Dr. E. Schmidt, welcher sich am eingehendsten mit den prähistorischen Kupfergeräten Nordamerikas beschäftigt hat[333], zeigt, daß die Verbreitung derselben eine ungleiche ist: je näher der großen Seenregion, desto häufiger werden sie gefunden, je ferner, also nach den Küsten des Atlantischen Meeres und des Mexikanischen Golfes zu, desto seltener werden sie. Im Innern des Landes findet man vorzugsweise Beile, Lanzen- und Pfeilspitzen, Messer und Pfriemen, nach der Peripherie hin überwiegen Schmuckgegenstände, Platten, Perlen etc. Den Erhaltungszustand schildert Dr. Schmidt als einen meist guten, da das Kupfer zerstörenden äußeren Einflüssen leicht widersteht und die rotbraune Oxydul- oder schwarze Oxydschicht es vor weiterer Zerstörung schützen. Die Geräte bestehen aus fast chemisch reinem Kupfer, dem nur Silber und zwar mechanisch in Schuppen- oder Körnerform beigemischt ist. „Die Verbindung beider Metalle ist so fest, daß es gelingt, beide zusammen zu silberplattierten Kupferplatten auszurecken.“ Daß die Geräte stets nur gehämmert und niemals gegossen sind, wurde schon hervorgehoben, und ebensowenig war den alten amerikanischen Kupferschmieden das Löten bekannt. Die Versuche, welche Dr. Schmidt mit den alten Kupfermessern, Lanzen und Beilen in bezug auf ihre Brauchbarkeit anstellte, ergaben sehr günstige Resultate. Mit einem 10 mm dicken Kupferbeile bearbeitete er Buchen- und Tannenholz, aber nach viertelstündigem Gebrauche war nicht die geringste Scharte daran wahrzunehmen. „Als ich dasselbe Beil dagegen an ganz weichem Stein (pariser Grobkalk) versuchte, machte jeder Hieb starke, rauhe Scharten.“[334]
„Prähistorisch“ sind diese Kupfergeräte aber nur mit Einschränkung zu nennen. Sie sind in ihrer ganzen Art zu sehr mit jenen verwandt, welche wir bei den weiter nördlicher wohnenden Indianern oben kennen lernten, als daß wir auf ein weit rückwärts entlegenes Volk schließen sollten, von dem sie stammen dürften.
Wir sehen also die Kupfergeräte und Waffen der nordamerikanischen Indianer wesentlich aus drei verschiedenen Quellen stammen und jede dieser Quellen beherrschte einen geographisch abgegrenzten Bezirk. 1. Vom Kupferminenflusse bezogen die Eskimos und die nördlichen Indianer ihr Kupfer; 2. vom Athna- oder Kupferflusse die Anwohner der pazifischen Küste von der Beringstraße bis Kalifornien; 3. vom Oberen See die Bewohner der heutigen Vereinigten Staaten bis zum Atlantischen Ozean und Mexikanischen Golf. Nach Westen zu scheinen aber die Kupfergegenstände aus dieser Quelle nicht allzuweit vorgedrungen zu sein. In der „Archäology“ der U. S. Geographical Surveys west of the 100th Meridian ist nirgends von aufgefundenen alten Kupfergeräten oder Waffen die Rede.
Soviel vom Gebrauche des Kupfers bei den nordamerikanischen Völkern. Aber benutzten sie auch das Kupfer, so waren sie darum doch noch nicht in die Metallzeit eingetreten, denn das Material wurde von ihnen wie Stein behandelt. Der große Kulturfortschritt der Behandlung der Erze mit Feuer und die Reduktion derselben durch Kohlen, das Gießen, Schmieden, Löten war den Indianern Nordamerikas unbekannt. Diesen finden wir aber bei den südlicher wohnenden ackerbauenden Völkern, welche bei Ankunft der Europäer in der „Bronzezeit“ standen.
320 S. Hearne's Reise nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 117.
321 Rae in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 148 (1866).
322 Hearne a. a. O. 122. 123.
323 Bancroft, Native Races of the Pacific States. I. 135. — Holmberg, Völker d. russ. Amerika. I. 27.
324 Die geologischen Verhältnisse des Kupferdistrikts sind geschildert im Geological Survey of Michigan. Upper Peninsula 1869-73. Part. II. Copper bearing rocks, by R. Pumpelly. Danach der Auszug von Dr. E. Schmidt im Archiv f. Anthropologie. XI. 91.
325 Ch. Whittlesey, Ancient mining on the shores of Lake superior. Smithson. Contr. to Knowledge, vol. XIII. 1863.
326 The idea that the Indians formerly worked these mines was abandoned shortly after their discovery. They possess no tradition of copper mines, nor did their ancestors visited by the Jesuit fathers in the early part of the 17th century obtain any intelligence of mines. Short, The North Americans of Antiquity. New York 1880. 91.
