234 Sur les instruments de l'âge de pierre au Cambodge, par M. Corre. Bullet. soc. d'Anthropol. 1880. 532. — L'âge de la pierre polie et du bronze au Cambodge par J. Naulet. Toulouse 1879 und Revue d'Anthropologie 1882. 676. — Le Cambodge préhistorique par J. Moura. Revue d'ethnographie 1882. 505.
235 Fabrication du fer chez les Cuois du Compong-Soai. Revue d'Ethnographie. I. 435 (1882).
236 Bei Percy a. a. O. II. 508.
Alter der Bronze und des Eisens in China. So früh und hochentwickelt uns auch bei den Chinesen die Kenntnis der Metalle entgegentritt, hat dieses Volk doch keine Ausnahme gemacht und gleich allen anderen Völkern eine Steinzeit gekannt, ja es scheint, als ob in einigen Provinzen in verhältnismäßig neuer Zeit noch Steingeräte im Gebrauche waren. Mit Bezug auf Nan-hiu-fu in der Provinz Kwan-tung im südlichen China heißt es: „Sie finden in den Bergen und Felsen der Umgebung einen schweren Stein, so hart, daß sie Beile und schneidende Instrumente aus demselben machen.“[237] Man muß sich erinnern, daß China nicht von einer homogenen Rasse bewohnt wird, sondern daß namentlich im Süden und Südwesten noch verschiedene kleinere und auf tieferer Kulturstufe stehende Völker (wie z. B. die Miaotse) eingesprenkelt sind, welche dort als Aboriginer gelten. Unter diesen können die Steingeräte am längsten im Gebrauche gewesen sein. Außerdem sprechen chinesische Traditionen von dem früheren Gebrauche der Steinwaffen und Instrumente. Fuhi, so sagen sie, machte Waffen; diese waren von Holz. Dann kam Schinnung, der solche aus Stein machte, und endlich Tschi-yu, der metallene darstellte.[238]
Was die Bronze betrifft, so tritt dieselbe uns in ihren frühesten, an sich uralten Formen bereits so hoch entwickelt entgegen, daß ihr ein sehr hohes Alter zugeschrieben werden muß. Neben schriftlichen Aufzeichnungen sind Bronzegeräte die kostbarsten Reliquien des hohen Altertums und unter diesen besonders die Ting, Urnen mit drei Füßen und zwei Henkeln. „Die alte Bronzeindustrie,“ sagt v. Richthofen[239], „blühte insbesondere während zweier Perioden, nämlich in den ersten Jahrhunderten der Shang- und unter den ersten Kaisern der Tschóu-Dynastie (1766-1496 und 1100-900 v. Chr.), soweit man die auf vielen derselben befindlichen Inschriften zu entziffern vermocht hat.“ Die Gegenstände sind ausschließlich Gefäße, niemals tierische oder menschliche Darstellungen für sich allein. Doch sind phantastische Anklänge an menschliche Gesichtsbildung und an Tiergestalten in der Ornamentik deutlich zu erkennen, wenn auch ein großer Teil der letzteren aus Linienkombinationen hervorgeht. Die erstere Art der Verzierung herrscht neben der zweiten in den Shang-Vasen (Fig. 30), während in denjenigen der Tschóu-Dynastie (Fig. 30a) die letztere Form bedeutend vorwaltet. Die ergiebigste Fundstelle der alten Bronzen ist der Löß des Wéithales, wo man sie bei Erdarbeiten findet. Sie sind mit einer dicken Schicht von Grünspan durchdrungenem und dadurch gehärtetem Löß umgeben und haben die Gestalt unförmlicher Lehmklumpen. Der Wert richtet sich nach dem Alter, der Art der Ornamentik, der Deutlichkeit und Länge der Inschrift. Zuweilen findet man auch goldene Gefäße. Bis hinauf in die Zeit der Shang-Dynastie hat man das Alter einer größeren Zahl von Gefäßen mit Sicherheit feststellen können. Weiter zurück wagt man in der Bestimmung nicht zu gehen, wiewohl bei einigen Gefäßen ein noch höheres Alter vermutet wird.
Nicht nur nach der Seite der Ornamentik hin stand die Bronzeindustrie zur Zeit jener alten Herrscher schon auf einer sehr hohen Stufe, auch auf die Zusammensetzung derselben wurde, je nach der verschiedenen Art des Gebrauches, große Aufmerksamkeit verwendet. Zur Zeit der Tschóu-Dynastie gab es sechs Mischungsverhältnisse für Bronze, welche in folgender Weise verwendet wurden: 5 Teile Kupfer und 1 Teil Zinn für Glocken und Kessel; 4 Kupfer und 1 Zinn für große und kleine Beile; 3 Kupfer und 1 Zinn für Lanzen und Piken; 2 Kupfer und 1 Zinn für große Messer und Säbel; 4 Kupfer und 1 Zinn (wahrscheinlich 3 Zinn) für Messer zum Schreiben auf Bambus und Pfeilspitzen; 1 Kupfer und 1 Zinn für Metallspiegel.[240] Diese also um das Jahr 1000 v. Chr. geltenden Verhältnisse der Bronzelegierung sind deshalb von Interesse, weil sich unter ihnen kein einziges findet, welches unserer eigentlichen Bronze (9 Kupfer und 1 Zinn) entspricht und weil schon hieraus die Selbständigkeit des chinesischen Bronzereiches erhellt, was sich auch dadurch schließen ließ, daß die chinesische Kultur eine selbständig erwachsene, von außen her in keiner Weise beeinflußte von Anfang an gewesen ist.
Für die Priorität der Bronze in China gegenüber dem Eisen hat sich Pfitzmayer ausgesprochen. „In den ältesten chinesischen Werken,“ sagt er, „giebt es kein Wort für Bronze, da dieser Gegenstand durch das allgemeine Wort kin, Metall, bezeichnet wird. Thie, Eisen, kommt das erste Mal in dem Schu-king, Tribut des Yü (etwa 2200 v. Chr.) vor. Es findet sich unter den Gegenständen des Tributs einer einzigen Gegend; man hält es für weiches Eisen, über dessen Verwendung nichts angegeben wird, während von dem harten Eisen gesagt wird, daß es zu Meißeln dient und nützlicher als Silber ist. „Daß das Eisen,“ fährt Pfitzmayer fort, „in ältester Zeit zu Waffen oder Geräten verwendet wurde, ist mir nicht bekannt geworden. Es scheint wie bei Homer zu sein, wo Eisen zwar erwähnt wird, aber fast alle in dem trojanischen Kriege gebrauchten Waffen als kupferne (eherne) bezeichnet werden. Im Jahre 475 v. Chr. schenkte Fu-tscha, König von U, seinem Minister U-tse-tsin ein Schwert von Stahl und hieß ihn damit sich den Hals abschneiden. Chinesische Nachrichten besagen: Im Altertum verfertigte man die Waffen aus Kupfer. Zu den Zeiten des Thsin (drittes Jahrhundert v. Chr.) ersetzte man das Kupfer durch Eisen. Alles zusammen genommen kann ich für vollkommen gewiß halten, daß in China der Gebrauch des Kupfers oder der Bronze demjenigen des Eisens vorangegangen ist.“[241]
Jedenfalls wird in der älteren chinesischen Litteratur das Eisen, neben Zinn und Kupfer, als durchaus bekanntes Metall erwähnt. Was alte Eisenfunde betrifft, so ist mir darüber nichts bekannt geworden. Doch möge hier der Bericht des englischen Konsuls Markham über einen alten chinesischen Eisenbau stehen, den wir mit möglichst kritischen Augen zu lesen bitten.
