[35] Die alten norwegischen Kolonien in Grönland lagen bekanntlich an der Westküste. Eine derselben „Østerbygden“ (Ostkolonie) lag weit südwärts in dem jetzigen Kristianshaab-Distrikt; die andere „Vesterbygden“ lag nördlicher, tiefer in die Bucht hinein bei dem jetzigen Godthaab.
[36] Ich habe nicht ausfindig machen können, auf welche Stelle von Grönlands Ostküste diese Beschreibung am besten paßt, obwohl sie sehr charakteristisch für das Land genannt werden muß.
[37] Es ist undenkbar, daß das Eis den ganzen Sommer die Küste blockirt haben sollte!
[38] An der ganzen Ostküste ist nur eine Nordländer Ruine bekannt; dieselbe liegt bei Narsak im Lindenows-Fjord. Siehe den Bericht weiter unten in diesem Kapitel.
[39] In den Sagen sind verschiedene Berichte über Schiffe enthalten die im Treibeis verunglückt sind.
[40] Eisberge.
[41] Daß die Eisverhältnisse in der Dänemarkstraße im Mittelalter dieselben waren wie jetzt, geht übrigens ganz deutlich aus einer isländischen Sage hervor, in der berichtet wird, wie ein Isländer auf den Berg stieg, um zu sehen, ob sich das Eis vom Lande loslösen wolle. (Nach einer Mittheilung von Professor Storm an mich.) Das Eis reichte also bereits damals schon bis an die Küste von Island.
[42] Es ist nicht ganz sicher, ob dies die erste Expedition ist, welche zur Wiederentdeckung Grönlands ausgesandt wurde. Aus einer Proklamation von König Frederik II. an die Grönländer vom 12. April 1568 ersieht man, daß ein gewisser Kristiern Aalborg in diesem Jahr mit einem Schiff dorthin gehen sollte. Dagegen weiß man freilich nichts weiter von der Expedition. Von demselben König wurde später zu gleichem Zweck ebenfalls mit einem Russen, Paul Nichetz, verhandelt, welcher behauptete, daß er den Weg nach Grönland kenne (wahrscheinlich eine Verwechselung mit Spitzbergen oder Novaja Semlja), zu welchem Resultat aber die Unterhandlungen führten, weiß man nicht.
[43] Vergleiche: Norske Rigs-Registranter, Kristiania 1863, Bd. II. S. 337.
[44] Gedruckt in: Grönlands historiske Mindesmærker (Kopenhagen 1845) Bd. III. Seite 641-647.
[45] Aldays Expedition ist nicht die erste unter den uns bekannten, die nach dem Mittelalter Grönland in Sicht bekommen. Der Engländer Martin Frobisher hatte bereits auf seinen drei Reisen (1576-78) zur Entdeckung der Nordwest-Passage die Südküste in Sicht bekommen. Er hielt sie für das Frisland der Zenier und nannte das Land „Neu-England“.
[46] Mogens Heinessön war um die Zeit Bürger in Bergen; er war aber von norwegischen Eltern auf den Faröern geboren und gilt als zweiter faröerscher Nationalheld, der Erste war Sigmund Bresteson.
[47] Lyschander, Grönlands Chronica, Kjøbenhavn 1608.
[48] Möglicherweise ist hierunter der magnetische Osten zu verstehen, also ungefähr rechtweisend Nord-Ost.
[49] Vor diesen Expeditionen war die Ostküste von Grönland bereits gefunden und von dem Engländer John Davis betreten, der auf seinen drei Reisen 1585-87 das Land fand (er benannte es „Land of desolation“) und die Küste von dem südlichsten Theil bis zum 72° n. Br. bereiste. Er ist folglich der erste Europäer, von dem man weiß, daß er nach dem Mittelalter das Land betreten hat.
[50] Dieselbe ist in Stenstrups Abhandlung: „Ueber Österbygden in den Mittheilungen von Grönland“, Kopenhagen 1889, Bd. 9, Seite 12-14, abgedruckt.
[51] Die einzige Mittheilung, die wir über diese Reise besitzen, ist ein Bericht an Friedrich III., von einem gewissen Christian Lund nach Danells Tagebüchern verfaßt und in den alten Manuskriptsammlungen der königlichen Bibliothek zu Kopenhagen aufbewahrt. Im Jahre 1787 wurde von John Eriksen ein Auszug dieses Berichts in Druck herausgegeben. Siehe übrigens auch: „Grönlands historische Denkmäler“, III., Seite 713-720.
