H. Der Einfluß der Civilisation. Die Zukunft der Grönländer.

Wenn man die Frage aufwirft, ob wir mit unserer Civilisation dem grönländischen Volke Nutzen gebracht haben, so muß die Antwort leider verneinend lauten. Wir haben den Grönländern nichts gebracht, was ihnen den Kampf ums Dasein erleichtert hat. Seine Waffen haben wir nach keiner Richtung hin verbessern können. Eisen hat er allerdings bekommen, aber theils besaß er es bereits vorher, theils kann er es sehr gut entbehren. Es wird den Anschein haben, als wenn die Einführung der Gewehre ein großer Fortschritt für ihn gewesen sein müsse, aber dies ist durchaus nicht der Fall, im Gegentheil, die Schußwaffen haben einen nicht geringen Schaden angestiftet. Durch die Büchse ist der weit wichtigere Fang mit Harpune und Blase in Verfall gerathen. Der Letztere kann bei jeglichem Wetter vorgenommen werden und ist weit sicherer als der Büchsenfang, wozu man gutes Wetter haben muß, und wobei man ungefähr doppelt so viele Thiere, wie man bekommt, anschießt oder tödtet. Außerdem hat die Schrotbüchse in manchen Gegenden die Fänger veranlaßt, über dem Vogelschießen den Seehundsfang zu vernachlässigen, der doch stets dasjenige ist und bleiben wird, worauf die Lebensfähigkeit der eskimoischen Bevölkerung beruht, denn der Seehund giebt Fleisch und Speck für die Speisen, wie zur Feuerung, er giebt Fell zu der Kajakbekleidung, zu der täglichen Kleidung, den Stiefeln, dem Kajak, dem Frauenboot, dem Zelt, dem Haus etc., — mit anderen Worten, es kann nicht ersetzt werden. Ein anderer Umstand, der in Bezug auf die Schrotbüchse nicht außer acht zu lassen ist, ist der, daß die Grönländer durch dieselbe in stand gesetzt sind, einen so intensiven Fang auf verschiedene Vögel, wie z. B. auf die Eidergans, zu betreiben, daß ihre Zahl jährlich bedeutend verringert wird, was sich bald genug bemerkbar machen muß. Dies wird um so schlimmer sein, als der Vogelfang jetzt zum Theil eine Lebensbedingung für viele Familien geworden ist, so z. B. lebt jetzt die Bevölkerung in der Gegend von Godthaab den größten Theil des Winters fast ausschließlich davon.

In früheren Zeiten fingen die Eskimos Vögel mit einem Wurfpfeil; sie konnten viele damit fangen, doch war die Zahl der erlegten Vögel nicht größer als ihr Zuwachs, und alles, was er verwundete, wurde die Beute des Jägers. Wenn er jetzt aber in eine Schar Eidergänse hineinschießt, so macht er viele lebensunfähig, ohne daß sie ihm zu gute kommen. Wir können uns deswegen nicht damit schmeicheln, daß wir seine Fangmethode verbessert haben.

Dagegen haben wir ihm einen unersetzlichen Schaden mit allen unseren europäischen Produkten zugefügt. Wir haben ihm Gefallen an Kaffee, an Tabak, Brot, europäischen Stoffen und Putz beigebracht, und er hat uns seine unentbehrlichen Seehundsfelle und seinen Speck verkauft, um sich diese augenblicklichen zweifelhaften Genüsse zu ermöglichen. Inzwischen verfielen sein Frauenboot sowie sein Zelt in Ermangelung von Fellen, ja, es geschah sogar, daß der Kajak, die Bedingung für sein Dasein, ohne Bezug am Strande lag, die Lampen im Hause mußten oft im Winter gelöscht werden, weil es an Speck fehlte, da man den Wintervorrath zum Theil schon im Herbst verkauft hatte. Der Grönländer selber hüllte sich während des Winters oft in schlechte europäische Lumpen statt in die guten, warmen Pelzkleider, die er früher getragen, die Armuth griff mehr und mehr um sich, die Sommerreisen mußten zum größten Theil eingestellt werden, da ja Frauenboot und Zelt fort waren, und man mußte das liebe lange Jahr in den engen Häusern leben, wo ansteckende Krankheiten mehr denn je herrschten.

