1. Familie. Chrysochloridae.
Diese jetzt in Südafrika lebende und nach Art der Maulwürfe spezialisierte, aber mit hypselodonten P und M versehene Familie soll in Nordamerika im Oligocän (White Riverbed) einen Vertreter besitzen in Xenotherium Douglass.
2. Familie. Necrolestidae. Scott.[125]
Necrolestes Ameghino. 4.1.3.3.4.1.3.3. J klein, C normal entwickelt, P2 in beiden Kiefern zweiwurzelig, der untere mit Vorder- und Hinterspitze, die übrigen wie die M hypselodont und trituberkulär. Im Schädel-, Zahnbau und Spezialisierung der Extremitäten sehr ähnlich den südafrikanischen Chrysochloridae, aber langschnauziger. Obermiocän von Santa Cruz. Patagonien.
3. Familie. Centetidae.
Diese Familie ist heutzutage auf Madagaskar beschränkt, mit Ausnahme der auf Kuba lebenden Gattung Solenodon und mit den westafrikanischen Potamogalidae nahe verwandt. Fossil in Nordamerika. Oligocän (White Riverbed) von Montana.
Micropternodus Matthew. (Fig. 525.) 3.1.3.3. M wie bei Centetes aus hohem Trigonid und kleinem Talonid bestehend.
Apternodus Matthew. 2.1.3.3.2.1.3.3. Talonid sehr stark reduziert. P4 in beiden Kiefern M-artig. Schädel dem von Ericulus ähnlich, aber durch die starke Entwicklung des Mastoids ausgezeichnet.
Obere M echt trituberkulär, oft mit Hypocon versehen. Untere M tuberkulär sektorial, mit kräftigem Talonid.
Fig. 525.
Micropternodus borealis Matthew. Oligocän. Unterstes White Riverbed Montana. Unterkiefer von außen und innen. 2/1 nat. Gr. (nach Matthew.)
1. Familie. Leptictidae. Cope.
2.1.4.3.2-3.1.4.3. Obere M sehr breit, dreieckig, trituberkulär, meist mit schwachem Hypocon. Außenhöcker konisch. J spitz, wenig verschieden von den C. P4 in beiden Kiefern M-artig. Schädel meist mit zwei Scheitelkämmen, schlanken Jochbogen und spitzer, mäßig langer Schnauze. Humerus mit Entepicondylarforamen.
Palaeictops Cope. Untereocän (Wasatchbed) von Nordamerika, Phenacops Matthew, Diacodon Cope.
Leptictis, Ictops Leidy. (Fig. 526.) Schädel mit doppeltem Scheitelkamm. Oligocän. White Riverbed von Nordamerika.
Fig. 526.
Leptictis Haydeni Leidy. Unt. Miocän. Dakota. Schädel von oben, von der Seite und unten.
Nat. Gr. (Nach Leidy.)
2. Familie. Talpidae. Maulwürfe.
3-2.1.4-3.3.3-1.1.4-3.3. Obere M trituberkulär, Außenhöcker ⋁förmig. Schnauze stark verlängert, Jochbogen dünn. Bullae osseae gewölbt. Vorderextremität als breites, schaufelartiges Grabwerkzeug entwickelt. Tibia und Fibula distal verschmolzen. Becken stark verlängert. Schwanz kurz.
Die Talpiden sind kleine, unterirdisch lebende Wühler mit verkümmerten Augen und langer Schnauze. Beim Maulwurf reicht das Manubrium bis unter den zweiten Halswirbel und nimmt vorne das kurze fast quadratische Schlüsselbein auf, welches mit dem distalen Ende des kurzen, stark verbreiterten Humerus artikuliert und durch Bänder mit der schmalen langgestreckten Scapula verbunden ist. Der Humerus besitzt einen weit vorspringenden Deltoidkamm und neben jedem Condylus einen spornartigen Fortsatz. In den oligocänen Phosphoriten von Quercy Amphidozotherium Filhol, im europäischen Miocän die Gattungen Scaptonyx M. Edwards, Proscapanus Gaillard und Talpa Linn (Fig. 527), die letztere auch im Pliocän und Pleistocän. Eine Art auch im Miocän von Montana.
Proscalops Matthew. (Fig. 528.) J vergrößert. P mit Ausnahme von P4 klein. Zähne niedriger als bei Scalops. Schädel hinten stark verbreitert. Untermiocän. Colorado.
Domnina Cope. Oligocän. White Riverbed von Nordamerika.
Nyctitherium (Talpavus, Nyctilestes) Marsh. Obere M mit kräftigem Hypocon. Mittleres Eocän. Bridgerbed von Nordamerika.
Fig. 527.
Talpa Meyeri Schlosser. Unt. Miocän. Weisenau bei Mainz. Humerus a von innen, b von hinten, c von außen, d von vorne, e von unten. Nat. Gr. (Nach Schlosser.)
