250 Sammlung Russischer Geschichte. St. Petersburg 1763. VIII. 101. 188.
251 Archiv f. Anthropol. XI. 323.
252 J. G. Müller a. a. O. VI. 540.
253 Popow in Zeitschr. für Ethnologie 1878. 461.
254 v. Middendorff, Sibirische Reise. IV. 1557.
255 Dieser Blasebalg erscheint auch bei den Völkern im europäischen Rußland, so bei den nomadisierenden Kalmüken am Uralflusse, die kleine Eisenarbeiten und Waffen — trotz ihrer nomadisierenden Lebensweise — zu verfertigen verstehen. „Ihr Blasebalg besteht bloß in einem ledernen Sack mit einer Röhre in einer zwischen zwei glatten Hölzlein gefaßten Öffnung, welche sie mit der Hand ergreifen und, indem der Sack aufgehoben wird, öffnen, darauf schließen und den Sack zugleich niederdrücken.“ (Pallas, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches. St. Petersburg 1771. I. 324.)
256 Unter Tungusen und Jakuten. Leipzig 1882. 143.
257 „Vor Alters war alle Gerätschaft von Eisen und anderem Metall in Sibirien sehr kostbar. Wenn man (die Russen) zu einem neubezwungenen Volke kam, welches entweder gar nicht oder noch nicht zu Genüge damit versehen war, so bekam man für einen eisernen oder kupfernen Kessel so viel Zobel und schwarze Füchse, als sich dahinein packen ließen.“ Müller, Sammlung Russ. Geschichte. St. Petersburg 1758. III. 485.
258 Kamtschatka. 247. 320.
259 Krascheninnikow, Kamtschatka. Lemgo 1766. 223. 225. — Erman (Reise um die Erde. III. 454) fand einen Obsidiannucleus, von dem Spähne abgeschlagen waren, zu Maschura in Kamtschatka. Die Bestimmung desselben war den Eingeborenen unbekannt. Er schloß daraus, daß infolge des Verkehrs mit den metallreichen Japanern „das sogenannte steinerne Zeitalter für Kamtschatka schon sehr früh seine Endschaft erreicht hätte. Namentlich aber weit vor der Ankunft der Russen“. Das steht aber im direkten Widerspruch zu Steller's Angabe.
260 v. Ditmar, Über die Koriäken. Melanges russes. Tome III. 1./13. Juni 1855.
261 Globus XXVI. 347 (1874).
262 Nordenskiöld, Umsegelung Asiens und Europas auf der Vega. II. 93. 106. 108. 110. 111. 117.
263 Nordenskiöld. I. 405.
264 Pallas, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches. St. Petersburg 1771. I. 246.
265 Butenew im Archiv f. Wissenschaftl. Kunde von Rußland. XXIV. 509.
266 Pallas a. a. O. II. 608.
267 Pallas, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig 1783. IV. 207.
268 Die Kulturwörter in den westfinnischen Sprachen. 63.
269 Ahlqvist a. a. O. 66.
270 Ahlqvist a. a. O. 67. 70.
271 Reise um die Erde. Berlin 1838. II. 38.
272 Journ. Anthropol. Instit. III. 175.
273 Bull. soc. d'Anthropologie 1873. 441 ff.
274 Radloff in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1871. 83 ff.
275 Pallas, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches. III. 386 und Tafel VII. Der hier abgebildete „Ehrenstab“ und die Glocken sind mit ziemlich gut ausgeführten Steinböcken versehen — alle Gußwaren zeigen eine vorgeschrittene Technik. Diese Steinböcke (wohl Argali) sind charakteristisch für die gegossenen Kupferobjekte der Gräber am Jenisei. Man braucht sie aber nicht in eine wohlfeile Parallele mit Ziegen- und Antilopenbildern auf altgriechischen Vasen und Schwertbeschlägen der la Tène-Periode zu bringen, um ein Hauptargument dafür zu gewinnen, daß jene Tschuden die Lehrmeister der Urindogermanen in der Metalltechnik waren, wie dieses Prof. Unger thut (Mitteil. aus dem Göttinger Anthropol. Verein. 1874. I. 25). Eine solche Analogie hat keine Beweiskraft, ebensowenig wie die hier angezogene Spirale, da beides sich von selbst ergebende Darstellungen bei den verschiedensten Völkern des Erdballes sind.
276 A. a. O. II. 360-362. 384.
277 Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1882. 430 ff. — Vergl. den Bericht von Hawelka über die Ausgrabungen der k. archäolog. Kommission in Sibirien. Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. VII. 221 ff.
278 Ph. J. von Strahlenberg, Das Nord- und östliche Teil von Europa und Asia. Stockholm 1730. 313. 317. 356. 359. 399 und Taf. III. IV und XX.
279 Meynier et L. d'Eichthal, Les Tumuli des anciens habitants de la Sibérie, Revue d'Anthropol. 1874. 270. 274.
280 Mitteil. der sibirischen Abteilung der russ. geogr. Ges. II. Heft 4 u. 5. 1872. — Arch. f. Anthropologie. XI. 318.
281 Schott in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1883. 242.
282 H. Vambéry, Die primitive Kultur des turko-tatarischen Volkes. Leipzig 1879. 174-177.
Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen.
Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt. Sir John Lubbock erzählt, daß bei der Entdeckung Amerikas am La Plata eine Völkerschaft gewohnt habe, welche mit Eisen beschlagene Pfeile besaß; die Beschläge wurden, wie man glaubt, aus Klumpen gediegenen Eisens gewonnen.[283] Lubbock führt keine Quelle für diese Angabe an; bestätigt sich dieselbe, so kann es sich nur um Meteoreisen handeln, das von jenen Indianern etwa ähnlich wie von den Eskimos verwendet wurde. Dahin gehört wohl auch, was Acosta von eisernen Keilen (cuños de hierro) berichtet, die in Paraguay als Münze umliefen.[284] Es läßt sich sonst keine Spur von Eisenverwendung im vorkolumbischen Amerika nachweisen. Die Mounds des Mississippithales enthalten nach Squier Silber-, Kupfer-, Stein- und Knochengeräte, aber kein Eisen ist — von einem einzigen Meteoreisenfunde abgesehen — gefunden worden.[285] Nirgends weist die Sprache der alten Kulturvölker Amerikas auf das Eisen hin, und wo Spanier, Portugiesen, Engländer mit den Eingeborenen in Berührung kamen, bestätigen sie überall die Unbekanntschaft derselben mit dem Eisen. Von den Cariben schrieb 1494 Kolumbus, daß sie, weil sie kein Eisen besäßen, ihre Pfeilspitzen aus Schildpatt oder Fischstacheln herstellten.[286] Der Eindruck, welchen die Unbekanntschaft der Eingeborenen der neuen Welt mit dem Eisen auf die ersten Entdecker hervorbrachte, war ein tiefer, und zwei Jahre nach der Auffindung Amerikas durch Kolumbus schrieb Dr. Chanca an das Domkapitel zu Sevilla: „Tienen muchas ferramientas, ansi como hachas e azuelas hechas de piedra tan gentiles é tan labradas que es maravilla como sin fierro se pueden hacer.“ Mit ihren trostlosen Werkzeugen aus Stein und Muschelschalen verfertigten sie Skulpturen aus Holz, Götzenbilder, kunstreich geschnitzte Sessel und Zieraten für die Schnäbel der Schiffe. Am besten geriet diese Industrie den kunstsinnigen Bewohnern der Insel Guanaba im Westen von Haiti. Gold wurde als Schmuck geschätzt und in der Nase getragen; auf Haiti verarbeitete man es zu Stangen und mancherlei anderen Dingen, namentlich zu Marken, die mit guten Steinen besetzt waren; auch von goldenen Kronen der Kaziken ist die Rede; doch verstanden sie — worauf in kulturhistorischer Beziehung viel ankommt — es nicht zu schmelzen, sondern nur zu hämmern.[287] Wie findig aber die Eingeborenen Kubas sich dem neuen Metall gegenüber zeigten, erkennen wir daraus, daß sie, wie Oviedo (lib. VII. cap. 8) bezeugt, es verstanden, sich der eisernen Fesseln in spanischen Gefängnissen zu entledigen, indem sie Schnüre aus den Fasern des Henequenhanfes mit feinem Sande bestreuten und die Ketten so durchfeilten[288] — ein Fingerzeig dafür, wie auch manche Steine bearbeitet wurden.
Verwendung von Meteoreisen bei den Eskimos. Meteorisches Eisen war bei den Amerikanern früh im Gebrauche und es wird namentlich bei den Grönländern und Eskimos von verschiedenen Reisenden erwähnt. In bezug auf den Kulturfortschritt, das Eisen aus den Erzen geschmolzen zu haben, ist dieses Vorkommen des gediegenen Metalles bei jenen Nordländern aber ohne alle Bedeutung. Sie haben heute noch nicht, wiewohl sie mit dem europäischen Eisen nun lange bekannt sind, die Darstellung desselben erlernt und es liegt hierzu bei ihnen auch keine Veranlassung vor, abgesehen davon, daß die Rohmaterialien, Eisenerz und Kohlen, meist fehlen. Das Meteoreisen aber, welches die Eskimos zu Messern, Pfeilspitzen etc. verwerteten, wird von ihnen wie der Stein gehandhabt und verarbeitet durch einfaches Zuschleifen und Fassen in Holz oder Knochen, gerade so wie das gediegene Kupfer bei südlicher wohnenden Indianerstämmen.
Als 1823 Clavering und Sabine den nördlichsten Teil Ostgrönlands entdeckten, trafen sie dort unter 75° nördl. Br. noch einige, seitdem ausgestorbene Eskimos, die zum erstenmale weiße Menschen sahen und die auch mit den Grönländern der Westküste in keinerlei Beziehungen standen. Dieser abgeschiedene Posten besaß Harpunen und Speere mit Knochenspitzen, doch waren einige Spitzen von Eisen, welches allem Anscheine nach meteorischen Ursprunges war.[289]
Von der Westküste Grönlands kennen wir durch denselben Sabine auch verarbeitetes Meteoreisen. Als er 1818 mit John Ross den kleinen Eskimostamm am Kap York (am Eingange des Smithsundes) entdeckte, fielen ihm sogleich die Messer dieser Polarmenschen auf. Er berichtet[290]: „Jeder der uns am 10. August besuchenden Eskimos, und ich glaube jeder der uns später besuchenden, besaß ein roh gearbeitetes Instrument, welches die Stelle eines Messers vertrat. Der Griff war aus Knochen von 23-28 cm lang und dem Handgriffe eines Einschlagemessers ähnlich gearbeitet; in einem auf der Kante entlang laufenden Einschnitte sind dann eine Anzahl plattgeschlagener Eisenstückchen, von drei bis zu sieben Stück bei einzelnen Messern und gewöhnlich bis zur halben Länge des Messers, eingefügt. Keines dieser Stücke war an dem Handgriffe besonders befestigt, mit Ausnahme des die Spitze bildenden, welches in der Regel zweischneidig und roh vernietet war (Fig. 31). In der ersten Antwort auf unsere Frage, woher sie das Eisen erhalten hätten, wurde uns zu verstehen gegeben, sie hätten es am Meeresufer gefunden, und wir vermuteten, es stamme von den Beschlägen gelegentlich an die Küste getriebener Tonnen. Nur wunderten wir uns über die Leichtigkeit, mit welcher sie ihre Messer hergaben; sie erhielten allerdings unendlich viel bessere Messer im Austausche gegen die ihrigen, es schien uns aber doch, als ob sie das so zufällig erhaltene Eisen nicht so hoch schätzten, als wir erwarten konnten. Das veranlaßte eine Diskussion unter uns, bei welcher einige der bei der Befragung der Eskimos in der Kajüte zugegen gewesene Offiziere