Markham, welcher von Tschifu aus die Provinz Shantung bereiste, erzählt bei seinem Besuche der Stadt Tai-ngau-fu folgendes: „Outside the west gate of the city is a cast-iron pagoda in the midst of the ruins of a temple. I was told this pagoda was erected in honor of the empress Min, wife of the emperor Seang, 5th of the Hea Dynasty B. C. 2146, by a succeeding emperor Shuo-kang B. C. 2074. It is a curious old structure, 40 feet in height, and apparently one solid piece.“[242]
Es ist diese 11 m hohe Pagode, wenn sie wirklich aus einem Stück Gußeisen besteht, eine großartige Leistung der Technik, und würde sich das hohe Alter, welches Markham angegeben, bestätigen, so repräsentierte dieser Bau mit der in der großen ägyptischen Pyramide gefundenen Klinge das älteste bekannte Eisen! Mag auch die Pagode vielleicht aus mehreren Teilen zusammengesetzt sein und ihr Alter nicht so hoch hinaufreichen, wie dem englischen Konsul angegeben wurde, so wird sie immerhin als ein uralter Zeuge der chinesischen Metallindustrie dastehen. Wer die alten chinesischen Metallarbeiten, wie sie zahlreich in unseren Museen sich befinden, betrachtet, der erhält sofort den Eindruck, daß dieses Volk in der Metallurgie uns bis zum vorigen Jahrhundert ebenbürtig oder überlegen war. Sie trieben Bergbau auf Eisen, Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Blei und Zink. Letzteres wurde metallisch weit früher in China als in Europa gewonnen und gegen Ende des 16. Jahrhunderts von dort zu uns eingeführt.
Chinesische Eisenindustrie. China hat noch gegenwärtig, wiewohl ihm das Abendland vielfach Eisenwaren sendet, eine noch sehr ausgebreitete und alte Eisenindustrie, die bei dem Reichtum an Eisenerzen und Steinkohlen sich ganz naturgemäß entwickelt hat. Sie ist eigentümlich durch und durch, wie fast alles chinesische, und entbehrt bei der Herstellung des Rohmateriales der Öfen, benutzt vielmehr dazu Schmelztiegel, wie aus den im nachstehenden reproduzierten Beschreibungen v. Richthofen's hervorgeht, der namentlich die Eisenwerke der Provinz Schansi studiert hat.
Schansi produziert ungefähr jährlich 1700000 Tonnen Steinkohlen, die hier schon vor Jahrtausenden im großen Maßstabe gewonnen wurden. Die mächtigen Kohlenfelder dieser Provinz erhalten einen besonderen Wert durch die sie begleitenden ausgezeichneten Eisenerze, welche man früh mit Steinkohlen verhüttete. Seit alter Zeit ist der größere Teil von China von dieser Provinz aus mit Roheisen und Schmiedeeisen versorgt worden und die Nachbarprovinzen bezogen von ihr einen Teil ihres Bedarfes an Gußwaren. In den Handel kommt das Eisen von Schansi unter dem Namen Pingeisen und Lueisen. Die jährliche Produktion an Roh-, Schmiede- und Gußeisen schätzt v. Richthofen auf ungefähr 160000 Tonnen im Gesamtwert von 18 Millionen Mark. Diese Produktion ist auf einige Plätze beschränkt, welche reiche Erze und gute Verkehrswege besitzen, wo auch das Eisengewerbe von altersher festen Fuß faßte. Gegenwärtig beschränkt sich diese Industrie in Schansi auf das Verbreitungsgebiet des Anthracits, welcher für die chinesische Schmelzmethode sich geeigneter erweist als Coaks.[243]
Bei dem volkreichen Städtchen Tai-yang ist die Oberfläche des Dolomits voll von regellosen Aushöhlungen und in diesen finden sich die Eisenerze angehäuft, ein Gemenge von Brauneisenstein, Roteisenstein, Thoneisenstein und Spateisenstein. „Wohl hundert Millionen Menschen mögen, ehe der europäische Import störend eingriff, ihren Bedarf an Eisen aus dem Gebiet des Kreises Föng-tai-hsiën (zu dem der Ort gehört) bezogen haben.“ Dafür zeugen denn auch die imponirenden, gigantischen Haufwerke zerschlagener, verbrauchter Schmelztiegel.
Die Eisenerze werden meist in Tagbauen gewonnen und auch der Anthracit ist leicht zugängig, so daß für die Gewinnung des Lueisens sehr günstige Bedingungen vorliegen. „Die Schmelzung geschieht in einer großen Zahl kleiner Werkstätten. Ein ausgeebneter und ein wenig geneigter Platz von 2,25 m Länge und 1,40 m Breite ist wie eine Tenne ausgestampft. An den beiden Langseiten wird er von Lehmmauern begrenzt. Die vordere Seite, nach welcher die Fläche sich senkt, ist offen, während die vierte durch die Lehmwand einer kleinen Hütte geschlossen ist, in welcher sich der von zwei bis vier Mann getriebene Blasebalg befindet. (Letzterer ist nicht näher geschildert.) Der Boden ist mit faustgroßen Stücken von Anthracit belegt. Darauf stellt man ungefähr 150 Schmelztiegel von feuerfestem Thon, welche 35 cm hoch sind und oben 15 cm Durchmesser haben. Die Tiegel werden mit einem Gemenge gefüllt, das in folgender Weise bereitet wird. Das Erz wird mit der Hand klein geschlagen und das gröbere durch ein Sieb abgeschieden. Das feine wird mit Grubenklein von Anthracit und kleinen Stücken eisenreicher Schlacken vermengt. Dies wird nun in den Tiegel geschüttet. Den Raum zwischen den Tiegeln füllt man sorgfältig mit Anthracit aus und zuletzt breitet man eine Lage des letzteren über die Tiegelschicht aus. Darauf stellt man dann eine zweite Schicht von 150 angefüllten Tiegeln, die auch mit Kohle bedeckt wird. Obenauf werden alte, unbrauchbare Tiegel gelegt und ebenso wird vorn eine Wand von horizontal liegenden alten Tiegeln aufgesetzt. Nun wird Feuer gemacht und Luft eingeblasen. Sobald die Hitze groß genug ist, hört man auf zu blasen, da die frei hindurchstreifende Luft hinreichend ist, die Glut zu erhalten. Die weitere Behandlung richtet sich danach, ob das Metall zur Bereitung von Gußware oder von Schmiedeeisen dienen soll. Für den ersteren Zweck werden die Tiegel aus der Glut genommen und der flüssige Inhalt auf eine ebene Fläche ausgegossen. Man erhält dadurch ein weißes sprödes Eisen in dünnen Scheiben. Will man Schmiedeeisen haben, so läßt man den Haufen durch vier Tage langsam abkühlen. Die Tiegel werden dann zerschlagen; an ihrem Boden befindet sich das Eisen in halbkugeligen Stücken. Der Preis des so dargestellten Eisens von beiden Arten ist etwas über drei Mark pro 50 kg.
Ein anderer berühmter Ort Schansis für Eisenindustrie ist Nantsun, wo Gießereien, Nagelschmiede, Frischfeuer, Drahtziehereien bestehen. Um Gußwaren herzustellen, verfährt man gerade so wie bei der Bereitung des Roheisens, die plattenförmigen Stücken des letzteren werden zerschlagen und mit Anthracit und Frischschlacken gemengt, in Tiegel gefüllt, die in zwei Reihen von je 150 übereinander gestellt werden. Ist alles in Glut, so faßt man die Tiegel mit eisernen Zangen und gießt ihren Inhalt in Formen. Vorwaltend verfertigt man große eiserne Kessel von 0,50-1 m Durchmesser und 15-30 cm Tiefe, die sich durch Dünne des Metalls und Haltbarkeit auszeichnen. Außerdem wird eine große Anzahl anderer Gegenstände für Haushalt und Landwirtschaft hergestellt. Man wendet für sie je nach den Anforderungen an die Eigenschaften des Eisens verschiedene Mischungen und Methoden an. Diese sind das lange vererbte Geheimnis der einzelnen Fabriken. Die Darstellung des Schmiedeeisens konnte v. Richthofen nicht sehen; es wird dazu nur das langsam gekühlte Roheisen verwendet. Das Produkt ist so vorzüglich, daß die Chinesen es bei gleichem Preise dem importierten europäischen vorziehen. Drahtzieherei und Nagelschmieden ist Hausindustrie. Die Eisenindustrie von Nantsun muß sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr großen Schlackenhalden, zwischen denen die Straße oft mehrere Li (à 556 m) weit hindurchführt.
