Fig. 996.

Fig. 996.

Auricula Dutemplei Desh. Unt. Eocän (Lignites) Sainceux. (Nach Deshayes).

Fig. 997.

Fig. 997.

Alexia pisolina Desh. Miocän. Pontlevoy, Touraine. (2/1)

Fig. 998.

Fig. 998.

Pythiopsis Lamarcki Desh. sp. Grobkalk. Houdan (nach Deshayes).

Fig. 999.

Fig. 999.

Carychium antiquum Al. Braun. Miocän. Hochheim bei Mainz. (Vergrößert.)

2. Familie. Limnaeidae. Keferstein.

Schale dünn, oval, turm-, scheiben- bis napfförmig. Lias bis jetzt. Süßwasserbewohner. Häufig im Tertiär.

Limnaeus (Cuv.) Drap. (Lymnaea Lam.) (Fig. 1000). Schale dünn, durchscheinend mit sehr großer Schlußwindung und spitzem, mäßig hohem Gewinde. Mündung weit, eiförmig. Außenlippe scharf. Lebend in allen Zonen, fossil vom oberen Jura (Purbeck-Schichten) an. Hauptverbreitung im Tertiär.

Physa Drap. (Fig. 1001). Wie Limnaeus, aber linksgewunden. Ob. Jura bis jetzt.

Fig. 1000.

Fig. 1000.

Lymnaeus pachygaster Thomae. Miocäner Süßwasserkalk. Mörsingen bei Ulm.

Fig. 1001.

Fig. 1001.

Physa gigantea Michaud. Unter-Eocän. Rilly bei Rheims.

Fig. 1002.

Fig. 1002.

Planorbis cornu Brongt. var. Mantelli Dunker.

Ober-Miocän. Mundingen, Württemberg.

Fig. 1003.

Fig. 1003.

Planorbis multiformis Bronn sp. Aus dem obermiocänen Süßwasserkalk von Steinheim bei Heidenheim, Württemberg.

a Var. suprema, b var. trochiformis, c var. elegans, d var. Steinheimensis.

Fig. 1004.

Fig. 1004.

Ancylus Dutemplei Desh. Grobkalk. Boursault.

Planorbis Guettard (Fig. 1002. 1003). Scheibenförmig; selten turmförmig mit zahlreichen Umgängen. Mündung oval bis halbmondförmig. Außenlippe scharf. Lias bis jetzt. Sehr häufig im Tertiär. Von besonderem Interesse wegen seiner außerordentlichen Variabilität ist Pl. multiformis Bronn sp. (Fig. 1003) aus dem mittleren Miocän von Steinheim in Württemberg. Die Mutationen desselben finden sich meist in verschiedenen Schichten des dortigen Süßwasserkalkes und stellen nach Hilgendorf und Hyatt eine ausgezeichnete genealogische Reihe dar.

Ancylus Geoffroy (Fig. 1004). Schale napfförmig, mit schwach eingekrümmter, dem Hinterrand genäherter Spitze. Tertiär und lebend.

Chilina Gray. Lebend und fossil (tertiär) in Südamerika.

3. Unterordnung. Stylommatophora. A. Schmidt.

Augen an den Enden von zwei einstülpbaren Fühlern, vor denen meist noch zwei kürzere Labialfühler stehen. Nackte oder beschalte Landschnecken.

1. Familie. Limacidae. Lam.

Nacktschnecken mit winzigem, im Mantel verborgenem Schalenrudiment.

Kleine schildförmige Schälchen von Limax und Amalia sind aus Tertiär und Diluvium bekannt.

2. Familie. Testacellidae. Gray.

Fleischfressende Landschnecken mit spiraler, bald sehr kleiner, bald großer zur Aufnahme des Tieres geeigneter Schale.

Testacella Cuv. (Fig. 1005). Schale klein, ohrförmig, am Hinterende des Tieres gelegen. Tertiär und lebend.

Parmacellina Sandb. Eocän. Daudebardia Hartm. (Helicophanta Fér.). Recent und Diluvium.

Glandina Schum. (Fig. 1006). Schale länglich oval mit verlängertem Gewinde. Mündung vorne mit Ausguß, Spindel abgestutzt. Obere Kreide, tertiär und lebend.

Cylindrella Pfeiff. Eine einzige fossile Art im Pariser Eocän. Gegenwärtig in Westindien, Zentralamerika und auf den Philippinen verbreitet.

Fig. 1005.

Fig. 1005.

Testacella Zellii Klein. Miocän. Andelfingen. (Nach Sandberg.)

Fig. 1006.

Fig. 1006.

