Wie bereits weiter oben bemerkt wurde, können weder die Ansichten betreffs einer ursprünglichen Kupfer- und Bronzezeit[6521] noch die Vermutungen hinsichtlich eines überlegenen Alters des Eisens[6522] irgendwelchen Anspruch auf ausschließliche Wahrheit und Allgültigkeit erheben; ebensowenig läßt sich ein bestimmtes Land als erster Ausgangspunkt, oder ein bestimmtes Volk als erster Erfinder der Eisen-Gewinnung bezeichnen, — auch völlig abgesehen von der neuen Welt, in deren Kulturstaaten, Mexiko und Peru, zur Zeit der Entdeckung zwar ganz vorwiegend Kupfer in Gebrauch stand, Eisen aber keineswegs mehr durchaus unbekannt war[6523]. Es ist vielmehr sicher, daß die Darstellung des Eisens in selbständiger Weise zu sehr verschiedenen Zeiten entdeckt wurde und auch an sehr verschiedenen Punkten, an solchen nämlich, die passende und leicht reduzierbare Erze besaßen; zu ihnen sind mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit u. a. zu zählen: China, Indien, Persien, Armenien, die kaukasischen und die Pontus-Länder[6524], Phönizien, Palästina, Cypern[6525], die Gebiete der Jakuten, der Tungusen[6526], das zentrale, nordwestliche und südliche Afrika, Finnland[6527], Illyrien, Keltiberien usf. Zwar trifft es zu, daß das Meteoreisen bei vielen Völkern frühzeitig bekannt war, seiner „himmlischen“ Herkunft wegen in großer Verehrung stand und zuweilen auch, angesichts seiner hohen Reinheit, ohne weiteres zu Bedarfszwecken benützt und verarbeitet wurde, wie das z. B. nach dem Nordpolfahrer Ross noch 1818 bei den Eskimos durch „kaltes Hämmern“ geschah[6528]; die immer noch verbreitete Ansicht aber, die Entwicklung einer Eisenzeit habe von ihm aus ihren Ursprung genommen, ist völlig unhaltbar, und keine einzige geschichtliche oder technische Überlieferung gereicht ihr zur Stütze. In dieser Hinsicht genügt es, daran zu erinnern, daß das Erhitzen und Schmelzen festen gediegenen Eisens bei 1500–1600° oder darüber sehr erhebliche Anforderungen an den Kunstfertigen und an seine Werkvorrichtungen stellt, daß sich hingegen aus vielen Erzen das Eisen mittels Kohle ohne besondere Schwierigkeit bei verhältnismäßig niedriger Temperatur (etwa 700°) in erweichtem (nicht in geschmolzenem) Zustande gewinnen und sodann mehr oder minder schlackenfrei ausschmieden läßt[6529]; beide Vorgänge sind freilich in ihrem Gelingen von vielerlei Umständen und Wechselfällen in so weitgehender Weise abhängig, daß es nicht wundernehmen darf, wenn die Untersuchung alter Fundstücke nach den modernen metallographischen Verfahren zur Erkenntnis führt, es könne bei ihnen von irgend regelmäßiger Zusammensetzung und von scharfen Grenzen zwischen Eisen und Stahl nicht im entferntesten die Rede sein.
Die besondere Natur des Eisens und die durch sie bedingte Eigenart seiner Behandlung brachte es mit sich, daß erst mit dem Anfange der Eisenzeit jene eigentliche Entwicklung der Schmiedekunst einsetzte[6530], die in erster Linie den Eisenschmied zum „Schmiede“ machte und seine Bedeutung und Stellung in bemerkenswerter Weise beeinflußte. Der Schmied ist in seiner Tätigkeit an das Vorhandensein bestimmter Rohstoffe gebunden, er haust im Waldgebirge, wo ihm das Nötige an Erz, Holz oder Holzkohle zur Verfügung steht, er kann den Ort, den andere noch mit nomadischer Unbeständigkeit wechseln, nicht ohne weiteres verlassen, wird dadurch frühzeitig seßhaft, hierdurch aber wieder für die Nachrückenden ein Fremdling, dessen Kunst überdies einen unheimlichen, ja zauberischen Charakter trägt. Aus diesen Umständen erklärt es sich, daß zahlreiche Völker der verschiedensten Herkunft den Schmied als außerhalb des Stammes und der Gemeinschaft stehend betrachten, auch ihm und den Seinigen die Einheirat versagen; während sie ihn als unentbehrlich, sein Erzeugnis als wichtiges Bedarfs- und Tauschmittel, sein Haus daher als öffentlichen und neutralen Platz anerkennen[6531], begegnen sie zugleich seiner Person mit Scheu und Mißtrauen, wenn nicht mit Abneigung und Haß, da sie ihn einerseits verachten, andererseits fürchten, auf alle Fälle aber gebrauchen[6532]. Nach einer von LENORMANT eifrig verfochtenen Behauptung D’ECKSTEINS (1854) wären turanische und finnische Völker, die ihre ursprünglichen Sitze im Gebiete des Altai, des Paropamisos und des Kaukasus hatten, die den Glanz der Metalle verehrten und ihn mit ihren Mythen und Lehren von den „Göttern der Tiefe“ in Zusammenhang brachten, auch die ersten eigentlichen Bergleute, Metallarbeiter und Schmiede gewesen[6533]. Spätere Eroberer rotteten sie aus, oder verdrängten sie in ferne Gegenden, und die Mitglieder der restlichen, weithin zersprengten Stämme oder Familien, die letzten Träger der alten, sorgfältig geheimgehaltenen Künste[6534], galten nun als mächtige und gefährliche Zauberer, zugleich aber als häßliche und mißgestaltete Stammfremde; so wurden sie allmählich zu jenen „Karrikaturen der Stämme, die zuerst Metalle verarbeiteten“, denen man bei allen möglichen Völkern unter den Namen von Gnomen, Zwergen, Kobolden, Pygmäen, Daktylen, Kabiren, Kureten, Telchinen, Korybanten, und unter den Gestalten des PTAH, HEPHAISTOS, VULCAN, MIMIR usf. begegnet[6535]. Läßt sich nun auch diese Hypothese weder in ihrer Gesamtheit, noch allen Einzelheiten nach aufrecht erhalten, so muß man doch zugeben, daß ihr ein gewisser berechtigter Kern innewohnt und daß sie insoferne die Erscheinung, zu deren Deutung sie aufgestellt wurde, in manchen Fällen wirklich zureichend erklären mag, während in anderen zu bedenken bleibt, daß viele Völker Verkrüppelte oder Lahme, die aber sonst genügende Kräfte besitzen, zur Ausübung von Handwerksarbeiten, und so u. a. auch von Schmiedekünsten, anzuhalten pflegen[6536].
