Kopfstück, Kapitel II, 5

Fünftes Kapitel.
Der Aufenthalt im Palast Prachtvoll.

S

Sobald die Pilger an den Löwen vorüber waren, sahen sie auch schon vor sich in kleiner Entfernung den Palast Prachtvoll auftauchen. Sie beeilten sich um so mehr, dorthin zu kommen, weil das Reisen bei Nacht in dieser Gegend sehr gefährlich ist. Bei der Pforte angekommen, klopfte der Führer an, und der Pförtner Wachsam rief: „Wer da?“ — „Ich bin’s!“ antwortete der Führer; und alsbald ward seine Stimme erkannt, denn er hatte schon viele Pilger hierher geleitet. Wachsam kam und öffnete das Tor; aber er sah die Frauen nicht, denn sie hatten sich hinter ihren Führer gestellt, und er sprach: „Nun, Mutherz, was führt dich denn so spät in der Nacht hierher?“

„Ich habe,“ erwiderte dieser, „einige Pilgrime hergebracht, und sie sollen auf meines Herrn Befehl hier übernachten. Ich wäre schon früher hier angelangt, wenn nicht der Riese, der die Löwen zu verteidigen pflegte, mir widerstanden hätte. Nach langem heißem Kampf habe ich ihn nun aber erschlagen und die Pilger wohlbehalten hindurchgebracht.“

Wachsam. Willst du nicht eintreten und bis zum Morgen bleiben?

Mutherz. Nein, ich will diese Nacht noch zu meinem Herrn zurückkehren.

Christin. O lieber Herr, ich weiß mich nicht darein zu fügen, wenn wir dich auf unsrer fernern Reise missen sollen. Du hast dich so treu und liebreich gegen uns erwiesen; du hast so wacker für uns gefochten und so manchen guten Rat erteilt, daß ich deine Güte gegen uns nie vergessen werde.

Barmherzig. O könnten wir doch dein Geleit bis an das Ende unsrer Reise haben! Wie sollen solch schwache Frauen, wie wir sind, auf einem so gefahrvollen Weg ohne Freund und Beschützer durchkommen?

„Ach Herr,“ bat auch Jakob, der jüngste unter den Knaben, „laß dich doch überreden, mit uns zu ziehen und uns zu helfen, denn wir sind so schwach, und der Gefahren sind so viele!“

Mutherz. Ich bin unter meines Herrn Befehl. Auf Sein Geheiß stehe ich euch gern zu Diensten bis ans Ende eurer Wallfahrt. Doch darin habt ihr es versehen, Ihn darum zu bitten, als Er mich bis hierher mit euch gehen hieß, Er würde euer Begehr erfüllt haben. So aber muß ich jetzt von euch Abschied nehmen. Und nun, liebe Christin, Barmherzig und ihr, meine wackern Knaben, lebt alle wohl!

Hierauf fragte der Pförtner Christin nach ihrer Heimat und Freundschaft. Sie sprach: „Ich komme aus der Stadt Verderben. Ich bin eine Witwe, denn mein Mann ist gestorben. Sein Name war Christ, der Pilger.“ — „Wie?“ fragte erstaunt der Pförtner, „war das dein Mann?“ — „Ja,“ erwiderte sie, „und das sind seine Kinder, und diese“ — auf Barmherzig weisend — „ist eine von meinen Landsleuten.“

Der Pförtner zog nun die Glocke, wie er in solchen Fällen zu tun pflegte, und alsbald erschien eine Jungfrau an der Tür, ihr Name war Demut. „Geh,“ sprach er zu ihr, „und sage drin, daß Christin, Christs Frau, und ihre Kinder auf ihrer Pilgerfahrt hier eingetroffen sind.“ Demut brachte diese Kunde ins Haus, und mit großer Freude kamen alle eilend zu dem Tor, wo Christin immer noch stand. Einige der Ältesten des Hauses sprachen zu ihr: „Komm herein, Christin, komm herein, du Frau des lieben Mannes, komm herein, du Gesegnete des Herrn, mit allen, die bei dir sind!“

Sie traten alle ein und wurden in ein großes Zimmer geführt, wo sie sich niedersetzten. Nun kamen auch die übrigen Glieder des Hauses, um die Gäste zu sehen und zu bewillkommnen. Als sie vernahmen, wer sie wären, grüßten sie dieselben mit einem Kuß und sprachen: „Seid willkommen, ihr Gefäße der göttlichen Gnade! Wir, eure Freunde, heißen euch herzlich willkommen!“

Inzwischen war es nun sehr spät geworden, und die Pilger, müde von ihrer Reise und der ausgestandenen Angst bei dem Kampf mit den schrecklichen Löwen, baten, sich zurückziehen zu dürfen.

Etliche der Hausgenossen aber sprachen: „Zuvor müßt ihr noch etwas Speise zu euch nehmen!“ Denn sie hatten ein Lamm für sie bereitet mit allem, was dazu gehört[184]. Der Pförtner hatte nämlich vorher von ihrem Kommen gehört und es im Haus gemeldet.