Ein dritter wichtiger Eisenindustrieplatz in Schansi ist Shwo-fàng-tsun, wo alle Materialien billig zur Hand sind und das Terrain sich in bester Weise für die Anlage der Eisenwerke eignet. Das Erz, ein Gemenge von Brauneisenstein und Spateisenstein wird in kleinen Gruben gewonnen; einige werden durch Tagebau betrieben, in anderen erreicht man das Erz durch einen kurzen Stollen und nicht selten sind Schachte 6-9 m tief gesenkt. Der Bauer gräbt das Erz auf seinem eigenen Felde und verkauft es an eines der zahlreichen Schmelzwerke. Die Hüttenwerke, nach Art der oben beschriebenen eingerichtet, sind in Lösterrassen angelegt; nur stellt man die Tiegel in 30 Reihen von je 11 Stück, die 60 cm hoch sind und beinahe 15 cm Durchmesser haben. Die Beschickung und Schmelzmethode sind wie oben angegeben.[244]
Bei Lang-tiën in der Provinz Honan wurde in früherer Zeit Eisen geschmolzen, wie die Überreste der Schmelzwerke und die erstaunlich großen Schlackenhalden beweisen. Sie sollen aus der Zeit der Ming-Dynastie (14.-17. Jahrhundert) stammen. Jetzt verstehen die Einwohner die Kunst des Schmelzens nicht mehr.[245]
Prähistorisches aus Japan. Die prähistorischen Verhältnisse Japans zeigen in vielen Beziehungen überraschende Ähnlichkeit mit den unsrigen. Hat man auch noch keine Pfahlbauten entdeckt, so sind doch Tumuli, Steingräber, Kjökkenmöddings, zugehauene und polierte Steine, Bronzen und Thongefäße gefunden worden; auch fehlen Knochen- und Horngeräte nicht. Die Funde werden meist in den Küstenprovinzen, sowie auf den Inseln, selbst den Liukiu- und Bonininseln, gemacht und zeigen auch in ihren Formen eine überraschende Ähnlichkeit mit unseren europäischen Geräten und Waffen. Besondere Aufmerksamkeit haben in der letzten Zeit die Muschelhaufen von Omori an der Bucht von Jedo erregt, die vielfach untersucht sind und über die wir schon eine eigene Litteratur besitzen. Hier sind die rohesten, behauenen Formen der Steingeräte vertreten und Metallbeigaben fehlen. Man schreibt diese Funde der japanischen Urbevölkerung, den Ebisu, zu, Vorfahren der heutigen Ainos, welche nach dem Norden zurückgedrängt wurden. Dafür spricht die Ornamentierung der Thonscherben und Thongefäße in den Muschelhaufen, welche nach Milne is very like that of the modern Aino. Eine zweite Gruppe von Funden zeigt nach Heinrich von Siebold weit höhere Formen. Das verwendete Gestein kommt in Japan gar nicht oder nur spärlich vor, um so häufiger aber auf den malayischen Inseln, in Korea und China. Die Stücke sind meist poliert, oft auch verziert und werden in Gemeinschaft mit Bronze angetroffen. Man nimmt an, daß sie von Djimo-tenno herrührten, dessen Krieger Waffen aus Stein und Bronze führten und der die Aino besiegte und nach Norden drängte.[246] Das alles erscheint wie Ausläufer der chinesischen Kultur.
Bereits der ältere v. Siebold hatte uns in seinem klassischen Werke über Japan mit jenen alten Steingeräten bekannt gemacht und auf deren Übereinstimmung mit den europäischen Pfeilspitzen etc. hingewiesen. Nach den japanischen Traditionen fielen die alten Steinwaffen vom Himmel, wenn ein wütendes Heer von Geistern in Sturm und Hagel dahinbrauste. Nachdem der Himmel wieder klar geworden, zogen die Leute aufs Feld und fanden dort die Waffen und Geräte, welche schon vor Zeiten in Raritätenkabinetten aufbewahrt wurden und als Rai fu seki, Donnerkeile, bekannt waren, wie die gleichen Steinbeile in Europa und anderwärts, von denen derselbe Aberglaube herrscht. In den Tempeln wurden die ausgegrabenen Steinobjekte als Überbleibsel der Kami, der Geister, von denen die Japanesen abzustammen glauben, aufbewahrt.[247] Was Symmetrie und Politur betrifft, sind diese japanischen Steingeräte noch vollkommener, als die schönsten neolithischen Exemplare Europas.
Heutige Metallurgie der Japaner. Wie bekannt, sind Bergbau und Hüttenwesen heute in Japan hochentwickelt und in einzelnen Zweigen der Metalltechnik ist das merkwürdige Volk des Sonnenaufganglandes uns Europäern entschieden voraus. Zur Vervollständigung unserer Angaben möge hier noch ein kurzer Bericht über das japanische Montanwesen Platz finden, nach den Mitteilungen, welche Gümbel gelegentlich der Weltausstellung in Philadelphia gegeben hat.[248] Danach war zu Ende des achten Jahrhunderts der Bergbau in Japan schon lebhaft im Betriebe, wie dieses auch durch zahlreiche auflässige alte Baue bewiesen wird. Man trieb Stollen, einen unter dem anderen, so weit es Wetter und Wasserzudrang gestatteten; die Wasserhebungsvorrichtungen waren aber stets unvollkommen. Die Stollen sind oft von so geringer Höhe, daß sie nur von Jungen befahren werden konnten, die das zu fördernde Material in Säcken zu Tage brachten. Die Fahrten bestehen aus einfachen Baumstämmen mit eingeschnittenen Stufen. In der Gesteinsarbeit bediente man sich der einfachsten Gezähe: Keilhammer, Schaufel, Hammer und Meißel; zur Wasserhaltung benutzte man kleine hölzerne Handpumpen und Kübel. Die Ventilierung war eine vorgeschrittenere, indem man, um die Luftcirkulation herzustellen, die in verschiedener Höhe angelegten Stollen vertikal verband und auch Wetterlutten anlegte, die, aus hölzernen Dielen hergestellt, durch die Stollen geführt wurden. Späne oder Lampen mit Fischöl und Docht aus Binsen dienten zur Beleuchtung.
Uns interessieren hier die alten einheimischen metallurgischen Prozesse, welche neuerdings den europäischen Methoden weichen müssen. Aufbereitung und Herstellung der Edelmetalle war sehr einfach. Die Erze wurden zuerst von Weibern auf der Grube zerschlagen, sortiert und die haltigen Stücke zur Hütte gebracht, hier das Erz weiter mit Hämmern auf geneigten Steinplatten in Pulverform verwandelt und geschlämmt, wohl auch durch Handmühlen verfeinert und verwaschen. Die erhaltenen Goldteilchen schmilzt man in kleinen Schmelztiegeln auf offenem Holzkohlenfeuer, dessen Intensität durch Handblasebälge verstärkt wird. Beim Silber bediente man sich bisher der Schmelz- und Abtreibemethode, wie in anderen Ländern, während man zur Scheidung von Gold und Silber das Zusammenschmelzen mit Schwefel in Anwendung brachte.
Zur Darstellung von Gußeisen und Stahl bediente man sich bis in die neueste Zeit ausschließlich des Magneteisens in Form kompakter Massen oder von Sand, wie dieses Mineral im Gneis, granathaltigem Diorit und Hornblendegestein reichlich vorzukommen pflegt. Besonders reich an solchen Erzen ist die Provinz Rikuckiu, wo zu Heigori die erzführenden Lagerzüge sich meilenweit fortsetzen. Ähnliche Lager finden sich auch im kalkigen Schiefer der Provinz Iwaki. Der Gehalt der Erze beträgt durchschnittlich 62 bis 65%. Eisenglanz und Brauneisensteine wurden nicht benutzt.
