Bis zu einer Reise von vier Monaten zu Wasser und Land kennt man demnach den Nil, abgesehen von seinem Lauf in Aegypten. Denn so viele Monate kommen heraus, wenn man zusammenrechnet, was verwendet wird auf die Reise von Elephantine bis zu diesen Automolen. Es fliesst aber der Nil von Abend und Sonnenuntergang her. Wie es von da an weiter geht, kann niemand mit Gewissheit angeben, denn es ist dieses Land eine Wüste infolge der Hitze.

Folgendes jedoch hörte ich von Männern aus Cyrene, welche vorgaben, zu dem Orakel des Ammon gekommen zu sein und ein Gespräch mit Etearchus, dem König der Ammonier, gehabt zu haben; da wären sie denn nach manchen andern Gesprächen auch über den Nil zu reden gekommen, wie niemand dessen Quellen kenne; und hätte Etearchus versichert, es seien einstens zu ihm Männer von dem Stamme der Nasamonen gekommen, welches ein Libysches Volk ist, das an der Syrte und dem ostwärts von der Syrte gelegenen Lande in keiner grossen Entfernung wohnt; diese Nasamonen seien zu ihm gekommen und hätten auf die Frage, ob sie etwas näheres von den Wüsten Libyens wüssten, erzählt, es hätten bei ihnen angesehene Männer recht ausgelassene Söhne gehabt, welche, als sie Männer geworden waren, auf manche unnütze Dinge verfielen, und so hätten sie denn auch fünf von ihnen durch das Loos erwählt, welche die Wüsten Libyens besichtigen und zusehen sollten, ob sie nicht etwas mehr zu sehen bekämen als die, welche die entlegensten Gegenden je besehen hätten. An dem Theil von Libyen nämlich, der am nördlichen Meer liegt, von Aegypten angefangen bis zum Vorgebirge Soloeis, wo Libyen endet, an dieser ganzen Küstenstrecke wohnen Libyer, und zwar viele Völker der Libyer, ausser dem, was Hellenen und Phöniker innehaben. Aber über dem Meer und der am Meere sich hinziehenden Bevölkerung, oberhalb derselben, ist Libyen voll von wilden Thieren, und oberhalb dieses Landstriches der wilden Thiere ist nur Sand und eine völlig wasserlose, an allem bare Wüste. Die Jünglinge nun, so erzählten sie, ausgesendet von ihren Kameraden und wohl versehen mit Wasser und Lebensmitteln, zogen zuerst durch das bewohnte Land und kamen, als sie dasselbe durchschritten, in das Land der wilden Thiere; aus diesem zogen sie dann durch die Wüste, indem sie ihren Weg in westlicher Richtung nahmen. Und als sie viel sandiges Land durchzogen hatten und in vielen Tagen erblickten sie mit einem mal wieder Bäume, welche in einer Ebene wuchsen; da traten sie herzu und pflückten von der auf den Bäumen befindlichen Frucht; als sie aber pflückten, kamen kleine Männer herbei, nicht einmal von mittlerer Grösse, packten sie und schleppten sie weg; es verstanden aber weder die Nasamonen deren Sprache, noch die, welche sie wegschleppten, die der Nasamonen. Sie führten sie dann durch grosse Sümpfe, und als sie durch dieselben waren, gelangten sie in eine Stadt, deren Bewohner alle an Grösse den frühern gleich waren und schwarz von Farbe; längs der Stadt floss ein grosser Strom von Abend nach Sonnenaufgang zu und waren Krokodile in demselben zu sehen.

Insoweit also wäre die Erzählung des Ammoniers Etearchus von mir angegeben; nun fügte er noch hinzu, es wären die Nasamonen zurückgekehrt, wie die Cyrenäer behaupten, und diejenigen, zu welchen sie gekommen, wären lauter Zauberer gewesen. In dem Flusse nun, welcher (an jener Stadt) vorbeifliesst, glaubte auch Etearchus den Nil zu erkennen, und erscheint dies auch ganz vernünftig. Denn der Nil kommt aus Libyen und zwar so, dass er dasselbe in der Mitte durchschneidet, und ist sein Lauf (wie ich vermuthe, indem ich aus dem, was offenkundig ist, auf das, was noch nicht erkannt ist, schliesse) in gleicher Richtung mit dem des Ister. Denn der Ister, der aus der Kelten Land und von der Stadt Pyrene kommt, nimmt seinen Lauf so, dass er Europa in der Mitte spaltet; die Kelten wohnen aber ausserhalb der Säulen des Hercules und sind die Nachbarn der Kynesier, welche unter allen Bewohnern Europas am äussersten Ende nach Sonnenuntergang zu wohnen. Es endet aber der Ister, nachdem er ganz Europa durchlaufen, in das Meer des Pontus Euxeinos, da, wo milesische Colonisten Istria bewohnen.