Nachdem sie gegessen und Gott für diese Gaben gedankt hatten, beschlossen sie den Abend mit einem Loblied, worauf sie nochmals baten, sich nun zur Ruhe begeben zu dürfen. „Wenn es uns gestattet ist, selbst zu wählen,“ sagte Christin, „so laßt uns in dem Zimmer schlafen, welches mein Mann seinerzeit innehatte.“ Also wurden Christin und Barmherzig hinauf in die Kammer des Friedens gebracht. Vor dem Einschlafen entspann sich unter ihnen noch folgendes Gespräch:

Christin. Wie wenig dachte ich daran, als mein Mann die Pilgerreise antrat, daß ich ihm je nachfolgen würde!

Barmherzig. Und noch weniger, daß du in demselben Bett und Zimmer schlafen würdest.

Christin. Und am allerwenigsten hätte ich gedacht, daß ich noch je sein Angesicht mit Freuden wiedersehen und mit ihm zugleich den Herrn, den König, anbeten würde, wie ich jetzt glaube, daß es geschehen wird.

Barmherzig. Horch, was ist denn das für ein Geräusch?

Christin. Ja, mich dünkt, es sind Töne von Musik, aus Freude darüber, daß wir hier sind.

Barmherzig. Wie wunderbar! Musik im Hause, Musik im Herzen und Musik auch im Himmel vor Freude, daß wir hier sind!

So redeten sie noch eine Weile miteinander, und darob schliefen sie ein. Als sie am Morgen aufwachten, sagte Christin zu Barmherzig: „Was war dir, daß du diese Nacht lachtest; du hast wohl geträumt?“

Barmherzig. Ja, ich hatte einen lieblichen Traum; aber bist du dessen gewiß, daß ich gelacht habe?

Christin. Ja, du hast herzlich gelacht; aber bitte, Barmherzig, erzähle mir deinen Traum!

Barmherzig. Mir träumte, ich säße ganz allein an einem einsamen Ort und beweinte meines Herzens Härtigkeit. Bald darauf sammelte sich, wie mir schien, eine ganze Menge Menschen um mich her, die meinen Klagetönen zuhorchte. Etliche der Umstehenden verlachten mich, andre nannten mich eine Närrin, wieder andre fingen an, mich hin und her zu zerren. Über dem allem blickte ich auf und sah einen mit Flügeln auf mich zueilen. Er sprach zu mir: „Barmherzig, was fehlt dir?“ Als er nun meine Klage vernommen, sagte er: „Friede sei mit dir!“ Er trocknete auch meine Tränen und kleidete mich in Silber und Gold; er hängte eine Kette um meinen Hals und Ringe an meine Ohren und setzte eine schöne Krone auf mein Haupt (Hes. 16, 10-13). Hierauf nahm er mich bei der Hand und hieß mich ihm folgen. Wir kamen bald zu einer goldenen Pforte, die sich auf sein Anklopfen öffnete. Er trat ein, und ich folgte ihm bis zu einem Thron, auf dem einer saß, der zu mir sagte: „Willkommen, Meine Tochter!“ Der Ort war hell und strahlend wie die Sterne, ja leuchtend wie die Sonne. Mich dünkte auch, ich sähe dort deinen Mann. Da erwachte ich. Habe ich denn aber im Traum gelacht?

Christin. Über dieses dein herrliches Los konnte dein Mund auch wohl voll Lachens sein. Ja, du darfst versichert sein, daß dies kein gewöhnlicher Traum war, und wie du die erste Hälfte wahr befunden, so wird sich auch das übrige noch an dir erfüllen. „Denn auf mancherlei Weise redet Gott, nur achtet man’s nicht. Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett, da öffnet Er das Ohr der Leute“ (Hiob 33, 14-16). Es ist nicht nötig, daß wir wachen, wenn Gott mit uns reden will. Während wir schlafen, kann Er uns nahe treten und uns Seine Stimme hören lassen. Unser Herz wacht zuweilen, wenn wir schlafen, und Gott kann zu ihm reden entweder durch Worte oder durch Sprüche, durch Zeichen oder Bilder ebensogut, als wenn wir in wachem Zustand wären.

Barmherzig. Nun gut, ich bin über meinen Traum froh und hoffe, binnen kurzem ihn erfüllt zu sehen; dann werde ich erst recht lachen.

Christin. Ich denke, es wird hohe Zeit sein, hinunterzugehen, daß wir erfahren, was wir weiter zu tun haben.

Barmherzig. Aber nicht wahr, wenn sie uns einladen, eine Zeitlang hier zu bleiben, so laß uns ihr Anerbieten mit Freuden annehmen, damit wir mit diesen Jungfrauen noch besser bekannt werden. Weisheit, Gottesfurcht und Liebe haben es mir durch ihr liebliches und sittsames Wesen besonders angetan.