Entomacodon (Centracodon) Marsh. Myolestes und Entomolestes Matthew. Ebendaselbst.
Echinogale Pomel im Untermiocän von Frankreich. Systematische Stellung unsicher.
Myogale Cuvier. Lebend und im Pleistocän von Europa.
3. Familie. Soricidae. Spitzmäuse.
Die Spitzmäuse zeichnen sich durch kräftige, im Oberkiefer vierzackige M und durch die Vergrößerung des vordersten J aus. Der obere J ist hakenförmig, der untere steht horizontal und besitzt einen zugeschärften oder gezackten Oberrand. Die zwischen diesen J und den M befindlichen Zähne 4-62 sind mit Ausnahme des P4 wenig, die Extremitätenknochen dagegen stark differenziert. Überreste von Soriciden finden sich in Europa vom Oligocän an, Phosphorite von Quercy, im Untermiocän von Ulm und Mainz, im Obermiocän von La Grive St. Alban und im Pleistocän. Sie gehören den Gattungen Sorex Lin. (Fig. 529.) Crocidura und Crossopus Wagler an.
Protosorex Scott. Im Oligocän (White Riverbed) von Nordamerika mit zahlreichen P.
Fig. 528.
Proscalops miocaenus Matthew. Miocän. Colorado. Schädel und Unterkiefer. 2/1 nat. Gr. (nach Matthew.)
Fig. 529.
Sorex pusillus Meyer. Miocän. La Grive St. Alban. Isère. Unterkiefer von innen in nat. Gr. und vergr. (Nach Depéret.)
Fig. 530.
Necrogymnurus Cayluxi Filhol. Phosphorit. Quercy. a Schädel von unten, b Unterkiefer mit drei Molaren und P4 von der Seite, c derselbe von oben. Nat. Gr. (Nach Filhol.)
4. Familie. Dimylidae.
22 M, davon M1 in beiden Kiefern sehr groß. J, C, P mit Ausnahme von P4 sehr einfach. Humerus ähnlich dem von Talpa. Nur aus dem europäischen Miocän bekannt.
Dimylus und Cordylodon Meyer. Letzterer mit knopfförmigen P. Im Untermiocän.
Plesiodimylus Gaillard und Metacordylodon Schlosser im Obermiocän.
Obere M meist vierhöckerig, viereckig. P4 M-ähnlich, die übrigen P einfacher.
Gymnurinae. 3.1.4.3.3.1.4.3. C kräftig.
Necrogymnurus (Cayluxotherium) Filhol. (Fig. 530.) Eocän. Phosphorite von Quercy.
etracus Aymard. Oligocän. Ronzon.
Galerix Pomel. (Parasorex v. Meyer.) (Fig. 531.) Im Obermiocän von Europa.
Erinaceinae mit weniger als 44 P.
Erinaceus Linn. 3.1.3.3.2.1.2.3. Vorderster J vergrößert, die übrigen, sowie C und M3 reduziert. Obermiocän bis Gegenwart.
Palaeoerinaceus Filhol. Untermiocän.
Proterix Matthew. 3.1.3.3. Oligocän. White River. Süd-Dakota.
Fig. 531.
Galerix exilis Blv. sp. (Parasorex socialis H. v. Meyer.) Miocän. Steinheim, Württemberg. a Unterkiefer nat. Gr., b Unterkieferzähne vergr., c Oberkiefer von Grive-St. Alban nat. Gr., d vergr. (Nach Depéret.)
6. Familie. Adapisoricidae Lemoine.
Kleine ausgestorbene, unvollständig bekannte Insectivoren mit 2 J, 1 C, 4 P, 3 M im Unterkiefer. Obere M trituberkulär. Untere J klein, nagezahnartig. C klein. P zweiwurzelig mit Hauptspitze und Talonid. M mit hohem dreizackigem Trigonid und starkem, grubigem Talonid. Systematische Stellung durchaus unsicher. Adapisorex und Adapisoriculus Lemoine im untersten Eocän von Cernays und Ay bei Reims.
7. Familie. Hyopsodontidae Schlosser.
3.1.4.3.3.1.4.3. Schädel niedrig, Schnauze mäßig lang, mit breiter Stirn und breitem Hinterhaupt. Obere M viereckig, sechshöckrig, untere vierhöckerig, Trigonid kaum höher als Talonid. Alle vorderen Zähne einspitzig, fast aneinander schließend und allmählich in einander übergehend, obere P2 bis P4 mit Innenhöcker, unterer P4 sehr kompliziert.
Fig. 532.
Hyopsodus paulus Leidy. Eocän (Bridgerbed.) Wyoming. A obere Backzähne von unten vergr. 2/1 nat. Gr. B untere Backzähne von oben, 2/1 nat. Gr.