Diese Magneteisenerze werden nach der alten Methode in kleinen Öfen von rektangulärem Querschnitt nach Art der Stücköfen von 3,5-4,5 m Höhe verschmolzen. Zum Ofenbau benutzt man feuerfesten Thon, den man für die Herstellung des Herdes mit Holzkohlenpulver vermengt. Als Gebläse dienen hölzerne, mit der Hand in Bewegung gesetzte gewöhnliche Blasebälge oder auch ganz eigentümlich konstruierte, aus zwei liegenden cylindrischen Sektoren bestehende blasebalgähnliche Maschinen, in welchen durch eine oszillierende Auf- und Niederbewegung zweier an einer Achse befestigter Bretter ein Luftstrom erzeugt wird. Ventile regulieren das Aus- und Einströmen der Luft, während die Bewegung durch das Herüber- und Hinübertreten von zwei oder drei Menschen bewirkt wird.
Wendet man Magneteisen in Sandform an, so stellt man eine Grube von 3,5-4,5 m Weite und 3 m Tiefe im Boden her, füllt diese lagerweise mit Holzkohlenstaub und feuerfestem Thon, den man durch Entzünden der Kohle brennt und härtet, um auf diese Weise den Unterbau zu gewinnen, auf dem man den eigentlichen Ofen an der Basis 23/4 m auf 11/2 m breit und 1 m hoch mit einem keilförmigen Hohlraume errichtet. Beim Beginne des Schmelzens wird der Ofen mit Holzkohle gefüllt, das Gebläse angelassen und sobald die Füllung sich setzt, nach etwa zwölf Stunden, Magneteisensand gegen 3750 kg und gleichviel Kohle nachgefüllt. Der Schmelzprozeß dauert zwei Tage und drei Nächte und man erzeugt gegen 45% Roheisen und 1% Stahl, der, nachdem das Eisen abgelassen ist, als eine an den Wänden hängenbleibende Luppe herausgenommen wird. Die ganze Manipulation, vom Ofenbau bis zum Wegbringen des Produktes, nimmt acht Tage in Anspruch.
Zinnerze kommen in Satsuma, Suwo und Bingo vor; die Zinnproduktion ist aber nicht bedeutend. Das Kupfer, so heißt es bei Gümbel, sei in Japan zuerst im Jahre 684 unserer Zeitrechnung entdeckt worden, was jedenfalls zu spät angesetzt ist. Die Art seiner Darstellung ist ähnlich wie in Europa. Bekannt sind die vielen schönen farbigen Legierungen, zu denen man es benutzt.
Da die Bronzen, welche mit Steingeräten zusammen in Japan gefunden werden, im strengsten Sinne prähistorisch sind, so muß das Kupfer auch zu jener Zeit in Japan bekannt gewesen und nicht erst vor 1200 Jahren entdeckt worden sein. Zur Zeit, als unser Landsmann E. Kämpfer (1690) Japan bereiste[249], war Kupfer das gewöhnlichste unter allen Metallen des Landes. Messing war aber selten und teurer als Kupfer, da man das hierzu nötige Galmei aus Tonkin beziehen mußte. Eisen aber war, was uns interessiert, mit Kupfer im gleichen Preise und eiserne Werkzeuge waren teurer als solche aus Kupfer oder Messing. Nägel, Klammern, Haken, welche anderwärts aus Eisen hergestellt wurden, machte man zu Kämpfer's Zeit aus Kupfer. Sehr feines Zinn wurde damals in der Provinz Bongo gewonnen, aber wenig gebraucht. Bronze wird von Kämpfer nicht erwähnt, wiewohl man sie vortrefflich zu bereiten wußte und daraus die herrlichsten kunstgewerblichen Gegenstände herstellte. Mag man auch eine „Kupferzeit“ in Japan annehmen, eine „Bronzeperiode“ in dem Sinne, daß die Bronze das Material zur Herstellung der gewöhnlichen Gebrauchsgegenstände war, hat es in Japan nicht gegeben.
China sowohl als Japan zeigen die Metalltechnik seit der ältesten Zeit und unabhängig vom Abendlande. Sie bilden ein abgeschlossenes Reich für sich, von dem aber, bei geographischem Zusammenhange ganz naturgemäß, Ausstrahlungen nach Nordwest und Norden, zu türkischen, finnischen und hyperboräischen Völkern stattfinden mußten.
237 Grosier, De la Chine. Paris 1818. I. 191.
238 Goguet, III. 331 citiert bei Tylor, Early history of mankind. 208.
239 China. I. 369 ff.
240 v. Richthofen a. a. O. I. 373.
241 Mitteil. der Anthropol. Ges. in Wien. IX. 218.
242 J. Markham, Notes on a journey through Shantung. Journ. R. Geogr. Soc. vol. 40. 217 (1870).
243 v. Richthofen, China. II. 477.
244 v. Richthofen, China II. 411. 412. 436.
245 A. a. O. II. 500.
246 v. Siebold in Verhandl. Berlin. Anthropol. Ges. 1878. 429. — Morse, Traces of an early race in Japan. New-York 1879. — J. Milne, The stone age in Japan. Journ. Anthropol. Inst. X. 389.
247 Ph. Fr. v. Siebold, Nippon, Archiv zur Beschreibung von Japan. II. 45 ff. Taf. 11-13.
248 Das Ausland. Nr. 37. 1877.
249 Geschichte und Beschreibung von Japan. Lemgo 1777.
Das Eisen bei den sibirischen Völkerschaften. Als die Russen über den Ural gingen und im 17. Jahrhundert erobernd Sibirien durchzogen, trafen sie neben den Gerätschaften und Waffen aus Stein und Knochen bei den dortigen Stämmen wenige eiserne Werkzeuge, die auf dem Handelswege dorthin gelangt waren, jedoch nur einzelne Völker, welche mit der Darstellung und Bearbeitung des Eisens vertraut waren.
