Zu dem eisernen Bestand eines jeden zoologischen Gartens gehört außer den „großen Kanonen“ wie Raubtiere, Dickhäuter, Wildrinder usw. auch eine Anzahl der afrikanischen Wildpferde, der Zebras. Vor ihren Gehegen kann man stets eine größere Ansammlung der Gartenbesucher antreffen, die sich an der eleganten Gestalt und den graziösen Bewegungen dieser gestreiften Equiden erfreuen. Eine möglichst vollständige Musterkollektion der verschiedenen Arten der Gattung „Zebra“, wie sie beispielsweise der Berliner Garten aufweist, bietet dem denkenden und sich fortbildenden Naturfreund das schönste vergleichende Anschauungsmaterial, das er nur finden kann. Hier und da, z. B. im Stellinger Tierpark, werden Zebras auch zu einer kleinen Rundfahrt vor einen leichten Wagen gespannt, ein Entzücken für jedes Kinderherz. Auch von Wandermenagerien und Zirkussen werden die hübschen Tigerpferde gern begehrt. Kein Wunder, daß daher im Tierhandel nach diesem Artikel stets eine lebhafte Nachfrage herrscht. Für mich, der ich in der Heimat der Tiere meinen Wohnsitz hatte, war also die Aufgabe klar vorgezeichnet: Es galt eine entsprechende Anzahl Zebras zu fangen und nach Deutschland zu schicken, um so den Bestand meiner Firma stets auf der erforderlichen Höhe zu halten.
Die zur Familie der pferdeartigen Tiere (Equiden) gehörige Gattung „Zebra“ (Hippotigris) ist in vielen Arten fast über das ganze tropische und subtropische afrikanische Steppengebiet verbreitet. Ich kann natürlich nicht auf eine Beschreibung der sämtlichen Spezies eingehen, sondern begnüge mich damit, auf einige der häufiger vorkommenden Arten kurz hinzuweisen.
Somaliland, Abessynien und der nördliche Teil von Britisch-Ostafrika sind die Heimat des Grevy-Zebras (Hippotigris grevyi Oustalet). Diese Form ist der größte Vertreter der ganzen Gattung, besitzt eine außerordentlich dichtgestreifte Decke und zeigt in ihrem Aussehen, wie die südafrikanische Form (H. zebra L.) einen gewissen Eselcharakter, während alle übrigen Arten sich mehr dem Habitus der eigentlichen Pferde nähern. In Südafrika finden wir Chapmans Tigerpferd (H. chapmani Layard), dessen Verbreitungsgebiet sich nördlich bis zum Sambesi erstreckt. Doch wird sein Vorkommen auch in der Gegend des Nyassasees vermutet. Sollte sich dies bestätigen, so wäre genanntes Zebra auch für die Fauna Deutsch-Ostafrikas, wenn auch nur für ein kleines Gebiet, in Anspruch zu nehmen. Sicher nachgewiesen sind in unserer Kolonie bis jetzt drei Spezies der Gattung Hippotigris, nämlich Böhms Zebra (H. böhmi Mtsch.), Grants Zebra (H. granti de Winton) und das Muansazebra (H. muansae Mtsch.). Diese drei Formen ähneln sich in ihrem Aussehen außerordentlich und weisen nur geringe Unterschiede auf. Die Grundfarbe der Tiere ist weiß, zwischen Schulter und Hüften finden sich durchschnittlich sieben breite schwarzbraune Querbinden, die Beine sind bis ungefähr zu den Hufen herab ebenfalls gestreift. Im ausgewachsenen Zustande übertrifft Böhms Zebra seine Verwandten etwas an Größe. Ein kurzes Beispiel möge genügen, um den Unterschied in der Körpergröße zu illustrieren: Die Schädellänge von Böhms Zebra ist stets größer als 50 Zentimeter, während sie bei Grants Zebra nur knapp an diese Zahl heranreicht. Bezüglich des Verbreitungsgebietes der beiden Arten ist zu bemerken, daß wir Böhms Zebra im Süden und in der Mitte der Kolonie antreffen, hier vorzugsweise in der Mkattasteppe. Ferner kommt es im südlichen Teile der Masaisteppe vor, sowie in den Landschaften, die sich nördlich des Pangani von der Küste zum Kilimandjaro hinziehen. Grants Zebra ist ein Bewohner der nördlichen Masaisteppe. Hierbei ist allerdings zu bemerken, daß die Grenzen der Verbreitungsgebiete dieser beiden Spezies noch nicht mit völliger Sicherheit und Genauigkeit festgestellt sind. In den Steppen westlich des Meru, in denen ich meine Fangzüge zu unternehmen gedachte, hatte ich jedenfalls nur mit dem Vorkommen von Grants Zebra zu rechnen.[1] Über die Art und Weise, wie ich die Tiere in meine Gewalt brachte, mögen die folgenden Zeilen ein Bild geben.
[1] Im Südosten des Viktoriasees kommt die aus den Sammlungen Sr. Hoheit des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg zuerst bekannt gewordene Spezies H. muansae vor.
Ich machte mehrere Streifritte in die Steppe und lernte hierbei in der am Südwestabhang des Meru liegenden Burenansiedlung Oldonje-Sambu einen sehr zuverlässigen Buren, Herrn Adrian de Beer, kennen, der mir mit seiner Familie bei den weiteren Fangzügen sehr gute Dienste leistete. Seine Farm bot mir die letzte und günstigste Wasserstelle. Ich ließ daher in der Nähe seines Wassergrabens, den er für seine Haustiere angelegt hatte, einen kleinen Kral errichten, um daselbst die gefangenen Tiere unterzubringen.
Die etwas tiefer gelegene Steppe ist von Tausenden von Zebras belebt, und in der Trockenzeit haben diese Tiere ihre Tränke an den angelegten Gräben, die von den Quellen des Meruberges ständig gespeist werden.
Zunächst erkundeten wir das Gelände, beobachteten die Zebras und stellten somit die besten Fangplätze fest. Bei einem solchen Ritt sahen wir bei untergehender Sonne drei kapitale Löwen in einer Entfernung von 400 Meter auf einem Hügel vor uns auftauchen. Zuerst äugten die drei Katzen uns an; ich rief meinem Gewehrträger zu, rasch das Gewehr zu bringen, aber mein Schuß ging fehl und die Bestien verschwanden in weiten Fluchten im Gebüsch der Steppe. So hatte meine Frau, die mitgeritten war, unverhofft zum ersten Male den König der Wildnis in freier Steppe gesehen. In den folgenden Tagen ging der Zebrafang mittelst Lasso los.