Als schlagendes Beispiel, wie sehr es mit den Grönländern zurückgegangen ist, mag hier angeführt werden, daß sich an einem Wohnplatz in der Nähe von Godthaab vor einigen Jahren noch 11 Frauenböte[91] befanden, — jetzt war nur noch eins dort, und dies gehörte dem Missionar.

An diesem Platze herrschten jedoch ganz eigenartige Verhältnisse, die zu dem Rückschritt beigetragen hatten, wie das Fortziehen mehrerer guter Fänger etc. Allerdings hat es nach der Zählungsliste den Anschein, als wenn die Bevölkerung im Zunehmen begriffen sei, da sich eine schwache Vermehrung der Einwohnerzahl bemerkbar macht; aber dies sind nur übertünchte Gräber. Es ist noch nicht soweit gekommen, daß der Zuwachs im Stillstand begriffen ist, aber Niemand kann darüber im Zweifel sein, daß dies bevorsteht, und dann wird es ebenso sicher bergab gehen, und zwar mit großer Geschwindigkeit. Die Kränklichkeit hat in den letzten Jahren in beunruhigendem Maße zugenommen, besonders sind die Auszehrung und die Tuberkulose der Krebsschaden der grönländischen Bevölkerung. Es giebt kaum ein Volk, in dem eine so verhältnißmäßig große Zahl davon ergriffen ist. Während wir in Godthaab waren, starben 2 Auszehrungspatienten, und 10–12 andere gingen einem sicheren Tode entgegen, — einige von ihnen starben bereits im folgenden Jahre, und dabei zählte die ganze Gemeinde nur etwa 100 Seelen! Die Krankheit war so allgemein, daß es beinahe leichter war, Diejenigen aufzuzählen, welche sie nicht hatten, als Diejenigen, welche damit behaftet waren. Allerdings scheinen die Grönländer eine ganz ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit gegen diese Krankheit zu besitzen, sie können so krank sein, daß sie schon in jungen Jahren starkes Blutspucken haben, und dabei doch ein verhältnißmäßig hohes Alter erreichen. Ich habe Fänger gekannt, die in hohem Grade schwindsüchtig waren, die einen Tag einen Blutsturz hatten, am nächsten aber schon wieder auf den Fang ausgingen.

In der Regel sind sie aber schwächlich und können nur wenig Nutzen schaffen, was natürlich in hohem Grade lähmend auf eine so kleine Gemeinde wirkt. Eine Seuche, die ihre Opfer schnell dahinrafft, wäre natürlich sehr vorzuziehen.

Es kann zwar nicht behauptet werden, daß wir Europäer die Krankheit ins Land geschleppt haben, sie war vor uns da, der europäische Einfluß hat sie aber zur Blüthe gebracht, indem er, wie bereits nachgewiesen wurde, bewirkt hat, daß die Grönländer jetzt zum größten Theil in den kleinen feuchten Häusern leben, wo die Ansteckungskeime selbstverständlich den vorzüglichsten Boden finden. Außerdem ist die magere europäische Kost nicht gesund für diese Leute, die gewohnt sind, von Fleisch und Speck zu leben. Der beste Beweis hierfür ist der Umstand, daß die Krankheit vorzugsweise in der Nähe der Kolonien vorkommt, wo die von der Handelscompagnie Angestellten zum großen Theil von europäischen Waren leben. Als andere mitwirkende Ursache könnte möglicherweise auch erwähnt werden, daß sie jetzt häufig im Winter Mangel an Speck leiden und in kalten Häusern und in schlechter Bekleidung sitzen müssen.

Ein stetig fortschreitender Rückgang von ehemaligem Wohlstand und Gedeihen zu theilweise hoffnungsloser Armuth und Schwäche, — das ist die Ausbeute, auf welche die Grönländer zurückblicken können!

Haben wir ihnen aber dafür nicht das Christenthum und die Aufklärung gebracht?

