Auf der Eiswanderung, die ihren Anfang am 4. Juli ungefähr an derselben Stelle nahm, wie die Wanderung i. J. 1870, wurde Nordenskjöld von 9 Mann begleitet, unter denen sich zwei mit Schneeschuhen versehene Lappen befanden, außerdem halfen ihm die meisten Offiziere der „Sofia“, sowie die Besatzung und zahlreiche Eskimos während der beiden ersten Tage bei dem Transport der Ausrüstung über das erste, unebene Eis. Unter den Begleitern befand sich auch der Direktor der kgl. grönländischen Handelsgesellschaft, Herr Hörring.
Im Laufe von 18 Tagen (bis zum 21. Juli) gelangte Nordenskjöld selber etwas über 117 km auf das Inlandseis hinauf und erreichte eine Höhe von 1510 m über dem Meeresspiegel. Hier wurde er aber von dem nassen Schnee, in den Schlitten und Menschen versanken, am Vordringen gehindert. Ehe man zurückkehrte, wurden indessen die beiden Lappen auf Schneeschuhen weiter ins Innere entsandt. Obwohl man nichts als Schnee und Eis gefunden hatte und obwohl man sich mitten auf einer unendlichen, meeresähnlichen Schneefläche befand, gab Nordenskjöld dennoch den Glauben an die Richtigkeit seiner Theorie nicht auf, sondern ertheilte den Lappen folgende schriftlichen Befehle:
„Falls man Land erreichen sollte, nehme man in aller Eile an Blumen und Gras mit, was zu finden ist, und zwar einen oder mehrere Stengel von jeder Blume und jedem Grashalm.
Auf dem Inlandseis am 21. Juli 1883.“
Nach 57 Stunden (24. Juli) kehrten die Lappen zurück und berichteten, daß sie 230 km weiter landeinwärts gekommen seien und eine Höhe von 1947 m über dem Meeresspiegel erreicht hätten; so weit sie aber hätten sehen können, sei nichts anderes zu erblicken gewesen als ein einziges flaches, unendliches Schneefeld. Selbst wenn man von der Schwierigkeit, um nicht zu sagen Unmöglichkeit, absieht, eine so lange Strecke in so kurzer Zeit auf einer Schneeschuhbahn zurückzulegen, wie man sie im Innern Grönlands findet, so muß man doch, wie wir später eingehender erklären werden, annehmen, daß die Lappen die von ihnen zurückgelegte Strecke zu hoch angeschlagen haben.
Am folgenden Tage (den 25. Juli) trat man die Rückkehr an, und am 31. August erreichte man, nachdem man 31 Tage auf dem Inlandseis zugebracht hatte, abermals den Zeltplatz bei „Sofiashavn“ in dem nördlichen Arm des Aulatsivikfjordes. Die Eskimos, die hier mit Proviant, Reservekleidern, einem Boot etc. warteten, waren sehr erfreut, als sie die Eiswanderer erblickten, die sie schon verloren geglaubt; sie hatten, wie sie behaupteten, mehrere Paar Kanicker (Stiefel) verschlissen bei dem Erklimmen der Berge, um nach ihnen auszusehen.
Das Eis, das man auf dieser bedeutungsvollen Reise traf, war nach verschiedener Richtung hin von Interesse. Es war freilich, besonders nach dem Rande zu, sehr uneben und theils arg zerklüftet, aber es war doch im ganzen ebener als das Eis, das man von früheren Wanderungen her kannte. Ferner stieß man ganz im Innern auf eine einzige ausgestreckte und völlig ebene Schneefläche, auf der kein Eis und keine Spalten zu entdecken waren, die aber, soweit das Auge reichte, mit Schnee bedeckt war. Diese Expedition war, ganz abgesehen von der Schneeschuhreise der Lappen, weiter vorgedrungen als alle ihre Vorgänger und hatte zum erstenmal diese Schneefläche erreicht, die, wie wir jetzt wissen, das ganze Innere Grönlands bedeckt. Es war auch, wie schon erwähnt ist, die Nachricht von der Entdeckung dieser Schneefläche, welche dem Verfasser den Anstoß zu dem Plan der Expedition gab, von der dies Buch handelt.
