3. Familie. Polymastodontidae Cope.
Beide Kiefer jederseits mit einem starken, nagezahnartigen J und zwei großen M, vor denen sich ein kleiner einfacher P befindet, der von J durch eine lange Zahnlücke getrennt ist. Hinter dem großen oberen J noch ein kleiner J vorhanden. Die unteren M mit zwei, die oberen mit drei Längsreihen von stumpfen Höckern. Unterkieferecke umgebogen. Kiefergelenk fast in der Hinterhauptsfläche gelegen. Im untersten Tertiär, Puerco von Neu-Mexiko.
Polymastodon Cope (Taeniolabis, Catopsalis Cope). (Fig. 507.) 2.0.1.2.1.0.1.2. Von den Dimensionen eines Bibers.
Fig. 506.
A Meniscoëssus conquistus Cope. Oberer Molar aus der obersten Kreide (Laramie-Stufe) von Dakota. 2/1. (Das Cope'sche Original nach Osborn.)
B Tripriodon coelatus Marsh. Ob. Kreide. Wyoming. Wahrscheinlich letzter oberer Molar in natürlicher und in doppelter Gr. (Nach Marsh.)
Fig. 507.
Polymastodon attennatus Cope. Unterstes Eocän. Neu-Mexiko. Gaumen mit beiden Zahnreihen. Nat. Gr. (Nach Osborn.)
4. Familie. Polydolopidae. Ameghino.
Untere J fast horizontal. P3 und P4 und unterer P4 höher als die M und meist als gezähnelte Schneide entwickelt. Obere M mit zwei oder drei, untere stets mit zwei Höckerreihen und von vorne nach hinten kleiner werdend. Meist drei, selten fünf Höcker in einer Reihe. 1.0.2.3.1.0.2.3.
Fig. 508.
Polydolops Thomasi Ameghino. Eocän. Notostylops-Schichten. Patagonien. A Ob. Zahnreihe, B unt. Zahnreihe von außen, C von oben. D Pliodolops primulus Ameghino. Ebenda. Obere M. 2/1 nat. Gr. (nach Ameghino.)
Im älteren Tertiär von Patagonien (Notostylops-Schichten). Sie sind wahrscheinlich die Nachkommen von Plagiaulaciden. Ihre Verwandtschaft mit den Caenolestiden ist schon wegen ihrer beträchtlichen Größe unwahrscheinlich, wenn auch zwischen Polydolops und Abderites einige Ähnlichkeit vorhanden ist.
Von den zahlreichen Gattungen, welche Ameghino meist nur auf einzelne Zähne begründet hat, zeichnen sich Orthodolops und Amphidolops durch undeutlich, Polydolops (Fig. 508), Pseudolops und Pliodolops durch scharf von einander geschiedene Höcker aus. An den oberen M von Pliodolops (Fig. 508 D) stehen sie in mehreren Reihen.
Propolymastodon (Promysops?) Ameghino 1.0.2.3.1.0.1.3. unterscheidet sich von den übrigen Gattungen durch den Besitz von nur einem, überdies ganz einfachen, ungekerbten P.
Eommanodon Ameghino. Miocän Colpodon-Schichten. Systematische Stellung unsicher.
Meist Pflanzenfresser mit je vier vierhöckerigen oder zweijochigen M. P den M ähnlich oder blattartig und schneidend. C fehlend oder sehr schwach entwickelt. Oben 4-1 J, davon der vorderste vergrößert, unten nur ein einziger aber sehr kräftiger nagezahnartiger J.
Die Diprotodontia sind wahrscheinlich Nachkommen von Polyprotodontia, welche sich einer gemischten oder ausschließlich vegetabilischen Kost angepaßt haben. Mit Ausnahme der südamerikanischen Gattung Caenolestes sind sie jetzt auf Australien beschränkt, wo sie auch im Pleistocän vorkommen. Aus dem Tertiär von Patagonien kennt man eine Anzahl erloschener Gattungen und Arten.
1. Familie. Caenolestidae. Trouessart.
(Paucituberculata Ameghino.)
Kleine, höchstens mittelgroße Beutler mit 3-4 kleinen vertikalen oberen J und einem großen horizontal gestellten unteren J. Dahinter drei bis vier einfache stiftförmige Lückenzähne, von denen einer im Oberkiefer zuweilen als kräftiger C entwickelt ist. Obere P2 und P3 klein, P4 größer und schneidend wie die beiden unteren P. M vierhöckerig, von vorne nach hinten kleiner werdend. Unterer M1 häufig vergrößert, fünfhöckerig und zusammen mit dem oberen P4 als Schere funktionierend, die übrigen M vierhöckerig lophodont. Obere M mit schwachem zweiten Innenhöcker. Fuß nicht syndaktyl. Lebend und fossil in Südamerika.