Ja, freilich, es kann nicht geleugnet werden, daß Egede einzig und allein nach Grönland ging, um den Heiden das Licht des Evangeliums zu bringen, und aus demselben Grunde haben die Europäer seine Wirksamkeit fortgesetzt. In der Beziehung ist ein schönes Resultat erreicht worden: alle Bewohner der Westküste Grönlands sind jetzt Christen, jedenfalls dem Namen nach, und die Aufklärung geht so weit, daß die meisten jetzt lesen und schreiben können.

Es liegt indessen klar auf der Hand, daß man einem Eskimo unmöglich höhere geistige Interessen beibringen und gleichzeitig verlangen kann, daß er ein ebenso guter Fänger ist wie zu jenen Zeiten, als ihn nur ein einziges Interesse beseelte, nämlich das, sich zu einem tüchtigen Kajakruderer und Seehundsfänger auszubilden. Er lebt sozusagen am Rande des Daseins, eine Anspannung aller seiner Kräfte ist erforderlich, wenn er den Kampf mit der harten Natur erfolgreich aufnehmen soll, — ein wenig mehr Ballast, und er wird sinken.

Da drängt sich uns die Frage auf: kann diese geistige Gelehrsamkeit den Rückgang ersetzen, den die Berührung mit der Civilisation nothwendigerweise im Gefolge hat? Was ist vorzuziehen, — ein getaufter Eskimo, der lesen und schreiben kann, der alle möglichen geistigen Interessen hat, der aber nicht im stande ist, seine Familie zu ernähren, dessen Gesundheit untergraben ist, und der tiefer und tiefer in das Elend versinkt, — oder ein Heide, der freilich, wie ein Missionar sagen würde, „in geistiger Finsterniß“ lebt, der aber eine kräftige Gesundheit hat, sich gut steht, seine Familie ernährt und immer zufrieden ist? Von dem Standpunkt der Eskimos betrachtet, kann man wohl kaum über die Antwort im Zweifel sein.

Und doch sind die Grönländer nachsichtiger behandelt worden als jegliches andere uncivilisirte Volk, das unseren Civilisationsversuchen ausgesetzt war. Man kann der dänischen Regierung für ihr Auftreten nur die höchste Anerkennung zollen.

Das wirkliche Wohl der Grönländer ist ihr wesentlicher Beweggrund gewesen. Es giebt kein zweites Beispiel, daß sich ein Jagdvolk, welches mit der Civilisation in Berührung kam, so gut und so lange gehalten hat, wie das hier der Fall gewesen, und die Behandlung der Grönländer kann in dieser Beziehung anderen Staaten als leuchtendes Beispiel dienen.

Trotzdem ist das Resultat, wie wir gesehen haben, ein sinkendes Volk. Dies ist wahrlich eine ernste Mahnung, nicht von dem Gedanken auszugehen, daß jegliche Missionswirksamkeit nützlich ist; freilich kann dadurch einzelnen Heiden das Licht des Christenthums gebracht werden, den meisten Völkern aber wird nur ein Rückschritt durch die plötzliche Berührung mit der Civilisation oder vielmehr deren Produkten verursacht, denn die civilisirten Völker theilen den uncivilisirten stets zuerst ihre Laster, nicht aber ihre Tugenden mit.

Stellt man dann zum Schluß die Frage, ob denn keine Rettung für die grönländische Bevölkerung möglich ist, so muß man einräumen, daß das einzige Mittel in dem Rückzuge der Europäer bestehen würde, — man müßte dem Grönländer das Land völlig wieder überlassen, dann würde er, von europäischen Produkten nicht in Versuchung geführt, möglicherweise im stande sein, sich wieder zu erheben. Aber eine solche Möglichkeit ist kaum denkbar; es würden andere civilisirte Völker kommen, und der schädliche Einfluß würde in gleichem Maße fortgesetzt werden. Außerdem droht dem Grönländer noch eine andere Gefahr, — nämlich das beunruhigende Abnehmen der Seehunde. Dies beruht nicht so sehr auf dem Fang, den er selber betreibt, da dieser so verschwindend ist im Verhältniß zu demjenigen, den die europäischen und amerikanischen Seehundsfänger betreiben, besonders auf dem Treibeis bei New-Foundland, wo die neugeborenen Jungen jährlich zu Hunderttausenden geschlachtet werden.