Daß die Ostjaken bei der Ankunft der Russen Eisen schmolzen und Schmiedearbeiten ausführten, erwähnt J. G. Müller[250], doch ist diese Kunst jetzt bei ihnen verloren gegangen, wie Poljakow angiebt[251], wohl infolge der russischen Eiseneinfuhr. Die Tataren am Tom wurden von den Russen bei ihrem Vordringen nach Sibirien als Kusnezi (Schmiede) bezeichnet, „weil in ihrer Gegend viel Eisenerz fällt, woraus sie Eisen schmelzen und dasselbe zum Haus- und Jagdgebrauche verarbeiteten“.[252]
Auf das eisenkundigste sibirische Volk trafen die Russen aber erst, als sie bis zur Lena vorgedrungen waren. Hier saßen die Jakuten, türkischen Stammes, welche Waffen, wie Messer, Beile, Lanzen, Pfeile, Streitäxte und Kurjaks, d. h. Lederpanzer mit kleinen eisernen Platten benäht, Helme etc., verfertigten. Von den Jakuten lernten ihre nächsten Nachbarn, die Tungusen und Lamuten, den Gebrauch des Eisens kennen, denn bereits 1652 trafen die Russen die Lamuten an der Ochota mit ganz gleichen Waffen wie die Jakuten versehen.[253]
Trotzdem in Sibirien russische Eisenwaren den Markt behaupten, bereiten die Jakuten noch jetzt in der primitivsten Weise ihr Eisen selbst aus den Erzen. Das Eisenerz gewinnt man in zwei jakutischen Bezirken, dem Chatschikat- und dem Schemkonbezirke. Im erstgenannten, am Flusse Botama, werden in Darkylach, Schestakowsk und Kürtägija jährlich über 25000 kg, im Schamkonbezirke, am Bache Lütäga, über 3500 kg Eisen gewonnen (zu v. Middendorff's Zeit). Als Blasebälge dienen beim Ausbringen zwei lederne Butterschläuche. Ein solcher „Simirj“ wird aus halbgegerbten, geräucherten Fellen zusammengenäht und ist sackartig geformt. Die obere Öffnung „wird durch zwei Stöcke geschlossen, gleich einem Portemonnaie“. Dieser Verschluß ist so luftdicht, daß es genügt, eine Röhre (am unteren Ende) einzufügen, zwei Säcke nebeneinander zu stellen und durch abwechselndes Ausdrücken der Luft einen Blasebalg zu ersetzen. Beim Emporziehen des Sackes wird momentan die Mundöffnung gelüftet.[254] Es ist dieses also dieselbe Art von Blasebalg, wie wir sie bei den Zigeunern, in Indien und teilweise in Afrika kennen gelernt haben.[255] Näheres über die Eisendarstellung giebt unsere Quelle nicht an, aber sie erwähnt, daß die aus dem gewonnenen Eisen hergestellten jakutischen Schmiedearbeiten vorzüglich sind, namentlich die Messer. Die Klinge ist ähnlich wie die Schneide unserer Hobeleisen gebildet, indem die eine Fläche der Klinge im spitzen, die andere im rechten Winkel zum Rücken derselben gerichtet ist. Der Holzgriff ist mit eingelegten Messingstreifen verziert, Umgüsse von Blei festigen die Klinge im Griffe. Diese Klingen sind außerordentlich biegsam, so daß der Jakut sie im Halbkreis biegen kann, um damit aus freier Hand zu drechseln. Außerordentlich geschickt in der Metallbearbeitung, fertigen sie noch Äxte, Bärenspieße, Sicheln, Scheren, alle verziert und oft mit Silber tauschiert. Noch jetzt stehen die Eisenarbeiter bei den Jakuten in hohem Ansehen, wie z. B. Temir Jegor, der eiserne Jegor, den F. Müller[256] am Olenek unter 69° nördl. Br. traf und der dort seine Kunstfertigkeit ausübte. Die Eisenbereitung bei den Jakuten ist um deswillen von Interesse, weil sie einmal uns zeigt, wie weit dieselbe nach Norden hin vorgedrungen ist und andererseits, wie dieselbe mit dem Charakter eines nomadischen Volkes nicht unverträglich ist; ursprünglich Schafzüchter, sind die Jakuten zur Pferdezucht übergegangen und, allmählich ihre Weidegründe erweiternd, bis zur Eismeerküste vorgerückt.
Die übrigen Völker Sibiriens befanden sich beim Einrücken der Russen noch in der Steinzeit und stürzten sich, gerade so wie es von den Südseeinsulanern bekannt ist, auf das neue Metall, das neben Tabak und Branntwein ihnen der begehrteste Tauschartikel wurde, so daß für ein gewöhnliches Messer ein Zobelfell gegeben wurde.[257]
Ausgeschlossen ist nicht, daß bei den östlichen, Japan und China zugewandten Völkern hin und wieder Eisen, aus ostasiatischer Quelle stammend, vorkommt, doch war diese Einwirkung nur eine höchst untergeordnete und keinen durchgreifenden Einfluß ausübende. Nach Steller[258] lernten die Kamtschadalen das Eisen erst durch die Russen kennen; sie besaßen im Anfange des 18. Jahrhunderts fast nur Gerätschaften aus Stein oder Knochen. Noch eingehender als unser Landsmann behandelt die hier interessierenden Verhältnisse der Russe Krascheninnikow. „Aus Knochen und Stein,“ sagt er, „waren der Kamtschadalen Äxte, Wurfpfeile, Nadeln, Spieße. Die Äxte bestanden aus den Knochen der Walfische oder Rentiere, zuweilen aus Achat und Kieselstein. Sie hatten die Gestalt eines Keiles und waren an gekrümmte Handhaben befestigt. Damit höhlten sie ihre Kanoes, Schalen und Tröge aus; allein mit so viel Mühe und Zeitaufwand, daß ein Kahn drei Jahre und eine große Schale wohl ein Jahr Zeit erforderte. Natürlich erhielten dadurch diese Gegenstände einen hohen Wert. Auch sehr feine Arbeiten konnten die Kamtschadalen mit ihren einfachen Werkzeugen ausführen. So sah Krascheninnikow eine Kette aus Walroßzahn mit den feinsten Gliedern, wie gedrechselt. Sie war 40 cm lang, aus einem Stück geschnitten und „ein Kunststück des größten Meisters würdig“. Die Ansicht, daß die Kamtschadalen vor Ankunft der Russen durch die Japanesen (via Kurilen) das Eisen kennen gelernt, weist Krascheninnikow nicht zurück[259], doch fand der Import jedenfalls nur im geringen Maße statt.
Die nördlichen Nachbarn der Kamtschadalen, die Koriäken, erhielten dagegen das Eisen sicher erst durch die Russen, verstanden es aber bald, dasselbe in meisterlicher Weise zu bewältigen, wenn sie es auch nicht aus den Erzen darstellen lernten. „Messer, Beile, Piken, Ringe für die Rentier- und Hundegespanne, Armspangen von eigener Arbeit sieht man überall bei diesen Nomaden. Besonders aber zeichnen sich Messer und Piken durch Zierlichkeit aus, indem sie meist von ausgelegter Arbeit sind. Arabesken aller Art werden tief in das Eisen eingraviert und in die Einschnitte feine Kupferstreifen eingehämmert. Es ist oft erstaunlich, wie diese Leute mit so sehr mangelhaften Instrumenten die regelmäßigsten Formen den Messern und Piken geben und diese auf das geschmackvollste verzieren können.“[260]
Noch weiter nördlich uns wendend, treffen wir auf die Tschuktschen, bei denen nach Karl von Neumann, der sie 1869 besuchte, die Einführung des Eisens durch den Engländer Billings am Ende des vorigen Jahrhunderts erfolgte, ohne die geringste Änderung in den Lebensgewohnheiten dieses Volkes hervorzubringen.[261] Sie sind noch heute, wie wir durch Nordenskiöld erfahren, ein Volk, bei dem der Übergang vom Gebrauche des Steines und Knochens zum Eisen sich studieren läßt, da mehr und mehr europäische und amerikanische Eisenwaren bei ihnen zur Verwendung kommen, ohne jedoch jene soziale und kulturelle Umwälzung hervorzurufen, die wir gewöhnlich mit der Einführung des Eisens verknüpft wähnen. Das Material wechselt, aber sonst bleibt alles beim alten. Zur Ausrüstung der Schlitten gehört jetzt ein Stab mit Eisenbeschlag und einer Menge Eisenringe. Ihre Pfeile sind noch teils mit Holz- und Knochenspitzen, teils mit Eisenspitzen versehen, die Angelhaken aus Knochen oder Eisen, die Löffel aus Knochen, Kupfer oder (eingeführt) Eisenblech; die Hämmer zum Zermalmen der Knochen aber — echt prähistorischer Form! — aus Stein. Neben dem alten Drillbohrer zum Feuermachen benutzen die Tschuktschen schon Stahl, Feuer und Zunder. „Der Feuerstahl besteht oft aus einer Pfeilspitze oder einem anderen alten Stahlgerät oder auch aus extra für diesen Zweck geschmiedeten Eisen- und Stahlstücken. Gewöhnlich verrät die Form dieser Geräte einen europäischen oder russisch-sibirischen Ursprung, doch erwarb ich mir auch plump gehämmerte Eisenstücke, welche Proben einheimischer Schmiedegeschicklichkeit zu sein schienen. Ein Tschuktsche zeigte mir einen großen Feuerstahl letztgenannter Art, welcher mit einem kupfernen Griff für den Finger versehen und durch lange Benutzung hübsch geglättet war.“ Das Eisen zu diesen Feuerstählen war nicht meteorisch, mußte daher eingeführt und jedenfalls kalt geschmiedet sein.[262]
Was die vielbesprochenen Onkilon jener Gegend betrifft, so lieferte die Untersuchung ihrer Gräber nur Gerätschaften von Knochen und Stein, nichts von Metall.[263]
Die alten Bergbaue der Tschuden. So sind die Beziehungen der nordsibirischen Völker zu den Metallen in historischer Zeit und in der Gegenwart. Nordasien hat aber auch seine Völkerverschiebungen und Wanderungen gehabt und alte Funde in den erzführenden Gebirgen, wie in den Ebenen deuten auf vergangene Stämme, welche mit der Bearbeitung der Metalle wohl vertraut waren, ja hierin relativ Hervorragendes leisteten. In Bergbauen und Gräbern haben sich die Schätze jener prähistorischen Zeit erhalten, die zusammen mit der Linguistik uns Aufschlüsse über die vorgeschichtlichen Metallarbeiter geben.