Es könnte scheinen, als wenn Nordenskjöld selber durch diese Expedition seine Theorie von einem eisfreien Innern sehr in Zweifel gezogen hätte. Dies meinte er auch während der ersten Zeit nach seiner Rückkehr, später begann er indessen abermals „zu zweifeln und es für mindestens möglich zu halten, daß man sich im Jahre 1883 nur auf einem breiten Eisgürtel befunden habe, der sich an dem 69° und 70° Nördl. Br. quer durch das Land erstreckt“,[30] während sich nördlich und südlich davon eisfreie Oasen befinden können.
Einen möglichen Beweis hierfür meint er in zwei Raben zu erblicken, welche die Lappen während ihres Schneeschuhlaufens sahen und die von Norden hergeflogen kamen und, nachdem sie die Schneeschuhspur erreicht hatten, dorthin zurückkehrten. Da sich diese Vögel um diese Zeit des Jahres selten weit von ihren Heckplätzen an der Küste entfernen, so meint er, dies spreche sehr für die Annahme, daß sie im Norden einen eisfreien Aufenthalt gehabt haben. Dieser Aufenthalt befinde sich möglicherweise an einem Sund, der sich Nordenskjölds Ansicht nach, wahrscheinlich vom Jakobshavner Eisfjord aus quer durch Grönland erstreckt und etwa bis an den Scoresby-Fjord an der Ostküste geht, und der „während der letzten Jahrhunderte durch Eismassen gesperrt wurde, die von den Gletschern an den Küsten des Sundes stammen“. Den Glauben an diesen Sund[31] hat Nordenskjöld von Hans Egede und Paul Egede überkommen, welche berichten, daß es bei den Eskimos eine Sage hierüber giebt.
Der Glaube an einen Sund, der Grönland durchschneidet, oder gar daran, daß das ganze Land aus einer Anzahl von Inseln besteht, die theils mit Eis überdeckt sind, hat seit der Zeit, als er zuerst im 16. Jahrhundert auftauchte, wieder und wieder Anhänger gefunden. Ursprünglich suchte man nach der sogenannten „Forbister-Straße“ oder dem „Beare-Sund“ im südlichen Grönland, und diese sind auf allen Karten jener Zeit angegeben. Die Veranlassung hierzu war, daß Forbister eine Reihe von Entdeckungen zwischen den Inseln in dem nordamerikanischen Archipelagus auf der linken Seite der Davis-Straße gemacht hatte, ohne zu wissen, wo er sich befand. Später glaubten Andere, er müsse in Grönland gewesen sein, weswegen sie die von ihm beschriebenen Sunde und Inseln dorthin verlegten. Daß Forbister nicht Grönland, sondern die Länder auf der andern Seite der Straße besucht hatte, wurde freilich bald aufgeklärt, was jedoch nicht verhinderte, daß sich der Glaube an die Südgrönland der Quere nach durchschneidende Forbister-Straße lange nach jener Zeit erhielt; wir finden ihn sogar in Granz’ „Geschichte von Grönland“ aus dem Jahre 1765, in welcher sowohl von einem Sund quer durch Südgrönland als auch von dem Sunde berichtet wird, der altgrönländischen Sagen zufolge Mittelgrönland durchschneiden soll. Hans Egede glaubte nicht, daß es einen Sund quer durch Südgrönland gäbe, da er selber einen solchen nicht hatte finden können, deswegen verzeichnete er auch keinen solchen auf seiner Karte in „der neuen Perlustration des alten Grönland etc.“, die im Jahre 1741 in Kopenhagen erschien. Dagegen glaubten sowohl er als auch sein Sohn Paul, wie wir bereits gesehen haben, an den Sund, der sich den Sagen der Grönländer zufolge vom Jakobshavner Eisfjord bis an die Ostküste erstreckt haben soll, und diesen verzeichnete er dann auf seiner Karte, ebenso wie er auf Paul Egedes Karte in den „Nachrichten über Grönland aus dem Jahre 1878“ zu finden ist. Ein Facsimile des Letzteren wird von Nordenskjöld in „die zweite Dicksonsche Expedition“ Seite 234 wiedergegeben.
Ich will mich hier nicht weiter darauf einlassen, zu erwägen, ob es möglich ist, daß ein so langer und schmaler Sund, dessen Seitenstück es wohl kaum giebt, überhaupt existiren kann; es will mir scheinen, als ob Grönlands ganze Form wie der geographische Bau dieses Landes dies äußerst unwahrscheinlich machen.
Die letzte Expedition auf dem Inlandseise Grönlands vor 1888 wurde im Jahre 1886 von Robert E. Peary, Civilingenieur in der Marine der Vereinigten Staaten, und dem Dänen Chr. Maigaard, Assistent in der königl. dänischen Handelsgesellschaft, unternommen.