1. Unterfamilie. Caenolestinae.
4.1.3.4.1.4-5.2.4. Kein P oder M schneidend ausgebildet. Untere M tuberkulärsektorial. P und M denen von Beutelratten ziemlich ähnlich.
Caenolestes Thomas. Lebend in Ecuador.
Garzonia (Fig. 510) und Halmarhiphus Ameghino aus dem Miocän von Santacruz, die erstere Gattung mit trituberkulären oberen M.
Stilotherium (Fig. 510 B) und Cladoclinus Ameghino (Pitheculites Clenialites) Amegh. Miocän von Patagonien.
Zygolestes Ameghino Pliocän. Parana-Stufe von Argentinien.
Fig. 509.
Abderites meridionalis Ameghino. Miocän. Santa Cruz. Patagonien. A Unterkiefer, B Oberkiefer. Nat. Gr. (Nach Ameghino.)
Fig. 510.
A Garzonia typica Ameghino. Miocän. Santa Cruz. Oberer M von unten und hinten. 3/2 nat. Gr. B Stilotherium dissimile Amegh. Ebenda. Unterkiefer, nat. Gr. (nach Ameghino.)
?.1.3.4.1.4-3.1.4. Oberer P4 und unterer M1 zu einer Schere umgestaltet. Im Unterkiefer hinter J1 drei bis vier kleine Lückenzähne. Schädel, namentlich Hinterhaupt stark verbreitert. Jochbogen weit vorspringend.
Palaeothentes Moreno (Fig. 511) (Epanorthus, Metepanorthus, Parepanorthus Ameghino). Miocän von Patagonien. Alle M fast gleich groß. P kräftig. Callomenus, Decastis, Acdestis Ameghino. Ebenda. M von sehr ungleicher Größe. Dipilus, Metriodromus, Halmaselus, Pichipilus, Essoprion Amegh. ganz unvollständig bekannt. Palaepanorthus Amegh., Untermiocän Pyrotheriumschichten.
3. Unterfamilie. Abderitinae.
???? 1.4.1.4. P4 vergrößert, unterer M1 schneidend ausgebildet und an beiden Seiten mit Riefen versehen, die übrigen M bunolophodont, vierhöckerig.
Der untere M1 hat große Ähnlichkeit mit dem P4 der Allotheria, aber er besitzt ein Talonid, das aber bei den Arten aus den Colpodonschichten noch schwach ist. Miocän von Patagonien.
Abderites Ameghino. (Fig. 509.) Zwischen dem J1 und dem kleinen, seitlich stehenden P4 vier Lückenzähne. Miocän-Santacruz.
Parabderites Ameghino. Zwischen J1 und dem relativ großen P4 fünf Lückenzähne. Miocän Colpodonschichten und Pyrotheriumschichten.
Fig. 511.
A Palaeothentes intermedius Ameghino. Obere Backenzähne. B P. minutus Am. Untere Backenzähne. Obermiocän. Santa Cruz. 3/2 nat. Gr. (n. Sinclair.)
2. Familie. Phalangeridae.
Mannigfach spezialisierte Beuteltiere, teils omnivor, teils herbivor, teils zum Springen, teils zum Klettern und sogar zuweilen zum Fliegen befähigt. Gebiß niemals vollständig. 3.1.3-1.4.1.0.3-1.4. Oberer J1 größer als die übrigen, untere J horizontal, nagezahnähnlich. Oberer C stets klein, P4 in beiden Kiefern in der Regel schneidend, öfters gerieft, oder sämtliche P M-artig. M vierhöckerig, Höcker gleich groß und paarweise zu Jochen verbunden. Vorderbeine meist kürzer als die Hinterbeine, an welchen die vierte Zehe stets am kräftigsten ist. Zweite und dritte Zehe reduziert und von einer gemeinsamen Haut umgeben. Schwanz meist lang und kräftig und teils als Greiforgan, teils zum Abschnellen dienend.
Lebend in Australien, Neuseeland, zum Teil auch in Neuguinea. Fossil im Pleistocän von Australien.
Langgeschwänzte Beutler, höchstens von Kaninchengröße. 3.1.1.4.1.0.1-2.4. P4 in beiden Kiefern schneidend und an beiden Seiten gerieft. Extremitäten gleich lang. Hinterfuß meist fünfzehig.