Fig. 533.
Hyopsodus decipiens Matthew. Mitteleocän. Bridgerbed. Wyoming. Schädel und Unterkiefer nat. Gr. (nach Matthew.)
Diese gänzlich erloschene Familie wurde bisher vor kurzem wegen der Ähnlichkeit ihrer Zähne zu den Primaten gestellt. Der Schädel zeigt jedoch Anklänge an den von Erinaceus, und die Metapodien haben keine knopfförmige, sondern eine gekielte distale Gelenkfläche. Auch fehlt die Opponierbarkeit der ersten Zehe und des Daumens. Wir haben es vermutlich mit dem Überrest einer Insectivorengruppe zu tun, welche dem Ausgangspunkt der Primaten sehr nahe steht. Sie schließt sich anderseits auch wieder an die kleineren Mioclaeniden an.
Hyopsodus Leidy (Lemuravus Marsh). (Fig. 532, 533.) J, C und die vordersten P spitz, kegelförmig, P3 und P4 mit großen, dicken Außen- und ⋁förmigem Innenhöcker. Obere M mit zwei kantigen Außen-, zwei ⋁förmigen Innenhöckern und zwei kräftigen Zwischenhöckern. Unterer P4 mit großer Innenspitze und zweihügeligem Talonid. Untere M mit vier stumpfen, undeutlich alternierenden Höckern und kleinem Hinterhöcker. An dem breiten Schädel steht die Augenhöhle seitlich; das Tympanicum bildet keine knöcherne Bulla. Humerus mit Entepicondylar- und Supratrochlearformen. Extremitätenknochen denen von Erinaceus ähnlich. Astragalus mit flacher Trochlea. Endphalangen klein, rundlich, nicht gespalten. Zahlreiche Arten im Eocän von Nordamerika. Wasatchbed. H. lemoinianus; miticulus Cope, Wind Riverbed. H. Wortmani Osborn, Bridgerbed. H. paulus, minusculus Leidy. Uintabed uintensis Osborn.
8. Familie. Mixodectidae Cope (Proglires Osborn).
3-1.1.3.3.3-1.1.2.3. Obere M nicht viel breiter als lang, mit konischen Außen- und kleinen Zwischenhöckern, ⋁förmigem Protocon und schwachem Hypocon. Unterer und oberer J1 vergrößert und vorwärts geneigt. J1 und J3 meist fehlend, klein, ebenso P1 oder P2 oder fehlend, oder P3 wie P4 schneidend, mit hoher Spitze. P4 anfangs zweihöckerig, später kompliziert. Untere M mit fünf undeutlich alternierenden Höckern, die beiden inneren konisch, Protoconid und Hypoconid ⋁förmig. Paraconid nur als Kante entwickelt. Trigonid nicht viel höher als Talonid, das namentlich an M3 sehr groß wird.
Die Backenzähne haben große Ähnlichkeit mit jenen der Anaptomorphiden, weshalb die Mixodectiden früher zu den Primaten gestellt wurden. Wegen der Vergrößerung des J2 und der Reduktion der übrigen J und der vorderen P hielt sie Osborn für die Vorläufer der Nager und nannte sie Proglires. Wegen der Ähnlichkeit der M mit denen der Hypsodontidae dürfte es sich empfehlen, sie ebenfalls provisorisch zu den Insectivoren zu stellen, obschon eine gewisse Verwandtschaft mit Primaten — Chiromys — nicht ausgeschlossen zu sein scheint.
Fig. 534.
A Microsyops gracilis Leidy, Oberkiefer. B M. elegans, Unterkiefer. Mitteleocän. Bridgerbed Wyoming (nach Wortman.)
Olbodotes Osborn. Mit 3 unteren J. Untereocän. Torrejonbed. Neu-Mexiko. O. Copei Osborn. Ein ähnlicher M auch aus dem Fort Unionbed von Montana bekannt.
Mixodectes Cope. J2 stark vergrößert. P3 öfters noch vorhanden. Trigonid höher als Talonid. Ebenda. M. pungens Cope.
Microsyops Leidy. (Fig. 534.) (Limnotherium, Bathrodon, Mesacodon Marsh, Palaeacodon Leidy.) Talonid fast ebenso hoch wie Trigonid. Wind Riverbed. M. scottianus Cope. Bridgerbed. M. gracilis Leidy, speciosus Marsh.
Indrodon Cope. 2.1.3.3. Nur Oberkiefer bekannt. P einfach. Untereocän. Torrejonbed.
Cynodontomys Cope. C klein. P4 M-ähnlich. Untereocän. Wasatchbed. C. latidens Cope.
Smilodectes Wortman. P4 kurz. Mitteleocän. Bridgerbed. S. gracilis Marsh sp.