Es ist also abermals die weiße Rasse, die ihm Schaden zufügt. Aber selbst wenn er es wüßte, würde es nicht in seiner Macht liegen, diesem Vorgehen eine Grenze zu setzen.

So ist denn dies Volk ganz sicher und unwiderruflich dem Untergang geweiht, es wird in einer näheren oder ferneren Zukunft unterliegen und zu einem Schatten von dem, was es früher gewesen, hinschwinden. Und doch ist der Grönländer zufrieden und glücklich, vielleicht glücklicher als die Meisten von uns, er haßt uns nicht, sondern ist fröhlich und freundlich, wenn wir zu ihm kommen. Die europäischen Nationen könnten viel von den Eskimos lernen!

[43] Diese Aehnlichkeit ließe sich ja übrigens auch dahin erklären, daß es eine sehr alte Rasse ist, bei der alles zu bestimmten Formen erstarrt ist, und die sich jetzt allmählich verändern; hierauf scheint ja auch ihre nach jeder Richtung hin abgesonderte Stellung wie ihre vollkommenen Geräthschaften zu deuten. Andere Verhältnisse scheinen jedoch theilweise gegen eine solche Annahme zu sprechen.

[44] Diesen Grund giebt Dr. Rink in seiner Abhandlung: „The Eskimo Tribes“ an. Mittheilungen über Grönland, Bd. XI., Kopenhagen 1887, S. 32.

[45] Dr. Rink „Eskimoische Märchen und Sagen“, Supplement, Kopenhagen 1871, S. 217.

[46] Die Inlandseskimos in Alaska betreiben noch heutzutage Fischfang auf den Flüssen in Kanoes aus Birkenrinde.

[47] Das Beziehen der Böte mit Fellen scheint an mehreren Stellen der Erde, ganz unabhängig voneinander, erfunden zu sein. Coracle oder Korbböte (aus Korbgeflecht angefertigt und mit Fellen bezogen) wurden von den alten Briten und Gelen benutzt, um über große Ströme und Buchten zu setzen. Aehnliche Böte sollen noch jetzt bei der ländlichen Bevölkerung Großbritanniens und Irlands benutzt und mit Fellen oder mit Wachstuch überzogen werden. Jedenfalls weiß ich, daß die Fischer an der Westküste von Irland ganz allgemein Fellböte benutzen, die große Aehnlichkeit mit den grönländischen Frauenböten haben. Ferner sollen ähnliche Fellböte seit undenklichen Zeiten in Indien in Gebrauch sein. In Afrika, Amerika, Australien und Polynesien hat man sie bei halbwilden Volksstämmen gefunden unter Verhältnissen und mit Abweichungen, welche die Annahme berechtigt erscheinen lassen, daß sie an Ort und Stelle erfunden und nicht von anderen Völkern eingeführt sind. Die Ree-Indianer benutzen ebenfalls solche Böte.

[48] Die Türken haben ein Wort „Kajek“ für eine gewisse Bootsart. Dasselbe Wort kommt auch in der serbischen, der bulgarischen wie in den meisten slavischen Sprachen vor — theilweise unter der Form Kajuk — bis nach Sibirien hinein; ferner findet man es im Griechischen, Rumänischen, Kurdischen etc. Ich habe es indessen nicht durch Asien verfolgen können. Wahrscheinlich ist es ein türkisches Wort und stammt in diesem Falle mehr aus Osten. Die Kamtschadalen benutzen auf den Flüssen Böte, die sie Koiakh-taktim nennen. Dies ist möglicherweise dasselbe Wort, indem taktim eine auffallende Aehnlichkeit mit taktou hat, dem Namen für eine Bootsart, die auf dem Meere gebraucht wird. (Siehe Kracherinnikow, Hist. et deser. de Kamtschatka, Amsterdam 1770. Bd. I.) Der erste Theil von Koiakh erinnert stark an das Kajek der Türken und das Kajak der Eskimos, es bedarf indessen eines umfangreicheren Materials, um zu entscheiden, ob ein Zusammenhang zwischen diesen Wörtern stattfindet. Die Entfernung zwischen dem Ort, von dem die Türken gekommen sind, und der Heimath der Kamtschadalen ist jedoch möglicherweise nicht so sehr groß.