327 E. Schmidt, Die prähistorischen Kupfergeräte Nordamerikas. Arch. f. Anthropologie. XI. 105.
328 Whittlesey a. a. O. 2.
329 Relations des Jésuits. Année 1667. Tome III. 8. Quebecker Wiederabdruck von 1858.
330 Archiv für Anthropologie. V. 1 (1872).
331 Ancient Monuments of the Mississippi Valley. Washington 1848. 196 bis 207.
332 Rau a. a. O. 7. Neuere Funde lassen die Geräte indessen nicht mehr selten erscheinen.
333 Archiv für Anthropologie. XI. 65 ff.
334 A. a. O. 75.
In der geographischen Verbreitung der zu Geräten und Waffen von den Amerikanern benutzten Stoffe lassen sich ganz bestimmte und genau geschiedene Bezirke unterscheiden, bei denen die Kulturstufe und das verwendete Material (je nach Ausbildung und Zeit) sich einander decken. Im Norden, also im Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten und im britischen Nordamerika, herrschten in der vorkolumbischen Zeit und darüber hinaus die Geräte und Waffen aus Stein und Knochen. Von Metallen verwendete man daneben, aber stets ohne Anwendung von Feuer, Kupfer und meteorisches Eisen. Diese beiden wurden, wie zuerst Dana bemerkte, wesentlich wie weiche Steine angesehen. Von einer Feuerbearbeitung der Metalle, von einem Vorkommen von Bronze, geschweige denn von der Herstellung von Legierungen und künstlerischer Bearbeitung des Metalles ist keine Rede.
Südlich von diesem eben abgegrenzten Gebiete, dessen Bewohner unkultivierte Jäger- und Fischernomaden waren, dehnt sich das Gebiet der Bronze aus, welches mit dem Territorium der Kulturvölker Amerikas zusammenfällt. Die Bronze herrschte, wenn auch keineswegs ausschließlich und im Parallelgebrauch mit anderen Materialien, südlich von 30° nördl. Br. durch das heutige Mexiko, teilweise Centralamerika und dann auf der Südhälfte des Kontinentes in dessen andinischem Westen bis abermals zum 30° südl. Br. Es umfaßte dieses Gebiet die alten Kulturstaaten Mexikos, Kolumbiens und Perus. Was östlich und südlich von diesen lag, nahm wiederum eine ähnliche Stellung in bezug auf die zu Waffen und Geräten verwandten Materialien ein wie der Norden, ja stand noch tiefer als derselbe. Die Jägernomaden des westlichen Südamerika erhoben sich niemals über den Gebrauch der Steine und Knochen. Anfänge des Ackerbaues waren allerdings hier (wie in Nordamerika) vorhanden[335], was sie aber etwa an Metallen besaßen, war wenig und ihnen vom Westen auf dem Wege entlang der großen Flüsse zugeführt. Orellana fand auf seiner Fahrt den Amazonas abwärts bei den Omaguas eine kupferne Axt, wie sie in Peru gebräuchlich war; die Guarani aus der Gegend vom heutigen Assuncion am Paraguay führten an der Stirn einen glänzenden Metallschmuck, als sich 1540 Alvar Nunez Cabeça de Vaca mit einer Expedition zur Aufsuchung einer Verbindung mit dem Hochlande der Anden in ihrem Lande befand[336], und auch dieser Metallschmuck ist zweifelsohne aus dem Westen bezogen worden.