Sehr beachtenswert ist in den berührten Beziehungen das Verhalten der afrikanischen Stämme, bei denen, wie bereits erwähnt, eine der Eisenzeit vorausgehende Kupfer- und Bronzeperiode nicht nachzuweisen ist[6537]. Sowohl zahlreiche Negervölker, als auch die Hottentotten, stellen Eisen teils in primitivster Weise durch Erhitzen von Erzen mit Holzkohle in Erdgruben dar, teils nach bereits verbesserter durch Schmelzen in (freilich immer noch sehr unvollkommenen) Öfen mit oder ohne Tonmantel, sowie in tönernen Tiegeln; nach ersterer lassen sich durch sog. „Rennarbeit“[6538] viele Rasen- und Brauneisensteine, nach letzterer aber auch Hämatit und Magnetit schon von 700° an mehr oder weniger vollständig reduzieren, und zwar zu schwammartigen, fest zusammenhängenden Massen, deren Klumpen mittels Steinen zu einer Art Stabeisen ausgeschmiedet werden. Unentbehrlich ist hierbei in den weitaus meisten Fällen die Anwendung eines (gewöhnlich aus Tierfellen angefertigten) Gebläses, mittels dessen, je nach Erfordernis, 3 bis 6, aber auch bis 40 Stunden lang Luft eingeblasen werden kann[6539]; das Ergebnis der Schmelzarbeit ist also eine halbfeste Eisenmasse, nicht etwa flüssiges Gußeisen, und jenes der Schmiedearbeit im wesentlichen weiches Eisen (Schmiedeeisen)[6540], wenngleich es an Übergängen zu härteren Sorten und auch zu Stahl mancherorts nicht fehlt[6541]. Auf diese Weise werden, oft äußerst geschickt, allerlei Gegenstände und Waffen angefertigt, aber auch zum Schmuck dienende Perlen[6542], Spiralen und Spangen[6543], schwere Halsringe[6544], dicke und dünne Drähte[6545] u. dgl. m. Die in derlei Arbeiten geübten Bewohner eisenreicher Gegenden durchstreifen nicht selten, bloß mit den notwendigsten Geräten versehen, als „Wanderschmiede“ die Nachbarstaaten; ihre Künste sind dort gesucht und finden reichliche Entlohnung, sie selbst gelten aber für gefährliche Zauberer, für Angehörige einer verachteten und verfemten Kaste, für ehrlose und unreine Stammfremde, deren Erzeugnisse daher ebenfalls unrein sind und erst nach ritueller Reinigung in Gebrauch genommen werden dürfen[6546]. Den Nomadisierenden ereilt also hier, inmitten bereits dauernd Ansässiger, das nämliche Schicksal, wie in anderem Falle den schon an festem Wohnsitze Haftenden seitens wandernder oder bis vor kurzem auf Wanderung begriffener Völkerschaften.
Ägypten besaß, wie schon weiter oben erwähnt, in den bereits um 4000 bearbeiteten Minen des Sinai-Gebietes treffliche, mangan- und titanhaltige Eisenerze, die aber völlig unbenützt blieben[6547]; auch das Niltal selbst, die östliche Wüste längs des Roten Meeres, sowie Nubien, Äthiopien und der Sudan sind reich teils an gering-, teils an hochwertigen Erzen (darunter Rot- und Magnet-Eisenstein); es ist daher beachtenswert, daß im eigentlichen Ägypten bisher nur eine einzige, nächst der Südgrenze gelegene Grube ziemlich leicht reduzierbaren Roteisensteins und Eisenglanzes entdeckt ist, die schon in sehr ferner Periode gründlich abgebaut worden zu sein scheint[6548]. Zur Zeit der Thiniten (um 3000) fehlt Eisen noch[6549], zu jener des alten Reiches (2896–2540) ist aber schon von Eisen „des Südens und des Nordens“ die Rede[6550], auch entstammt ihm weiches Eisen in Gestalt verschiedener Stücke, aber noch kein eisernes Werkzeug[6551]. Als älteste Spur eines solchen gilt das 1837 von HILL aus dem Mauerwerk der um 2500 errichteten großen Pyramide des CHEOPS bei Gizeh hervorgezogene Bruchstück, das aus weichem Eisen besteht und neben gebundenem Kohlenstoff eine Spur Nickel enthält, die aber keineswegs rechtfertigt, es mit FEIGHT für gekohltes Meteoreisen zu erklären[6552]; überdies liegen ähnliche Funde jetzt auch aus anderen, nur wenig jüngeren Pyramiden vor, z. B. aus der des Königs UNAS[6553], während aus der gegen 2000 vollendeten von Dahschur sogar ein ganzer Haufen zerbrochener Werkzeuge an das Tageslicht gelangte[6554], das um 1800 erbaute Grabmal eines Unbekannten aber auch bereits eine eiserne Lanzenspitze lieferte, die älteste bisher bekannt gewordene Eisenwaffe[6555]. Da auf den frühesten ägyptischen Abbildungen häufig Tribute von Eisen-Erzen (?) und -Waffen zu sehen sind, die seitens nubischer, äthiopischer oder sudanesischer Neger dargebracht werden[6556], so vermuten einige Forscher in diesen die Lehrmeister, durch die sich die Ägypter in die Kunst der Eisen-Darstellung hätten einweihen lassen; andere sind indessen der umgekehrten Meinung und glauben, daß die Negervölker ihre primitive Technik den Ägyptern verdanken[6557], wofür besonders die Benützung des Blasebalges spreche, den die Ägypter selbst wieder, und zwar vermutlich samt der Eisen-Darstellung, gewissen orientalischen Völkerschaften entlehnt haben sollen[6558]. Diese Hypothesen beruhen indessen sämtlich auf sehr unzureichenden Grundlagen. Tatsache ist, daß schon das alte Reich das Eisen mit dem Worte „men“ schreibt, durch Zusatz des (schon vorher üblichen) Zeichens für Kupfer determiniert[6559] und dieses gewöhnliche (Schmiede-)Eisen bräunlich oder schwärzlich malt[6560]; nach LEPSIUS