Es wird nun der Ister, weil er durch bewohntes Land fliesst, von vielen gekannt; über die Quellen des Nils aber kann niemand etwas angeben, denn das Libyen, durch welches er fliesst, ist unbewohnt und öde; was ich jedoch über seinen Lauf durch meine Erkundigung soweit als nur immer möglich erfahren konnte, ist hier angegeben; er kommt nämlich (aus Libyen heraus) nach Aegypten. Aegypten aber liegt so ziemlich gegenüber dem steinigen Cilicien; von da aber bis nach Sinope, das am Pontus Euxeinos liegt, ist ein gerader Weg von fünf Tagen für einen rüstigen Fussgänger. Sinope aber liegt gegenüber der Mündung des Ister ins Meer. Sonach glaube ich, dass der Nil durch ganz Libyen in gleicher Weise fliesst, wie der Ister (durch Europa). Soviel soll nun über den Nil gesagt sein.

Zweitens muss Webb’s Fluss bis an den Ort verfolgt werden, wo er sich mit irgendeinem Theile des alten Nils verbindet.

Wenn dies beides geleistet worden ist, aber nicht früher, wird das Geheimniss des Nils aufgeklärt sein. Die beiden Länder, durch welche der merkwürdige seeartige Fluss Lualaba mit seinen zahlreichen Seen und weiten Wasserflächen fliesst, sind Rua (das Uruwwa Speke’s) und Manyuema. Zum ersten male erfährt Europa, dass zwischen dem Tanganika und den bekannten Quellen des Congo Millionen Neger leben, welche noch nichts von den weissen Völkern gesehen oder gehört haben, die ausserhalb Afrikas ein so reges Leben führen. Auf diejenigen unter ihnen, welche das Glück gehabt haben, das erste Exemplar dieser merkwürdigen weissen Rasse in der Person von Dr. Livingstone kennen zu lernen, scheint er einen sehr günstigen Eindruck gemacht zu haben, obgleich man aus Misverständniss über den Zweck seiner Reise und weil man ihn mit den Arabern in Verbindung gebracht hat, die dort furchtbar wüthen, seinem Leben mehr als einmal nachgetrachtet hat. Diese beiden ausgedehnten Länder Rua und Manyuema werden von wirklichen Heiden bevölkert und nicht, wie die Reiche Karagweh, Urundi und Uganda, von despotischen Königen beherrscht, sondern es hat ein jedes Dorf daselbst seinen eigenen Sultan oder Herrn. Dreissig Meilen ausserhalb ihres eigenen unmittelbaren Bereiches scheinen die Intelligentesten dieser kleinen Häuptlinge von nichts mehr zu wissen. Dreissig Meilen vom Lualaba entfernt gab es nur wenig Leute, die jemals von dem grossen Fluss etwas gehört hatten. Unwissenheit der Eingeborenen über ihr eigenes Vaterland vermehrte natürlich die Mühen Livingstone’s. Mit ihnen verglichen sind alle die Stämme und Völkerschaften, mit denen Livingstone sonst in Afrika in Berührung kam, als civilisirt zu betrachten; dennoch sind diese wilden Völker von Manyuema in den Künsten heimischer Industrie allen andern, die er gesehen, bedeutend überlegen. Wo andere Stämme und Völkerschaften sich daran genügen lassen, nachlässig über die Schultern geworfene Thierfelle als Kleidung zu benutzen, fabricirt das Volk von Manyuema aus feinem Grase bereitetes Zeug, das sich vortheilhaft mit dem feinsten Grastuch Indiens vergleichen lässt. Auch verstehen sie die Kunst, dieselben in verschiedenen Farben, schwarz, gelb und purpurroth, zu färben. Den Wangwana oder Freigelassenen von Zanzibar fiel die Schönheit dieses Artikels so auf, dass sie ihre Baumwollenzeuge gern gegen feines Grastuch umtauschten, und ich habe fast an jedem Schwarzen, der aus Manyuema kommt, dieses einheimische Tuch in elegant gemachte Damirs (arabisch, kurze Jacken) umgewandelt gesehen. Diese Länder sind auch sehr reich an Elfenbein. Das Fieber, nach Manyuema zu gehen, um bunte Perlen für seine köstlichen Elfenbeinzähne einzutauschen, ist ebenso gross wie dasjenige, welches die Menschen antrieb, sich in die Schluchten und Goldgruben von Californien, Colorado, Montana und Idaho zu begeben, oder nach Australien und in die Cap-Colonie zu ziehen, um Goldklumpen oder Diamanten zu suchen. Manyuema ist jetzt das Eldorado der Araber und der Wamrima-Stämme. Es ist nur etwa vier Jahre her, dass der erste Araber von Manyuema mit einem solchen Reichthum an Elfenbein und Berichten über die fabelhaften Massen, die sich dort vorfinden, zurückkehrte, dass seitdem die altgewohnten Wege nach Karagweh, Uganda, Ufipa und Marungu relativ verlassen worden sind. Die Einwohner von Manyuema haben in ihrer Unkenntniss des Werthes dieses kostbaren Artikels ihre Hütten auf Elfenbeinstützen erbaut. In Manyuema waren Elfenbeinsäulen ein ganz gewöhnlicher Anblick, und wenn man hiervon hört, kann man sich nicht länger über den Elfenbeinpalast Salomon’s verwundern. Generationen hindurch haben sie Elfenbeinzähne als Thürpfosten und Stützen für die Dachtraufen benutzt, bis sie vollständig verrottet und werthlos geworden waren. Die Ankunft der Araber hat sie aber bald über den Werth dieses Artikels belehrt, er ist jetzt bedeutend im Preise gestiegen, obwol er noch fabelhaft billig ist. In Zanzibar kostet das Frasileh (35 Pfd.) Elfenbein 50–60 Dollars, je nach seiner Qualität. In Unyanyembé kostet das Pfund ungefähr 1 Dollar 10 Cents; in Manyuema hingegen kann man das Pfund für Kupfer im Werthe von ½ bis 1¼ Cent kaufen. Die Araber verstehen jedoch die Kunst, die Märkte durch ihre Habgier und Grausamkeit zu ruiniren. Mit Musketen bewaffnet ist eine kleine Abtheilung Araber gegen das Volk von Manyuema unbesiegbar, welches bis vor kurzem noch niemals eine Flinte hat knallen hören. Das Entladen einer solchen Flinte flösst ihnen einen tödlichen Schrecken ein und es ist fast unmöglich, sie dazu zu bewegen, es gegen eine Flinte aufzunehmen. Sie glauben, die Araber hätten den Blitz gestohlen und dass gegen solche Leute Bogen und Pfeile nur wenig ausrichten können. Es fehlt ihnen keineswegs an Muth und sie haben oft erklärt, dass, wenn die Gewehre nicht wären, kein Araber das Land lebendig verlassen solle. Dies beweist, dass sie sich sehr gern in den Kampf mit den verhassten Fremdlingen einlassen würden, wenn das Knallen der Flinten ihnen nicht Schrecken einflösste.