[49] Die Nordwestindianer und Tschuktschernen benutzen übrigens auch Harpunen und die große Blase zum Fang der großen Seethiere, indem sie diese Waffen von größeren offenen Kanoes oder Fellböten aus werfen. Es hat jedoch den Anschein, als wenn sie die Benutzung von den Eskimos gelernt hätten.

[50] Siehe u. A. Cook and King, „A voyage to the Pacific Ocean etc. third edition“, London 1785, vol. II., S. 513. Siehe ebenfalls spätere Schriftsteller wie Eliot u. A.

[51] Merkwürdig ist es, daß die Bewohner der Insel St. Lawrence die Kajaks gar nicht zu kennen scheinen. Sie haben nur große, offene Fellböte vom selben Bau wie die Tschuktschernen. Vergl. Nordenskjölds Vegareise um Asien und Europa (Kristiania), Zweiter Theil, Seite 249.

[52] F. v. Lütke Ermans Archiv, Bd. III., Seite 446–464, 1843.

[53] Ueber die verschiedenen Formen des Wurfbrettes bei den Eskimos siehe Masons Abhandlung darüber: Annual Report etc. of Smithsonian Institution von 1884, Part II., Seite 279.

[54] Dort oben haben sie den ganzen Winter viele Seehunde auf dem Eise fangen können und dies ist eine Fangart, die sie höher im Norden erlernt haben müssen, und die dort ihre Hauptfangart gebildet hat.

[55] Gustav Storm, Studien über die Vinlandsreisen u. s. w. Jahrbücher für Nordische Alterthumskunde und Geschichte 1887, Kopenhagen 1888, Seite 56.

[56] Ueber das Zusammentreffen mit den alten Norwegern besitzen auch die Eskimos selber mehrere Sagen. Siehe Rinks eskimoische Sagen und Märchen.

[57] Man hat gewöhnlich aus der Flóamannasage den Schluß ziehen wollen, daß der früher bereits erwähnte Thorgils Orrabeinsfostre bereits um das Jahr 1000 die Eskimos an der südlichen Ostküste Grönlands getroffen haben soll, indem die dort erwähnten „Zauberinnen“ solche gewesen sein müssen. Schon Professor Storm hat darauf aufmerksam gemacht (Studien über die Vinlandsreisen, Sonderdruck, Seite 56), daß der abenteuerliche Charakter dieser Sage uns nicht gestattet, einen Schluß nach dieser Richtung hin zu ziehen. Man darf auch nicht vergessen, daß die Handschrift des ersteren aus dem Jahre 1400 stammt, also lange nach der Zeit, in welcher die Norweger mit den Eskimos an der Westküste zusammentrafen. Selbst wenn mit der Zauberin wirklich Eskimos gemeint sind, was höchst zweifelhaft ist, so kann dies eine spätere Hinzufügung sein.

[58] Holm, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 58.

[59] Die ursprünglichen Frauenpelze pflegten nach unten zu in eine Schnippe auf dem Magen und eine auf dem Rücken zu enden, die einem Schwanze glich. Etwas Aehnliches scheint auch bei den Kamtschadalen oder Itelmernen gebräuchlich gewesen zu sein; Steller erwähnt, daß die Kuklanka der Frauen mit einem Schwanz versehen sei. Er erzählt auch, daß die Itelmerner Winter- und Reiseschuhe haben mit Sohlen aus Seehundsfell und das übrige aus Rennthierfüßen. Diese heißen Kamas, was ihm einen Anklang an das grönländische „Kamikker“ zu haben scheint.