Peary selber nennt die Expedition eine vorläufige Rekognoscirungstour.[32] Es war ursprünglich seine Absicht, sie mit Hunden und Schlitten zu unternehmen, aber im letzten Augenblick ließen ihn die dazu gemietheten Grönländer im Stich und zogen mit Hunden und Schlitten fort. So sahen sich denn Peary und Maigaard gezwungen, die Wanderung zu Fuß und allein zu unternehmen; freilich halfen ihnen ein Grönländer und eine Grönländerin während der ersten Tage, doch waren sie Beide nicht zu bewegen, sich weiter als eine kleine Strecke auf das Inlandseis hinauf zu wagen.
Zum Ausgangspunkt wählte man das Innere des Pakitsok-Fjordes (auch Ilardleck-Fjord genannt) auf dem 69½° Nördl. Br., also denselben Fjord, von dem aus Whymper seinen Versuch gemacht hatte, und von wo aus unser Landsmann Amund Helland aufs Eis gegangen war.
Das Aufsteigen auf das Eis begann am 28. Juni. Der Proviant, der auf 30 Tage berechnet war, und die übrige Ausrüstung wurden auf zwei amerikanischen, 11 Kilogramm wiegenden, Schlitten von Hickori gezogen. Man hatte Skier und kanadische Schneeschuhe mitgenommen, und diese scheinen fleißig benutzt worden zu sein. Statt eines Zeltes hatte man nur ein Persenning, womit man sich, im Schutz der Schlitten liegend, bedeckte. Als sie eine Strecke vorgedrungen waren (7. Juli), machten sie sich jeden Tag (sie schliefen bei Tage und gingen während der Nacht) Schneehütten, bis sie so weit landeinwärts gedrungen und so hoch hinaufgelangt waren (12. Juli), daß sich der Schnee nicht mehr dazu eignete. Am Abend des 2. Juli, als sie wegen heftigen Sturmes und Schneetreibens zwei Tage hatten still liegen müssen, beschloß man nach dem Zelt am Fjord zurückzukehren, um eine Aenderung des Wetters abzuwarten, während man die Schlitten und die Ausrüstung zurückließ.
Am 6. Juli kehrten sie wieder zu den Schlitten zurück und setzten ihren Weg landeinwärts vorwärts, nachdem sie ein Proviantdepot für 8 Tage zurückgelassen hatten. Als sie am nächsten Morgen über einen kleinen, mit dünnem Eis bedeckten See gingen, brach Maigaards Schlitten ein, doch gelang es ihm, ihn wieder herauszuziehen, „aber er war,“ sagt Maigaard[33] „infolge des vielen Wassers, das meine Bagage aufgenommen hatte, mindestens 100 Pfund schwerer geworden, als er vorher war,“ so daß er ihn nur mit großer Anstrengung ziehen konnte.
Die Temperatur war während des größten Theils der Reise unter Null und infolgedessen günstig für die Schneeschuhe, in der Nacht zwischen dem 12. und 13. Juli hatte man sogar −14° C. Am 9. Juli machte sich ein unangenehmer Umschlag im Wetter bemerkbar, indem ein südöstlicher Wind die Temperatur von −6° C. auf +8° C. brachte und den Schnee ganz weich machte. Es scheint dadrinnen auf dem Inlandseise ein förmlicher Föhn geweht zu haben.
Am 11. Juli legte man in einer Höhe von 5000 Fuß ein neues Proviantdepot und andere Ausrüstungsgegenstände nieder.
Am Morgen des 17. Juli erreichte man eine Höhe von ca. 7500 engl. Fuß in einer Entfernung vom Eisrande, die Peary nach einer Längenobservation auf etwa 100 engl. Meilen angiebt.
Hier wurden sie bis zum 19. Juli durch Sturm und Schneetreiben zurückgehalten, dann klärte sich das Wetter auf, so daß sie eine Mittagsobservation machen und sich am Abend gegen 6 Uhr auf den Heimweg begeben konnten. Da sie jetzt den Wind im Rücken hatten, banden sie die beiden Schlitten zu einem „Segler“ zusammen und verwandten einige Alpenstöcke als Masten, ein Persenning als Segel und einen Schneeschuh mit daran befestigter Axt als Steuer.