In jedem Lande, das der Araber betritt, bringt er es bald dahin, dass sein Name und seine Rasse verhasst wird. Die Hauptursache hiervon ist aber nicht die Naturfarbe oder der Name des Arabers, sondern einfach der Sklavenhandel. Solange man den Sklavenhandel in Zanzibar bestehen lässt, wird dies im übrigen unternehmende Volk der Araber den Hass der Eingeborenen ganz Afrikas auf sich ziehen.

Auf der Hauptreiseroute von Zanzibar ins Innere von Afrika sind diese grausamen Handlungen aus dem einfachen Grunde unbekannt, weil die Eingeborenen mit Flinten bewaffnet sind, mit ihnen umzugehen verstehen und keineswegs zögern, bei günstiger Gelegenheit von denselben Gebrauch zumachen. Die Araber haben es zu spät eingesehen, welche Thorheit es war, den Eingeborenen Gewehre zu verkaufen, und schwören jetzt demjenigen, der in Zukunft das noch thun will, Rache. Sie haben aber diesen Fehler begangen und es ist sonderbar, dass sie das Thörichte desselben nicht schon damals eingesehen haben. In frühern Zeiten konnte der Araber unter dem Schutze seiner mit Flinten bewaffneten Sklavenescorte durch Useguhha, Urori, Ukonongo, Ufipa, Karagweh, Unyoro und Uganda mit einem blossen Stock in der Hand reisen; jetzt jedoch ist das weder für ihn noch für sonst jemand möglich. Ein jeder Schritt, den er thut, ob bewaffnet oder unbewaffnet, ist gefahrvoll. Die Waseguhha halten ihn in der Nähe der Küste auf und verlangen Tribut, wenn er nicht mit ihnen kämpfen will. In Ugogo ist er täglich denselben drückenden Forderungen oder derselben Alternative ausgesetzt. Auch die Wanyamwezi zeigen sich bereit, ihn in der gleichen Weise zu übervortheilen. Der Weg nach Karagweh ist voll von Beschwerden; da steht ihnen der schreckliche Mirambo im Wege, der ihre verbündeten Truppen mit Leichtigkeit besiegt und sogar Ausfälle bis an die Thüren ihrer Häuser in Unyanyembé macht. Glückt es ihnen aber, an Mirambo vorbeizukommen, so steht Swaruru vor ihnen, ein Häuptling, welcher den Tribut ballenweise verlangt und gegen den zu kämpfen vergeblich ist. Diese Bemerkungen beziehen sich auf den Sklavenhandel, der jetzt von den Arabern in Manyuema eingeführt wird. Da sie auf dem Wege zwischen Zanzibar und Unyanyembé durch die bedrohliche Haltung der Eingeborenen, welche die geringste Beleidigung mit Blut zu rächen bereit sind, belästigt werden, haben die Araber mit dem Menschenraube zwischen dem Tanganika und dem Meere aufgehört. In Manyuema dagegen, wo die Eingeborenen furchtsam, unentschlossen und in kleine Stämme zersplittert sind, treten sie wieder kühn auf und lassen ihren Neigungen zu jenem schändlichen Handel freien Lauf. Die Berichte, welche Livingstone aus jenen Gegenden mitbringt, sind höchst beklagenswerth. Er war z. B. der unfreiwillige Zuschauer bei einer furchtbaren That — einer an den Bewohnern eines volkreichen Bezirks verübten Metzelei, die sich auf dem Marktplatz, an den Ufern des Lualaba, zutrug, wo sich jene nach uralter Sitte versammelt hatten. Wie es scheint, lieben die Wamanyuema sehr, auf dem Markte Handel zu treiben, und halten dies für den höchsten irdischen Genuss. Sie können gar nicht genug an dem Vergnügen bekommen, mit grossem Kraftaufwande wegen der unbedeutendsten Summe, der kleinsten Perle zu feilschen, und wenn sie ihr jeweiliges Ziel erreicht haben, so sind sie sehr glücklich. Auch die Frauen lieben das Handeln ungemein und da sie sehr schön sind, so muss der Marktplatz bedeutende Anziehung auf das männliche