Die hierzu verwendeten Lassos haben nicht die Länge der in den amerikanischen Steppen bei der Jagd auf wilde Pferde verwendeten; sie werden auch nicht geworfen wie diese. Man befestigt sie auf langen dünnen und leicht zerbrechlichen Fangstöcken in der Weise, daß Schlinge und Laufring sich an der Spitze des Stockes befinden. Guter Reiter und schnelles Pferd sind unerläßliche Bedingungen für das Gelingen des Fanges, denn die Zebras sind, wie alle Steppentiere, schnelle und ausdauernde Läufer. Nur muß der Reiter, wie beim Giraffenfang, möglichst nahe an die Herde heranreiten, wobei er sich hinter dem Hals des Pferdes versteckt, denn vor dem Pferde selbst scheuen die Zebras weniger. Sobald sie aber den Reiter wittern, ergreifen sie die Flucht. In diesem Moment heißt es ohne Besinnung vorwärts. Das Pferd erhält die Sporen und saust in voller Karriere mitten in die Herde hinein, in die Nähe der ausgesuchten Jungen. 5 bis 6 Monate alte Fohlen sind die beste Beute. Man darf sie aber keinen Augenblick aus den Augen lassen, was leichter gesagt als getan ist, denn wenn die Herde Zebras im Galopp die Flucht ergreift und durch die trockene Steppe saust, so erhebt sich von ihren Hufen eine Staubwolke, daß man kaum die Augen aufhalten kann und über und über mit Erde beworfen wird. Man muß bis dicht an das ausgewählte Tier heranreiten und ihm mit dem Fangstock den Lasso über den Kopf werfen. Ist dies geglückt, so springt man rasch vom Pferde und hält den Lasso fest, bis Hilfe kommt. Bis dahin vollführt aber das gefangene Tigerpferd einen wahren Höllentanz um den Jäger herum. Es bockt, schlägt, beißt und sucht auf alle Art die Fangschlinge abzustreifen, und es bedarf der ganzen Kraft eines Mannes, das starke Tier zu halten. Inzwischen kommen die Neger heran, und nun geht es an das Ergreifen der Beute. Der Lasso wird eingeholt, das Tier bei den Ohren gefaßt und so lange festgehalten, bis ihm ein vorher sorgfältig geprüfter Halfter angelegt ist. Sodann wird das Zebra ganz kurz am Halfter von zwei Mann geführt, da es beim geringsten Spielraum seine Zähne unerbittlich, wo es kann, einschlägt. Das gefangene Tier muß sehr sorgsam behandelt werden; wie bei den Giraffen, so kommt es auch bei den Zebras vor, daß sie sich in derartige Aufregung hineinarbeiten, daß sie plötzlich, vom Herzschlag getroffen, tot zusammenfallen. Das gefangene Zebra wird mit sanfter, aber unwiderstehlicher Gewalt nach dem hergerichteten Tierkral geführt, wo es losgelassen wird. Im Kral tollt es natürlich von neuem los, kann aber nirgends ausbrechen und beruhigt sich dann allmählich. Gleich am ersten Tage konnten wir ein hübsches Exemplar fangen und hatten innerhalb zwei Wochen acht Stück im Kral. Es ist mir öfters passiert, daß beim Durchreiten einer Herde ganz junge Zebrafüllen zurückblieben und unter lautem Gebell sich direkt unseren Pferden näherten. Eines davon suchte sogar bei meinem Pferde zu saugen. Diese, für mich allerdings wertlosen jungen Tiere, sehen in ihrem wolligen, weißbraun gestreiften Fell allerliebst aus; leider sind sie sehr empfindlich und schwer aufzuziehen, denn die Muttermilch, die das Tier in den Tagen benötigt, ist durch andere Milch nicht zu ersetzen. Wir hatten immer große Mühe, derartige Zudringlinge loszuwerden, da sie den Pferden glatt nachlaufen. Nach geraumer Zeit findet sich die Mutter gewöhnlich wieder ein und sucht das Junge durch bellenähnliches Wiehern an sich zu locken.
In Oldonje-Sambu suchten mich die Herren Jansa und Schumann auf. Sie hatten in mehreren Gegenden Großwild gejagt und kinematographische Aufnahmen gemacht, mit letzteren jedoch bis jetzt wenig Erfolg gehabt. Beide Herren blieben einige Tage in unserem Lager zu Gast. Herr Jansa reiste nach Europa zurück; Herr Schumann machte mir, als er hörte, daß ich nach Beendigung des Zebrafanges auf Nashornfang gehen wollte, den Vorschlag, ihn als Begleiter mitzunehmen und gemeinsam kinematographische Wildaufnahmen zu machen. Diesen Vorschlag nahm ich an. Den Verlauf dieses Unternehmens werde ich später schildern. An dieser Stelle aber möchte ich noch die Erbeutung von Zebras im Fangkral beschreiben, obwohl ich sie erst ein Jahr später ausführte.
Zum besseren Verständnis muß ich auf die Topographie des Fangplatzes etwas näher eingehen. Bei Oldonje-Sambu zog sich, vom Westabhang des Meru kommend, eine Schlucht herab, deren Ausgang sich in der sanft absteigenden Grassteppe verlor. Zur Trockenzeit ohne Wasser, wurde sie während der Regenzeit von einem in der Steppe verrinnenden Gießbach durchflossen. Die Ränder der Schlucht waren, steil aufsteigend, 5–6 Meter hoch; die durchschnittliche Breite derselben etwa 30–40 Meter. Diese Schlucht war nur an zwei Stellen passierbar, die etwa 1½ Kilometer voneinander entfernt waren. Ich hatte nun folgendes beobachtet: Eine große Herde Zebras, die ihren Standplatz tagsüber in der südlich der Schlucht gelegenen Steppe hatte, wechselte des Nachts durch den oberen Durchgang zu dem früher erwähnten Wassergraben hin und nahm ihren Rückwechsel durch die niedriger gelegene Passage. Auf diesen Umstand gründete ich meinen Plan, die Tiere, oder wenigstens einen Teil derselben, in meine Gewalt zu bekommen. In einem großen Halbkreise legte ich zwischen Wassergraben und Schlucht kilometerlange Draht- und Dornverhaue an und versperrte den Ausgangswechsel sowie die Schlucht selbst oberhalb und unterhalb der Ausgänge mit Baumstämmen und Dornen. Somit war zwischen dem Südrand der Schlucht und den angelegten Umzäunungen ein riesiger Fangkral entstanden.
Die Hauptsache war nun, den des Nachts zur Tränke kommenden Tieren den Rückzug abzuschneiden und sie in den Fangkral hineinzudrücken. Hiernach mußte der Zugang sofort mit größter Geistesgegenwart schnellstens durch bereitliegendes Material, wie Dornbüsche usw., versperrt werden, denn ich wußte wohl, daß die Zebras, sobald sie auf die Verhaue gestoßen seien, erschrecken und mit voller Wucht auf den Eingang zurückstürmen würden. Die Vorbereitungen erforderten natürlich viel Arbeit, aber endlich war alles fix und fertig; sogar an zwei in der Nähe liegenden Wasserplätzen waren auf Hunderte von Metern Pfähle mit flatternden Jagdlappen und Papierfetzen errichtet worden, weil die Zebras gleich anderem Wild vor diesen harmlosen Gegenständen scheuen und somit auf unseren Kral gelenkt wurden.
Viele Nächte lang lauerten wir auf das ersehnte Wild, leider immer vergeblich; es war wirklich kein Vergnügen, in windiger, kalter Nacht stundenlang im Grase zu kauern. Endlich löste sich das Rätsel: Ein neidischer Bur hatte auf seiner Farm mit dem Pfluge eine Abflußrinne von seiner Wasserstelle kilometerlang in die Steppe hineingezogen. Hierdurch waren natürlich die Zebras von unserem Fangkral abgelenkt worden. Es galt nun, die Tiere von ihrem Tränkeplatz zu vertreiben, und ich beschloß deshalb, an demselben einige Nächte Wache zu halten.
Schon gegen Abend sahen wir in der baumlosen Steppe große Herden Zebras auf die Tränkestellen zu äsen. Bei Einbruch der Dunkelheit ging ich mit meinem Assistenten, Herrn Pallenberg, nur mit Gewehr und verblendeter Laterne versehen, an den obengenannten Wassergraben. Stundenlang saßen wir und warteten. Der kalte Nordwind strich vom schneebedeckten Meruberg über die Grasebene herab. Wir hüllten uns dichter in unsere Mäntel, denn die Kühle machte sich recht unangenehm bemerkbar.
Es war gegen Mitternacht, und der Schlaf drohte uns zu übermannen, als wir dicht neben uns das Heulen einer Hyäne hörten. Dieselbe kam zum Graben, tränkte sich und war bald wieder in der Finsternis verschwunden. Kurze Zeit darauf vernahmen wir plötzlich in allernächster Nähe das Schnauben von einem Zebra. Langsam kamen mehrere, und ich konnte bald merken, daß eine große Herde herannahte. Laut donnerte der erste Schreckschuß durch die nächtliche Stille. Nun erhob sich von allen Seiten ein unheimliches Getöse, als ob die Hölle losgebrochen wäre. Eine zweite große Herde war hinter uns, oberhalb des Wassergrabens, an der Tränke gewesen und stürmte jetzt in wilder Flucht auf uns zu. Um von den Tieren nicht überrannt und zertrampelt zu werden, feuerte ich schnell noch einige Schüsse ab und Herr Pallenberg ergriff die Laterne und hielt sie hoch. Hunderte von Zebras sausten dicht an uns vorüber, einen Staub aufwirbelnd, daß man kaum die Augen offen halten konnte.
In Erwartung auf Erfolg rannten wir so schnell, als es in der stockdunklen Nacht möglich war, unserem Krale zu, und richtig vernahmen wir das Getrampel der Zebras in demselben. In größter Eile machten wir den Eingang dicht, und beim Morgengrauen sahen wir zu unserer größten Freude zehn prächtige Zebras im Sackkral. Die Tiere rannten wie toll umher und sprangen gegen die Wände an, um ihre Freiheit wieder zu erlangen. Ein alter Hengst war so schlau, daß er hinkniete, den Kopf durch eine schwache Stelle durchzwängte und mit voller Kraft den Zaun hochhob und sich so die Freiheit wieder verschaffte. Ehe ich dahin gelangen konnte, um die Tiere zurückzutreiben, waren acht weitere seinem Beispiele gefolgt, so daß nur noch ein einziges Tier übrigblieb.