Christin. Es wird sich nun zeigen, was sie tun werden.

Also machten sie sich fertig und gingen hinunter, und man fragte sie, wie sie geruht hätten.

Barmherzig sprach: „Sehr gut! es war wirklich eine von den gesegnetsten Nächten meines Lebens.“

„Wenn wir euch zureden dürfen, eine Zeitlang hier zu verziehen,“ sagten Gottesfurcht und Weisheit, „so sollt ihr genießen, was unser Haus bietet.“

„Ja, und das von Herzen!“ fügte Liebe bei.

Sie willigten ein und blieben einen Monat und noch darüber, was allen zu hohem Genuß gereichte.

Weisheit begehrte nun auch zu erfahren, wie Christin ihre Knaben erzogen hätte, und bat sich die Erlaubnis aus, ihnen etliche Fragen vorlegen zu dürfen, was ihr gern gewährt wurde. Da fing sie bei dem jüngsten an und sprach:

„Komm, Jakob, kannst du mir sagen, wer dich erschaffen hat?“

Jakob. Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist.

Weisheit. Richtig, mein Kind. Und weißt du auch, wer dich selig macht?

Jakob. Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist.

Weisheit. Auch richtig. Aber wie macht dich Gott der Vater selig?

Jakob. Durch Seine Gnade.

Weisheit. Wie macht dich Gott der Sohn selig?

Jakob. Durch Seine Gerechtigkeit, Sein Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen.

Weisheit. Und wie macht dich Gott der Heilige Geist selig?

Jakob. Durch Seine Erleuchtung, Seine Erneuerung und Seine Bewahrung.

Da sprach Weisheit zu Christin: „Du bist zu loben, daß du deine Kinder so trefflich unterrichtest. Und wenn der jüngste schon diese Fragen so gut beantworten kann, wird es bei den andern wohl auch nicht fehlen. Ich will mich deshalb an den nächstjüngsten wenden.“

Weisheit. Komm, Joseph, willst du dich auch von mir katechisieren lassen?

Joseph. Sehr gern.

Weisheit. Was ist der Mensch?

Joseph. Eine vernünftige Kreatur, von Gott erschaffen, wie mein Bruder gesagt.

Weisheit. Was soll die größte Sorge des Menschen sein?

Joseph. Wie er möge selig werden.

Weisheit. Was hat man bei dem Wort „selig werden“ vorauszusetzen?

Joseph. Daß sich der Mensch durch die Sünde in einen Zustand der Knechtschaft und des Elends gestürzt hat.

Weisheit. Was setzt sein Erlöstwerden durch die heilige Dreieinigkeit voraus?

Joseph. Daß die Sünde ein so mächtiger Tyrann ist, daß niemand uns aus seinen Klauen herausreißen kann als Gott allein, und daß Gott so voll Liebe und Erbarmen gegen den gefallenen Menschen ist, daß Er ihn wirklich aus diesem elenden Zustand errettet.

Weisheit. Was ist Gottes Absicht in der Errettung der Menschen?

Joseph. Die Verherrlichung Seines Namens, Seiner Gnade und Gerechtigkeit usw. und die ewige Seligkeit Seiner Kreaturen.

Weisheit. Welche aber erfahren diese Erlösung?

Joseph. Alle, die Sein Heil annehmen.

Weisheit. Du bist ein lieber Junge, Joseph, du hast wohl achtgehabt auf die heilsamen Belehrungen deiner Mutter.

Hierauf sprach Weisheit zu Samuel, der der zweitälteste war: „Nun, Samuel, darf ich dir auch einige Fragen stellen?“

Samuel. Ja freilich, wenn du willst.

Weisheit. Was ist der Himmel?

Samuel. Ein Ort und Zustand der höchsten Seligkeit, weil Gott darin wohnt.

Weisheit. Was ist die Hölle?

Samuel. Ein Ort und Zustand der größten Qual, weil es die Behausung der Sünde, des Teufels und des Todes ist.

Weisheit. Warum möchtest du in den Himmel kommen?

Samuel. Um Gott zu schauen und Ihm ohne Unterlaß zu dienen; um bei Christus zu sein und Ihn zu lieben; um die Fülle des Heiligen Geistes in mir zu haben, zu der ich hier nicht in dem Maß gelangen kann.

Weisheit. Auch du bist ein lieber Junge und hast fleißig gelernt.

Sie wandte sich alsdann zu dem ältesten, der Matthäus hieß, und sagte zu ihm: „Komm, Matthäus, willst du dich auch einer Prüfung unterziehen?“

Matthäus. Ja, mit Freuden.

Weisheit. So sage mir denn, ist jemals etwas gewesen, das sein Wesen eher als Gott gehabt hätte und nicht durch Ihn erschaffen worden wäre.

