Die Regenzeit. — Zahlloses Ungeziefer. — Uebergang über den Ungerengeri. — Bunder Salaam bekommt Prügel, entflieht und wird wieder gefunden. — Gefangennahme von Soldaten seitens der Sultanin. — Die Makata-Wildniss. — Desertion und Wiedereinfangen eines Soldaten. — Furchtbare Schwierigkeiten beim Uebergang über den Makata-Sumpf. — Lager in Usagara. — Shaw’s Brief an Farquhar. — Des Letztern Antwort. — Seine Verschwendung. — Shaw’s Saumseligkeit. — Neue Art einen Karren zu brauchen. — Der See Ugombo. — Shaw und Farquhar beim Frühstück. — Shaw wird von mir der Länge lang zu Boden geschlagen. — Er verlangt seine Entlassung. — Er empfindet Reue. — Ein Schuss durch mein Zelt. — Farquhar wird in Mpwapwa zurückgelassen. — Abdullah bin Nasib. — Gegend von Mpwapwa.
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USEGUHHA.
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St.
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M.
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St.
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M.
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Vom Ungerengeri-Fluss nach
Simbo |
2
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Feldlager im Freien
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4
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10
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Makata-Fluss
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2
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30
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USAGARA.
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St.
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M.
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St.
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M.
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Lager westlich vom Makata
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5
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Madete
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2
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30
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Lager in der Ebene
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4
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30
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See Ugombo
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3
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Lager in der Ebene
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2
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Matamombo
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6
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Rehenneko
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3
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15
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Mpwapwa
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7
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Lager im Gebirge
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3
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30
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Kisokweh
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2
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Kiora
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3
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40
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Tschunyo
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1
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30
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Lager am Fluss
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4
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50
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Wir fanden, dass die Entfernung von Bagamoyo nach Simbamwenni 119 Meilen betrug, welche wir in 14 Märschen abmachten. Doch erstreckten sich diese Märsche infolge der Schwierigkeiten, die uns die Masikazeit bereitete und besonders wegen der Nachlässigkeit der vierten unter Maganga’s Führung befindlichen Karavane, über 29 Tage, wodurch unser Reisetempo allerdings sehr langsam wurde und wenig mehr als vier Meilen den Tag betrug. Ich schliesse nach dem, was ich vom Reisen gesehen, dass ich, wenn ich nicht durch die kranken Wanyamwezi-Lastträger gehindert worden wäre, die Entfernung in 18 Tagen hätte abmachen können. Die Esel hatten mein Vertrauen keineswegs getäuscht; diese armen Thiere kamen mit je einer Last von 150 Pfund in allerbester Ordnung in Simbamwenni an; nur der aus Gier und Faulheit zusammengesetzte Maganga mit seinen körperlich schwachen, syphilitischen Stammesgenossen, welche alle Augenblicke krank wurden, war daran Schuld. Bei trocknem Wetter hätte die Zahl der Märsche sehr verringert werden können. Von dem halben Dutzend Arabern, die meiner Expedition auf dieser Strasse vorangezogen, legten zwei die ganze Entfernung in acht Tagen zurück. Aus der kurzen Beschreibung des Landes, wie es sich von Tag zu Tag unsern Blicken darstellte, kann der Leser sich eine richtige Vorstellung desselben bilden. Wenn ich von Simbamwenni nach dem fernen an der Küste belegenen Bagamoyo zurückblicke, so kenne ich einen Staat in unserm Vaterlande, der sich sehr wohl mit diesem Landstriche, was Fruchtbarkeit, physische Umrisse, Wälder und ebene von hohen Gehölzen eingeschlossene Prairien, Gebirgskegel, Bergkämme und grossartige mit Grün bedeckte Wellenformationen vergleichen lässt, und das ist Missouri. Die Höhe von Simbamwenni kann nicht viel über 1000 Fuss über der Meeresfläche betragen, da das Land sich sehr allmählich erhoben hat. Da es gerade in der Regenzeit war, über die uns so viele ominöse Erzählungen von Leuten mitgetheilt worden, die den Charakter des Landes nicht kannten, erblickten wir es natürlich unter den ungünstigsten Verhältnissen. Aber selbst in dieser ungünstigen Phase blicke ich trotz allem tiefen schwarzen Kothe, übernässigem Thau, triefendem, erkältendem Grase, dichten, üppigen Dschungels und heimtückischen Fiebern, die ihr eigen, mit Vergnügen auf die Landschaft zurück, wegen des Wohlstandes und Glücks, welches sie der civilisirten Nation, die in Zukunft herkommen und von ihr Besitz ergreifen wird, verspricht. Eine Eisenbahn von Bagamoyo nach Simbamwenni liesse sich ebenso rasch und leicht und mit viel geringeren Kosten herstellen als die Pacific-Eisenbahn, von deren raschen von Tag zu Tag bis zu ihrer Vollendung erfolgenden Fortschritten die Welt mit Bewunderung gehört hat. Ein Aufenthalt in diesem Theile von Afrika, würde, nachdem daselbst eine gründliche Kanalisation durchgeführt worden, von keinen grössern Unbequemlichkeiten begleitet sein, als einer neuen Ansiedlung gewöhnlich zukommen. Die Temperatur betrug in dieser Jahreszeit während des Tages nicht mehr als 24° R. Die Nächte waren angenehm, fast zu kalt, wenn man nicht ein paar wollene Decken zum Zudecken hatte, und bis Simbamwenni von jener Plage, die auf den Prairien von Nebraska und Kansas so schrecklich wüthet, den Moskitos, verschont. Die einzigen Beschwerden, die meines Erachtens dem Ansiedler arg zusetzen würden, wären von der hartnäckigen, blutgierigen Mabungu oder Pferdefliege, der Tschufwa u. a., die ich schon beschrieben habe, zu erwarten, die bestimmt das Halten von Hausvieh unvortheilhaft machen würden, solange bis die dichten Wälder und Dschungels abgeholzt wären.
