7. Alchemistische Zeichen und Symbole.

Die Frage nach Herkunft und Alter der von den mittelalterlichen Alchemisten und ihren Nachfolgern vielbenützten Zeichen für die sieben Metalle, nämlich Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt für Gold, Mondsichel, nach rechts offen für Silber, astrologisches Symbol für Saturn für Blei, astrologisches Symbol für Jupiter für Zinn, astrologisches Symbol für Mars für Eisen, astrologisches Symbol für Venus für Kupfer, astrologisches Symbol für Merkur für Quecksilber, ist eine außerordentlich schwierige und auch heute noch bei weitem nicht ausreichend geklärte.

Als sicher darf es gelten, daß derlei Symbole ursprünglich nicht die Metalle bezeichneten, sondern die Planeten, und daß das höchste Alter unter ihnen den Figuren leerer Kreis und Mondsichel, nach rechts offen zukommt, mittels derer zahlreiche Völker der ganzen Erde die Gestalt von Sonne und Mond in einfacher Weise nachahmend abbilden.

Bei den Ägyptern wurden, wie im alten Reiche (vor 2300) so noch in ptolemäischer Zeit, Sonne und Mond durch die Zeichen Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt und Mondsichel, nach rechts offen oder (seltener) Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt und Mondsichel, nach oben zeigend dargestellt⁠[3580], später auch durch Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt und Mondsichel, nach rechts offen[3581] oder Sonnensymbol und Mondsichel, nach links offen[3582], wobei die Sonne, namentlich in der schon frühzeitig sehr beliebten Form der geflügelten Scheibe, sich auch als „grünes Auge“, „grünfarbige Sonne“, „Käfer aus reinstem Golde“ (d. h. grünlich glänzend wie dessen Flügeldecken) zubenannt findet⁠[3583], und nicht selten das Symbol der Sonne für 1 steht, das des Mondes für 2 und die Abbildung beider nebeneinander für 3⁠[3584]. Das Bild Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt versinnlicht die Sonne nach uralter ägyptischer Anschauung im Zustande der Mutterschaft, den Keim der von ihr neu zu gebärenden Sonne des nächsten Tages schon in sich tragend⁠[3585].

In Babylonien ist ein ganz ähnliches Zeichen Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt ebenfalls sehr alt, bedeutet aber, z. B. schon in den frühen sumerischen Urkunden, die Erde mit dem sie umströmenden Ozean⁠[3586] und demgemäß in späterer Zeit den Kosmos und das Weltganze⁠[3587]. Die Sonne, eines der drei großen Gestirne Sonnensymbol: Kreis Mondsymbol achtstrahliger Stern (Sonne, Mond, Venus), stellten die Babylonier mit Vorliebe auch als strahlenden Stern Kreis mit vier Speichen Kreis mit acht Speichen dar, bald mit 4, bald mit 8 Strahlen oder Büscheln⁠[3588], und die Iranier, die ursprünglich weder Tempel noch Bilder kannten, ahmten ihnen dies anfangs nach⁠[3589], entlehnten aber dann von den Chetitern die bei diesen (wie überhaupt in Vorderasien) schon seit dem 14. Jahrhundert aufgenommene ägyptische geflügelte Sonnenscheibe⁠[3590] und wandelten sie schließlich in das Zeichen Sonnensymbol um, darstellend das Haupt des Sonnenkönigs MITHRAS, geschmückt mit der τιάρα (Tiára) oder κίταρις (Kítaris)⁠[3591], einer Art kegelförmiger Mütze, die allein der König mit gesteifter Spitze tragen durfte, während alle anderen sie oben eindrücken mußten.⁠[3592]