Ich ließ alle Kralwände verstärken und aufs sorgfältigste dicht machen. Für kurze Zeit waren nun die Tiere verscheucht, und nur der Durst konnte sie zwingen, wiederzukommen; denn ein Zebra kann wohl 48 Stunden, aber nicht länger des Wassers entbehren.
So lag ich mit meinem Assistenten Truppel noch manche Nacht auf Wache, bis endlich eines Morgens, noch vor Anbruch der Dämmerung, eine Zebraherde in unseren Kral wechselte. Ich ließ erst etwas Zeit verstreichen, feuerte dann den Signalschuß ab und lief dem Eingange zu. Dem Getrampel nach zu urteilen, schien es erfreulicherweise eine große Herde zu sein. Nachdem der Eingang schleunigst dicht gemacht und bewacht worden war, konnten wir 60 Stück beim Mondenschein zählen. Ein unbeschreiblich wildes Bild boten die in ihrer Angst herumtollenden Tiere, von einer Wand der Schlucht zur anderen rennend, dann wieder in rasendem Galopp herumlaufend. Sand und Erde wirbelten von ihren Hufen in die Luft; bald war die ganze Umgebung von einem grauen Staubschleier überzogen. Alles wäre glücklich abgegangen, und die Tiere wären allmählich zur Ruhe gekommen, wenn nicht die Hunde einer naheliegenden Burenfarm rebellisch geworden wären. Diese hatten ihre Riemen, mit denen sie festgebunden waren, durchgebissen und stürzten dann mitten in die Herde hinein. Jetzt gab es keinen Halt mehr; die aufgeregten Zebras rannten wie toll umher. Auf einmal stürmte die ganze Herde wie auf Kommando in geschlossener Kolonne auf den Eingang zu, brach ungeachtet meiner Schreckschüsse die Einfriedigung nieder und setzte über alles hinweg. Ich konnte mich noch mit knapper Not vor ihren Hufen hinter einen Felsen retten. 15 Nachzügler kehrten vor den Schreckschüssen um, und da meine Leute rasch herbeieilten und den Eingang wieder dicht machten, konnten wir die 15 Zebras für uns retten. Wir trieben sie in das untere Ende der Schlucht, wo sich der Eingang zu einem kleinen Kral befand, der ihnen vorläufig als Aufenthaltsort diente. (Siehe Skizze.) Nun mußten sie anfänglich scharf bewacht werden und vor allem Wasser bekommen. Ich ließ von meinen Schwarzen mit Wasser gefüllte Eimer herbeischleppen und in den Kral hineinbringen. Dann versteckte ich mich in der Nähe, um zu sehen, ob die Zebras auch aus den künstlichen Wasserbehältern trinken würden. Sobald die Neger sich zurückgezogen hatten und die Zebras das Wasser witterten, kamen sie, vom Durst getrieben, scheu und vorsichtig heran; endlich wagte es ein Tier, das Maul einem Eimer zu nähern. Doch durch das Metall oder aus irgendeinem anderen Grunde erschreckt, fuhr es in die Höhe und lief davon; die anderen eilten ihm im wilden Galopp im Kreise herum nach; die Eimer flogen um und alles Wasser wurde verschüttet. Es blieb nichts übrig, als von der nächstliegenden Wasserstelle eine kleine Rinne zu ziehen und den gefangenen Tieren das Wasser auf dem Boden heranzuführen, worauf sie endlich ihren Durst löschen konnten und ruhiger wurden. Nachts wurden rings um den Kral Wachen aufgestellt und große Feuer unterhalten, da sonst die Löwen unseren Fangkral zu ihrem Futterkral gemacht hätten.
Einige Zeit später wurden diese 15 Zebras mit dem Lasso eingefangen und auf meine Tierzuchtfarm gebracht. Zehn von ihnen kamen später wohlbehalten nach Hamburg und bildeten eine Zierde des Stellinger Tierparkes.
Während der kleinen Regenzeit, die dieses Jahr (1911) nur sehr kurz war, verblieben wir auf unserer immer mehr aufblühenden Tierzuchtfarm. Aber allzu lange sollte die Ruhe, die wir hier genossen, nicht dauern, da ich noch möglichst bald die Gelegenheit wahrnehmen wollte, meine Tierkarawane, deren Abtransport im Frühjahr erfolgen sollte, durch den Fang von jungen Giraffen und Oryxantilopen zu vervollständigen. Ferner ging jetzt die Brutzeit der Strauße zu Ende, und so hatte ich gleichzeitig die beste Aussicht, eine Anzahl junger Vögel für meine Straußenzucht einzufangen.
Ich ging daher daran, anschließend an den Zebrafang in Oldonje-Sambu mehrere kleinere Krale herrichten zu lassen, um das neu eingefangene Jungwild hierselbst bis zum Abtransport unterzubringen und zu zähmen. Eine tatkräftige Hilfe fand ich hierbei wieder in meinem schon früher erwähnten Freund, Herrn Adrian de Beer und seiner Familie.
Zu den diesmaligen Fangzügen hatte ich die weit ausgedehnte Steppe zwischen dem Meru-, Longido- und Kitumbin-Berge im Norden unserer Kolonie ausersehen. Diese vielfach von Schluchten und Bodenwellen durchzogene Hochebene ist hauptsächlich mit Gras bestanden, doch finden sich auch hier und da Parklandschaften eingesprengt, Haine aus hohen, schattigen Mimosen oder Schirmakazien, in denen sich mit Vorliebe die Giraffenrudel aufhalten. Überhaupt ist diese Gegend ein wahres Dorado der afrikanischen Steppenfauna. Das hier herrschende Tierleben grenzt fast ans Fabelhafte. Auf kaum einige hundert Meter Entfernung sieht man große Herden von schwarz-weiß gestreiften Zebras, die, sobald sie den Jäger erblicken, im Galopp durch die Steppen sausen, eine mächtige Staubwolke hinter sich lassend. Immer wieder tauchen große Rudel von Kongonis, Gnus, Elen- und Oryxantilopen auf, und man wird unwillkürlich in den Glauben versetzt, man befände sich in Europa auf einer großen Koppel zwischen friedlich weidenden Haustierherden. Plötzlich ertönt der dumpfe dröhnende Balzruf des Straußenhahnes über die Steppe, ein Ton, der vom Neuling mit dem fernen Brüllen eines Löwen leicht verwechselt wird. Sporadisch erblickt man Warzenschweine, Hundsaffen, Schakale oder anderes Raubwild, unvergeßliche Anblicke für jeden Naturfreund.
In einem solchen Revier konnte ich mir für meinen Fangzug gute Resultate versprechen, zumal das Gelände eine ausgiebige Verwendung von Jagdpferden gestattete. Ich hatte mir hierfür gute südafrikanische Halbblutpferde gekauft und keinen schlechten Griff damit getan, denn der Erfolg hängt sehr von der Leistung der Pferde ab. Wer es nicht selbst erlebt hat, kann sich keine Vorstellung machen, welches Hochgefühl derjenige empfindet, der im taufrischen Morgen auf feurigem Renner hinter flüchtigen Oryxantilopen oder Zebras dahinfliegt. Reiterlust — Jägerlust! Im roten Rock mit der Meute hinter dem Schwarzkittel zu reiten, ist gewiß herrlich; aber schöner ist es doch, in der afrikanischen Steppe den Löwen zu hetzen, wenn auch das Jagdgewand nur aus schlichtem Kaki besteht.
Angenehm begünstigt wird man hier auch durch die klimatischen Verhältnisse. Durch ihre Höhenlagen und kühlen Nachtwinde sind diese Gegenden ohne Moskitos und daher fieberfrei, und die Temperatur übersteigt nur sehr selten diejenige eines normalen Sommers in Deutschland.