Glandina inflata Reuß. Miocän. Michelberg bei Ulm.

3. Familie. Helicidae. Keferstein.

Landschnecken mit sehr mannigfaltiger spiraler, zur Aufnahme des ganzen Körpers geeigneter Schale.

Gegen 5000 lebende und ca. 500 fossile Arten.

Vitrina Drap. Schale klein, durchsichtig, mit kurzem Gewinde und sehr großem letztem Umgang. Lebend und tertiär.

Archaeozonites Sandb. (Fig. 1007). Dickschalig, kugelig mit ziemlich hohem Gewinde, tief genabelt. Außenlippe scharf. Oligocän und Miocän. Hierher die älteste Helixform aus der produktiven Steinkohlenformation von Neu-Schottland.

Fig. 1007.

Fig. 1007.

Archaeozonites subverticillus Sandb. Unt. Miocän. Eckingen bei Ulm.

Fig. 1008.

Fig. 1008.

Hyalina denudata Reuß. sp. Miocän. Tuchoritz, Böhmen.

Zonites Montf. Wie vorige, nur dünnschaliger, unten glatt, oben gekörnt. Tertiär und lebend.

Hyalina Gray (Fig. 1008), Omphalosagda Sandb., Trochomorpha Martens. Lebend und tertiär.

Lychnus Montf. (Fig. 1009). Letzter Umgang groß, anfänglich aufsteigend, dann abwärts gebogen, so daß die Mundränder in der Ebene der Grundfläche liegen. Ob. Kreide der Provence und Spaniens.

Helix Lin. (Fig. 1010). Schale halbkugelig, kegelförmig bis scheibenförmig, höchst verschiedenartig gestaltet. Mündung schief, halbmondförmig oder rundlich. Mundränder getrennt. Sehr häufig tertiär und lebend; Hauptverbreitung im Miocän. Man unterscheidet über hundert Subgenera und mehr als 2000 Species.

Bulimus Brug. Schale länglich eiförmig bis turmförmig. Mündung länger als breit. Außenlippe häufig verdickt und umgeschlagen. Gegen 1000 lebende und zahlreiche fossile Arten von der oberen Kreide an.

Fig. 1009.

Fig. 1009.

Lychnus Matheroni Requien. Obere Kreide (Garumnien). Rognac, Provence.

Fig. 1010.

Fig. 1010.

a Helix (Dimorphoptychia) Arnouldi Michaud. Unt. Eocän. Rilly bei Rheims.

b Helix (Campylaea) inflexa Klein. Ob. Miocän. Mörsingen.

c Helix (Gonostoma) osculum Thomae. Unter-Miocän. Hochheim bei Wiesbaden.

Fig. 1011.

Fig. 1011.

Buliminus (Petraeus) complanatus Reuß. Unt. Miocän. Thalfingen bei Ulm.

Buliminus Ehrbg. (Fig. 1011), Cionella Jeffreys, Azeca Leach, Caecilianella Bourg. etc. Tertiär und lebend.

Megaspira Lea (Fig. 1012). Turmförmig, schlank, sehr lang. Spindel mit Querfalten. Ob. Kreide bis jetzt.

Clausilia Drap. (Fig. 1013). Turm- bis spindelförmig, schlank, linksgewunden. Mündung birnförmig, meist mit zusammenhängenden Rändern; Innenlippe mit zwei Falten, Außenlippe etwas zurückgeschlagen. Mündung durch ein bewegliches Kalkstückchen verschließbar. Fossil nicht häufig, vom Eocän an; ca. 400 lebende Arten.

Pupa Lam. (Fig. 1014 b). Klein, zylindrisch eiförmig. Mündung halbrund, meist durch Zähne auf Spindel, Innenlippe und Außenlippe verengt. Außenlippe zurückgeschlagen. Tertiär und lebend.

Dendropupa Dawson (Fig. 1014 a). Wie Pupa, aber Mündung ohne Zähne. Steinkohlenformation von Neu-Schottland.

Anthracopupa Whitf. Steinkohlenformation. Nordamerika.

Fig. 1012.

Fig. 1012.

Megaspira exarata Mich. sp. Unt. Eocän. Rilly bei Rheims.

Fig. 1013.

Fig. 1013.

a Clausilia bulimoides A. Braun. Unt. Miocän. Eckingen bei Ulm.

b Clausilia antiqua Schübler. Unt. Miocän. Eckingen bei Ulm.

Fig. 1014.

Fig. 1014.

a Dendropupa vetusta Dawson. Steinkohlenformation. Neu-Schottland (nach Dawson).

b Pupa diversidens Sandb. Miocän. Sansan. Gers (nach Sandberger).