Auch ohne das Eisen zu kennen, waren die mexikanischen und peruanischen Kulturvölker zu einer vergleichsweise hohen Stufe emporgestiegen. Das Kupfer, welches sie zu härten verstanden und die Bronze, welche sie darstellten, lieferten ihnen Ersatz und genügten ihnen, um jene Kunstwerke zu schaffen, welche das Erstaunen aller Konquistadoren waren. Cortez, in einem seiner Berichte an Kaiser Karl V., ruft aus: „Was kann großartiger sein, als daß ein Barbarenfürst (Montezuma) wie dieser, Nachbildungen in Gold, Silber, Edelsteinen und Federn besaß, von allen Dingen, die unter dem Himmel seines Gebietes zu finden sind; und zwar so natürlich in Gold und Silber, daß es keinen Goldschmied in der Welt giebt, der sie besser machen könnte, und die in Edelsteinen von der Art, daß die Vernunft nicht ausreicht, zu begreifen, mit welchen Instrumenten eine so vollkommene Arbeit gemacht sei.“[337] Im alten Mexiko wurde der Ackerbau mit Hilfe von Bewässerungsanlagen betrieben, alle Künste und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei, Malerei, Bilderschrift zeigten einen verhältnismäßigen Grad von Vollendung; die Ruinen der alten Bauten beweisen uns, daß Meister in der Architektur hier hausten, die Verwaltung war eine geregelte, das Hofzeremoniell ein fein durchgebildetes, und wer an der Civilisation des alten Mexiko zweifeln wollte, den werden die von Cortez mit Auffallen bemerkten Bettlergilden eines anderen belehren, denn Bettelei kann nur da existieren, wo eine hohe Kultur sich entwickelt hat. Die Bronzeindustrie, wie sie in Mexiko uns entgegentritt, erscheint uns mit ihren schönen Formen, mit ihrer guten Technik erst als ein Ausfluß der hohen Gesamtkultur dieses Volkes. Nicht die geringste Spur und Ursache liegt aber vor, anzunehmen, daß den Mexikanern, wie den amerikanischen Kulturvölkern überhaupt, die Kenntnis der Bronze und ihrer Darstellung von außen her geworden sei. Es ist ganz haltlos, wenn Worsaae[338] die Äußerung thut, daß bei Mexikanern und Peruanern die gegossenen Metallgeräte „durch fremden Einfluß entstanden sein mögen“. Es paßt ihm das Vorkommen der Bronzen in Amerika nicht in seine unbegründete Hypothese von dem Ursprunge der Bronze in Indien, von wo aus ihre Kenntnis in alle Welt gewandert sein soll.
Die Schilderung der Darstellung und Verwendung der Bronze bei den Mexikanern fällt außerhalb der Grenzen, die wir uns für diese Abhandlung gezogen haben, da wir wesentlich die sogenannten Naturvölker beachten, und es müssen hier einige kurze Andeutungen genügen, die zur Charakteristik der amerikanischen Metalltechnik noch von nöten sind. Die Metalle, welche zur Zeit der Entdeckung im alten Mexiko benutzt wurden, finden wir aufgeführt bei Bernal Diaz[339]; es sind dieses Gold, Silber, Kupfer und Blei, die teils in rohem Zustande, teils zu Schmuck geformt, unter den Marktwaren feilgehalten wurden. Zur Herstellung von Waffen wurden aber die Metalle nicht häufig benutzt, wiewohl solche aus Kupfer und Bronze vorhanden sind, auch giebt es knöcherne. Die Hauptrolle spielte hier der Obsidian, iztli, aus dem Schwerter, Sägen, Lanzen- und Dolchspitzen verfertigt wurden[340], so daß hier „Steinzeit“ und „Metallzeit“ zusammenfielen.
Was das Kupfer betrifft, so erwähnen verschiedene spanische Geschichtsschreiber, daß dasselbe von den Mexikanern sowohl zu Zieraten, als zu Werkzeugen verwendet wurde und als Bezugsquelle werden die Gebirge von Zacotollan angegeben.[341] Es war nicht nötig, dies Metall aus dem Norden, von den großen Vorkommnissen gediegenen Kupfers am Lake superior zu beziehen, wiewohl wir durch Ch. Rau wissen, daß es von dort aus auf dem Handelswege sehr weit verbreitet wurde. Die Mexikaner verstanden es, ihr Kupfer derart zu härten, daß sie mit den daraus dargestellten Beilen Bäume fällten[342], ja, man benutzte solche Beile nach Herrera zu Bergwerksarbeiten en lugar del hierro, porque corta como acero.[343] Der Mexikaner J. Sanchez hat neuerdings eine ganze Reihe altmexikanischer Kupfergeräte zusammengestellt.[344] Die Coatl, heute coa genannt, mit welcher man die Erde umgrub, bestand aus Kupfer und hatte (nach Clavigero) einen Holzstiel. Ein kupferner Discus von 28 cm Durchmesser wurde zu Zapotlan (Jalisco) entdeckt. Es una pieza trabajada á martillo y cincel. Mit letzterem war wohl die menschliche Figur in der Mitte, ein Götzenbild mit Strahlenkrone, eingraviert. Aufsehen hat der Fund des Kapitän Dupaix im Anfange unseres Jahrhunderts zu Zocho Xocotlan (Oajaca) gemacht; er entdeckte zwei große irdene Gefäße, die 276 Stück Tförmige Kupfergeräte von 11 cm Länge und 15 cm Breite enthielten (Fig. 44). Este instrumenta antiguo de cobre rojo y muy fino es de fundicion y no de martillo. Sind es die von Torquemada erwähnten Tförmigen Münzen? Letzterer schreibt: En otras (partes) usaban mucho de unas monedas de cobre casi de hechura de Tau.[345] Andere halten diese Objekte für kleine Beile. Wie Sanchez anführt, besitzt das Museum in Mexiko auch einige kupferne Nadeln aus alten Gräbern, kupferne Ringe und aus einem Tumulus in Huasteca Schildkröten aus Kupfer, formadas de varias piezas. Von den von verschiedenen alten spanischen Autoren erwähnten kupfernen Lanzenspitzen der Mexikaner findet sich im Museum aber kein einziges Exemplar.[346]
Die im Peabody-Museum befindlichen gegossenen Kupferbeile aus Mexiko sind von J. W. Putnam beschrieben worden.[347] Das älteste Stück ist eine etwa centimeterdicke Axt, 7,4 cm lang und 4 cm breit, welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate S. Luis Potosi stammt (Fig. 45). Diese Axt ist in einer Form gegossen und durch Hämmerung vollendet. Mit ihr zusammen wurden Figürchen aus Thon, zahlreiche Spinnwirtel, drei Vasen, Obsidiansplitter und ein Steinmörser gefunden.