Mit diesem Fahrzeug segelte man nach Maigaard sechs geographische Meilen während der ersten, sieben geographische Meilen während der zweiten und zwölf geographische Meilen während der dritten Nacht, dann mußte man die Schlitten wegen der Beschaffenheit des Eises wieder ziehen.
Am Morgen des 24. Juli erreichte man den Zeltplatz am Fjord, nachdem man im ganzen 23 Tage und Nächte auf dem Eise zugebracht hatte.
Das Eis, über das diese Expedition gegangen, war mit Ausnahme des allerersten Theiles durchschnittlich sehr eben, ja sogar ebener als Nordenskjöld es im Jahre 1883 angetroffen hatte. Auch hatte es nicht viele Spalten und unterscheidet sich von dem letztgenannten dadurch, daß es während des größten Theiles des Weges mit trockenem Schnee bedeckt war, in den Peary, als er sich am weitesten landeinwärts befand, seinen Stab sechs Fuß hinabstoßen konnte. Dies hat auch in hohem Grade die Reise erleichtert.
Leider beruhen Pearys Längenangaben scheinbar nur auf einigen Höhenobservationen, die mit einem leichten Reise-Theodolit an einem einzigen Tage, den 19. Juli, gegen Mittag unternommen wurden. Die Ausdrücke, deren er sich bedient, sind nicht ganz deutlich, er erwähnt nur „circummeridiane Höhen“ („circummeridian sights“), und desselben Ausdruckes bedient sich auch Maigaard in seinem Bericht. Diese sog. „einzelnen Mittagshöhen“ sind bekanntlich ziemlich unsicher zu Längenbestimmungen. Als Chronometer benutzte man eine Taschenuhr (der mitgebrachte Chronometer war stehen geblieben), die, wie Peary behauptete, sehr zuverlässig sein sollte; es geht jedoch, soweit ich es beurtheilen kann, keineswegs aus seinem Bericht hervor, daß man Observationen machte, um den Gang später an der Küste zu kontrolliren. Die angeführte Entfernung von 100 engl. Meilen (160 Kilometer) vom Eisrande kann folglich nicht als ganz genau betrachtet werden. Was möglicherweise auch für diese Vermuthung sprechen könnte, ist der Umstand, daß die hierzu erforderlichen Tagesmärsche, die von Maigaard auf 3–4 geogr. Meilen angegeben werden, mir ziemlich groß zu sein scheinen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß es schwer genug sein kann, eine solche Strecke am Tage mit einem schwerbeladenen Schlitten, bei einer wenn auch nur geringen Steigung zurückzulegen.[34]
Wie es sich nun auch hiermit verhalten mag, so ist diese Expedition immerhin eine der beachtenswerthesten, die auf das Inlandseis unternommen worden ist, und man muß die beiden Reisenden bewundern, daß sie soviel ganz allein und mit so geringen Mitteln erreichten.
Noch im selben Sommer besuchte Peary auch den Rand des Inlandseises an verschiedenen nördlicher gelegenen Stellen.
Wie man ersieht, ist im Laufe der Jahre durch diese vielen Expeditionen auf das Inlandseis und an dessen Rand ein großes Material von Beobachtungen zusammengebracht, das uns instandsetzt, einen einigermaßen zuverlässigen und vollständigen Begriff über die Beschaffenheit desselben an der ganzen Westküste entlang bis nach Upernivik zu bilden; durch zwei Expeditionen (Nordenskjöld 1883 und Peary 1886) haben wir auch erfahren, daß sich innerhalb des äußeren, mit Spalten und Unebenheiten angefüllten Eisrandes ein ausgedehntes, vollständig ebenes Schneefeld befindet, das sich sanft steigend nach dem unbekannten Innern zu erhebt.
Eine wesentliche Lücke in unserer Kenntniß dieses Inlandseises ist damit ausgefüllt, aber es bleibt noch vieles übrig, und Aufklärung über einen Theil derselben zu schaffen, war die Aufgabe unserer Expedition.
Von der Beschaffenheit des Inlandseises an der Ostküste wußte man nur wenig oder nichts; freilich hatte die dänische Frauenbootsexpedition unter Kapitän Holm viel von dessen Rand gesehen, aber man hatte keine Zeit gehabt, demselben weitere Aufmerksamkeit zu widmen, und das Eis selber war in jener Gegend noch von keinem Europäer betreten worden.[35] Schon eine Untersuchung der Beschaffenheit des Eises, des Steigerungsverhältnisses u. s. w. auf dieser Seite würde daher von Bedeutung gewesen sein.