Aepyprymnus und Bettongia (Fig. 512), letztere ohne Hallux, lebend in Australien, fossil im Pleistocän von Neu-Süd-Wales. Hypsiprymnodon mit zwei P.
Wynyardia Baldwin. Tertiär (Turritella Sandstein von Tablecap) vereinigt im Schädel- und Extremitätenbau Merkmale der Diprotodontia und Polyprotodontia. Systematische Stellung wegen des Fehlens der Zähne durchaus unsicher.
2. Unterfamilie. Thylacoleoninae. Owen.
3.1.3.1.1.0.2.3. Große ausgestorbene Beutler mit kräftigem ersten Incisivenpaar und langen schneidend entwickelten P4. Die Lückenzähne und M stark reduziert.
Thylacoleo Owen. (Fig. 513.) Schädel dem des Löwen an Größe gleich kommend, hinten breit, Schnauze stark verkürzt und verschmälert. Jochbogen sehr kräftig, weit ausladend. Skelett unvollständig bekannt. Endphalangen der Füße große stark gekrümmte Krallen. Im Pleistocän von Australien, namentlich in Knochenhöhlen.
Fig. 513.
Thylacoleo carnifex. Owen. Schädel von der Seite. 1/5 nat. Gr. Pleistocän. Queensland (nach Owen.)
3. Unterfamilie. Phalangerinae. Kletter- und Flugbeutler.
3.1.3-2.4.1.0.2-1.4. Vorder- und Hinterextremität fünfzehig, an der letzteren die zweite und dritte Zehe dünn und miteinander verbunden.
Einige der in Australien lebenden Gattungen sind auch im Pleistocän vertreten.
4. Unterfamilie. Macropodinae. Kängurus.
3.0-1.2-1.4.1.0.2-1.4. Obere J meißelartig, untere nagezahnähnlich, horizontal. P und M mit hohen Querjochen. Hinterbeine stark verlängert, fünfte, zweite und dritte Zehe reduziert, und die beiden letzteren in einer gemeinsamen Haut steckend. Hallux rudimentär.
Neben den in Australien lebenden Gattungen Macropus Shaw (Halmaturus Illiger) finden sich im dortigen Pleistocän eine Anzahl fossiler Formen (Sthenurus, Palorchestes etc.) von zum Teil riesiger Größe.
3. Familie. Phascolomyidae. Wombate.
Nagerähnliche plumpe Pflanzenfresser mit dickem Kopf, kurzem Hals, kurzen Beinen und stummelartigem Schwanz. 3-1.0.1.4.1.0.1.4. J oben und unten verlängert, Backenzähne brachyodont oder prismatisch. Extremitäten plump, fünfzehig, vordere und hintere fast gleich lang. Lebend und im Pleistocän von Australien.
Phascolarctus Blainv. 31 J. Backenzähne brachyodont mit je vier, teils ⋁förmigen, teils mehr konischen Höckern.
Phascolomys Geoffroy. 11 J. Backenzähne zylindrisch, aus zwei Querjochen bestehend, von denen jedes aus zwei ⋁förmigen Höckern zusammengesetzt ist.
Phascolonus Owen, fossil im Pleistocän, unterscheidet sich nur durch seine viel beträchtlichere Größe.
Nothotherium und Diprotodon Owen. 21 J. (Fig. 514.) Von der letzteren Gattung, welche fast Rhinozerosgröße besaß, kennt man eine Anzahl Skelette vom Kallabonnasee. Am Hinterfuß sind alle Knochen der ersten Zehe zu einem einzigen Stück verschmolzen. Hand und Fuß bestehen praktisch fast nur aus den vergrößerten Carpalien und Tarsalien und dem fünften Metapodium. P und M aus je zwei durch ein breites Tal getrennten Querjochen gebildet. Beide Gattungen nur fossil.
Fig. 514.
Diprotodon australis Owen. Pleistocän. Kallabonna-See. Australien. A rechter Vorderfuß, B rechter Hinterfuß, stark verkleinert. (Nach Stirling und Zietz.)
Fleisch- oder Insektenfresser von meist geringer oder mittlerer Größe. Gebiß vollständig. Im Oberkiefer 4-5, selten 3, im Unterkiefer 3-4 kleine J. C spitz und hoch, zuweilen zweiwurzelig, P einspitzig, seltener mit Nebenspitzen, meist zweiwurzelig, M bei fossilen Formen öfters in größerer Anzahl, bei den rezenten in Vierzahl vorhanden, trikonodont oder trituberkulär.