Im synkretistischen Zeitalter erfolgte, wohl zusammen mit der Einführung anderer zugehöriger orientalischer Bräuche und Gewohnheiten, auch die des Zeichens Sonnensymbol in Ägypten; die Siglen Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt, Mondsichel, nach rechts offen und ✴ werden in einigen Papyri oft (wenn auch nicht regelmäßig) angewandt und gehen aus ihnen in die beliebten „carmina figurata“ über, Gedichte, deren untereinander gesetzte Zeilen verschiedener Länge im ganzen eine bestimmte Gestalt nachbilden⁠[3593]; an einer Stelle des „Leidener Papyrus“ ist ebenfalls Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt = Sonne, meistens aber bedeutet Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt Himmel oder Weltganzes, während (neben Mondsichel, nach links offen oder Mondsichel, nach rechts offen für Mond)⁠[3594] in der Regel Sonnensymbol für Sonne auftritt⁠[3595], u. a. auch im „Papyrus MIMAUT“ des 3. Jahrhunderts⁠[3596]. Wie für den Mond, so steht Mondsichel, nach rechts offen auch für seine Herrin, die ISIS, z. B. im „Briefe der ISIS an den HOROS“, und in einer Abteilung des „Leidener Papyrus“ heißt „Augenbraue des Mondsichel, nach rechts offen“ soviel wie „Augenbraue der ISIS“, welcher Name eine heilsame Pflanze bezeichnete⁠[3597]. In ganz gleicher Weise gingen offenbar die Zeichen Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt und Mondsichel, nach rechts offen auch auf jene Metalle über, die aus naheliegenden Gründen seit jeher mit Sonne und Mond verglichen und ihnen als ἡλιακή und σηληναία ὕλη (Sonnen- und Mond-Substanz), verdichtete Sonnen- und Mond-Strahlen usf. zugeordnet wurden⁠[3598], auf das Gold und Silber. Ist der „Leidener Papyrus“ wirklich schon im 3. Jahrhundert abgefaßt, so bietet er nach BERTHELOT[3599] in seinem chemischen Abschnitte (X.) das älteste Beispiel dieser Art, da daselbst in einer die Darstellung von Asem betreffenden Vorschrift die Zeichen Sonnensymbol und Mondsichel, nach rechts offen für Gold und Silber gesetzt sind; es bleibt natürlich dahingestellt, ob sich ihrer schon die älteren Vorlagen dieses Papyrus bedienten, oder ob sie erst der letzte Abschreiber, einer zu seiner Zeit bereits bestehenden Gewohnheit gemäß, gelegentlich einfügte. Zugunsten letzterer Vermutung spricht es u. a., daß das Zeichen Sonnensymbol, entgegen BERTHELOTS Annahme, kein altes ägyptisches ist, sondern ein neueres persisches, also erst im Verlaufe der synkretistischen Periode nach Ägypten gelangtes⁠[3600].

In einem von PARTHEY herausgegebenen Berliner Papyrus, der dem Beginne des 4. Jahrhunderts anzugehören scheint und fast ausschließlich Astrologie, Traumdeuterei und Zauberei behandelt, — μέγα ἔργον, das große Werk, heißt in ihm nicht das Goldmachen, sondern die Magie —, stehen ebenfalls für Sonne und Mond die Zeichen Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt und Mondsichel, nach rechts offen[3601]. Man darf diese jedoch keineswegs, wie das ehemals geschah, ohne weiteres überall, wo man sie vorfindet, in derartigem Sinne auslegen; so z. B. enthalten früher unverstandene Inschriften, abgefaßt in den alten Alphabeten der Inseln Kreta und Thera (im 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr.), durchaus nichts Alchemistisches, vielmehr gebrauchen sie Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt für den Buchstaben w⁠[3602]; in hellenistischer Zeit wiederum wird Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt oft gleichbedeutend mit Θ oder stilisiertes Theta, dem großen griechischen Theta, und ist dann Θεός (Theós, Gottheit) zu lesen⁠[3603], doch schreibt man statt des großen Θ aus Bequemlichkeit auch wieder das kleine θ, und ohne Kenntnis dieser Umstände würde niemand enträtseln können, auf welchem Wege der Buchstabe θ dazu kam, bald Gottheit, bald Kosmos, bald Sonne, bald Gold zu bezeichnen⁠[3604]. Ähnliche Umbildungen erfuhr auch das Zeichen Sonnensymbol, das in den Gestalten abgewandeltes Sonnensymbol und (aus diesen vereinfacht) vereinfachtes Sonnensymbol vorkommt, statt durch ein solches großes Delta, Δ, auch durch ein kleines, δ, wiedergegeben wird und daraufhin dann auch zur Abkürzung verschiedener, zum Teil ganz fernliegender, aber zufällig mit δ beginnender Worte dient⁠[3605].

Was die Zeichen für die übrigen Metalle und die sonstigen chemischen Substanzen anbelangt, so erklärte sie KOPP[3606] für Erzeugnisse einer späten Zeit, vielleicht erst der jener Kompilatoren, die im 8. oder 9. Jahrhundert zu Byzanz die alchemistischen Schriften zu Sammlungen vereinigten, deren uns in Gestalt des „Codex Marcianus“ wenigstens eine zum größten Teile erhalten blieb; LETRONNE, dessen Ansicht sich auch HUMBOLDT anschloß⁠[3607], hat ihre Entstehung sogar in das 10. Jahrhundert herabgesetzt und angenommen, erst die damaligen Abschreiber gnostischer und alchemistischer Manuskripte hätten sie den ursprünglichen Texten bei- oder eingefügt. Im Gegensatze hierzu schrieben ihnen aber andere Forscher ein hohes Alter zu und beriefen sich auf ihren Gebrauch bei FIRMICUS, STEPHANOS und im Codex Marcianus. Bei FIRMICUS kommen nun zwar Sonnensymbol und Mondsichel, nach rechts offen[3608], sowie Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt, astrologisches Symbol für Saturn, astrologisches Symbol für Venus, astrologisches Symbol für Merkur[3609] vor, und zwar auch in älteren Handschriften, doch rechtfertigen diese, wie schon weiter oben erörtert, weitgehende Bedenken und lassen namentlich keinerlei Schlüsse auf die Gestalt ihrer einstigen Vorlagen zu. Das Nämliche gilt betreff der (nach USENER zweifelhaften) chemischen Schriften des STEPHANOS, der dem ZEUS schon das Zinn beiordnet und dem HERMES das Quecksilber, als dessen Symbol anfänglich Mondsichel, nach links offen (also ein Gegenstück zum Mondsichel, nach rechts offen des Silbers) und erst späterhin astrologisches Symbol für Merkur aufzutreten scheint⁠[3610]; zudem weisen die nach USENER fraglos echten „Astronomica“ des STEPHANOS Planetenzeichen, und zwar die allgemein üblichen, erst im Codex von Urbino auf, der dem 15. Jahrhundert entstammt⁠[3611]. Die Listen endlich, die der Marcianus für die Planeten, ihre Metalle und ihre sonstigen Derivate (τὰ ἐξ αὐτῶν) wiedergibt⁠[3612], gehören nach Inhalt und Form ganz verschiedenen Zeitaltern an, vermengen ältere (übrigens nicht einheitliche) Angaben und Zeichen mit zum Teil jüngeren, zum Teil ganz späten Zusätzen, verraten Einflüsse arabischer Herkunft (u. a. medizinische, z. B. durch Nennung des Zuckers, σάκαρ, σάκχαρ), berufen sich auf den berühmten arabischen Astronomen ABU MAʿSCHAR (gest. 886) usf.⁠[3613], schließen also eine Benützung zu chronologischen Folgerungen gänzlich aus.

Im „Leidener Papyrus“ (X) fehlen Zeichen für andere Metalle als Gold und Silber ebenfalls⁠[3614], vielleicht weil die weitaus älteren Vorlagen, die er zum größten Teile getreulich wiedergibt, auch keine solchen enthielten; die Frage, ob sie nicht dennoch um 300 schon bekannt waren, ist jedoch trotzdem keineswegs von der Hand zu weisen, sobald man sich erinnert, daß die Symbole ursprünglich nicht den Metallen zugehörten, sondern den Planeten und ihren Göttern. Entgegen früheren Ansichten steht es nämlich fest, daß sie für diese in Ägypten schon zum Beginn unserer Zeitrechnung gebräuchlich waren, denn ein gegen 1900 aufgefundener demotischer Papyrus enthält horoskopische Tafeln für die 28 Regierungsjahre des Kaisers AUGUSTUS mit den Zeichen Symbol für Kronos für Kronos, Symbol für Zeus für Zeus, Symbol für Ares für Ares, Symbol für Aphrodite für Aphrodite, Symbol für Hermes für Hermes, „die nur demotische Abänderungen der seit viel älterer Zeit benützten zu sein scheinen“⁠[3615]. Vermutlich gingen sie also aus der Astronomie und Astrologie, als diese durch die späteren Hermetiker und Gnostiker, Neu-Pythagoräer und -Platoniker usf. in immer nähere Verbindung mit den übrigen Formen der Magik und Mystik gebracht wurden, in deren Litteratur über, wie sich denn z. B. in der „Pistis Sophia“ (um 250 n. Chr.) für den „großen Vater, unnahbaren Gott, siebenten Schatz (= Schatz des siebenten Himmels), ...“ ebenfalls das Symbol Symbol für Zeus Symbol für Zeus vorfindet, also das des ZEUS[3616]. Die schon seit dem 16. Jahrhundert viel erörterte Frage über das Alter derartiger Zeichen, — die einschlägigen Ansichten des SALMASIUS (1619), KIRCHER (1653), HUËT (1679), DUCANGE (1688), BOERHAAVE (1732), GOGUET (1756) und Anderer hat mit gewohnter Gelehrsamkeit und Vollständigkeit schon 1792 BECKMANN zusammengestellt⁠[3617] —, ist daher aller Wahrscheinlichkeit nach dahin zu beantworten, daß solche zu Beginn der Kaiserzeit schon vorhanden waren, von der Alchemie aber spätestens während der Periode ihres großen Aufschwunges im 2. und 3. Jahrhundert aufgenommen wurden.

Was ihre Entstehung anbelangt, so verdient die von SALMASIUS (1629) herrührende Anschauung auch heute noch den Vorzug vor allen seither geäußerten. Nach eingehender Prüfung der Handschriften der Pariser und auch anderer Bibliotheken gelangte er nämlich zur Überzeugung, daß der Ursprung der üblichen Formen astrologisches Symbol für Saturn (KRONOS), astrologisches Symbol für Jupiter (ZEUS), Symbol: männlich (ARES), Symbol: weiblich (APHRODITE), astrologisches Symbol für Merkur (HERMES), — die nicht wie Sonnensymbol: Kreis mit Mittelpunkt und Mondsichel, nach rechts geöffnet oder wie Löwe, Widder, Stier des Tierkreises einfache Abbildungen sind —, in bloßen, dem Gebrauche der Zeit durchaus entsprechenden Abkürzungen der Planeten- oder Götter-Namen zu suchen sei, die dann später allerdings, zum Teil nach vorgefaßten Ideen, mehr oder minder willkürlich Abänderungen erlitten⁠[3618]: wie die verschiedenen Codices zeigen, wurde für KRONOS aus Κρ (auch alternatives Symbol für Kronos, alternatives Symbol für Kronos, alternatives Symbol für Kronos), Zeichen für Kronos, Zeichen für Kronos, Zeichen für Kronos, Zeichen für Kronos, Zeichen für Kronos; für ZEUS aus Zeichen für Zeus, Zeichen für Zeus, Zeichen für Zeus, Zeichen für Zeus; für ARES, aus dessen altem Beinamen Θούριος (THURIOS), Zeichen für Ares, Zeichen für Ares, Zeichen für Ares, Zeichen für Ares, Zeichen für Ares, Zeichen für Ares, Zeichen für Ares; für APHRODITE, aus deren Beinamen Φωσφόρος (PHOSPHOROS), Φ, Zeichen für Aphrodite, Zeichen für Aphrodite, Zeichen für Aphrodite oder Zeichen für Aphrodite; für HERMES, aus dessen Beinamen Στίλβων (STILBON), Zeichen für Hermes oder Zeichen für Hermes (altes Zeichen für Sigma und altes Zeichen für Stigma sind alte Formen für σ oder ϛ), Zeichen für Hermes, Zeichen für Hermes, Zeichen für Hermes, Zeichen für Hermes. Wesentlich gestützt, ja geradezu bewiesen wird diese Behauptung des SALMASIUS durch eine Bemerkung in den (arabischen) „Schriften der treuen Brüder“⁠[3619], die zwar erst im 10. Jahrhundert abgefaßt sind, jedoch auf weit ältere und den griechischen Originalen sehr nahestehende zurückgehen; es heißt daselbst ausdrücklich, daß man die Planeten u. a. in ähnlicher Weise mit ihren Anfangsbuchstaben bezeichne, wie die 28 sog. Mondstationen (d. s. die täglichen Orte des Mondes im 28tägigen Mondmonate) mit den 28 Buchstaben des (arabischen) Alphabetes⁠[3620]. Auch die Symbole, denen man in den syrischen Manuskripten begegnet, sowohl in den von BERTHELOT veröffentlichten I. und II., die nach ihm im 7.–9., nach DIELS schon im 6. Jahrhundert verfaßt sind, als auch in anderen, z. B. in jenen des Buches „Causa causarum“⁠[3621], stammen sichtlich von den obigen griechischen ab, haben aber in der Zeit bis zum 11. Jahrhundert (aus dem die jetzt vorliegenden Niederschriften herrühren) mancherlei erst noch näher zu erforschende Veränderungen erfahren. In I. und II.⁠[3622] sowie in der „Causa causarum“ finden sich folgende vor, deren einige auch ägyptisch-demotische oder syrische Worte andeuten mögen:

 
Sonne =
Gold
Mond =
Silber
Kronos =
Blei
Zeus =
Zinn,
Elektron
Ares =
Eisen
Aphro-
dite =
Kupfer
Hermes =
Zinn⁠[3623],
Quecksilber
Syr. Man. I:
Symbol für Gold
Symbol für Silber
Symbol für Blei
fehlt
Symbol für Elektron[3624]
Symbol für Eisen
Symbol für Kupfer
Symbol für Zinn
Symbol für Quecksilber
Syr. Man. II:
Symbol für Gold
Symbol für Silber
Symbol für Blei
Symbol für Zinn
fehlt
Symbol für Eisen
Symbol für Kupfer
Symbol für Zinn[3625]
fehlt
Symbol für Zinn
Symbol für Quecksilber
Causa
causarum
Symbol für Gold
Symbol für Gold
Symbol für Silber
Symbol für Silber
Symbol für Blei
Symbol für Blei
Symbol für Zinn
Symbol für Zinn
Symbol für Eisen
Symbol für Eisen
Symbol für Kupfer
Symbol für Kupfer
Symbol für Zinn
Queck-
silber
und
Elektron
Symbol für Zinn

Auch aus ihnen ist wiederum ersichtlich, daß die Metalle den Planeten nicht von Anfang an sämtlich in unabänderlicher Weise zugeteilt waren, und namentlich, daß ursprünglich dem Zeus das Elektron (Gold-Silber-Legierung) angehörte und dem Hermes das Zinn, während später Zeus das Zinn erhielt, Hermes aber das Quecksilber. Als Zeit, um welche dieser Wechsel stattfand, — auf die besondere Wichtigkeit ihrer Ermittlung wies bereits HOFFMANN hin⁠[3626] —, ist wohl nicht erst etwa das 6. Jahrhundert anzusehen⁠[3627], sondern schon das 4., während dessen allem Anscheine nach die Destillation des Quecksilbers entdeckt wurde, auf die hin man diesen bis dahin der kalten und trägen Hýle zugeordneten Stoff, als einen der Verwandlung in heißes, Spannung besitzendes Pneuma fähigen, nunmehr dem Kreise des Pneumas einreihte und als flüchtigen und alles durchdringenden „Geist“ mit dem Träger des Pneumas, dem HERMES oder MERKUR, identifizierte⁠[3628]. Demgemäß wird im syrischen Manuskript I. das Quecksilber schon mit dem der Astronomie entlehnten Ausdrucke ἀναβιβάζων (das Aufsteigende) bezeichnet⁠[3629]. Die in diesen syrischen Handschriften wiedergegebenen Zeichen, die nicht vollständig und zuweilen auch undeutlich sind⁠[3630], stimmen im ganzen, wenn auch nicht in allen Einzelnheiten, mit jenen überein, die der (etwa im 10. Jahrhundert niedergeschriebene) Codex Marcianus seinen älteren Quellen entlehnte⁠[3631], was gleichfalls für ihren griechischen Ursprung spricht; die „üblichen“ Symbole, d. h. diese nämlichen, benützte auch gegen Ende des 9. Jahrhunderts der (in seinen eigenen Werken meist gänzlich unzuverlässige) arabisch schreibende Syrer IBN WAHSCHIJAH[3632].

Zeichen und Abkürzungen ähnlicher Art waren mindestens seit dem 2. Jahrhunderte auch in anderen Wissenschaften gebräuchlich, so z. B. setzten die Astrologen Κν oder Κ~ für κέντρον (Zentrum), Χ für χρόνος (Chronos, Zeit), kleines Kappa über kleinem Omega für ὡρόσκοπος (Horoskop), rechtwinkliges Zeichen mit zwei Punkten für Διάμετρος (Diameter), nach oben offenes Dreieck mit zwei Kreisen am Ende und nach unten offenes Dreieck mit zwei Kreisen am Ende für ἀνα- und κατα-βιβάζων (aufsteigend und niedersinkend), Kreis mit vier Speichen für σφαῖρα (Sphäre) usf.⁠[3633]. Die Ärzte bedienten sich der Bilder liegendes, klauenähnliches Symbol, Mondsichel, nach rechts offen und ähnlicher und deuteten durch ein ihren Rezepten vorgesetztes Zeus-Symbol an „mit Hilfe des ZEUS“, woraus in römischer Zeit „J. J.“ (Juvante Jove, mit Hilfe JUPITERS) entstand und in christlicher „J. J.“ (Juvante Jesu) oder „J. D.“ (Juvante Deo)⁠[3634]. Bei den Mathematikern findet sich u. a.⁠[3635]: ½ = ἥμισυ = c, ᴒ, ρ, S, rechter Winkel, links unten[3636]; ⅓ = τρίτον = rechter Winkel, links oben, mit griechischer Endung on oben und rechter Winkel, links oben, mit zwei Strichen oben; ¼ = τέταρτον = Δ; μοῖραι (Teile, u. a. Einheiten der Kreisperipherie) = Ṁ, woraus wohl das Zeichen ° für Kreisgrad entstand; οὐδεμία μοῖρα, οὐδέν (kein Teil, nichts) = 0⁠[3637]; auch einige bei DIOPHANTES (4. Jahrhundert?) gebrauchte Zeichen (z. B. für die Subtraktion) gehören vermutlich hierher⁠[3638]. Die Metrologen endlich, sowie die ihnen folgenden Ärzte, schrieben z. B. Lítra = λίτρα = λν, kleines Lambda, linker Schenkel durchgestrichen, kleines Lambda, Bogen unter rechtem Schenkel, ⭡, ⇂; Unze = οὐγκία = rechter Winkel links oben, mit Kreis; Xéstes = ξέστης = ξε, kleines Xi, unten schräg durchgestrichen; Oxýbaphos = ὀξύβαφος = ξο, kleines Xi, oben schräg durchgestrichen; u. dgl. mehr⁠[3639]. Ohne die zuweilen nur auf Zufällen beruhende Kenntnis der Übergangsglieder würde man die Herkunft solcher Abkürzungen oft ebensowenig erraten können, wie etwa die unseres Zeichens % für Prozente, wüßte man nicht, daß es aus dem italienischen „per cento“, abgekürzt cto, hervorgegangen sei⁠[3640].

Über Alter, Entstehung und Deutung der zahlreichen Symbole für allerlei Abkömmlinge der Metalle (τὰ ἐξ αὐτῶν) und sonstige chemische Verbindungen, die sich in einzelnen, anscheinend jüngeren Listen des Marcianus und den syrischen Manuskripten vorfinden⁠[3641], ist bisher nichts Näheres bekannt. Manche von ihnen sind bloße Abbildungen, z. B. die sternförmige Figur achtstrahliger Stern für krystallisierte Alaune oder Vitriole, die u. a. auch schon in den Schriften der KLEOPATRA sowie im „Papyrus KENYON (3. Jahrhundert) vorkommt, andere mögen auf Abkürzung griechischer, syrischer oder ägyptischer Worte zurückgehen, noch andere irgendwelche besondere, vorerst in der Regel nicht zu enträtselnde Beziehungen wiedergeben. Die scheinbar sehr auffällige Tatsache z. B., daß der Schwefel mit dem Zeichen des Bleies, also des KRONOS, geschrieben wurde, dürfte zweifellos aus der leichten Schmelzbarkeit dieser Stoffe zu erklären sein, auf die hin sie beide dem KRONOS, als „Herrn alles Flüssigen“, zugeordnet wurden; daß man den Schwefel-Verbindungen des Arsens und Antimons das Symbol des Schwefels erteilte, ist aber sichtlich nicht, wie BERTHELOT annahm⁠[3642], auf die Erkenntnis ihrer Sulfid-Natur und die Berücksichtigung dieser Erkenntnis zurückzuführen, sondern einfach auf die Beobachtung, daß sie sich in zahlreichen Fällen, z. B. beim Erhitzen und Verbrennen für sich oder mit anderen Stoffen, ganz ähnlich wie Schwefel verhalten, also Schwefel, oder wenigstens Arten des Schwefels, auch sind.