Geschlecht ausüben. An einem solchen Markttage fing nun Tagamoyo, ein arabischer Mischling, mit seiner bewaffneten Sklavenbegleitung eine allgemeine Metzelei damit an, dass er massenhaft in die dichte Menschenmenge schiessen liess. Man nimmt an, dass ungefähr 2000 Menschen anwesend waren und beim ersten Flintenknall stürzten alle diese armen Leute nach ihren Nachen. In der furchtbaren Eile der Flucht wurden die Boote von den ersten wenigen Leuten, die sie glücklich in Besitz nahmen, fortgerudert. Wer nicht so davonkam, sprang in das tiefe Wasser des Lualaba; hier wurden viele eine Beute der zahlreichen, auf den Schauplatz stürzenden gefrässigen Krokodile; der grösste Theil jedoch erlag den Kugeln des unbarmherzigen Tagamoyo und seiner schurkischen Bande. Livingstone glaubt, wie auch die Araber selbst, dass hierbei ungefähr 400 Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder, getödtet und noch viel mehr zu Sklaven gemacht worden sind. Das ist aber nur einer der vielen Frevel, von denen er unfreiwillig Zeuge gewesen, und er ist ganz ausser Stande, die Entrüstung zu beschreiben, welche er gegen die unmenschlichen Verbrecher empfindet. Die Sklaven von Manyuema werden nämlich wegen ihrer schönen Gestalt und grossen Gelehrigkeit besser bezahlt als die aus irgendeinem andern Lande. Die Frauen sind, wie mir Livingstone wiederholt gesagt hat, ganz besonders hübsch und haben, mit Ausnahme des Haares, nichts mit den Negern der Westküste gemein. Sie sind von sehr heller Farbe, haben schöne Nasen, wohlgeformte, nicht zu volle Lippen und nur selten den vorstehenden Unterkiefer. Diese Weiber werden von den Mischlingen der Ostküste eifrig zu Frauen gesucht und selbst die echten Omani-Araber verschmähen es nicht sie zu heirathen. Im Norden von Manyuema kam Livingstone auf eine helle Rasse, ungefähr von der Farbe der Portugiesen oder unserer amerikanischen Mischlinge, der Quadronen in Louisiana, die sehr schön ist und sich besonders durch Scharfsinn und Klugheit im Handel auszeichnet. Die Weiber derselben tauchen sehr gewandt nach Austern, die sich in grosser Zahl im Lualaba finden.

Rua ist an einem Orte, der Katanga heisst, reich an Kupfer. Seit Urzeiten sind die Kupferminen dieses Ortes im Betriebe. In einem Flussbett hat man Gold gefunden, das in Stücken von der Gestalt von Stiften oder von der Grösse von Erbsen gefunden wird. Zwei Araber sind aus Speculation auf dieses Metall hingegangen, da sie aber mit der Kunst der Goldwäscherei unbekannt sind, so ist es kaum möglich, dass sie dabei Glück haben werden. An der Verfolgung dieser hochwichtigen und interessanten Entdeckungen wurde Livingstone, als er sich fast an der Schwelle des Erfolgs befand, dadurch verhindert, dass seine Leute sich direct weigerten, ihn weiter zu begleiten. Sie fürchteten sich, ohne bedeutende Bedeckung weiter zu ziehen, und da man in Manyuema keine Begleiter bekommen konnte, so kehrte Livingstone sehr wider seinen Willen nach Udschidschi zurück.

Sein Rückweg war lang und beschwerlich. Die Reise selbst hatte jetzt kein Interesse für ihn; denn er war denselben Weg nach Westen gezogen voll grosser Hoffnungen und Bestrebungen, ungeduldig, das Ziel zu erreichen, das ihm Ruhe von seinen Mühen versprach. Jetzt kehrte er ohne Erfolg, mit vereitelten Hoffnungen, fast angesichts seines Zielpunktes wieder um; da war es kein Wunder, dass sein alter, tapferer Muth, seine starke Constitution der Enttäuschung und Entmuthigung fast erlag.

Livingstone kam am 16. October in Udschidschi fast sterbend an. Unterwegs hatte er versucht, da es unmöglich war, gegen die Hartnäckigkeit seiner Leute anzukämpfen, sich mit dem Gedanken zu trösten, es werde nicht viel Zeit, höchstens noch fünf bis sechs Monate, dazu gehören, und darauf käme es nicht an, da es sich doch nicht vermeiden liesse. In Udschidschi habe er ja seine Waaren und von dort könne er ja mit neuen Leuten wieder ausziehen. Durch solche Hoffnungen versuchte er es sich einzureden, dass alles wieder in Ordnung kommen werde; man kann sich also den Schrecken vorstellen, als es sich herausstellte, dass der Mann, dem seine Güter in Verwahrung gegeben waren, sie sämmtlich gegen Elfenbein verkauft hatte.

Am Abend des Tages, als Livingstone nach Udschidschi zurückkehrte, sah er seine beiden treuen Diener Susi und Dschumah bitterlich weinen. Er fragte sie, was ihnen fehle, und erfuhr darauf zum ersten male die üble Botschaft, die seiner wartete. Denn sie sprachen:

„All unser Eigenthum ist verkauft, Herr! Scherif hat alles für Elfenbein losgeschlagen.“

Später am Abend kam Scherif selbst zu ihm und bot ihm unverschämterweise die Hand, die Livingstone jedoch mit den Worten zurückstiess, er könne einem Diebe nicht die Hand reichen. Zu seiner Entschuldigung führte Scherif an, er habe aus dem Koran gewahrsagt und daraus erfahren, der Hakim (arabisch für Doctor) sei todt.

Jetzt war Livingstone von allem entblösst und hatte gerade genug, um sich und seine Leute ungefähr einen Monat zu unterhalten; dann wäre er genöthigt gewesen die Araber anzubetteln.

Livingstone sprach sich mir gegenüber dahin aus, dass Speke, wenn er die Höhe des Tanganika zu nur 1800 Fuss über dem Meeresspiegel angibt, in diesen Fehler durch einen blossen lapsus calami, etwa durch zu häufiges Schreiben der Jahreszahl unserer Zeitrechnung verfallen sein müsse; denn die Höhe sei nach seinen Berechnungen 2800 Fuss, wie er sie durch Bestimmung des Siedepunkts festgestellt, und nach dem Barometer sogar etwas über 3000 Fuss.

Vielfach beklagte sich Livingstone darüber, dass ihm Sklaven als Hüter seiner Waaren geschickt worden, nachdem er so häufig die Leute in Zanzibar gebeten, ihm Freigelassene zu senden. Mit geringer Mühe hätten die Leute, welche ihm Vorräthe zuzuschicken hatten, sich gute, treue Freigelassene verschaffen können; wenn sie es aber dabei bewenden liessen, sich nach Empfang eines Briefes von Dr. Livingstone wegen der Boten an Ludha Damdschi zu wenden, so ist es kein Wunder, dass unehrliche, unfähige Sklaven abgesandt wurden. Die Entdeckung Livingstone’s, dass ein freier Neger hundertmal fähiger und vertrauenswürdiger als ein Sklave sei, ist nicht neu. Schon vor Jahrtausenden sprach der Hirt Eumacus zu Ulysses: „Zeus hat gesagt: Der Tag, der Dich entehrt zum Sklaven, raubt Dir auch den halben Werth.“

Dr. Livingstone behauptet, er habe wiederholt den Dr. Kirk aufs dringendste ersucht, ihm keine Sklaven zu schicken. Niemand wusste besser, wie wenig Verlass auf sie sei, und man kann sich vorstellen, wie hoffnungslos ihm seine Aufgabe erscheinen musste, als er immer wieder von diesen unfähigen Menschen getäuscht-wurde. Es wird daher stets den Freunden beider Herren leidthun müssen, dass Dr. Livingstone’s hierauf gerichtete Bitten nicht mehr berücksichtigt worden sind.

Es gibt noch einen Punkt, über den ich einige Bemerkungen zu machen wünsche, das Verfahren nämlich, das die Gelehrten mit Livingstone’s Depeschen vorgenommen haben. Wenn ein Reisender in Central-Afrika etwas entdeckt, sei es nun ein See oder Berg, eine Ebene oder ein Fluss, und Schlüsse in Bezug auf seine Entdeckungen zieht, so sollten seine Gründe vor allen andern von grösstem Gewicht sein. Bisweilen hat er deren viele, zu viele wenigstens, um sie in einer Depesche mitzutheilen, und ist daher genöthigt, aus Mangel an Raum sie zurückzuhalten, bis er sie selbst in einem Buch veröffentlichen kann. In einem solchen Falle muss es jedermann einleuchten, dass stubenhockende Geographen beim Mangel genauer Daten nicht die Depeschen oder den ursprünglichen Entdecker und Erforscher zu corrigiren haben, und Ansichten, welche in der Absicht ausgesprochen werden, um die Thatsachen zu entkräften, sollten von keinem Leser eine grosse Bedeutung beigemessen werden. Nun hat Livingstone mit der Geographischen Gesellschaft als Körperschaft nicht correspondirt, wol aber seinem Freunde Sir Roderick Murchison geschrieben, und dieser hatte als Präsident der Gesellschaft das Recht, wie Livingstone es auch erwartete, den Inhalt dieser ziemlich langen Briefe der erhabenen wissenschaftlichen Körperschaft, deren Haupt er war, vorzulegen. Wie Livingstone mir selbst gesagt und andern Freunden geschrieben hat, ist der Grund, warum er es sich versagt hat, Einzelheiten mitzutheilen, seine Furcht, dass seine Depeschen willkürlichen Verbesserungen, etwaigen Lieblingstheorien zu Gefallen, ausgesetzt sein könnten, da viele der Kritiker die Thatsache vergessen, dass er das, was er erzählt, nur nach anstrengender Forschung kennen gelernt hat.

Es ist wirklich eine beklagenswerthe Thatsache, dass Entdecker die Wahrheiten, die sie für unzweifelhaft halten, nicht bekannt machen können ohne dass man annimmt, sie gehörten einer parteiischen Clique an, welche die Lieblingstheorien gewisser Geographen zu Hause umstürzen will, oder sie beschuldigt, „wohlbekannte Thatsachen entstellt zu haben“. Wenn der „gelehrte Herr Cooley“ nach dem Hörensagen eines Arabers die Umrisse eines grossen Sees zeichnet, welcher ganz Central-Afrika einnimmt und die verschiedenen Seen Nyassa, Tanganika und Nyanza in sich schliesst, warum sollte er nicht sofort seinen Irrthum eingestehen, wenn Livingstone, Burton, Speke, Grant, Wakefield, New, Roscher, von der Decken und Baker beweisen, dass es mehrere Seen gibt, die weit auseinanderliegen und verschiedene Namen führen. Es macht doch nur sehr wenig mehr Mühe, sechs Seen zu zeichnen, als einen einzigen grossen. Und das Zeugniss einer solchen Menge Reisender sollte doch gewiss grössere Bedeutung haben, als das eines Arabers. Trotzdem beschuldigt mich Herr Cooley der Verstocktheit oder des Misverständnisses, wenn ich behaupte, der See Tanganika sei ein Wasserkörper für sich, und er ist auch auf Kapitän Burton böse geworden, seitdem dieser den See entdeckt hat. Bei aller seiner Gelehrsamkeit in geographischen Dingen fehlt ihm doch der moralische Muth, einen Irrthum einzugestehen. Herr Cooley ist aber nur der Typus einer kleinen Anzahl Geographen. Die Cooley’sche Methode ist trotz grosser Bildung, Erfahrung und Begabung offenbar ansteckend; denn Herr F. Galton hat mit grosser, aber doch etwas spöttischer Urbanität meine Vertheidigung des Forschers „eine Sensationsgeschichte“ genannt, und Dr. Beke hat mit der ganzen Hartnäckigkeit eines Mannes, der ein Steckenpferd reitet, aufs entschiedenste erklärt, dass Livingstone die Quellen des Nils nicht entdeckt habe. Diese nachdrückliche Erklärung einer rasch gebildeten Meinung kann doch nichts als eine beklagenswerthe Voreingenommenheit seitens des Dr. Beke sein. Keiner der drei Herren, deren Namen ich hier angeführt habe, verdient mehr Glauben, als der grosse Forscher, der seine Bemerkungen über diesen Punkt auf dem 4.° südl. Breite und dem 25.° östl. Länge in Central-Afrika niedergeschrieben hat.

Dr. Livingstone verabscheut nun diese Cooley’sche Methode, welche Hartnäckigkeit, Intoleranz und Engherzigkeit bedeutet, und bemerkt, er werde seine Notizen für sich behalten, und darin hat er nach meiner unmassgeblichen Ansicht sehr recht. Die Geographische Gesellschaft ist gegründet worden, um die Kenntniss der wahren Geographie aller Länder möglichst zu fordern. Wenn die Gesellschaft von dieser Cooley’schen Methode durchsäuert würde und sich hartnäckig gegen die Offenbarungen von Forschern sperrte, wie könnte sie jemals den Zweck, für den sie gegründet ist, erreichen? Würde ein solches Verhalten die Forscher ermuthigen? Wenn die Mitglieder der Gesellschaft sich von kleinen Eifersüchteleien, Lieblings Vorstellungen, rohen, unmöglichen Theorien beherrschen lassen, würden dann wol Leute ausziehen und tausende von Dollars für die Aufklärung der Welt in Bezug auf das geheimnissvolle Innere Afrikas ausgeben?

Ich habe keine eigenen Ansichten über irgendetwas, das ich nicht selbst gesehen, ausgesprochen, da ich nicht danach geize, mehr verunglimpft zu werden, als es schon geschehen ist. Unglücklicherweise befinde ich mich im Bann der Ungnade einiger Geographen, weil ich unbewusst das ausgeführt habe, was, wie sie wünschten, von einem der Ihrigen geleistet werden sollte.

Ich habe geglaubt — und in der That theilte die ganze Welt meine Ueberzeugung —, dass sie um ihren grossen Genossen aufrichtig besorgt und begierig wären, wie sie sagten, zu wissen, ob David Livingstone noch am Leben sei. Die Amerikaner theilten diese Sorge und ein amerikanischer Zeitungsbesitzer unternahm es plötzlich, jemand nach Central-Afrika auszuschicken, um Livingstone aufzusuchen und zu unterstützen. Dieser Mensch hatte zufälligerweise Erfolg, kehrte in die civilisirte Welt zurück und erklärte, dass Livingstone, der grosse Forscher, noch am Leben sei. Sofort wurde diese Nachricht mit Hohn aufgenommen! Der Präsident der Königl. Geographischen Gesellschaft erklärte sie für Unsinn; der Vicepräsident für eine Sensationsnachricht; die Cooleyiten für Verstocktheit und Misverständniss, und ein Beke behauptete sogar, die Theorie Dr. Livingstone’s sei unmöglich. Fast ganz England und ein grosser Theil von Amerika wurde hierdurch gänzlich verwirrt; allmählich jedoch kamen Beweise für die grosse Thatsache zum Vorschein, dass Livingstone nicht nur am Leben sei, sondern auch jeden Buchstaben, der angeblich von ihm herrühre, ohne irgendwelche Abänderung oder Interpellation von einer andern Hand selbst geschrieben habe. Dann kamen Angriffe auf den Charakter des unglücklichen Zeitungscorrespondenten. Ein Individuum nannte ihn einen „Charlatan und Lügner“; ein anderer meinte, er sei durchaus nicht, was er zu sein vorgebe; während noch andere meinten, der vielgeschmähte Journalist habe die Depeschen von einem Boten gestohlen, und ähnliches gemeines, ungerechtes Zeug.

Man erlaube dem einfachen Zeitungscorrespondenten an alle Geographen, Redacteure, Kritiker und professionsmässige Verleumder die Frage zu richten, was wol in aller Welt aus Dr. Livingstone, dem berühmten Forscher, geworden wäre, wenn sie ihre Debatten, Theorien und Discussionen, ihre Zänkereien und Speculationen fortgesetzt hätten und niemand ihm Trost, Gesundheit und Hülfe gebracht hätte?

Dr. Livingstone hat es wol nicht geglaubt, dass sein schlichter Freund durch solche Angriffe belohnt werden würde und dass man die schwachen Anstrengungen, denen ich mich, immer nur das eine Ziel im Auge und ohne an die Möglichkeit von Neidern und Böswilligen zu denken, unterzogen, so aufnehmen würde. In meiner Unschuld meinte ich, ich brauche blos meine Geschichte ehrlich und wahr zu erzählen und sie werde sofort ohne alle Kriteleien und Zweifel aufgenommen werden. Daher ist es wol natürlich, dass ich mich gekränkt fühle durch Angriffe auf meine Ehre und Wahrhaftigkeit an Stellen, wo ich sie am wenigsten vermuthet und am meisten auf einen andern Empfang gehofft hatte.

Dr. Livingstone hatte grosse Zweifel darüber, ob es sich passe, an die Königl. Geographische Gesellschaft Depeschen zu schicken, ohne eine Garantie dafür zu haben, dass die Mittheilungen nicht pecuniär ausgebeutet würden. Zur Privatbelehrung der Mitglieder war er sehr gern bereit, seine Kenntnisse mitzutheilen; er wünschte aber nicht, dass seine Entdeckungen einem jeden Mitglied beliebig zur Verfügung gestellt würden, das Lust hätte, sich auf seine Kosten zu bereichern. Auch beklagte er sich darüber, dass ein gewisses Mitglied der Geographischen Gesellschaft gewissenloserweise eine rohe Kartenskizze benutzt habe, die er der Gesellschaft geschickt hatte, um seinen Weg zu erläutern. Als Livingstone nun bei seiner Heimkehr den Wunsch ausgesprochen, es möge eine genaue, nach den vom Observatorium des Cap der Guten Hoffnung verbesserten und beglaubigten Beobachtungen berichtigte Karte angefertigt werden, habe dieses Mitglied ihm entgegnet, er habe fünf bis sechs Monate an der vorliegenden Karte gearbeitet und könne nicht daran denken, eine neue zu zeichnen, wenn er nicht etwa 200 £ für seine Mühe bekäme. Ueber derartige Thatsachen beschwert sich Dr. Livingstone. Vor der Königl. Geographischen Gesellschaft als Körperschaft hat er die höchste Achtung und denkt mit Stolz an seine Beziehungen zu derselben. Nur über einige wenige Mitglieder beklagt er sich, von denen er glaubt, sie hätten seine Depeschen in ihrer Gelehrsamkeit verunstaltet, wären als doctrinäre Theoretiker gegen ihn vorgegangen und hätten seine Karten abgeändert, um ihren eigenen krankhaften Vorstellungen und Phantasien in Cooley’s Manier Genüge zu leisten. Obgleich es nun nur wenige derartige Mitglieder gibt, so ist ihr Einfluss doch zu gross, als dass man an ihnen ohne eine Bemerkung vorübergehen könnte.

