Tafel IV Fig. 4–6, Tafel X Fig. 3, 4 und 28, und Tafel XI Fig. 2 und 2 a
[17]
Oberseite kastanienbraun (Ridgw. IV, 9), sammetartig, Unterseite zimmetfarben (R. III, 20), die Haare mit helleren Spitzen. Flughäute bräunlich; dorsale Oberfläche: Schulterflughaut spärlich mit kastanienbraunen Haaren besetzt, Fingerflughaut mit ebensolchem Haarstreifen aussen am Vorderarme, desgleichen ist die proximale Hälfte des Metacarpus des 5. Fingers mit solchen Härchen besetzt, wie auch der Aussenrand auf der Lendenflughaut und die proximale Hälfte der Schenkelflughaut (alles dies jedoch deutlich nur am getrockneten Exemplare sichtbar); ventrale Oberfläche so gut wie nackt, nur an den Körperseiten setzt sich ein zimmetfarbener Haarsaum auf sie fort. Die Lendenflughaut inserirt an der Mitte der Tibia, die Schenkelflughaut am distalen Drittel des Sporns, sie ist, besonders an der Unterseite, quer gefaltet. Ohren median durch einen 4 mm hohen, dorsal behaarten Hautwulst vereinigt; Innenrand des Ohres stark convex, Spitze ganz abgerundet, Aussenrand oben ziemlich gerade, unten convex, crus helicis lappig, breit, umgebogen, Tragus sehr klein, oberer Rand convex, innerer concav, äusserer oben convex, unten concav, mit einem Zacken; Antitragus etwas eckig, durch einen tiefen Einschnitt hinten abgetrennt; Behaarung der Ohrmuscheln schwach, dorsal fast nur an den proximalen Parthieen behaart, ventral nackt bis auf einen kastanienbraunen Haarstreifen an der dorsalen Fläche des crus helicis, von da quer nach oben und hinten zur Ohrspitze ziehend. Die ganze Hautparthie hinter dem Verbindungsbande der inneren Ohrränder (dorsale Fläche der Ohrenbasis) bis zur Stirn so gut wie nackt, und zwar in einer Ausdehnung von 6 mm von vorn nach hinten und von 11 mm in der Quere, so dass die mediane, nach hinten offene, taschenförmige Einsenkung offen liegt. Schnauze mässig breit, stumpf, vorn schräg nach hinten und unten abgeschnitten. Nasenlöcher mit scharfem oberen Rande, der median nach vorn spitz zusammenläuft, mit schwacher Einsenkung dazwischen. Die borstigen Haare der Schnauze, besonders die ihrer Unterseite, an der Spitze verbreitert1. Oberlippe dick, vertical gerunzelt, aber nicht so faltig wie bei N. plicatus (Buch, Ham.).
Bezahnung. Die beiden oberen Incisiven stehen etwas weiter auseinander als bei N. plicatus (0.7 mm), es ist nur ein oberer Praemolarzahn vorhanden, und er ist vom Caninus durch ein Diastema getrennt, p 2 inf. ist nur ½–⅔ so gross wie p 1 inf., die zwei mittleren unteren Incisiven sind zweilappig und stehen in der Richtung des Kiefers, die zwei äusseren sind abgerundet und stehen theilweise dahinter und quer.
Zitzen 5 mm unter der Achselhöhle.
Keine Kehlgrube (beim Weibchen!).