Fig. 1015.

Fig. 1015.

Succinea peregrina Sandb. Unt. Miocän. Tuchoritz, Böhmen.

Vertigo Müller. Tertiär und lebend.

Succinea Pfeiffer (Fig. 1015). Schale dünn, eiförmig, bernsteinfarben, durchscheinend, mit kurzer Spira und großem eiförmigem letztem Umgang. Außenlippe scharf. Tertiär und lebend; häufig im Löß.

Zeitliche Verbreitung der Gastropoden.

Unter den Mollusken überragen die Gastropoden alle übrigen Klassen an Formenreichtum. Sie beginnen im Kambrium und entfalten, indem sie succesive an Verbreitung und Mannigfaltigkeit zunehmen, ihre höchste Blüte in der Jetztzeit. Mehr als 15000 Spezies dürften gegenwärtig verbreitet sein, wovon etwa 3/5 den Prosobranchiern, 2/5 den Pulmonaten angehören.

Im untersten Kambrium (Olenellus-Schichten) treten von Prosobranchiern die Gattungen Scenella, Stenotheca, Platyceras, Raphistoma, Pleurotomaria und eine Anzahl problematischer Pteropoden (Hyolithes, Hyolithellus, Salterella, Torellella etc.) auf und zeigen, daß unter den Prosobranchiern den Cyclobranchinen, Aspidobranchinen und Capuliden das altertümlichste Gepräge anhaftet. Auch in den jüngeren kambrischen Ablagerungen herrschen neben den angeblichen Pteropoden Aspidobranchier aus den Familien der Pleurotomariiden, Euomphaliden und Bellerophontiden vor; zu ihnen kommen Capuliden und einige Gattungen, die nach ihren Schalen ebenso gut zu den Turbiniden, wie Littoriniden gehören können. Bemerkenswert ist die Gattung Subulites, welche sich vielleicht den Pyramidelliden anschließt, aber bereits einen deutlichen Ausguß neben dem Spindelende besitzt.

Leider gewähren die meist schlecht erhaltenen Schalen der kambrischen Gastropoden keine sicheren Anhaltspunkte über die Anatomie der Weichteile, allein mancherlei Gründe sprechen doch für die Annahme, daß Aspidobranchier und Ctenobranchier ursprünglich noch nicht so streng geschieden waren wie heutzutage.

Im Silur nehmen die Gastropoden an Artenzahl erheblich zu, es tauchen auch einige neue Familien (Scalaridae, Purpurinidae, Turbinidae, Trochidae, Xenophoridae) auf, aber im ganzen bleibt der Charakter der Gastropodenfauna noch derselbe wie im Kambrium, und auch Devon, Karbon und Perm bringen keine wesentlichen Veränderungen.

Pteropoden, Aspidobranchier, einige Cyclobranchier und Opisthobranchier, sowie wenige Familien der Ctenobranchier (Capulidae, Pyramidellidae, Littorinidae) drücken der paläozoischen Schneckenfauna ihr ziemlich einförmiges Gepräge auf.

In Trias und Jura sterben die großen dickschaligen Pteropoden (Conularia) aus; verschiedene Familien der Aspidobranchier (Pleurotomariidae, Turbinidae, Neritopsidae, Neritidae) erreichen den Höhepunkt ihrer Entwicklung, und unter den Ctenobranchiern entfalten die Pyramidelliden, Nerineiden, Purpuriniden, Turritelliden und Aporrhaiden einen beträchtlichen Formenreichtum.

In der Kreide nehmen die siphonostomen Ctenobranchier einen beträchtlichen Aufschwung, und im Tertiär beherrschen sie bereits entschieden das Feld, indem sie an Formenreichtum alle übrigen Familien überholen und sich mehr und mehr den noch jetzt existierenden Gattungen und Arten nähern. Die Nerineiden, Pyramidelliden und Aporrhaiden, welche im Mesozoikum neben den Aspidobranchiern eine so hervorragende Stellung eingenommen hatten, sind teils ausgestorben, teils stark im Rückgang. Im Eocän und Oligocän finden sich schon überwiegend noch jetzt lebende Genera, allein die Arten sind ausnahmslos erloschen. Im Miocän tauchen vereinzelt noch gegenwärtig existierende Spezies auf, deren Zahl im jüngeren Pliocän bis auf 80 und 95% steigt.