bezweifelten, daß der Dolmetscher Zacheus richtig verstanden worden sei; er wurde also wieder herbeigeholt und ihm gesagt, man wünsche zu wissen, was über das Eisen an den Messern, von denen eins auf dem Tische lag, gesagt worden sei, worauf man ihm das, was er anzugeben hatte, ohne ihn zu unterbrechen oder ihm einzuhelfen, sagen ließ. Er erklärte, es sei kein englisches oder dänisches, sondern Eskimoeisen; es komme von zwei großen Steinen auf einem Hügel, nahe an einer Gegend der Küste, an der wir kürzlich vorbeigefahren und die jetzt noch in Sicht sei. Die Steine seien sehr hart; kleine Stücke würden davon ab- und zwischen anderen Steinen plattgeschlagen. Diesen Bericht wiederholte er gleichmäßig mehrere Mal, so daß der Sinn desselben nicht zweifelhaft bleiben konnte. Ferner brachten wir von ihm heraus, daß er von dem Vorkommen solcher Steine in Südgrönland nie gehört habe, daß die Eskimos ausgesagt hätten, sie wüßten von keinen anderen Steinen außer diesen beiden und endlich, daß das Eisen, so wie es von dem Steine losgebrochen werde, unverändert vor uns liege und im kalten Zustande platt gehämmert worden sei. Unsere späteren Besucher bestätigten obigen Bericht mit dem Hinzufügen eines merkwürdigen Umstandes, nämlich, daß die beiden Steine nicht gleichartig seien. Der eine nämlich bestehe ganz und gar aus Eisen und sei so hart und schwierig zu zerschlagen, daß sie das nötige Metall lediglich aus dem anderen, in der Hauptsache aus einer harten, dunklen Gesteinsart bestehenden Blocke entnähmen.[291] Aus den abgeschlagenen Bruchstücken gewännen sie dann kleine Eisenstückchen, welche sie so flach schlügen, wie wir sie vor uns sähen. Der Hügel, wo das Meteoreisen vorkommt, wird von den Eingeborenen Sowilie (Sauwilie) genannt, abgeleitet von Sowie (Sauwie), dem bei den Grönländern gebräuchlichen Namen für Eisen. Zacheus sagte mir, das Wort bedeute eigentlich einen „harten, schwarzen Stein“, aus dem die Eskimos Eisen zu ihren Messern gewannen, ehe die Dänen Eisen bei ihnen einführten, und daß nun das Eisen, als zu gleichem Zwecke dienend, auch denselben Namen bekommen habe. Ich meine nun, daß die nördlichen Eskimos den Namen in ähnlicher Weise für das so zufällig von ihnen gefundene Eisen benutzten. Der Bericht über Kapitän Cook's dritte Reise belehrt uns, daß die Bewohner des in unmittelbarer Nachbarschaft der Beringstraße belegenen Nortonsundes ihr von den Russen bezogenes Eisen Shawie nannten, was offenbar dasselbe Wort ist. Die eigentümliche Farbe dieser Eisenstücke, ihre Weichheit und Freiheit von Rost ließen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, daß sie aus Meteoreisen beständen, wie auch seitdem die Analyse nachgewiesen hat.“
Soweit der interessante Bericht Sabine's, der uns die nördlichen, 1818 entdeckten Eskimos im Besitze von Meteoreisenmessern zeigt, über deren Herstellung wir genau unterrichtet werden. Würden wir noch Zweifel hegen an der meteorischen Natur des Eisens der Eskimomesser, so würden dieselben zerstört durch die 1870 erfolgten riesigen Meteoreisenfunde im nördlichen Westgrönland durch Nordenskiöld, sowie das anderweitig konstatierte Vorkommen von Meteoreisenmessern bei Eskimos.
Es scheint in diese Kategorie auch das Eisen zu gehören, welches S. Hearne 1772 in einem Eskimolager am Kupferminenflusse fand, bei einem Stamme, der sonst gediegenes Kupfer zu Waffen und Geräten benutzte. Es waren zwei kleine Stückchen, „eins 3,5 cm lang und 90 mm breit, welches ein Weibermesser vorstellte, das andere war nur 2,5 cm lang und 60 mm breit. Dieses letztere war in ein Stück Elfenbein (Walroßzahn) befestigt, so daß es ein Mannsmesser ausmachte, dergleichen in der Hudsonsbai unter dem Namen Mokeatoggen bekannt und das einzige Werkzeug sind, dessen sie sich zur Verfertigung ihrer Holzarbeiten bedienen.“[292]
Daß die sogenannten Moundbuilder im Bereiche der Vereinigten Staaten neben den verschiedenen oben erwähnten Metallen auch selten das Meteoreisen benutzten, dieses zu konstatieren ist erst in der allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des Peabody-Museums, Putnam, gelungen. Er fand in einem Mound am Little Miami (Distrikt Anderson, Ohio) eine Kupferscheibe mit Eisen überzogen, dessen Nickelgehalt und Hämmerbarkeit den meteorischen Ursprung bezeugten.[293]
Unser Eisen wurde in Grönland erst durch die Dänen verbreitet, wenn auch in geringerem Maße solches den Eingeborenen schon durch die alten normannischen Besiedler des Landes zugegangen sein kann. Es ist dabei aber nicht zu übersehen, daß erst von der Mitte des 14. Jahrhunderts an die Eskimos von der Westküste der Davisstraße via Smithsund nach Grönland vorrückten und mit den Normännern in feindliche Berührung (als Skrälingar) gerieten, deren dunkle Farbe, breite Backenknochen, Pelzkleider, Lederbote, Gerätschaften aus Stein oder Zahn und Unbekanntschaft mit dem Eisen in den Quellen geschildert werden.[294] Gelegentlicher Tauschverkehr brachte im 17. Jahrhundert — lange nach dem Eingehen der normannischen Kolonien — den Grönländern einiges Eisen, dessen Wert man bald erkannte, wie denn die durch Danell 1654 nach Dänemark gebrachten Grönländer, welche Olearius in Flensburg kennen lernte, stets begierig nach Eisen und Messern griffen, Geld aber und andere Dinge, wenn ihnen die Wahl gestattet war, liegen ließen.[295] Noch zu Egede's Zeit (1721) waren die Pfeil- und Lanzenspitzen der Grönländer teilweise aus Knochen und Stein und nur teilweise aus Eisen.[296]
Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien. Den westlichen Eskimos an der Beringstraße und den ihnen benachbarten Indianern kam die Kunde des Eisens von Asien her und zwar vereinzelt schon vor der Ankunft der Russen am östlichen Ende der alten Welt.