Wir verlebten mehrere glückliche Tage in Udschidschi und es wurde nun Zeit, unsere Fahrt auf dem Tanganika vorzubereiten. Livingstone erholte sich bei der neuen Kost, mit der ihn mein Koch versah, von Tag zu Tag. Zwar konnte ich ihm keine Mahle bereiten, wie sie Jupiter und Merkur in der Hütte von Baucis und Philemon erhielten; denn wir hatten keine Beeren der keuschen Minerva, eingemachte Kirschen, Endivien, Radieschen, getrocknete Feigen, Datteln, duftige Aepfel und Weintrauben, aber wir hatten Käse und Butter, die ich selbst bereitete, frische Eier, Hühner, Hammelbraten, Fische aus dem See, herrliche saure Milch, Sahne, Palmwein, Eierpflanzen, Gurken, süsse Kartoffeln, Erbsennüsse und Bohnen, weissen Honig aus Ukaranga, saftige, süsse Singwe — eine pflaumenartige Frucht aus den Wäldern von Udschidschi — und Maiskuchen statt des Weizenbrotes.

Während der Mittagshitze sassen wir unter unserer Veranda und unterhielten uns über verschiedene Projecte, und am frühen Morgen und Abend suchten wir die Ufer des Sees auf und spazierten daselbst, um die kühlen Lüfte einzuathmen, welche die Oberfläche des Wassers in Bewegung setzten und die unruhige Brandung weit auf den glatten, weissen Sand hinaufrollten.

Es war die trockene Jahreszeit und wir hatten herrliches Wetter; die Temperatur betrug nie mehr als 21° R. im Schatten.

Der Marktplatz, der die breite, silberne Wasserfläche überblickte, bot uns Belehrung und Unterhaltung. Täglich waren hier Vertreter von fast allen Stämmen, die in der Nähe des Sees wohnen, zu sehen. Da gab es die ackerbauenden, heerdenzüchtenden Wadschidschi mit ihren Heerden; dort die Fischer von Ukaranga und Kaole, aus der Gegend jenseits Bangwé und selbst von Urundi, mit ihren Breitlingen, die sie Dogara nennen, mit Welsen, Barschen und andern Fischen; oder die Palmölhändler, hauptsächlich aus Udschidschi und Urundi, mit grossen, fünf Gallonen enthaltenden Töpfen voll röthlichen Oels, das so fest wie Butter ist. Hier standen die Salzhändler aus den Salzebenen von Uvinza und Uhha; dort die Elfenbeinhändler aus Uvira und Usowa; die Bootmacher aus Ugoma und Urundi; die Trödler mit billigen Waaren aus Zanzibar, die dünne, gedruckte Zeuge verkaufen, sowie Wechsler, die blaue Mutunda-Perlen gegen Sami-Sami und Sungomazzi oder Sofi umtauschen. Die Sofiperlen sehen wie kleine Stückchen dickes, etwa halbzölliges Thonpfeifenrohr aus und sind hier sehr gesucht. Hier fand man Waguhha, Wamanyuema, Wagoma, Wavira, Wasige, Warundi, Wadschidschi, Waha, Wavinza, Wasowa, Wangwana, Wakawendi, Araber und Waswahili in lärmendem Handel und Feilschen beschäftigt. Mit unbedecktem Haupt und fast unbekleidet tändelten die Jünglinge mit schwarzhäutigen, wollköpfigen Phylissen, die nicht wie ihre weissen Schwestern vor dem glühenden Blick der Liebe zu erröthen wissen. Alte Weiber klatschten, wie sie es überall thun; Kinder spielten und lachten und balgten sich, ebenso wie die Kinder bei uns zu Lande, und auf ihre Speere oder Bogen gestützte Greise waren gerade ebenso schwatzhaft auf dem Marktplatz von Udschidschi, wie die alten Leute anderer Himmelsstriche.

[4] Alle Kritiken, die ich über Livingstone’s Entdeckungen gelesen habe, sind zu sehr von dem odium geographicum gefärbt, als dass man ihnen das Gewicht beilegen könnte, das den ruhigen, kühlen Aussprüchen einer gesunden, logischen Ansicht erfahrener Reisenden und Männern der Wissenschaft zukommt.

[5] [Durch die spätere Reise Stanley’s ist es klargestellt, dass diese Annahme Livingstone’s nicht zutreffend und dass der Lualaba in Wirklichkeit doch der Congo ist. In Erinnerung an den grossen Reisenden führt dieser grosse Strom jetzt den Namen „Livingstone-Fluss“.]

[6] Herodot, übersetzt von J. Chr. F. Baehr, S. 41–48.