Vom Ural bis zum Altai und wieder bis Transbaikalien werden die alten Bergbaue und Gräber vom Volke den Tschuden oder Tschudaki zugeschrieben. Daß es sich auf dieser weiten Ausdehnung um ein Volk gehandelt habe, läßt sich nicht annehmen, wie denn auch die große Verschiedenartigkeit der Grabfunde auf verschiedene Völker deutet und ihre Beschaffenheit und ihr Stil verschiedene Zeitperioden erkennen läßt. Die Wogulen, die jetzigen Bewohner des Ural, wußten, als die Russen zu ihnen kamen, nicht mehr, von wem die alten Halden und Schürfe herrührten, auch betrieben sie selbst keinen Bergbau, sondern wiesen auf die Tschuden hin. Die alten Minen selbst, die sich im Ural erhalten haben, schildert Pallas folgendermaßen:
„Auf allen erzreichen Strecken am uralischen Gebirge finden sich alte, von einer uns unbekannten Nation, welche den Bergbau sehr fleißig getrieben haben muß, herrührende, oft ziemlich tief getriebene Schachte, Stollen und Schürfe; ja die besten heutigen Bergwerke im Orenburgischen haben ihre Entdeckung diesen alten Spuren, welche unter dem Namen Starie- oder Tschudskie-Kopi bekannt sind, zu danken. Sie sind um desto merkwürdiger, weil sie gemeiniglich bloß in runden Kanälen und Gängen bestehen, welche weder ausgezimmert, noch gestützt sind. Selbige sind zuweilen so enge, daß die Arbeit darin höchst beschwerlich muß gewesen sein, weil man in den getriebenen Örtern oft nicht einmal aufrecht stehen kann. Bei der Saigatschi Rudnik (bei Orenburg) ist außer vielen Schürfen ein außerordentlich geräumiger und mit vielen Örtern ausgetriebener Stollen noch im besten Stande gefunden worden, bei dessen Ausräumung man nicht nur geschmolzenes Kupfer in runden Kuchen, sondern auch viele runde, aus weißem Thon gemachte Töpfe, worin die Schmelzung verrichtet worden, ja auch Gebeine von verschütteten Arbeitern beisammen gefunden, von Herden oder Schmelzöfen aber nicht die geringste Spur bemerkt haben soll.“[264]
Als 1573 die Russen begannen, den Metallschätzen im Salairgebirge und dem Kusnezkischen Alatau — beides Ausläufer des Altai — Aufmerksamkeit zuzuwenden, waren die wichtigsten Gruben bereits 10-15 m tief ausgebeutet und verschüttet und alte Schlackenhaufen, aus denen man noch zwei Prozent Kupfer gewann, enthielten Schmelztiegel und kupferne Waffen. Außerdem bewiesen verschieden gestaltete Keile, Hacken und Hämmer mit Stiellöchern aus geschliffenem Diorit, Trapp und Sandstein das hohe Alter dieser Baue. Dagegen fehlten steinerne Geräte für die Bedürfnisse des täglichen Lebens.[265]
Ganz besonders entwickelt sind die alten Bergbaue am Schlangenberge im Altai, wo „die Tschuden“ die reichen und milden ockerigen Erze mit tiefen Schürfen und selbst Schächten von zehn und mehr Meter förderten. In die festen Erze einzudringen, haben ihnen die Mittel gefehlt, wiewohl man Spuren davon gefunden, daß sie in dieser Richtung wenigstens Versuche gemacht haben. Über die Art, wie jene Alten den Bergbau betrieben, lassen sich einige Andeutungen geben. Ihre Keilhauen und andere Gezähe waren aus Kupfer gegossen, wie die gemachten Funde beweisen; statt der Fäustel aber benutzten sie länglichrunde, sehr harte Steine, um welche in der Mitte eine Vertiefung ausgeschliffen ist, die zur Befestigung des Steines mit einem Riemen diente. Die Erze förderten sie in Ledersäcken an die Oberfläche, wie ein solcher mit reichem Ocker bei einem Skelett aufgefundener Sack beweist. Dieser goldhaltige Ocker war das Hauptziel des Bergbaues, wie auch die alten goldhaltigen Geschütte an den Bachufern darthun, wo der Goldschlich ausgewaschen wurde. Von Eisenwerkzeugen ist keine Spur gefunden worden.[266] Auch in der Gegend von Nertschinsk entdeckten die Russen alte Schürfe und Bingen, sowie alte verwachsene Schmelzherde und von Blei- und Kupferarbeit zeugende Schlacken und Glätten[267], und auch diese wurden den Tschuden zugeschrieben.
Wer waren nun jene Tschuden, durch die die alten Bergbaue im Ural und Altai angelegt wurden, Bergbaue, die viel gemeinschaftliches in der Art und Weise ihrer Anlage zeigen und an beiden, wiewohl weit von einander entfernten Orten, durch das Vorhandensein von Kupfergeräten, sowie die Abwesenheit von Eisen charakterisiert werden?
Es sind viele Mutmaßungen darüber aufgestellt worden. Vor hundert Jahren bereits identifizierte der Petersburger Akademiker Bayer die Tschuden mit den Skythen, die ja einen großen Teil Rußlands bewohnten. Dieser Ansicht hat sich später Ed. v. Eichwald angeschlossen, indem er die Skythen für die Vorfahren der heutigen finnischen Völker ansah.
Bekanntlich werden die Skythen noch als Vorfahren einer Reihe anderer Völker in Beschlag genommen und wir wollen die Ansicht v. Eichwald's dahingestellt sein lassen; daß aber die Tschuden — deren Namen unter den westlichen Finnen noch fortlebt — Finnen gewesen sein können, dafür sprechen noch andere Gründe. Die älteste Schmiedekunst der Finnen, als sie noch ungeteilt am Ural und in Sibirien beisammen saßen, muß nach Ahlqvist[268] auf das Kupfer bezogen werden; die Sprache legt hierfür Zeugnis ab, daß die Bekanntschaft der Finnen mit dem Kupfer eine sehr frühzeitige war, die Namen für dieses Metall sind in den finnischen Sprachen genuin. Bronze aber kannten sie wahrscheinlich nicht, da in ihrer Sprache sich keine Benennung für dieses Mischmetall vorfindet und da sie für das Zinn, welches zu einer solchen Bereitung nötig, den Namen erst aus den germanischen Sprachen entlehnt, also erst nach ihrer Ankunft an der Ostsee dieses Metall kennen gelernt.[269] Dort auch erhielten die baltischen Finnen von indogermanischen Völkern die Bezeichnung für Eisen, während die östlichen, den Ursitzen näher gebliebenen Finnen (Wogulen, Ostjaken, Wotjaken, Syrjänen, Tscheremissen) für dieses Metall einen gemeinsamen, nicht entlehnten Namen haben, der folglich erst entstanden sein kann, nachdem Ost- und Westfinnen sich getrennt hatten.[270]
Kupfer also ist das älteste Metall der Finnen und auf Kupfer und mit Kupfergezähen wurden die alten Bergbaue betrieben; die ursprünglichen Sitze der Finnen lagen gleichfalls am Ural und in Westsibirien, wo ja noch ein Teil dieses Volkes wohnt; endlich ist der Name der Tschuden, welcher den alten Bergleuten und Metallschmelzern Sibiriens traditionell gegeben wird, ein noch teilweise auf die heutigen Finnen angewandter. Auch A. Erman ist nicht abgeneigt, in den Tschuden finnische Völker, Vorfahren der jetzigen Ostjaken zu sehen, deren Name aus dem tartarischen Uschstjak entstanden ist.[271] Dieses alles scheint darauf zu deuten, daß jene alten Metallurgen finnischen Stammes waren, wiewohl die Gründe nicht stark genug sind, um diese Mutmaßung zur Gewißheit zu erheben.