Maasse:
| Kopf | 25 | mm | |
| Körper | 45 | mm,, | |
| Ohr | 21 × 15 | mm,, | |
| Tragus (Länge von der Zacke an gemessen) | 2 × 1.2 | mm,, | |
| Humerus | 29 | mm,, | |
| Vorderarm | 40 | mm,, | |
| Dig. 1 mit Kralle | 8 | .5 | mm,, |
| Dig.,, 2 (40 + 2) | 42 | mm,, | |
| Dig.,, 3 (39 + 18 + 15 + 7.5) | 79 | .5 | mm,, |
| Dig.,, 4 (37.5 + 14 + 10 + 1.7) | 63 | .2 | mm,, |
| Dig.,, 5 (23.5 + 11.5 + 4 + 1.6) | 40 | .6 | mm,, |
| Femur | 16 | mm,, | |
| Unterschenkel | 14 | .5 | mm,, |
| Fuss mit Krallen | 13 | mm,, | |
| Sporn | 8 | mm,, | |
| Schwanz (davon frei 23 mm) | 34 | mm,, | |
Auf Tafel IV Fig. 4 ist eine dorsale Ansicht des ganzen Thieres in natürlicher, Fig. 5 die des Kopfes von der Seite in doppelter, Fig. 6 die des Tragus in vierfacher Grösse.
Nyctinomus sarasinorum schliesst sich zwar N. plicatus (Buch. Ham.) an, allein ist doch wesentlich davon verschieden. Abgesehen von den Dimensionen und der Färbung, in der Bezahnung, da plicatus [18]2 obere Praemolaren hat, und die unteren Incisiven anders gestellt und geformt sind, in dem Ansatze der Lendenflughaut in der Mitte der Tibia, statt am unteren Ende wie bei plicatus, in der Behaarung der Flügelhäute, die bei plicatus nackt oder so gut wie nackt sind (wenigstens bei den mir vorliegenden Exemplaren), in der partiellen Nacktheit der Kopfhaut, und in Anderem.
Es könnte auffallend erscheinen, dass auf Celébes eine andere Form des weit verbreiteten N. plicatus lebt, allein ich zweifle nicht, dass bei näherem Eingehen auf ein genügend grosses Material von vielen Fundorten verschiedene Rassen oder Subspecies unterschieden werden können. Dobson (Cat. 1878, 425) gab die Verbreitung von Vorderindien bis zu Bórneo und den Philippinen an, Peters & Doria (Ann. Mus. Gen. XVI, 35 1881) führten Exemplare von Jobi, im Norden von Neu Guinea auf — es war dies jedoch nicht der erste Molosside von Neu Guinea, wie diese Autoren meinten, da schon N. australis (Gray) von Neu Guinea bekannt war (Dobson Cat. 1878, 434) —, Leche (PZS. 1884, 51), solche von Süd Australien und Nord Tasmanien, Jentink endlich (Cat. MPB. XII, 202 1888) ein junges von Timor. Mir liegen nur 3 Exemplare von Jobi und je eines von Sumátra, Java und NW Australien vor, die von Jobi und Australien sind dunkelbraun oben (R. III, 1), etwas heller unten (R. III, 6), das von Sumátra ebenso, aber gesättigter, das von Java wie die Jobi-Exemplare, unten jedoch mit weisslichen Haarspitzen. Buchanan (TLS. V, 161 1800) sagte von Exemplaren von Bengalen: „The hair is mixed with ash colour, and is paler below than on the back“; Horsfield (Zool. Res. Java Nr. V 1824) von javanischen: „The body is deep brown, inclining to sooty black; intense above, and grayish underneath“; Temminck (Mon. Mam. I, 223 1827) von britischindischen: „Le pelage est … d’un fauve cendré“; Cantor (JASB. XV, 179 1846) von hinterindischen: „Back of a velvety snuff colour, becoming a shade lighter on the underparts“; Blyth (l. c. XX, 517 1853) von britischindischen: „Nearly as dark-coloured as the Malayan race …, which, we think, differs not otherwise than in being constantly of a much darker hue than the ordinary … plicatus of India“; Dobson (Cat. 1878, 425) sagt ganz allgemein, was gewiss nicht zutrifft: „Above black or smoke black, beneath somewhat paler“; Blanford (Fauna Br. Ind. Mam. 1888–91) von britischindischen Exemplaren: „Fur brownish black to greyish brown above, sometimes the same but generally paler below, basal portion of the hair lighter in colour“. Es liessen sich diese Auszüge noch vermehren, ohne dass damit eine grössere Übereinstimmung oder Klarheit erzielt würde, was den Gedanken stützt, dass hier von verschiedenen Rassen die Rede ist, wie ja Blyth schon von einer constant dunkleren maleischen Rasse sprach. Das Maass des Vorderarms giebt Dobson allgemein mit 49.5 mm (1.95 inch.) an, die mir vorliegenden Jobi-Exemplare messen 45, das Exemplar von Java 46, das von Sumátra 42, das von Australien 49 mm (gegen 40.5 bei N. sarasinorum von Celébes).
Interessante Mittheilungen über die massenhaften Flüge von N. plicatus aus Höhlen in Barma machte kürzlich A. R. S. Anderson in dem „Administration Report of the Marine Survey of India“ 1897/8 (nach einem Referat in Nat. Sc. XIV, 259 1899).
In Bezug auf die Bezahnung mit nur éinem oberen Praemolaren gleicht N. sarasinorum den Arten der Untergattung Mormopterus Ptrs. (PZS. 1865, 468) von Madagaskar, Südost Afrika etc., allein sonst weicht er in den meisten in Frage kommenden Punkten von ihnen ab. Dobson (Cat. 1878, 442) hat schon hervorgehoben, dass man auf die Zahl der oberen Praemolaren hier keine Untergattung gründen und N. norfolcensis (Gray) von der Norfolk Insel und Australien [N. wilcoxi (Krefft)] mit 2 oberen Praemolaren nicht von Mormopterus trennen könne (Thomas beschrieb Ann. Mus. Gen. 1897, 609 N. loriae von S Neu-Guinea, der norfolcensis nahe steht). Später hat Peters selbst (Mb. Ak. Berl. 1881, 482) das Fehlen von p 2 sup. als entscheidenden Charakter zurückgezogen, aber zugleich Mormopterus zu einer Gattung erhoben unter Namhaftmachung anderer Unterschiede und Hinzuziehung einiger anderer Arten. Das Fehlen von p 2 sup. ist eine Folge der Resorption des für ihn bestimmten Materiales seitens der Nachbarzähne, c sup. und p 1 sup. (daher auch meist das Diastema), ein Process, der sich bei manchen Arten einer Gattung schon vollzogen hat, bei anderen noch nicht. Ein Vorstadium dazu ist es, wenn p 2 sup. deciduös ist; Dobson (Cat. 1878, 431) erwähnt dies bei N. mops (F. Cuv.) von Sumátra, und dasselbe kommt bei N. plicatus vor, denn bei dem erwähnten Exemplare dieser Art von Sumátra fehlt er. [19]
Ich benutze diese Gelegenheit um eine Nyctinomus-Art von Neu Guinea zu beschreiben:
Tafel X Fig. 19 und 30, und Tafel XI Fig. 6.
Oberseite proutbraun (R.), sammetartig, Unterseite broccolibraun (R.). Flughäute bräunlich, nackt, auf der dorsalen Oberfläche greifen die Haare nur an den Körperseiten über, auf der ventralen ist ein Dreieck von der Mitte des Humerus bis zum Knie behaart, in der Farbe ähnlich wie die Körperhaare der Unterseite, auch greifen die Haare etwas auf die ventrale Oberfläche der Schenkelflughaut über; 15 mm des Schwanzes frei, 19 in der Flughaut, aber in ihrer Unterseite. Die Lendenflughaut inserirt ziemlich in der Mitte der Tibia, die Schenkelflughaut an der Basis des Sporns, ihr hinterer Rand ist etwas convex. Ohren auf der Schnauze 3 mm auseinander, 8 mm von der Schnauzenspitze entfernt, innerer Rand ziemlich gerade, nur median etwas eingezogen, Spitze abgerundet, äusserer Rand convex, Antitragus nur durch eine schwache Einsenkung abgesetzt, 3 mm vom Mundwinkel endend, crus helicis leistenartig, Tragus klein, fast quadratisch, oben etwas abgerundet und ziemlich stark verdickt, die Basis verbreitert. Ohrmuschel innen fast nackt, aussen an der Basis etwa bis zur Hälfte ihrer Länge behaart. Kopf abgeplattet, von der breiten Schnauze nicht abgesetzt, diese ad maximum 12 mm breit, vorn abgerundet und schräg nach hinten und unten abgeschnitten, Oberlippe schwach gerunzelt, Nasenlöcher nach vorn und aussen geöffnet, mit mässig scharfem oberen Wulste, der median nach vorn spitz zusammenläuft, mit einer medianen Einkerbung nach hinten und einem erhabenen Fortsatze nach unten. Die Oberseite der Schnauze etwas warzig mit einzelnen, in Vertiefungen stehenden längeren Haaren, ein Kranz von an ihrer Spitze verbreiterten Haaren umsäumt die Schnauze unten, und auch an ihren Seiten stehen solche vereinzelt2.
Bezahnung. Die beiden oberen Incisiven 1 mm auseinander, p 2 sup. sehr klein und durch ein relativ grosses Diastema von c getrennt, p 1 sup. fast halb so gross wie c sup., p 2 inf. dicht an c inf. und fast halb so gross, p 1 inf. etwas grösser als p 2 inf. Die zwei mittleren Incisiven sind zweilappig und stehen in der Richtung des Kiefers, die zwei äusseren nicht ganz so ausgesprochen zweilappig und etwas dahinter, sowie etwas quer stehend.
Keine Kehlgrube.
Maasse:
| Kopf | 25 | mm | |
| Körper | 41 | mm,, | |
| Ohr | 15 × 16 | mm,, | |
| Tragus | 2 × 1.6 | mm,, | |
| Humerus | 26 | mm,, | |
| Vorderarm | 36 | mm,, | |
| Dig. 1 mit Kralle | 7 | mm,, | |
| Dig.,, 2 | 33 | mm,, | |
| Dig.,, 3 (35 + 14 + 12.5 + 6) | 67 | .5 | mm,, |
| Dig.,, 4 (33 + 11 + 9 + 1.5) | 54 | .5 | mm,, |
| Dig.,, 5 (22 + 8 + 4 + 1.5) | 35 | .5 | mm,, |
| Femur | (?) 15 | mm,, | |
| Unterschenkel | 13 | .5 | mm,, |
| Fuss mit Krallen | 9 | mm,, | |
| Sporn | 11 | mm,, | |
| Schwanz (davon frei 15) | 34 | mm,, | |
Heller (Abh. Ber. 1896/7 Nr. 8 p. 4) hatte das Exemplar für Mormopterus beccarii Ptrs. (von Bongu) angesehen, der s. Z. von Salawati beschrieben wurde (Mb. Ak. Berl. 1881, 484). N. astrolabiensis steht keiner bekannten Art so nahe, dass eine Differentialdiagnose zu geben wäre, gehört aber in Dobsons Gruppe b (Cat. 1878, 421 und 422), der sich die Arten der Petersschen Gattung Mormopterus (Mb. 1881, 482) anschliessen. [20]
1 (Ähnliche an den Füssen). Diese auffallend geformten Haare beobachtete ich zuerst an der Schnauze von Nyctinomus sarasinorum, aber ich fand sie dann auch bei anderen Molossiden. Da sie bisher keineswegs die Berücksichtigung gefunden haben, die sie ihrer Eigenartigkeit wegen zweifellos verdienen, so bat ich Hrn. Dr. J. Jablonowski, Assistenten am Museum, sie einer näheren Untersuchung zu unterziehen, welcher Aufgabe er im Anhange zu dieser Abhandlung („Die löffelförmigen Haare der Molossiden.“ Mit 2 Tafeln) in dankenswertester Weise gerecht geworden ist. ↑