Meiner Erwartung entgegen war die Expedition nicht im Stande, am Ende der beiden Tage aufzubrechen, sondern noch zwei mussten in recht elendem Zustande im traurigen Thale des Ungerengeri zugebracht werden. Dieser Fluss, der in der trocknen Jahreszeit so klein ist, gewinnt während der Masikazeit bedeutend an Umfang und Gewalt, wie wir zu unserm Leidwesen erfuhren. In ihn ergiesst sich alles Wasser, das von einer Anzahl Bergkuppen und zwei langen Gebirgsketten herabströmt; während er sich am Fuss derselben dahinschlängelt, nimmt er die Wasserfälle, die man in den kurzen Intervallen, wo die Sonne scheint, in der Ferne glitzern sieht, und alle Nullahs und Waldströme auf, die der ausgedehnten Wand der Gebirgsabhänge ein so schroffes, unregelmässiges Aussehen verleihen, bis er in das Thal von Simbamwenni als ein furchtbarer Wasserkörper hinabgleitet, der den Karavanen, die nicht die Mittel haben, Brücken zu bauen, ein ernstes Hinderniss bereitet. Hierzu kam noch ein beständig strömender Regen und zwar ein solcher, wie er die Menschen ans Haus fesselt, sie elend und unliebenswürdig macht, ein wirklicher londoner Regen, ein beständiger von dichtem Nebel begleiteter Sprühregen. Wenn die Sonne schien, erschien sie nur als ein blasses Abbild ihrer selbst und alte Pagazi, die es in der Wetterkunde mit erfahrenen Wallfischfängern hätten aufnehmen können, schüttelten bedenklich ihre Köpfe über dieses betrübende Phänomen und erklärten es für zweifelhaft, ob der Regen vor drei Wochen aufhören werde. Die Lokalität des Karavanenlagers auf dieser Seite des Ungerengeri war ein unangenehm anzuschauendes Treibbeet für Malaria und selbst in der Erinnerung abscheulich. Der Schmutz von ganzen Generationen von Pagazi hatte unzähliges Ungeziefer angesammelt. Armeen von schwarzen, weissen und rothen Ameisen suchen den unglücklichen Boden heim; wurmartige Tausendfüssler von jeder Farbe klettern über die Gesträuche und Pflanzen; an dem Unterholz hängen die Nester gelbköpfiger Wespen mit Stacheln, die so böse wie die der Skorpionen sind; ungeheure Käfer von der Grösse ausgewachsener Mäuse wälzen Misthaufen über den Boden; das tausendfältige Ungeziefer, von dem der Boden wimmelt, ist von allen Arten, Formen, Gestalten und Farben; kurz die reichste entomologische Sammlung könnte es an Zahl und Mannichfaltigkeit mit den Arten nicht aufnehmen, welche die vier Wände meines Zeltes vom Morgen bis zur Nacht beherbergten.
Am fünften Morgen oder den 23. April liess der Regen auf ein paar Stunden nach, während welcher Zeit wir es fertig bekamen, durch den stygischen pestilenzialischen Koth an das überschwemmte Flussufer zu waten. Die Soldaten fingen um 5 Uhr morgens an, die Bagage von einem Ufer zum andern über eine Brücke zu tragen, welche das Nonplusultra von Einfachheit war. Nur ein unwissender Afrikaner hätte mit ihr zufrieden sein können; so wenig brauchbar war sie, um ein tiefes, reissendes Wasser zu passiren. Selbst für leichtfüssige Pagazi war es durchaus nicht angenehm hinüberzugehen und nur ein Seiltänzer von Profession hätte eine Last bequem hinübertragen können. Um über eine afrikanische Brücke zu gehen, dazu gehört erst ein grosser Sprung vom Lande auf einen Baumast (der sich über oder unter Wasser befinden kann), und dann wieder ein zweiter Sprung aufs Land. Mit 70 Pfund auf dem Rücken fällt dies dem Lastträger schwer genug. Bisweilen hilft er sich mit Stricken, die aus den langen Convolvulusarten extemporirt werden, welche von fast jedem Baume herabhängen; aber nicht immer, da die Waschensi dies für überflüssig halten.
Glücklicherweise wurde die Bagage ohne einen einzigen Unfall hinübergebracht, und obgleich die Strömung sehr stark war, wurden die Esel mit bedeutenden Anstrengungen und unter vielem Fluchen ohne Gefahr durch die Flut gezogen. Dieses schwierige Ueberschreiten des Ungerengeri nahm volle fünf Stunden in Anspruch, obgleich Energie und wüthende Schimpfreden, die für eine ganze Armee ausgereicht hätten, daran gewandt wurden.
Nachdem wir die Thiere wieder belastet und unsere Kleider getrocknet hatten, begaben wir uns aus der schrecklichen Umgegend des Flusses mit seinem Dunst und Schmutz in nördlicher Richtung auf einen Weg, der auf bequemen, ebnen Boden führte. Zwei vorspringende Berge wurden auf diese Weise links vermieden, und nachdem wir an ihnen vorbeigegangen waren, sahen wir das verhasste Thal nicht mehr.
Ich habe mich unterwegs immer gemüthlicher und heitrer befunden, als wenn ich mich in einem Lager über einen Aufenthalt ärgerte, den keine Kraftanstrengung vermeiden konnte, und infolge dessen fürchte ich, manches auf dem Marsche in stärkeren Farben gezeichnet zu haben, als es eigentlich verdient. Ich hielt aber die sich unsern Blicken eröffnende Aussicht für viel angenehmer als das Thal von Simbamwenni trotz all seiner unbeschreiblichen Fruchtbarkeit. Es war eine Reihe von Lichtungen, die sich hintereinander zwischen Waldgruppen junger Bäume aufthaten und in der Ferne von einzelnen Bergkuppen und zerstreuten Bergen eingeschlossen waren. Hin und wieder erblickten wir, als wir auf den Firsten von Hügeln dahinschritten, die blauen Usagara-Berge, welche den Horizont nach Westen und Norden begrenzten, und blickten herab auf eine dazwischen liegende weit ausgedehnte Ebene.
Am Fusse dieses ausgedehnten Abhanges, der von murmelnden Quellen und Berggewässern gut bewässert war, fanden wir ein bequemes Khambi, mit gut gebauten Hütten, das die Eingebornen Simbo nennen. Es liegt gerade 2 Stunden oder 5 Meilen nordwestlich von der Ungerengerifurt. Der Boden ist felsig und besteht hauptsächlich aus Quarzgeröll, welches durch die beständig fliessenden Bäche herabgespült ist. In ihrer Umgebung wachsen Bambus, von denen die dicksten ungefähr 2½ Zoll im Durchmesser umfassen; der „Myombo“, ein sehr stattlicher Baum mit einem glatten Stamm wie eine Esche; der „Imbite“ mit grossen fleischigen Blättern, wie der „Mtamba“, die Sykomore, der Pflaumenbaum, der „Ugaza“ oder die Tamariske und der „Mgungu“, welcher mehrere weite Zweige mit kleinen Blättern hat, die traubenförmig zusammengruppirt sind, und der Seidenbaumwollbaum.
Von Simbo Khambi aus kann man zwar keine Dörfer oder Ansiedlungen sehen, doch befinden sich in den Bergschluchten mehrere, die von den einigermassen zu Diebstahl und Mord geneigten Waseguhha bewohnt werden.
