.

Fig. 685.

Fig. 685.

a Erycina pellucida Lam. Grobkalk. Parnes. (Nach Deshayes.)

b Schloß von E. Foucardi Desh. Unt. Meeressand. Hérouval. (Stark vergr. nach Deshayes.)

14. Familie. Tancrediidae. Fischer.

Schale dreieckig, gleichklappig mit äußerem Band. Rand glatt. Schloß mit ein bis zwei schwachen Kardinal- und einem leistenförmigen hinteren Seitenzahn. Trias bis Kreide.

Fig. 686.

Fig. 686.

Tancredia securiformis Dunker sp. Unt. Lias. Hettingen, Lothringen. Nat. Größe. (Nach Terquem.)

Fig. 687.

Fig. 687.

Tancredia (Palaeomya) corallina Zitt. u. Goub. Coralrag. Glos, Calvados.

Tancredia Lyvett (Hettangia Terquem, Palaeomya Zittel und Goub.) Fig. 686 und 687. Sch. vor den Wirbeln verschmälert und meist länger als Hinterseite, zuweilen hinten etwas klaffend. Trias bis Kreide; am verbreitetsten im Jura.

15. Familie. Lucinidae. Desh.

Schale rundlich oder quer oval, geschlossen, mit Epidermis. Schloß veränderlich, in der Regel mit zwei divergierenden Kardinal- und wohlentwickelten vorderen und hinteren Seitenzähnen, zuweilen aber auch zahnlos. Band äußerlich. Silur bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär und Jetztzeit. Marin.

Fig. 688.

Fig. 688.

Diplodonta dilatata Phil. Pliocän. Rhodus. (Nat. Größe.)

Fig. 689.

Fig. 689.

a Axinus (Cryptodon) sinuosus Don. Miocän. Grund bei Wien. (Nat. Größe.)

b Axinus unicarinatus Nyst. Septarienton. Freienwalde bei Berlin.

Fig. 690.

Fig. 690.

Unicardium excentricum d'Orb. Kimmeridge. Cap de la Hève bei Havre. (Nat. Größe.)

Die typischen Lucinen haben nur zwei Kiemen, einen dünnen, wurmförmigen Fuß und zwei kurze Siphonen. Die Gattungen der Unterfamilie der Ungulinen (Ungulina, Diplodonta etc.) unterscheiden sich durch den Besitz von vier ungleich entwickelten Kiemenblättern.

Fig. 691.

Fig. 691.

Gonodon (Corbis) Mellingi Hauer. Ob. Trias. Sarize am Predil bei Raibl. (Nat. Größe.)

Diplodonta Bronn (Fig. 688). Rundlich, gewölbt, dünnschalig, konzentrisch gestreift, jederseits mit zwei divergierenden Schloßzähnen, wovon der vordere in der linken, der hintere in der rechten Schale gespalten. Muskeleindrücke gleichgroß. Tertiär und lebend.

Ungulina Daudin. Tertiär und lebend.

Axinus Sow. (Cryptodon Turton) (Fig. 689). Dünnschalig, oval, konzentrisch gestreift, hinten mit einer vom Wirbel zum Hinterrand verlaufenden Furche. Lunula vorhanden. Schloß zahnlos oder rechts mit einem schwachen Kardinalzahn. Muskeleindrücke gleichartig. Eocän bis jetzt.

Fig. 692.

Fig. 692.

Mutiella coarctata Zitt. Turonkreide, Gosau. (Nat. Größe.)

Fig. 693.

Fig. 693.

Corbis lamellosa Lam. Grobkalk. Grignon. (Nat. Größe.)

? Paracyclas Hall. Fast kreisrund, dünnschalig, konzentrisch gestreift. Wirbel wenig vorragend; Lunula fehlt. Schloß unbekannt. Silur. Devon. P. (Lucina) proavia Goldf.

Unicardium d'Orb. (Fig. 690). Fast kreisrund, gewölbt, konzentrisch gestreift. Wirbel eingekrümmt. Schloßrand dünn, mit einem schwachen Kardinalzahn. Muskeleindrücke elliptisch. Trias bis Kreide.

Corbicella Morris und Lycett. Jura. Sportella Desh. Eocän.