Einen zweiten Typus vertreten die 1881 zu Tlacolula im Staate Oajaca gefundenen, aus sehr reinem Kupfer bestehenden Äxte, von denen sechs Stück in das Peabody-Museum gelangten, die größte mißt 15 cm in der Länge und 6 cm in der Breite. Die Stärke übersteigt nicht 8 mm, wechselt jedoch sehr, namentlich nach der durch Hämmerung verdünnten Schneide zu, während die Axt sonst gegossen ist (Fig. 46).
Die dritte Form, welche mit den Tförmigen Äxten von Dupaix, die oben erwähnt wurden, übereinstimmt, wurde zu Teotitlan del Valle zwischen Oajaca und Mitla gefunden (Fig. 47). Es erscheint dieser Typus als Ackerbauinstrument.[348] Die konvexe Schneide ist 14, die Länge (mit dem Stiel aus Kupfer) 16 cm — immerhin für eine Schaufel etwas klein und eher den Schabemessern der Gerber entsprechend. Vier, nicht näher beschriebene, von Charnay mitgebrachte Kupferäxte aus Mexiko, sind im Pariser ethnographischen Museum.[349] Letzteres besitzt auch aus der Kollection Pinart sehr hübsche mexikanische Schellen aus Kupfer.[350] Die Kleinheit aller bisher gefundenen mexikanischen Kupfer- und Bronzegeräte weist darauf hin, daß diese Metalle bei den Mexikanern immerhin noch verhältnismäßig wenig häufig waren, was auch mit der relativen Seltenheit der Funde im Zusammenhang steht.
Als Cortez im Jahre 1524 dazu schritt, sich in Mexiko selbst Geschütze zu gießen, fand er zu diesem Zwecke wohl Kupfer vor, „aber kein Zinn, ohne welches die Stückgießerei unmöglich ist“. Nur schwierig trieb er zu diesem Zwecke (europäische) Zinnteller und sonstige Gefäße zusammen, aber dieser Vorrat war bald erschöpft. Doch bald fand er unter den Eingeborenen der Provinz Tachco (Tasco) Stückchen davon „nach Art sehr dünner Münzen“, die dort als Geld cirkulierten und daselbst gewonnen wurden. Kurz darauf hatte Cortez die Zinngruben entdeckt, die er nun von Spaniern mit eisernen Werkzeugen bearbeiten ließ.[351] So waren also die Stoffe zur Bronzebereitung vorhanden. Die mexikanischen Bronzen enthalten im Durchschnitte 9-10% Zinn und sind wohl geeignet, die härtesten Stoffe zu bearbeiten, doch sind sie nur selten, auch wurde Bronze wenig zu Waffen benutzt. Sehr schöne, in der Stadt Mexiko ausgegrabene Bronzebeile (neben Glöckchen und Nadeln aus dieser Legierung) besitzt die Christy Collection.[352] Ein 98 mm langer, oben cylindrischer, nach unten zu prismatischer, an der Schneide schräg abgeschnittener Bronzemeißel liegt im Nationalmuseum zu Mexiko. Die Legierung besteht aus 97,9% Kupfer, etwas über 2% Zinn und geringen Mengen Gold und Zink. Die Anwesenheit des letzteren Metalls läßt das Alter des Instrumentes zweifelhaft erscheinen.[353]
Als Kolumbus auf seiner vierten Reise 1502 bei der Insel Guanaja (Isla de Pinos) landete, traf er auf eine yukatekische, 2 m breite und aus einem Baumstamme hergestellte Galeere, deren Ladung aus verschiedenen Produkten heimischer Industrie bestand, darunter wieder eherne Glöckchen und Äxte, Tiegel mit Deckeln zum Schmelzen des Kupfers und daneben hölzerne Schwerter mit Zähnen von Feuerstein (Obsidian) besetzt.[354] Stein- und Metallzeit waren hier also gleichsam an Bord vereinigt und die ausdrücklich erwähnten Schmelztiegel für Kupfer lassen uns wenigstens einiges von den metallurgischen Prozessen der Mexikaner ahnen.