Als wir am Morgen des 24. im Begriff waren, Simbo zu verlassen, widerfuhr uns ein Unfall, der mir viele Tage lang Besorgnisse einflösste. Bunder Salaam nämlich, ein Eingeborner von Malabar, der als Koch bei mir fungirte, wurde dabei abgefasst, wie er zum fünften mal die Rationen meines Tisches bestahl. Sein Verbündeter und Busenfreund, Abdul Kader, der Unterkoch und Schneider, und der Araber Selim waren die Angeber und Zeugen; nach unparteiischer Untersuchung und da ihm schon viermal verziehen worden war, bekam Shaw den Befehl, dem Malabaresen ein Dutzend Hiebe zu appliciren. Er bekam seine Prügel ohne sich die Kleider ausziehen zu müssen; die Züchtigung war daher nicht sehr schwer, sondern stand im richtigen Verhältniss zu seinem Vergehen; die strengste Massregel aber bestand darin, dass er mitsammt seinem Esel und seinen Sachen aus dem Lager ausgestossen wurde mit der Erklärung, dass ich einen so unverbesserlichen Dieb nicht dulden könne. Ich hatte nicht gemeint, dass er wirklich vertrieben werden und der Gnade und Barmherzigkeit jedes gierigen Mschensi, der ihn zufällig träfe, ausgesetzt werden solle, sondern glaubte, dass ein Schrecken ihm zur Besserung seiner übeln Neigungen heilsam sein würde. Der Koch aber nahm die Sache ernstlich und sobald seine Hände frei waren, stürzte er aus dem Lager nach den Bergen, ohne auf Hut, Esel oder Eigenthum Rücksicht zu nehmen. Umsonst brauchten Bombay und Abdul Kader ihre Lungen, um den Flüchtling zurückzurufen; Bunder Salaam wollte durchaus nicht zurückkehren; da wir aber meinten, dass er es doch vielleicht thun könne, liess ich seinen Esel nebst der Habe an einen Baum in der Nähe des Lagers binden, während wir unsern Marsch fortsetzten.
Die lange weite Ebene, die von den Höhen zwischen dem Ungerengeri und Simbo sichtbar war, lag jetzt vor uns und prägte sich unserm Gedächtniss in trauriger Weise als das Makata-Thal ein. Der erste Marsch von Simbo mit dem Endziel Rehenneko am Fuss der Usagara-Berge war sechs Meilen lang. Das Thal beginnt mit breitem wellenförmigem Terrain, auf dem junge Bambuswaldungen, die dicht am Strome entlang wachsen, Zwergfächerpalmen, stattliche Palmyra und Mgungu-Bäume stehen. Dieses Terrain wird bald von wasserhaltigen Gräben unterbrochen, die dichte Felder von Zuckerrohr und breithalmigem Grase ernähren, und auf diesen Landstrich folgen weite, mit hohem Grase bewachsene Savannen, auf denen hin und wieder ein vereinzelter Baum die Eintönigkeit der Landschaft angenehm unterbricht. Das Makata-Thal ist eine Wildniss, die auf ihrer ganzen Ausdehnung nur ein Waseguhhadorf enthält. Daher gibt es viel Wild in den Waldgruppen und Kudus, Hartebeests, Antilopen und Zebras lassen sich im Morgengrauen erblicken, wenn sie in die offnen Savannen auf die Weide gehen. Zur Nacht schleicht sich hier die Hyäne herum und geht mit scheusslichem Geheul auf schlafende Beute aus, sei es nun Mensch oder Thier.
Der schlammige Koth der Savanne machte das Marschiren zu einer schweren Arbeit und er klebte so zäh an den Füssen, dass Menschen und Thiere sehr darunter litten. Ein Marsch von 10 Meilen nahm 10 Stunden in Anspruch, daher waren wir genöthigt, unser Lager mitten in der Wildniss aufzuschlagen und ein neues Khambi zu bauen, eine Massregel, die später von einem halben Dutzend anderer Karavanen nachgemacht wurde.
Der Karren kam erst kurz vor Mitternacht an und mit demselben ausser 3–4 kreuzlahmen Pagazi Bombay mit der schmerzlichen Kunde, er habe seine Last, die aus dem für die Güter bestimmten Zelte, einer grossen amerikanischen Axt, seinen zwei Uniformröcken, Hemden, Perlen, Tuch, Pulver, einer Pistole und einem Handbeil bestand, auf die Erde gelegt, um den Karren aus einer Kothlache ziehen zu helfen; als er dann an den Ort zurückgekehrt wäre, wo er es liegen gelassen, habe er es aber nicht wiederfinden können. Er glaubte, dass irgend welche diebischen Waschensi, die immer hinter den Karavanen herlauern, um Nachzügler abzufangen, damit das Weite gesucht hätten. Diese traurige Geschichte, die er mir in der finstern Mitternacht erzählte, nahm ich durchaus nicht gnädig, sondern mit vielen Zornesworten auf, welche der reuige Führer als seine verdiente Strafe hinnahm. In Wuth gerathend, zählte ich ihm alle seine Sünden auf: in Muhalleh habe er eine Ziege verloren, in Imbiki Tschamisi mit werthvollen Sachen desertiren lassen; häufig sich einer grossen Nachlässigkeit bei der Beaufsichtigung der Esel schuldig gemacht, indem er sie nachts anbinden lasse, ohne darauf zu sehen, dass sie Wasser bekämen, und morgens, wenn wir im Begriff ständen zu marschiren, schliefe er lieber bis 7 Uhr, anstatt früh aufzustehen und die Esel zu satteln, damit wir um 6 Uhr fortziehen könnten. In letzterer Zeit habe er eine grosse Vorliebe für das Feuer an den Tag gelegt, indem er sich wie ein blutarmer Mensch regungslos und schläfrig vor dasselbe hinkaure; jetzt habe er sogar mitten in der Masikazeit das Waarenzelt verloren, wodurch die Zeugballen verdorben und werthlos werden würden; auch die Axt habe er abhanden kommen lassen, deren ich in Udschidschi zu meinem Bootbauen so sehr bedürfen werde, sowie eine Pistole, ein Handbeil und eine Flasche besten Pulvers, und schliesslich sei er ohne den Koch ins Lager gekommen, obwol er doch wissen müsse, dass ich nicht beabsichtigt habe, den armen Kerl allein hinauszutreiben damit er ermordet werde. In Anbetracht aller dieser Dinge und da er zum Hauptmann absolut nicht zu brauchen sei, werde ich ihn degradiren und Mabruki-Burton an seine Stelle setzen. Ebenso solle Uledi (Grant’s Diener), wie Bombay, statt zweiter Führer zu sein, in Zukunft den Soldaten keine Befehle mehr ertheilen, sondern den von Mabruki ertheilten selbst zu gehorchen haben, da dieser Mabruki soviel wie ein Dutzend Bombays und zwei Dutzend Uledis werth sei. Auf diese Weise entliess ich ihn und befahl ihm, bei Anbruch des Tages umzukehren und Zelt, Axt, Pistolen, Pulver und Beil aufzusuchen.
Am nächsten Morgen war die von den Anstrengungen des letzten Tages vollständig ermattete Karavane genöthigt, Halt zu machen. Bombay wurde nach den verlorenen Sachen, Kingaru, Mabruki der Grosse und der Kleine bis Simbamwenni nach dem fehlenden Koch ausgeschickt und diese erhielten den Auftrag, wenn sie mit ihm zurückkehrten, für 3 Doti Korn mitzubringen, die uns als Lebensunterhalt in der Wildniss dienen sollten.
Drei Tage gingen vorüber und wir waren noch im Lager, um mit grösstmöglicher Geduld die Rückkehr der Soldaten, die nach dem albernen Hindu ausgesandt waren, zu erwarten. Mittlerweile wurden die Provisionen sehr knapp; Wild war nicht zu bekommen, da die Vögel sehr scheu waren. Eine zweitägige Jagd verschaffte uns nur zwei Töpfe voll Vögel, nämlich Waldhühner, Wachteln und Tauben. Ohne Erfolg kehrte Bombay von seinem Streifzug nach unserer fehlenden Habe heim und fiel dadurch sehr in Ungnade.