Matthäus. Nein, denn Gott ist ewig, und es gibt nichts außer Ihm, und nichts hatte eher einen Anfang, als bis Gott es schuf. In sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist (2. Mos. 20, 11).

Weisheit. Was hältst du von der Bibel?

Matthäus. Sie ist Gottes heiliges Wort.

Weisheit. Ist darin nichts geschrieben, was du nicht verstehst?

Matthäus. Ja, sehr vieles.

Weisheit. Was machst du denn, wenn du an solche Stellen kommst, die dir noch unaufgeschlossen sind?

Matthäus. Ich denke: Gott ist weiser als ich. Ich bitte Ihn auch, Er möge mir nach Seiner Gnade so viel Erleuchtung schenken, als zu meinem Heil dienlich ist.

Weisheit. Was denkst du über die Auferstehung der Toten?

Matthäus. Alle, die in den Gräbern liegen, werden auferstehen, der natürliche Leib aber wird anziehen die Unverweslichkeit. Das glaube ich, weil Gott es verheißen hat, und was Gott verheißen hat, das kann Er auch tun.

Weisheit sprach hierauf zu den Knaben: „Habt denn fernerhin acht auf alles, was euch eure Mutter noch lehren wird; habt auch allezeit ein offenes Ohr für all das Gute, das euch von andern übermittelt wird, wenn sie um euretwillen erbauliche Gespräche führen. Merkt ebenfalls, und zwar mit Fleiß auf das, was Himmel und Erde euch lehren; aber insbesondere seid unermüdlich in der Betrachtung des Buches, welches euren Vater zur Pilgerreise veranlaßte. Ich für meinen Teil will euch, liebe Kinder, in der Zeit eures Hierseins unterrichten, soviel ich kann, und es soll mir eine Freude sein, wenn ihr mich über solche Dinge befragt, die zu gottseliger Erbauung dienen.“

Die Pilger hatten ungefähr eine Woche an diesem Ort geweilt, da empfing Barmherzig Besuch von einem Herrn namens Tätig, der vorgab, daß er eine Neigung zu ihr habe. Er war ein Mann von einiger Bildung und der auch auf Frömmigkeit Anspruch machte, aber es dabei noch sehr mit der Welt hielt. Er kam von da an öfters zu Barmherzig und trug ihr seine Liebe an.

Nun war Barmherzig allerdings eine liebliche Erscheinung und hatte ein sehr angenehmes Wesen; dabei war sie stets darauf bedacht, ihre Zeit treu auszukaufen, und wenn sie für sich selbst nichts zu arbeiten hatte, machte sie Strümpfe und andre Kleidungsstücke, die sie an Arme und Hilfsbedürftige verschenkte. Da nun Herr Tätig um ihre Liebesarbeit nicht wußte, so schien er davon außerordentlich eingenommen zu sein, daß er sie nie müßig fand. „Ich will darauf wetten,“ sprach er bei sich selbst, „sie wird eine treffliche Hausfrau für mich werden.“

Barmherzig entdeckte darauf diese Sache den Jungfrauen des Hauses und erkundigte sich nach ihm, denn sie kannten ihn besser als sie. Da erhielt sie den Bescheid, er sei ein sehr fleißiger junger Mann, der auch für fromm gelten wolle, aber, wie sie befürchteten, die Kraft eines gottseligen Lebens nicht kenne.

„Nein, wenn es so mit ihm steht,“ sagte Barmherzig „so will ich keinen Blick mehr auf ihn werfen, denn ich kann meiner Seele keinen Hemmschuh anlegen.“

Weisheit erwiderte ihr: „Es bedarf keines besondern Mittels, ihn abzuschrecken, denn wenn du wie bisher in deiner Liebestätigkeit für die Armen fortfährst, so wird dies seine Liebe schnell abkühlen.“

Als Herr Tätig das nächstemal wiederkam, fand er sie bei ihrer gewöhnlichen Arbeit, Kleidungsstücke für Bedürftige zu nähen.

„Wie,“ sagte er, „immer so fleißig?“

„Ja,“ antwortete sie, „entweder für mich oder für andre.“

„Und wieviel kannst du täglich wohl verdienen?“ fragte er.

„Ich tue dies,“ erwiderte sie, „um reich zu werden an guten Werken, Schätze zu sammeln, mir selbst einen guten Grund aufs Zukünftige, daß ich ergreife das wahre Leben“ (1. Tim. 6, 18. 19).

„Wie das,“ fragte er, „was tust du denn damit?“

„Die Nackenden bekleiden,“ antwortete sie.

Auf diese Worte veränderte sich seine Miene, er wandte ihr den Rücken und kam nicht wieder. Und als man ihn nach dem Grund seines Wegbleibens fragte, sagte er, Barmherzig wäre wohl ein hübsches Mädchen, aber sie habe doch sehr überspannte Grundsätze.

