Aus dem Dargelegten ergibt sich zur Genüge, daß das „Antimonium“ des CONSTANTINUS AFRICANUS nichts weiter ist als ein latinisiertes Anthemónion oder Anthimónion und unmittelbar aus dem Spätgriechischen stammt; SIMON JANUENSIS und MATTHAEUS SYLVATICUS erwähnen in der Tat, — was bisher unbemerkt geblieben zu sein scheint —, eine griechische Form Antimonos[7042], deren Quelle sie zwar nicht angeben, die aber, da sie um 1300 schrieben, im 13. Jahrhundert jedenfalls noch gebräuchlich war. In einem gegen 1400 verfaßten byzantinischen Goldschmieds-Traktate glaubte BERTHELOT das Wort ἀντεμόνιον (Antemónion) zuerst vorgefunden zu haben, sprach aber sogleich die Vermutung aus, daß es wohl schon weit älterer Herkunft sei[7043]; diese ließe sich bis an die Schwelle der alexandrinischen Zeit zurückverfolgen, falls sich ergäbe, daß das bisher fragwürdig gebliebene „Antimio di damia“ der „Compositiones ad tingenda ...“ (8. Jahrhundert), das BERTHELOT für einen Firnis (oder eine Farbe) der Glasmaler hält[7044], mit Antimon zusammenhängt und etwa „Antimon aus Damiette“ (Ausfuhrhafen in Ägypten) bedeutet.
Für den durch die bekannte Erscheinung des spätgriechischen sog. Itacismus hinreichend erklärten Übergang von e in i, also Anthemon in Anthimon, sowie für jenen des th zu t, also Anthimon in Antimon, sind schon oben Belegstellen angeführt worden[7045]; die auf den griechischen Ursprung zurückgehende Schreibweise Anthimonium, mit th, blieb übrigens noch lange Zeit lebendig, sie findet sich u. a. in des GERHARD VON CREMONA (1114–1187) lateinischer Übersetzung des ALRAZI[7046] und SERAPION[7047] (auf 3 Seiten 13mal), bei JOHANNES PLATEARIUS (um 1175)[7048], bei ARNOLDUS DE VILLANOVA[7049], in der Pestschrift des Mailänder Arztes CRATO von 1378[7050], in der Eßlinger Apothekertaxe von etwa 1550[7051], in QUATTRAMIS alchemistischem Werke „La vera dichiaratione“ von 1587[7052], in KHUNRATHS „Medulla destillatoria“ (1594)[7053] und in des LIBAVIUS „Alchemistische Practic“ (1603)[7054].
Die Voraussetzung, daß dem Dargelegten zufolge auch etwa das arabische Athmid (Itmid) durch Entstellung von Anthemon entstanden sei, ist nach RUSKA nicht wahrscheinlich; Ithmid geht vielmehr auf Stimmi zurück, und die zahlreichen Nebenformen, deren sich insbesondere die lateinischen Übersetzer der arabischen Autoren bedienen, sind (wie in so vielen ähnlichen Fällen) durchaus nur durch Verballhornungen der richtigen Aussprache und durch Einschiebung beliebiger Vokale zu erklären.