[52] Ich habe nicht ausfindig machen können, woher Kapt. A. Mourier die Nachricht genommen hat, daß Danell „ein Vorgebirge auf dem 67° und eins auf dem 65½° N. Br.“ entdeckt haben soll. (Siehe seinen Artikel über „Ingolfs Reise 1879“ in der „Geographischen Zeitschrift“, Kjöbenhavn Bd. 4, Seite 51, 1880.)
[53] Danell hat in seinen Tagebüchern eine Reihe von Inseln beschrieben, die z. T. 3-4 Meilen vom Lande südlich von Kap Dan liegen sollten, und von denen er der einen den Namen „Hvidsadlen“ und einer andern „Mastlös Skib“ gab. Es geht indessen deutlich aus der Beschreibung hervor, daß diese Inseln nur große Eisberge gewesen sind, deren es dort viele giebt und die Danell unbekannt waren. Ich habe es selber erlebt, daß alte Eismeerschiffer Eisberge und Land verwechselt haben. Von fünf Inseln, in deren Nähe sie sich am 6. Juni befanden, heißt es, „daß sie fast ganz mit Eis überzogen waren, mit Ausnahme einer einzigen, welche ein schwärzliches Aussehen hatte, sehr hoch war und ungefähr eine Meile (?) im Umfang maß“. Alles sehr bezeichnend für Eisberge. Daß der eine Eisberg schwärzlich aussah, läßt darauf schließen, daß er den Schlamm und den Kies und die Steine der Moräne mit sich geführt hat, was durchaus nicht selten vorkommt. Ich traf selber im Jahre 1882 einen solchen Eisberg an Grönlands Ostküste auf dem 66° 50′ N. Br. und hielt ihn anfänglich für eine Insel. (Vergl. meinen Artikel darüber im „Neuen Magazin für Naturwissenschaft“, Kristiania 1883.)
Wenn Graah im Jahre 1829 meinte, zwei oder drei von Danells Inseln wiedergefunden zu haben, so sind dies wahrscheinlich die Gipfel von Kap Dan gewesen, die er am Horizont erblickt hat, wenn es nicht auch Eisberge waren, obwohl es kaum anzunehmen ist, daß ein so erfahrener Mann wie Graah sich so irren sollte.
Ich kann mich Kapt. Holms Auffassung (siehe Mittheilungen über Grönland Bd. 9, S. 201) nicht anschließen, wenn er meint, daß Danells Insel Hvidsadlen der Felsgipfel oder Nunatak auf dem Inlandseise sein soll, den er so benennt. Ich habe selber diesen Nunatak in einer Entfernung von mehreren Meilen vom Treibeise aus gesehen, ich sah aber gleichzeitig das ganze Land mit dem Inlandseise, und es erscheint mir unmöglich, daß er für eine Insel gehalten werden kann, um so mehr, als Danell nur drei Meilen von seiner Insel Hvidsadlen entfernt gewesen sein will. Da der Name indessen auf den Nunatak paßt, den Holm ihm gegeben hat, sehe ich nicht ein, weshalb man ihn entfernen sollte.
[54] Gedruckt in den „Mittheilungen über Grönland“, Bd. 9. Kopenhagen 1889. Seite 28-29.
[55] Diese Versuche waren folgende: 1. Vom 1. bis zum 12. April. 2. Vom 8. bis 18. Mai (man erblickte Land). 3. Vom 8. Juni bis 3. Juli. 4. Vom 20. Juli bis 10. August. 5. Vom 26. bis 31. August. 6. Vom 11. bis 29. September.
[56] Da hier nur der südliche Theil der Ostküste Grönlands für uns von Interesse ist, erwähnen wir nicht weiter der verschiedenen Expeditionen, die den nördlichen Theil besucht haben, wie z. B. Scoresby, Sabine und Clavering im Jahre 1822 und 1823.
[57] Kapitän A. Mourier: Die Expedition des Marine-Schoners „Ingolf“ in der Dänemarksstraße im Jahre 1879. „Geographische Zeitschrift“, Bd. 4. Kopenhagen 1880. Seite 59.
Siehe auch über diese Expedition den Artikel Wandels in den „Mittheilungen über Grönland“, Bd. 6. 1883.
[58] Siehe hierüber: An der Ostküste Grönlands entlang. „Geographische Zeitschrift“, Bd. 7. Kopenhagen 1884. Seite 76-79. Ebenfalls in diesem Buche Seite 1.
[59] Ueber diese Expedition Näheres später in diesem Kapitel.