Wohl erzählen die alten Autoren, daß die Mexikaner die Metalle mit Feuer bearbeiteten und die erhaltenen Werke bestätigen dieses durch den Augenschein; über die Methode und die dabei angewendeten Geräte bleiben wir aber im Unklaren, doch dürfen wir etwa annehmen, daß das Ausschmelzen des Kupfers in derselben primitiven Weise erfolgte, wie sie etwa heute bei den Negern ausgeübt wird. Die alten Mexikaner verstanden es zu schmelzen, zu gießen, zu treiben; gelötete Metallsachen sind mir nicht bekannt geworden. Einige Andeutungen über die Art, wie die Indianer die Metalle behandelten, giebt uns Augustin de Zevallos, der 1614 aus Granada in Nicaragua einen Brief an König Philipp III. sandte, welcher sich mit dem damaligen Zustande des heutigen Costarica befaßte, wo die Eingeborenen noch in ziemlich ungebrochenem Zustande lebten. Sie gaben im Tausch die Produkte ihres Landes, unter denen Zevallos erwähnt „Stücke Goldes in Form von Adlern, Schlangen, Kröten, Spinnen, Medaillen, Schaumünzen und andere Machwerke, die sie in den verschiedensten Formen anfertigen, indem sie das in Thonpfannen geschmolzene Gold in Formen gießen“. Das Gold wurde, wie Zevallos hervorhebt, mit Kupfer legiert und die Schaumünzen (patenas) wurden durch Hämmern erzeugt.[355]
Daß wir so dürftig über die Metalltechnik dieses alten amerikanischen Kulturvolkes unterrichtet sind, liegt auch wesentlich mit darin, daß nach der Ankunft der Spanier und nach der Einführung des Eisens eine schnelle Vernichtung der heimischen Metallindustrie eintrat. Cortez hebt selbst in seinen Berichten an Karl V. hervor, daß nach der Konquista die Künste und bewunderten Kunstprodukte der Eingeborenen schnell verschwanden. Diesem bald vollständigen Verfall haben wir es auch zuzuschreiben, daß der verspäteten Aufmerksamkeit der Beobachter vieles und wichtiges auf dem uns interessierenden Felde entgehen mußte.
Die zuerst nach Mexiko gelangten Spanier, welche die dortigen Gußwerke sahen, waren erstaunt darüber, und die europäischen Goldschmiede konnten nicht genug die Arbeiten ihrer mexikanischen Genossen bewundern, welche Cortez an Karl V. gesandt hatte. Die Nachbildungen nach der Natur galten als außerordentlich treu; gegossen waren ein Fisch, dessen Schuppen abwechselnd aus Gold und Silber bestanden, ein Papagei mit beweglichem Kopfe und beweglichen Flügeln; ein Affe, dessen Kopf und Füße beweglich waren. Diese Kunst, deren Erfindung man dem Gotte Quetzalcoatl zuschrieb, ist den späteren Indianern verloren gegangen. Auch das Treiben mit dem Hammer verstand man, wenn auch in dieser Beziehung die Arbeiten mit den gleichartigen europäischen keinen Vergleich aushielten; das Kupfer wurde mit Steinen gehämmert. Gießer und Goldschmiede bildeten in Mexiko eine angesehene Korporation, deren Schutzgott Xipe war. Zu seinen Ehren wird im zweiten Monat ein Fest abgehalten, bei dem man Menschenopfer darbrachte.[356]
Wenig ist, was wir vom Bergbau wissen. In Michoacan soll derselbe sehr primitiv gewesen sein. Weiter war man im eigentlichen Mexiko, wo die Azteken es verstanden, Stollen mit Galerien zu schlagen und Schachte zur Kommunikation wie zur Lüftung anzulegen. Das zerkleinerte Erz wurde, wie Sahagun erzählt, mit drei verschiedenen Arten von Kräutern gemischt(!) und dann in Öfen geschmolzen.[357] Als im Jahre 1873 Sanchez Nachforschungen nach der veta de Cobre (Kupferader) im Cerro del Aguila im Staate Guerrero anstellte, durchstieß ein Peon mit seiner Stange den Boden dergestalt, daß sie völlig verschwand. Man entdeckte infolge dessen eine alte 3 m breite und 1,50 m tiefe Aushöhlung, auf deren Boden eine reiche Kupferader verlief. Es zeigte sich, daß man es mit einem alten Bergbau zu thun hatte; am Hangenden entdeckte man Spuren von der Wirkung des Feuers und 142 Schlägel aus Stein von verschiedener Form und aus einem der Grube fremden Gesteine zeigten, womit das Erz abgebaut worden war.[358]
In den südlichen und östlichen Nachbarländern Mexikos scheint das Kupfer keine große Rolle gespielt zu haben. In Yukatan werden keine Metalle gefunden und wenn dort bei den Mayas neben Pfeilspitzen aus Feuerstein und Fischgräten solche aus Kupfer vorkamen, so muß hierbei an den Import von Mexiko gedacht werden.[359]
Dagegen ist Nicaragua reich an Kupfer und die Insel Ometepec im Nicaraguasee ist als der Fundort kleiner, gutgearbeiteter Goldidole und von Figürchen aus Terracotta bekannt geworden. Auch hat man einzelne Kupfergeräte dort gefunden; Squier erhielt eine Maske aus Kupfer, welche einen Tigerkopf darstellt.[360] Aber der Ursprung dieser Maske erscheint extremely problematical[361], da sie als einziges Kunstwerk ihrer Art in dem kupferreichen Lande auftritt und nichts anderes ihr nach Stil und Stoff verwandtes dort gefunden worden ist.