Nachdem er sie verlassen hatte, sprach Weisheit: „Sagte ich’s dir nicht, daß Herr Tätig bald von dir ablassen würde? Ja, er wird dir noch einen üblen Namen machen, denn trotz seines vorgeblichen Christentums und seiner scheinbaren Liebe zur Barmherzigkeit, seid ihr von so verschiedener Gesinnung, daß ich glaube, ihr werdet nie miteinander übereinstimmen.“

Barmherzig. Es hat schon mehr als einer um mich geworben, worüber ich jedoch bisher noch mit niemand gesprochen habe; aber keinem wollten meine Grundsätze gefallen, obschon sie an meiner Person nichts zu tadeln fanden. So konnte es zu keiner Verbindung kommen.

Weisheit. Obwohl man heutzutage gern von Werken der Barmherzigkeit spricht, wollen sich doch die wenigsten mit der Ausübung derselben befassen.

Barmherzig. Nun wohl, wenn niemand mich haben will, so will ich als Jungfrau sterben oder meine Grundsätze sollen mir Gattenstelle vertreten; ich kann meine Natur nicht ändern. Und einen Mann zu nehmen, der mir in meinem Tun hinderlich wäre, zu dem kann ich mich nie und nimmer entschließen. Meine Schwester Wohltätig war an einen solchen habsüchtigen Menschen verheiratet; sie konnten sich aber nie miteinander vertragen. Da sie sich aber nicht davon abbringen ließ, die Armen und Elenden zu unterstützen, so brachte ihr Mann sie zuerst öffentlich in übeln Ruf, und schließlich jagte er sie zum Haus hinaus.

Weisheit. Und dabei gab er sich für fromm aus, nicht wahr?

Barmherzig. Ja, fromm auf seine Weise und in der Art, wie die Welt ihrer jetzt voll davon ist. Ich aber passe zu keinem von ihnen allen.

In dieser Zeit wurde Matthäus, Christins ältester Sohn, krank, und seine Krankheit griff ihn heftig an, denn er hatte große Schmerzen in seinen Eingeweiden. Nicht weit von dort wohnte ein alter, wohlbewährter Arzt, Herr Geschickt. Nach diesem schickte Christin. Er kam und trat in das Zimmer, und als er den Knaben eine Weile beobachtet hatte, erkannte er, daß dieser an Leibschmerzen leide[185], und er sprach zu seiner Mutter: „Was hat der Knabe zuletzt genossen?“

Christin antwortete: „Er hat nichts Schädliches genossen.“

Geschickt. Der Knabe hat irgend etwas gegessen, das noch unverdaut im Magen liegt und das von selbst nicht weichen wird. Er muß nun entweder ein Abführungsmittel einnehmen oder daran sterben.

„Mutter,“ rief Samuel, „was war es doch, was mein Bruder am Eingang dieses Weges nahe bei der Pforte abpflückte und aß? Weißt du, dort war ein Obstgarten zur Linken, auf der andern Seite der Mauer; da hingen einige Zweige darüber herunter, von diesen Früchten hat mein Bruder gepflückt und gegessen.“

Christin. Du hast recht, mein Kind, er nahm davon und aß, der unartige Knabe; denn ich verwies es ihm, und er wollte doch nicht davon ablassen.

Geschickt. Ich merkte es wohl, daß er etwas Ungesundes gegessen hat, und jene Früchte sind eben die allerschädlichsten. Es sind Früchte aus Beelzebubs Garten. Mich wundert’s, daß niemand ihn davon abgehalten hat; viele sind schon daran gestorben.

Da fing Christin an zu weinen und rief aus: „O du böser Knabe und o ich sorglose Mutter! Was soll ich nun für meinen Sohn tun?“

Geschickt. Nun, verzage nicht! Es kann mit dem Knaben wieder besser werden; aber er muß abführen und brechen.

Christin. Ich bitte dich, lieber Herr, versuche deine ganze Kunst an ihm, es koste, was es wolle.

Geschickt. Nun, die Kosten sollen dich nicht drücken.

Herr Geschickt gab also dem Knaben ein Abführungsmittel; es war bereitet aus Bocksblut, der Asche einer jungen Kuh und etwas Saft von Isop (Hebr. 9, 13. 19; 10, 1-4). Dieses Mittel erwies sich aber als zu schwach, so bereitete er ihm ein wirksameres[186], nämlich aus dem Leib und Blut Christi (Joh. 6, 54-57). Ein oder zwei Verheißungen[187] mit einer entsprechenden Quantität Salz[188] wurden beigegeben und das Ganze zu Pillen gemacht, und zwar sollte er dreimal täglich davon nehmen, bei strengem Fasten, in einem halben Viertelmaß Bußtränen. (Ihr wißt ja, Ärzte geben ihren Kranken oft seltsame Arzneien.) Als diese Arznei fertig war und dem Knaben gereicht wurde, wollte er sie zuerst nicht nehmen, wiewohl er von schrecklichen Leibschmerzen gepeinigt war, als ob es ihn in Stücke zerreißen wollte.