kommt men nur in den frühesten Inschriften vor[6561], während in späterer, jedoch nicht genau angebbarer Zeit ein anderes Wort „tehset“ oder „techset“ auftaucht, das nach ihm nicht Bronze bedeutet[6562], sondern das „echte Eisen“, das „reine Eisen“[6563], d. i. den Stahl, der blau gemalt wird, jedenfalls wegen der bekannten Anlauffarben, die er bei etwa 300° zu zeigen beginnt[6564]. GSELL glaubt, daß seine Darstellung durch Kohlung von Schmiedeeisen mit Tierdung geschah[6565] und schon im alten Reiche bekannt gewesen sein müsse, weil die nachweislich schon damals ausgeübte Bearbeitung von Granit und anderen Hartgesteinen allein mittels stählerner Werkzeuge möglich sei[6566]. Diese Ansicht, die auch schon LEPSIUS erwog[6567], läßt aber nach anderen Gelehrten noch Zweifeln Raum: zunächst ist, wie schon oben erwähnt, die Benützung einer Hartbronze nicht ausgeschlossen, die von Obsidian und Schmirgel[6568] aber in technischer Hinsicht nicht genügend erforscht; sodann kommen auf den Abbildungen aus dem alten Reiche blau gemalte, also stählerne Gegenstände nicht vor, vielmehr sind Waffen und Arbeitsgeräte aller Art, auch Sägen, Meißel, Rasiermesser usf. nur hellbraun oder rot wiedergegeben[6569]; endlich sind auch keinerlei stählerne Fundstücke bekannt, und die Annahme, diese seien durchgehends verrostet[6570], steht im Widerspruche mit der Erfahrung, daß uralte stählerne und eiserne Überreste, wenn auch in beschädigtem Zustande, im Boden sehr vieler anderer Länder bewahrt blieben, deren wechselndes und feuchtes Klima einer dauernden Erhaltung sehr viel ungünstiger ist, als das im ganzen so beständige und trockene der meisten Gegenden Ägyptens. Aus allen diesen Ursachen ist es unwahrscheinlich, daß schon das alte Reich mit dem Stahle vertraut gewesen sei; auf Gemälden aus jüngerer, aber nicht genau datierbarer Zeit wird er, blau gemalt, von semitischen Völkern als Tribut dargebracht[6571], was auf eine Einfuhr aus Vorderasien schließen ließe (s. unten).
In gewissen Pyramiden-Inschriften und Papyrus-Urkunden wird das Eisen in Beziehung zu dem bösen Gotte SETH (TYPHON) gebracht, z. B. wenn es heißt: „Ein Haken aus Eisen, aus dem Eisen (bj’), das aus dem SETH gekommen ist“[6572]; da der rote Eisenrost auch den Decknamen „Blut des OSIRIS“ führt[6573], so erklärt sich vermutlich hieraus die von PLUTARCH auf die Autorität MANETHONS hin überlieferte Bezeichnung des Eisens als „Knochen des SETH“ und des Magneteisensteins als „Knochen des HORUS“[6574], sowie die alte Vorstellung, daß das Eisen unrein sei und deshalb bei religiösen Zeremonien, als Grabbeigabe usf., nicht verwendet werden dürfe[6575]. Erst etwa im Verlaufe der Hyksos-Zeit (1785–1580) soll die Anschauung durchdringen, daß das Meteoreisen, „bj’-ni-pet“ (benipet, benipe; koptisch benîpe), als „Eisen des Himmels“ aus dem eisern gedachten Himmel herabfalle[6576], und soferne diese Etymologie richtig ist, — was nach LEPSIUS[6577] und SCHRADER[6578] ungewiß bleibt —, erschiene es begreiflich, daß seither das Eisen überhaupt allmählich höher geachtet und schließlich auch als für kultische Zwecke zulässig befunden wurde[6579]. Der auf Grund von Vorlagen aus dieser und noch älterer Zeit um 1500 niedergeschriebene medizinische „Papyrus EBERS“ erwähnt Eisen nur zweimal, als „Eisen aus der Stadt Qesi“ (in Oberägypten), und als „art-pet“ = himmelsgemachtes Eisen, d. i. wohl Meteoreisen, dem viele Völker seit jeher seines Ursprunges halber besondere Kräfte und namentlich auch Heilwirkungen zuschrieben[6580].
Zu Anfang des 15. Jahrhunderts eroberte THUTMOSIS III. (1501–1447) das eisenreiche Palästina und Syrien; eiserne Waffen und Geräte erscheinen auf seinen Siegesberichten als Tribute der den Libanon bewohnenden Retenu, sowie als Beutestücke (neben Gold, Silber, Chesbet, Mafek, ...), und das Eisen wird seit dieser Zeit in Ägypten häufiger[6581], ohne aber die Bronze schon weitgehend zu verdrängen[6582]. RAMSES II. (1348–1281) verlangt noch 1290 „reines Eisen“ (= Stahl) vom Chetiterkönig CHATTUSIL, der ihm erwidert, er habe augenblicklich keines vorrätig, werde es aber anfertigen lassen, und übersende ihm einstweilen eine eiserne (stählerne) Schwertklinge[6583]. Chetiter, die mit eisernen Waffen abgebildet werden, lieferten Eisen und Stahl auch noch unter der Regierung RAMSES III., um 1200, und erst seither kann man in Ägypten von einer eigentlichen Eisenzeit sprechen[6584], in der angeblich auch schon Gußeisen bekannt war, jedoch nicht oder kaum in Verwendung stand[6585]. Sehr allmählich entwickelte sich dann eine eigentliche Eisenindustrie, die aber ihren technischen Höhepunkt, unter weitgehender Spezialisierung, erst in der ptolemäischen und römischen Ära erreichte[6586]; sie verfiel während der späteren Kaiserzeit und der byzantinischen Herrschaft, so daß seit dem frühen Mittelalter Ägypten wieder fortdauernder Einfuhr bedurfte, die noch im Zeitalter der Kreuzzüge, trotz der päpstlichen und venetianischen Verbote jeglicher Waffenlieferung an Ungläubige, in fast unverminderter Weise fortdauerte[6587].