335 „Es ist ein in Europa weitverbreiteter Irrtum, alle nicht bekehrten Indianer als Nomaden und Jäger anzusehen. Der Ackerbau ist lange vor der Ankunft der Europäer in der neuen Welt betrieben worden und ist noch zu finden zwischen dem Orinoko und Amazonas unter den Waldschlägern, bis zu denen die Missionare nun vorgedrungen sind.“ Humboldt et Bonpland, Voyage. Relation historique. Paris 1814. I. 460.
336 Cabeça de Vaca, Commentaires Cap. 44. In Ternaux-Compans, Voyages etc. pour servir à l'histoire de l'Amérique. 140. Les naturels — portaient de nombreuses plaques de cuivre, qui, lorsque de soleil frappait dessus, réfléchissaient une si vive lumière, que cela produisait un coup d'œil merveilleux.
337 Drei Berichte des F. Cortez etc. Deutsch. Berlin 1834. 112.
338 Die Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 49.
339 Hist. de los sucesos de la conquista etc. Madrid 1852. 89.
340 Clavigero, History of Mexico. Translated by Cullen. London 1787. II. 368.
341 Clavigero a. a. O.
342 Petr. Martyr, Dec. V. Lib. X.
343 Bastian, Kulturländer des alten Amerika. II. 663.
344 El congresso internacional de Americanistas y el cobre entre los Aztecas. Anales del Museo nacional de México. I. 387 (1879).
345 Monarquia Indiana. II. 560.
346 Sanchez a. a. O. 394.
347 Notes on copper implements from Mexico. Proceedings of the Americ. Antiqu. Soc. October 1882.
348 Nur der spätere Clavigero erwähnt das oben schon beschriebene, coatl genannte Ackerinstrument aus Kupfer mit Holzstiel. Steffen (Die Landwirtschaft bei den altamerikanischen Kulturvölkern. Leipzig 1883. 22) hebt hervor, daß die alten Quellen hiervon nichts sagen, sondern nur von Holzschaufeln sprechen. Bis jetzt seien noch keine Funde von anderen Ackerbauinstrumenten gemacht worden.
349 Revue d'Ethnographie. II. 367.
350 Daselbst. II. 441 nebst Abbildung.
351 Drei Berichte von F. Cortez an Karl V. Berlin 1834. 471.
352 Tylor, Anahuac. 138.
353 G. Mendoza, Un cincel de bronce de los antiguos Aztecas. Anales del Museo nacional de Méjico. I. 117.
354 Peschel, Zeitalter der Entdeckungen. 369.
355 Polakowsky, Bericht des Franziskanermönchs A. de Ceballos über die Provinz Costarica. Jahresbericht d. Ver. f. Erdkunde zu Dresden. 1883. 123.