Die Berührungen zwischen der alten und neuen Welt sind, da wo beide sich am meisten nähern, immer sehr mannigfaltiger Art gewesen. Der Tauschverkehr zwischen den zu beiden Seiten der schmalen Beringstraße angesessenen Völkern ist ein lebhafter; Lebensart und Sitten zeigen bei den Tschuktschen der alten Welt und den Eskimos der neuen ungemein viel Übereinstimmendes bis in die geringsten Kleinigkeiten. „Die Amerikaner, welche wir bei Schumachins Insel auf Amerika gesehen, sind den hiesigen Völkern (Kamtschadalen etc.) so gleich, als ein Ei dem anderen“, schreibt der alte Steller[297], und der Verständigung der Asiaten und Amerikaner untereinander steht in diesem Erdwinkel nichts entgegen. Aber auch die weiter südlich gelegenen Küsten Nordamerikas, bis nach Kalifornien hin, haben nachweisbar asiatische Einflüsse, wenn auch in einem weit geringeren und keineswegs nachhaltigen Maße, erhalten. Wir meinen die mit dem Kuro Siwo oder schwarzen Strome von Japan nach Amerika hinübergetriebenen schiffbrüchigen Dschonken. Es sind aus dem vorigen und diesem Jahrhundert eine große Anzahl festgestellter Fälle dieser Art bekannt; japanische Dschonken scheiterten an den Alëuten, ja auf den Sandwichinseln, und mit ihnen wurde stets Eisen nach der neuen Welt gebracht. So ist es ohne Zweifel auch in der Zeit gewesen, als Europäer noch nicht nach Nordwestamerika gelangt waren. Hieraus erklärt sich vielleicht teilweise die Bekanntschaft der Bewohner Kaliforniens, Oregons und der weiter nördlich wohnenden Völker mit dem Eisen, als ihre Küsten im vorigen Jahrhundert zuerst von europäischen Schiffen besucht wurden. Anderseits aber, und wohl vorwiegend, kam ihnen dasselbe von Norden her, von den Russen, welche im vorigen Jahrhundert die Länder an der Beringsee in Besitz nahmen. Eine merkwürdige Thatsache bleibt es auch, daß die Konjagen, eines der dort wohnenden Völker, zu jener Zeit durch die Russen den Tabak kennen lernten[298], welcher somit auf einem Gange rund um den Globus zu ihnen, den Amerikanern, gelangte. Es ist aber der Tabak ein Genußmittel, das noch schneller als das Eisen sich verbreitete, hier aber gleichzeitig mit diesem seinen Einzug hielt. In dieser Thatsache sehen wir aber auch eine Bestätigung dafür, daß nicht von Osten oder Süden her das Eisen nach dem Nordwesten Amerikas gelangt sein kann; denn die Völker in den Vereinigten Staaten, wie die Tolteken-Azteken im Süden waren große Raucher und durch Angelsachsen wie Spanier mit dem Eisen schon vertraut, als der Nordwesten letzteres noch nicht kannte. Wäre das Eisen von Osten oder Süden gekommen, sicher wäre dabei auch dem Tabakrauchen die Bahn gebrochen worden.