Gonodon Schafh. (Corbis p. p. auct.) (Fig. 691). Rund, gewölbt, ziemlich dickschalig, konzentrisch gestreift. Rechte Klappe mit zwei kräftigen, divergierenden Schloßzähnen, welche einen dreieckigen Schloßzahn der linken Klappe einschließen; zuweilen auch mit einem schwachen leistenartigen hinteren Seitenzahn. Muskeleindrücke oval. Trias. Jura.

Fig. 694.

Fig. 694.

Lucina (Miltha) gigantea Desh. Grobkalk. Grignon. (2/3 nat. Größe.)

Sphaeriola, Mutiella Stol. (Fig. 692), Sphaera Sow. Kreide.

Fig. 695.

Fig. 695.

Lucina (Myrtea) columbella Lam. Miocän. Steinabrunn bei Wien.

Fig. 696.

Fig. 696.

Lucina pulchra Zitt. u. Goubert. Coralrag. Glos, Calvados. (2/1 nat. Größe.)

Fig. 697.

Fig. 697.

Lucina (Prolucina) prisca His. Steinkern aus dem oberen Silur von Gotland (nach Roemer).

Corbis Cuv. (Fimbria Megerle) (Fig. 693). Rundlich oder quer oval, gewölbt, dickschalig; Oberfläche mit konzentrischen Blättern oder Furchen und radialen Streifen verziert, gegittert. Schloßzähne 2:2, kurz, außerdem jederseits ein vorderer und hinterer Seitenzahn. Muskeleindrücke oval, wenig verschieden. Jura bis jetzt.

Lucina Brug. (Fig. 694-697). Kreisförmig oder linsenförmig, häufig mit Lunula, konzentrisch, seltener radial verziert. Meist 2 Schloß- und 2 Seitenzähne in jeder Klappe, die jedoch teilweise oder ganz verkümmern können. Vorderer Muskeleindruck schmal, lang, hinterer oval, kleiner. Etwa 100 lebende und circa 300 fossile Arten von der Trias an.

Subgenera. Dentilucina Fischer, Myrtea Turton, Miltha Ad., Codakia Scopoli, Loripes Poli, Prolucina Dall.

16. Familie. Lunulicardiidae. Fischer.

Meist gleichklappige, dreieckige Schalen mit terminalem Wirbel, von welchem eine scharfe Kante nach dem Unterrande verläuft, wodurch vorne eine abgeflachte Area abgegrenzt wird. Schloßrand gerade, lang. Schloß, Muskeleindrücke und Mantellinie unbekannt. Silur. Devon.

Lunulicardium Münst. Dreieckig. Vorderseite mit Byssusspalte. Ob. Silur. Devon. L. semistriatum Münst.

Patrocardium Fisch. (Hemicardium Barr.). Wie vorige, aber ohne Byssusspalte. Silur.

Weitere Gattungen Amita (Spanila, Tetinka), Mila, Tenka, Babenka (Matercula) Barr. Silur.

17. Familie. Conocardiidae. Neumayr.

Schale gleichklappig, verlängert dreieckig, radial gerippt, mit gekerbtem Rand. Vorderseite abgestutzt, breit herzförmig, röhrenartig verlängert; Hinterseite geflügelt, nach unten klaffend. Schloßrand sehr lang, gerade, zahnlos oder mit einem schwachen vorderen Seitenzahn und einem Schloßzähnchen. Auf der Hinterseite eine schräge, lange innerliche Leiste. Silur bis Karbon.

Die einzige Gattung Conocardium Bronn. (Fig. 698) (Pleurorhynchus Phill., Rhipidocardium Fischer) ist nach Neumayr aus den Lunulicardien hervorgegangen, nimmt aber eine ganz isolierte Stellung ein. Gegen 50 Arten bekannt.

Fig. 698.

Fig. 698.

Conocardium alaeforme Sow. Kohlenkalk. Tournay, Belgien. (Nat. Größe.)

18. Familie. Praecardiidae. Hoernes.

Schale dünn, gleichklappig, gewölbt, quer eiförmig, radial, seltener konzentrisch verziert. Schloßrand zahnlos oder mit schwachen Kerbzähnchen. Muskeleindrücke schwach. Silur. Devon.

Praecardium Barr. Gewölbt, grob radial gerippt. Unter den vorragenden Wirbeln eine dreieckige Area mit einigen parallelen vertikalen Kerbzähnen. Silur. Devon.

Paracardium Barr. Wie vorige, jedoch fein gerippt. Schloßrand winklig. Silur. Devon.

