Diese von Vorderindien bis zu den Philippinen und Java verbreitete Art wurde zuerst von Jentink (NLM. V, 175 1883, XI, 30 1888 u. Cat. MPB. XII, 176 1888) von Amurang, Nord Celébes, aufgeführt, mir liegt sie auch von der Insel Saleyer, im Süden, vor, während sie von Bórneo noch nicht nachgewiesen ist.
Peters (Mb. Ak. Berl. 1872, 705) hat von mir aus Luzon mitgebrachte kleinere als meyeri abgetrennt, was Dobson (Cat. 1878, 208) jedoch nicht anerkannte. Ein mir von Mindanao vorliegendes Exemplar ist ebenfalls in allen Dimensionen kleiner (Vorderarm 24 mm), was aber besonders, gerade wie bei denen von Luzon, „in Bezug auf den Kopf und Fuss auffallend“ ist (vgl. Peters’ Maasse mit Dobsons ll. cc.). Dobson giebt für pachypus die Vorderarmlänge auf 28 mm (1.1 inch.) an, drei Saleyer-Exemplare messen 26–26.5. Ich möchte daher die Identificirung Dobsons nicht ohne Weiteres als berechtigt ansehen. [13]
Tafel IV Fig. 2 (2⁄1 n. Gr.)
Oberseite vandykebraun, die Haare einfarbig, Unterseite etwas mehr rostfarben, die Haare an der Basis grau bis schwärzlich, Fell sammetartig. Flughäute schwarz, an der dorsalen und ventralen Oberfläche nackt bis auf ein Dreieck zwischen den Körperseiten und der proximalen Hälfte des Femur, und bis auf ein ebensolches an der Schwanzbasis; am Knöchel angewachsen; die Schenkelflughaut schliesst den Schwanz bis zum äussersten Glied ein; Sporn mit einem schmalen Hautläppchen am mittleren Drittel. Ohren innen sehr sparsam hellbräunlich behaart, Innen- und Aussenrand convex, crus helicis lappig, Antitragus gut abgesetzt, 2 mm hinter dem Mundwinkel endend, Spitze abgerundet, Tragus ziemlich gleich breit in seinem ganzen Verlauf, am inneren Rande wenig concav, fast gerade, am äusseren convex, Zacken angedeutet, Spitze schwach abgerundet. Schnauzendrüsen gut entwickelt, schwach behaart, Nasenlöcher nach aussen offen, innen vorgewölbt, dazwischen nicht vertieft.
i 1 sup. zweispitzig, i 2 einspitzig und kaum kürzer als die hintere Zacke von i 1, auch im Querschnitt an der Basis i 1 nicht sehr viel nachstehend; p 2 sup. innenständig, spitz, ⅔ so gross wie p 1 und von aussen sichtbar, p 1 ein wenig von c abgerückt und halb so lang; i 1–3 inf. dreilappig und in der Richtung des Kiefers stehend, nicht übereinander greifend, i 3 durch ein kleines Diastema von i 2 getrennt und ein wenig quer gerückt (die linken unteren Incisiven etwas verletzt); p 2 inf. mit der Spitze etwas nach aussen ausladend, durch ein kleines Diastema von c getrennt und ⅔ so gross wie p 1, dieser ⅔ so lang wie c.
Ein spitzer, 2.5 mm langer Stützknochen in der Ruthenspitze.
Maasse:
| Kopf | 17 | mm | |
| Körper | 32 | mm,, | |
| Ohr | 11 × 6.8 | mm,, | |
| Vorderer Ohrrand | 7 | mm,, | |
| Tragus | 5 × 2 | mm,, | |
| Humerus | 24 | mm,, | |
| Vorderarm | 36 | .5 | mm,, |
| Dig. 1 mit Kralle | 9 | mm,, | |
| Dig.,, 2 (33 + 4?) | 37 | mm,, | |
| Dig.,, 3 (35 + 12.5 + 10 + 7) | 64 | .5 | mm,, |
| Dig.,, 4 (34 + 12 + 8) | 54 | mm,, | |
| Dig.,, 5 (32 + 7.5 + 5) | 44 | .5 | mm,, |
| Femur | 12 | mm,, | |
| Unterschenkel | 15 | .5 | mm,, |
| Fuss mit Krallen | 8 | .5 | mm,, |
| Sporn | 18 | mm,, | |
| Schwanz | 41 | mm,, | |
| Penis | 9 | mm,, 2 | |
Ich widme diese Art dem Andenken meines hochverehrten Lehrers und Freundes Wilhelm Peters, der sich bekanntlich um die Förderung der Kenntnisse der Fledermäuse grosse Verdienste erworben hat. So sagt Dobson (Cat. 1878 p. XXXV): „Peters, to whom we owe the first attempt to arrange scientifically many of the genera of Chiroptera“, und: „At Berlin, through the great liberality of Prof. Peters, I had the privilege of inspecting the beautifully executed series of unpublished plates representing the species of Chiroptera in the collection of the Royal Zoological Museum.“ Leider hat Peters die von ihm vorbereitete Monographie dieser Ordnung 1883 unvollendet hinterlassen, allein ihre Veröffentlichung, auf den Stand unserer heutigen Kunde gebracht, ist erfreulicherweise nunmehr, wenigstens vorläufig zum Theil, in Aussicht gestellt. [14]
Ganz nahe schliesst sich diese Art keiner bekannten an. V. brachypterus (Temm.) von Java, Sumátra und Banka (Dobson Cat. 1878, 223) hat, abgesehen von anderen Differenzen, kurze Flügel, keinen Penisknochen und weicht in der Bezahnung wesentlich ab. Die Untergattung Hesperoptenus Ptrs. (Mb. Ak. Berl. 1868, 626) ist u. a. auch auf das Vorhandensein eines Penisknochen gegründet worden, welcher Charakter aber, ausser bei V. petersi, in der Gattung Vesperugo noch sonst vorkommen dürfte; es sind bis jetzt noch nicht alle Arten daraufhin untersucht.
Ich benutze diese Gelegenheit zur Charakterisirung einer Subspecies von Neu Guinea.
Peters & Doria beschrieben (Ann. Mus. Gen. XVI, 696 1881) nach einem Weibchen von Salawati Vesperugo papuanus und Thomas (NZ. II, 164 1895) führte ihn von Fergusson Insel, D’Entrecasteaux Gruppe, im Südosten von Neu Guinea, auf, ohne weiter eine Bemerkung dazu zu machen. Das Dresdner Museum erhielt eine Anzahl Exemplare von Bongu, an der Astrolabebai, Ost Neu Guinea, die dieser Art sehr nahe stehen, wenn auch nicht mit ihr zu identificiren sind. Ich nenne sie:
Sie unterscheiden sich in folgenden Punkten: Vorderarm 27–31 mm (statt 27), 27 kommt nur bei éinem Exemplar unter 19 vor, meist 28, aber auch 29, 30 und 31 mm; die Füsse sind viel robuster, die Haftscheiben am Daumen und an den Fussohlen viel deutlicher ausgeprägt (die Individuen variiren in dieser Beziehung etwas untereinander); endlich ist p 2 inf. ⅔ so gross wie p 1 inf., nicht ½ wie bei dem Salawati-Exemplare nach der Angabe von Peters & Doria, wobei ich aber bemerken muss, dass bei dem Typus, den ich durch die Güte des Hrn. Dr. Gestro untersuchen konnte, das Verhältniss von ½ nicht scharf ausgeprägt ist, es neigt da auch zu ⅔. Auf alle Fälle aber differiren die Ost Neu Guinea-Exemplare von dem von Salawati genügend, um sie vorläufig subspecifisch abzutrennen. Es wird sich später erweisen, ob ihnen Species-Charakter zukommt.
Das Männchen besitzt einen kleinen zweispitzigen Ruthenknochen. Dobson (Cat. 1878 p. XXIX) sagt von den Penisknochen der Chiropteren im Allgemeinen: „Its form varies sometimes considerably even in species of the same genus.“
Tafel IV, Fig. 3 (2⁄1 n. Gr.)
Körper gedrungen. Oberseite zwischen vandykebraun und proutbraun (Ridgw.), kurzhaarig, glänzend, sammetartig, Unterseite proutbraun, mässig stark behaart. Dorsal ist nur ein Drittel des Oberarms und die Hälfte des Oberschenkels mit Haaren besetzt, ventral reichen sie etwas weiter.
Flughäute schwärzlich, dorsale Oberfläche nackt, nur auf der Schulterflughaut ein Querstreif spärlich mit Haaren besetzt, und die Schenkelflughaut schwach, kaum bis zum Ende des ersten Schwanzwirbels behaart; ventrale Oberfläche ebenfalls nackt, nur auf der Schulter- und Fingerflughaut zwischen Vorderarm und 5. Finger spärliche Haare, sowie ein Dreieck am Ellenbogen kaum bis zum Knie, und die Schenkelflughaut in ihrem proximalen Theile, schwach behaart. Die Lendenflughaut ist am Knöchel angewachsen, [15]die Schenkelflughaut schliesst den Schwanz bis zur Mitte des letzten Gliedes ein, und er liegt in ihrer Oberseite; der hintere freie Rand der Schenkelflughaut verläuft ziemlich gerade, der Sporn trägt an seiner proximalen Hälfte ein bis 1.5 mm breites, 9 mm langes Hautläppchen (rechts kürzer).
Ohren innen, vom crus helicis und anthelicis querüber bis zur Spitze, spärlich mit Haaren besetzt, aussen nackt; Innenrand gerade, Spitze abgerundet, Aussenrand convex, Antitragus stark gewulstet, breit, etwas über der Mitte des äusseren Randes des linken Ohrs ein kleiner Einschnitt, darüber der Helix etwas ausladend, am rechten Ohre fehlt dieser Einschnitt, ist aber durch eine leichte Concavität des Randes, sowie durch eine seichte Depression markirt; der äussere Ohrrand endet 6 mm unterhalb des Auges, 3.5 mm hinter und etwas unter dem Mundwinkel3, nicht am Mundwinkel, wie bei den meisten Vesperugo-Arten; crus helicis wulstig, crus anthelicis gut ausgebildet; Tragus mit verbreiterter Basis, proximal mit Haaren bestanden, Innenrand ziemlich gerade, Spitze etwas abgerundet, Aussenrand convex, in der Mitte etwas verdickt, Zacken angedeutet, in der unteren Hälfte gerade.
Kopf platt, Augen klein, die Behaarung beginnt erst hinter einer Querrinne, die die Schnauze abgrenzt; diese schwach behaart, breit (21 mm) und kurz (5 mm), vorn abgestutzt, an den Nasenlöchern 4.5 mm breit, Drüsentheil gut entwickelt, Lippen median glatt, lateral mit etwas papillösen Aussenrändern; die zwischen den zwei unteren Praemolaren und dem Lippenrande befindliche grosse Hautpapille hat hier den Lippenrand nicht nur nach aussen gedrängt, sondern auch bewirkt, dass er an dieser Stelle verschmälert und nach unten ausgerandet ist, so dass die Papille von aussen sichtbar wird; Oberlippe die Unterlippe überragend; Nasenlöcher sublateral nach aussen offen, Ränder, besonders median gewulstet, Zwischenraum 1.5 mm breit, nicht vertieft; Unterkiefer und Kinn ziemlich glatt, schwach behaart, auf der Kehle eine runde Warze mit kurzen und einigen langen Haaren, wie sie oft vorkommt.
Bezahnung: i 1 sup. dreizackig, mit der innersten längsten Zacke median sehr stark ausladend, die mittlere zurückstehend, kurz und breit, die äusserste noch weiter zurück und klein, i 2 nur so lang wie diese letztere, an der Spitze leicht eingekerbt, ebenfalls nach innen gerichtet, und dicht an i 1 stehend, Diastema der zwei mittleren Incisiven, an den Wurzeln gemessen, etwas über 1 mm; c sup. 2 mm lang, Diastema zwischen ihm und i 2 nur gering; p 1 sup. steht dicht an c und ist halb so lang, p 2 ganz innenständig, sehr klein, eben das Zahnfleisch überragend und nur bei genauester Untersuchung kenntlich, von aussen ganz unsichtbar. Die sechs unteren Incisiven in der Richtung des Kiefers stehend, dreilappig, der zweite anscheinend der grösste (sie sind bei dem Exemplare rechts und links nicht ganz gleich), der dritte dicht am Caninus, dieser 1.5 mm lang, p 2 inf. dicht daran stehend und fast ⅔ so gross, p 1 dicht an p 2 und fast eben so gross und so lang wie m 1.
Penis lang, ein Stützknochen in der Ruthenspitze, Praeputium zweilappig und mit kurzen stacheligen Haaren besetzt.
Maasse:
| Kopf | 18 | mm | |
| Körper | 41 | mm,, | |
| Ohr | 14 × 10 | mm,, | |
| Vorderer Ohrrand | 8 | .5 | mm,, |
| Tragus (Länge von der tiefstenStelle der Basis bis zur Spitze) | 5 × 2 | mm,, | |
| Humerus | 24 | mm,, | |
| Vorderarm | 36 | mm,, | |
| Dig. 1 mit Kralle | 6 | .3 | mm,, |
| Dig.,, 2 (33.5 + 5.5) | 39 | mm,, | |
| Dig.,, 3 (35 + 11.5 + 9 + 3) | 58 | .5 | mm,, |
| Dig.,, 4 (33 + 11 + 5) | 49 | mm,, | |
| Dig.,, 5 (29 + 5.5 + 4.7) | 39 | .2 | mm,, |
| Femur | 12 | mm,, | |
| Unterschenkel | 15 | .5 | mm,, |
| Fuss mit Krallen | 10 | mm,, | |
| Sporn | c. 13 | mm,, | |
| Schwanz | c. 37 | mm,, | |
| Penis | 9 | mm,, | |
Diese Art hat mit einer Reihe von Vesperugo-Arten gewisse Ähnlichkeiten, so mit V. stenopterus Dobs. von Bórneo, oder auch mit imbricatus Horsf. von Malakka, Sumátra, Java und Bórneo, affinis Dobs. von Yunnan, indicus Dobs. von Vorderindien etc., aber sie ist keiner bekannten zu subsummiren. [16]Das Gebiss, der tiefe Ansatz des äusseren Ohrrandes, und die Combination aller ihrer anderen Charaktere genügen, um sie leicht zu erkennen, ohne dass es nöthig wäre, die Unterschiede von einer Reihe anderer Arten im Einzelnen namhaft zu machen.
Sonst ist bis jetzt von Celébes an Vesperugo-Arten nur der von Vorderindien bis zu den Philippinen, Neu Guinea und Australien weit verbreitete V. abramus (Temm.) nachgewiesen. Dobson (Cat. 1878, 228) nennt ein von mir gesammeltes Exemplar im Britischen Museum von Nord Celébes mit der Bemerkung, dass die Form und die Stellung der oberen Incisiven ein wenig abweiche, und eins von Süd Celébes; das Dresdner Museum besitzt ebenfalls je eins von Nord und Süd Celébes (Amurang und Makassar).
Dobson (Cat. 1878, 288) giebt für den Vorderarm allgemein 31.75 mm (1.25 inch.) und (p. 317) 34.29 (1.35) an; Jentink (Webers Zool. Erg. I, 128 1890) für Exemplare von Java (mares) 33.5–35 mm, (fem.) 34–36.5, von Sumátra 36, von Flores 35; Dresdner Exemplare messen: Bórneo 33.5, Ambon 37–38, was gut mit Dobsons früherer Angabe (Cat. As. Chir. 1876, 135) Bórneo 34 mm (1.35 inch.), Ambon 38 (1.5) stimmt, seine Maasse variiren überhaupt zwischen 30.5 und 38 mm (1.2 und 1.5 inch.). Es fragt sich, ob nicht bei genauem Studium, wozu ein grosses Material von überall her gehörte, Rassen unterschieden werden können. Dobson (l. c. 136) hat sich hierüber zwar in negativem Sinn ausgesprochen, allein sein Material genügte keineswegs, ein endgültiges Urtheil zu gewinnen.
Die Art, die von Vorderindien bis zu den Molukken nachgewiesen ist, wurde auch schon speciell von Nord Celébes registrirt (Dobson Cat. 1878, 317 und Jentink Cat. MPB. XII, 190 1888), während der Sarasinsche Fundort von Süd Celébes neu ist. Dresden besitzt sie auch von NW Neu Guinea (36 mm).
Dobson (Cat. 1878, 316 Anm.) sagte, dass ein Exemplar von Sumátra im Leidener Museum in der Ohrform etwas abweiche, und ich hebe daher hervor, dass die Celébes-Individuen in dieser Beziehung unter einander differiren, und zwar speciell hinsichtlich des äusseren oberen Ohrrandes, sowie des Tragus; auch die Grösse des Hautläppchens am Sporne variirt. Nach Dobson (Mon. As. Chir. 1876, 136) kann muricola von den verwandten Arten auch durch den kleinen, aber deutlichen postcalcanealen Lappen unterschieden werden, allein bei einigen der vorliegenden Exemplare von Celébes fehlt er so gut wie ganz.
Von anderen Vespertilio-Arten hat Dobson (Cat. 1878, 292) noch V. adversus Horsf. von Celébes aufgeführt, auch ist ein von mir im Jahr 1871 gesammeltes Exemplar von Gorontalo im Berliner Museum; Jentink hatte die Art auch von der Minahassa genannt (NLM. V, 175 1883), später aber als muricola aufgeführt (Cat. MPB. XII, 191 1888). Ferner nennt Jentink (l. c. p. 186 und Webers Zool. Erg. I, 128 1891) von Celébes V. hasselti Temm.