Bemerkenswert ist die zeitliche Verbreitung der Pulmonaten. Während thalassophile Siphonariiden schon vereinzelt in Devon vorkommen, erscheinen Landschnecken (Archaeozonites, Dendropupa) in sehr spärlicher Zahl zuerst in der produktiven Steinkohlenformation und Süßwasserschnecken zuerst an der Grenze von Jura und Kreide (Purbeckschichten). In der Wälderstufe und der Kreide nehmen Land- und Süßwasserschnecken an Formenreichtum zu und erlangen in der Tertiärzeit eine noch größere Verbreitung und Mannigfaltigkeit, ohne jedoch die erstaunliche Differenzierung der jetzt lebenden Binnenconchylien zu erreichen.

Die successive Annäherung an die Jetztzeit beschränkt sich nicht allein auf die Produktion von Formen, welche den heute lebenden mehr und mehr nahe kommen, sondern auch auf die Anbahnung der jetzigen geographischen Verbreitungsbezirke. Die mesozoischen Gastropoden tragen noch einen zu fremdartigen Charakter, um sich mit irgend einer modernen Conchylienfauna näher vergleichen zu lassen; aber schon die eocänen Formen haben ein modernes Gepräge und lassen bereits einige Beziehungen zu den in den benachbarten wärmeren Zonen verbreiteten Schnecken erkennen.

Die ganze eocäne Conchylienfauna von Europa, Nordamerika, Asien und Nordafrika hat viele gemeinsame Gattungen und zahlreiche stellvertretende Arten, die dafür sprechen, daß dieselben in ein und demselben Ozean gelebt haben. Einen wesentlich anderen Charakter zeigen die eocänen Conchylien von Australien, Neu-Seeland und Südamerika. Sie erweisen sich als Vorläufer der heutigen Bewohner der südlichen Regionen des Pazifischen und Atlantischen Ozeans.

Noch bestimmter deuten die Land- und Süßwasserschnecken auf ihre Nachfolger in den betreffenden Kontinenten hin, nur besitzen die mesozoischen, eocänen und miocänen Faunen noch ein entschieden tropisches Gepräge. Die europäischen und amerikanischen Binnenconchylien der Miocänzeit erinnern darum weit mehr an die jetzigen Bewohner der Azoren und von West-Indien, als an die gegenwärtig offenbar in kühlerem Klima gedeihenden Land- und Süßwasserschnecken von Europa und Nordasien. Erst im Pliocän und Pleistocän erlangt jeder Weltteil seine eigentümliche, der jetzt existierenden nahekommende Schneckenfauna.

Die zeitliche Verbreitung der Gastropoden ergibt sich aus nachfolgender Tabelle.

 

  Kam Si Dev Kar Perm Tri Jura Krei Pal Neo Jet
A. Prosobranchia                      
1. Cyclobranchina                      
2. Aspidobranchina                      
1. Fissurellidae                      
2. Haliotidae                        
3. Bellerophontidae                      
4. Porcelliidae                      
5. Pleurotomariidae                      
6. Euomphalidae                        
7. Stomatiidae                      
8. Turbinidae                        
9. Phasianellidae                      
10. Delphinulidae                        
11. Trochonematidae                      
12. Trochidae                      
13. Xenophoridae                      
14. Umboniidae   ? ?                
15. Neritopsidae                      
16. Neritidae                      
17. Helicinidae                      
3. Ctenobranchina                      
1. Solariidae                      
2. Purpurinidae                        
3. Littorinidae                      
4. Cyclostomidae                      
5. Capulidae                      
6. Neritidae                      
7. Ampullariidae                      
8. Valvatidae                      
9. Paludinidae                        
10. Hydrobiidae                      
11. Rissoidae                      
12. Scalaridae                      
13. Turritellidae                      
14. Vermetidae                      
15. Caecidae                      
16. Pyramidellidae                      
17. Melaniidae                      
18. Nerineidae                      
19. Cerithiidae                      
20. Aporrhaidae                      
21. Strombidae                      
22. Columbellaridae                        
23. Cypraeidae                        
24. Cassididae                        
25. Doliidae                        
26. Tritoniidae                      
27. Columbellidae                      
28. Buccinidae                      
29. Purpuridae                      
30. Muricidae                      
31. Fusidae                      
32. Volutidae                      
33. Harpidae                      
34. Olividae                      
35. Cancellariidae                        
36. Terebridae                        
37. Pleurotomidae                      
38. Conidae                      
B. Heteropoda                        
C. Opisthobranchia                      
D. Pteropoda                        
E. Pulmonata                      
                       
Legende:
Kam = Kambrium; Si = Silur; Dev = Devon; Kar = Karbon; Tri = Trias; Krei = Kreide; Pal = Paläogen; Neo = Neogen; Jet = Jetztzeit

 

5. Klasse. Cephalopoda. Kopffüßer.[59]