Kurgane und Gräber in Sibirien. Abgesehen von den alten Bergbauen finden sich im westlichen und südlichen Sibirien zahlreiche Gräber sehr verschiedener Art und, nach den reichen Grabbeigaben zu schließen, von sehr verschiedenen Völkern und aus verschiedenen Perioden herrührend. Sie fesselten frühzeitig die Aufmerksamkeit der Reisenden und auch der Schatzgräber, die, nach Gold wühlend, manches kostbare Denkmal vorgeschichtlicher Zeit zerstörten. Strahlenberg, Pallas, Gmelin, Eichwald, Radloff, Pogow, Meynier und Eichthal, Desor und andere haben sich mit diesen Gräbern und ihrem Inhalte beschäftigt; es existiert darüber in russischen Fachschriften eine reiche Litteratur, die ich zu meinem Bedauern aus Unkenntnis der russischen Sprache nicht benutzen konnte. Es mögen daher die nachfolgenden Mitteilungen unter dem Gesichtspunkte der Unvollständigkeit beurteilt werden.
Das Centrum der Verbreitung dieser Gräber liegt am oberen Jenisei und seinen Nebenflüssen im Kreise Minusinsk, da wo dieser große Fluß aus der Mongolei nach Sibirien übertritt. Entlang dem Jenisei haben die Metallerzeugnisse jenes alten Kulturvolkes oder jener alten Kulturvölker sich gegen Norden hin verbreitet, denn tatarische Hirten finden in den Steppen bei Krasnojarsk am Jenisei beim Weiden hin und wieder Bronzegegenstände mit Tierbildern, welche in ihrer Ausführung eine weit höhere Kultur voraussetzen, als sie unter den dortigen, jetzt bekannten Eingeborenen besteht oder bestanden hat und die gleichfalls mit den „Tschuden“ in Zusammenhang gebracht wird. Derartige Bronzemesser zeigen am Griffe nach Desor[272] sehr gut ausgeführte Steinböcke, Wölfe, Elentiere, ja Tiger oder Löwinnen, aber mit einer Art von Elefantenrüssel.
Die Gegenstände, auf denen solche Ornamente vorkommen, sind Dolche, Beile, Piken, Meißel, gewöhnlich mit brauner, seltener mit grüner Patina überzogen. Die Formen werden von Desor, dem die Bronzen von dem Entdecker, dem russischen Ingenieur Lapatin zugeschickt wurden, für schön und elegant erklärt.[273]
Diese Funde, welche nach ihrer artistischen Ausgestaltung auf eine höhere Kultur schließen lassen, können nicht von den Vorfahren der heutigen Eingeborenen jener Gegenden herrühren und wohl auch kaum in diesen Gegenden entstanden sein, die mit einer Wintertemperatur, in der häufig das Thermometer bis auf -40° R. sinkt, dem Aufblühen der Künste und Gewerbe wenig förderlich waren. Sie weisen nach Süden, nach dem Grenzgebiete gegen die Mongolei hin, wo in der That ein schöneres Klima herrscht und die zahlreichen Gräber als Quelle jener Funde von Krasnojarsk zu erkennen sind.
Übersicht und System in die Gräber am oberen Jenisei hat W. Radloff gebracht, der die zahlreichen, verschiedenartigen Grabstätten im Kreise Minusinsk, an dem Ufer des Jenisei, in den Steppen des Abakan und Jüs untersuchte, sowie an den Strömen, die östlich vom Altai herabkommen. Tumuli und Steingräber liegen unregelmäßig zerstreut in den Uferlandschaften und begleiten in ununterbrochener Reihe die Gestade der Flüsse. Schon ihre große Anzahl zeugt von einem langjährigen Aufenthalte eines zahlreichen Volkes in diesen Gegenden.
Wohl auszuscheiden von den alten Gräbern dortiger Gegend, die gleich näher charakterisiert werden sollen, sind die jüngeren, nicht auf der Steppenfläche verteilten, sondern entfernt von den Flüssen in den Vorgebirgen gelegenen Gräber, die oft zu 60 bis 80 an einer Stelle sich beisammen finden und von Kirgisen herrühren. Sie enthalten neben Skeletten Eisengerät, Kessel, auch aus Kupfer, Messer und Pfeile aus Metall und selbst aus Knochen, kurz, eine Sammlung verschiedenartiger Kulturgegenstände, neben welchen auch russische Münzen aus dem 17. Jahrhundert nicht fehlen.[274]
In den älteren, an den Flüssen gelegenen Grabstätten mit Steinsetzungen fand aber Radloff fast durchweg nur Kupfergeräte und er sieht in ihnen den Nachlaß der ältesten Bewohner jener Gegenden. Es sind dieses die bereits von Pallas erwähnten Erdhügel oder Kurgane, teilweise mit Steinsetzungen, welche dieser gründliche Beobachter bereits vor hundert Jahren folgendermaßen schildert:
„Man findet in solchen durchgängig ganz deutliches und oft noch ziemlich unverbrochenes Zimmerwerk von sehr verwestem Lerchenholz, aus dessen Lage man sieht, daß vor die Leiche aus ziemlich dicken, übereinander liegenden Balken, fast nach Art der russischen Bauernstuben, ein kleines, länglich viereckiges Behältnis zusammengefügt und mit Erde überschüttet worden ist. Gemeiniglich findet man über der von dicken Bohlen gezimmerten Decke des Grabkellers entweder ausgebreitete Birkenrinden, welche, wie bekannt, schwer verwesen, oder Steinfließen, welche die morsche Decke eingedrückt haben. Der Boden des Behältnisses ist gleichfalls mit Brettern gedielt. In solchen Behältnissen findet man gemeiniglich die Knochen von zweien, auch wohl nur von einer Leiche, und in einem Hügel oft mehrere, durch hölzerne Scheidewände oder auch gänzlich durch Erdräume von einander abgesonderte Behältnisse nebeneinander. Am Fußende findet man verschiedene mit der Leiche beerdigte Kleinigkeiten, irdene oder auch kupferne Kessel und Töpfchen, Überbleibsel hölzerner Geschirre und Schöpfkellen, kupferne Werkzeuge von allerlei Art. In der Gegend des Gürtels pflegen hirschförmige und andere Bleche des Beschlages, die Dolche und Messer mit Spuren einer Scheide und andere kleine Gegenstände zu liegen. Um den Kopf finden sich mit Gold überzogene Knöpfe, Spangen und andere Spuren der beigelegten Kleidung. Man soll sogar noch zuweilen sichtbare Stücke von golddurchwirkten Seidenzeugen und übergebliebene Haare von Zobel- und anderen Pelzen in den wohlerhaltensten Grabkellern angetroffen haben. Bei einigen hat man eine Menge Hackenknochen von großen und kleinen Tieren, die durchlöchert und abwechselnd nebeneinander gelegen, als ob sie aneinander gereiht gewesen, oder auch viele kleine eckige Pyramiden von verschiedener Gestalt aus Gußkupfer, die vielleicht ein Brettspiel oder etwas ähnliches vorgestellt, gefunden. Die Spuren der Lanzen oder auch der Ehrenstäbe, die bei männlichen Leichen oft gefunden werden und mit Krücken von Gußkupfer geziert zu sein pflegen, sind zuweilen mit schmalen Streifen von geschlagenem Golde schlangenweise umschlungen. Noch finden sich zuweilen echte Goldblättchen, die zur Zierat um den Hals oder die Ärmel mögen gelegt gewesen sein oder womit auch die Griffe der Dolche und die Zieratsbleche der Gürtel gleichsam nur umwickelt scheinen. Zuweilen sind in einem Behältnisse bei ganzen Leichen auch verbrannte beigesetzt, deren Knochen in einem Haufen beisammen gemeiniglich nahe an den Wänden des hölzernen Grabes liegen; auf solchen Aschenhaufen sind die Goldblättchen und andere mit beigesetzte Kleinigkeiten zu oberst gelegt. — Alles Kupfergerät ist Gußwerk; von Eisen fehlen zwar in dergleichen Gräbern nicht alle Spuren, aber es ist doch eine sehr große Seltenheit. Nur habe ich von einem kleinen verrosteten Beile, die man sonst aus Kupfer nicht so selten findet, und von einer Keilhaue gehört, welche in Gestalt den jetzt bei unseren Bergleuten gebräuchlichen ganz ähnlich gewesen seien. — In großen Kurganen werden Pferdegerippe mit Spuren von Sattel und Zeug über den Grabkellern in der bloßen Erde gefunden.“[275]