Zu den polyprodonten Beuteltieren gehören die australischen Myrmecobiidae, Peramelidae, Dasyuridae, die amerikanischen Didelphyidae und eine große Anzahl fossiler Formen, unter denen sich die pleistocänen und tertiären enge an lebende anschließen, während die mesozoischen eigentümliche primitive Merkmale aufweisen, die ihre Einteilung in das zoologische System erschweren. Owen betrachtete die letzteren als Vorläufer der Polyprotodontia, betonte jedoch bereits ihre Beziehungen zu den placentalen Insektivoren.
1. Familie. Dromatheriidae Osborn. (Protodonta Osborn? Promammalia Haeckel).
P griffelförmig, einspitzig. M mit großer Hauptspitze und schwacher Vorder- und Hinterspitze, die Wurzel unvollkommen geteilt. Unterkiefer hauptsächlich aus dem Dentale bestehend, höchstens mit schwachem Eckfortsatz.
Diesen winzigen und nur durch spärliche Überreste vertretenen Formen wird jetzt eine hervorragende phylogenetische Bedeutung beigelegt, weil sie die Cynodontia mit den Säugetieren verbinden sollen.
Dromatherium Emmons (Fig. 515) mit 3.1.4.6. im Unterkiefer. Untere J aufrecht, vordere P vorwärts geneigt, Unterkiefer ohne Eckfortsatz und Microconodon Osborn mit niedrigeren M und schwachem Eckfortsatz, vielleicht mit getrenntem Angulare am Unterkiefer. Obere Trias von Nordcarolina.
Fig. 515.
Dromatherium sylvestre Emmons. Ob. Trias. Chatham, Nordcarolina. Unterkiefer nat. Gr.
Tribolodon Seeley. M mit kräftigen Nebenspitzen, aber undeutlicher Wurzelteilung, ohne Eckfortsatz und Karoomys Broom aus der Trias von Südafrika, der letztere ganz ungenügend bekannt.
2. Familie. Triconodontidae. Osborn.
Kleine Beutler mit 4 P. und 3-6 M. Wurzeln der Backenzähne vollständig geteilt. P ähnlich den M aber einfacher. M mit je drei in einer Reihe stehender Spitzen und starkem Basalband. C zuweilen zweiwurzelig. Winkel des Unterkiefers einwärts gekrümmt. Condylus nicht scharf vom Eckfortsatz geschieden. Kronfortsatz breit, Zahnwechsel auf den letzten P beschränkt. Jura von England und Nordamerika.
Triconodon Owen (Tricanthodon Owen). (Fig. 516.) ?.1.4.3-4.3.1.4.3-4. Oberer C zweiwurzelig. P mit kleiner Vorder- und Hinterspitze, M mit drei fast gleich starken Spitzen. Purbeck-Schichten von England.
Priacodon Marsh. Oberer Jura von Wyoming.
Fig. 516.
Triconodon mordax Owen. Purbeck-Schichten von Durdlestone Bay, Dorset. A Unterkiefer (nat. Gr.) nach Owen. B Oberkieferzähne und Unterkiefer. 2/1 restauriert. (Nach Osborn.)
Amphilestes Owen. 4.1.4.5. P und M wenig verschieden. Mittelspitze höher als die vordere und hintere. Großoolith. Stonesfield. England.
Phascolotherium Owen. 4.1.2.5. Hinter dem C eine Lücke. Mittelspitze der P und M höher als die Nebenspitzen. Großoolith von England.
Menacodon Marsh. ?.1.3.4. Nebenspitzen kleiner als Hauptspitze und etwas einwärts gerückt. Oberer Jura. Wyoming.
Tinodon Marsh. Ebendaher.
Spalacotherium Owen. 3.1.4.6. Purbeck. England. Sp. tricuspidens Owen.
3. Familie. Myrmecobiidae.
Die in Australien lebende Gattung Myrmecobius steht den mesozoischen Pantotheria in der Zahnzahl und in der Kieferform sehr nahe.
4. Familie. Peramelidae.
Extremitäten stark spezialisiert. Hand öfters zum Graben eingerichtet. Fuß mit reduzierten Seitenzehen. Im Pleistocän von Australien durch spärliche Reste vertreten.
5. Familie. Notoryctidae.
Extremitäten ähnlich wie beim Maulwurf zum Graben spezialisiert. Notoryctes Stirling. Lebend in Australien.