Die Expedition Bering's, auf welcher Amerika von Kamtschatka aus entdeckt wurde, fällt in das Jahr 1741 und sehr bald darauf begannen die Züge der russischen Pelzjäger nach den Alëuten und dem amerikanischen Festlande. Aber nur langsam verbreiteten sich Eisengeräte. Billings fand 1790 auf Unalaschka noch Nähnadeln aus den Flügelknochen der Möve gearbeitet und Speere mit Knochenspitzen; ebenso auf Kadjak. Im Prinz Williamssund, wo er ankerte, bezeugten die Eingeborenen eine starke Neigung, alles, was von Eisen war, zu stehlen.[299] Trotzdem war hier, wie wir erwähnten, das Eisen schon vor der Ankunft der Weißen bekannt, wiewohl die alten Steinwerkzeuge noch vorherrschten und die Modelle für die neuen eisernen abgaben, zu denen der Stoff von den Bestandteilen verunglückter Schiffe entnommen wurde.[300]
Alle Stämme an der Westküste Nordamerikas zwischen 40° und 60° nördl. Br. waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit dem Eisen wenigstens vertraut, so fand es Cook 1778 am Nutkasund im Gebrauche, da die Haidas es von Norden oder von japanischen Schiffbrüchigen erhalten hatten. It was certainly used in British Columbia for various purposes before the coming of the whites.[301] Vancouver, dessen Reise etwas später fällt, sah bei den Indianern am Discoveryhafen der Juan de Fuca Einfahrt Speere, Pfeile und Fischhaken von Achat oder Knochen, „doch hatten auch einige Pfeile eine Spitze von dünnem glatten Eisen“. An der Johnstonestraße zwischen der Vancouverinsel und dem Festlande, fand er bei den Indianern „viele Speere mit eisernen Spitzen“, und auch am Nutkasunde traf er 5-6 m lange Speere, die „oben eine lange polierte eiserne Spitze“ hatten; anderseits aber traf er in derselben Region noch Lanzen mit Schieferspitzen.[302] Diesen Übergangszustand charakterisiert auch Maurelle, der Steuermann Bodega's, welcher 1775 nach Kap Mendocino an der nordkalifornischen Küste kam. Die Waffen der Indianer „waren hauptsächlich Pfeile mit Spitzen von Feuerstein, auch Kupfer und Eisen, welches sie, soviel wir verstanden, von Norden her bekommen und worauf wir, an einem Pfeil, das Zeichen G bemerkten. Den größten Wert setzten sie auf Eisen, besonders Messerklingen und alte Faßringe“.[303]
Eisen in Kalifornien. Bis hierher reicht der russische Einfluß. Südkalifornien dagegen erhielt sein erstes Eisen aus dem spanischen Kulturkreise, worauf noch jetzt die Funde von Eisen in alten Gräbern deuten. Cabrillo hatte 1542 im Auftrage des Vicekönigs von Mexiko die kalifornischen Küsten aufgesucht und damit treten spanische Metallwaren und Waffen bei den Eingeborenen auf. Die südkalifornischen Indianergräber bergen dieselben in Menge neben silbernen Löffeln, Porzellantassen und Pistolenläufen, so daß über die Herkunft kein Zweifel entstehen kann. Es ist aber aus den Grabfunden, namentlich jenen des Isthmus von Santa Catalina, die hohe Wertschätzung zu ersehen, welche die kalifornischen Indianer dem neuen Metall zu Teil werden ließen. Selbst kleine Stückchen Eisen schliff man zu in der Form wie die alten Feuersteingeräte und befestigte sie in hölzerne Hefte, ganz nach Art dieser (Fig. 32), wie ein Fund von Santa Cruz Island beweist; andere Eisenstücke, die als Grabbeigaben gefunden wurden, sind höchst sorgfältig in Stoffe oder pelzbesetzte Scheiden eingewickelt worden, deren Spuren bei den Funden der Gräber von La Patera sich noch deutlich erhalten haben.[304]
Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art der Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S. Geogr. Surveys, west of 100th meridian.
Auch anderwärts dieselbe Wertschätzung der ersten zugeführten Eisenstückchen und deren Mitgabe in Gräber! In den alten Indianergräbern von Kantunile in Yukatan fand man neben Perlen, geschnitzten Muschelschalen, auch thönerne Vasen bis zum Rande gefüllt mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen ein Federmesser mit Hornschale in höchst zerfressenem Zustande. At the time of the conquest it was doubtless considered precious, worthy of being buried with the heirlooms of its owner, and of accompanying him to the world of spirits.[305]
So geht naturgemäß die Ausbreitung der Kenntnis des Eisens bei den amerikanischen Eingeborenen mit der Entdeckungsgeschichte Hand in Hand, sie läßt sich mit Hilfe derselben leicht weiter verfolgen. Es erscheint hierbei aber als eine Thatsache, daß die Eingeborenen, wiewohl sie das neue Metall kennen lernten, nur in den seltensten Fällen selbst zur Darstellung desselben schritten. Europa führte es ihnen in genügender Menge und billig zu im Austausche gegen die leicht zu erhaltenden heimischen Naturprodukte, deren schnelle und einfache Gewinnung den Antrieb zur Selbstbereitung des Eisen hinfällig machen mußte. Es erscheint daher auffallend und als Ausnahme, wenn Musters berichtet, daß die Patagonier es gelernt hätten, Eisenerz zu reduzieren und das gewonnene Eisen zu Bolaskugeln zu schmieden. Diese Südamerikaner sind nach ihm geschickte Eisenarbeiter; sie verfertigen aus jedem Stückchen Metall, das sie durch Diebstahl, Handel oder Wraks von der Küste bekommen, ein Messer oder Beil. Aber auf kaltem Wege, denn sie benutzen dazu onomatopoetisch Kikerki genannte Feilen, die sie auf dem Handelswege erhalten.[306] Die Indianer der Vereinigten Staaten haben sich nirgends — es sei denn da, wo sie ansässig in den Reservationen wurden — zum Schmieden, geschweige denn zur Herstellung des Eisens bequemt. Die Wihinkpi oder Pfeile der Dakota sind jetzt mit eisernen Spitzen statt solcher von Feuerstein versehen. Aber dieses Eisen ist europäisches (oder nordamerikanisches) Bandeisen, einfach kalt auf Steinen zugeschliffen.[307]
Nach Traditionen und Sagen in bezug auf das Eisen bei den Amerikanern zu forschen, erscheint bei der Sachlage nicht am Platze, es sei denn, daß man die Frage erweiterte und nach der Herkunft der Metalle frage. Es fehlt nicht an Andeutungen, daß die Metallarbeiter in ähnlicher Weise hoch geschätzt wurden, wie in anderen Ländern. Einer alten Tradition zufolge soll bei den Thlinkithen in Nordwestamerika ein Weib die Kunst, zu schmieden, erfunden haben, weshalb ihr auch eine fast göttliche Verehrung zu teil wurde. Noch zu Holmberg's Zeit wurde diese Kunst als Geheimnis bewahrt und lebte als Erbteil in gewissen Familien fort.[308] Als Kittlitz in Sitcha war, stand eine Frau an der Chathamstreet im besonderen Rufe als Waffenschmiedin.[309] Zwei schiffbrüchige Seeleute wurden noch in diesem Jahrhundert von den Klatsopindianern an der Mündung des Columbia als Sklaven gehalten until it was found, that one was a worker in iron, of which the Indians began to see the value, when they made him a chief.[310]
Ich will hier, wo ich die Darstellung der Einführung des Eisens bei den Indianern verlasse, noch auf eine Tradition hinweisen, die ich bei Abbé Petitot[311] finde und die auf die Entdeckung und Ausarbeitung des Eisens aus fer oligiste durch die Tinnéindianer hinweist. Ich kann mich indessen einiger Zweifel über diese Darstellung nicht erwehren und glaube, daß hier „Kupfer“ statt Eisen zu lesen ist, worauf die substance dure et rouge hinweist. Die Tinné erzählen also: Einer der ihrigen gelangte an den Lé-kota-la-délin, einen Zufluß des Mackenzie. Il apperçut une substance dure et rouge, semblable à la fiente de l'ours noir frugivore; c'est pourquoi il l'appela sa-tsonne (fumées d'ours). C'était du fer oligiste. Jusqu'alors les Dènè s'étaient servis d'armes et d'outils de pierre; toutefois ils devaient connaître le métal, car leur tradition dit que jusqu'à la trouvaille du vieillard, ils n'en avaient point vu sur le nouveau continent. De ce fer ils se fabriquèrent des aiguillettes ou alènes de la longeur du petit doigt, qu'ils vendaient pour dix peaux d'orignal aux Esba-t'a-ottiné de la rivière des Liards.
Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern. Die Völker Amerikas, welche durch die Spanier das Eisen kennen lernten, nahmen mit der fremden Sache keineswegs den fremden Namen an, sondern bildeten aus dem heimischen Wortvorrat mit Anlehnung an die eigenen Bezeichnungen für Metall und Kupfer eine neue zusammengesetzte Bezeichnung. In Molina's Vocabulario de la lengua Mexicana, Mexico 1571, ist hierro metal mit tlitic tepuztli wiedergegeben. Tlitic wird als cosa negra erklärt und tepuztli als cobre o hierro; wir hätten danach bei den Mexikanern ein „schwarzes Kupfer“ für Eisen.
Die Völker des südlichen Kulturkreises verfuhren in ähnlicher Weise; hier erscheint das Wort qquillay, cquellay, quellaya für Eisen. Im ältesten Wörterbuche der Quichuasprache[312] ist aber quillay zugleich mit hierro und metal erklärt, so daß wir auch in der Quichuasprache eine Übertragung des Begriffes Metall auf Eisen annehmen dürfen. Freilich giebt Holguin[313] qquillay einfach als hierro und hat für metal o cobre das Wort anta und puca anta (rotes anta); daß aber in dem Worte qquillay nur die Bedeutung Metall zu suchen ist, beweist uns das Aymara, denn hier heißt[314] hierro = yauri und quellaya yauri. Yauri aber wird als cobre erklärt und quellaya als hierro de Castilla. So ist es auch im Araukanischen[315], wo hierro und metal = pañilhue heißen und Kupfer speziell als cum-pañilhue (rotes pañilhue) erklärt wird, und im Moxa[316], wo es heißt hierro = tumore; tumore aber wird durch todo genero de metal erläutert.
Die Arowaken in Guiana nennen das Eisen siparalli und den Stein siba, woraus sich leicht das erstere ableiten läßt; wenn nun die benachbarten Galibi für Eisen dasselbe Wort wie die Arowaken, nämlich siparali und sibarari gebrauchen, für Stein aber topu haben, so erklärt sich dieses sicher dadurch, daß sie durch die Arowaken das fremde Metall kennen lernten und dabei den arowakischen Namen annahmen.[317]
Noch ein paar Beispiele. Der Indianer Costaricas bezeichnet Eisen und alles, was daraus bereitet ist, mit dem Worte für Messer, tabé. Danach ist ein eiserner Topf tabé-ung, wörtlich Messerthongefäß.[318]
Einfacher noch behelfen sich die Tsimsian, ein Stamm der Thlinkithen im Washington Territory, welche das Eisen mit ihrem Worte für schwarz, tuts, benannten.[319]
Fußnoten:
283 Lubbock, Die vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. I. 244.
284 Acosta, Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1590. 199.
285 Transact. Americ. Ethnolog. Soc. II. 164. New-York 1848.
286 Bastian, Kulturländer des alten Amerika. II. 677.
287 Navarrete, Coleccion de los viages etc. Madrid 1825. I. 98. 115. 118. — Waitz, Anthropologie. IV. 325.
288 Peschel, Zeitalter der Entdeckungen. 179. 182.
289 Petermann's Mitteilungen. 1870. 326.
290 Quarterly Journal of Science. 1819. vol. VII. 79.
291 Hier handelt es sich also wohl um Meteoreisen und Meteorstein, letzterer mit eingesprengten Eisenpartikeln, die von den Eskimos benutzt wurden.
292 Hearne's Reisen nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 118.
293 Bullet. soc. d'Anthrop. 1883. 438.
294 Konrad Maurer in Zweite deutsche Nordpolfahrt. Leipzig 1873. I. 234.
295 Adami Olearii, Persianische Reisebeschreibung. Hamburg 1696. 88.
296 Hans Egede's Beschreibung von Grönland. Berlin 1763. 124. 125.
297 Steller, Kamtschatka. 251.
298 Holmberg, Völker des russ. Amerika. I. 132.
299 Sauer, Billings' Reise nach dem russ. Asien und Amerika. Weimar 1803. 161. 179. 190.
300 Holmberg a. a. O. I. 101.
301 Bancroft, Native Races of the Pacific States. I. 164.
302 Vancouver's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. 251. 283.
303 Pallas, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig 1782. III. 223.
304 Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. Plate XV. und Plate IV. Fig. 8.