[60] Zuweilen benutzt man auch das Fell des blauen Seehundes (phoca barbata) oder das des Ringseehundes phoca foetida. Das Erstere ist das stärkste von allen Seehundsfellen, aber diese Seehundsart findet sich auf der Westküste nur sehr selten; an der Ostküste dagegen ist sie die gewöhnlichste von allen, weswegen das Fell sehr häufig für die Kajaks verwendet wird.

[61] Dieselbe pflegt aus dem ganzen Fell eines jungen Ringseehundes (Phoca hispidia) gemacht zu sein, das enthaart, aufgepustet und dann getrocknet wird. Der Fangriemen besteht aus dem Fell der Bartrobbe, Phoca barbata (Ugsuk), das in dünne Streifen geschnitten wird. Für noch besser sieht man die Haut des jungen Walrosses an.

[62] Eine Ausnahme hiervon bildet eine besondere Art Harpune (Siga gut), die bei Kangamiut und nördlich davon zur Walroßjagd benutzt wird. Sie ist ziemlich groß, hat zwei Handgriffe, einen für den Daumen an der einen Seite und einen für die anderen Finger an der anderen Seite, sie wird mit der Hand ohne Wurfbrett geworfen.

[63] Man hält das Ruder, indem man damit nach der Seite ausholt, in einer etwas schrägen Lage, so daß das Ruderblatt durch die Bewegung das Wasser unter sich wegdrückt und dadurch selber eine aufwärtsstrebende Bewegung erhält.

[64] Wo das Wasser im Winter an Grönlands Westküste offen ist, staut sich doch stets Eis am Strande auf, und bei Ebbe kann dies ungefähr eine 10 Fuß hohe, lothrechte, glatte Eiswand bilden.

[65] Diese und viele ähnliche Berichte sind von den Grönländern selbst in ihrer eigenen Sprache geschrieben und in dem grönländischen früher erwähnten „Atuagagdliutit“ in Godthaab veröffentlicht. Die hier mitgetheilten Züge sind später von Dr. Rink in seinem Buch: „Ueber die Grönländer, ihre Zukunft u. s. w., Kopenhagen 1882“ veröffentlicht.

[66] In einer ganzen Anzahl von Häusern, namentlich in der Nähe der Kolonien, findet man jetzt jedoch häufig Oefen, die von der grönländischen Handelscompagnie gekauft sind und die mit Torf und Mövenhaufen (Guano) geheizt werden. Gleichzeitig brennen freilich auch stets Thranlampen.

[67] Der Inhalt dieser Rennthiermägen ist, wie bereits früher in diesem Buche erwähnt wurde, eine große Delikatesse für die Grönländer.

[68] Es kann uns nicht wundern, daß die Eskimos, besonders im Anfang, eine sehr schlechte Meinung von den Europäern erhielten, denn viele von den Leuten, die ausgesandt wurden, waren zum Theil Verbrecher, die durch ihr Benehmen den guten Grönländern ein Aergerniß gaben. Dies war u. a. der Fall mit den Männern und Frauen, die im Jahre 1728 mit Major Paars ausgesandt wurden. Die Heiden fragten oft, woher es käme, daß die Europäerinnen so frech wären und jeglichen weiblichen Anstandes ermangelten. Ob das Benehmen der Europäer nach jener Zeit stets danach angethan gewesen ist, ihnen eine bessere Ansicht beizubringen, ist wohl sehr zweifelhaft.

[69] Dalagers „Grönlands Relationer“ 1752, Kopenhagen, S. 15–16.

[70] Für die nördlicher wohnenden Grönländer kommen noch Hunde und Hundeschlitten dazu.