Panenka Barr. (Puella, Pentata Barr., Silurocardium Leym.). Oval oder gerundet vierseitig, radial gerippt, vorne unter den Wirbeln meist eine kleine Lunula. Keine Area über dem geraden oder etwas winkligen, zahnlosen Schloßrand; Bandgrube linear. Silur. 236 Arten von Barrande beschrieben.

Regina Barr. (Kralowna Barr.), Praelima Barr. Silur.

Praelucina Barr. Kreisrund, fast gleichseitig, ohne Lunula und Area. Wirbel wenig vorragend, fein radial und konzentrisch gestreift. Silur.

Buchiola Barr. (Glyptocardia Hall.) Devon. B. (Cardiola) retrostriata v. Buch.

Fig. 699.

Fig. 699.

Cardiola cornucopiae Goldf. Devon (Clymenienkalk). Ebersreuth, Fichtelgebirge. (Nat. Größe.)

Cardiola Brod. (Fig. 699). Hochgewölbt, eiförmig; Wirbel angeschwollen und gekrümmt, mit groben, welligen, konzentrischen Rippen und radialen Streifen. Unter den Wirbeln eine dreieckige Area. Schloßrand unter den Wirbeln mit schwachen Kerbzähnchen. Silur. Devon.

Slava Barr. (Gloria Barr.). Silur. Devon. Böhmen.

Dualina Barr. Rechte (selten linke) Klappe gewölbt, mit stark nach vorne gekrümmtem Wirbel; linke flacher mit kaum gekrümmtem Wirbel, radial gerippt. Ob. Silur; seltener im Devon. Böhmen.

Antipleura Barr. Wie vorige, aber weniger ungleichklappig, die Wirbel der beiden Schalen nach entgegengesetzter Richtung gekrümmt. Silur. Böhmen.

Dalila Barr. Schalen fast gleichseitig, rund oder elliptisch, ungleichklappig, fein radial gerippt. Die eine Klappe gewölbt, die andere flach. Wirbel wenig vorragend. Silur. Böhmen.

19. Familie. Cardiidae. Lam.

Schalen gleichklappig, herzförmig, oval, zuweilen hinten verlängert, meist radial verziert. Ränder gekerbt. Band äußerlich. Schloß in jeder Klappe mit zwei konischen, kreuzweise gestellten Schloßzähnen und einem vorderen und hinteren Seitenzahn. Bei einigen brackischen Formen verkümmern die Zähne. Muskeleindrücke oval. Trias bis jetzt.

Die Tiere besitzen vier Kiemenblätter, zwei kurze Siphonen und einen langen zylindrischen oder geknickten Fuß. Der Mantel verwächst nur unter den Siphonen. Die Herzmuscheln leben gegenwärtig in großer Zahl in den Meeren aller Zonen. Im Schwarzen und Kaspischen Meere gehen einzelne Arten in das brackische und süße Wasser über, erleiden jedoch hierbei namhafte Veränderungen. Die Siphonen verlängern sich und verwachsen, es entsteht eine Mantelbucht, die Schalen klaffen hinten, das Schloß verkümmert, und der Fuß wird kürzer und breiter. Solche brackische und limnische Formen sind schon im Miocän stark verbreitet.

Fig. 700.

Fig. 700.

Cardium productum Sow. Turonkreide. St. Gilgen, Salzburg. (Nat. Größe.)

Fig. 701.

Fig. 701.

Protocardia bifrons Reuß. Turonkreide. Strobl-Weissenbach am Wolfgangsee. (Nat. Größe.)

Fig. 702.

Fig. 702.

Laevicardium (Discors) discrepans Bast. Miocän. Dax bei Bordeaux. (Nat. Größe.)

Cardium Lin. (Fig. 700). Gewölbt herzförmig oder länglich oval, radial gerippt oder gestreift, meist geschlossen, Wirbel vorspringend, aber schwach gekrümmt. Ränder gekerbt. Schloß jederseits mit zwei kräftigen Schloßzähnen und vorne und hinten mit einem Seitenzahn. Etwa 200 recente und mehrere Hundert fossile Arten von der Trias an.

Protocardia Beyr. (Fig. 701), Laevicardium Swains. (Fig. 702), Hemicardium Cuv. etc.