[60] Einem isländischen Bericht zufolge sollen einige Fischerfahrzeuge im Jahre 1756 an der Ostküste Grönlands nordwestlich von Vestfirdir auf Island geankert haben. Dies scheint jedoch nicht sehr wahrscheinlich zu sein (siehe hierüber „Geographische Zeitschrift“, Kopenhagen, Bd. 7, Seite 117 und 176).
Daß Mehrere von den im Jahre 1777 Verunglückten die Küste erreichten, wird später erwähnt werden.
[61] Diese bestanden wahrscheinlich aus: 9 Hamburgern, 8 Engländern, 7 Holländern, 2 Schweden, 1 Bremenser und 1 Dänen.
[62] Hier kam es übrigens häufiger vor, daß Schiffe im Eise stecken blieben, ohne daß es ihnen so schlimm erging wie den Unglücklichen im Jahre 1777. Als Beispiel unter den vielen Fällen mag erwähnt werden, daß im Jahre 1769 vier Schiffe Anfang Juli ungefähr auf dem 76° N. Br. im Eise stecken geblieben und bis zum 16. und 19. November auf den 69° N. Br. hinabgetrieben sein sollen; alsdann arbeiteten sich zwei aus dem Eise heraus, während über das Schicksal der anderen beiden nichts verlautet.
[63] Hiervon waren wahrscheinlich 6 Holländer und 6 Deutsche (Hamburger). Die Mannschaft bestand größtentheils aus Dänen von den Inseln an der Westküste von Jütland und Schleswig, sowie aus Holsteinern.
[64] Zwei Schiffsbesatzungen retteten sich auf zwei Schiffe, die später glücklich aus dem Eise heraus kamen.
[65] Von einer Abtheilung von 160 Mann, die schon am 30. September auf dem 64° N. Br. ihre Zuflucht zum Eise und zu den Böten nehmen mußten, sollen ungefähr 24 Mann etwa auf dem 63° N. B. den Versuch gemacht haben, die Ostküste Grönlands zu erreichen, man hat aber später nie wieder von ihnen gehört.
[66] Wenn Julius Payer in seiner übrigens sehr unkorrekten Notiz über diese Eisfahrt (Payer: „Die österreichisch-ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 1872-1874 u. s. w.“, Wien 1876, Seite 481) glauben zu machen scheint, daß die geretteten Mannschaften (die er irrthümlich auf 12 schätzt) an der Westküste wie bei ihrer Heimkehr nach Europa schlecht aufgenommen und behandelt wurden, so entbehrt dies jeglicher Begründung und ist übrigens kräftig widerlegt und hoffentlich für immer niedergeschlagen durch Kapitän C. Normann in seinem eingehenden Artikel, der in der „Geographischen Zeitschrift“ Bd. 2, Kopenhagen 1878, Seite 49-63 gedruckt wurde, und in welchem er eine Zusammenstellung und einen Auszug aus den zahlreichen älteren, hiervon handelnden Berichten giebt. Das Meiste des hier Angeführten ist diesem Artikel entnommen.
[67] Also ungefähr auf derselben Stelle, wo die Walfischfänger im Jahre 1777 stecken blieben.
[68] Die Art und Weise, wie dies geschah, glich sehr dem von uns Erlebten (29. Juli). Am 6. Mai hatte man noch keine Ahnung davon, daß man die Eisscholle bald würde verlassen können, und war daher nicht wenig erstaunt, als man am folgenden Tage nach dem Lande zu offenes Wasser erblickte, auch war man seit dem vorhergehenden Tage 8 Minuten oder 2 geographische Meilen nordwärts getrieben. Es scheinen auch damals in dieser Höhe Unregelmäßigkeiten in der Strömung geherrscht zu haben. Wie man sich erinnern wird, trieben auch wir während der letzten Nacht, ehe wir aus dem Eise heraus kamen, nicht wesentlich südwärts.
[69] Es scheint, als wenn die Geschwindigkeit der Strömung eine Strecke nördlich von Kap Dan bedeutend geringer ist als in der Nähe und südlich davon. Es ist auch unter den norwegischen Seehundsfängern, die in der Dänemarkstraße auf Fang ausgehen, ganz allgemein bekannt, daß die Strömung an Gewalt zunimmt, je mehr man sich dem Kap Dan nähert. Mehrere norwegische Seehundsfänger sind auch kürzere oder längere Zeit unterhalb der Küste im Eise stecken geblieben, die Bewegung des Eises ist aber, soweit ich es habe erfahren können, nicht bedeutend gewesen (vergl. auch oben die Fahrt des „Viking“ 1882).
[71] W. A. Graah: Entdeckungsreise an die Ostküste von Grönland 1828-31, Kopenhagen 1832.