„Komm, komm,“ sagte der Arzt, „du mußt es jetzt einnehmen!“

„Es ekelt mir davor!“ erwiderte der Junge.

„Es muß sein; ich will, daß du es nimmst,“ sagte die Mutter.

„Ich werde es wieder von mir geben müssen,“ versetzte der Knabe.

„Bitte, lieber Herr,“ sprach Christin zu Herrn Geschickt, „wie schmeckt es denn?“

„Gar nicht übel,“ antwortete der Doktor. Da kostete sie eine der Pillen mit der Spitze ihrer Zunge.

„O Matthäus,“ sagte sie, „die Pillen schmecken gar nicht bitter! Wenn du deine Mutter liebhast, wenn du deine Brüder liebhast, wenn du Barmherzig liebhast, ja wenn du dein Leben liebhast, so nimm sie!“

So nahm er sie denn nach vielem Zureden und einem kurzen Gebet um Gottes Segen, und das Mittel tat seine Wirkung. Es brachte ihn in einen ruhigen Schlaf und gehörigen Schweiß und befreite ihn völlig von seinen Leibschmerzen. Bald stand er wieder auf und ging an einem Stock umher und unterhielt sich mit Weisheit, Gottesfurcht und Liebe von seiner Krankheit und wie er war gesund geworden.

Als nun der Knabe gesund war, sprach Christin zu dem Arzt: „Herr, womit soll ich deine Mühe und die Sorge mich und mein Kind vergelten?“

Er antwortete: „Den Lohn mußt du dem Meister aller Ärzte entrichten nach den Vorschriften, die Er für diesen Fall geboten und verordnet hat[189].“

Christin. Mein Herr, wozu ist dieses Mittel sonst noch gut?

Geschickt. Es ist ein Universalmittel und gut gegen jegliches Übel, das einem Pilger begegnen kann, und wenn es wohl zubereitet ist, so hält es sich auch durch die Länge der Zeit hindurch, ohne zu verderben.

Christin. Bitte, lieber Herr, bereite mir zwölf Schachteln voll von diesen Pillen; denn wenn ich mit dieser Arznei hinreichend versehen bin, brauche ich mich nach keiner andern mehr umzusehen.

Geschickt. Dieses Mittel ist ebenso gut, Krankheiten vorzubeugen wie sie zu heilen. Ja, ich darf’s sagen und stehe dafür ein, daß, wenn jemand öfteren Gebrauch davon macht, er dadurch wird leben ewiglich[190]. Doch, das merke dir, liebe Christin, daß diese Pillen nur in der vorgeschriebenen Weise eingenommen werden dürfen, wenn sie zum Segen ausschlagen sollen.

Also überreichte er Christin für sich, ihre Knaben und Barmherzig von dieser Arznei, ermahnte Matthäus, sich in Zukunft vor schädlichen Früchten zu hüten, nahm alsdann Abschied von ihnen und ging seines Weges.

Wie schon zuvor erwähnt, hatte Weisheit sich den Knaben angeboten, ihnen auf allerlei nützliche Fragen zu antworten. So fragte nun Matthäus, der eben krank gewesen, warum doch die meisten Arzneien dem Gaumen bitter wären.

Weisheit. Um zu zeigen, wie unwillkommen das Wort Gottes und seine Wirkungen für ein fleischlich gesinntes Herz sind.

Matthäus. Warum pflegt die Arznei, wenn sie wirksam ist, Ausleerung und Erbrechen zu verursachen?

Weisheit. Um zu zeigen, daß, wenn das Wort kräftig wirkt, es Herz und Sinn reinigt, denn siehe, was das eine am Leib tut, das tut das andre an der Seele.

Matthäus. Was sollen wir dabei lernen, wenn wir sehen, daß die Flamme des Feuers immer in die Höhe steigt, während aber die Strahlen der Sonne und ihre angenehme Wärme nach unten wirken?

Weisheit. An dem Aufsteigen der Feuerflammen können wir lernen, wie wir mit inbrünstigem Verlangen nach dem Himmel trachten sollen. Daran aber, daß die Sonne ihre Strahlen und ihre belebende Wärme nach unten sendet, lernen wir, daß der Heiland der Welt, obgleich hoch erhaben, sich dennoch mit Seiner Gnade und Liebe zu uns herabläßt.

Matthäus. Woher haben denn die Wolken ihr Wasser?

Weisheit. Aus dem Meer.

Matthäus. Was können wir hieraus lernen?

Weisheit. Daß die Diener am Wort ihre Lehre von Gott haben sollen.

Matthäus. Warum entladen sich die Wolken auf die Erde?

Weisheit. Um darauf hinzuweisen, daß die Diener am Wort das von Gott Empfangene der Welt mitteilen sollen.

Matthäus. Warum entsteht der Regenbogen durch die Sonne?