Limnocardium Stol. (Fig. 703). Oval oder quer verlängert, hinten abgestutzt und meist klaffend. Schloßzähne schwach, Seitenzähne entfernt, kräftig. Manteleindruck meist mit kurzer Bucht. In brackischen Miocänablagerungen, namentlich in der sarmatischen und pontischen Stufe von Osteuropa. Lebend in brackischen Buchten des Kaspischen und Schwarzen Meeres und des Aralsees.

Fig. 703.

Fig. 703.

Limnocardium conjungens Partsch. Congerienschichten. Brunn bei Wien. (Nat. Größe.)

Subgenera. Prosodacna Tourn. (Psilodon Cobalescu), Didacna, Monodacna Eichw., Uniocardium Capellini, Arcicardium Fischer.

Adacna Eichw. Länglich oval, dünn, hinten abgestutzt, vorne und hinten klaffend. Schloß- und Seitenzähne rudimentär oder fehlend. Mantelbucht tief. Siphonen sehr lang. Miocän und lebend im Kaspischen Meer.

20. Familie. Tridacnidae. Cuvier.

Schale porzellanartig, frei, ohne Epidermis, gleichklappig, radial gerippt, vor den Wirbeln mit großer Byssusöffnung und gezacktem Rand. Band äußerlich, hinter den Wirbeln. Schloß mit einem Kardinalzahn in jeder Schale, einem leistenförmigen hinteren Seitenzahn in der linken und zwei in der rechten Klappe.

Von den beiden recenten Gattungen Tridacna Brug. und Hippopus Lam. erreicht die erstere riesige Dimensionen, so daß die Schalen häufig als Weihwasserkessel benutzt werden.

Byssocardium Mun.-Chalm., Lithocardium Woodw. Eocän.

21. Familie. Cyrenidae. Adams.

Schale oval oder herzförmig, konzentrisch gestreift, mit starker Epidermis. Schloß jederseits mit 2-3 Schloßzähnen und links mit einfachem, rechts mit doppeltem Seitenzahn vorne und hinten. Band äußerlich. Manteleindruck einfach oder mit schwacher Bucht. Lias bis jetzt.

Die Cyreniden leben in brackischem oder süßem Wasser. Die Tiere haben zwei, selten nur einen Siphon, vier Kiemen und einen großen Fuß. Die lebenden Arten finden sich vorzüglich in warmen Regionen in schlammigen Ästuarien, einige fluviatile Formen rücken aber auch bis in die gemäßigten und kalten Zonen vor.

Cyrena Lam. Rundlich, quer oval oder dreieckig, konzentrisch verziert. Schloß in jeder Klappe mit drei Schloßzähnen und kräftigen, häufig leistenförmigen Seitenzähnen. Lias bis jetzt. Hauptverbreitung in Kreide, Tertiär- und Jetztzeit. Gegen 300 Species.

Fig. 704.

Fig. 704.

Corbicula fluminalis Müll. sp. Diluvium. Teutschenthal bei Halle.

Fig. 705.

Fig. 705.

Cyrena (Corbicula) semistriata Desh. Oligocäner Cyrenenmergel. Flonheim bei Alzey. (Nat. Größe.)

Subgenus: Corbicula Meg. (Fig. 704, 705). Wie Cyrena, aber die leistenförmigen Seitenzähne quer gestreift.

Sphaerium Scopoli (Cyclas Brug.). Dünnschalig, kreisrund, gewölbt, fast gleichseitig. Schloßzähne 2:2, schwach, Seitenzähne leistenförmig. Lebend im Süßwasser von Europa und Nordamerika. Fossil von der oberen Kreide an.

Pisidium Pfeiffer. Wie vorige, aber länglich oval, ungleichseitig. Eocän bis jetzt.

Galatea Brug., Fischeria Bernardi. Recent.

22. Familie. Cyprinidae. Lam.

Schale oval oder länglich, gewölbt. Schloß mit 2-3 Kardinalzähnen und einem hinteren Seitenzahn. Band äußerlich. Bandnymphen stark. Manteleindruck ganz, selten mit seichter Bucht. Marin.

Die Siphonen der Tiere sind kurz, die Mantellappen vorne getrennt; der Fuß konisch zugespitzt. Vier Kiemenblätter. Die Schalen der Cypriniden unterscheiden sich von den Astartiden lediglich durch die wohlentwickelten hinteren Seitenzähne und meist kräftigeren Schloßzähne; sie haben wahrscheinlich dieselbe Abstammung und trennten sich erst von der Juraformation an bestimmter voneinander. Die Stellung der paläozoischen Vorläufer ist darum strittig; sie werden teils bei der einen teils bei der anderen Familie untergebracht.