[71] Wenn Mehrere zusammen auf Jagd gegangen sind, so giebt es auch da bestimmte Regeln. Schießen zwei oder mehrere Personen auf ein Rennthier, so gehört es Demjenigen, der es zuerst getroffen, selbst wenn er es nur ganz leicht verwundet hat. Ueber die bei der Seehundsjagd geltenden Regeln sagt Dalager: „Trifft ein Grönländer mit seinen leichten Pfeilen einen Seehund oder ein anderes Seethier, so daß es nicht stirbt, sondern mit dem Pfeil davonläuft, so gehört es, falls auch ein Anderer kommt und es mit seinem Pfeil trifft, doch dem Ersten, hat er aber die gewöhnliche Harpune benutzt und ist die Leine zerrissen, und kommt dann ein Anderer, der trifft, so hat der Erste sein Recht verloren, — schießen sie dagegen gleichzeitig und treffen Beide, so wird das Thier der Länge nach mit Haut und Haar getheilt. Treffen Beide gleichzeitig einen Vogel, so theilen sie ihn der Quere nach. Wird ein todter Seehund mit einer Harpune im Leibe gefunden, so erhält der Besitzer, falls er bekannt und in der Nähe ansässig ist, seine Harpune wieder, der Finder aber behält den Seehund.“ Ganz ähnliche Regeln scheinen auch an der Ostküste zu herrschen.

[72] Holm erzählt nämlich von der einen, daß sie die Tochter eines Zwerges bei Imarsivik gewesen, und dieser wird gewiß mit dem kleinen buckeligen Manne identisch sein, den wir dort trafen. Daß wir auch seine Tochter gesehen haben, falls sie zu Hause war, ist sehr wahrscheinlich.

[73] Es kam auch wohl vor, daß man Andre bat, dies für sich zu besorgen, doch mußte es stets in Form eines Ueberfalles oder Raubes geschehen.

[74] Graahs Entdeckungsreise an die Ostküste von Grönland, Kopenhagen 1832, S. 145–148.

[75] Siehe Holm, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 96.

[76] Siehe Holm, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 103.

[77] Siehe ebendaselbst S. 94.

[78] Dalager erwähnt, daß zu seinen Lebzeiten an der Westküste kaum der zwanzigste Theil der Grönländer zwei Frauen hatte, sehr selten hatten sie drei und ganz ausnahmsweise vier, doch hat er einen Mann gekannt, der deren elf hatte. Grönl. Rel. S. 9.

[79] Dalager, Grönl. Relat. S. 9.

[80] Die Bewohner des Grädefjords gehören der Herrnhuter Gemeinde an.

[81] Dies ist eine Art von Thing oder Versammlung, die im wesentlichen aus Abgesandten der verschiedenen Wohnorte des Distrikts besteht. Die Europäer der Kolonien nehmen auch theil daran, und Einer von ihnen pflegt den Vorsitz zu führen. Die grönländischen Abgesandten heißen Partisok.

[82] Holm, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 96.

[83] Holm, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 102.

[84] Wie bereits erwähnt wurde, wird ein grünes Haarband von solchen Frauen getragen, die in unverehelichtem Stande Kinder geboren haben.

[85] Ein weiterer Grund hierzu ist auch die natürliche Wahl der Geschlechter, indem die Abkommen solcher Mischlinge gewöhnlich schöner sind als die reinen Eskimos und deswegen bei Eheschließungen häufig vorgezogen werden.

[86] Siehe Holm, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 100.

[87] Graah, Entdeckungsreise, S. 141.

[88] Siehe Holm, Mittheilungen über Grönland, Bd. 10, S. 91.

[89] H. Rink, Eskimoische Sagen und Märchen. Ueber ostgrönländische Sagen, siehe ebenfalls Holm, Mitth. über Grönland, Bd. 10.

[90] Frau Rink ist H. Rinks Gattin. Sie ist in Grönland geboren und hat fast ihr ganzes Leben dort verbracht. Wir besitzen von ihrer Hand mehrere in Novellenform abgefaßte Schilderungen über das Leben der Grönländer.

[91] Hat ein Mann ein Frauenboot, so wird das als Zeichen des Reichthums angesehen, denn er muß viele Seehunde fangen, um genügend Felle dafür zu erhalten, und indem es ihn in den Stand setzt, im Sommer verschiedene Fangstellen zu besuchen, trägt es in nicht geringem Grad dazu bei, den Wohlstand und das Wohlsein seiner Familie und Genossen zu vermehren.