Diese letzteren gehören aber offenbar in eine ganz andere Kategorie von Gräbern, wie wir aus den Forschungen Radloff's erkennen. In den Gräbern mit Kupfer- und Bronzegegenständen fand dieser nämlich niemals Pferdeknochen in größerer Anzahl, während in den späteren Steingräbern mit Eisen sich Pferdeskelette in Menge zeigten. Die Steingräber mit Eisenwerkzeugen zeigten in der Form der letzteren deutliche Nachbildungen alter kupferner Werkzeuge und Waffen. Diese Gräber stellt Radloff an die „Grenze zwischen Bronze- und Eisenperiode“. Es sind solche Gräber, wie sie Pallas[276] gleichfalls erwähnt, als Bestattungsplätze Vornehmer mit zierlichem Silbergeschirre, Gold in Blechen, Knöpfen und anderen Zieraten, mit Steigbügeln und anderem Pferdegeschirre von Eisen mit Silber und Gold eingelegt oder überzogen und nur mit wenig Kupfergerät. Radloff nimmt an, daß diese Gräber mit Eisen, mit den seidenüberzogenen Pelzgewändern, wie er eines von 28 m Durchmesser an der Katanda öffnete, von einem eingerückten Reitervolke türkischen Stammes herrühren, von einem Volke, welches die älteren Kupfer- und Bronzearbeiter vertrieb.[277]
Hierhin gehören auch die von Strahlenberg[278] aufgefundenen kleinen gegossenen Götzenbilderchen von Erz, Kupfer, Messing, Zinn, Silber und Gold, die zu tausenden in den „alten tatarischen Gräbern oder tumulis sepulchralibus“ zu seiner Zeit enthalten waren und von denen er Abbildungen giebt; dahin gehören die Pferdezaumbuckeln, Glöckchen, die „Degen, Pfeile, Dolche und mehr dergleichen Dinge, welche die Russen ausgegraben und die nicht geschmiedet, sondern von Kupfer gegossen sind“. Jüngerer Zeit gehören dann wieder jene Gräber an, aus denen Medaillen von Gold und Silber, ganze Schachspiele von Gold und große goldene Bleche, worauf der Tote gelegen, polierte Metallspiegel etc. ans Licht gefördert wurden. Auf den südlichen mohamedanischen Kulturkreis weisen ornamentierte Schalen mit kufischen Inschriften, schön ziselierte Bronzegefäße mit darauf dargestellten Falkenjagden hin, andere zeigen chinesischen Charakter, jedenfalls importierte Gegenstände, während die älteren Gräber höchst wahrscheinlich heimisches Metallgerät zeigen. Meynier und v. Eichthal, welche die Kurgane von Gonba bei Barnaul öffneten, die gleichfalls vom Volke den Tschuden zugeschrieben werden, sprechen sich aus anthropologischen Gründen, zumal auf die brachykephalen Schädel der Skelette jener Gräber sich stützend, dahin aus, daß jene Kurgane von einem türktatarischen Volke stammen. Sie fanden Eisen und Stoffe, wie Pallas und Radloff, während Bronze vollständig fehlte und die Zieraten aus gegossenem Kupfer bestanden.[279]
Denn das alte Volk, von dem die zahlreichen Gräber stammen, muß massenhaft hier gesessen und seine Metallsachen an Ort und Stelle gefertigt haben, wofür noch andere Anzeichen sprechen. Der Mineralreichtum des dortigen Gebirges, die alten, weithin sich ziehenden Schürfe und Baue, die Schlacken und Glätten sprechen dafür, daß am Jenisei ein metallkundiges Volk wohnte. Doch ist der Bergbau nur oberflächlich betrieben worden und die Gruben hören gewöhnlich da auf, wo hartes Gestein anfängt. Popow hat gezeigt, daß das alte Kulturvolk am Jenisei das Schmelzen der Metalle in kleinen Öfen ausführte, daß es das Legieren der Metalle (z. B. von Kupfer und Silber) verstand, mit der Abscheidung des Silbers aus dem Kupfer aber unbekannt war.[280]
Die Vermutung Radloff's, daß die Türken oder ein Volk türkischen Stammes das Eisen im Altai schmolz und in Sibirien diese Kunst verbreitete, erhält mehrfache Bestätigung. Die alten chinesischen Geschichtswerke erzählen, daß das Eisenschmelzen im Kinschan (Altai) durch die Türken eingeführt wurde[281], und die Sprache zeigt uns gleichfalls die uralte Bekanntschaft der Türken mit dem Eisen, wiewohl auch andere Metalle ihnen frühzeitig bekannt waren. Vergleichen wir die turkotatarischen Idiome, so finden wir bei allen gleichlautend und gleichbedeutend temir für Eisen, ein Wort, das somit einem vordialektischen Zeitalter entsprungen und seit den ältesten Zeiten bekannt gewesen sein muß. Es geht ohne Zweifel auf die Stammsilbe tim, tem, fest, dicht, stark zurück. Aber ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kupfer, bakir, pakir, dem die Stammsilbe bak, pak zu Grunde liegt, welche gleichfalls fest, hart bedeutet. Bei solcher Sachlage läßt sich auf sprachlichem Wege die Frage, welches das erste, dem turkotatarischen Urmenschen bekannte Metall gewesen, nicht entscheiden.
Können wir danach Eisen und Kupfer als gleichalterig vermuten, so läßt sich für die Bronze nachweisen, daß sie im frühesten Kulturstadium der Türken unbekannt war und ihnen erst von benachbarten Völkern zugeführt wurde. Das tschagataische žes, altaische jes, stammt vom mongolischen dzes, wobei jedoch hervorgehoben werden muß, daß, während mit diesem tschagataischen Worte heute Bronze bezeichnet wird, dasselbe im Altaischen und Mongolischen entschieden Messing und Kupfer bedeutet. Diese schwankende Definition des fraglichen Begriffes ist an und für sich hinreichend, um das Fremdartige dieses Metalles bei den Türken außer Zweifel zu stellen. Ein solches Schwanken ist nicht der Fall, wo die Wortbildung auf heimischem, festem Boden sich bewegt. Es ist, so rekapituliert Vambéry, unmöglich, bei den primitiven Turkotataren sprachlich ein Stein-, Bronze- und Eisenalter nachzuweisen.[282]