356 Clavigero, History of Mexico. Translated by Cullen. London 1787. I. 413.
357 Waitz, Anthropologie der Naturvölker. IV. 104.
358 J. Sanchez a. a. O.
359 Bancroft a. a. O. II. 742. 743.
360 Squier, Nicaragua. New York 1852. II. 87. 89.
361 Bancroft a. a. O. IV. 67.
Jener Teil der Kordillere, dessen westlichen Fuß der Rio Magdalena bespült und der, in nordöstlicher Richtung streichend, die Hochebenen von Bogotá und Tunja bildet, südlicher aber in den einsam stillen Regionen des Paramo de la suma Paz gipfelt, wurde zur Zeit der spanischen Konquista von dem Chibchavolke bewohnt, welches die Spanier irrtümlich Muyscas genannt haben. Die Kultur, welche die Konquistadoren bei ihnen antrafen, war selbständig entstanden, nicht in Abhängigkeit von jener Mexikos. Gold, Silber, Kupfer und Bronze waren in beiden Hälften Amerikas unabhängig von einander dargestellt worden. Die mexikanische Metallurgie läßt sich vielleicht bis Nicaragua oder zum Isthmus von Panama verfolgen — hier aber hören aztekische Einflüsse auf und ein neues Kulturreich beginnt. So war es zur Zeit der Eroberung, doch würde es wohl nur noch kurzer Zeit bedurft haben und die nördlichen und südlichen Kulturvölker wären in Austausch getreten, wenn nicht die Hand der Konquistadoren sich vernichtend und eine fremde Kultur an die Stelle setzend, schwer auf sie gelegt hätte. Von einer Verbindung der Chibchas und Peruaner mit den Mexikanern ist uns nichts bekannt geworden. Die Metalle sind, das Eisen ausgenommen, hier wie da selbständig dargestellt worden und hier wie da mehr ausnahmsweise und neben dem die Hauptgeräte und Hauptwaffen bildenden Steine im Gebrauche gewesen.
Zur Zeit der Konquista lebten die Chibchas in einer relativ vorgeschrittenen Kultur, die indessen nicht auf die Höhe der mexikanischen oder peruanischen Gesittung hinaufreichte. Ihre Kulturstufe lag zwischen jener des polierten Steines und der ihnen bekannten Bronze. In einem an Metallen reichen Lande wohnend, wo das Gold sich ihnen im gediegenen Zustande leicht offenbarte, haben die Chibchas frühzeitig die Bearbeitung der Metalle gelernt, wie die noch erhaltenen Gegenstände beweisen. Eigentümlich im Stile sind namentlich die häufigen Goldfigürchen, während die Bronzen weit seltener sind. Eine solche (Fig. 48), eine rohe menschliche Figur, in dem bekannten Stile jenes Landes ausgeführt, 12,50 cm lang, mit über der Brust gekreuzten Armen und männlichem Geschlechtsteile, befindet sich als die einzige ihrer Art neben 13 ähnlichen Goldfiguren im Leidener Museum.[362]
Leemanns sagt, diese Bronzefigur sei von gleich roher Arbeit, wie die von ihm geschilderten Goldfigürchen, und die Abbildung deutet auf gleiche Technik. Nach Leemanns sind die Figuren teils mit dem Hammer und dem Lötrohr hergestellt, teils in Formen gegossen. Die ersteren bestehen aus einer Platte, der man die allgemeinen Formen gegeben hat und auf welche man dann die einzelnen Körperteile und Details aus Metallfäden aufgelötet hat.
Von den den Chibchas verwandten und auf einer ähnlichen Gesittungsstufe stehenden Eingeborenen des heutigen kolumbischen Staates Antioquia wissen wir, daß sie zur Zeit der Entdeckung sehr verschiedene Geräte und Waffen aus Stein besaßen, daß daneben aber auch die Metallindustrie es zu einer nicht unerheblichen Ausdehnung gebracht hatte. Man hat die gravierten Steinformen gefunden, in denen Goldblättchen geschlagen wurden, und Meißel aus einer Goldkupferlegierung, die hart genug zur Bearbeitung des Steines waren. In dem goldreichen Staate sind zahlreiche Gegenstände und charakteristische Figürchen aus Gold gefunden worden, und die heutigen Bewohner erzählen sich, die alten Indianer hätten es verstanden, mittels Kräutern das Gold zu erweichen und dann wie Wachs mit der Hand zu formen. In der That verstanden sie es, das Gold im Feuer zu bearbeiten, nicht bloß zu hämmern und zu treiben, wie die Guß- und Lötstellen an den Figürchen deutlich zeigen; auch wissen wir, daß Vadillo in Buritica bei den Indianern kleine Öfen, Formen und andere Werkzeuge, um das Gold zu verarbeiten, antraf. Bei Santa Marta hat man eine ganze Bevölkerung von Goldschmieden getroffen, welche als tairona, d. h. die Schmiede, bezeichnet wurde. Die Indianer konnten also das Gold schmelzen und gießen, ziselieren und löten; die Geräte, welche sie hierzu benutzten, bestanden teils aus einer Goldkupferlegierung, teils aus Stein.