Nachdem ich alle Vorbereitungen getroffen hatte, zog ich in Begleitung meiner Frau, meines Burenfreundes und meines Assistenten Truppel mit zwei Burenwagen hinaus in unser Fangrevier; über die Art und Weise des Reisens mit solchen Wagen werde ich mich weiter unten des näheren verbreiten. An geeigneten Stellen schlugen wir unser Lager auf und machten von denselben aus täglich weite Streifzüge. Der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten, und von Tag zu Tag konnten wir unseren Tierkralen immer mehr neue Insassen zuführen. Manche interessante Episode wurde auf diesen Fangzügen erlebt. Da ich aber den Leser mit Einzelheiten nicht ermüden möchte, sehe ich von einer sich in Einzelheiten erschöpfenden Schilderung ab und begnüge mich damit, einen Überblick über meine Fangmethoden zu geben. Es sei in folgendem zunächst die Erbeutung der wilden Strauße geschildert, bei welcher zwei Fangarten in Betracht kommen:
a) Man sucht das Gelege auf, das sich in der Steppe einfach auf dem Boden im kurzen Grase befindet. Hierbei flüchten die Hennen und man umgibt die Nester mit einem kleinen Zaun aus Zweigen auf etwa 10 Meter Durchmesser in 30 Zentimeter Höhe. Über diesen Zaun kehrt das Elternpaar ohne Schwierigkeiten zum Brüten zurück. Nun revidiert man alle paar Tage, ob die Jungen ausgeschlüpft sind oder nicht. Der Zaun verhindert, daß die jungen Strauße gleich in den ersten Tagen mit den Eltern davonlaufen. Bei richtigem Aufpassen kann man dann, wenn die Jungen ein paar Tage alt sind, sie ohne Mühe wegnehmen. Bei der geringen Intelligenz des Straußes ist es nicht zu verwundern, daß er bei seiner Höhe und bei seinen langen Ständern nicht merkt, daß der niedrige Zaun die Jungen am Weglaufen hindert; er könnte sonst bei seinem Gewicht und seinen kräftigen Beinen mit Leichtigkeit die schwache Einfriedigung niedertreten.
b) Sind die jungen Strauße aber schon mit den alten auf Wanderschaft, und schon so groß wie ein ausgewachsenes Huhn, so können sie bereits sehr rasch laufen. Nun sieht man von weitem die kleinen Strauße überhaupt nicht, da sie richtige Schutzfarben haben, indem sie genau die Steppenfarben gelb und braun durch ihre abwechselnd gelb und schwarz gefärbten Federkiele nachahmen, an denen sich erst nach und nach die braunen Fahnen entwickeln. Oft sieht man ein Straußenpaar in der Ferne und kann sofort an seinem Benehmen erkennen, ob es Junge bei sich führt. Sobald nämlich die Vögel eine Gefahr merken, locken sie die Jungen herbei, wobei sie mit gespreizten Flügeln seltsame Tanzbewegungen ausführen. Dies ist für den erfahrenen Fänger das sicherste Zeichen, daß das Paar Junge bei sich hat. Wenn er von weitem mit bloßem Auge oder mit dem Glase diese tanzenden Bewegungen sieht, muß er zur Fangjagd ansetzen. Nun beginnt zu Pferde ein scharfer Galopp hinter den Straußen her. Zuerst laufen die Jungen wacker mit, sind sie jedoch schon etwa so groß wie ein Truthahn, so hat die Jagd keinen Zweck, da es nur mit ausgezeichneten Pferden und unter völliger Erschöpfung derselben möglich wäre, die jungen Vögel zu fangen. Sind aber die jungen Strauße noch klein, so suchen sie sich durch plötzliches Niederstrecken in das gelbe Gras zu verstecken und bleiben regungslos liegen. Ihre ausgezeichnete Schutzfarbe macht es dem Jäger, der durch das Reiten und Jagen erregt ist, fast unmöglich, die Tiere von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Hat man aber sicher gesehen, daß die Vögel sich niedergelegt haben, so springt man rasch vom Pferde, ergreift einen, bindet ihm die Beine zusammen und läßt ihn liegen; so kann man oft mehrere ergreifen, während die anderen davonlaufen. Ein Gesperre zählt oft bis zu 30 Kücken. Ist das Pferd noch frisch, so wiederholt sich der Vorgang mehrere Male. Dann heißt es aber auf den Spuren zurückkehren und die gebundenen Jungen suchen, wenn die nachfolgenden Schwarzen sie noch nicht gefunden haben. Manchmal steht man direkt neben dem gebundenen Tier und kann es trotz angestrengten Suchens nicht finden, da es sich laut- und regungslos verhält, wenn es den Verfolger bemerkt. In diesem Falle muß man den jungen Straußen insofern nachahmen, als man sich selbst regungslos hinstellt. Nach einigen Minuten hebt der junge Vogel den Kopf, läßt ein rollendes Piepen ertönen und bewegt sich, so daß man ihn endlich bemerkt und aufnehmen kann. Ist das Gelände mit einigen Büschen versehen, so daß es dem Jäger möglich ist, sich darin zu verstecken, so kann er, wenn er sich ganz ruhig verhält, bemerken, daß nach einiger Zeit die alten Strauße zurückkehren, um die Jungen zusammenzulocken.
Zum Straußenfang gehört ein besonderer Erlaubnisschein der Kolonialregierung, der nur zum Zwecke der Straußenzucht erteilt wird. Die Hauptfeinde des Straußes sind, soweit ich feststellen konnte, Hyänen und Schakale, die sowohl die Gelege zerstören als auch die Jungen regelrecht jagen. Beim Straußenfang bemerkte ich einmal vier Schakale, die am hellen Tage jungen Straußen nachstellten und erst beim Herannahen unserer Pferde von ihrer Absicht abließen. Während unseres Jagdzuges in Oldonje-Sambu fingen wir im ganzen 28 Strauße.
Die eingefangenen Kücken werden so schnell wie möglich zur Zuchtfarm gebracht und dort mit Luzerne und Körnerfrüchten gefüttert. Man beauftragt hiermit immer denselben Wärter, so daß die Strauße sich an ihn gewöhnen. Nach einigen Tagen kann man ihn mit den jungen Straußen auf die Weide schicken, wobei er die Tiere beständig lockt und füttert. Bald sind die Vögel zahm, so daß sie von der Weide willig wieder ihrem Wärter nach Hause folgen. Bei guter Pflege wachsen die Strauße sehr rasch, und nach sechs Monaten kann man von ihnen schon die ersten Federn nehmen.
Das Gelände bei Oldonje-Sambu war auch zum Fang von Oryxantilopen gut geeignet. Stellenweise trifft man weite Flächen, auf denen weder Baum noch Strauch steht, sondern welche einen vollkommen reinen Grassteppencharakter besitzen. So beschaffene Terrains werden aber gerade von den genannten Antilopen als Äsungsplätze bevorzugt.
Die Oryxantilope oder Spießbock Deutsch-Ostafrikas (Oryx callotis Thos.) ist eine große, mit Ausnahme des weißen Bauches bräunlich gefärbte Antilope. An den Ohren befinden sich lange Haarpinsel. Beide Geschlechter tragen lange, meist gerade oder nur schwach nach hinten gekrümmte Hörner, die bei den Weibchen eine längere, aber dünnere, bei den Männchen aber eine kürzere, gedrungene Form aufweisen. In diesen Hörnern besitzen die Tiere furchtbare Waffen, die sie gegebenenfalls auch recht geschickt zu gebrauchen verstehen. Der Jäger, der sich einer angeschweißten Oryxantilope nähert, um ihr den Fangschuß zu geben, muß stets darauf gefaßt sein, daß ihn das kranke Tier plötzlich annimmt, um ihn mit seinen langen Spießen zu forkeln. Die Gattung Oryx ist ziemlich verbreitet. Nahe Verwandte der in Ostafrika lebenden Art (callotis) finden sich in Süd- und Südwestafrika, im Somaliland und in Arabien.
Wie bei den meisten größeren Vertretern der wild lebenden Tierwelt kommen auch bei den Oryxantilopen für den Fang nur die Jungen in Betracht. Drei bis vier Wochen nach der Setzzeit bietet sich die günstigste Gelegenheit, die Kälber einzufangen. Man verfährt hierbei gerade wie beim Zebrafang, um sich zu Pferde an das Wild heranzupirschen und die Jungen von der Herde abzusprengen. Ist man an die letzten herangekommen, so ist es äußerst schwer, ihnen wegen der schon ziemlich langen Hörner einen Lasso überzuwerfen. Ist dies aber geglückt, so hat man es hier mit dem widerspenstigsten Ziegenbock der Steppe zu tun. Die jungen Oryx gebärden sich wie toll und rennen mit gesenkten Hörnern gegen jeden an, der sich ihnen nähert. Die komischsten Szenen erlebt man bei diesem Fang. Beim Verfolgen eines jungen Oryx flüchtete dieses durch die Krone eines umgestürzten Mimosenbaumes, und mein Begleiter, der das Pferd nicht mehr ablenken konnte, sauste hinter ihm drein. Pferd und Reiter kamen durch die brechenden Dornzweige hindurch, während die schon ziemlich große Oryx in der Baumkrone hängen blieb.
Auch bei der Fütterung und Zähmung sind die Spießböcke die widerspenstigsten und undankbarsten Zöglinge und stellen die Geduld des Pflegers auf die stärksten Proben. Keine andere Antilopenart ist von so unzugänglichem Charakter.
Es ist eine äußerst anstrengende Arbeit, bis man dem beständig blökenden und bockenden Tiere Halfter und Fesseln angelegt hat. Im Laufe des Jagdzuges glückte es uns, zehn Stück Oryx zu fangen. So unangenehm und ermüdend der Oryxfang selber ist, so wunderbar schön ist der Anblick einer flüchtenden und dann seitwärts abbiegenden großen Herde dieser Antilopen, deren über einen Meter lange Hörner bei der Flucht bei langgestrecktem Halse wie auf dem Rücken zu liegen scheinen. Ein unauslöschlicher Eindruck verbleibt jedem, der dies gesehen hat und durch die flüchtende Herde mit dem Pferde gesprengt ist.
Beim Oryx-, Giraffen- und Zebrafang gilt genau das, was ich beim Elefantenfang von den Jagdhunden geschildert habe, auch für die Jagdpferde. Wie man auch die mutigsten Jagdhunde an das unbekannte Wild gewöhnen muß, ehe man sie mit Erfolg verwenden kann, so müssen ebenso die Jagdpferde die zu jagenden Tiere zuerst kennenlernen und an sie gewöhnt werden, da jedes Pferd vor einem ihm fremden Tiere eine instinktive Abscheu hat. Ist aber das zur Jagd zu verwendende Pferd richtig angeleitet, so lernt es bald seinen Herrn und dessen Absicht verstehen und hilft ihm, ja es gerät selbst in den höchsten Jagdeifer, sobald es verstanden hat, worum es sich handelt. Es ist mir vorgekommen, daß mein Jagdpferd so eifrig beim Zebrafang mitwirkte, daß es nach dem erreichten Zebra direkt biß. Beim Fang von Oryx, die die Gewohnheit haben, wenn sie verfolgt werden, in scharfen Winkeln mitten im Lauf abzubiegen, machte mein Pferd diese Wendungen so schnell von selbst mit, daß ich die größte Mühe hatte, hierbei nicht aus dem Sattel zu fliegen.
Dem Pferde am widerlichsten scheint das Warzenschwein zu sein. Diese Tiere leben in der Steppe in Erdlöchern, welche die Bachen mit ihren Frischlingen oft am hellen Tage verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Das Warzenschwein (Phacochoerus aeliani massaicus Lönnberg) ist etwa so groß wie unser Wildschwein und ein Allesfresser mit sehr starkem Gewaff, welches aus zwei scharfen Gewehren und zwei sehr stark entwickelten, weit aus dem Gebreche seitwärts hervorragenden Hadesern besteht; zweifellos ist es in seinem Äußern eines der häßlichsten der heute existierenden Tiere. Hat man eine Bache mit ihren Frischlingen gesichtet, so geht es in vollem Galopp hinter ihr drein. Einen komischen Anblick gewährt dabei die Alte mit ihrem beim Lauf steil nach oben gerichteten Bürzel. Die Sau sucht sofort eines der Erdlöcher zu erreichen und verschwindet dort mit ihren Jungen. Es heißt daher, eines oder mehrere Junge abzusprengen und zu verfolgen. Ist das junge Warzenschwein genügend ermüdet, so macht es kehrt und nimmt den Reiter an. Nun springt man schnell vom Pferde und sucht den Frischling zu ergreifen. Am besten packt man ihn beim Hinterlauf, während er mit aller Macht mit seinem langen Schädel und den schon scharfen kurzen Waffen um sich haut. Auch versucht er mit den scharfen Schalen seiner Füße angestrengt sich zu befreien, so daß wir oft mit zerfetzten Kleidern zurückkamen. Hierbei quieken diese widerlichen Tiere ohrenzerreißend, was auf die Nerven der bestdressierten Jagdpferde so wirkt, daß sie oft ausreißen, wenn man sie nicht festhalten kann. Vorteilhaft ist es, beim Warzenschweinfang leere Säcke mitzunehmen, um nun die gefangenen Tiere hineinzustecken.
In der Gefangenschaft werden diese urkomisch anzusehenden jungen Warzenschweine sehr zutraulich und bald gänzlich zahm.
Hieran anschließend möchte ich noch in Kürze des Fanges von Raubzeug Erwähnung tun. Die Großkatzen, Löwen, Leoparden und Geparden, fängt man in eigens hierzu konstruierten Kastenfallen, um sie unverletzt in seine Gewalt zu bekommen, denn nur völlig unversehrte Exemplare haben für den Tierhandel einen Wert. Am besten ist es, ganz junge Tiere zu fangen, da diese sich in ganz kurzer Zeit zähmen lassen und auch nur geringe Fang-, Futter- und Transportkosten verursachen. Beschränkt man sich auf den Fang junger Großkatzen, so kommt die Verwendung schwerer Kastenfallen, deren Transport in die Steppe und Aufstellung an geeigneten Plätzen immer eine sehr zeitraubende Arbeit ist, in Wegfall. Man schlägt vielmehr hierbei folgenden Weg ein: Durch Eingeborene wird das Revier abgespürt und es werden die Schlupfwinkel, in welchen sich die Alten mit ihrem Nachwuchs aufhalten, festgestellt. Ist dies geschehen, so sucht man sich der Jungen in einer Zeit zu bemächtigen, in welcher das Muttertier vom Lager abwesend ist. Trifft man die Alte aber in ihrem Schlupfwinkel an, so ist es natürlich notwendig, dieselbe zuerst zu erlegen, ehe man die Jungen mitnehmen kann.
Auf eine ganz andere, und zwar sehr einfache Art verfährt man bei dem Fang von Hyänen. Die hierbei anzuwendende Methode fußt auf der Tatsache, daß die Sprungfähigkeit dieser Raubtiere infolge ihrer verhältnismäßig kurzen Hinterbeine eine sehr beschränkte ist, was sich der Fänger folgendermaßen zunutze macht: Man läßt einen etwa 1,50 Meter tiefen und 1 Meter breiten Graben mit senkrechten Wänden ausheben, der kreisförmig ein Stück des Steppenbodens umschließt, das gleichsam wie eine Insel in seiner Mitte emporragt. Um den äußeren Grabenrand wird aus Buschzweigen ein kleiner Zaun von etwa 50 Zentimeter Höhe errichtet, der den Hyänen die Aussicht auf den Graben verdeckt. In der Mitte der Insel bringt man einen Köder an, der entweder aus Fleisch oder auch aus einer lebenden Ziege bestehen kann. In der Nacht kommen die Hyänen, vom Aasgeruch oder vom Meckern der angebundenen Ziege angelockt, herbei, setzen über den Zaun und stürzen in den Graben. In der Meinung, daß sie aus demselben herauslaufen können, rennen sie immerzu, ohne zu merken, daß sie sich beständig im Kreise herumbewegen. Es ist vorgekommen, daß ich manchmal in einer Nacht mehrere dieser Tiere in einer solchen Falle fing, bisweilen sogar mehr, als mir lieb war. Die Hyänen aus dem Graben herauszubringen, ist sehr einfach. Ein Kasten mit hochgezogener Schiebetür wird hinabgelassen, in blinder Wut stürzt sich das Raubtier hinein, die Falltür schließt sich, und nun wird der Fangkasten mit Inhalt wieder hochgehißt. Durch eine zwischen den Brettern befindliche Ritze wird das Tier in Augenschein genommen, und von dieser Besichtigung hängt das weitere Schicksal der Hyäne ab. Ist es ein altes, für Menageriezwecke unbrauchbares Exemplar, so schenkt man ihm gewöhnlich wieder die Freiheit, denn die Decke der Hyäne hat wenig Wert, und hier in der freien unbewohnten Steppe verursachen sie den Menschen keinen Schaden. Ist das gefangene Tier aber jung und kräftig, so wird es in einen Transportkasten gebracht. Transportkästen für Hyänen müssen immer mit Eisenblech ausgeschlagen sein, denn eine Hyäne ist imstande, eine zwei Zoll dicke Bretterwand in verhältnismäßig kurzer Zeit durchzubeißen.
Auf die oben für den Hyänenfang beschriebene Art fängt man auch Schakale; da aber Schakale auch sehr leicht in Kastenfallen gehen, die für andere Tierarten, wie Ichneumons, Ginster- und Zibetkatzen usw. aufgestellt sind, so ist es nicht nötig, für den Schakalfang allein derartige Fanggräben anzulegen.
Mit dem Einfangen der Tiere ist es aber nicht allein getan. Kam man todmüde und ermattet von den anstrengenden Ritten nach Oldonje-Sambu, so begann hier erst die eigentliche Arbeit, denn jede Tierart mußte in besonderen Gehegen oder Kästen gehalten werden. Schutzdächer gegen Sonne und Regen waren zu errichten und den jungen Tieren täglich mehrere Male ihre Milch oder ihr sonstiges Futter zu verabreichen. Welche Aufmerksamkeit, peinliche Sorgfalt, Sauberkeit und große Erfahrung, und vor allem, welches Maß an Tierliebe eine solche Tier-Kinderstube verlangt, um die Tiere an ihre Gefangenschaft und den Umgang mit Menschen sowie an das veränderte Futter zu gewöhnen, kann man sich schwer vorstellen, wenn man es nicht selbst mitgemacht hat. Die Beschaffung des Grünfutters, die Verabreichung der Milch, die Pünktlichkeit in der Einhaltung der Futterzeiten erfordern die beständige, scharfe Aufsicht eines Europäers. Niemals darf man die Arbeit den Schwarzen allein überlassen. Da ich nun auf Fangzügen oft mehrere Tage vom Lager abwesend sein mußte, so übernahm meine Frau, unterstützt von Frau de Beer, die Aufsicht. Das war für mich eine große Entlastung.
Aber trotz der anstrengenden Arbeit und des vielen Ärgers mit Negern und Tieren, sind uns die Tage von Oldonje-Sambu unvergeßlich geblieben. Die Sonn- und Festtage in Gesellschaft der patriarchalischen Burenfamilie, sowie des trefflichen deutschen Lehrers, Herrn Kaufmann, beim unvermeidlichen Nationalgetränk der Buren, stark mit Milch und Zucker versetztem Kaffee, gehören zu unseren schönsten afrikanischen Erinnerungen.
Bis Ende Januar hatten wir genügend Tiere gefangen und so weit gezähmt, daß sie mit dem Frühjahrstransport nach Stellingen abgehen konnten, den ich diesmal selbst leiten wollte.
Ich möchte aber nicht verfehlen, hier noch zu schildern, wie man zu einer bequemen Jagd mit Burenwagen in die Steppe zieht. Eine solche Fahrt machte ich mit meiner Frau und der mir befreundeten Burenfamilie von Oldonje-Sambu aus. Als Vorbereitung fing im Burenhaus ein großes Backen und Braten an. Einige Schafe wurden geschlachtet, um als Fleischvorrat für die ersten Tage mitgenommen zu werden. Vorkehrungen wie zu einer Auswanderung wurden getroffen: der riesige Burenwagen hergerichtet, die Segelplane ausgespannt, Betten, Stühle, Tische, Küchengerät aller Art, eine große Fleischhackmaschine und ansehnliche Mengen von Salz, Gewürz und Mundvorräten auf den Wagen geladen, dessen hinterer, von der Plane überdeckter Teil immer als Schlafplatz dient. Hier richteten sich die Frauen häuslich ein. Acht Paar Ochsen, von einem Buren geleitet, genügten, in dem flachen Gelände der Steppe den schweren Wagen zu ziehen. Wir Männer ritten voraus, hinter dem Wagen folgten einige meiner Träger in fröhlicher Stimmung, denn sie hatten keine Last zu tragen und freuten sich auf die fleischreichen Tage, die nun kommen sollten. Wir fuhren etwa sechs Stunden durch die wildreiche Steppe. An einer Wasserstelle unter Akazienbäumen machten wir halt. Die Ochsen wurden ausgespannt und weideten, von Schwarzen beaufsichtigt, mit den an den Vorderfüßen gefesselten Pferden zusammen neben dem Lager. Ganz in unserer Nähe konnten wir zwei kapitale Oryxantilopen erlegen. Sie wurden aus der Decke geschlagen, zerwirkt, ein Teil des Wildbrets in etwa zwei Finger dicke und 30 Zentimeter lange Streifen geschnitten, mit Salz bestreut und zum Durchsalzen wieder in die frischen Decken eingeschlagen. Zum Schutze vor Hyänen wurden diese mit Fleisch gefüllten Häute über Nacht an den Akazienbäumen aufgehängt. Ein anderer Teil des Wildbrets wurde mit mitgebrachtem frischem Hammelfleisch durch die Fleischhackmaschine getrieben, mit reichlichem Gewürz vermengt und in die sorgfältig gereinigten Dünndärme der Oryx gefüllt. So entsteht eine Steppenwurst. Den Rest des Wildes vertilgten unsere Schwarzen gründlich. Die Würste sowie die gesalzenen Fleischriemen werden auf ausgespannte Stricke zum Trocknen an der Luft aufgehängt. Frisch gebraten schmeckt die Steppenwurst ausgezeichnet. Das getrocknete Fleisch ist unter dem Namen „Biltong“ bekannt, eine bei den Buren geschätzte Konserve. Die Decken des Wildes verarbeitet der Bure entweder zu Riemen oder er gerbt sie zu Leder. Die an Stelle der Stricke bei den Buren verwendeten Riemen werden aus ungegerbten frischen oder wieder aufgeweichten Decken des Wildes zugeschnitten. Um möglichst lange Riemen zu bekommen, wird das Fell vom äußersten Rande nach innen zu spiralförmig geschnitten. Durch ein besonderes Verfahren versteht es der Bure, diese ungegerbten Riemen dauernd weich und geschmeidig zu halten.
Wir lagerten an dieser Wasserstelle mehrere Tage und machten mit unseren Pferden herrliche Ritte nach allen Richtungen. Hier konnte ich wiederum die schon früher erwähnte Tatsache feststellen, daß ein berittener Jäger vom Wilde viel weniger beobachtet wird als ein Jäger zu Fuß. Offenbar halten die Tiere die Pferde von weitem für Zebras und werden dadurch nicht beunruhigt. Deshalb ist es für den berittenen Jäger ein leichtes, seine Kugel anzubringen und ein angeschweißtes Tier zu verfolgen.
Somit ist die Jagd mit Burenwagen und Pferden verhältnismäßig mühelos und bequem. Ich kann daher jüngeren Huberti, die hier in den Hochländern dem Weidwerk obliegen wollen, diese Art des Jagens nicht genug empfehlen, denn einerseits ist diese Methode nicht besonders anstrengend und kostet auch nicht mehr als das Reisen mit Trägerkarawanen; andererseits gewährt sie viel größere Bequemlichkeit und die Möglichkeit, große Strecken zu durchstreifen. Wir sahen während unserer Ritte unglaubliche Mengen von Wild. So konnten wir eines Tages in nächster Nähe 68 Giraffen zählen, die ruhig an uns vorbeiwechselten. Es war dies ein sonderbarer Anblick, jedoch hatte diese Herde leider keine Jungen bei sich, so daß von einem Fang gar keine Rede sein konnte. Immerhin bot sich mir aber sonst doch Gelegenheit, meinem Beruf nachzugehen, und so brachte ich von unserem achttägigen Ausflug mit dem Ochsenwagen drei junge Spießböcke und zwei Zebras nach Oldonje-Sambu zurück.
Zu dieser Jahreszeit war das Wild selbst hier so zahlreich, daß öfters des Nachts die Zebras dicht bis an unsere Zelte kamen. Infolgedessen fehlten auch Löwen nicht. Eines Morgens lag eine zerrissene, hochtragende Zebrastute nur 600 Meter von unserem Tierkral entfernt. Der Löwe hatte das Gescheide gefressen, und das ungeborene Junge lag unberührt neben dem Kadaver. Das zerrissene Zebra vergifteten wir mit Arsenik, und am nächsten Morgen hatten wir zwei tote Löwen daneben liegen. Obwohl das Vergiften der Räuber nicht weidmännisch ist, so mußten wir doch diesmal aus einfacher Notwehr zu diesem Mittel greifen, um die Pferde und das gefangene Wild zu schützen.
Die nächsten Wochen galten den Vorbereitungen zum Abtransport der neu eingefangenen Tiere nach der etwa 100 Kilometer entfernten Bahnstation „Neu-Moschi“. Der Transport bestand aus 4 Giraffen, 2 Nashörnern, 21 Gnus, 2 Elenantilopen, 10 Zebras, 9 Oryx, 6 Warzenschweinen, 1 Erdferkel, 10 Geparden, mehreren Schakalen, Hyänen und 2 jungen Löwen, dazu noch Affen, Vögel, Schlangen, Käfer usw. usw.
Es ist durchaus keine leichte und einfache Sache, eine solche Tierkarawane auf einer durch einsame Steppen führenden Straße nach ihrem Verladeplatz zu dirigieren. Der Transport von Raubtieren, Warzenschweinen, Affen, Vögeln und sonstigem Kleingetier ist noch am einfachsten, da diese Tiere in Kästen verstaut und auf dem Ochsenwagen oder auf den Köpfen der Neger weiterbefördert werden. Anders verhält es sich mit den großen Pflanzenfressern, die gewissermaßen mit ihren Wärtern in Reih und Glied mitmarschieren müssen. Sie sind es, welche die Aufmerksamkeit des Transportleiters und seiner Leute am stärksten in Anspruch nehmen und seine Geduld manchmal auf eine harte Probe stellen, da sie öfters durch ihre Mucken und Launen den Weitermarsch um beträchtliche Zeit verzögern. Jede Tierart muß während des Marsches in anderer Weise geleitet oder getrieben werden. So geschah es auch bei dem diesmaligen Transport. Die größten Tiere, wie Giraffen, Zebras usw., mußten am Halfter geführt werden und sich zuerst an diese Halfter gewöhnen. Da die Gnus und Elenantilopen mit Eseln täglich auf die Weide gegangen waren, hatten sie sich so an diese Esel gewöhnt, daß sie frei mit ihnen getrieben werden konnten. Am wenigsten Mühe machten uns jedoch die Nashörner. Sie folgten der Karawane wie Hunde.
Ein unliebsamer Unfall passierte mir mit den Gnus und ihren Wärtern. Beim Abmarsch ließ ich zu Zuchtzwecken acht zweijährige Gnus auf der Farm zurück, welche durch den Abtransport ihrer Gefährten in äußerste Aufregung gebracht worden waren. Deshalb befahl ich meinen Schwarzen, die Tiere bis zu ihrer völligen Beruhigung nicht auf die Weide zu treiben, sondern ihnen über den Kralzaun hinweg das Futter zu verabreichen, zumal sie schon einen Wärter angegriffen hatten. Kaum war ich mit meiner großen Tierkarawane zwei Tage unterwegs, als mir ein Bote nachkam mit der Nachricht, daß die zurückgebliebenen Gnus einen Schwarzen getötet hätten. Die Wärter hatten natürlich meinen Befehl, die Gnus nicht auf die Weide zu treiben, nicht befolgt. Sie hatten sie aus dem Kral herausgelassen, und bei dieser Gelegenheit wurde ein fremder Neger, der sich irgendwie das Mißfallen der noch immer aufgeregten Tiere zugezogen hatte, getötet. Selbst konnte ich nicht zurückkehren, beauftragte aber meinen Verwalter, die Sache bei der Regierung zur Anzeige zu bringen und zu regeln. Später, nach meiner Rückkehr von Europa, stellte sich bei den Verhandlungen heraus, daß ich von sechs Elternpaaren belangt worden war, die alle behaupteten, der von meinen Gnus getötete Mann sei ihr Sohn gewesen. Einige stellten sogar eine Forderung von 200 Rindern als Schadenersatz. Ich überließ es dem Gericht, die schwierige Frage zu lösen und zahlte, obwohl mir keinerlei Schuld an dem Unfall beigemessen werden konnte, eine mäßige, vom Richter festgesetzte Summe, welche die zur Schau getragene elterliche Trauer in grinsende Freude umwandelte.
Doch ich kehre zur Schilderung meines Transportes zurück. Langsam nur ging der Marsch meiner Tierkarawane vonstatten. Ich hatte diesmal folgende Route gewählt: Von Aruscha über Oldonje-Sambu — Engare ya Nyuki —, nördlich um den Meru herum und dann zwischen diesem und dem Kilimandjaro hindurch zum Kikafu, und von da über Weru-Weru nach der Station Neu-Moschi.
Auch diesmal wurden wir durch zeitraubende, unliebsame Zwischenfälle, wie Regengüsse, Ausbrechen der Tiere usw. öfters aufgehalten. So mußte ich beispielsweise in der freien Steppe an einer Stelle, wo sich um diese Zeit große Herden Gnus und Zebras als Standwild aufhielten, meiner Karawane vorauseilen und durch einige Schreckschüsse das Wild vertreiben. Diese Maßnahme war notwendig, damit sich bei meinen Zebras und Gnus, die sich gerade mit menschlicher Gesellschaft und der damit verbundenen Ordnung vertraut gemacht hatten, beim Anblick ihrer wilden Stammesbrüder das unterdrückte Freiheitsgefühl nicht wieder regte und sie zur Flucht verleitete.
Was für merkwürdige Überraschungen einem auf einem Marsch durch die Wildnis passieren können, beweist folgende kleine Episode: Wir lagerten eines Nachts in nächster Nähe einer Schlucht und, angestrengt durch die Strapazen des Marsches, gaben wir uns der wohlverdienten Ruhe hin. Plötzlich hörten wir um Mitternacht das klagende Miauen eines jungen Nashorns. Im Glauben, eines meiner Nashörner habe sich vom Lager entfernt, rief ich meinen Wärtern zu, Obacht auf diese Tiere zu geben. Nach einiger Zeit erhielt ich ihre schlaftrunkene Antwort, daß beide Nashörner neben ihnen seien und schliefen. Das Klagen eines Nashornes hörte jedoch nicht auf; jetzt sprang ich von meinem Lager auf, um mich selbst von der Richtigkeit der Antwort meiner Schwarzen zu überzeugen. Mit einer Laterne versehen, trat ich in der stockdunklen Nacht vor das Zelt und fand die beiden Dickhäuter ruhig neben ihren Wärtern schlafen. Plötzlich vernahm ich unten in der Schlucht, kaum 20 Meter von mir entfernt, ein Gepolter. Ich merkte sofort, daß ein ausgewachsenes Nashorn flüchtig wurde. Bei Tagesgrauen wurde meine Annahme durch die deutlich sichtbaren Fährten bestätigt. Aber welche Überraschung war es für mich, als ich neben den großen Fährten auch noch diejenigen eines jungen Nashornes fand. Deutlich konnte ich feststellen, daß das Muttertier die Schlucht hinauf zur Tränke gewechselt war. Hierbei hatte sich das Junge verlaufen und die klagenden Rufe ausgestoßen. Wäre es Mondschein gewesen, so hätte ich hier vielleicht auf leichte Art und Weise den Nashornbestand meines Transportes um eines vermehren können, während ich für den Fang der beiden gezähmten Tiere vor einiger Zeit beinahe fünf Monate bedurfte.
An einem anderen Tage hatten wir 25 Kilometer zurückzulegen, um das nächste Wasser zu erreichen, was mit großen Schwierigkeiten verknüpft war. Auch diesmal lag das Vorwärtskommen nur an den Giraffen. Sie blieben sehr oft stehen und wollten einfach nicht mehr weiter. Da man aber bei diesen Tieren keine Gewalt anwenden darf, so mußten wir warten, bis sie von selbst weitergingen. Hierdurch erlitt natürlich die Karawane eine große Verzögerung. Um nun nicht den ganzen Transport in der Steppe ohne Wasser lagern zu lassen, schickte ich alle anderen Tiere bis zum nächsten Wasserplatz voraus, damit die Krale und das Lager noch vor Dunkelwerden aufgeschlagen werden konnten. Ich selbst folgte mit den Giraffen langsam nach, konnte aber den Kral nicht mehr am Abend erreichen und mußte in der Steppe lagern. Glücklicherweise befand sich in der Nähe buschiges Gelände mit einigen Bäumen, so daß wir ein provisorisches Gehege für die Giraffen bauen konnten. Wir selbst streckten uns ohne Zelt am Boden nieder, um am nächsten Morgen den Weitermarsch fortzusetzen. Spät in der Nacht kam noch einer meiner Leute von der Karawane zurück und brachte uns einige Decken. In aller Frühe wurde ich auf eine sonderbare Weise geweckt. Die Giraffen waren wieder frisch und munter, hatten die schwache Einfriedigung durchbrochen und stolperten über uns hinweg. Wir ergriffen schnell die Leitseile der Tiere, und in einigen Stunden hatten wir den Vortrupp erreicht.
Das Wetter schien umzuschlagen. Da wir in einem ebenen Gelände lagerten, so machten wir uns schleunigst daran, die Tierkrale sowie die Zelte auf die in der Nähe liegenden geringen Erhöhungen aufzubauen. Gerade waren wir damit fertig und hatten alles untergebracht, als schon ein furchtbares Gewitter losbrach, gefolgt von dem üblichen tropischen wolkenbruchartigen Regen. Nach einigen Stunden ragten unsere Lagerplätze wie Inseln aus einem See hervor. Nach dreitägigem Aufenthalt war der Boden wieder etwas ausgetrocknet, und der unterbrochene Weitermarsch konnte wieder fortgesetzt werden.
Ein anderes Ereignis war folgendes: Am Kikafu, am Fuße des Kilimandjaros, der von den niedergegangenen Regengüssen schon sehr angeschwollen war und nur eine passierbare Furt, aber keine Brücke hatte, hatten wir die größte Mühe, Wagen und Tiere an das andere Ufer zu bringen, doch ging alles glücklich vonstatten. Dagegen hatte ein Bur, der uns dort mit seinem schwer mit Petroleum beladenen Wagen begegnete, weniger Glück. Als der Burenwagen auf dem der steilen Böschung folgenden Weg zur Furt hinabfuhr, glitten bei einer Wegbiegung die gebremsten Räder auf dem lehmigen, vom Regen aufgeweichten Boden ab, der schwere Wagen rutschte über den Weg hinaus, überschlug sich und sauste mitsamt der Ladung und den Zugochsen in den Fluß. Der Bur konnte noch von Glück sagen, uns hier getroffen zu haben. Wir machten sofort halt und halfen ihm seinen Wagen wieder aus dem Flusse herausziehen. Allerdings waren einige Kisten Petroleum verschwunden, die von der Strömung weggerissen worden waren. Die Ochsen dagegen waren unverletzt geblieben.
Aber auch uns sollte hier noch ein kleines Mißgeschick widerfahren. Wir hatten unser Lager an einem der Negerpfade aufgeschlagen. Die Tiere waren in schnell hergerichteten Kralen untergebracht worden, und wir dachten weiter an nichts Böses. Natürlich hatte der ungewohnte Anblick einer solchen Karawane einige Neger angelockt, welche die Tiere betrachteten und ihre Bemerkungen darüber machten. Wie wir ja zu Hause in jedem Tiergarten beobachten können, hat stets ein Teil des verehrlichen Publikums die Neigung, die Tiere zu necken. So auch hier. Einer der Schwarzen trat dicht an die Giraffen heran und spannte mit einer plötzlichen Bewegung seinen Schirm auf. Sofort gerieten die Giraffen in einen panischen Schrecken, durchbrachen die Umzäunung und verschwanden in eiliger Flucht in eine in der Nähe gelegene Kautschukpflanzung. Mit unserer Ruhe war’s nun vorbei. Zuerst wurde von unseren Leuten dem schwarzen Mitbruder, der das ganze Unheil verschuldet hatte, eine ordentliche Lektion erteilt, bei welcher auch der Schirm in die Brüche ging; sodann machten wir uns daran, die Ausreißer wieder einzufangen, was uns auch nach einigen Stunden gelang.
Eine weitere interessante Szene erlebten wir beim Überschreiten des Weru-Weru. Über denselben führte bereits eine schöne Eisenbrücke mit Holzboden. Sobald aber unsere Gnus diesen ihnen unbekannten Holzboden betraten, wurden sie durch das Klappern ihrer eigenen Hufe und derjenigen der Esel so erschreckt, daß sie in großen Sprüngen die Brücke entlangliefen. Nur ein alter Bulle blieb unschlüssig vor der Brücke stehen und verlieh seinem Unbehagen und Mißtrauen vor diesem ungewohnten Wege durch lautes Blöken Ausdruck. Kaum hörten dies die anderen Gnus, als sie im Galopp über die Brücke zurückeilten. Es dauerte lange Zeit, bis wir die Tiere glücklich zum zweiten Male über die Brücke bringen konnten.
In einem großen Schuppen und einem Lagerraum des Kilimandjaro-Hotels in Neu-Moschi, dicht bei der Station, fand ich Unterkunft für meine Schützlinge. Wir waren froh, daß wir sie unter Dach und Fach hatten, denn während der Nacht prasselte ein starker Regen herab. Aber nun konnte ich endlich einmal ohne Sorgen eine Nacht in einem wirklichen Bette schlafen.
Frühmorgens bei Sonnenaufgang war ich munter und stand auf der Veranda des Hotels, in der vom Regen erfrischten Landschaft bei klarster Luft das wunderbare Panorama des Kilimandjaro bewundernd. Die schneebedeckte Kibo-Kuppe ragte im hellsten Sonnenlicht durch einen Wolkenschleier hindurch, einen herrlichen Anblick gewährend. Tief versunken in das Betrachten dieser wunderbaren Landschaft, wurde ich plötzlich durch ein Krachen und Splittern unter mir in die Wirklichkeit zurückgerufen. Hier befand sich der sogenannte Lagerraum, in dem die Gnus untergebracht waren. Zur Vorsorge hatte ich die Fenster von innen mit einigen Latten vernageln lassen, damit die Tiere die Scheiben nicht beschädigen konnten. Das eindringende Morgenlicht hatte auch die Gnus lebendig gemacht und zur Freiheit gelockt. Hierbei gerieten zwei Bullen in Kampf, und da die Tiere nur die Fenster als Ausweg sahen, sprang eines in mächtigem Satz auf das Fenster los, Latten, Scheiben und Fensterkreuz durchbrechend, und sauste ins Freie; ihm nach, schneller, als ich es erzählen kann, folgten die anderen 21 Stück. In toller Flucht rasten sie dahin bis zum Platz vor dem Bahnhofsgebäude und fingen dort ruhig zu äsen an. Zuerst war ich vor Schrecken gelähmt und glaubte sie für mich verloren. Als ich sie aber in der Ferne friedlich äsen sah, schickte ich rasch die Schwarzen mit den Eseln zu ihnen, und so ließen sie sich am Abend wieder in den Stall zurückbringen. Bis zur Abfahrt nach Tanga ließ ich die Tiere jeden Tag zur Weide führen, dasselbe machte ich auch mit den Nashörnern.
Hier in Moschi mußte ich einen längeren Aufenthalt nehmen, denn es galt jetzt für die größeren Tiere die zur Bahnfahrt zur Küste und später zur Dampferfahrt nach Hamburg notwendigen Transportkästen zu machen. So einfach auch dem Beschauer ein solcher aus mehr oder minder starken Brettern erbauter Transportkasten erscheint, so gehört doch viel Erfahrung und Beobachtungsgabe dazu, ihn richtig zu konstruieren. Selbst ein einziger falsch geschlagener Nagel kann den Insassen verletzen und den Verlust desselben verursachen. Unrichtig angenagelte Latten werden oft den gehörnten Antilopen zum Verhängnis, weil den Tieren leicht ihre zwischen die Latten geratenen Hörner abbrechen. Ein brauchbarer Transportkasten soll, wie gesagt, den unumgänglichen Raum für eine gewisse Bewegungsfreiheit des Tieres, das oft mehrere Wochen darin verbleiben muß, besitzen. Der Kasten muß gut zu lüften und bequem zu reinigen sein, außerdem dem Wärter die Möglichkeit bieten, das Tier leicht zu füttern und zu tränken. Ferner soll er jedem Ausbruch des Tieres widerstehen und auch fest genug sein, um beim Ein- und Ausladen die unvermeidlichen Stöße auszuhalten; endlich muß er mit Schiebetüren versehen sein, um das Herein- und Herausschaffen der Tiere möglichst leicht zu machen. Dazu kommen oft noch ganz ungeahnte Faktoren beim Transport in Betracht. Als ich z. B. Giraffen von Moschi nach Tanga transportierte, mußte ich den Umstand bedenken, daß die Bahn über eine niedrige, oben geschlossene Brücke fährt, weswegen ich die Giraffenkästen so einrichten mußte, daß die obere Hälfte in die untere verschiebbar war, wodurch die Giraffen gezwungen waren, während der Durchfahrt ihre langen Hälse in wagerechte Stellung zu bringen.
Begreiflich ist, daß die Tiere aus ihrer Gefangenschaft heraus möchten und alles anstellen, um dem engen Behälter zu entfliehen. Je höher entwickelt die Intelligenz des Tieres ist, desto komplizierter muß die Schließvorrichtung gemacht werden. Affen und Elefanten sind unter allen Tieren die schlimmsten Ausbrecher. Mein berühmt gewordener Schimpanse „Moritz“ wußte sogar aus einem Schlüsselbund den einzigen zu seiner Tür passenden Schlüssel herauszufinden und war imstande, sich die Tür selbst aufzuschließen.