Am vierten Tage schickte ich Shaw mit zwei andern Soldaten aus, um zu sehen, was aus Kingaru und den beiden Mabrukis geworden sei. Gegen Abend kehrte er ganz erschöpft von einem wüthenden Anfall des Mukunguru oder Wechselfiebers heim, brachte aber die fehlenden Soldaten mit sich, welche nun selbst über ihre Schicksale berichten konnten.
Ihr Bericht lautete in kurzem folgendermassen: Als sie unser Lager verlassen hatten, waren sie rasch nach Simbo marschirt und hatten diesen Ort um 10 Uhr morgens erreicht. Nachdem sie dort die Umgegend unseres letzten Khambi nach Spuren des Bunder Salaam, seines Esels und Eigenthums durchsucht, aber nichts gefunden hatten, beschlossen sie sofort, direct an die Ungerengeribrücke weiter zu gehen und sich dort bei den Besitzern derselben nach den Reisenden zu erkundigen, die nach der Abreise des Musungu den Fluss passirt wären. An der Brücke hörten sie, dass ein weisser Esel, wie man ihn bei dem Musungu gesehen, über den Fluss nach Simbamwenni gegangen wäre; einen Hindu in Kisungukleidern hingegen hatten sie nicht gesehen. Meine drei schwarzen Polizisten wurden durch diese Nachricht zu grösserer Schnelligkeit angespornt, da sie nicht daran zweifelten, dass der Koch von den Waschensi ermordet worden sei, welche den mit der Habe des Kochs beladenen Esel mit sich fortgeführt hatten. In kurzer Zeit kamen sie in Simbamwenni an und theilten den erstaunten, an dem westlichen Thore der Stadt befindlichen Kriegern athemlos die Nachricht mit, dass zwei Waschensi, die mit einem weissen Esel an ihrer Stadt vorübergezogen sein müssten, einen Mann in Kisungukleidern, der zu dem Musungu gehöre, ermordet hätten. Die Leute von Simbamwenni führten meine Boten zur Sultanin, der sie ihre Geschichte erzählten. Diese fragte die Thurmwächter, ob sie zwei Waschensi mit dem weissen Esel gesehen hätten. Die Frage wurde bejaht, worauf sie sofort 20 ihrer Musketiere nach Muhalleh schickte, um sie zu verfolgen. Diese kehrten vor Nacht zurück und brachten die beiden Waschensi und den Esel mit den ganzen Habseligkeiten des Kochs zurück. Sofort liess sich die Sultanin, die offenbar ihres Vaters Energie sowol, als seine Gier nach Reichthümern besass, meine Boten, die beiden Waschensi und den Esel mitsammt dem Eigenthum des Kochs vorführen. Die beiden Waschensi wurden ausgefragt, wie sie in den Besitz des Esels und einer solchen Menge von Kisungukleidern, Tuchen und Perlen gekommen wären, worauf sie erwiderten, sie hätten den Esel an einen Baum gebunden und die Güter auf der Erde dicht dabei gefunden. Da sie keinen Besitzer oder Berechtigten in der Nachbarschaft gesehen, hätten sie geglaubt, ein Recht darauf zu besitzen und es daher mit sich genommen. Hierauf wurden meine Soldaten gefragt, ob sie den Esel und die Habseligkeiten wieder erkennten, welche Frage sie ohne Zögern bejahten. Ferner theilten sie Ihrer Hoheit mit, dass sie nicht nur nach dem Esel und den Gütern, sondern auch nach dem Besitzer ausgeschickt seien, welcher aus seines Herrn Dienst desertirt sei, und dass sie zu wissen wünschten, was die Waschensi mit dem Hindu angefangen hätten. Ihre Hoheit wollte gleichfalls gern wissen, was die Waschensi mit dem Hindu gethan, und um ihnen das Geständniss zu entlocken, beschuldigte sie dieselben direct, ihn ermordet zu haben, und wollte nur wissen, was sie mit dem Körper gemacht hatten. Die Waschensi erklärten mit grossem Eifer, dass sie die Wahrheit gesagt hätten und dass sie nie einen Menschen, wie er hier beschrieben worden, gesehen hätten; auch seien sie bereit, falls die Sultanin es wünschte, ihre Behauptungen zu beschwören. Ihre Hoheit wollte jedoch nicht, dass die Leute etwas beschwören, was sie (die Hoheit) in ihrem Herzen für eine Lüge hielt, aber wol wolle sie jene in Ketten legen lassen und unter Bedeckung einer Karavane an Seyyid Barghasch schicken, der schon wissen werde, was er mit ihnen anfangen solle. Hierauf wandte sie sich an meine Soldaten und fragte dieselben, warum der Musungu den Tribut, nach dem sie ihre Hauptleute ausgeschickt, nicht bezahlt habe. Die Soldaten waren ausser Stande, eine Antwort darauf zu geben, da sie über die Angelegenheiten ihres Herrn nichts wussten. Getreu dem Charakter ihres räuberischen Vaters, benachrichtigte nun die Erbin von Kisabengo meine zitternden Leute, dass, da der Musungu den Tribut nicht bezahlt habe, sie ihn sich jetzt selbst nehmen werde. Sie werde ihre Gewehre sowie die des Kochs und das auf den Esel gefundene Tuch sammt den Perlen für sich behalten, die dem Hindu persönlich gehörigen Kleider aber ihren Häuptlingen geben. Sie (meine Leute) dagegen sollten in Ketten gelegt werden, bis der Musungu selbst zurückkäme, um sie mit Gewalt zu befreien. Ihre Drohungen wurden auch wirklich ausgeführt. Sechzehn Stunden lang befanden sich meine Soldaten auf dem Marktplatz in Ketten, dem Spott des servilen Pöbels ausgesetzt. Zufälligerweise aber kam am nächsten Tage Scheikh Thani, den ich in Kingaru getroffen hatte und dem ich seit der Zeit um fünf Tage vorausgeeilt war, in Simbamwenni an, sah auf seinem Wege in der Stadt, wo er sich Vorräthe für seine Reise durch die Makata-Wildniss kaufen wollte, meine Leute in Ketten und erkannte sie sofort als in meinen Diensten stehend. Nachdem er ihre Geschichte angehört hatte, begab sich der gutherzige Scheikh zur Sultanin und theilte ihr mit, dass sie ein grosses Unrecht begehe und zwar eins, das nur mit Blutvergiessen endigen könne. „Der Musungu ist stark“, sagte er, „sehr stark; er hat zwei Flinten, welche vierzig mal ohne anzuhalten schiessen und mit ihren Kugeln auf eine Entfernung von einer halben Stunde treffen, sowie mehrere andere, die mit Sprengkugeln geladen werden, welche einen Mann in Stücke zerreissen. Er könnte auf die Spitze jenes Berges gehen und jeden Einwohner in der Stadt tödten, ehe ein einziger Ihrer Soldaten hinaufkommen könnte. Der Weg hierher wird dann abgesperrt werden, Seyyid Barghasch wird gegen Ihr Land marschiren, die Wadoe und Wakami werden kommen und an dem, was noch übrig bleibt, Rache nehmen, und der Ort, den Ihr Vater so stark gemacht hat, wird die Waseguhha nicht mehr kennen. Lassen Sie die Soldaten des Musungu frei; geben Sie ihnen Nahrungsmittel und Korn für den Musungu; erstatten Sie ihm die Gewehre wieder und lassen Sie sie gehen, denn der weisse Mann kann sich schon jetzt auf dem Wege hierher befinden.“
Dieser übertriebene Bericht über meine Macht und das schreckliche vom Araber entworfene Bild brachten insofern eine gute Wirkung hervor, als Kingaru und die Mabrukis sofort aus ihrem Gewahrsam entlassen und mit Nahrungsmitteln, die für unsere Karavane auf vier Tage ausreichten, versehen wurden. Auch bekamen sie ein Gewehr nebst Zubehör, Kugeln und Pulvervorrath, sowie des Kochs Esel, eine Brille, ein in Malabarischer Sprache gedrucktes Buch und einen alten Hut, der dem gehörte, den wir jetzt alle für todt hielten, zurück. Bis Simbo sorgte der Scheikh für die Soldaten, und in seinem Lager, wo sie sich reichlich an Reis und geklärter Butter (Ghee) erfreuten, fand sie Shaw, dem ebenso wie seinen Gefährten dieselbe freigebige Gastfreundschaft daselbst zu Theil wurde.