Die Sumerer sollen nach SCHRADER[6588] das Eisen schon vor der Einwanderung der Semiten, also um 3000 oder noch früher, gekannt und barza benannt haben[6589]; dies erscheint insoferne auffallend, als barzillu (barzel, barza) gerade das ur- und gemeinsemitische Wort für Eisen ist[6590], das als barzil auch in den biblischen Schriften vorkommt und noch den Namen des BERZELAIOS beim Historiker FLAVIUS JOSEPHUS (1. Jahrh.) sowie der äthiopischen Heiligen BERZELIA zugrunde liegt, die also nichts anderes bedeuten als der oder die Eiserne[6591]. Im babylonischen Gilgamesch-Epos, und zwar in einer etwa aus dem Jahre 2000 herstammenden Fassung, findet sich bereits der „Tod durch das Eisen“ erwähnt[6592], — falls keine spätere Einschiebung vorliegt; an eine solche zu glauben liegt aber insofern nahe, als unter HAMMURABI, also so ziemlich im nämlichen Zeitalter, Eisen noch für kaum bekannt gilt und nur 8mal niedriger als Silber, oder 24 mal niedriger als Gold im Preise stand[6593]. Während der Regierung der späteren und spätesten babylonischen und assyrischen Könige ist Eisen noch fortdauernd kostspielig und begehrt, so z. B. mußte der Philisterkönig MARI im Jahre 800 an HADADMIRARI IV. neben 20 Talenten Gold, 2300 Talenten Silber und 3000 Talenten Kupfer auch 5000 Talente Eisen abliefern[6594], ebenso der König HISKIA im Jahre 701 an SENACHERIB (SANHERIB) neben 20 Talenten Gold und 800 Talenten Silber auch Geräte aus Kupfer, Bronze, Zinn und Eisen[6595]; es kann daher nicht überraschen, daß z. B. bei den Ausgrabungen im Palaste zu Khorsabad, den SARGON II. 705 errichtete, ein Schatz von nicht weniger als 1600 dz Eisen (meist in Gestalt roher Luppen) zutage kam, der dort als Vorrat aufgehäuft und bei späterer Gelegenheit gänzlich verschüttet worden war[6596]. Sowohl nach diesen, wie nach den vorerwähnten ägyptischen Berichten zeichneten sich Palästina und Syrien durch großen Reichtum an Eisen aus. Die Angaben der biblischen Schriften lauten hierüber nicht übereinstimmend, was sich jedoch aus der Verschiedenheit ihrer Quellen und aus den oft weit auseinander liegenden Zeiten der Abfassung und Redaktion genügend erklärt. Wie LEPSIUS erinnert[6597], gehörten unter JOSUA eiserne Geräte noch zum Schatze des Heiligtums, die Lanzenspitze des in Erz gerüsteten GOLIATH bestand aus Eisen, und zum Baue des Tempels SALOMONIS (um 1000) wurden nicht weniger als 100000 Talente Eisen aufgewandt; unter der Regierung SAMUELS war dagegen kein Schmied im Lande vorhanden und man ließ die Geräte bei den Philistern schärfen[6598]. Ferner finden sich im alten Testamente eiserne Waffen und Geräte zwar öfters erwähnt, aber den erzenen gegenüber doch nur im Verhältnisse 4 : 83[6599], und bei Kulthandlungen darf von Eisen in der Regel kein Gebrauch gemacht werden[6600]. Aus späterer Zeit sei nur der Nachricht gedacht, daß NEBUKADNEZAR II. im Jahre 604 aus Damaskus an tausend Schmiede und Zimmerleute ins Exil wegführte[6601].
Die Perser verlegen die Erfindung des Eisens und Stahles in die fernste Urzeit und schreiben sie schon dem völlig mythischen König DSCHEMSCHID zu. FIRDUSIS „Königsbuch“ berichtet von ihm:
des weiteren erzählt FIRDUSI, daß gelegentlich der Einsetzung des gleichfalls mythischen Schahs FERIDUN das Schurzfell seines Parteigängers, des Schmiedes KAWE, zum Reichspanier erhoben wurde[6603] und daß es damals bereits einen „Bazar der Schmiede“ gegeben habe[6604]. Letzteres ist natürlich ein dem Dichter zu verzeihender Anachronismus, ebenso wie der (in die nämliche sagenhafte Periode verlegte) Gebrauch von Schwertern, Schilden, Speeren und Beilen aus indischem oder chinesischem Stahle[6605], von damascierten Klingen[6606] und von mittels Blut gehärteten [gekohlten = verstählten] Waffen[6607]. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Perser tatsächlich schon zu sehr früher Zeit jene hohe Vollendung in der Darstellung und Verarbeitung von Eisen und Stahl erlangten, die ihnen seitens aller antiken und mittelalterlichen Schriftstellen einstimmig nachgerühmt wird[6608], wobei nur an die persischen Ringel- und Kettenpanzer, an die sog. Sichelwagen, sowie an die Panzer-Reiter und -Rosse erinnert sei. Hiernach ist die Erwähnung des Stahles im (nachexilischen) „Buche DANIEL“, das starke iranische Einflüsse verrät, sowie im „Avesta“ leicht erklärlich[6609]; in diesem nimmt das Wort ayah, ursprünglich = Kupfer oder Bronze, allmählich die Bedeutung des Eisens an, das im „tannur“ (= Ofen) zurechtgeschmolzen wird[6610]. Stahl heißt im Pehlevi pulafat, im Neupersischen pulad, woher auch das russische bulatu rührt[6611]. Ein anderes, später weitverbreitetes Wort ist „andun“, das nach SCHRADER dem Ossetischen entstammen soll[6612], während es YULE vom persischen Hindwaniy und Hundwan = Indischer [Stahl] ableitet; dieses findet sich als Hindiah auch bei AVICENNA und ALIDRISI (im 11. und 12. Jahrhundert), sowie als Andaine, Andoine, Ondanique usf. auch bei frühmittelalterlichen europäischen Schriftstellern, z. B. bei MARCO POLO, der über die persischen Stahlwaren, u. a. die herrlichen großen Stahlspiegel, sowie über die Eisengewinnung in Kerman und Cobinam eingehend berichtet[6613].