Metolbodotes Schlosser. Mit 3 J. Höcker der M innig miteinander verbunden. M1 > M2 und M2 > M3. Oligocän Fajum. Ägypten M. Stromeri. Schl.
9. Familie. Plesiadapidae Lemoine.
2.1.2.3.1.0.2.3. Unterkiefer hoch mit breitem Kronfortsatz und Diastema hinter dem vergrößerten J. Oberer J2 zweispitzig, J3 und C klein. Obere P und M trituberkulär. Untere M tuberkulärsektorial mit mäßig hohem Trigonid und großem niedrigem Talonid. Untereocän von Europa.
Die Form des Unterkiefers und die Beschaffenheit des Gebisses spricht dafür, daß wir es möglicherweise mit einem Vorläufer der Nager zu tun haben.
Plesiadapis Lemoine. Untereocän von Reims und Belgien, vielleicht auch im Bohnerz von Egerkingen.
Protoadapis Lemoine. 2.1.3.3. Ohne Diastema. Eocän von Reims. Systematische Stellung ganz unsicher.
10. Familie. Pantolestidae Matthew.
3.1.4.3.3.1.4.3. C normal. Obere J isoliert, P einfach schneidend. Obere M trituberkulär, untere tuberkulärsektorial mit dreispitzigem Trigonid und Talonid. Schnauze kurz und breit, Cranium lang und verbreitert mit hoher Supraoccipitalcrista und schwachem Scheitelkamm, ohne knöcherne Bulla.
Die Pantolestiden wurden zuerst für Artiodactylen gehalten. Matthew stellt sie jetzt zu den Insectivoren wegen der Anwesenheit eines Mentalforamens unter M1 und der Kürze und Breite der Schnauze. Abgesehen von diesen Verhältnissen könnte man sie auch bei den Creodonten unterbringen. Der stark gekrümmte Humerus besitzt eine kräftige Deltoidcrista, und ein Entepicondylarforamen, das Femur ist mit einem dritten Trochanter versehen und Tibia und Fibula sind distal miteinander verwachsen. Der Astragalus hat eine breite, ausgefurchte Trochlea und einen kurzen Hals, die Krallen sind abgeflacht und breit. Der Schwanz hat beträchtliche Länge. Die Extremitäten zeigen Anpassung an das Leben im Wasser.
Pantolestes Cope. (Passalacodon, Anisacodon Marsh.) Paraconid klein. Mitteleocän. Bridgerbed.
Palaeosinopa Matthew. Paraconid kräftig. Untereocän. Wasatchbed.
Pentacodon Cope. Untereocän. Torrejonbed. Neu-Mexiko.
? Ptolemaia Osborn. Paraconid schwach. J und vordere P reduziert. Oligocän von Ägypten.
11. Familie. Tillodontidae. (Tillodontia Marsh.)[126]
Ausgestorbene, fünfzehige, bekrallte Sohlengänger mit vergrößertem, nagezahnähnlichen J2 und brachyodonten M. Obere M trituberkulär, mit Nebenhöckern, untere mit hohem, halbmondförmigem Trigonid und etwas niedrigerem halbmondförmigem Talonid. Scaphoid getrennt vom Lunatum.
Der Schädel ist im ganzen raubtierähnlich. Die Breite der Schnauze und des Hinterhauptes, das Fehlen einer postorbitalen Einschnürung und die Beschaffenheit der Ohrregion — flache Bulla — sowie die Form des Unterkiefergelenkes gestatten die Angliederung dieser Familie an die Insectivoren, womit sich auch die Differenzierung der J und C gut in Einklang bringen läßt. Von den J geht das erste Paar verloren, das zweite wird vergrößert, die C verwandeln sich in kleine Lückenzähne, wofür die hinteren P M-ähnlich werden.
Von Tillotherium ist das Skelett ziemlich vollständig, von Esthonyx aber nur teilweise bekannt. Nur im Eocän von Nordamerika und von England.
1. Unterfamilie. Esthonychinae.
2.1.3.3.3.1.3.3. J ringsum von Schmelz bedeckt, mit Wurzeln. C ziemlich groß.
Esthonyx Cope. (Fig. 535.) Im unteren Eocän. Wasatchbed von Wyoming und Neu-Mexiko.
Platychoeropus Charlesworth im Londonton von England.
Plesiesthonyx Lemoine. Untereocän von Reims. Durchaus problematisch.
Fig. 535.
Esthonyx Burmeisteri Cope. Untereocän (Wasatch Beds) von Big Horn. Wyoming. A Zahnreihe des Oberkiefers, B des Unterkiefers, von der Kaufläche gesehen, 2/3 nat. Gr. (nach Cope.)
2. Unterfamilie. Tillotheriinae.
2.1.3.3.2.1.2.3. Oberer und unterer J2 stark entwickelt, nur an der Vorderseite mit Schmelz bedeckt und mit persistierender Pulpa. Zwischen den J, den kleinen C und den vordersten P kurze Lücken.