Kleine Insektivoren, ohne umgebogenen Unterkiefereckfortsatz, mit primitiven tuberkulärsektorialen unteren M und trituberkulären oberen M. Untere J meist vorwärts geneigt, P3 und P4 größer als M. Meist 11 Zähne — 4 P, 7 M — hinter dem meist zweiwurzeligen C. Jura und Kreide von England und Nordamerika.
Diese kleinen, auf das jüngere Mesozoicum beschränkten Formen werden jetzt von Osborn zu den Placentalia gestellt. Es läßt sich zwar nicht läugnen, daß manche von ihnen gewiß den Ausgangspunkt für Insectivora und allenfalls auch für Credontia darstellen, allein sie schließen sich doch auch einerseits an die Triconodonta und anderseits an Myrmecobius an, von welchen der letztere trotz der kaum bemerkbaren Umbiegung des Eckfortsatzes zu den Marsupialia gehört und dürften daher schon wegen der zahlreichen M doch besser ebenfalls zu diesen gestellt werden. An den unteren M ist das aus Protoconid, Paraconid und Metaconid bestehende Trigonid wohl entwickelt, das Talonid hingegen noch sehr klein und meist nur durch einen Zacken repräsentiert. Auch werden die M zuweilen durch Reduktion einspitzig. Zu den drei Höckern der oberen M kommen manchmal noch Nebenhöcker.
1. Unterfamilie. Amphitheriinae. Owen.
Untere J fast senkrecht, untere M tuberkulärsektorial mit kräftigem Talonid, zweiwurzelig. Kronfortsatz breit, Eckfortsatz gerundet, abwärts gerichtet. Gelenk tiefstehend. Hinter C 9-12 Zähne.
Amphitherium Owen (Thylacotherium Val.). (Fig. 517.) Dogger von England. 4.1.5.6. Ein schon im Jahre 1818 gefundener Kiefer wurde von Cuvier einem Beuteltier, von Blainville hingegen einem Reptil zugeschrieben.
Amphitylus Owen. Ebenda.
Peramus, Leptocladus Owen. Oberer Jura. Purbeck von England.
Fig. 517.
Amphitherium Prevosti Blv. Dogger. Stonesfield bei Oxford. Linker Unterkiefer von außen, a in nat. Gr., b vergr. (Nach Owen.)
Fig. 518.
Amblotherium soricinum Owen. Ob. Jura. Purbeck. England. Rechter Unterkieferast. A in nat. Gr. B vergr. (Nach R. Owen.)
2. Unterfamilie. Amblotheriinae Osborn. (Stylacodontidae Marsh.)
M allmählich einspitzig und einwurzelig werdend. C einwurzelig, Coronoidfortsatz schlank, Unterkiefereckfortsatz nicht scharf abgesetzt. J vorwärts geneigt, P3 und P4 größer als M. Hinter C 11-12 Zähne.
Amblotherium Owen. (Fig. 518.) Oberer Jura. Purbeck England. 4.1.4.7. Hierher vielleicht die oberen M von Peralestes Owen, die außer Protocon, Metacon und Paracon auch Parastyl und Metastyl besitzen.
Peraspalax Owen und Achyrodon Owen. Oberer Jura. Purbeck England.
Phascolestes (Dryolestes.) Marsh. Oberer Jura. Wyoming.
Laodon und Asthenodon Marsh. Ebenda.
Stylodon Owen. (Stylacodon? Marsh.) Obere M Kurtodon Owen. (Fig. 519.) Oberer Jura. Purbeck von England.
3. Unterfamilie. Paurodontinae Marsh.
M zweiwurzelig, undeutlich tuberkulärsektorial, mit winzigen Nebenzacken. Unterkiefer kurz und massiv. Hinter C höchstens 7 Zähne. Jura von Wyoming.
Paurodon Marsh. Wohl 3.1.4.3. wie die meisten Placentalier.
4. Unterfamilie. Diplocynodontinae Marsh.
Obere M mit großem Protocon, untere M mit breitem, beckenförmigem Talonid. Jura von Wyoming.
Diplocynodon Marsh. (Dicrocynodon Marsh.) 3.1.4.8. (Fig. 520). Mittelspitze der M und P hoch. Kronfortsatz breit. Eckfortsatz klein. Kiefergelenk höher als die Zahnreihe.
Enneodon, Docodon Marsh.
Fig. 519.
Kurtodon Osborn. Obere Backenzähne. Oberer Jura von England, vergrößert. (Nach Osborn.)
Fig. 520.