Mit grossem Erstaunen hörte ich diese lange Geschichte an; meine Brust hob sich von verschiedenen widerstreitenden, durch dieselbe hervorgerufenen Empfindungen bestürmt; es war dies alles so ganz anders, als ich vorausgesetzt hatte. Erstens glaubte ich, der Koch werde aufgefunden werden, und hatte durchaus keine Ahnung davon, dass ein grauses Geschick ihm zugestossen sei; ferner bereute ich es, ihn bestraft zu haben und gelobte mir im Geiste, nie wieder ein Mitglied meiner Karavane, wenn es mich auch noch so sehr beraubt habe, fortzujagen, damit es nicht von solch grausamen Mördern getödtet werden könne. Zweitens war ich über das Gebahren der Amazone Simbamwenni höchst erstaunt, denn es war ganz gegen alle Gewohnheit, von einem und demselben Eigenthümer zweimal Tribut zu fordern, und hätte sich das doch anders verhalten, so liessen ihr ja die vier Tage, die ich an dem Ufer des Ungerengeri lagerte, hinreichend viel Zeit, den Irrthum, den ich durch meine Weigerung, Tribut zu bezahlen begangen hatte, wieder gut zu machen; und ich hätte doch bestimmt die Sicherheit meiner Karavane nicht gefährdet, wenn ihre Abgesandten ihr Verlangen wiederholt hätten. Auf dieses Gefühl folgte grosse Entrüstung über den gemeinen an meinen Gewehren verübten Raub, welcher mich dazu hätte veranlassen können, wenn ich näher an Simbamwenni gewesen wäre, an den Vorstädten der Stadt Rache zu nehmen; der Aufenthalt von vier Tagen jedoch, den die Aufsuchung des Kochs veranlasst, hatte meinen Zorn so sehr abgekühlt, dass ich dafür ganz dankbar wurde, dass mich kein grösseres Misgeschick befallen hatte. Drittens verursachte die wohlmeinende Uebertreibung des Scheikh Thani und die jammervollen Erzählungen der drei Soldaten viel Heiterkeit. Am selben Abend noch schrieb ich einen vollständigen Bericht über diesen Vorfall, der durch die erste nach Osten ziehende Karavane dem amerikanischen Consul überbracht werden sollte, damit Seyyid Barghasch die Geschichte von dem unerklärlichen Verschwinden des Kochs von beiden Seiten erfahre.
Dankbaren Herzens verliessen wir unser Lager, wo wir so viel Angst und Aerger ausgestanden hatten, ohne des wüthenden Regens zu achten, der, nachdem er uns die ganze Nacht über durchnässt, unter andern Umständen unsern Eifer für den Marsch einigermassen gedämpft haben würde. Der Weg führte die erste Meile lang über ein röthliches Erdreich und wurde durch sanfte Abhänge nach Osten und Westen trocken gelegt; als wir aber den Schutz lieblicher Wälder, an deren östlichem Rande wir so lange aufgehalten worden waren, verlassen hatten, kamen wir auf eine der Savannen, deren Boden zur Regenzeit so weich wie Koth und klebrig wie dicker Mörtel ist. Hier drohte uns das Schicksal des berühmten Reisenden in Arkansas, der so tief in einen der zahlreichen Sümpfe jenes Landes hineingesunken war, dass man von ihm nichts mehr als seinen hohen, schmalen Cylinderhut erblicken konnte.
Shaw war krank und daher fiel die Pflicht, die vor Ermüdung strauchelnde Karavane weiterzuführen, ganz und gar mir zu. Die Wanyamwezi-Esel blieben wie festgewurzelt in dem Sumpf stecken. Sobald ich einen derselben durch Prügel aus seiner eigensinnig behaupteten Stellung herausgepeitscht hatte, fiel ein andrer sofort nieder und verursachte mir eine Sisyphusarbeit, die unter dem tobenden Regen zum Verrücktwerden war, da ich nur die Hülfe von Leuten wie Bombay und Uledi hatte, welche selbst um ihrer heilen Haut willen dem Sturm und Schmutz nicht Trotz bieten wollten. Zwei Stunden solcher schweren Arbeit gehörten dazu, um meine Karavane über eine 1½ Meilen breite Savanne fortzubringen, und kaum war ich damit fertig und hatte mir zur Beendigung derselben Glück gewünscht, als ich von einem tiefen Graben aufgehalten wurde, der mit Regenwasser von den überschwemmten Savannen angefüllt zu einem bedeutenden brusttiefen Bach geworden war, der rasch dem Makata zufloss. Da mussten denn die Esel abgeladen, durch ein reissendes Wasser geführt und auf der andern Seite wieder beladen werden, eine Operation, welche eine ganze Stunde in Anspruch nahm.
Gleich nachdem wir durch ein Gehölz gezogen waren, hemmte ein andres Gewässer, welches zu einem Fluss angeschwollen war, unsere Weiterreise. Da die Brücke fortgeschwemmt worden, waren wir genöthigt zu schwimmen und unsere Bagage überzuflössen, was uns abermals zwei Stunden aufhielt. Als wir das zweite Flussufer hinter uns hatten, wateten wir bespritzt und bisweilen halb schwimmend durch Koth, vom Wasser triefendes Gras und Matamahalme wankend längs des linken Ufers des eigentlichen Makata, bis ein Weitergehen für den Tag durch eine tiefe Krümmung des Flusses verhindert wurde, über die wir erst am nächsten Tag setzen konnten.
Obwol an diesem fatalen Tage nur sechs engl. Meilen zurückgelegt worden waren, hatte der Marsch zehn Stunden gedauert.