Fig. 536.
Tillotherium fodiens Marsh. Eocän. Bridger. Wyoming. Schädel und Unterkiefer. 1/4 nat. Gr. (Nach Marsh.)
Tillotherium Marsh. (Fig. 536.) Schädel von Bärengröße mit kleiner Gehirnhöhle und verschmälerter Schnauze. Orbita hinten nicht von den Schläfengruben abgetrennt. Stirnbeine groß mit Luftzellen. Wirbel raubtierartig. Humerus mit Entepicondylarforamen. Femur mit drittem Trochanter. Fibula dünn, Astragalus niedrig. Mitteleocän. Bridgerbed. Wyoming.
Trogosus (Anchippodus) Leidy. Ebendaselbst.
Kleine Insekten-, selten Früchtefresser mit stark verlängerten und durch Flughaut verbundenen Vorderextremitäten. Gebiß vollständig, J reduziert, C groß, meist mit kräftigem Basalband, P zugespitzt. M sekodont, oder bunolophodont, obere trituberkulär mit ⋁förmigen Höckern, untere tuberkulärsektorial. Milchgebiß rudimentär. Hirn klein und glatt. Zwei brustständige Zitzen.
Die Fledermäuse bilden einen spezialisierten Seitenzweig von primitiven Insectivoren. Sie unterscheiden sich von den echten Insectivoren nicht bloß durch die eigentümliche Ausbildung der Vorderextremität, sondern auch durch die meist verkürzte Schnauze, den in der Regel sehr kräftigen Scheitelkamm, durch die starke postorbitale Einschnürung und die solid verknöcherte Gehörblase.
Die Vorderextremität ist zu einem Flugorgan umgebildet. Das lange Schlüsselbein verbindet das Brustbein mit dem Acromion des Schulterblattes. Der Humerus ist schlank und im Verhältnis zur Größe des Caput und des Deltoidkammes sehr lang. Die Länge des Vorderarms übersteigt die des Oberarms mindestens um ein Drittel, oft aber um das Doppelte. Die Ulna ist stark reduziert. Die proximalen Carpalia verschmelzen miteinander. Die Phalangen sind mit Ausnahme des kurzen, opponierbaren Daumens zu dünnen, langen, nadelähnlichen Gebilden umgestaltet und durch Flughaut verbunden, welche sich auch am Rumpf und am Schwanz sowie an einem langen knöchernen Sporn, der vom Calcaneum ausgeht, anheftet. Im Gegensatz zur Vorderextremität ist die Hinterextremität und das Becken schwach entwickelt. Der Fuß hat fünf gleichlange, mit Krallen versehene Zehen.
Die Fledermäuse zerfallen in die zwei Gruppen der Megachiroptera, welche nur große frugivore Formen enthalten und in die kleinen, insektenfressenden Microchiroptera.
Zu den Megachiroptera gehört wahrscheinlich die Gattung Archaeopteropus Meschinelli aus dem Oligocän von Monteviale.
Überreste von Microchiropteren fanden sich in größerer Menge nur in den Phosphoriten von Quercy sowie im Pleistocän in europäischen Höhlen und in Höhlen Brasiliens, aber diese pleistocänen Reste gehören fast ausschließlich rezenten Arten an. Im Eocän — Paris und Aix — sowie im Miocän sind Fledermausreste sehr selten mit Ausnahme von der Lokalität La Grive St. Alban.
Die Chiropteren aus den Phosphoriten verteilen sich auf die Gattungen Pseudorhinolophus (Fig. 538) und Vespertiliavus Schlosser, Taphozous Geoffr., Alastor und Necromantis Weithofer, von welchen sich die letzte Gattung an lebende südamerikanische Formen anschließt, was auch wohl für Provampyrus Schlosser aus dem Oligocän von Ägypten gilt. Im Miocän finden sich neben der ausgestorbenen Gattung Palaeonycteris schon die lebenden Gattungen Vespertilio, Vesperugo, Rhinolophus und Cynonycteris.
Fig. 538.
Pseudorhinolophus sp. Phosphorit. Quercy. a Schädel mit Unterkiefer von der Seite 1/1, b derselbe von oben 1/1, c obere Zahnreihe von unten, vergr., d untere Zahnreihe von außen, vergr. (Nach Schlosser.)
Zu den Fleischfressern gehören ausgestorbene und noch jetzt lebende, in der Größe sehr verschiedene Land- und Wasserbewohner mit vollständigem Gebiß und sehr kräftig entwickelten Caninen. Die vorderen Backenzähne sind meist schneidend, zum Zerkleinern von Fleischnahrung geeignet, die hinteren M in der Regel höckerig und die oberen stark verbreitert. Das Gehirn zeichnet sich bei allen lebenden Formen durch ansehnliche Größe und starke Furchung der großen Hemisphären aus, bei den ältesten fossilen Formen — Creodontia — ist es wesentlich kleiner und auch weniger gefurcht. Die Extremitäten sind bekrallte digitigrade oder plantigrade Gehfüße mit 4-5 Zehen, zuweilen — Pinnipedia — aber auch flossenartig.
Die Fleischfresser zerfallen in drei Unterordnungen — Creodontia, Fissipedia und Pinnipedia.
Ausgestorbene digitigrade oder semiplantigrade Fleischfresser mit kleinem schwachgefurchtem Gehirn, vollständigem Gebiß und Zahnwechsel. Meist 3.1.4.3.3.1.4.3. M schneidend oder höckerig, meist gleichartig ausgebildet. Bulla tympanica nur ausnahmsweise verknöchert. Carpus in der Regel mit Centrale, Scaphoid und Lunatum nur selten verwachsen. Astragalus flach gewölbt, nur wenig ausgefurcht. Endphalangen meist stumpf und an der Spitze gespalten, selten seitlich komprimiert.
Die von Cope von den Carnivoren abgetrennten Creodontia zeigen sowohl Anklänge an die Marsupialia als auch an die Carnivora fissipedia, mit welchen sie durch die Familie der Miacidae verbunden sind, bei welcher auch bereits P4 und M1 als Reißzähne entwickelt sind.
Der Schädel ist raubtierartig, aber meist sehr groß im Verhältnis zum Rumpf, die Schnauze oft verlängert. Das Cranium hat geringe Kapazität und gestreckte Form. Vom Gesichtsschädel ist es durch die starke postorbitale Einschnürung scharf abgesetzt. Die Bulla tympanica verknöchert nur ausnahmsweise. Das Gehirn ist klein und nur mit schwachen, wenig zahlreichen Windungen versehen. Der Gaumen hat keine Lücken, sondern nur zuweilen kleine Löcher, und der Unterkieferrand ist nur ausnahmsweise hinten schwach umgebogen. Das Gebiß besteht normal aus 3.1.4.3.3.1.4.3. jedoch kann die Zahl der J auf 2, die der P auf 3 und der M auf 2 sinken, welche Reduktionen indes niemals gleichzeitig eintreten. Die geringe Zahl der J unterscheidet die Creodontia von den Marsupialia, die stets normale Entwicklung aller J und die Einwurzeligkeit des C von den Insectivoren. Die P sind komprimiert, einfach und höchstens mit Basalhöckern versehen, nur der hinterste kann namentlich im Oberkiefer annähernd M-ähnliche Zusammensetzung erreichen. Die Krone der oberen M besteht in der Regel aus zwei äußeren und einem inneren Höcker, Protocon, von denen der letztere öfters ⋁förmig ist. Er kann aber auch zuweilen ebenso wie der Metacon starke Reduktion erfahren, wofür aber dann der Parastyl und namentlich der Metastyl sehr kräftig werden. Die M des Unterkiefers sind normal tuberkulärsektorial, mit grubigem Talonid. Jedoch wird das Metaconid sehr häufig reduziert, und der Talonid verwandelt sich in eine Schneide, die auch sehr klein werden kann. Im Gegensatz zu den echten Carnivoren ist bei den echten Creodontia M1 in der Regel kleiner als die folgenden M. Von den Milchzähnen gleicht der letzte dem vordersten M, der vorletzte dem hintersten P.
Im Vergleich zur Größe des Schädels haben die Extremitäten geringere Länge als bei den lebenden Raubtieren und sind auch in der Regel etwas plumper und gedrungener. Der Humerus besitzt fast immer ein Entepicondylarforamen und meist eine ungeteilte Gelenkrolle, die bei vorgeschritteneren Formen bis an die Fossa Olecrani reicht. Ulna und Radius verwachsen niemals, das Olecranon kann beträchtliche Höhe erlangen. Zuweilen findet sich am Humerus ein Supratrochlearforamen. Die Carpalia bleiben immer getrennt — nur bei den zeitlich jüngsten Gattungen kommt es manchmal zur Verschmelzung von Scaphoid und Lunatum. In der Regel ist ein freies Centrale vorhanden. Das Ilium ist schmäler als bei den echten Carnivoren und dem der Marsupialier und Insectivoren ähnlicher. Am Femur ragt meist ein dritter Trochanter vor. Die Anordnung und Form der Tarsalia stimmt im wesentlichen mit jener der lebenden Carnivoren überein, doch haben Astragalus und Calcaneum häufig gedrungenere Gestalt und liegen weniger fest aufeinander. Der Astragalus hat nicht selten ein Foramen und seine tibiale Gelenkfläche ist häufig nur schwach gewölbt und nur wenig oder gar nicht ausgefurcht.
Matthew teilt die Creodontia in die drei Gruppen der Acreodi, der Pseudocreodi und der Eucreodi ein, von welchen die letzten den Ausgangspunkt der echten Carnivoren darstellen.
1. Tribus. Acreodi.
Ohne scherenartige Ausbildung von Backenzähnen. M primitiv, obere trituberkulär, untere tuberkulärsektorial oder mit stumpfen Zacken.
1. Familie. Oxyclaenidae. Scott.
M primitiv, die oberen trituberculär, dreieckig oder oblong, die unteren tuberculärsectorial mit scharfkantigen Spitzen, aus hohem Trigonid und niedrigem Talonid bestehend. P einfach, nur P4, selten auch P3 mit Innenhöcker.
Die unvollständig bekannten, meist nur durch Backenzähne vertretenen Genera gehören dem älteren Eocän von Neu-Mexiko und Montana an.
Oxyclaenus, Loxolophus, Carcinodon Cope, Protochriacus Scott. Puercobed. Chriacus, Tricentes (Fig. 539), Deltatherium Cope. Torrejonbed von Neu-Mexiko und im Fort Unionbed von Montana.
Fig. 539.
Tricentes subtrigonus Cope. Unterstes Eocän. Torrejonbed Neu-Mexiko. Obere und untere Zahnreihe, nat. Gr. (nach Matthew.)
2. Familie. Mesonychidae. Cope.
3-23. M. Obere M trituberkulär, untere durch Reduktion des Metaconids trikonodont, mit stumpfen Zacken. P4 meist M ähnlich. Hand und Fuß paraxonisch, häufig digitigrad, 5 selten 4 zehig. Humerus mit Supratrochlearforamen. Fibula am Calcaneum articulierend. Krallen flach- und hufartig. Zygapophysen der Lendenwirbel zylindrisch oder eingerollt.
Die Mesonychidae erreichen zum Teil die Größe von Bären und ihre Extremitäten erfahren eine ähnliche Spezialisierung wie bei den Hunden, welche sie zu raschem, ausdauerndem Laufen befähigt, festgefügter Carpus und Tarsus, tiefausgefurchte Astragalusrolle, Verlust der ersten Zehe, parallele Stellung der Metapodien verbunden mit Digitigradie. — Die oberen M zeichnen sich durch die Dreizahl der Höcker und das Fehlen eines Metastyls und die unteren durch Reduktion des Metaconid und einfache Form des Talonid aus, wodurch sie sekundär den Triconodontentypus erlangen. Obere und untere M bilden niemals eine Schere. Im älteren Eocän von Nordamerika, Frankreich und Belgien.
Untere M mit Metaconid und beckenförmigem Talonid. Außenhöcker der oberen M frei.
Triisodon Cope. Puercobed. Sarcothraustes, Goniacodon, Microclaenodon Cope. Torrejonbed.
2. Unterfamilie. Mesonychinae. Matthew.
Untere M mit schneidendem Talonid. Außenhöcker der oberen M verwachsen. Dissacus Cope. Unt. M mit kleinem Metaconid. Untereocän. Torrejonbed.
Fig. 540.
Vorderfuß A von Mesonyx, B von Hyaenodon. ca. 2/3 nat. Gr. (Nach Scott.) sc Scaphoideum, l Lunare, c Cuneiforme, ce Centrale, tz Trapezium, td Trapezoid, m Magnum, u Unciforme, I-V erster bis fünfter Metacarpus. C die zwei letzten Phalangen von Hyaenodon.
Hyaenodictis Lemoine. Untereocän. Cernays bei Reims und Erquelinnes Belgien.
Hapalodectes Matthew. Zähne komprimiert. Eocän. Wasatch- und Wind-Riverbed.
Pachyaena Cope. Erreicht die Größe eines Bären. Eocän von Nordamerika, Wasatchbed und Mitteleocän. (Grobkalk von Paris.)
Harpagolestes Wortman. Schädel kurz und breit. Ohne M3. Eocän. Bridgerbed. H. immanis Wortman. Von Bärengröße. Uinta. H. (Mesonyx) uintensis Scott.
Fig. 541.
Mesonyx obtusidens Cope. Mitteleocän. Bridgerbed. Wyoming. A Schädel von unten. B Hinterfuß 1/3 nat. Gr. (n. Matthew.)
Synoplotherium Cope (Dromocyon Marsh). Schädel und Beine mäßig verlängert, Hand und Fuß vierzehig. Astragalus mit tiefausgefurchter Trochlea. Bridgerbed. S. vorax. Marsh. sp.
Mesonyx Cope. (Fig. 540 A, 541.) Schädel und Beine lang. Ohne M3 Eocän. Bridger. M. obtusidens Cope.
2. Tribus. Pseudocreodi.
M 12 oder 23 als Reißzähne entwickelt. Krallen gespalten. Hand und Fuß mesaxonisch. Fibula am Calcaneum articulierend. Zygapophysen der Lendenwirbel zylindrisch oder eingerollt.
3. Familie. Oxyaenidae Cope.
2-12 M. M1 und M2 als Reißzähne ausgebildet, meist M2 > M1. Schädel plump, mit breiter Basis Cranii. Unterkiefer massiv, mit kräftiger Symphyse. Extremitäten fünfzehig. Zehenstellung bei aquatilen Formen gespreizt, bei Landbewohnern plantigrad. Krallen stumpf, gespalten.
Osborn hielt die Gattung Palaeonictis für den Ahnen der Feliden, und Wortman vermutete in Patriofelis den Ahnen der Pinnipedia. Nach den Untersuchungen Matthews kommt jedoch keiner von beiden Gattungen besondere stammesgeschichtliche Bedeutung zu. Der Schädel hat im Vergleich zum Körper ziemlich normale Dimensionen. Von den oberen M ist der zweite klein und quergestellt und manchmal ganz verschwunden, M1 besitzt außer den drei Hauptzacken einen schneidend entwickelten Metastyl. Die unteren M bestehen aus einem hohen Trigonid und einem niedrigen Talonid, welches ebenso wie das Metaconid verschwinden kann.
1. Unterfamilie. Limnocyoninae Wortman.
Nur P4 mit Innenhöcker. Untere M tuberkulärsektorial. 22 M. Gebiß unreduziert. Lange Schnauze. Kleine bis mittelgroße Formen.
Limnocyon (Telmatocyon) Marsh. (Fig. 542 A). J3 reduziert. Erster P in beiden Kiefern zweiwurzelig, nur P4 mit Innenhöcker; M1 mit kräftigem Protocon. M2 quergestellt. M1 und M2 mit dreispitzigem Trigonid und beckenförmigem Talonid. Schädel breit. Unterkiefer hoch und plump. Beine kurz, gebogen. Mitteleocän. Bridger.
Thinocyon Marsh. Beine lang und schlank. Größe von Hauskatze. Mitteleocän. Bridger.
Thereutherium Filhol. Mardergröße. Metaconid reduziert. Unterkiefer dick. Eocän. Phosphorite von Quercy. Th. thylacodes Filhol.
Fig. 542.
A Limnocyon medius Wortman. Mittelmiocän. Bridgerbed. Wyoming. Obere P4 bis M2 nat. Gr. (nach Wortman.) B Patriofelis ferox Marsh. Ebenda. Unterkiefer. 1/3 nat. Gr. (nach Matthew.)
Oxyaenodon Wortman. P dichtgedrängt und reduziert. M wie bei Limnocyon Unterkiefer mäßig hoch. Obereocän. Uintabed.
Machairoides Matthew. Unterkiefersymphyse nach unten in einen Lappen ausgezogen. Mitteleocän. Bridgerbed.
2. Unterfamilie. Oxyaeninae Wortman.
P3 und P4 mit Innenhöcker. Frühzeitig spezialisierte Formen mit kurzer Schnauze, mit reduzierten P, häufig ohne M2 und M2. Alle P und M schneidend ausgebildet.
Oxyaena Cope. 3.1.4.2.2.1.4.2. Obere P sämtlich mit Innenhöcker. M1 mit kräftigem Protocon, M2 quergestellt. Untere M mit kleinem Talonid. Metaconid neben Protoconid stehend. Unterkiefer hoch, aber dünn. Beine mäßig lang. Untereocän. Wasatchbed. O. lupina Cope. In den Phosphoriten von Quercy O. Galliae Filhol problematisch.
Patriofelis Leidy (Limnofelis, Oreocyon Marsh, Aelurotherium Adams, Protopsalis Cope). (Fig. 542 B) ?.1.3.1.3.1.3.2. P 11 und M2 fehlend. M1 mit schwachem Talonid und kleinem Metaconid. M2 groß, mit rudimentärem Talonid und Metaconid. Schnauze und Unterkiefer massiv. Beine kurz und plump. Zehen gespreizt. M2 gleicht dem M1, und M1 dem P4 von Felis. Eocän. Wasatch- und Bridgerbed. P. ulta Leidy.
Palaeonictis Blv. 3.1.4.2.3.1.4.2. Nur P3 und P4 mit Innenhöcker. M1 mit scharf geschiedenem Paracon und Metacon, großem Protocon und Zwischenhöckern. M2 rudimentär. Untere M mit kräftigem Paraconid und Metaconid und beckenförmigem Talonid. M2 > M1. Untereocän. Wasatchbed von Nordamerika und von Frankreich (Soissons).
Ambloctonus Cope. 12 M. Untere M fast gleich groß. Untereocän. Wasatch.