Weisheit. Um zu zeigen, daß der göttliche Gnadenbund uns in Christus versiegelt ist.

Matthäus. Warum kommen die Quellen aus den Meeren durch die Erde zu uns?

Weisheit. Um damit anzuzeigen, daß die Gnade Gottes durch den Leib Christi zu uns kommt.

Matthäus. Warum entspringen manche Quellen auf dem Gipfel hoher Berge?

Weisheit. Um zu zeigen, daß der Geist der Gnade ebensowohl in einigen der Hohen und Mächtigen wie in vielen Armen und Geringen hervorquellen will.

Matthäus. Warum haftet das Feuer an dem Docht des Lichtes?

Weisheit. Zu zeigen, daß, wenn die Gnade nicht das Herz entzündet, kein wahres Licht des Lebens in uns ist.

Matthäus. Warum werden Docht, Talg und alles verzehrt, um das Licht auf dem Leuchter zu unterhalten?

Weisheit. Um damit anzuzeigen, daß Leib und Seele und alles, was wir sind und haben, der in uns wirkenden Gnade Gottes zur Verfügung stehen und wir uns ihr zuliebe ganz verzehren sollen, um sie bei uns kräftig zu erhalten.

Matthäus. Warum reißt sich der Pelikan mit seinem Schnabel die eigene Brust auf?

Weisheit. Damit er seine Jungen mit seinem eigenen Blut ernähre und uns lehre, daß Christus, der Hochgelobte, Seine Küchlein, das ist Sein Volk, also liebt, daß Er es durch Sein Blut vom Tod erlöst.

Matthäus. Was können wir daraus lernen, wenn wir einen Hahn krähen hören?

Weisheit. Es soll uns erinnern an des Petrus Verleugnung und seine Reue. Der Hahnenschrei kündet auch den anbrechenden Tag an; so werde dadurch eingedenk des letzten schrecklichen Tages des Gerichts!

Nachdem die Pilger sich allhier einen Monat aufgehalten hatten, teilten sie ihren Gastgebern mit, daß es nun an der Zeit sei, bald wieder weiterzuziehen.

Da sprach Joseph zu seiner Mutter: „Vergiß nicht, jemand nach dem Hause des Herrn Auslegers zu senden und ihn zu bitten, daß er uns auf unserm übrigen Weg wieder Herrn Mutherz als Geleitsmann mitgebe.“

„Du liebes Kind,“ sagte sie, „das hätte ich beinahe vergessen.“

Also setzte sie eine Bittschrift auf und bat den Pförtner Wachsam, diese durch einen zuverlässigen Boten an ihren treuen Freund, Herrn Ausleger, zu übermitteln. Als dieser die Schrift empfangen und gelesen hatte, sprach er zu dem Boten: „Gehe hin und sage ihnen, daß ich ihn senden wolle.“

Wie nun die Zeit des Abschieds nahte, versammelten sich alle Glieder des Hauses, um ihrem König Dank zu sagen, daß Er ihnen so werte Gäste zugeschickt; und sie sprachen alsdann zu Christin: „Sollen wir dir, wie wir’s den Pilgern zu tun pflegen, nicht auch etwas zeigen, worüber du dann auf dem Wege nachdenken kannst?“

So führten sie Christin, ihre Knaben und Barmherzig in ein Gemach und zeigten ihnen eine Frucht. Und sie fragten Christin: „Weißt du, was das ist?“ Sie antwortete: „Ich weiß es nicht, entweder ist es Speise oder Gift.“ Nun wurde ihr gesagt, es sei eine von den Früchten, von denen Eva gegessen und wovon sie auch ihrem Mann gegeben, daß er aß, und um deswillen sie beide aus dem Paradies hatten weichen müssen (1. Mos. 3, 6 ff.). Da hob Christin erschreckt die Hände in die Höhe über dem Ernst der Sünde.

Von hier wurden sie an einen andern Ort gebracht, wo sie Jakobs Leiter (1. Mos. 28, 12) sehen durften, und siehe, Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Alsbald wollten sie weitergehen, um den Pilgern noch etwas andres zu zeigen, da sagte Jakob zu seiner Mutter: „Bitte, sage ihnen, daß sie hier doch ein wenig länger verweilen, denn dies ist gar merkwürdig anzusehen!“ Sie kehrten wieder um und blieben stehen und weideten ihre Augen an dem so lieblichen Bild.

Weiter kamen sie in einen Saal, wo ein goldener Anker hing. „Nimm ihn herunter,“ sprachen sie zu Christin, „ihr sollt ihn mit euch nehmen, denn er ist euch durchaus notwendig, daß ihr ihn haltet als einen festen Anker eurer Seelen, der auch hineingeht in das Inwendige des Vorhangs (Hebr. 6, 19), und damit ihr unbeweglich dasteht, wenn euch Sturm und Ungewitter überfallen[191].“ Mit großer Freude nahmen sie diese Gabe an.