Halb todt vor Strapazen war ich doch glücklich, dass dieselben kein Fieber hervorgerufen hatten, dem man fast nur durch ein Wunder entgehen zu können schien. Denn unter allen mit Wechselfieber heimgesuchten Gegenden nimmt die Makata-Wildniss den ersten Rang ein. Der blosse Anblick der triefenden, in dichte Nebel gehüllten Wälder, des überschwemmten Landes, der langen Schwaden von Tigergras, die durch die trüben Fluten zu Boden gestreckt waren, der Hügel von faulenden Bäumen und Rohrmassen, des angeschwollenen Flusses und des weinenden Himmels waren genug, um das Mukunguru zu erzeugen. Die viel gebrauchten Khambis mit den darum lagernden Schmutzhaufen hätten genügt, um die Cholera hervorzurufen.
Der Makata, ein Fluss, der in der trocknen Jahreszeit nur 40 Fuss breit ist, bekommt in der Masikazeit die Breite, Tiefe und Gewalt eines bedeutenden Stromes. Wenn die Regenzeit ungewöhnlich stark ist, so überflutet er die grosse Ebene, welche sich zu beiden Seiten erstreckt, und verwandelt sie in einen gewaltigen See. Er ist der Hauptzufluss des Flusses Wami, welcher sich zwischen den Häfen Saadani und Whnide ins Meer ergiesst. Ungefähr zehn Meilen nordöstlich von der Makatafurt vereinigen sich der grosse Makata, der kleine Makata, ein namenloses Flüsschen und der Fluss Rudewa; der auf diese Weise entstehende Fluss heisst der Wami. Durch ganz Usagara ist der Wami als Mukondokwa bekannt. Drei dieser Ströme entspringen aus dem halbmondförmigen Usagaragebirge, welches die Makataebene nach Süden und Südwesten begrenzt, während der Rudewa im nördlichen Horne desselben Höhenzugs entspringt.
So rasch floss der Makatafluss und so sehr gefährdete die unsichere darüberführende Brücke, die halb im Wasser vergraben war, unser Eigenthum, dass der Transport desselben von einem Ufer zum andern volle fünf Stunden in Anspruch nahm. Kaum hatten wir alles auf der andern Seite, vom Wasser unbeschädigt, abgeladen, als der Regen in Strömen herunterfloss und alles so durchnässte, als ob es durch das Wasser geschleppt worden wäre. Durch den Sumpf, den ein einstündiger Regen gebildet hatte, weiterzuziehen, war absolut unmöglich. Daher waren wir gezwungen, an einem Ort zu campiren, wo jede Stunde uns neue Plagen bereitete. Einer der Wangwanasoldaten, die ich in Bagamoyo in Dienst genommen hatte, namens Kingaru, benutzte die Gelegenheit, um mit den Habseligkeiten eines andern Mgwana wegzulaufen. Meine beiden Polizisten Uledi (Grant’s Diener) und Sarmean wurden, mit amerikanischen Hinterladern bewaffnet, sofort ausgeschickt, um ihn zu verfolgen. Sie gingen mit einer grossen Geschicklichkeit und Raschheit dabei zu Werke, die guten Erfolg versprach. Nach einer Stunde schon kamen sie mit dem Deserteur heim, den sie im Hause eines Mseguhhahäuptlings, namens Kigondo, gefunden hatten, der etwa eine Meile vom östlichen Ufer des Flusses entfernt wohnte und der Uledi und Sarmean zurückbegleitete, um seinen Lohn zu erhalten und über den Vorfall Bericht zu erstatten.
Nachdem sich Kigondo gesetzt, erzählte er: „Ich sah diesen Mann mit einem Bündel rasch laufen, woraus ich schloss, dass er von Ihnen desertire. Wir, meine Frau und ich, sassen in unserer kleinen Wachthütte und beobachteten unser Korn; da der Weg dicht an uns vorüberführt, musste dieser Mann an uns herankommen. Wir riefen ihm, als er in der Nähe war, zu: «Meister, warum geht Ihr so rasch? Ihr desertirt wol vom Musungu, denn wir wissen, Ihr gehört zu ihm, da Ihr gestern von uns für 2 Doti Fleisch gekauft habt?» «Ja, sagte er, ich laufe weg; ich will nach Simbamwenni gehen. Wenn Ihr mich dorthin führen wollt, so will ich Euch ein Doti geben.» Darauf sagten wir ihm: «Kommt in unser Haus und wir wollen in Ruhe darüber sprechen.» Als er in einem innern Zimmer des Hauses sich befand, schlossen wir ihn ein und gingen wieder auf die Wache hinaus, sagten aber unsern Frauen, dass sie nach ihm sehen sollten. Wir wussten, dass, wenn Sie ihn haben wollten, Sie ihm Askari (Soldaten) nachschicken würden. Kaum hatten wir unsere Pfeife angezündet, als wir zwei mit kurzen Gewehren bewaffnete Leute, die keine Lasten trugen, den Weg daher kommen sahen. Sie blickten hin und wieder auf den Boden, als ob sie nach Fussspuren ausschauten. Wir wussten, dass es die Leute waren, die wir erwarteten, und riefen sie also mit den Worten an: «Was sucht Ihr?» Sie sagten: «Wir suchen einen Mann, der unserm Herrn entlaufen ist. Dies sind seine Fussspuren. Wenn Ihr lange in Eurer Hütte gewesen seid, so müsst Ihr ihn gesehen haben. Könnt Ihr uns nicht sagen, wo er ist?» Wir erwiderten: «Ja, er ist in unserm Hause, wenn Ihr uns begleiten wollt, so wollen wir ihn Euch überliefern, aber Euer Herr muss uns Etwas dafür geben, dass wir ihn gefangen haben.»“
Da Kigonda versprochen hatte, den Kingaru auszuliefern, so blieb für Uledi und Sarmean nichts zu thun übrig, als ihren Gefangenen in Gewahrsam zu nehmen und ihn mit den Leuten, die ihn gefangen genommen hatten, in mein Lager auf das westliche Ufer des Makata zu führen. Kingaru erhielt zwei Dutzend Peitschenhiebe und wurde in Ketten gelegt; Kigondo bekam ein Doti und 5 Khete rothe Korallenperlen für seine Frau.
Der Platzregen, welcher uns an dem Tage, wo wir über den Makata setzten, heimsuchte, war der letzte der Masikazeit. Da der erste Regenguss, den wir bekommen hatten, am 23. März stattfand, und der letzte am 30. April, so dauerte dieselbe 39 Tage. Die Seher von Bagamoyo hatten ihre Prophezeihung in Bezug auf die Masikazeit sehr feierlich dahin lautend abgegeben, dass „der Regen 40 Tage lang ohne Aufhören fallen werde“, während wir nur 18 Regentage gehabt hatten. Trotzdem waren wir froh, dass die Regenzeit vorüber war, denn wir hatten es satt, jeden Tag Halt zu machen, um die Waaren zu trocknen, die Werkzeuge und Eisenwaaren mit Fett zu schmieren und alle Tuch- und Lederartikel sichtlich vor unsern Augen verfaulen zu sehen.