Noch weit unbekannter war indessen das ganze Innere. Freilich konnte man aus den Resultaten der beiden letzten Expeditionen einzelne Schlußfolgerungen ziehen, wie es dort aller Wahrscheinlichkeit nach aussah, dies aber hatte nur einen geringen Werth, so lange Niemand dort gewesen war, und es erheben sich ja noch immer gewichtige Stimmen, welche die Ansicht verfechten, daß das Innere nicht ganz mit Schnee und Eis bedeckt sei. Obwohl ich niemals zu dieser Annahme geneigt hatte, erschien es mir, daß die Untersuchung der Höhen- und Steigerungsverhältnisse des Innern, mit anderen Worten die Form der ganzen Schnee- oder Eiskappe, welche Grönland bedeckt, von großem Interesse sein müsse.
Auf die meteorologischen Verhältnisse in Grönlands Innerm legte ich freilich ein noch größeres Gewicht. Zu einer irgendwie eingehenderen Kenntniß derselben hatten die früheren Expeditionen wenig oder nichts beigetragen, und ich sagte, scheinbar mit Recht, in meinem Artikel in „Naturen“ (Januar 1888),[36] „daß für den Meteorologen die Beobachtungen über das Klima, die Messungen der Temperatur, der Feuchtigkeit, des Windes und der Windrichtungen, die Aufklärungen über die Niederschläge und die Wolkenbildung auf diesen ungeheueren Schnee- und Eisfeldern von großer Bedeutung sein müßten; es herrschten hier Verhältnisse, die so völlig verschieden von den Verhältnissen in den Gegenden sind, von welchen man regelmäßige Observationen erhält“. Wie man später ersehen wird, sollte ich in dieser meiner Annahme in hohem Grade bestärkt werden. Ich könnte vielleicht hinzufügen, daß auch für die Geologen solche Aufklärungen von Wichtigkeit sein müssen; denn wie soll man sich eine irgendwie begründete Ansicht über den inneren Haushalt des Inlandseises — wenn man sich so ausdrücken darf — bilden, ehe man die Niederschlag- und Temperaturverhältnisse und dergleichen kennt, die auf dessen Oberfläche herrschen.
Dies schienen mir die wichtigsten Aufgaben zu sein, die in dem unbekannten Innern Grönlands zu lösen waren.
Welchen Nutzen aber können solche Aufklärungen bringen? Dieselbe Frage ist so manchen Entdeckungsreisen gegenüber aufgeworfen und wird bei jedem neuen Unternehmen aufgeworfen werden. Man könnte viel darauf antworten und u. a. daran erinnern, welchen Einfluß ein solches Hochland von Eis und Schnee auf das Klima aller angrenzenden Theile der Erde haben muß, wie jeder einzelne Theil der Erdoberfläche in genauem Zusammenhang mit den übrigen steht; aber allein schon der Umstand, daß Grönlands Inneres ein Theil und zwar ein nicht ganz unbedeutender Theil der Oberfläche dieses Planeten ist, auf dem wir leben, genügt, um den Wunsch zu erwecken, es kennen zu lernen, und nicht zu ruhen, bis dies geschehen ist, sollte auch der Weg über Gräber gehen.
Je eher das erreicht werden kann, desto besser.
[2] Aus dem Brief des Direktors an den Rath in Grönland. Bergen, den 19. April 1723. Die angeführte Stelle ist P. Eberliens Artikel im „Archiv für Mathematik und Naturwissenschaft, Kristiania 1890,“ entnommen.
[3] Egedes Antwortschreiben, 31. Juli 1723. Beide Briefe befinden sich im Reichsarchiv zu Kopenhagen. Grönlandske Desseins Intagt- og Udgift-Forklaringer 1721–25.
[4] Von Assistent Fersler 1727. Reichsarchiv Kopenhagen 1727. Grönländische Expedition 1728–33.
[5] Aus Frederik IV. Instruktion an Major Paars, abgedruckt in den „Mittheilungen über Grönland“, Heft IX, S. 30–31. Kjöbenhavn 1889.
[6] Es ist dies das erste Mal, daß Pferde nach Grönland gesandt worden sind.
[7] Journal, geführt bei Godthaab. Abgedruckt im „Tilskuer“, Jahrgang 6, Seite 483–484. Kjöbenhavn 1889.