Andun ist eine auch sonst in vielen kaukasischen Sprachen gebräuchliche Bezeichnung[6614], und es steht außer Frage, daß das Bergland des Kaukasus mit zu den Hauptausgangspunkten der Eisenerzeugung zählt[6615], wenn man es auch nicht zur „ersten“ Stätte der Erfindung stempeln kann, wie dieses FORRER mit dem Hinweise tut, daß Gräber aus dem 13. oder 11. Jahrhundert bei Koban (nächst Tiflis) eiserne Beigaben enthalten, und zwar noch sehr spärliche und rein ornamental ausgeführte[6616]. Auf dem Gebiete Vorderasiens und insbesondere Kleinasiens dürfte die Darstellung des Eisens mindestens bis 1500 v. Chr. zurückreichen[6617], und die metallographischen Untersuchungen der ältesten Funde zeigen, daß gewisse Kenntnisse vom Härten und wohl auch Anlassen des Stahles ebenfalls als schon uralte anzusehen sind[6618]. Besondere Wichtigkeit erlangte die Eisengewinnung in den erz- und holzreichen kleinasiatischen Landschaften am südöstlichen Ufer des schwarzen Meeres, bei den Mossynöken und Tibarenern (den Moschern und Tubal des alten Testamentes)[6619], vor allem aber bei den Chalybern, einem versprengten Reste der noch bei HERODOT erwähnten Alarodier[6620]; sie können zwar nicht als eigentliche „Erfinder der Kunst des Ausschmelzens von Erzen im Feuer, sowie der Darstellung von Eisen und Stahl“ gelten, wohl aber als deren eifrige und außerordentlich alte Pfleger[6621], von deren Namen (Χάλυβες, Χαλύβοι) sich u. a. der griechische Name χάλυψ (Chályps) für Stahl ableitet, den erst späte Scholiasten mit CHALYPS, einem angeblichen Sohne des ARES, in Verbindung bringen wollten[6622]. Als chalybisches Erzeugnis lernten jedenfalls die Griechen, vermutlich die kleinasiatischen, den Stahl zuerst kennen; das beim Propheten JEREMIAS erwähnte „nordische Eisen“ scheint gleichfalls Stahl der Chalyber gewesen zu sein[6623]; endlich führte auch ein Trupp nach dem Städtchen Doliche im nördlichen Syrien einwandernder Chalyber dort die Verehrung des „BAAL VON DOLICHE, des Erfinders des Eisens“ ein[6624], die noch zur Kaiserzeit durch syrische Söldner, Händler und Sklaven, als die des „JUPITER DOLICHENUS“ weithin durch das römische Reich verbreitet wurde, so daß z. B. Weihinschriften bekannt sind, die den „Jupiter optimus maximus Dolichenus“ ausdrücklich „natus ubi ferrum nascitur“ benennen („geboren, wo das Eisen herstammt“)[6625]. Dieser Baal (= Gott) der Chalyber ist indes, wie ED. MEYER erwies, kein anderer, als der Feuer- und Gewittergott TESCHUB der Chetiter[6626], und es erhebt sich hiernach die (derzeit nicht spruchreife) Frage, in welchem Verhältnisse die Chalyber zu den Chetitern standen, und ob sie vielleicht die Eisenerzeugung von ihnen entlehnten, oder umgekehrt? Daß sich die Chetiter bereits zur Zeit RAMSES II. (um 1300) altbewährten Rufes in der Stahlerzeugung erfreuten und sich mit eisernen Waffen und Geräten abgebildet finden, ist schon weiter oben erwähnt worden; sie besaßen auch Sagen über ein den Daktylen (= Däumlingen) analoges, schmiedendes Volk der Zwerge, Diener der „großen Göttin“, deren Kult bereits im 2. Jahrtausend bei ihnen nachweisbar ist[6627].
In der Ägäis erscheint das Eisen während der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends, ist gegen 1100 schon recht verbreitet[6628] und in Cypern vielleicht auch in Gestalt von Gußeisen nicht ganz unbekannt[6629]. Zu Troja wurden aus Schichten mittlerer Tiefe eiserne Rasierklingen, sowie stählerne oder verstählte Dolche zutage gefördert[6630], und ähnliche Funde sind auch aus der phrygischen Landschaft bekannt[6631]. Im mykenischen Zeitalter fehlt anfänglich, z. B. in Mykene und Tiryns, Eisen noch ganz und tritt auch später nur in sehr spärlichen Mengen auf[6632], denn einzelne Exemplare von Waffen, die sorgfältig mit Streifen aus Gold, Kupfer oder Bronze eingelegt sind, sprechen noch für seine Seltenheit und Kostbarkeit[6633]; erst gegen Ende der Periode erfolgt hierin jener tiefgreifende Wandel, der das allgemeine Übergewicht des Eisens in den nachfolgenden Jahrhunderten anbahnt[6634].
Zu den Griechen verbreitete sich das Eisen seit etwa 1500 von Kleinasien, Syrien und Phönizien her, jedoch nur äußerst langsam[6635], so daß eine eigentliche Eisenzeit erst mit dem Erlöschen der mykenischen Kultur einsetzt und zu durchgreifender Bedeutung nicht vor 1300, nach anderen Forschern sogar nicht vor 1000 gelangt[6636]. Die Erinnerung an eine Epoche, zu der es, wie HESIOD sagt, „noch kein dunkles Eisen gab“ (μέλας δ’ οὐκ ἔσκε σίδηρος)[6637], und man dieses Material noch nicht „zum Unheil der Menschheit entdeckt hatte“[6638], war im heroischen Zeitalter noch nicht erloschen; den homerischen Gesängen sind jedoch, namentlich in den Teilen mittleren und jüngeren Alters, Eisen und Stahl schon durchaus geläufig (wenngleich sie ihnen noch eine gewisse Seltenheit und Kostbarkeit zusprechen), und der χαλκεύς (Chalkeús), der ursprünglich nur Kupfer und Edelmetall bearbeitete, ist bereits zum Eisenschmiede geworden[6639]. Einen σόλον ἀυτοχόωνον, d. i. einen erweicht gewesenen Eisenklumpen, eine Rohluppe, setzt ACHILLEUS als Kampfpreis aus[6640]; Eisen dient als Tauschmittel[6641], MENTES bringt Eisen nach Temese und holt dagegen dort Kupfer[6642]; der Schmied härtet φαρμάσσων (d. h. ein Phármakon, ein Kunstmittel, anwendend) das Beil in kaltem Wasser[6643]; Waffen und Werkzeuge bestehen aus Eisen, richtiger wohl aus Stahl, der als κύανος (Kýanos) = der Blaue, oder als ἰόεις = der Veilchenfarbige bezeichnet wird[6644]; das graue Eisen (πολιός) und der funkelnde Stahl (αἴθοψ) sind πολύκμητος = mühevoll zu gewinnen und zu bearbeiten[6645]; endlich ist auch oft schon in übertragenem Sinne von einem eisernen Herzen, Gemüte, Kampfe usf. die Rede. Einen besonderen Namen für Stahl gebraucht HOMER nicht, ein solcher, und zwar Adamas = der Unbezwingliche, findet sich erst bei HESIOD, der von einer ἀδάμας κυνέη, einer stählernen (ihrer Härte wegen unbezwinglichen) Sturmhaube spricht[6646]. — Den Stahl der Chalyber lernten die Griechen anfänglich wohl in Kleinasien kennen, näher aber erst seit der Kolonisation der Pontos-Küsten, die ungefähr gegen 750 begann[6647]; in der Litteratur tauchen die „eisenbearbeitenden Chalyber“ (Χάλυβες σιδηροτέκτοντες) und ihr Erzeugnis, der Stahl (χάλυψ, Chálybs), zuerst[6648] bei AISCHYLOS auf[6649], später auch bei SOPHOKLES[6650] und EURIPIDES[6651], bei XENOPHON, nach dem „fast alle Chalyber von der Herstellung des Eisens (σιδηρία) leben“[6652], und auch bei anderen Schriftstellern.