305 Stephens, Incidents of travel in Yucatan. II. 344.
306 Musters, Unter den Patagoniern. Jena 1873. 177. 183.
307 Nach Exemplaren im Leipziger Museum für Völkerkunde.
308 Holmberg a. a. O. I. 28.
309 Denkwürdigkeiten einer Reise etc. I. 214.
310 Gibbs in Contribut. to North Americ. Ethnology. Wash. 1877. I. 237.
311 Dictionnaire de la langue Dènè-Dindjiè. Paris 1876. XXVIII.
312 Thomas, Grammatica de la lengua del Peru. Valladolid (1560).
313 Vocabulario de lengua Quichua. Lima 1608.
314 Bertonio, Arte y grammatica de la lengva Aymara. Roma 1603.
315 Febres, Arte de la lengua general del regno de Chile. Lima 1765.
316 Marban, Arte de la lengua Moxa (Lima 1701).
317 Martius, Glossaria linguarum brasiliensium. Erlangen 1863. 308. 309. 342. 350.
318 Gabb, Indian tribes of Costarica. In Americ. Philosoph. Soc. vol. XIV. 556. 565. Philadelphia 1875.
319 Contributions to North Americ. Ethnology. I. 148.
Das Kupfer bei den Nordamerikanern.
Ebenso wie die Eskimos das meteorische Eisen im kalten Zustande verarbeiteten, hämmerten und meißelten, ohne daß sie es verstanden, es zu schmieden oder gar zu gießen, so benutzten sie auch das Kupfer; es war ihnen gleichsam ein weicher, formbarer Stein, ein Gegenstand, der nach unserer Anschauung etwa das Übergangsstadium von der Stein- zur Metallbenutzung fixiert. Die Eskimopfeile, die Hearne 1772 an der Mündung des Kupferminenflusses bei den Eingeborenen fand, waren mit Spitzen aus Stein oder Kupfer versehen. „Ihre Beile,“ schreibt er, „verfertigen sie aus einem dicken 10-15 cm langen und 2-7 cm breiten Klumpen Kupfer. Sie sind an ein 30-35 cm langes Stück Holz mit Schnüren festgebunden und werden wie ein Meißel gebraucht, indem man mit einer schweren Keule darauf schlägt, sind aber zu leicht und stumpf, um wie ein Beil gebraucht zu werden.“ Auch „Bajonette“ in Spatenform und in Hirschhorn gefaßt, sowie Weibermesser aus Kupfer erwähnt Hearne.[320] Dasselbe berichtet Rae von den weiter östlich an der Repulsebai wohnenden Eskimos. „Fast alle Geräte und Waffen dieses Volkes waren aus heimischem Kupfer geformt, welches sie hübsch in Messer, Dolche, Speere, Lanzen- und Pfeilspitzen gehämmert hatten.“[321] Wahrscheinlich stammte dieses Kupfer auch vom Kupferminenfluß, von wo es auf dem Handelswege an die Repulsebai gelangte.
Ehe die Hudsonsbaicompagnie ihre Faktorei am Churchillflusse anlegte (ungefähr 1720), gebrauchten die nördlichen Indianer kein anderes Metall als das Kupfer, einzelnes Eisenwerk ausgenommen, welches etwa am Fort York (seit 1713) von ihnen eingetauscht wurde. Alljährlich zogen sie in großer Anzahl an die Mündung des Kupferminenflusses, um das dort gediegen vorkommende Metall zu suchen, aus dem sie Beile, Eishacken, Lanzenspitzen, Messer, Pfriemen, Pfeilspitzen verfertigten. „Die vielen auf diesen Reisen ausgetretenen Fußsteige, welche an manchen Orten auf den trockenen Steinklippen und Bergen sichtbar sind, erregen wirklich ihrer Anzahl wegen Erstaunen.“ Noch zu Hearne's Zeit (1772) zogen diese nördlichen (Tinné-) Indianer das Kupfer „beinahe für jedes Werkzeug dem Eisen vor, Beile etwa oder Eishacken und Pfriemen ausgenommen. Zu diesen drei notwendigen Stücken aber läßt sich das Kupfer nicht gut benutzen.“ Im Tauschhandel gaben sie gleichgroße Stücken Kupfer für Eisen.[322]
Eine zweite wichtige Kupferquelle für die Indianer war der Kupferfluß oder Athna, der sich unter 60° nördl. Br. in den Stillen Ozean ergießt und eine Menge gediegenes Kupfer auswirft, das wegen seiner Geschmeidigkeit bei allen Stämmen der Nordwestküste im hohen Ansehen stand. Die Anwohner desselben hämmerten es; überall an der Nordwestküste trafen die Entdecker kupferne Lanzen- und Pfeilspitzen bei den Indianern, und wenn Holmberg sagt, daß die Thlinklithen dieses Kupfer zu „schmieden“ verstanden, so ist darunter doch wohl nur ein kaltes Hämmern zu verstehen, da die Bearbeitung der Metalle im Feuer bei allen hier in Betracht kommenden Völkern unbekannt war.[323]
Die dritte und bedeutendste Quelle des gediegenen Kupfers, das von den Indianern Nordamerikas verarbeitet wurde, zugleich das reichste Kupfervorkommen der Erde, ist der Native-Copperdistrikt am Oberen See auf einem Teile der oberen Halbinsel Michigan, doch gehört hier die Verarbeitung bereits der vorkolumbischen Zeit an.[324]
Die Auffindung der alten Kupferbergwerke am Oberen See erfolgte 1847 durch den Ingenieur S. O. Knapp. Einer der Schachte, welchen er untersuchte, war 8,5 m tief und mit Erde und vegetabilischer Masse erfüllt. 5 m von der Oberfläche stieß er auf einen 2,80 m langen Kupferklumpen, der 85 cm hoch und 60 cm dick war und über 6 Tonnen wog. Derselbe ruhte auf einem Pfahlwerk von Holzbalken, das indessen ganz vermorscht war. Kolossale Steinschlägel, bis 18 kg schwer, und kleine Hämmer aus Grünstein und Porphyr, die Geräte der ehemaligen Bergleute, lagen dabei. Auch eine roh gearbeitete Leiter aus Eichenholz und einen auf kaltem Wege hergestellten 10 kg schweren Schlägel aus Kupfer fand Knapp, desgleichen Holzschalen, die bei der Entwässerung des Schachtes gedient hatten. Alle Anzeichen, namentlich die großartigen auf den Halden wachsenden Bäume deuteten an, daß dieses Werk schon seit langem verlassen sein mußte. Ähnliche, bis 14 m tiefe Schachte wurden auf Isle Royal im Oberen See entdeckt, und in der Ontonagongegend kann man auf 30 englische Meilen Entfernung die Spuren der alten Kupferbergleute verfolgen.[325]