[8] Dies sowie die folgenden Citate von Paars Reise sind seinem Rapport an den König entnommen, der in Peter Eberliens Artikel im „Tilskuer“, Jahrgang 6, Seite 485–488, Kjöbenhavn 1889, abgedruckt ist.
[9] Es war mir nicht möglich, dies Buch zu Gesicht zu bekommen. Die hier angeführte Stelle ist Kapitän J. A. D. Jensens Buch: „Ueber das Inlandseis in Grönland“ u. s. w., Kjöbenhavn 1888, Seite 34 Anmerkung, entnommen.
[10] Kablunak oder richtiger Kavdlunak bedeutet auf Grönländisch „Europäer“, wird jedoch jetzt fast ausschließlich für Dänen angewandt.
[11] Welcher Nunatak dieser Omertlok gewesen ist, kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden, da auf der südlichen Seite von Fredrikshaab mehrere Nunataks im Inlandseise liegen und keiner von ihnen, soviel mir bekannt ist, jetzt von den Grönländern so genannt wird. Soweit ich Dalagers Bericht verstehe, hat er erst einen Nunatak besucht und dann am nächsten Tage seine Wanderung landeinwärts nach einem anderen, dem „öbersten Berge auf dem Eisfelde“ (möglicherweise dem nördlichsten) fortgesetzt. Es erscheint mir daher nicht sehr wahrscheinlich, daß dieser Berg (Amertlok) derselbe Nunatak, der Nasausak ist, der im Jahre 1878 von Kapitän J. A. D. Jensen und seiner Expedition besucht wurde, wie letzterer anzunehmen scheint (siehe sein vorhin erwähntes Buch: „Ueber das Inlandseis in Grönland“, Seite 24. Siehe auch seinen Bericht: „Mittheilungen über Grönland“, Bd. 1, Seite 48). Zwischen dem Nasausak und dem Rande des Inlandseises liegt kein Nunatak, auch beträgt die Entfernung von diesem keine Meile.
[12] O. Fabricius: „Ueber das Treibeis in den nördlichen Gewässern, vornehmlich in der Davisstraße“ (1784). Dansk Vid. Selsk. Skrifter, 1788, 3, 65–84.
[13] Gieseckes mineralogische Reise in Grönland von F. Johnstrup. Kjöbenhavn 1878, Seite 173.
[14] Schon im voraufgehenden Jahre (1859) hatte der Amerikaner Oberst Schaffner bei seinem bereits (siehe Bd. I S. 287) erwähnten Besuch in Julianehaab einen Ausflug auf das Inlandseis unter Führung von Lieutenant Höyer, Handelsassistent in der Kolonie, machen sollen. (Erwähnt in: Zeilau, Foxexpedition. Kjöbenhavn 1861.)
[15] Foxexpeditionen i Aarel 1860 etc. Kjöbenhavn 1861. Seite 156–171.
[16] Siehe die Diskussion in Veranlassung des Vortrags, den der Verfasser in London hielt: Proceedings of the Royal Geographical Society and Monthly Record of Geography, August 1889.
[17] Edward Whymper „Explorations in Greenland“ in der Zeitschrift „Good Words“, herausgegeben von Donald Macleod, d. d. Januar, Februar, März 1884. Dies ist der einzige ausführlichere Bericht, den Whymper selber über seine Reise geschrieben hat. Sein Begleiter Robert Brown hat indessen ebenfalls einen Artikel darüber geschrieben: „Das Innere von Grönland“ in Petermanns Mittheilungen 1871.
[18] Robert Brown, der Einer von diesen Dreien war, stellt (in seinem Bd. II. S. 39 in der Anmerkung erwähnten Artikel in Petermanns Mittheilungen 1871, Seite 385) die sonderbare Behauptung auf, daß sie in weiter Ferne vor sich einen Nunatak oder eine Insel erblickten, die jetzt ganz von Eis umgeben ist, die aber noch in diesem Jahrhundert mit einem Kajak erreicht werden konnte und die zu der Zeit bewohnt war.
[19] Ein Bericht von der Nordenskjöldschen Expedition: „Redogörelse för en expedition til Grönland år 1870“ befindet sich in der Uebersicht des K. Vih. Akad. Förh. Stockholm 1870, Seite 973.
[20] Dr. H. Rink hat hierüber einen Bericht in „Petermanns Mittheilungen“ 1883, Seite 133, gegeben.
