Fig. 30. Nach FLEMMING Fig. E1. S. 104.
a Kern eines Eierstockseies von Unio frisch aus der Zelle getreten in Ovarialflüssigkeit. Zweibuckliger Nucleolus. Geringe Theile der Kerngerüste sichtbar. α Ein solcher Kern nach Zufliessen von Essigsäure 5%. Gerüststränge sind aufgetreten, der grössere blassere Theil des Hauptnucleolus und die Nebennucleolen sind in gleichem Grade gequollen und erblasst; der kleinere Haupttheil des grossen Nucleolus ist ebenfalls, aber schwächer gequollen. b Nucleolus eines Eies von Tichogonia polymorpha; der glänzende Haupttheil sitzt als Kappe auf dem grösseren, blassen.
β Optisches Durchschnittsbild desselben, schematisch.

Ich selbst (II. 19) habe die Zusammensetzung des Keimflecks aus zwei Substanzen ausser bei Anodonta auch bei Helix, bei Tellina und bei Asteracanthion beobachtet. Letzteres Object (Fig. 31) wird dadurch von besonderem Interesse, dass die Sonderung in zwei Substanzen (pn, nn) erst zu der Zeit deutlich wahrnehmbar wird, wo sich das Keimbläschen aufzulösen und aus seinen Inhaltsbestandtheilen die Polspindel zu bilden beginnt.

Endlich ist bei der Beschreibung der Structur des ruhenden Kernes noch auf einen wichtigen Punkt die Aufmerksamkeit zu lenken. Je nach dem Alter oder der Entwicklungsstufe einer Zelle kann der ruhende Kern in allen seinen einzelnen Theilen, im Aussehen seines Kerngerüstes, in der Zahl, Grösse und Beschaffenheit seiner „Nucleolen“ erhebliche Veränderungen erleiden. So ist, wie Flemming (II. 10) bemerkt, „am jungen Eierstocksei der Lamellibranchiaten die Zweitheiligkeit des grossen Kernkörpers noch nicht zu finden, sie bildet sich erst am reifen heraus“. Ueberhaupt erfahren die Keimbläschen der Eier während ihres Wachsthums erhebliche Metamorphosen, die im Ganzen noch wenig untersucht und noch weniger in ihrer Bedeutung verstanden sind. Dasselbe gilt von den Kernen der Samenmutterzellen. Hier habe ich (II. 19b) die Formwandlungen an einem sehr geeigneten Object, an der Hodenröhre von Ascaris megalocephala, genauer zu verfolgen gesucht.

Fig. 31. Ausschnitt aus einem Ei von Asterias glacialis. Derselbe zeigt die Rückbildung des Keimbläschens. Dieses beginnt zu schrumpfen, indem ein Protoplasmahöcker (x) mit einer Strahlung in sein Inneres eindringt und die Membran daselbst auflöst. Der Keimfleck (kf) ist noch deutlich, aber in zwei Substanzen, Nuclein (nn) und Paranuclein (pn), gesondert. O. HERTWIG, Entwicklungsgesch. Fig. 12.

Wie in den Figuren 32 dargestellt ist, geht allmählich die Form A in B und diese wieder in C im Laufe der Samenentwicklung über. Die jüngsten Samenmutterzellen (B) haben membranlose Kerne mit einem dichten Nucleingerüst mit oberflächlich gelegenem Nucleolus; daraus ist bei etwas älteren Zellen (C) ein bläschenförmiger Kern mit deutlich ausgeprägter Membran hervorgegangen. Im Bläschen spannen sich durch den Kernsaft einzelne Lininfäden aus. Das Nuclein ist in ein oder zwei unregelmässigen Klumpen angehäuft, zwischen denen ein mehr oder minder kugeliger Nucleolus liegt. In noch nicht herangereiften Zellen ist das Nuclein meist an einer Stelle der Kernmembran als dichte Schicht angehäuft, während kleinere und grössere Körnchen auf der Oberfläche der Lininfäden aufliegen, die sich spärlich im Kernraum ausspannen. Aus diesem Zustand geht dann geraume Zeit vor der Theilung wieder das Nuclein in eine ausgesprochen fadige Anordnung über (D). In dem Lückenwerk des Gerüstes findet sich stets ein Nucleolus.

Fig. 32. A Ruhender Kern einer Ursamenzelle von Ascaris megalocephala bivalens. B Kern einer Samenmutterzelle aus dem Anfang der Wachsthumszone von Ascaris megalocephala bivalens. C Ruhender Kern einer Samenmutterzelle aus der Wachsthumszone von Ascaris megalocephala bivalens. D Bläschenförmiger Kern einer Samenmutterzelle von Ascaris megalocephala bivalens am Anfang der Theilzone in Vorbereitung zur Theilung.