Dicrocynodon victor Marsh sp. Ob. Jura. Wyoming. Recht. Unterkiefer von außen. 2/1. (Nach Marsh.) a Eckzahn, b Condylus, c Kronfortsatz, d Winkel.
Fig. 521.
Cladosictis lustratus Ameghino. Obermiocän. Santa Cruz. Patagonien. A Hand, B Fuß, nat. Gr. (nach Sinclair.)
7. Familie. Dasyuridae. Raubbeutler.
Carnivore Beutler von mittlerer Größe. 3-4.1.3.4.3.1.3.4. J und C normal entwickelt. Obere M trituberkulär mit zwei äußeren Spitzen, einer großen Innenspitze, Protocon, und einem schneidenden Metastyl. M4 meist stark reduziert. Untere M mit schneidendem Vorderzacken — Paraconid — und Hauptzacken — Protoconid — und kleinem grubigen oder sekodonten Talonid, aber ohne Metaconid. P in beiden Kiefern einspitzig, zweiwurzelig, von vorne nach hinten gleichmäßig größer werdend, selten P4 vergrößert. Vorderfuß mit fünf bekrallten Zehen; Hinterfuß mit 5 oder 4 Zehen, Hallux häufig reduziert, zuweilen fehlend. Unterkiefereckfortsatz einwärts gebogen.
Bei den noch in Australien lebenden und daselbst auch im Pleistocän vorkommenden Gattungen Dasyurus Geoffr. Sarcophilus Cuv. und Thylacinus Temm. wird nur der hinterste der drei P gewechselt. Auch hat der Gaumen eine Lücke.
Bei den folgenden, auf das patagonische Tertiär beschränkten Gattungen — den Sparassodonta Ameghinos — fehlt die Gaumenlücke und der Zahnwechsel soll sich auch auf den C, sowie auf zwei P erstrecken. Der Schädel ist groß, Hals und Schwanz lang, Beine kurz.
Cladosictis Ameghino (Fig. 521). 43 J. M1-3 mit kräftigem Protocon M4 stark reduziert. Untere M mit mäßig starkem Talonid. P gleichmäßig an Größe zunehmend. Schädel mit Alisphenoidbulla. Hallux reduziert. Humerus mit Foramen entepicondyloideum. Krallen spitz, komprimiert. Miocän. Santa Cruz.
Hathlyacynus Mercerat. Ebenda. Procladosictis, Pseudocladotictis Ameghino. Eocän. Notostylopsschichten.
Amphiproviverra (Protoproviverra) Ameghino. (Fig. 522.) 43 J. Obere M mit drei kräftigen Spitzen und kurzem Metastyl. M4 wenig reduziert. Untere P und M schlank, die M mit großem beckenförmigem Talonid. Hallux groß, opponierbar. Humerus ohne Foramen. Krallen spitz. Miocän. Santa Cruz.
Perathereutes, Sipalocyon, Agustylus, Acyon, Ictioborus Ameghino. Miocän. Santa Cruz.
Fig. 522.
Amphiproviverra manzaniana Ameghino. Obermiocän. Santa Cruz. A obere, B untere Zahnreihe. Nat. Gr. (nach Sinclair.)
Prothylacinus Ameghino. 43 J. M1 und M2 mit deutlichem, M3 ohne Protocon, M4 mit kleinem Protocon und Metacon, P4 wenig größer als P3. Untere M mit schwachem Talonid. Schädel lang, ohne Alisphenoidbulla. Unterkiefer mit fester Symphyse. Hallux stark reduziert. Krallen spitz, zusammengedrückt. Miocän. Santa Cruz.
Napodonictis Ameghino. Ebenda. Pseudothylacinus Ameghino. Miocän. Colpodonschichten.
Borhyaena Ameghino. 33 J. Zähne plump, dicht aneinanderschließend. M4 knopfartig. Talonid nur an M1 und M2 gut entwickelt. Schädel kurz, mit weit abstehenden Jochbogen. Ohne Alisphenoidbulla. Humerus ohne Entepicondylarforamen. Endphalangen stumpf, rundlich, an der Spitze gespalten. Miocän. Santa Cruz.
Acrocyon, Conodonictis Ameghino. Ebenda. Pseudoborhyaena. Miocän. Colpodonschichten. Proborhyaena, Pharsaphorus Ameghino. Pyrotheriumschichten.