Wann die Griechen selbst mit der Eisengewinnung begannen, läßt sich nicht genau angeben, doch dürfte es kaum vor 1000 geschehen sein[6653], und zwar zunächst auf den erzreichen Inseln, wie Samothrake und Euböa[6654], sowie in den erzreichen Landschaften, z. B. Sparta und Böotien[6655], nicht aber in Kreta, Rhodus und anderen metallarmen Gegenden[6656]; in diese verlegte erst eine spätere Zeit den Schauplatz von Sagen, deren ursprüngliche Heimat das nordöstliche Kleinasien und Kolchis, Syrien und Cypern, vor allem aber Phrygien war[6657], und die gewisse übernatürliche Wesen betrafen, Zwerge oder Riesen, bekannt als Daktylen, Kabiren, Kureten, Korybanten und Telchinen, die in Wäldern und Höhlen das Schmiedehandwerk ausübten und als Meister ihrer Kunst geschätzt, ebensosehr aber als arglistige und trugvolle Bösewichte gefürchtet wurden[6658]. Ein Gedicht über die Kureten und das Eisenschmieden soll bereits HESIOD verfaßt haben[6659]. Von den Daktylen meldet der Dichter HELLANIKOS (gest. um 400)[6660] in der „Phoronis“, sie hätten in Phrygien, im troischen Ida-Gebirge, als ιδαῖοι γόητες (idäische Zauberer) und werktätige kunstgeübte Dämonen die Bereitung des Eisens erfunden, und zwar im Dienste und Auftrage der auch ADRASTEIA genannten „großen Göttin“, der „großen Mutter“, der „Mutter der Berge“ (μήτηρ ορείη), die als Herrin der Klüfte auch deren Erze durch ihre Gefolgleute, die κόβαλοι (Kobolde)[6661], fördern und bearbeiten läßt. Über Zahl, Geschlecht und Name der Daktylen gehen die Berichte jüngerer Quellen auseinander, was sich aus dem unter hellenistischen und orphischen Einflüssen entstandenen synkretistischen Wirrwarr und der Verbindung und Verwechselung mit Kureten und Kabiren, Telchinen und Korybanten genügend erklärt; nach HELLANIKOS jedoch hießen die drei phrygischen oder idäischen Daktylen KELMIS (Amboß), AKMON (Hammerstein) und DAMNAMENEUS (Bezwinger)[6662]. Bis in späte Zeiten hinein gelten diese „Erfinder und Bearbeiter des bläulichen Eisens (= Stahles) im phrygischen Ida“ als δημιουργοί (hier = Kunstkundige), φαρμακεῖς (hier = Wundertäter) oder γόητες (Zauberer)[6663], und demgemäß spielt DAMNAMENEUS noch in den Zauberpapyri eine Rolle[6664]; auch PLUTARCH erwähnt, daß die (kauderwelschen) Worte „Damnameneus, askion, kataskion, lix, tetrax, aïsion“ ein unfehlbares Schutz- und Heilmittel darstellten, da sie „ephesische Charaktere“ seien, d. h. solche, die sich auch an der Statue der ephesischen DIANA angeschrieben fanden[6665]. Die „große DIANA von Ephesos“[6666] ist aber nur eine der Formen, unter denen die schon wiederholt erwähnte „große Göttin“ seit dem zweiten Jahrtausend in ganz Vorderasien verehrt wurde[6667], und mit ihrem Kult gerieten die Daktylen offenbar auf die nämliche naheliegende Weise in Verbindung, wie etwa mit jenem der DEMETER als Herrin Samothrakes und seiner Mysterien[6668]. Die Versetzung der Daktylen nach Kreta erklärt sich vermutlich durch Identifikation des kretischen Berges Ida mit dem phrygischen; auf welchem Wege aber aus den Daktylen, die in Phrygien ursprünglich (wie schon ihr Name besagt) als Däumlinge angesehen und verehrt wurden, die gewaltigen Riesen hervorgingen[6669], die schließlich als cyklopische Schmiedegesellen des HEPHAISTOS galten, bedarf noch der näheren Erforschung.
Über die Technik der griechischen Eisendarstellung liegen nur mangelhafte Nachrichten vor; ursprünglich scheint es sich um sog. Rennarbeit gehandelt zu haben, bei der man die Erze in kleinen Gruben mit Kohle zum μύδρος (Mýdros; Massa) niederschmolz, worauf dieser dann noch glühend und weich zu Schmiedeeisen ausgehämmert wurde, ein Vorgang, der nach HERODOT noch zur Zeit des KRÖSUS (im 6. Jahrhundert) dem Zuschauer sehr neu und wunderbar erschien[6670] und keineswegs stets derartig glückte, daß das Eisen tadellos und frei von Hohlstellen (διπλόη, Diplóe) ausfiel[6671]. Derartiges Schmiedeeisen dürften die sog. spartanischen Spieße (ὀβελοί, ὀβελίσκοι; Obelisken) gewesen sein, die, ebenso wie eiserne Ringe und Barren, in Sparta und anderen peloponnesischen Staaten als „Eisengeld“ dienten, richtiger als Metall in gebrauchsfähiger und daher stets verwertbarer Gestalt[6672]. Erster Erfinder des Zusammenschweißens (κόλλησις, Kóllesis) von Eisenstücken, — nicht, wie meist angenommen wird, des Verlötens —, war HERODOT zufolge[6673] GLAUKOS von CHIOS (um 700), der aber wohl eher nur als Verbreiter des Verfahrens anzusehen ist[6674]. Eigentliches Gußeisen, also dünnflüssig geschmolzenes, nicht nur in zäher Form ausgeschmolzenes Eisen, scheint in Griechenland, wie überhaupt bei den Alten, nicht oder nur im kleinen gelegentlich dargestellt worden zu sein, da man keine Hochöfen besaß, die die zur Gewinnung bedeutender Massen erforderliche Temperatur zu erreichen gestatteten[6675]. Die einschlägigen Litteraturstellen sind durchwegs so unsicherer und fragwürdiger Natur[6676], daß selbst jene Fachmänner, die sie zugunsten einer Kenntnis des Gußeisens auszulegen geneigt sind, entweder zugestehen, von Vorschriften einer eigentlichen Gießereitechnik könne nicht die Rede sein[6677], oder annehmen, diese wären aus nicht näher bekannten Gründen wieder in Vergessenheit geraten und verloren gegangen[6678], — wobei insbesondere noch eine Bemerkung des Alexandriners ARISTARCHOS (220–145) zu beachten ist, der gemäß „Eisen nicht (so wie Erz) gegossen wird“[6679]. Was aber die Fundstücke und deren metallographische Untersuchung anbelangt, so dürfen die Deutungen nur mit größter Vorsicht aufgenommen und keinesfalls verallgemeinert werden, da man von den Erzeugnissen des Altertums in keiner Hinsicht Gleichmäßigkeit und Einheitlichkeit zu erwarten, vielmehr stets zu bedenken hat, daß es sich um Produkte rein empirischer Verfahren handelt, deren Beschaffenheit je nach der Art der Rohstoffe und der Geschicklichkeit des Künstlers innerhalb weiter Grenzen schwanken kann, und die nicht selten sogar am nämlichen Stücke Übergänge zwischen den verschiedenen Arten des Eisens aufweisen[6680]. Die klare Erkenntnis, daß Gußeißen (mit 2,25–5% Kohlenstoffgehalt) durch teilweise Entkohlung in Stahl (mit über 0,4–0,5% Kohlenstoff) übergeht und umgekehrt, ist eben eine sehr neue Errungenschaft; noch was die besten Autoren des 16. bis 18. Jahrhunderts schreiben[6681], läßt ersehen, wie gänzlich sie im Dunkeln tappen, ja noch 1805 sagt der hervorragendste Technologe seiner Zeit, BECKMANN, mit gewohnter Redlichkeit: „Was eigentlich das Eisen zu Stahl macht, wissen wir noch nicht einmal, ... ob eine Verdichtung, ob ein Verlust oder Zusatz, ob ein solcher von Kohlenstoff oder etwas anderem“[6682]. Ebenso meint DÖBEREINER noch 1815, daß es eine Beimischung von Braunstein sei, die das Eisen zum Stahle mache[6683]. Hiernach erscheint es leicht begreiflich, daß zwar die Kunstgriffe, Eisen durch Erhitzen und Abkühlen, Härten und Anlassen, in Stahl überzuführen, schon frühzeitig entdeckt und ausgeübt wurden, daß man aber die Vorgänge hierbei nur unzureichend zu beherrschen und gar nicht ihrem Wesen nach zu beurteilen verstand. Dem Löschen in Wasser oder Öl, welches letztere schon dem HIPPOKRATES geläufig ist[6684], haftet daher in seinen Wirkungen etwas Zauberisches an[6685], es ist ein Ummischen und Umfärben (βαφή, Baphé), ein temperare und tingere[6686], dessen Erfolg in weitgehendem Maße von der geheimnisvollen Beschaffenheit des benützten Wassers abhängt[6687] und durch das Geheimmittel des für äußerst „hitzig“ geltenden Bocksblutes in hohem Grade gefördert werden kann[6688].
Den Namen des Eisens, der schon bei HOMER σίδηρος (síderos), dorisch und äolisch auch σίδαρος (sídaros) lautet[6689], brachte POTT mit sidus (= Gestirn) in Verbindung, ausgehend von der Vorstellung über den himmlischen Ursprung des Meteoreisens und die eiserne Beschaffenheit des Himmelsgewölbes[6690]; nach SCHRADER fehlt aber hierzu jegliche Berechtigung[6691], es ist vielmehr das kaukasische zido = Eisen zugrunde zu legen, an das auch eine Reihe kaukasischer Ortsnamen anklingt[6692]; PAULI endlich verweist auf ein ähnliches, in manchen Eigen- und geographischen Namen Lykiens erhaltenes Wort, ferner auf das verwandte etruskische sethala (Eisen), auf SETHLANS (den etruskischen VULKAN = den Eisernen), sowie auf die Benennung Haithalia, Saithalia (= Land des Eisens), die sowohl der dem HEPHAISTOS heiligen Insel Αἰθάλεια (Aitháleia, d. i. Lemnos) als auch dem eisenreichen Eilande Elba zukommt[6693]. — „Magnetis“ (ἡ μαγνησίη λίθος, der magnesische Stein) ist nicht die Bezeichnung unseres heutigen Magneten oder überhaupt eines bestimmten einheitlichen Minerals, sondern, wie schon in früheren Abschnitten erwähnt, die sehr verschiedener Gesteine, die im Gebiete der Städte namens Magnesia vorkommen, z. B. bei Magnesia am Mäander, Magnesia am Sipylos, Magnesia in Mazedonien. Der eigentliche Magneteisenstein war seit alters her bekannt und seiner wunderbaren Eigenschaften halber auch als Heilmittel gebraucht, kann also sehr wohl unter dem „magnetischen Stein“ der hippokratischen Schriften zu verstehen sein[6694]; der μαγνῆτις λίθος des THEOPHRASTOS hingegen, das silberglänzende Gestein, das man nach ihm u. a. auf der Drehbank bearbeitete[6695], war vermutlich Hämatit, denn die oft prächtig silberfarben schimmernden, feinkörnigen Varietäten dieses Erzes wurden sowohl in Babylonien als in Ägypten schon seit jeher hochgeschätzt und zur Herstellung von Siegelzylindern, Schmucksteinen u. dgl. verwendet[6696].
In Italien beginnt die eigentliche Eisenzeit um 1150 v. Chr.[6697], doch war das Eisen, insbesondere das Elbas, schon einige Jahrhunderte vorher bekannt[6698], vielleicht bereits bald seit dem Auftreten der Etrusker, das einige Gelehrte vor der Mitte, andere gegen das Ende des 2. Jahrtausends stattfinden lassen[6699]. In den ältesten etrurischen Nekropolen von Felsina (Bologna) und Villanova spielt das Eisen der Bronze gegenüber noch kaum eine Rolle[6700], nach dem Jahre 1000 nahm aber seine Erzeugung erheblich zu und wurde bald so bedeutend, daß aithalisches Eisen zur See bis nach Griechenland ausgeführt wurde[6701]; in Oberitalien war jedoch Eisen um diese Zeit noch sehr selten und in den Pfahldörfern der Po-Ebene, auch in jenen, die an Kupfer und Bronze schon recht reich sind, fehlt es gänzlich[6702]. In Rom gab es, wie die neueren Ausgrabungen erwiesen, schon vor der Zeit der angeblichen Stadtgründung Eisenschmiede, deren Erzeugnisse völlig die Formen der uralten bronzenen besaßen[6703]. Zu Beginn der Republik (um 500) unternahm es der etrurische König PORSENNA, den besiegten Römern jede Verwendung des Eisens außer zu Ackergeräten zu verbieten[6704]; sie bedienten sich also damals offenbar noch überwiegend des Erzes, das sich aber auch späterhin lange Zeit mannigfacher Bevorzugung erfreute, die namentlich in kultischen und abergläubischen Gebräuchen zutage tritt: so z. B. durfte bei vielen religiösen Zerimonien, u. a. beim Dienste der Arvalbrüder, kein Eisen benützt werden[6705], ebensowenig beim Beginne des Pflügens und Aussäens, bei den Feld- und Gartenarbeiten während des Vollmondes[6706], beim Einernten heilkräftiger Pflanzen[6707], usf. Grund derartiger Vorschriften war die Annahme, das Eisen vernichte und zerstöre die Wirkung der Geister, denen es widerlich und verhaßt sei[6708]; in späterer Zeit entsprang ihr die Lehre, man könne Eisen, als den Feind böser Geister, auch benützen, um diese fernzuhalten, zu vertreiben, sowie ihren Zauber zu brechen, und es ist wahrscheinlich, daß den eisernen Ringen der Römer, besonders den eisernen Brautringen, der Charakter eines schützenden Amuletts zukam[6709].
Die Etymologie des Wortes „ferrum“ ist noch strittig; „acies“ bezeichnete, wie das griechische στόμωμα (Stómoma), ursprünglich die Schärfe, den verstählten schneidenden Teil des Eisens, erst weiterhin aber den Stahl selbst, der auch als „nucleus ferri“ = Knospe oder Blüte des Eisens angesehen wird, also als dessen Bestes und Edelstes[6710].
In Ostasien ist China ein ganz selbständiges Gebiet der Eisendarstellung, die nach einigen Überlieferungen bis gegen 3000 zurückreichen soll[6711]; nach anderen hingegen besaßen die Chinesen zur Zeit der Einwanderung der „hundert Familien“, d. i. des Volkes, nur steinerne Waffen und Geräte, — weshalb auch „Beil“ noch jetzt mit dem Zeichen des Steines geschrieben wird —, und nahmen das Eisen erst viel später in Gebrauch, ganz allgemein sogar erst in den letzten Jahrhunderten v. Chr.[6712]. Auch die von PFIZMAIER zusammengestellten Berichte melden, daß den Chinesen anfänglich das Eisen fremd war[6713], daß sie es sodann kennen lernten und als Tribut einhoben[6714], nachher aber auch selbst herstellten, und zwar mit so großem Nutzen, daß „Eisenschmelzen“ für ein wichtiges und den Weg zum Reichtum erschließendes Gewerbe galt, das zuletzt nur mit Genehmigung der Obrigkeit und unter Überwachung durch eigene Beamte, die „Behörden des Eisens“, betrieben werden durfte[6715]. Genaue Zeitangaben über diese Entwicklung fehlen, doch wird z. B. erzählt, daß der Vater des CONFUTSE (CONFUCIUS), der zu Beginn des 6. Jahrhunderte v. Chr. lebte, die Riesenkraft besaß, allein eine schwere eiserne Gitter-Falltüre zu heben[6716], und daß um 500 v. Chr. chinesische Lehrmeister die Kunst der Eisengewinnung nach Japan verpflanzten[6717]. Schon frühzeitig sollen die Chinesen den Eisenguß, die Überführung von Guß- in Schmiedeeisen und umgekehrt, sowie die Darstellung des Stahles verstanden haben[6718], doch mangelt es auch hier an sicheren zeitlichen Bestimmungen. Die 5 m hohe gußeiserne Riesenfigur des thronenden BUDDHA zu Tschinanfu wurde angeblich im 6. Jahrhundert n. Chr. vollendet[6719]; ferner stellte man schon damals große eiserne Glocken her, — deren Schall, wie der aller Eisengeräte, die bösen Geister vertreiben sollte[6720] —, obzwar keine so riesigen, wie die 1403 auf Befehl Kaiser YUMLÖS gegossene von 625 dz Gewicht[6721]; endlich verfertigte man aus Gußeisen auch kleinere Gegenstände, u. a. die bekannten gelochten Scheidemünzen, die an Schnüren aufgereiht werden[6722]. Ob dem Eisen und Stahl der Serer, die schon PLINIUS als die besten von allen rühmt[6723], chinesischer Ursprung zuzuschreiben sei, steht dahin, da die vielerörterten Fragen, wer die Serer waren, wo ihre Wohnsitze lagen, und ob man sie als Erzeuger oder nur als Vermittler anzusehen habe, noch immer nicht endgültig gelöst sind[6724]. Der chinesische Buddha-Pilger I-TSING, der 671–695 n. Chr. Indien bereiste, rühmt den hohen Tauschwert des Eisens auf den Inseln des chinesischen Meeres[6725]; die malayischen Bewohner des indischen Archipelagus schätzten es hoch, fürchteten aber sein „Gift“ und zerstörten dieses vor der Benützung durch Zaubersprüche[6726]; die Araber bezogen schon in vorislamischer Zeit chinesische Eisen-(Stahl-)Waffen und berichteten später über den Eisenreichtum Chinas, über die dort befindlichen Magnetberge[6727] und über die Gewinnung großer Mengen trefflichen Eisens und Stahles, — deren auch noch MARCO POLO an verschiedenen Stellen seiner Landesbeschreibung gedenkt[6728].
Den Indern war das Eisen bereits in der letzten Hälfte des 2. Jahrtausends bekannt, eine eigentliche Eisenzeit setzt aber erst um 1000 v. Chr. ein[6729], also gegen Ende der vedischen Periode[6730]; es steht hiermit keinesfalls im Widerspruch, daß die Veden, deren Wortlaut mancherlei Veränderung erlitt und schriftlich erst in verhältnismäßig sehr neuer Zeit festgelegt wurde, sowohl des „dunkelblauen ayas“ (des Stahles) gedenken[6731], als des Eisens, von dem es im „Rigveda“ heißt: