Position von Persien nach Hermes, als Zentrum der Welt
Position von Indien, als Zentrum der Welt

16. ALTUGHRAʾI (gest. 1128), Dichter und Alchemist, nach GILDEMEISTER im Abendlande schon frühzeitig als ARTEPHIUS bekannt geworden⁠[4293], erzählt, daß man Gold am oberen Nil, aber auch am Oxus, in haarigen Ziegenfellen auffange, es so in Körnern bis zur Größe von Fischschuppen erhalte und nachher noch mittels Quecksilbers weiter „sammle“ [ausziehe; anreichere]⁠[4294]. Die Alchemisten stellen mittels gewisser Apparate aus Glas und Ton⁠[4295] die Edelmetalle auf künstlichem und verborgenem Wege her; sie haben unzählige Geheimnamen, unter diesen 13 für Nûschâdir, 14 für Blei, „das Metall des Kuhl“ [hier = Bleiglanz], 15 für Kupfer, 16 für Silber (z. B. „weißer HERMES“, aussätziges Gold), 18 für Eisen, 20 für Gold und 51 für das so ungeheuer wichtige Quecksilber⁠[4296], das zwar flüchtig und ein Geist ist, zugleich aber auch „ein Anfang der Körper“ [eine Grundlage der Metalle]⁠[4297].

17. ALKHAZINI (um 1130) war ein Gegner der Alchemie, was bei einem so trefflichen Experimentator nicht wundernehmen kann; er machte sehr genaue Bestimmungen einer großen Anzahl spezifischer Gewichte, ermittelte die Zusammensetzung gegebener Mischmetalle aus ihren Dichten und gab auf Grund solcher Feststellungen den Kupferschmieden und Gelbgießern (saffâr) Vorschriften zur Darstellung von Legierungen bestimmten Aussehens und gewünschter Eigenschaften⁠[4298].

18. IBN ALʿAUWAM, der gegen 1150 in Sevilla das ausführliche „Buch der Landwirtschaft“ verfaßte, erwähnt in diesem gelegentlich das rote Arsen [Realgar], das man zum Vergiften von Vögeln und in der Tierheilkunde gebraucht⁠[4299], das gebrannte schwarze [metallische?] Arsen⁠[4300], den feinpulverigen Kohol [Schwefelantimon]⁠[4301], die indische Tutia⁠[4302], den persischen Pulâd oder Fulâd [Stahl]⁠[4303], das Zinn (qalah) und die schön verzinnten (moqasdar) nordafrikanischen Kessel⁠[4304], sowie den aus Reis zu erhaltenden Essig, der von äußerst kalter Natur, dabei aber so scharf ist, daß er selbst Gefäße und Steine auflöst⁠[4305].

19. ABUʿLFADL (schrieb gegen 1175). Als genauer Kenner der Farbstoffe und Drogen, „deren es 3000 gibt“, ihrer Verfälschungen und deren Aufdeckung durch genaue Prüfung (u. a. durch Ermittlung der Menge des eigentlich wirksamen Bestandteiles, z. B. bei Indigo)⁠[4306], war er ein abgesagter Feind der Alchemisten, die das Volk mit nachgeahmten Metallen, Edelsteinen und Perlen betrügen und gemeine Metalle mittels gewisser Heilmittel zu weißen und zu röten verstehen, z. B. zu Gold durch ‚Dawâ‘ (= Medizin)⁠[4307]. Häufig bedienen sie sich des Quecksilbers (zîbaq), dessen beste Sorte aus Toledo kommt, das „leicht flüchtig ist wie ein flüchtiger Sklave“ und daher erst im Laufe der Arbeit [wieder] sichtbar wird⁠[4308]. Von den übrigen Metallen kennt man meist vielerlei Arten: das Eisen (hadid) kann männliches sein (aldhakar), weibliches weiches (narm âhan), Stahl (fulâd), oder damasciertes; das Kupfer ist an sich rot, wird aber zu prächtig gelbem Messing durch Zusatz von Tûtijâ, deren es namentlich in Spanien vielerlei gelbliche, rötliche und bunte Sorten gibt, ferner zu weißglänzendem, hartem, aber leicht brüchigem Isbâd-rûy oder Sefîd-rûy durch Zugabe eines Fünftels Zinn⁠[4309]; Zinn (qalî, qasdîr) ist das weiße Blei⁠[4310] im Gegensatze zum schwarzen. Letzteres zerbricht trotz seiner Weichheit den Diamanten, der sich, auf einer Bleiplatte befestigt, durch vorsichtiges Klopfen zwischen den Schneiden zweier Hämmerchen zerteilen läßt⁠[4311], und liefert das leuchtende Bleiweiß, das aus ihm durch Essig herausgezogen wird. Wie man aber wieder diesen gewinnt, das vermag man nur durch die Praxis zu erlernen und auf keine Weise aus den Büchern⁠[4312].

20. ALNABARAWI, der gegen 1200 lebte, bisher aber mir aus den Auszügen des IBN BASSAM (13. oder 14. Jahrhundert) bekannt ist, besaß gleichfalls ausgebreitete Kenntnisse über die „3000 Drogen“ und ihre Verfälschungen⁠[4313], berichtet u. a. näher über die verschiedenen Arten des Itmid oder Kuhl, des Nûschâdirs und des Kamphers⁠[4314], und beschreibt die Sublimation (tasʿîd) und Destillation (taqtîr), z. B. die Herstellung des aus der Gurke (alqarʾ) durch Destillieren (saʿad) gewinnbaren Kampher-Wassers und des destillierten Pechs (qatrân musʿad)⁠[4315]. Er erwähnt auch das betrügerische Aufhellen dunkler Zuckersyrupe und Melassen durch Klären mit Bleiessig (gewonnen durch Lösen von Bleiweiß in Essig) und weist dessen Gegenwart dadurch nach, daß er die verdächtige Probe über eine Abortgrube stellt, wobei Schwärzung eintritt [indem der entweichende Schwefelwasserstoff schwarzes Schwefelblei bildet]⁠[4316].

21. ALDSCHAZARI und RIDWAN, die gegen 1200 über den Bau kunstvoller Uhrwerke berichten, erwähnen unter den Materialien rotes Kupfer, Messing, — beide auch verzinnt (murassas), oft „mit einer dicken Schicht Zinn“ (anûk)⁠[4317] —, Bronze (sifr, sufr)⁠[4318], Isfidrûy oder Isfâdrûy [= „Weißkupfer“, d. i. eine Art sehr heller Bronce]⁠[4319], sowie Quecksilber⁠[4320].

22. ʿABD ALLATIF (1160–1231), der Verfasser der ausgezeichneten Beschreibung Ägyptens und seiner Naturschätze, war ursprünglich ein Freund der „großen Kunst“, erkannte sie aber bei näherer Beschäftigung mit ihr und ihren Vertretern als „falsch, nichtig, schwindelhaft, lügnerisch und trügerisch“⁠[4321].

23. ALDSCHAUBARI (schrieb gegen 1220 die „Enthüllung der Geheimnisse“)⁠[4322]. Die „Genossen der Kîmijâ“, die Alchemisten, sind Lügner, Gauner und Schwindler, die selbst ihre Fürsten schon in frechster Weise hintergingen und täuschten; wer ihnen immer noch glaubt, wird allein durch seine Erfahrungen belehrt werden, denn ihre Kniffe zur Fälschung der edlen Metalle und Steine sind zahllos und die Methoden ihrer Betrügereien belaufen sich auf dreihundert oder mehr. So z. B. haben sie allein 47 Verfahren, um aus zerriebenem Perlmutter, Glimmer, Quecksilber u. dgl. falsche Perlen zu bereiten, die sie in Fische einlegen oder von Vögeln fressen lassen, um ihnen den rechten Glanz zu erteilen⁠[4323], und allein 48 Verfahren, um aus Eierschalen und Indigo oder Waid falschen Lasurstein zu gewinnen⁠[4324]. Sie geben sich den Anschein, Silber und Gold aus einer gemeinen „Asche“ darzustellen, die aber vorher aus diesen Metallen durch Behandlung mit allerlei schwefel- und arsenhaltigen Stoffen erhalten wurde und sie beim starken Erhitzen, besonders mit gewissen Zutaten, wieder zurückliefert⁠[4325]. „Reines Silber“ machen sie durch „Weißen“ von 20 Teilen Kupfer mit 1 Teil Auripigment (rasâcht), Realgar, Zarnich [Arsenigsäure?], Quecksilber oder Sarkokolla; „reines Gold“ (ibrîz) durch „Gilben“ oder „Rotfärben“ von Kupfer mit Auripigment, Zinnober, Grünspan, grüner Tûtijâ u. dgl. unter dreimaligem Umschmelzen [zu einer Art Bronze?]⁠[4326]; „echte Edelsteine“ endlich durch Herstellen gewisser gefärbter Gläser und Schmelzen, angeblich gemäß den Rezepten in PLATONS „Buch der Zauberkünste“⁠[4327]. Was die von ihnen benützten Hilfsstoffe betrifft, so findet man Kuhl in Ispahan und die „Tûtijâ der Weisen“, die auch al qalamî [Galmei] heißt, in vielen Ländern⁠[4328]; Grünspan (zindschâr) und Bleiweiß (isfîdâdsch) bereitet man durch Eingraben von rotem Kupfer oder schwarzem Blei nebst natürlichem Nûschâdir und scharfem Essig (den man auch ohne Destillation erhalten kann)⁠[4329] in den feuchten Erdboden⁠[4330]; Zinnober (zindschafar) durch „Töten“ von Quecksilber mit Schwefel, Arsen [Arsensulfiden] und Essig, wobei man das geschlossene und gut mit Ton gedichtete Gefäß im Ofen bei richtigem Feuer lange genug zu erhitzen hat⁠[4331]; Bleiglätte (martak) durch Rösten von Blei und chubz alfiddî [wörtlich Silber-Brod; Substanz unbekannter Natur] auf nicht näher angegebene Weise.

ALDSCHAUBARI macht auch höchst merkwürdige Angaben über die ungeheuerlichen Fälschungen der Gewürze, Wohlgerüche, Nahrungs- und Gebrauchs-Mittel von den seltensten Drogen an bis zur Seifenlauge (râs al sâbûn) herab⁠[4332], er bespricht zahlreiche Heilstoffe (z. B. die 7 Gallen von 7 Tieren) und Gifte (z. B. Bang, d. i. Bilsenkraut, für dessen schärfste Sorte, die blaue kretische, der Essig ein unfehlbares Gegenmittel bleibt)⁠[4333], und preist gewisse pflanzliche Öle, Fette und Harze als unersetzlich für das Härten der Schwerter aus indischem und damascener Stahl⁠[4334].

24. JAQUT (1178–1229) berichtet in seinem, auf Grund der zuverlässigsten alten Quellen verfaßten „Geographischen Wörterbuche“, daß Zinn von bester, einzig in der Welt dastehender Güte aus Qalah (auf Malakka) gebracht wird, aber auch, wie dies schon ALISTAKHRI und ALBIRUNI wußten, aus Ceylon und Fars (Persien) und außerdem noch aus Spanien⁠[4335]. Kupfer ergibt mit Zinn, aber auch mit anderen Metallen und Erzen, schöne Legierungen, aus denen man in Indien herrliche Arbeiten herstellt; solche kommen u. a. aus Kulam (Malabar), woselbst man auch Porzellan erhalten kann, das aber weder so fein, noch so weiß, noch so durchscheinend ist wie das echte chinesische⁠[4336]. — Quecksilber findet sich in Chorasân, besseres (reineres und schwereres) in Persien, das beste aber in Spanien, und zwar nach dem Berichte ALIDRISIS [des berühmten Geographen; um 1150] im Gebirge Burianus oder Murianus [= Sierra Morena], sowie in Abâl nächst Cordova [Almaden; almaʿden = das Bergwerk]⁠[4337].

Der Reichtum Spaniens an Zinnober und Quecksilber ermöglichte es schon dessen Khalifen ABD ARRAHMAN II. (912–961), seinen Lustgarten (nächst Cordova?) durch einen mit Quecksilber gefüllten Teich auszuschmücken⁠[4338], und der Palasthof seines Zeitgenossen, des Khalifen MUKTADIR in Bagdad, dürfte (917) einen ebensolchen enthalten haben, der freilich „als gefüllt mit flüssigem Zinn (rasas qalî), heller leuchtend als poliertes Silber“ beschrieben und durch einen „mit geschmolzenem Golde gefüllten“ noch übertrumpft wird⁠[4339]; aber bereits 868 legte AHMED IBN TULUN in Kairo, und ebenda 892 der Statthalter CHUMARAWAIH „ein Bassin an, von 50 Ellen im Gevierte, gefüllt mit Quecksilber, — im Vollmond ein unvergleichlicher Anblick —, dazu bestimmt, sich auf seiner Oberfläche auf Luftkissen zu schaukeln und so in recht sanften Schlaf einzuwiegen“⁠[4340].

Eine besonders bemerkenswerte Anwendung fand das Quecksilber zum Füllen kunstvoller Uhren (s. oben bei ALDSCHAZARI und RIDWAN) [die in Spanien noch zur Zeit König ALFONS X. (1252–1284), des bekannten Förderers der Astronomie, gebräuchlich waren⁠[4341]].

25. IBN ALBAITAR aus Malaga (gest. 1248), der Verfasser eines sehr ausführlichen Wörterbuches der Heil- und Genußmittel, erwähnt zwar vielerlei Mineralien, Salze, Metalle usf., aber seinem pharmazeutischen Hauptzwecke gemäß fast stets nur vorübergehend. Er spricht z. B. vom Gold⁠[4342], Taliqûn, „einer Art Kupfer“⁠[4343], Rasas, dem schwarzen Blei, das den sonst nur durch Feuer zerstörbaren Diamant „zerbricht“⁠[4344], Kazdir, dem weißen Blei, aus dem man Gefäße anfertigt⁠[4345], der Bleiglätte, die in Essig gelöst süß wird⁠[4346], dem Sublimat aus Quecksilber⁠[4347], usf.; ferner beschreibt er die Vorgänge der Sublimation, der Destillation, des Ausschmelzens usf., durch die vielerlei wichtige Substanzen gewonnen werden, während die wertlosen Schlacken (chabath) zurückbleiben⁠[4348].

26. IBN MANSUR (13. Jahrhundert) schrieb in persischer Sprache ein Steinbuch, das in Gestalt der türkischen Bearbeitung durch ALDSCHAFFARI auf uns gekommen ist⁠[4349]. Als die 7 einfachen Metalle führt es auf: Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Eisen, Blei, Châr Sinî [das, wie oben erwähnt, in Wirklichkeit ein Mischmetall ist]. Von Legierungen erwähnt es: Messing (schabah, türk. birindsch) aus Kupfer und dem Rauche der Tutijâh; Bronze (sufr, türk. tudsch) aus Kupfer und Qalaî (Zinn); Tal, „ein gelbes Erz“ [eine Art Messing?] aus Kupfer und Blei [weißem, d. i. Zinn?]; Taliqûn, eine messing- oder bronzeähnliche Legierung aus Kupfer, Tutijâh und noch mehreren anderen Metallen⁠[4350]; Derâ-rûy, eine Legierung aus Kupfer, Messing, Bronze und Tal; Sachtah, eine Legierung aus Silber, Kupfer und Quecksilber; Heft-Dschosch [Sieben-Geschmolzenes], eine Legierung aller sieben Metalle.

27. ALQAZWINI (gest. 1283). Der von WÜSTENFELD herausgegebene arabische Text seiner umfassenden „Kosmographie“, von dem ETHÉ einen großen Teil ins Deutsche übersetzte⁠[4351], hat sich neuerdings leider als eine späte, erst dem 18. Jahrhundert entstammende Überarbeitung erwiesen⁠[4352] und ist daher nur mit Vorsicht zu benützen.

Aus der Urmaterie entstanden nach ALQAZWINI die vier Elemente (arkân), die auch Mütter heißen und gegenseitigen Überganges ineinander fähig sind⁠[4353]; sie erfüllen, wie alles, so auch die im Innern der Erde vorhandenen Dünste und Flüssigkeiten, aus denen sich zunächst, unter Vereinigung von Wasser und Erde, das Quecksilber abscheidet, zugleich aber unter Verkochung der Luft und der übrigen Elemente durch Feuer zu einem Öle, der Schwefel⁠[4354]. Aus diesen beiden bilden sich weiterhin, je nach den Einflüssen und Farben der Planeten, — namentlich des „Schatzmeisters“ KRONOS und des Mondes —, alle übrigen Metalle und Mineralien und entfalten sich besonders schön und rein mit zunehmendem Monde, wie dies sämtlichen Bergleuten längst durch eingehende Erfahrungen bekannt ist⁠[4355]. Auf solche Weise entspringen also, je nach den Verhältnissen und Umständen, die 7 Metalle, d. s. Gold (dhahab), Silber (fidda), Kupfer (nuhâs), Zinn (usrub), Eisen (hadîd), Blei (rasâs) und Châr Sînî, das man mittels einer mineralischen rötlichbraunen Substanz gewinnt, die in China gefunden und auch Tutia oder Tutanega genannt werden soll⁠[4356]. Durch langsames Abtropfen und sehr allmähliches Gerinnen in den Klüften der Gebirge verdichten sich ferner die Salze, Vitriole und Alaune (z. B. der schön weiße aus Jemen)⁠[4357], Natron und Salmiak⁠[4358], die öligen Schwefel und Arsene⁠[4359], Naphtha, Asphalt und Pech⁠[4360], Markasit und andere Erze⁠[4361] und zuletzt noch die Edelsteine⁠[4362], u. a. der Diamant, der vielen auch für eine Versteinerung des himmlischen Feuers gilt, trotz seiner ungeheuren Härte aber durch Blei „zerbrochen“ wird⁠[4363]. Berühmte Fundorte sind: für Edelsteine und Diamanten Ceylon⁠[4364]; für Schwefel, auch gelben und roten [Auripigment, Realgar], Vitriole, Blei und Antimon [Blei- und Antimonglanz] die Berge des Demawend sowie der in Spanien gelegene Gebl-al-kohl (Berg des Bleiglanzes), woselbst das Wachsen mit zunehmendem Monde besonders deutlich zu beobachten ist⁠[4365]; für Zinn und Quecksilber „wie sonst nirgends“ Spanien⁠[4366]; für Gold, Silber, Messing, Eisen, Türkis, Naphtha und Steinkohle Transoxanien⁠[4367]; für Gold, Silber, Kupfer und Eisen die Inseln des persischen Meeres⁠[4368]; für Magnetstein, dessen Kraft durch Knoblauch gebrochen, durch Essig aber wieder hergestellt wird, der Magnetberg im indischen Meere⁠[4369]. Auf den Inseln dieses Ozeans ist Eisen sehr selten und kostbar, die Bewohner der Nikobaren tragen es sogar als Schmuck, die Sumatras und anderer Inseln tauschen es gegen Ambra ein⁠[4370]; außer dem weichen weiblichen Eisen (narm âhen) hat man auch das harte männliche [= Stahl]⁠[4371], aus dem man die Schwerter macht, die wie Zinn glänzen, aber nicht aus Zinn bestehen⁠[4372].

Beim Erhitzen der Vitriole entweichen dicke Dämpfe, die äußerst übelriechend und gesundheitsschädlich sind, wegen ihrer Schärfe zum Ausräuchern dienen und bei Berührung mit Wasser oder wässerigen Flüssigkeiten große Hitze erzeugen⁠[4373].

Eine Anzahl weiterer zugehöriger Angaben ALQAZWINIS ist einem von RUSKA übersetzten, den Mineralien gewidmeten Abschnitte seiner „Kosmographie“ zu entnehmen⁠[4374]: unter dem Einflusse von Kälte, Wärme, Trockenheit und Feuchte entstehen zunächst Quecksilber und Schwefel, weiterhin aber aus diesen die Mineralien, deren es 700 gibt⁠[4375]. Das Quecksilber ist eine etwas beschädigte Art des Silbers, entwickelt beim Erhitzen einen furchtbar giftigen Dampf⁠[4376], ergibt beim Kochen in einem geschlossenen Kolben jenen roten Zinnober (zundschufr), der sich auch in den Gruben bei der Einwirkung von Schwefel auf Quecksilber ausscheidet⁠[4377], und ist [als Salbe] sehr geeignet zur Vernichtung von Läusen und anderem Ungeziefer⁠[4378]. Auch der Schwefel bildet leicht Dämpfe, verflüchtigt sich in Gestalt solcher bei der Entstehung der Metalle und verdichtet sich dabei z. B. zu Malachit, wenn er aus werdendem Kupfer, zu Smaragd aber, wenn er aus werdendem Golde entweicht⁠[4379]. — Gold ist beständig und unveränderlich, aus Kupfer dagegen (und auch aus Messing) wird durch Essig Grünspan herausgezogen⁠[4380], auch erhält man aus [geschmolzenem] Kupfer durch Einwerfen eines gewissen Zusatzes, der es zu festem Steine macht, die giftige Legierung Tâlîqûn, und ebenso durch Verschmelzen mit den sechs anderen Metallen die Legierung Haftdschausch (= 7-Geschmolzenes)⁠[4381]. Wie den Grünspan aus dem Kupfer, so zieht Essig das Bleiweiß (isfîdâdsch = weißes Wasser) aus dem Blei heraus, das man u. a. aus dem bleihaltigen Itmid [Bleiglanz?] darstellt⁠[4382]; die Dämpfe des Bleies sind giftig und das nämliche gilt vom Bleiweiß und von der beim Rösten aus ihm entstehenden Mennige⁠[4383]. Das Blei ist der Feind des Diamanten, der sich in einer unzugänglichen Talschlucht Indiens findet, wegen seiner ungeheuren Härte zum Bohren der Gesteine dient, durch Bocksblut aber zersprengt wird⁠[4384].

Produkte der Verdichtung sind ferner die Salze, Boraxe (tinkâr), Alaune (schabb), Vitriole usf.⁠[4385]. Die Alaune gebrauchen die Färber zum Beizen und Fixieren der Farbstoffe, die Chemiker aber zum Reinigen und Färben der Metalle⁠[4386]. Die Vitriole werden bald durch Eisen gelb und rot, bald durch Kupfer grün gefärbt; die Kalkand und Kalkadis genannten sind äußerst scharf und hitzig, dienen zum Räuchern und ergeben beim Erhitzen unter Entwicklung eines furchtbaren Dunstes Kalkatâr [Colcotar]⁠[4387]. — Den Salzen ähnlich, aber sublimierbar, ist der Nauschâdar [Salmiak], der sich in vielen Gruben findet, sowie im feinen hitzigen Dunst der Bäder⁠[4388].

Weitere Ergebnisse mehr oder minder weit fortgeschrittener Verdichtung sind u. a. noch: Die Naphtha (naft), deren schwarze Sorte durch Destillation mit Helm und Alambik weiß wird⁠[4389]; die Tûtijâ, die nach einigen ein beim Reinigen des Kupfers [?] entweichender Rauch ist, nach anderen nur in Silbergruben vorkommt, nach noch anderen aber aus gewissen farbigen Mineralien Indiens [Vitriolen?] besteht⁠[4390]; die Magnesia [hier = Braunstein], die durch ihren Bleigehalt [!] Kiesel und Alkali zu Glas zusammenschmilzt⁠[4391]; der Magnet, der den berühmten Magnetberg bildet und seine Kraft durch Gegenwart von Zwiebeln oder Knoblauch verliert, durch Essig oder Bocksblut aber wiedergewinnt⁠[4392]; die nur sehr allmählich reifenden Edelsteine, wie der Diamant, der Smaragd, der Jâkand [Jâqût = ὑάκινθος, Hyazinth]⁠[4393] und viele andere. Nicht zu diesen gehörig ist der Kahrubâ [= Strohräuber, d. i. Bernstein], der vielmehr das verhärtete Harz des römischen Nußbaumes vorstellt⁠[4394].

Viele Mineralien sind, wie schon ARISTOTELES [d. h. das „Steinbuch des ARISTOTELES“] lehrte, wichtig für die Kunst der Metallverwandlung, niedergelegt in den Büchern des HERMES, aus denen u. a. auch ALEXANDER DER GROSSE seine medizinischen und chemischen Kenntnisse schöpfte⁠[4395]. Das Arsen, sowohl das gelbe und rote, wie das beim Calcinieren entstehende weiße, die sämtlich furchtbare Gifte sind, Fliegen und Läuse töten, und zuweilen auch als Depilatorien Verwendung finden, weißt das Kupfer⁠[4396] und ebenso wirkt der calcinierte arsenhaltige Ifrangis [Stein der Franken] beim Projizieren auf 50 Teile Kupfer⁠[4397]. Auch der schwefelhaltige Markasit dient in der chemischen Kunst zur Überführung von Kupfer und Blei in Silber, oder doch in ein silberähnliches Metall⁠[4398]; aus Blei, Kupfer, Eisen und Zinn ergeben ferner gutes Silber die Steine Talk, Baumwollmagnet, Kidâmi und Karsijâd⁠[4399], welche letzteren, ebenso wie der Furslus, der Wollmagnet und der Bleimagnet, auch Quecksilber zu glänzendem, festem, ausgezeichnetem Silber härten⁠[4400]. Der Wetzstein erzeugt aus Silber ein dem Gold sehr ähnliches Metall⁠[4401], der Satansstein färbt 14 Teile Silber zu rotem Gold⁠[4402], der Stein Hâdî sowie die Korallenasche fixieren Quecksilber zu Gold⁠[4403], der Chrysolith [= golderzeugender Stein] und der rote, indische Stein Hâmî gilben auch Kupfer zu Gold, das durch Talk noch ganz besonders schön glänzend wird⁠[4404].

28. ALDIMESCHQI (1256 bis 1327 oder 1331), Verfasser der berühmten, sehr ausführlichen „Kosmologie“⁠[4405], aus der schon weiter oben das die Ssabier Betreffende angeführt wurde. Allgemeiner Ansicht nach, die schon zur Zeit des IBN WAHSCHIJAH (um 900) die herrschende war, erweisen sich die sieben Metalle, d. s. Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei und Châr Sinî (nach anderen aber Quecksilber, nach noch anderen Zink)⁠[4406], sämtlich als nahe verwandt, da sie alle aus verschiedenen Mengen Schwefel und Quecksilber von mehr oder minder hoher Reinheit zusammengesetzt sind und sich untereinander wie Blüten, Knospen und Früchte verhalten⁠[4407]; nach Farbe, Natur und Eigenschaften gleichen sie den sieben leuchtenden Planeten, denen sie zugeordnet und durch deren Strahlen sie entstanden sind, und mit Recht sagt daher der Mystiker IBN ALʿARABI (gest. 1240): „Gold und Silber sind die großen Namen, abhängig von den Planeten und ihren Häusern“⁠[4408].

Der Schwefel ist der „Vater der Metalle“, der „Samen der Metalle“⁠[4409], er verdichtet sich aus den öligen Teilen der irdischen Wässer und Ausdünstungen, findet sich daher in manchen Quellen und in der Nähe der Vulkane⁠[4410] und ist gelb, auch rötlich oder weißlich, leicht entzündlich und sehr brennbar⁠[4411]; ihm äußerst ähnlich, aber schwieriger entflammbar, sind das gelbe und rote Arsen und das männliche oder weibliche Sandarach, das, mit Kalk vereinigt, den Indern als wirksamstes Enthaarungsmittel dient⁠[4412], sowie auch das Arsen, „Dik ber Dik“ [aus einem Tiegel in den andern sublimiert; Arsenigsäure], das Rattengift, das in Spanien auch als „Erde“ [Mineral] vorkommen soll⁠[4413]. — Das Quecksilber, die „Mutter der Metalle“, bildet sich durch allmähliche Verdichtung des himmlischen Wassers, namentlich des auf Schwefel fallenden; es ist zwar äußerlich weiß, innerlich aber rot, ergibt Legierungen mit den Metallen, besonders auch mit dem Gold, dessen „Magnet“ es ist, weißt das Kupfer und löst sich in der Hitze zu Dampf auf, der tödlich ist wie Kohlendunst⁠[4414]. — Erst weiterhin vereinigen sich, wie angegeben, Schwefel und Quecksilber miteinander; sie reifen dann, je nach den Umständen und der Länge der Zeit, zu einem oder dem anderen der 7 Metalle heran.

Die Alchemisten, die alle diese Lehren aufstellen, versichern nun, die Natur nachahmen, das Reifen beschleunigen und so künstlich Gold und Silber machen zu können; aber alles, was sie behaupten, ist unmöglich und unwahr, und sie selbst sind Täuscher, Betrüger, Fälscher, Münzfälscher, bestenfalls „Färber“, niemals aber „Macher“⁠[4415]. Ihre Theorien „alle Metalle verwandeln sich beim Erhitzen in Quecksilber; die Blüte Quecksilber trägt die Frucht Gold; die übrigen Metalle sind Zwischenstufen und enthalten mehr Schwefel, ...“ sind verkehrt und unsinnig, denn jedes Metall ist und bleibt ein besonderes Wesen, allein abhängig von der Natur des zugehörigen Planeten, seines Erzeugers⁠[4416]. Ihre Vergleiche „Vitriol, Galläpfel und Wasser, obwohl nicht schwarz, geben zusammen schwarze Tinte; Kieselsand, Alkali und Magnesia [Braunstein], obwohl nicht durchsichtig, geben zusammen durchsichtiges Glas; so geben unsere Präparate zusammen Silber oder Gold,...“ führen irre und beweisen gar nichts⁠[4417]. Alles, was sie vermögen, kommt darauf hinaus, dem Blei durch verschiedene Zusätze eine silberähnliche Farbe zu erteilen, den Zinnober, den sie „roten Schwefel“ und „Salz der Sonne“ nennen, für Gold zu erklären und auszugeben, u. dgl. ähnliches⁠[4418].

In Wahrheit wird das Gold aus den Mineralien, deren es 700 oder mehr gibt, durch die Hitze der Sonne, seines Planeten, ausgekocht, weshalb es auch fast nur in heißen Ländern verkommt; Quecksilber haftet ihm an, die Ausdünstung des Bleies macht es zerbrechlich und durch Salmiak wird es glänzend⁠[4419]. — Silber findet sich in der Nähe des persischen Golfes und nördlich vom asowischen Meere, wo es noch mit den unvollkommensten Mitteln ausgeschmolzen wird⁠[4420]. — Kupfer, von dessen griechischem Namen Kypros sich auch jener der Insel Cypern herschreibt⁠[4421], schätzen manche Negervölker höher als Gold, wie das auf einigen indischen Inseln auch mit dem Eisen, in den Ländern der Nilquellen (Gânah) mit dem Zinn, und in Abessynien mit dem Messing der Fall ist⁠[4422]. Das „weiße Kupfer“, Isfid-rûy, auch Isfad-rûy, Isbâdârîh, Sefidrûy, von manchen auch Châr sinî genannt, aus dem man prächtig klingende Glocken, Spiegel u. dgl. anfertigt, ist eine Art sehr heller, weißglänzender, harter, leicht und trefflich polierbarer Bronze, zeigt aber zuweilen auch gelbliche bis goldige Färbung, oder ein Gemenge hellerer und dunklerer Teile; es kommt aus China, wo es Pe-tong = „weißes Kupfer“ heißt, und besteht nach chinesischen Werken aus einer Legierung von Kupfer, viel Zinn (ein Fünftel und mehr) und etwas Arsen, das den aus ihm angefertigten Waffen tödliche Eigenschaften erteilen soll⁠[4423]. — Zinn, qasdîr, qalî, anûk, maqad, weißes rasâs (Blei) genannt, halten viele für ein aussätziges oder pockennarbiges Silber, so wie sie das Blei für ein unfertiges und ungares Gold erklären⁠[4424]. — Eisen wird aus vielerlei Erzen gewonnen, vor allem aus Hämatit [Roteisenstein], dem Chumâhan oder Kamâhen, von dem es mächtige Lager zwischen Nil und rotem Meer gibt⁠[4425]; das beste, namentlich für Schwerter geeignetste, kommt aus Indien und China⁠[4426]. Aus ungeheuren Eisenplatten verfertigte ALEXANDER DER GROSSE die Mauer um die wilden Völker zu Magog im äußersten Norden der Erde, ferner erbaute der persische König SAPOR [241–272] einen Aquädukt, ruhend auf riesigen, eisernen, mit „Bleizement“ vergossenen Säulen⁠[4427]. Zu den größten Merkwürdigkeiten gehört es, daß ein Stein, der Magnetstein, das Eisen anzieht und oft das Doppelte seines eigenen Gewichtes festhält⁠[4428]; noch gesteigert wird seine Kraft durch Berührung mit Bocksblut, das auch sonst sehr wunderbare Eigenschaften zeigt, denn nach dem Bestreichen damit werden die Diamanten im Feuer schmelzbar, und kupferne (bronzene?) Waffen verursachen tödliche Wunden⁠[4429]Ithmid, das schwarze Antimon [bald Spießglanz, bald metallisches Antimon], soll aus dem Kupfer in Gegenwart zu vielen Schwefels entstehen und „verbrennt“ die meisten anderen Metalle, selbst das Eisen⁠[4430]. Das beste findet sich in Ispahan, am Ebro, sowie in Andalusien, wo es mit zunehmendem Monde wächst; eine Quelle bei Cadix liefert einmal im Jahre während einer Woche geschmolzenes Blei und schwarzes Quecksilber, das zu schwarzem Antimon erstarrt⁠[4431]. — Zink, das einige, wie angegeben, zu den 7 Metallen zählen⁠[4432], kommt einzig aus China, und niemand vermag zu sagen, wie es dort hergestellt wird; es ist ein weißes Metall, gleicht dem Zinn, hat aber einen dumpfen Klang und zeigt sich veränderlich, indem es allmählich seine Farbe und Härte verliert⁠[4433] [sich oxydiert, zerfällt, ...]; seine persische Bezeichnung ist Isfidrûy, d. i. weißes Kupfer, auch Sapîd-rûy, Isbidâri, Sbiadâr [wovon sich der alte Name „Spiauter“ für Zink ableitet]⁠[4434].

Zu den wichtigsten Mineralien zählen: Pyrit und Markasit [Schwefelkies u. dgl.], deren 7 Arten die 7 Metalle enthalten sollen, die man aus ihnen gewinnen kann, indem man den gleichzeitig vorhandenen vielen Schwefel abscheidet⁠[4435]; die Magnesien, vor allem die der Glasmacher [= Braunstein]⁠[4436]; der Asbest⁠[4437]; der Salmiak, dessen natürliche Sorten aus China, Persien und Ferghâna kommen, während man ihn in Ägypten künstlich zu bereiten versteht⁠[4438]; die Naphtha, die weithin ausgeführt und u. a. von den koptischen Christen [in Ägypten] nebst Pulver und sonstigen geeigneten Substanzen zur Feier des Weihnachtsabendes angezündet und verbrannt wird⁠[4439]. Manche Arten Naphtha sind von Natur aus wasserhell und so flüchtig, daß man sie nicht in offenen Gefäßen aufbewahren kann, andere werden aus einer Art Erdpech erst in trüber und dunkler, dann aber durch nochmalige Umarbeitung in klarer und weißer Beschaffenheit gewonnen, und zwar „indem man sie wie Rosenwasser destilliert“⁠[4440]. Letztere Kunst wird hauptsächlich in Damaskus betrieben, und man bedient sich dabei besonderer, oft in mehrstöckig aufgebaute Öfen, besser aber in Wasser- oder Dampf-Bäder eingesetzter Gefäße aus Blei, Eisen oder Glas⁠[4441]; das richtig Überdestillierte [Übergeschwitzte; Schweiß = araq]⁠[4442] ist von bester Beschaffenheit, dauernd haltbar und schön klar, so wie man auch wieder vom Bergkrystall sagt, daß er „durchsichtig ist wie reines destilliertes Wasser“⁠[4443].

29. ALAKFANI (auch ANSARI und ALSACHAWI genannt; gest. 1348). Alkîmijâ ist die Kunst, den Metallen, die sämtlich nahe verwandt und nur in kleinen Akzidentien verschieden sind, gewisse noch erforderliche, sie ein wenig verändernde Eigenschaften zu erteilen und so zur Erzeugung von Silber und Gold zu gelangen⁠[4444]; dies geschieht mit Hilfe des „geehrten Steines“ Aliksîr, der ganz wie die Krankheiten und Schäden der Menschen auch die der Metalle heilt, z. B. Aussätzigkeit, Epilepsie, Apoplexie, Verbrennungen, ..., und sie hierdurch in Silber oder Gold überführt, — ohne dabei selbst die geringste Veränderung zu erleiden. Alle Mitteilungen der Alten über seine Herstellung, für die auch die Einflüsse der Planeten (vor allem des HERMES) von Belang sind⁠[4445], lauten undeutlich, dunkel und rätselhaft und mußten dies auch, da [technische] Schwierigkeit und [moralische] Gefahr der Sache die größte Vorsicht bedingen. Notwendige Materialien sind Schwefel und Quecksilber, als Grundlagen der Metalle, sublimierter Zarnich [Arsenigsäure], der das Kupfer ebenso weißt wie die Tûtijâ [Galmei u. dgl.], ferner gewisse Salze und Aschen, pflanzliche und tierische Substanzen, sowie endlich unedle Metalle, deren Menge nach bestimmten Gewichtsverhältnissen der Wage zu bemessen ist⁠[4446]. Deshalb heißt die Kîmijâ auch „Wissenschaft der Wage“, weil allein mittels dieser die zur Gewinnung des Elixirs und der Edelmetalle erforderlichen Mischungen nach vorgeschriebenem Gewicht oder Volum so kombiniert werden können, daß ihr Gewicht und Volum dem des „Gesuchten“ gleich ist; wie viel aber auf die richtigen Verhältnisse ankommt, zeigt die Erfahrung, daß verschiedene Stoffe in einer Flüssigkeit bald schwimmen, bald untersinken, bald eben nur die Oberfläche berühren⁠[4447].

Das Elixir fixiert auch das Quecksilber und verwandelt Krystall, dessen schönste Sorte der arabische Bergkrystall ist⁠[4448], in Edelsteine⁠[4449]; die wertvollsten von diesen sind der fleischfarbige oder rötliche Korund (jaqût)⁠[4450], die Perle (dschauhar)⁠[4451] und der Diamant, der auch aus Jemen, Cypern und Macedonien kommt (?), Stahl- oder Silberglanz zeigt und ganz außerordentlich giftig ist⁠[4452].

30. IBN KHALDUN (geb. 1332 in Tunis, gest. 1406 in Kairo; der bekannte Historiker)⁠[4453]. Die Alchemisten geben vor, ein aus mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Stoffen dargestelltes, bald festes, bald flüssiges Präparat „Aliksîr“ zu besitzen, von dem schon ein Körnchen oder ein Tropfen genügen soll, um 1000 Teile der passend vorbehandelten „Körper“ des Kupfers oder Silbers mit „Geist“ zu erfüllen und sie hierdurch, kraft einer erfolgenden Fäulung, „Vermählung“ oder „Verbindung“, in reines Silber oder Gold zu verwandeln⁠[4454]. In Wirklichkeit gibt es aber eine Alchemie ebensowenig wie eine Astrologie oder Magie, und es ist gerade so vergeblich, sich mit ihren rätselhaften, unsinnigen und unverständlichen Schriften und Vorschriften zu beschäftigen, wie Astrologie oder Magie zu studieren⁠[4455]: weder sind die Metalle tatsächlich „nahe verwandt“ und „leicht ineinander verwandelbar“, noch läßt sich ihr angeblich 1000 Jahre währendes „Reifen“ in der Natur beweisen, nachahmen oder beschleunigen, auch gibt es keinen „Stein der Weisen oder Alkîmijâ“, und er erzeugt daher auch nicht „einer Hefe gleich aus wenigem Golde vieles“⁠[4456]. Niemals hat die Alchemie einen Erfolg gezeitigt, niemals hat sie einen Armen reich gemacht, — „ABUʿLHASAN blieb stets arm und schmutzig“, sagt bereits der „Fihrist“⁠[4457] —, und wie schon der arme ALFARABI sie verteidigte, während der reiche AVICENNA sie verwarf, so betreiben sie auch jetzt noch die Bedürftigen und nicht etwa die Wohlhabenden⁠[4458]. Die Alchemisten waren und sind Lügner und Betrüger: sie wissen Kupfer mit Quecksilber oder Sublimat wie Silber zu weißen, schlechten Metallgemischen Goldglanz zu verleihen, kupfernen Schmuck auf allerlei Weise mit dünnen Schichten Gold oder Silber zu überziehen und ihn für echten auszugeben, und alle diese oder ähnliche Unterschleife führen sie so geschickt aus, daß nur der ganz Erfahrene ihren Schlichen entgehen kann. Endlich betreiben sie auch noch Falschmünzerei, in der sich namentlich die Studierenden des Rechtes und der Theologie im Maghreb (Nordwest-Afrika) hervortun, weshalb man dort nicht wenige der Ertappten mit abgehauenen Händen umhergehen sieht⁠[4459].

31. ABUʿLFADIL, im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, zur Zeit des nordindischen Königs AKBAR, der ein Anhänger der Alchemie war und selbst Gold erhalten zu haben glaubte⁠[4460], macht einige Mitteilungen über Metall-Legierungen und zählt unter diesen auf⁠[4461]: a) Sefîdrûy, aus Kupfer und Zinn, eine sehr helle Bronze⁠[4462]; b) Kaulpatr (?), aus Sefîdrûy mit mehr Kupfer; c) Rûy, aus Kupfer und Blei [weißem = Zinn?]; d) Birindsch, aus Kupfer und Tûtijâ [Galmei, ...], d. i. Messing von verschiedener Färbung; e) Sîm-i-Suchtah, aus Silber, Bronze und Blei; f) Hescht-Dhât = „(aus) acht Sachen“, also ein Mischmetall aus acht Bestandteilen; g) Haft-Dschôsch = aus Sieben oder Sieben-Geschmolzenes, bestehend aus den 7 Metallen Tilâ (Gold), Nukra (Silber), Mis (Kupfer), Ahan (Eisen), Surb (Blei), Qalî (Zinn) und Rûh-i-Tûtijâ, wörtlich „Geist des Galmeis, Galmeigeist“, d. i. metallischem Zink. Mit Haft-Dschosch identisch soll auch Tâliqûn sein, das indessen andere für ein aus China kommendes und mit einem Giftstoff [Arsen?] versetztes „siebenmal gekochtes Kupfer“ halten, und noch andere für eine besondere Legierung aus Kupfer oder Eisen.

32. (Anhang): Die Erzählungen „1001 Nacht“. Diese Erzählungen⁠[4463] gehören zu den merkwürdigsten und eigenartigsten Dokumenten der gesamten muslimischen Kulturgeschichte und erfordern daher an dieser Stelle Berücksichtigung, obwohl man sie keineswegs als ein einheitliches Werk ansehen kann, und nicht sowohl von ihren Verfassern als von ihren Sammlern zu sprechen hat⁠[4464]. Die Rahmenform des Ganzen, aber auch mancherlei des Stoffes, ist zweifellos indischen Ursprunges⁠[4465]; in Persien waren die Märchen wohl mindestens schon seit dem 8. Jahrhundert im Umlaufe, und dort lernten sie auch die Araber kennen, bei denen sie aber noch im 10. Jahrhundert der „Fihrist“ als „persische“ bezeichnet, und ALMASʿUDI unter persischem Titel als die „1000 Erzählungen“ oder „1000 Nächte“ erwähnt, die jedoch damals schon mit neuen, nachträglich eingeführten Geschichten durchsetzt waren⁠[4466]. Ein alter Grundstock reicht also vermutlich bis in die abbasidische Frühzeit zurück, und Bagdad lieferte auch die Hauptmenge der späteren Zutaten⁠[4467]; ihre maßgebende Gestalt erhielten jedoch die Erzählungen „1001 Nacht“, — dieser Name kommt nicht vor dem 12. oder 13. Jahrhundert auf⁠[4468] —, erst im Kairo der Mamluken-Dynastie, also während des 13. Jahrhunderts⁠[4469], und das älteste erhaltene Manuskript der so neu geschaffenen Gestalt ist etwa um 1350 niedergeschrieben⁠[4470]. Weitere Umarbeitungen brachte die Folgezeit, und zwar bis in das 18. Jahrhundert hinein⁠[4471].

Da aus dem Werke selbst nur ganz vereinzelte feste Daten zu ersehen sind⁠[4472], so kann naturgemäß von chronologischer Sicherheit zumeist keine Rede sein, immerhin ist aber, abgesehen von gewissen, schon ihrem Inhalte nach leicht kenntlichen, späten Einschiebungen, der weitaus größte Teil der Angaben sehr wertvoll und für die während der Blütezeit des arabischen Reiches herrschenden Verhältnisse höchst charakteristisch.

Von Magie, Astrologie und Alchemie ist in „1001 Nacht“ so oft und unter so mannigfaltigen Umständen die Rede, daß sich hieraus ohne weiteres die ungeheure Rolle ersehen läßt, die diese Geheimwissenschaften in sämtlichen Kreisen der muslimischen Welt spielten. Sie werden als allerorten heimisch vorausgesetzt, da die Menschen, durch die gefallenen Engel HARUT und MARUT einmal in ihren Besitz gelangt⁠[4473], sie überallhin verbreiteten; doch soll Afrika, insbesondere Nordwest-Afrika, die gefährlichsten Magier und mächtigsten Zauberer besitzen, „berüchtigt ob ihrer unheilvollen Kenntnisse“⁠[4474].

Die Astrologie mit ihren Theorien von den 7 in den Sphären kreisenden Planeten, deren Auf- und Absteigen, Konstellationen und Aspekten, Häusern und Ordnungen usf., ist von höchster Wichtigkeit für alle öffentlichen und privaten Angelegenheiten⁠[4475], u. a. auch für die Erziehung der Kinder⁠[4476] und für die Ausbildung der Ärzte⁠[4477]; nur ganz ausnahmsweise wird über sie gespottet, z. B. wenn eine Konjunktion von ARES und HERMES den günstigen Augenblick zum Haarschneiden gewährleisten soll⁠[4478], in der Regel aber begegnen ihre Lehren und alle an diese geknüpften Folgerungen der ernstlichsten Erörterung, wir hören daher von silbernen und goldenen astrologischen Instrumenten mit 7 Scheiben und zugehörigen geomantischen Tafeln⁠[4479], von den 7 Farben der 7 Planeten⁠[4480], von Seide in 7 Farben, den einzelnen Tagen entsprechend⁠[4481], von 7 Schlössern, aus Krystall, Marmor, chinesischem Stahl, Edelsteinen, Porzellan, Silber, Gold⁠[4482], u. dgl. mehr.

Die Alchemie geht aus von den vier Elementen und vier Säften, denn aus Wärme, Kälte, Feuchte und Trockenheit schuf Allah zunächst Feuer, Luft, Wasser und Erde, die heiß und trocken, heiß und feucht, kalt und feucht, kalt und trocken sind⁠[4483], und aus denen alle übrigen Dinge bestehen. Die Kunst, Silber und Gold zu machen, ist die Chemie oder „natürliche Magie“⁠[4484]; sie steht in enger Verbindung mit der Astrologie⁠[4485] und ist niedergelegt in den Büchern, die da handeln von den Eigenschaften der Mineralien, Steine und Kräuter, von Zaubereien und Talismanen, Giften und Gegengiften, vom Schneiden und Fassen der Edelsteine, usf.⁠[4486]. Wer sie beherrscht, kann nach dem rechten Rezepte für 10000 Dinare Gold herstellen, ja selbst auf einmal 1000 Drachmen [7½ Pfunde] Silber oder 10 Pfunde Kupfer ohne weiteres in feines Gold verwandeln, wozu er nicht mehr als eine halbe oder ganze Drachme des „gelben Kohols“ [= goldgelben Streupulvers] gebrauchen wird, das auch Scheidepulver oder Elixir heißt⁠[4487]. Man erzählt hierüber, daß auf einer Zauberinsel goldgelbe, nachts leuchtende Blüten wachsen, die bei Sonnenaufgang abfallen, vom Winde unter die Felsen geweht werden und dort zu Elixir eintrocknen, das die Menschen sammeln und zur Kunst des Goldmachens gebrauchen⁠[4488]; diese ist jedoch des Betruges und Schwindels wegen verboten, und die sie betreiben, werden mit dem Tode bestraft⁠[4489]. Manche erklären übrigens, es gebe in Wahrheit nur ein einziges wirkliches Elixir, nämlich jenes flüssige Gold der Weisen, das man in Bechern abmessen könne, den Wein⁠[4490]. Hingegen versichern andere⁠[4491], die eigentlichen alchemistischen Regeln, diese „Wunder der Kunst“, fänden sich samt den Annalen der alten ägyptischen Priester auf Syenittafeln verzeichnet, die nebst Götzenbildern und Figuren, Inschriften, Geräten, Waffen, Schätzen, Vasen voll Edelsteinen, Gefäßen aus Krystall und aus „biegsamem“ [unzerbrechlichem] Glase, Heiltränken usf., im Innern der Pyramiden verborgen seien; der Khalif ALMAMUN versuchte deshalb (um 810) die größte Pyramide zu öffnen, jedoch ohne Erfolg⁠[4492].

Aus Kupfer bestehen rote, prächtig polierte Palasttüren, Türbeschläge und Türringe⁠[4493], große Schalen und Kochgeschirre⁠[4494], Lampen⁠[4495], Waffen⁠[4496], Zaubergeräte⁠[4497] und Statuen⁠[4498]; aus Messing, „gelbem Kupfer“, „goldgleichem Kupfer“, „andalusischem gelbem Kupfer im Werte des Goldes“⁠[4499], Statuen und Löwen⁠[4500], Türen und Türringe⁠[4501], Beschläge von Türen und Fußböden⁠[4502], Gitterfenster und Bänke⁠[4503], Kessel, Schüsseln und Gefäße⁠[4504], Ketten, Ringe, Klappern und Schellen⁠[4505], Stifte, um in Sand, und Federn, um mit Tinte (auch mit azurblauer) zu schreiben⁠[4506], die gurken- und kürbisförmigen Flaschen, in die König SALOMON die bösen Geister verschloß und einsiegelte⁠[4507], sowie die gewaltige sagenhafte „Messing-Stadt“⁠[4508]; aus Bronze Dächer von Pagoden⁠[4509], Gefäße und Krüge⁠[4510], Zauberruten (die man auch aus je einem Vierteil Kupfer, Bronze, Eisen und Stahl zusammensetzt)⁠[4511] und der aus bronzeartigem Mischmetall gegossene Zauberspiegel König SALOMONS, der dem Hineinblickenden alles zeigt, was sich in den 7 Klimaten der Welt begibt⁠[4512].

Blei, dessen Scheiben so groß wie Brotlaibe sind⁠[4513], dient zum Vergießen der Fundamente mächtiger Gebäude, z. B. der Pyramiden⁠[4514], zur Anfertigung der todbringenden Pfeile, Fluchtafeln und Wundersiegel, z. B. jener des Königs SALOMON[4515], und besitzt die Kraft, Diamanten zu teilen und zu zerbrechen⁠[4516]. — Weißes Blei oder Zinn findet sich nach den Berichten des Seefahrers SINDBAD [spätestens gegen 800] in den „Blei“-Minen der ostindischen Insel Qalah⁠[4517], gleicht dem Silber, weshalb man auch das Pferdegeschirr verzinnt⁠[4518], Zinn und Messing dem Silber und Gold unterschiebt⁠[4519] und anscheinend übergoldetes Zinn oder Kupfer für echtes Gold ausgibt⁠[4520].