8. Familie. Didelphyidae. Beutelratten.
Meist kleine carnivore Beutler. 5.1.3.4.4.1.3.4. J klein, dicht gedrängt. C stark entwickelt. Dem letzten, meist sehr hohen P geht ein lange funktionierender Milchzahn voraus. Obere M trituberkulär dreieckig, Protocon, Paracon und Metacon ⋁förmig, am Außenrand in der Regel einige kleine Basalhöcker vorhanden. Untere M tuberkulärsektorial mit kräftigem Metaconid und mehrhöckerigem, wohlausgebildetem Talonid. Extremitäten fünfzehig, Hallux opponierbar. Humerus mit Entepicondylarforamen.
Die beiden lebenden Gattungen Didelphys und Chironectes sind in Amerika verbreitet von Patagonien bis Canada. Fossile Vertreter sind im älteren Tertiär von Europa und Nordamerika nicht selten, in Südamerika im Tertiär und Pleistocän. Die ältesten Formen kennt man aus der Kreide. Laramiebed von Nordamerika. Von den Gattungen Didelphops, Cimolestes, Pediomys, Telacodon und Batodon Marsh aus der oberen Kreide von Wyoming sind nur isolierte Zähne und Kieferfragmente bekannt.
Didelphys Lin. (Peratherium Aymard. Oxygomphius Meyer, Amphiperatherium Filhol, Herpetotherium, Embassis Cope. (Fig. 523.) 5.1.3.4.4.1.3.4. Außer den drei ⋁förmigen Haupthöckern auch Nebenhöcker am Außenrand der oberen M vorhanden. Untere M schlank. In Europa vom Obereocän bis Untermiocän, in Nordamerika im Eocän, Oligocän und Pleistocän.
Fig. 523.
Didelphys (Oxygomphius) frequens H. v. Meyer. Miocän. Eckingen bei Ulm. a, b, c drei Oberkieferzähne vergr. 3/1. e Unterkiefer in natürl. Gr. und d vergr. (Nach Schlosser.)
Microbiotherium Ameghino. J kräftig. Obere M aus drei konischen Höckern und einfachem Basalband bestehend, untere massiv mit großem Talonid. Obermiocän. Santa Cruz. Daselbst die problematischen Gattungen Hadrorhynchus, Stylognathus, Eodidelphys. Im Eocän, Notostylopsschichten von Patagonien Ideodidelphys Ameghino. Proteodidelphys Ameghino aus angeblichen Kreideschichten Patagoniens.
9. Familie. Caroloameghinidae Ameghino.
5.1.3.4.4.1.3.4. C klein, P einfach langgestreckt. Obere M trituberkulär mit Zwischenhöckern. Untere M mit niedrigem Trigonid und großem Talonid und Nebenhöcker vor und hinter dem hohen Metaconid. Unterkiefer schlank und niedrig.
Fig. 524.
Caroloameghinia mater Ameghino. Eocän. Notostylopsschichten. Patagonien. A oberer Molar. B unteren Molaren. 3/1 nat. Gr. C Unterkiefer, nat. Gr. (nach Ameghino.)
Die Form der M erinnert teils an Primaten, teils an Nager.
Caroloameghinia Ameghino. (Fig. 524.) Eocän. Notostylopsschichten von Patagonien.
| Zeitliche und räumliche Verbreitung der Marsupialier. | |||||||||||||||
| Trias | Dogger | Oberer Jura | Ob. Kreide | Tertiär | Pleisto- cän |
Jetzt- zeit |
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| Europa | Nordamerika | Südafrika | Europa | Europa | Nordamerika | Nordamerika | Europa | Nordamerika | Südamerika | Australien | Australien | Amerika | Australien | Amerika | |
| I. Allotheria | |||||||||||||||
| 1. Tritylodontidae | |||||||||||||||
| 2. Plagiaulacidae | |||||||||||||||
| 3. Polymastodontidae | |||||||||||||||
| 4. Polydolopidae | |||||||||||||||
| II. Diprotodonta | |||||||||||||||
| 1. Caenolestidae | |||||||||||||||
| 2. Phalangeridae | |||||||||||||||
| 3. Phascolomyidae | |||||||||||||||
| III. Polyprotodonta | |||||||||||||||
| 1. Dromatheriidae | |||||||||||||||
| 2. Triconodontidae | |||||||||||||||
| 3. Myrmecobiidae | |||||||||||||||
| 4. Peramelidae | |||||||||||||||
| 5. Notoryctidae | |||||||||||||||
| 6. Pantotheriidae | |||||||||||||||
| 7. Dasyuridae | |||||||||||||||
| 8. Didelphyidae | |||||||||||||||
| 9. Caroloameghinidae | |||||||||||||||
Meist kleine, in der Regel fünfzehige, bekrallte Sohlengänger. J manchmal teilweise vergrößert, nicht selten teilweise reduziert. C wenig von den J und P verschieden, manchmal auch groß und zweiwurzelig oder auch verkümmert, P zugespitzt, letztere öfters sekodont, M lophodont oder bunodont, die unteren mit meist fünf scharfen Höckern, die oberen tri- oder quadrituberkulär, Milchgebiß meist frühzeitig ausfallend, selten funktionierend. Gehirn klein, mit glatten Hemisphären. Schlüsselbeine fast immer vorhanden.