Der erste Mai fand uns, wie wir uns durch Schlamm und Wasser des Makata mit einer Karavane durchschlugen, welche körperlich von den Anstrengungen krank war, die das Uebersetzen über so viele Flüsse und das Waten durch Sümpfe verursacht hatten. Shaw litt noch immer an seinem ersten Mukunguru, das ihn uns in einer neuen und nicht gerade der angenehmsten Weise zeigte. Ausserdem dass er sich gewisser Bedürfnisse, die für die Expedition durchaus nicht angenehm waren, innerhalb des Bereichs unserer Gehörorgane entledigte, nahm er allmählich den Charakter eines chronischen Hypochonders an, der zu allen Zeiten unliebsam, dem Mtongi einer afrikanischen Expedition, die mit Morästen, Regen und einer erkrankten Karavane zu kämpfen hat, geradezu hassenswerth erscheint. Zaidi, ein Soldat, war bedenklich an den Pocken erkrankt; die Kitschumatschuma, „kleinen Eisen“, hatten Bombay quer über die Brust gefasst und machten ihn zum unbrauchbarsten der Dienstunfähigen. Mabruk Salim, ein kräftig gebauter Jüngling, folgte dem Beispiel des Bombay und legte sich auf den Moorboden, simulirte Erbrechen und betheuerte, dass er vollständig unfähig sei, dem Makata-Moor Trotz zu bieten, aber kräftige Hiebe mit einer geflochtenen Lederpeitsche über seine nackten Schultern vertrieben die scheinbare Uebelkeit aus seinem Magen. Abdul Kader, der Hinduschneider und Abenteurer, der schwächste aller Sterblichen, litt immer an Mangel an Force, wie er sich auf französisch ausdrückte, war stets abgeneigt zu arbeiten, hilflos, stellte sich krank, hatte aber fortwährend Hunger. „O, Gott!“, war der Schrei meiner ermatteten Seele, „wenn alle Männer meiner Expedition wie dieser wären, so wäre ich genöthigt zurückzukehren, würde das aber nicht thun, ohne vorher summarische Rache an allen zu nehmen.“ An diesem Tage erprobte ich die vorzüglichen Eigenschaften einer guten Peitsche, und Abdul Kader (möchte er die Geschichte nur seiner ganzen Sippschaft erzählen) wird bestimmt nie wieder einen Weissen nach Afrika begleiten. Salomo war wol theils durch göttliche Eingebung, theils durch Beobachtung weise, ich wurde es durch Erfahrung und bin gezwungen zu bemerken, dass, wenn Schlamm und Nässe die physische Energie der Trägen untergraben hatten, eine Hundepeitsche ihrem Rücken sehr gut bekam und sie zu einer gesunden, bisweilen sogar übermässigen Thätigkeit wieder befähigte.
Dreissig Meilen lang zog sich von unserm Lager aus die Makataebene, ein ausgedehnter Sumpf, dahin. Das Wasser stand daselbst durchschnittlich einen Fuss hoch; an manchen Orten geriethen wir in Löcher von 3, 4 und selbst 5 Fuss Tiefe hinein. Pitsch-Patsch, Pitsch-Patsch waren die einzigen Töne, welche wir vom Anfang unseres Marsches an hörten, bis wir die Bomas fanden, welche die einzigen trockenen Flecken längs der Marschlinie einnahmen. Diese Art Arbeit dauerte zwei Tage, bis wir des Rudewa-Flusses ansichtig wurden, eines zweiten mächtigen Stromes, dessen Ufer von rauschendem Regenwasser überfloss. Als wir über einen Arm des Rudewa gesetzt und aus dem feuchten Schilfgras, das dicht an seinem westlichen Ufer wuchs, herausgekommen waren, zeigte sich uns eine enorme Wasserfläche, aus welcher Gruppen von Grasbüscheln und das Laub einzelner zerstreuter Bäume hervorschaute, und die in einer Entfernung von 10 oder 12 Meilen von dem östlichen Rande des Usagara-Gebirges begrenzt wurde. Auf dem fünf Meilen langen Marsche von dem Arm des Rudewa erreichten wir den Höhepunkt aller Unannehmlichkeiten und Plackereien. Als ich und die Wangwana mit den beladenen Eseln erschienen, sahen wir die Pagazi auf einem Hügel zusammenkauern. Als wir sie fragten, ob dieser Hügel das Lager wäre, sagten sie: „Nein.“ Warum macht Ihr denn hier Halt? „Ach, viel Wasser.“ Der eine zog eine Linie quer über seine Lende, um die Tiefe des Wassers anzugeben, der andre eine quer über die Brust, der dritte quer über den Hals, der vierte hielt gar die Hand weit über seinen Kopf, wodurch er sagen wollte, dass wir würden schwimmen müssen. 9 Meilen durch ein Schilfmoor schwimmen, das war unmöglich. Es war übrigens auch unmöglich, dass so verschiedene Berichte alle richtig sein sollten. Daher gebot ich den Wangwana ohne Zögern mit ihren Thieren weiter zu gehen. Nachdem wir drei Stunden lang durch 4 Fuss tiefes Wasser gespritzt waren, erreichten wir das trockene Land und hatten den Makata-Sumpf hinter uns, aber nicht ohne dass der Morast mit seinen Schrecken einen dauernden Eindruck auf unsere Gemüther hinterlassen hätte. Keiner von uns konnte diese Strapazen vergessen oder den Ekel gegen das Reisen, den er fast erzeugte. Später hatten wir uns dieser Partie noch lebhafter zu erinnern und es zu bedauern, dass wir die Reise während der Masikazeit unternommen hatten, da die Thiere von jetzt an fast täglich zu zweien und dreien krepirten, bis nur fünf kränkliche, ganz heruntergekommene übrigblieben, da die Wangwanasoldaten und Pagazi von unzähligen Krankheiten heimgesucht wurden, und ich schliesslich selbst gezwungen war, mich an einem Ruhranfalle, der mich an den Rand des Grabes brachte, ins Bett zu legen. Ich habe wol mehr gelitten, als nöthig gewesen wäre, wenn ich die richtige Medizin genommen hätte; aber mein zu grosses Vertrauen in die zusammengesetzte Arznei, welche man „Collis Brown’s Chlorodyne“ nennt, verzögerte die Heilung, welche schliesslich durch einen vernünftigen Gebrauch von Dover’schem Pulver bewirkt wurde. In keinem einzigen Falle von Diarrhoe oder acuter Ruhr hat dieses „Chlorodyne“, über das man so viel gesprochen und geschrieben, irgendwie die Wirkung gehabt, den Anfall zu verringern, obwol ich drei Flaschen davon verbraucht habe. Der Ruhr, welche wir uns durch den Uebergang über den Makata zugezogen, fielen nur zwei Individuen zum Opfer und zwar ein Pagazi und mein armes Hündchen Omar, das mich von Indien her begleitet hatte.
Der einzige Baum von Erheblichkeit in dem Makata-Thale war die Palmyrapalme (Borassus flabelliformis) und dieser wuchs an einigen Stellen hinreichend zahlreich, um es als Hain zu bezeichnen. Seine Früchte waren noch nicht reif, als wir vorbeizogen, sonst hätten wir sie als etwas Neues gegessen. Die übrige Vegetation bestand aus verschiedenartigen Dornbüschen und der lieblichen immergrünen Mimose mit ihrem fallschirmförmigen Laubdach.
Am 4. Mai schritten wir eine sanfte Anhöhe hinauf, dem bedeutenden Orte Rehenneko zu, dem ersten Dorfe in Usagara, in dessen Nähe wir lagerten. Es lag am Fuss des Berges und sein Reichthum sowie seine Bergluft versprachen uns Gesundheit und Lebensgenuss. Es war ein viereckiges, dichtgebautes Dorf, um das sich ein dicker Lehmwall herumzog, der kegelförmig zugespitzte Hütten umschloss, welche mit Bambus und Holcushalmen gedeckt waren. Die Bevölkerung belief sich auf ungefähr 1000 Seelen. Es hat mehrere reiche und bevölkerte Nachbardörfer, deren Einwohner in ihren Manieren hinreichend, aber nicht in unangenehmer Weise unabhängig sind. Die Bäche sind hier vom reinsten Wasser, frisch und durchsichtig wie Krystall, und rauschen über runde Kieselsteine und reinen Kies, was dem Ohre des Reisenden, der ein solch lieblich trinkbares Element aufsucht, wie die herrlichste Musik klingt.
In der Nähe von Rehenneko wächst der Bambus bis zu einer Grösse, die ihn stark genug macht, als Zelt- und Achselholz-Stangen verwandt zu werden, und so massenhaft, dass man eine ganze Armee damit versorgen könnte. Die Bergabhänge sind dicht mit Bäumen bewaldet, die sehr gutes Bauholz liefern könnten.
Vier Tage hielten wir an diesem herrlichen Ort, um uns zu stärken und den Kranken und Schwachen Zeit zu geben, sich etwas zu erholen, ehe sie ihre Kräfte an dem Besteigen der Usagara-Gebirge prüften.
Der 8. Mai sah uns mit unsern furchtbar heruntergekommenen Menschen und Thieren die steilen Abhänge der ersten Hügelreihe hinaufziehen. Wir erreichten den Gipfel, von dem wir einen bemerkenswerth grossartigen Anblick genossen, der uns in einem meisterhaften Bilde das breite Makata-Thal mit seinen raschen Bächen zeigte, die wie Silberschnüre aussahen, als die Sonne auf die unbeschatteten Wasserläufe schien. Tausende von anmuthigen Palmen vermehrten den Reiz der Landschaft, und der grosse Wall der durch ihre Höhe und Ausdehnung erhabenen mattblauen Uruguru- und Uswapanga-Gebirge bildet einen geeigneten Hintergrund für eine so ausgedehnte Aussicht.
Nach Westen blickend fanden wir uns in einer Gebirgswelt, in welcher sich Bergspitze hinter Bergspitze, Einschnitt hinter Einschnitt und Gebirgskegel hinter Gebirgskegel zeigte. Nach Norden, Westen und Süden rollten die Gebirgsspitzen wie Glaswogen; in der ganzen Landschaft war kein einziger dürrer oder verbrannter Flecken sichtbar. Das Diorama bot keine plötzlichen Wandelungen oder schlagenden Contraste dar, sondern ein einziger Wald von grünen Bäumen bekleidete sämmtliche Bergspitzen, Kegel und Gipfel.
Für die Leute war dieser erste Marschtag durch die Gebirgsgegend von Usagara ein angenehmes Zwischenspiel nach der langen Reise über die Ebenen und mühsamen Wellenformationen der Seegegend, aber für die beladenen und geschwächten Thiere war es zu viel. Wir hatten zwei davon verloren, als wir in unserm nur sieben Meilen von Rehenneko belegenen Lager angekommen waren, was also die erste Abzahlung unserer Schuld an den Makata bildete. Süsses klares Wasser war reichlich in den tiefen Schluchten der Berge vorhanden, bisweilen floss es über Flussbetten von festem Granit, bisweilen über einen reichen rothen Sandstein, dessen weiche Masse vom Wasser bald durchdrungen, in fein zertheiltem Zustande beständig fortgeschwemmt wurde und das unten befruchten half. In andern Schluchten brauste und donnerte es, wie es über die Granitblöcke und Quarzfelsen dahinstürzte.
Am 9. Mai kamen wir, nachdem wir noch einmal einen derartigen Weg zurückgelegt, der uns die Berge hinauf und in die dämmernden Tiefen der Thäler hinabführte, plötzlich an den Mukondokwa und sein eng geschlossenes Thal, an dessen Ufer üppiges Schilfgras, Rohr und Dorngebüsch dicht gedrängt standen. Hier kämpften knorrige Tamarisken mit ungeheuren Convolvuli, die sich um deren Stämme mit solcher Hartnäckigkeit und Macht wanden, dass jene nur als Stütze für diese gewachsen zu sein schienen.
Das Thal war an einigen Stellen kaum ¼ Meile breit, an andern erweiterte es sich bis auf eine Meile; die Hügel auf beiden Seiten schossen in jähen Abhängen hinauf, welche von Mimosen, Akazien und Tamarisken bekleidet, ein Flussthal einschlossen, dessen mannichfache Krümmungen sich schlangenartig dahinzogen.
Bald nachdem wir in das Mukondokwa-Thal gelangt waren, kamen wir auf die Strasse, die von Burton und Speke im Jahre 1857 zwischen Mbumi und Kadetamare überschritten worden. (Dieser letztere Ort sollte eigentlich Misonghi genannt werden, da Kadetamare nur der Name seines Häuptlings ist.) Nachdem wir dem linken Ufer des Mukondokwa gefolgt, wo unsere Route etwa eine Stunde lang nach allen Richtungen von Südosten nach Westen, Norden und Nordosten verlief, kamen wir an die Furt. Am andern Ufer derselben erreichten wir nach einem Marsch von einer kurzen halben Stunde Kiora.
In diesem schmutzigen Dorfe, dessen Boden reichlich mit Ziegenmist bedeckt und das für einen Weiler, der noch nicht 20 Familien enthielt, von einer erstaunlichen Anzahl Kinder bewohnt war; wo die Sonne auf den beschränkten freien Platz mit einer Glut von mehr als 43° Réaumur herunterschoss, wo Fliegen und bekannte wie unbekannte Insektenarten massenhaft schwärmten, fand ich, wie man mir schon früher mitgetheilt hatte, die dritte Karavane, welche aus Bagamoyo so gut ausgerüstet und mit Vorräthen versehen abgereist war. Ihr Führer nämlich, Farquhar, lag hier krank im Bett mit geschwollenen Beinen (Bright’sche Krankheit infolge von häufigen Ausschweifungen) und war ausser Stande und vielleicht auch nicht Willens, sich zu bewegen, da er die Lage kannte, in welche er seine Karavane gebracht hatte. Als ich in Rehenneko an der Ruhr litt, hatte ich Shaw gebeten, Farquhar zu schreiben, um genaue Auskunft über den Zustand der Karavane zu erhalten, der nach Berichten vorüberziehender Karavanen ein erbärmlicher sein sollte. Daher ermannte sich Shaw zur Abfassung folgenden Briefs: