Die Weiber hatten hier die Ohrläppchen mehr durchlöchert als irgendwo. Ich war stets froh, diese häßliche Zierde mit einer Messingplatte oder einer Holzscheibe verdeckt zu sehen. Leider muß das weibliche Geschlecht auch hier mit der Heirath allem Schmucke und somit dieser dem Auge wohlthuenden Messingplatte oder Holzscheibe entsagen.
Nachdem ich zwei Tage vergebens auf besseres Wetter gewartet hatte, ritt ich unter Regen wieder nach Priaman. Ich mußte nun bald an meine Rückkehr nach Padang denken, um das Dampfboot nicht zu versäumen, das jeden Monat nach Batavia geht. Ich blieb daher zu Priaman ebenfalls nur zwei Tage.
Herr Godin brachte mir das große Opfer, mich unter dem heftigsten Regen nach einem nahen, kleinen Eilande zu begleiten, welches Priaman gegenüber liegt. Wir gingen in die See und suchten mehrere Stunden hindurch zwischen den Riffen und Korallen nach Fischen und Crustaceen; zuletzt kamen wir von Wasser triefend, zitternd vor Kälte, aber auch reich beladen nach Hause. Obwohl ich mich Abends etwas unwohl fühlte, hielt mich dies doch nicht ab, den Besuch nach diesem Eilande, das meiner Sammlung so reiche Beträge lieferte, am nächsten Tage zu wiederholen[10].
Am 7. Oktober langte ich in Padang an. Unterwegs erfaßte mich ein so heftiges Fieber, daß ich Wellkom nicht mehr erreichen konnte und in Padang selbst die höchst erfreuliche Einladung des Herrn van Genepp, in seinem Hause abzusteigen, mit vielem Danke annahm. Freundliche, sorgfältige Pflege, für welche ich dieser liebenswürdigen Familie aus vollem Herzen danke, und ärztliche Hilfe bekämpften auch hier wie auf Fort de Kock das Fortschreiten meiner Krankheit, und als nach acht Tagen das Dampfschiff nach Batavia segelte, war ich schon so weit hergestellt, um mitzugehen.
Ich habe auf Sumatra an 700 Paal zu Pferde und 150 zu Fuße gemacht. An allen Orten wurde ich von den Holländischen Beamten und Officieren auf die gastfreundlichste und liebevollste Weise aufgenommen, ich mochte mit oder ohne Empfehlungsbrief kommen. Man half mir überall fort, man gab mir Leute und Pferde — mit einem Worte alles was ich benöthigte.
Sowohl in Hinsicht der herrlichen Naturscenen, die ich gesehen, der interessanten Ereignisse, die ich erlebt, als auch wegen der überaus zuvorkommenden Aufnahme, die ich bei den Europäern gefunden, gehört diese Reise zu meinen liebsten und schönsten Erinnerungen.
[5] Auch in den Battaker-Ländern hat jedes Utta seinen Rajah. Dieser vielen Rajahs wegen ist das Reisen so beschwerlich; alle Augenblicke muß man den Schutz eines neuen zu erhalten suchen.
[6] Einige Zeit später begaben sich drei Französische Missionäre in das unabhängige Battaker-Land. Während ich bis Klein- und Groß-Toba vorgedrungen war, kamen sie nur bis Tapanola. Sie wurden von den Kannibalen erschlagen und unter großen Freudenfesten verzehrt.
[7] Ganz Sumatra liefert, wie bereits erwähnt, jährlich höchstens zwei Pikul.
[8] Dieser See ist 15 Paal lang, 5 Paal breit, und liegt 1300 Fuß über der Meeresfläche.
[9] Dr. Bauer erlaubte mir bereitwilligst, Folgendes über die Vegetation auf dem Merapi aus seinem Tagebuch zu entnehmen.
„Die sich bald verlierende Kokospalme wird durch die Arengpalme (aus der man den Suri und braunen Zucker gewinnt) ersetzt. Die etwas tiefer häufigen Feigenbäume kommen allmählig seltener vor. Die rauhblätterigen Teraströmiaceen (Saurauja) mögen zuerst den Beginn der Bergvegetation bezeichnen. Später traten die schöne, unten an den Blättern weiße Nessel Urtica nivea Bl., noch später herrliche, rothe und gelbe Balsaminen auf. Die parasitischen Orchideen sind seltener als auf Java. In einer Höhe von 2500 bis 4000 Fuß sieht man viele Eichen und Kastanien, deren Früchte den Europäischen bald mehr bald minder gleichen. Die Laurineen (Lorbeergewächse) und die Rubiaceen scheinen hier so zahlreich wie auf Java zu sein; dagegen vermißt man die schöne, dort einheimische Rasamala (Liquidambar Altingiana). Reich vertreten sind die Aroideen, Scitamineen, Acanthaceen, Araliaceen, Sapindaceen, Meliaceen, Terebinthiaceen und Leguminosen. — In einer Höhe von etwa 6800 Fuß beginnt die, der Javanischen ähnliche Alpenflora. Man sieht vor allem das zierliche Rhododendron retusum Benn. und viele schöne Arten von Gautiana, Thibaudia oder Agapetes u. a. Graphalium und verschiedene neue Arten von Synanthereen zeigen sich bis hoch hinauf.“
[10] Schon bei meinem frühern Aufenthalte in Batavia hatte ich das Vergnügen, die Bekanntschaft des Herrn Doktor Blecker zu machen, der unter die ersten Ichthyologen unserer Zeit zu zählen ist. Herrn Bleckers Sammeln beschränkt sich hauptsächlich auf Indien; er hat in dieser Beziehung gewiß die reichste Sammlung, die bisher besteht. Ich war so glücklich, ihm mehrere neue Gegenstände von Borneo, Sumatra und von den Molukken zu bringen. Er beschenkte mich dagegen reichlich mit Fischen von Java und andern Plätzen.