Die typischen Insectivoren sind kleine, häufig unterirdisch lebende, grabende, nächtliche, seltener kletternde oder schwimmende Landtiere, welche sich von Insekten und Würmern nähren. Sie bilden unter den Placentaliern die primitivste Ordnung und haben enge Beziehungen zu den polyprotodonten Beuteltieren, wenigstens zu den Pantotheriidae. Jetzt werden ihnen auch eine Anzahl gänzlich erloschener Formen angereiht, die zum Teil ansehnliche Körpergröße besitzen und früher teils zu den Primaten gestellt, teils für eine besondere Ordnung angesehen wurden.
Gegenwärtig bewohnen die Insectivoren nur die Alte Welt und Nordamerika, sie fehlen dagegen in Südamerika und Australien. Die fossilen Formen haben im wesentlichen die nämliche Verbreitung, nur eine Gattung ist bloß auf Südamerika beschränkt. Sie beginnen mit ziemlich vielen, großenteils erloschenen Formen im Eocän und Oligocän von Nordamerika, spielen aber hier im späteren Tertiär nur eine untergeordnete Rolle, während sie in Europa vom Oligocän bis in das Obermiocän trotz ihrer Kleinheit keineswegs zu den Seltenheiten gehören.
Der Schädel zeichnet sich durch gestreckte, niedrige Form, durch das breite Hinterhaupt, durch die meist starke Entwicklung der Gesichtsknochen, die hinten meist offenen Augenhöhlen, die unvollständige Verknöcherung der Gehörkapsel, durch das ringförmige Tympanicum und durch die Kleinheit der Gehirnhöhle aus. Die Großhirnhemisphären sind glatt, der Jochbogen ist zuweilen verkümmert. Die Lendenregion besitzt öfters Intercentren. Der Humerus hat in der Regel ein Entepicondylarforamen. Ulna und Radius bleiben getrennt, dagegen sind Tibia und Fibula häufig distal verwachsen. Das Femur trägt manchmal einen dritten Trochanter. Die plantigrade Hand ist fast immer fünf-, sehr selten vierfingerig. Der Hallux kann verschwinden. Bei den grabenden Formen sind die Knochen der Vorderextremität stark spezialisiert.
Das Gebiß enthält alle Arten von Zähnen, doch sind die C und die vorderen P oft sehr wenig voneinander verschieden. Die normale Zahnzahl 3.1.4.3.3.1.4.3. erleidet manchmal eine Reduktion. Die J sind zuweilen stark verlängert, fast nagezahnartig und mit Nebenzacken versehen und der C hat nicht selten zwei Wurzeln. Die Zahl der M übersteigt niemals die Zahl 3. Der letzte P wird manchmal M-artig. Die M sind secondont, die oberen meist trituberkulär, selten quadrituberkulär, ihre Höcker frei oder durch Joche verbunden. Die unteren bestehen aus einem dreizackigen Trigonid und einem niedrigen, oft sehr kleinen zweispitzigen Talonid. Der Zahnwechsel erfolgt häufig schon im Embryonalzustand, bei einigen Gattungen erhält sich hingegen das Milchgebiß sehr lange. Die Insectivoren zerfallen in zwei Unterordnungen: die Menotyphla, deren Symphyse von den beiden Pubes und Ischia gebildet wird und die Lipotyphla, bei welchen eine Symphyse entweder fehlt oder sich nur auf die beiden Pubes erstreckt. Die Menotyphla umfassen die in Ostasien lebenden Tupajidae und die afrikanischen Macroscelididae. Sichere fossile Formen sind hiervon nicht bekannt.
Die Lipotyphla werden eingeteilt in Zalambdodonta und Dilambdodonta, welchen jetzt noch mehrere ausgestorbene Familien angereiht werden, die teils Anklänge an Primaten, teils an Creodontier, teils an Nager aufweisen.
Obere M infolge der Reduktion der Außenhöcker undeutlich trituberkulär, untere mit kräftigem Trigonid und stark reduziertem Talonid.