Alsdann führte man sie auf den Berg, auf welchem Abraham, unser Vater, seinen Sohn Isaak darbrachte, und man zeigte ihnen den Altar, das Holz, das Feuer und das Messer, denn sie sind noch zu sehen bis auf diesen Tag (1. Mos. 22). Als sie das gesehen hatten, hoben sie ihre Hände auf und priesen sich selig und sprachen: „O welch ein Mann der Liebe zu seinem Herrn und in der Verleugnung seiner selbst war Abraham!“

Weisheit brachte hierauf die Pilger in den Speisesaal, wo ein vortreffliches Saiteninstrument stand. Darauf spielte sie und sang dazu das Lied von dem, was sie soeben gesehen:

Ihr habet sie gesehen, die lockendschöne Frucht,
Wovon das erste Elternpaar genossen
Und so das Paradies der Menschheit zugeschlossen;
Bedenkt es wohl, wenn Satan euch versucht!
Wie waret ihr entzückt ob Jakobs Himmelsleiter;
Das Herz hinaufgeschickt, — wallt eure Straße weiter!
Der Anker, den wir euch zum Troste mitgegeben,
Er spendet große Kraft in Not und in Gefahr.
Wie Vater Abraham seid willig immerdar
Zum Opfer und zum Dienst, gilt es selbst Gut und Leben.

Inzwischen war nun Mutherz angekommen, er meldete sich am Tor und wurde alsbald eingelassen. Mit großem Jubel empfingen ihn die Frauen und Knaben, denn ihnen allen trat aufs neue wieder vor die Seele, wie er den alten Riesen Blutdurst erschlagen und sie von den Löwen errettet hatte.

Mutherz sprach zu Christin und Barmherzig: „Mein Herr sendet einer jeden von euch zur Stärkung auf dem Weg eine Flasche Wein und etwas Gebackenes nebst ein paar Granatäpfeln, dazu auch für die Knaben einige Feigen und Rosinen.“

In Begleitung von Weisheit und Gottesfurcht brachen sie nun auf. Am Tor fragte Christin den Pförtner, ob unlängst jemand vorbeigekommen sei.

Er antwortete: „Nein, doch habe ich erfahren, daß vor kurzem auf des Königs Heerstraße, die ihr jetzt ziehen werdet, ein großer Raub verübt worden sei. Die Diebe wären aber ergriffen worden und hätten ihr Verbrechen mit dem Leben einzubüßen.“

Da erschraken Christin und Barmherzig, Matthäus aber sagte: „Mutter, fürchte dich nur nicht, solange Herr Mutherz mit uns geht und unser Führer ist!“

„Herr,“ sprach Christin nun zu dem Pförtner, „ich bin dir zu großem Dank verpflichtet für alle deine Liebe und Güte, die du mir und meinen Kindern in dieser ganzen Zeit erwiesen hast. Ich weiß nicht, wie ich dir deine Freundlichkeit vergelten soll. Ich bitte dich, du wollest aber als Zeichen meiner Achtung gegen dich dieses wenige annehmen.“ Damit drückte sie ihm ein Goldstück in die Hand. Er verneigte sich vor ihr und sagte: „Laß deine Kleider immer weiß sein und laß deinem Haupt Salbe nicht mangeln! (Pred. 8, 8) Barmherzig möge leben und nicht sterben und ihrer Werke seien viele!“ (5. Mos. 33, 6.) Und zu den Knaben sprach er: „Fliehet die Lüste der Jugend, jaget nach der Gottseligkeit (2. Tim. 2, 22) und haltet euch zu denen, die weise und ehrbar wandeln! So werdet ihr euer Mutter Herz mit Freude erfüllen und von allen Verständigen gepriesen werden.“

Sie dankten dem Pförtner und reisten ab.

Fußnoten:

[184] Dem Volk Israel wurde beim Auszug aus Ägypten geboten: Ihr sollt ein Lamm ohne Fehl schlachten gegen Abend und sollt also das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, mit ungesäuertem Brot, und sollt es mit bittern Kräutern essen (2. Mos. 12, 5-8). Siehe das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! (Joh. 1, 29.)

[185] Das sind Gewissensbisse.

[186] Es ist unmöglich, durch Ochsen- und Bocksblut Sünden wegzunehmen (Hebr. 10, 4); das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde (1. Joh. 1, 7).

[187] Ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen (Jer. 30, 17).

[188] Es muß ein jeglicher mit Feuer gesalzen werden (Mark. 9, 49).

[189] So lasset uns nun opfern durch Ihn das Lobopfer Gott allezeit, das ist die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen (Hebr. 13, 15).

[190] Jesus spricht: Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch, welches Ich geben werde für das Leben der Welt (Joh. 6, 51).

[191] Du bist der Geringen Stärke, der Armen Stärke in der Trübsal, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze, wenn die Tyrannen wüten wie ein Ungewitter wider eine Wand (Jes. 25, 4).