Wenn es auch auf den ersten Blick scheinen mag, als ob ein anderes Volk als die Vorfahren der heutigen Indianer die Kupferbergwerke am Oberen See betrieb und diese Ansicht in Amerika selbst die herrschende ist[326] — wo man ein besonderes, verschwundenes Volk der Moundbuilders konstruiert hat —, so scheinen mir doch die von Dr. E. Schmidt, der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigte, angeführten Gründe durchschlagend, daß es die Vorfahren der jetzigen Indianer waren, welche die Kupfergruben am Lake superior bearbeiteten, und daß der Kupferbergbau erst nach dem Erscheinen der Weißen (infolge auftretender Seuchen etc.) rasch einging.[327]
Dieser Verfall ist äußerst schnell eingetreten und bei den Chippewäs der Gegenwart, die am Oberen See wohnen, ist außer dem Wort für Kupfer (pewabic) nichts von dem Bergbau ihrer Vorfahren übrig geblieben. Schon im 17. Jahrhundert, als die alten Jesuitenväter in die Region der Seen vordrangen, betrachteten die Indianer das Kupfer als eine Art von heiligem Stoff. „Instead of viewing copper as an object of every day use, they regarded it as a sacred Manitou and carefully preserved pieces of it wrapped up in skin in their lodges for many years and this custom has been continued to modern times.“[328] Sehr anschaulich hat dieses der Jesuit Allouez in seiner Relation geschildert: „L'on trouve souvent au fond de l'eau des pièces de cuivre tout formé, de la pesanteur de dix et vingt livres; i'en ay veu plusieurs fois entre les mains des sauvages et comme ils sont superstitieux, ils les gardent comme autant de divinités, ou comme des presents que les dieux qui sont au fond de l'eau leur on faits pour estre la cause de leur bonheur; c'est pour cela, qu'ils conservent ces morceaux de cuivre envelopés parmi leurs meubles les plus pretieux; il y en a qui les gardent depuis plus de cinquante ans; d'autres les ont dans leurs familles du temps immemorial, et les cherissent comme des dieux domestiques.“[329]
Karl Rau hat in seiner wertvollen Abhandlung über die Tauschverhältnisse der Eingeborenen Nordamerikas[330] auch das Kupfer behandelt und wir ersehen daraus, daß das ästige oder zackige gediegene Metall vom Oberen See niemals von den Indianern geschmolzen, sondern nur gehämmert wurde; auch verstanden sie es nicht, dasselbe mit Zinn zu legieren und so Bronze herzustellen, einen Fortschritt, welchen die alten Peruaner und Mexikaner kannten. Trotzdem hatten sie in der Bearbeitung des Kupfers, wie die daraus dargestellten und erhaltenen Gegenstände bezeugen, eine nicht geringe Geschicklichkeit erlangt (Figg. 33-44). Bereits die ersten Reisenden, welche Nordamerika besuchten, fanden Kupferzieraten bei den Indianern, z. B. kupferne Ohrringe. So 1524 Verazzano; auf de Soto's Zuge sah man kupferne Äxte (1539 bis 1543) und Henry Hudson fand, als er 1609 den nach ihm benannten Strom entdeckte, daß die Indianer Pfeifen aus rotem Kupfer hatten. Als Quelle dieser Kupfersachen wurde aber stets die Gegend im Inneren bezeichnet, von wo aus das Metall auf dem Handelswege gekommen war.
In den Mounds sind altindianische Kunsterzeugnisse aus Kupfer gefunden worden, welches seiner eigentümlichen Beschaffenheit nach — es enthält kleine Partien gediegenen Silbers — vom Oberen See stammen muß. Namentlich Squier und Davis[331] haben dieselben beschrieben und abgebildet. Es sind keltartige Äxte, Meißel, spitze Grabstichel, Armringe, Schmucksachen. Während die ersteren alle gehämmert sind, befinden sich unter den letzteren 3-5 cm im Durchmesser haltende runde Scheiben, sowie kleine Metallknöpfe, die geprägt sind. Dr. Rau führt an, daß die aus Kupfer gearbeiteten Gegenstände in den Vereinigten Staaten übrigens ziemlich selten sind und daß auf tausende von indianischen Steingeräten kaum einige Kupfererzeugnisse kommen. „Ihr Vorkommen erstreckt sich von den Großen Seen bis zu den Golfstaaten und von der atlantischen Küste bis an den Mississippi und vielleicht noch über denselben hinaus. Nimmt man, wozu man vollständig berechtigt ist, den nördlichen Teil von Michigan als den Punkt an, von wo aus das Metall über diesen Flächenraum verbreitet wurde, so stellt sich die Ausdehnung des Kupferhandels als ziemlich bedeutend dar. Die Schwierigkeiten, welche mit der Gewinnung des Kupfers verknüpft waren, machten dasselbe zu einem wertvollen Gegenstande, der vielleicht in ähnlicher Weise geschätzt wurde, wie in Europa die Bronze in der ersten Periode ihrer Anwendung.“[332]