Fig. 706.

Fig. 706.

Anisocardia elegans Mun.-Chalm. Kimmeridge. Cap de la Hève. (Nat. Größe.)

Cypricardia Lam. (Libitina Schum.). Schale ungleichseitig, quer verlängert, trapezoidisch, konzentrisch, seltener radial verziert. Hinterseite häufig mit Kiel. Jederseits mit drei divergierenden Schloßzähnen, wovon der hintere rechts häufig gespalten, sowie einem starken hinteren Seitenzahn. Jura bis jetzt.

Roudairia Mun.-Chalmas. Wie vorige, jedoch hinten mit scharfem Kiel und glatter Area, vorne konzentrisch gefaltet. Der vordere Schloßzahn in beiden Klappen ist leistenartig und folgt dem Schalenrand. Hinterer rechter Schloßzahn gespalten. Ob. Kreide.

Fig. 707.

Fig. 707.

Cyprina Islandica Lin. Diluvium. Bohuslän, Schweden.

Fig. 708.

Fig. 708.

Cyprina tumida Nyst. Crag. Antwerpen.

Fig. 709.

Fig. 709.

Schloß der rechten Schale von Cyprina (Venilicardia) cordiformis d'Orb. Gault. Seignelay, Yonne.

Anisocardia Mun.-Chalmas (Fig. 706). Oval oder trapezoidisch, gewölbt, glatt oder radial gestreift; Hinterseite zuweilen gekielt. Rechte Klappe mit einem starken hinteren, häufig gespaltenen und einem nach vorne divergierenden vorderen Schloßzahn, sowie einem hinteren Seitenzahn; links ein dreieckiger, nach vorne verlängerter vorderer und ein hinterer Schloßzahn, außerdem ein hinterer Seitenzahn. Jura. Tertiär.

Plesiocyprina Munier-Chalmas. Jura. Cicatrea Stol. Kreide, Coralliophaga Blv., Basterotia Mayer (Anisodonta Desh.). Tertiär und lebend.

Cyprina Lam. (Fig. 707, 708). Rundlich oder oval, hoch gewölbt, konzentrisch gestreift. Wirbel vorragend, mäßig gekrümmt. Schloß rechts mit drei divergierenden Kardinalzähnen, wovon der hintere öfters gespalten, und einem entfernten hinteren Seitenzahn; links mit drei Schloßzähnen, wovon der mittlere am stärksten, der vordere liegend, dem Rande parallel, der hintere schwach leistenförmig. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide.

Subgenera: Venilicardia Stol. Kreide (Fig. 709), Pygocardia Mun.-Chalmas. Tertiär.

B. Sinupalliata.

Siphonen lang, ganz oder teilweise zurückziehbar. Mantelbucht mehr oder weniger tief.

23. Familie. Veneridae. Gray.

Schale porzellanartig, oval oder länglich, meist solid. Schloß mit 2-3 Schloßzähnen, zu denen öfters noch ein vorderer Lunularzahn, selten auch ein schwacher Seitenzahn kommt. Band äußerlich. Bandnymphen stark. Mantelbucht bald tief zungenförmig, bald kurz dreieckig, zuweilen kaum angedeutet. Marin. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär und in der Jetztzeit.

Die älteren jurassischen Vertreter lassen sich nicht scharf von den Cypriniden unterscheiden, aus denen die Veneriden offenbar hervorgegangen sind.

Pronoë Ag. Linsenförmig zusammengedrückt. Schloßzähne 3:3, divergierend, außerdem ein hinterer Seitenzahn. Mantelbucht kaum angedeutet. Jura.

Cyprimeria Conr. (Fig. 710). Wie vorige, aber Schloß rechts nur mit zwei Zähnen, wovon der hintere gespalten. Mantelbucht sehr seicht. Kreide.

Dosinia Scopoli (Artemis Poli). Kreisrund, schwachgewölbt, konzentrisch gestreift oder gefurcht, mit tiefer, wohl umgrenzter Lunula. Schloßzähne 3:3. Mantelbucht tief, aufsteigend, zugespitzt. Kreide bis jetzt.

Cyclina Desh. Kreide bis jetzt, Meroë Schum. (Sunetta Link), Circe Schum. (Fig. 711), Grateloupia Desm. Tertiär bis jetzt. Ptychomya Ag. Kreide.

Fig. 710.

Fig. 710.

Cyprimeria discus Math. sp. Kreide. Gosautal.

Venus Lin. (Fig. 712). Oval, rundlich bis dreieckig oder herzförmig, dick, glatt, konzentrisch oder radial verziert. Ränder glatt oder fein gekerbt. Schloßplatte breit, jederseits mit drei einfachen divergierenden Schloßzähnen. Mantelbucht kurz, winklig. Jura bis jetzt. Etwa 200 lebende Arten und fast ebenso viele fossile. Diese höchst formenreiche Gattung wurde in zahlreiche Subgenera zerspalten (Mercenaria Schum., Chione Megerle, Gemma Desh. etc.).

Cytherea Lam. (Fig. 713, 714). Wie Venus, jedoch linke Klappe außer den drei Kardinalzähnen noch mit einem vorderen liegenden Lunularzahn. Schloßzähne zuweilen gespalten. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung im Eocän. Von den zahlreichen Untergattungen sind Meretrix Lam., Dione Gray und Tivela Link am häufigsten.

Tapes Megerle (Pullastra Sow.) (Fig. 715). Quer oval, mehr oder weniger verlängert. Schloßplatte schmal, jederseits mit divergierenden oder fast parallelen, häufig gespaltenen Schloßzähnen. Mantelbucht tief. Kreide bis jetzt. Etwa 150 lebende Arten.

Fig. 711.

Fig. 711.

Circe eximia Hörnes. Miocän. Enzesfeld bei Wien.

Fig. 712.

Fig. 712.

Venus cincta Eichw. Miocän. Gainfahrn bei Wien.

Fig. 713.

Fig. 713.

Cytherea semisulcata Lam. Grobkalk. Grignon bei Paris.

Fig. 714.

Fig. 714.

Cytherea incrassata Sow. sp. Oligocän. Weinheim bei Alzey.

Von den Untergattungen zeichnen sich Baroda (Fig. 716) und Icanotia Stol. (Fig. 717) aus der Kreide durch langgestreckte Form der Schale und durch leistenartige Beschaffenheit des hinteren Schloßzahnes aus.

Oncophora Rzehak. Wie Tapes, jedoch Mantelbucht sehr kurz; Schloß rechts mit zwei, links mit drei ungespaltenen divergierenden Zähnen; vorderer Muskeleindruck hinten durch eine wulstige Leiste begrenzt. In miocänen Brackwasserschichten.

Fig. 715.

Fig. 715.

Tapes gregaria Partsch. Sarmatische Stufe. Wiesen bei Wien.

Fig. 716.

Fig. 716.

Tapes (Baroda) fragilis d'Orb. sp. Kreide. Gosautal.

Fig. 717.

Fig. 717.

Tapes (Icanotia) impar Zitt. Kreide. Gosau.

Venerupis Lam. Länglich vierseitig, außen mit konzentrischen Blättern verziert. Schloßzähne 2:2-3 kräftig. Tertiär. Lebend.

Die in Felsen oder Muscheln sich einbohrende Gattung Petricola Lam. bildet mit einigen anderen lebenden Formen nach Fischer eine besondere, den Veneriden verwandte Familie.

24. Familie. Donacidae. Desh.

Schale quer dreieckig oder keilförmig, geschlossen, vorne verlängert. Band äußerlich, kurz. Schloßzähne 1-2 in jeder Klappe und meist auch Seitenzähne vorhanden. Mantelbucht kurz, oval. Jura bis jetzt. Marin.

Isodonta Buv. (Sowerbya d'Orb.). Fast gleichseitig, gewölbt. Seitenzähne vorne und hinten kräftig. Mantelbucht tief. Lias. Jura.

Donax Linn. (Fig. 718). Länglich oval, keilförmig oder dreieckig. Vorderseite länger als die abgestutzte Hinterseite. Schloßzähne 2:2-1. Seitenzähne schwach. Etwa 100 lebende und einige tertiäre Arten.

Fig. 718.

Fig. 718.

Donax lucida Eichw. Sarmatische Stufe. Wiesen bei Wien.

25. Familie. Tellinidae. Lam.

Schale quer verlängert, dünn, hinten etwas verschmälert oder abgestutzt und mehr oder weniger klaffend. Schloßrand schmal, mit 1-2 divergierenden Schloßzähnen in jeder Klappe; Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Band äußerlich auf erhöhten Nymphen. Mantelbucht tief und breit. Jura bis jetzt, hauptsächlich tertiär und lebend.

Fig. 719.

Fig. 719.

Tellina planata Lam. Miocän. Pötzleinsdorf bei Wien.

Fig. 720.

Fig. 720.

Tellina rostralina Desh. Grobkalk. Damery bei Epernay.

Fig. 721.

Fig. 721.

Tellina (Linearia) biradiata Zitt. Kreide. Gosau.

Fig. 722.

Fig. 722.

Psammobia effusa Desh. Grobkalk. Parnes.

Tellina Linn. (Fig. 719, 720). Quer verlängert bis oval, zusammengedrückt, etwas ungleichklappig, Hinterseite mit einer vom Wirbel zum Hinterrand verlaufenden Falte. Vorderseite gerundet. Wirbel häufig subzentral, wenig vorragend. Zwei Schloßzähne und jederseits ein Seitenzahn in jeder Klappe. Jura bis jetzt.

Subgenera: Macoma Leach, Strigilla Turton, Tellidora Mörch, Linearia Conrad (Arcopagia d'Orb.) (Fig. 721) etc.

Gastrana Schum. (Fragilia Desh.). Miocän und lebend.

Quenstedtia Morris u. Lyc. Länglich oval, hinten schief abgestutzt. Wirbel wenig vorragend. Nur ein Schloßzahn vorhanden. Mantelbucht seicht. Jura.

Asaphis Modeer, Sanguinolaria Lam. Tertiär. Recent.

Psammobia Lam. (Gari Schum.) (Fig. 722). Quer verlängert, zusammengedrückt, vorne und hinten schwach klaffend. Hinterseite abgestutzt. Schloßzähne 2:2 oder 2:1. Seitenzähne fehlen. Kreide (?), Tertiär und lebend.

26. Familie. Solenidae. Lam.

Schale scheidenförmig, stark verlängert, vorne und hinten weit klaffend. Schloßzähne 2:2, klein, die hinteren häufig gespalten. Seitenzähne fehlen. Band äußerlich. Kreide bis jetzt. Marin. Die angeblich paläozoischen und triasischen Formen gehören zu den Solenopsiden.

Fig. 723.

Fig. 723.

Solecurtus Deshayesi Desm. sp. Eocän. Grignon bei Paris. (Nat. Größe.)

Fig. 724.

Fig. 724.

Solen subfragilis Eichw. Sarmatische Stufe. Pullendorf, Ungarn.

Solecurtus Blv. (Psammosolen Risso) (Fig. 723). Wirbel subzentral, quer verlängert, vorne und hinten gerundet. Schloßzähne genähert. Kreide bis jetzt.

Pharella Gray, Ceratisolen Forbes, Siliqua Megerle, Cultellus Schum. (Fig. 725). Tertiär und lebend.

Ensis Schum. Stark verlängert, schwach gebogen, vorne und hinten gerundet, klaffend. Wirbel fast am Vorderende. Schloßzähne 2:1. Mantelbucht kurz. Tertiär und lebend.

Solen Linn. (Vagina Schum.) (Fig. 724). Scheidenförmig, gerade, vorne und hinten abgestutzt, weit klaffend. Wirbel terminal. Tertiär und lebend.

Fig. 725.

Fig. 725.

Cultellus Grignonensis Desh. Grobkalk. Grignon bei Paris.

27. Familie. Scrobiculariidae. Adams.

Schale dünn, rundlich oder dreieckig, etwas klaffend, hinten öfters gebogen. Schloßzähne 1-2 klein; Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Band innerlich, in einer schiefen Grube unter den Wirbeln gelegen. Mantelbucht tief. Tertiär und lebend. Marin.

Syndosmya Schum. (Abra Leach) (Fig. 726). Rundlich, fast gleichseitig; Hinterseite mit schwacher Falte. Schloßzähne 2:2, außerdem vorne und hinten ein Seitenzahn. Tertiär und lebend.

Fig. 726.

Fig. 726.

Syndosmya apelina Ren. sp. Miocän. Grund bei Wien.

Semele Schum. (Amphidesma Lam.), Cumingia Sow. Tertiär und lebend.

Scrobicularia Schum. Oval, dünn, fast gleichseitig, zusammengedrückt. Schloßzähne 1-2 in jeder Klappe. Band in einer dreieckigen Grube, teilweise äußerlich sichtbar. Tertiär. Lebend.

28. Familie. Mesodesmidae. Desh.

Schale dick, oval, quer verlängert oder dreieckig, geschlossen. Band innerlich in dreieckiger Grube. Ein einziger (selten zwei Schloßzähne) in jeder Klappe. Mantelbucht klein. Tertiär und lebend. Marin.

Mesodesma Desh. (Paphia Lam.), Ervilia Turton (Fig. 727). Tertiär und lebend.

Fig. 727.

Fig. 727.

Ervilia Podolica Eichw. Sarmatische Stufe. Wiesen bei Wien. (Nat. Gr.)

29. Familie. Mactridae. Desh.

Schale oval, dreieckig oder quer verlängert, gleichklappig, geschlossen oder hinten und vorne klaffend. Band innerlich in einer großen dreieckigen Bandgrube, davor in der linken Klappe ein dreieckiger, ⋀förmiger Spaltzahn, der sich in eine entsprechende Grube der rechten Klappe einfügt; Seitenzähne kräftig oder fehlend. Mantelbucht bald tief, bald seicht. Kreide bis jetzt. Marin.

Die Tiere haben vier Kiemenblätter, einen langen zugespitzten Fuß und vorragende verwachsene Siphonen.

Neumayr stellt die Mactriden zu den Desmodonten, doch hat Bittner in überzeugender Weise ihre Verwandtschaft mit den Syndesmyiden und anderen Heterodonten nachgewiesen.

Mactra Linn. (Fig. 728). Dreieckig oder oval, geschlossen oder hinten etwas klaffend. Die linke Schale hat vor der dreieckigen Bandgrube einen mehr oder weniger tief gespaltenen Schloßzahn, dem in der rechten eine dreieckige Grube entspricht, die vorne von einem dünnen schrägen Leistenzahn begrenzt wird. Seitenzähne sehr kräftig, stark verlängert, in der linken Schale je einer vorn und hinten, in der rechten je zwei. Außer dem inneren Band noch ein kurzes äußeres Bändchen vorhanden. Mantelbucht meist wenig tief. Kreide bis jetzt.

Fig. 728.

Fig. 728.

Mactra Podolica Eichw. Sarmatische Stufe. Wiesen bei Wien.

Fig. 729.

Fig. 729.

Lutraria elliptica Roissy. Pliocän. Rhodus. (2/3 nat. Größe.)

Mactrella, Mactrinula, Raeta, Eastonia, Spisula Gray etc. Tertiär und lebend.

Lutraria Lam. (Fig. 729). Stark verlängert, vierseitig, vorne und hinten klaffend. Bandgrube beiderseits in einem löffelartigen über den Schloßrand vorspringenden Fortsatz gelegen, davon in der linken Klappe ein kräftiger Spaltzahn, in der rechten ein dünner Leistenzahn. Seitenzähne fehlen. Mantelbucht tief. Tertiär und lebend.

Cardilia Desh. Tertiär und lebend.

C. Unterordnung. Desmodonta. Neumayr emend. Zittel.

Dünnschalige, gleich- aber ungleichklappige Muscheln mit zahnlosem Schloßrand oder nur mit zahnartigen Fortsätzen unter den Wirbeln. Seitenzähne fehlen. Band äußerlich, halb oder ganz innerlich, im letzteren Fall häufig durch löffelartige Fortsätze des Schloßrandes getragen. Muskeleindrücke schwach vertieft. Manteleindruck ganzrandig oder mit Bucht.

Neumayr faßte unter der Bezeichnung Desmodonta nur Formen mit ausgeprägter Mantelbucht und langen Siphonen zusammen und stellte alle mit ganzrandigem Manteleindruck versehene, meist paläozoische Genera, obwohl sie in allen sonstigen Merkmalen übereinstimmen, zu den Palaeoconchae.

Nach Ausschluß der mit echten Schloßzähnen versehenen Mactriden, sowie nach Beifügung der paläozoischen Integripalliaten bilden die Desmodonten einen natürlichen Formenkomplex, welcher sich als selbständige Parallelreihe neben den Heterodonten entwickelt hat.