[21] Siehe Nordenskjöld: „Die zweite Dicksonska-Expedition nach Grönland etc.“ Stockholm 1885, Seite 155.
[22] Auch diese Reise ist in „Good Words“ 1884, Seite 101–103 und 183–189, geschildert worden.
[23] Helland hat seine Beobachtungen in Grönland im Archiv für Math. und Naturwissenschaften, Bd. 1, Kristiania 1876: „Über die mit Eis angefüllten Fjorde und die glacialen Bildungen in Nordgrönland“, beschrieben, sowie einem Artikel in „The Quarterly Journal of the Geological Society“ (London) Februar 1877, Seite 142–176, betitelt: „On the Ice-Fjords of North Greenland, and on the Formation of Fjords, Lakes and Cirgnes in Norweg and Greenland.“
[24] „Über das Binnenland Grönlands und die Möglichkeit, selbiges zu bereisen.“ Petermanns Geogr. Mitteilungen 1875, Heft VIII., Seite 297 bis 300.
[25] Außer Steenstrup nahmen daran Theil der cand. Kornerup und der damalige Pr.-Lieut. zur See G. Holm.
[26] Siehe hierüber: „Mittheilungen über Grönland“, Heft 1, Seite 6 (Kopenhagen 1879).
[27] Diese Expedition ist beschrieben in den „Mitth. über Grönl.“, Heft 2 (1881), Seite 1–27.
[28] Siehe hierüber „Mitth. über Grönl.“, Heft 1, Seite 8.
[29] Siehe hierüber Nordenskjöld: „Die zweite Dicksonsche Expedition nach Grönland u. s. w.“ Stockholm 1885, Seite 8 etc.
[30] Die zweite Dicksonsche Expedition u. s. w. Seite 129.
[31] Siehe übrigens hierüber: „Die zweite Dicksonsche Expedition u. s. w.“ Seite 233–235.
[32] Bulletin of the American Geographical Society, Bd. XIX., New York 1887, Seite 261–289.
[33] Maigaard, Geogr. Zeitschrift, Bd. 9, Kopenh. 1888, Seite 90.
[34] Wie weit die Höhenbestimmung (7525 engl. Fuß) ganz korrekt ist, ist schwer zu sagen, da sie nur auf Observationen beruht, die mit dem Aneroidbarometer gemacht sind. Obwohl wir auf unserer Wanderung 3 vorzügliche Aneroidbarometer bei uns hatten, die eigens für unsere Zwecke in London verfertigt waren, so würden wir doch, falls wir nicht die tägliche Kontrolle mit dem Kochbarometer gehabt hätten, die Höhe viel zu hoch angeschlagen haben (was ich auch gleich anfangs in meinem Brief von Godthaab aus an Etatsrath Gamél that, als die Kochbarometer-Observationen noch nicht ausgerechnet waren). Merkwürdigerweise sanken und stiegen alle 3 Barometer völlig regelmäßig und übereinstimmend mit einander und nahmen, als wir die Meeresfläche wieder erreichten, ungefähr wieder denselben Stand ein, den sie gehabt hatten, als wir die Ostküste verließen. Hieraus ersieht man, daß man sehr vorsichtig sein muß, Observationen, die ausschließlich mit dem Aneroidbarometer gemacht sind, ein allzu großes Gewicht beizulegen.
Die angegebene Höhe scheint indessen, falls die Entfernung von der Küste richtig ist, keineswegs zu hoch berechnet zu sein. Wir haben schon in einer Entfernung von 15 Meilen (110 km) von der Ost- und 22 Meilen (160 km) von der Westküste eine solche Höhe erreicht, und die Steigerungsverhältnisse müssen, meiner Ansicht nach, zwischen dem 69. und 70. Breitengrad ungefähr dieselben sein.
[35] Hier mag erwähnt werden, daß Kapitän Hovgaard, der Leiter der Dijmphna-Expedition, nachdem was er mir kürzlich selbst mitgetheilt hat, vor einer Reihe von Jahren einen Antrag an das Ministerium einreichte, der darauf hinausging, daß die beabsichtigte Frauenbootsexpedition an die Ostküste mit einer mit Hundeschlitten auszurüstenden Expedition über das Inlandseis von der Ost- bis zur Westküste verbunden werden möge, was er mit Leichtigkeit ausführen zu können meinte. Dem Plan scheint keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt worden zu sein.
[36] „Grönlands Inlandseis“, „Naturen“. Bergen 1888.