Das Gold, dessen sie sich zu ihren Werken bedienten, war 12- oder 14karätig. Die dargestellten Gegenstände sind meistens Schmucksachen, Ohrringe und Nasenanhängsel von sehr verschiedenen Formen und teilweise aus Filigran, sehr biegsame Gürtel, Brustplatten, Vasen, Kelche, Haken und namentlich Figuren von Menschen und Tieren, zumal Kröten, Eidechsen, Vögel und Fische, niemals aber Früchte oder Blumen.[363]
362 Leemanns, Congrès des Americanistes. Luxembourg 1877. II. 286. Fig. 14.
363 Dr. Posada Arango in Mém. d. l. soc. d'Anthropol. 2. série. I. 211.
„No tenian herramientas de hierro ni azero“, berichtet Ondegardo von den Inkaperuanern, wiewohl ihr Boden ungemein reich an Eisen ist. Dagegen waren sie in der Kunst, andere Metalle darzustellen, zu schmieden, zu gießen, ja selbst zu löten, weit vorgeschritten. Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zinn waren im metallischen Zustande bekannt.
Da für uns hier dieselben Gesichtspunkte bei der Beurteilung der Metallkenntnisse dieses altamerikanischen Kulturvolkes maßgebend sind, wie bei den Mexikanern, so vermögen wir auch hier nur einen kurzen Überblick zu geben. Bergbau, wie derselbe heute noch auf den peruanischen Kordilleren in der Nähe von Yauri, 4000 m über dem Meere, viele tausende von Indianern beschäftigt, und zwar nach den von ihren Voreltern vererbten Methoden, war die Hauptbeschäftigung eines großen Teiles der Eingeborenen. Sie förderten das Erz aus Schachten, die noch erhalten sind und bauten Öfen (guairas) aus Thon, um es mit Holz und Holzkohlen zu schmelzen. Diese Öfen hatten einfache Luftzüge, denn Blasebälge waren den Inkaperuanern unbekannt und wurden erst durch die Spanier eingeführt.[364] Die peruanischen Goldschmiede arbeiteten ebenso kunstvoll wie die mexikanischen. Ihre Gußmodelle waren aus Wachs und die getriebenen Arbeiten zeichnen sich durch große Sauberkeit und Kunstfertigkeit aus. Die Gräber der Inkas, ebenso deren Schatzkammern, lieferten zahlreiche Beweise künstlerischer Thätigkeit in der feineren Bearbeitung edler Metalle, wie Halsschmucke, Armspangen, Vasen aus reinem Gold, Spiegel aus poliertem Silber, sehr empfindliche Wagen aus Silber, zierliche Glocken aus Silber und Bronze, gewöhnlichere Geräte aus Kupfer und Bronze — sie alle geben Zeugnis von der erlangten Fertigkeit der alten Peruaner in der Metalltechnik.
Wie das Kupfer dargestellt wurde, wissen wir nicht, und im gediegenen Zustande kommt es im Lande nicht vor. Möglicherweise reduzierten sie dasselbe in einem der oben angeführten Öfen oder sie importierten dasselbe aus Chile.[365] Bis vor nicht langer Zeit waren überhaupt nur wenige, im Museum zu Lima befindliche Gegenstände aus Kupfer in Peru gefunden worden, einige Idole, Stäbe von Meterlänge und Schlangen[366]; seitdem sind aber weit mehr Kupferobjekte entdeckt worden, wie deren denn die Macedo'sche Sammlung, jetzt im Berliner ethnographischen Museum befindlich, allein 48 aufweist, darunter Beile, Morgensterne, Idole, Tierfiguren, Scheiben, Halbmonde etc.[367]
Mit ihren Eroberungen trugen die Inkaperuaner ihre Kultur auch weiter nach Süden und auf sie dürfen auch die alten Kupfergeräte zurückgeführt werden, welche in Chile gefunden wurden. Ein 1,60 kg schwerer gegossener Kupferhammer (Fig. 49) stammt aus einer Quebrada der Provinz Atacama, gelegen unter 26° 42´ südl. Br., nicht fern vom Camino de los Incas. Er ist viel gebraucht und, wie Schlagmarken beweisen, durch Hämmern wieder geschärft, nachdem die Schneide abgenutzt war.[368] Da die Peruaner das Zinn und seine Legierung mit Kupfer, sowie die daraus für das letztere sich ergebende Härtung kannten, so ist anzunehmen, daß die Kupfergeräte älter als jene aus Bronze sind. Nachdem jener Fortschritt einmal erkannt war, mußte die Herstellung von Kupferbeilen etc. von selbst fortfallen.
In der That ist die Bronze weit häufiger verbreitet unter den alten Funden in Peru als Kupfer und man verstand sie von so vortrefflicher Härte darzustellen, daß sie zur Anfertigung der schwierigen unter den Inkas ausgeführten Bauten genügte. Ein in den alten, zur Inkazeit bearbeiteten Silbergruben in der Nähe Cuzcos gefundener Bronzemeißel, welchen Humboldt nach Europa brachte, enthielt nach Vauquelin's Analyse 96 Teile Kupfer und 4 Teile Zinn.[369] Etwas anderer Art ist die Zusammensetzung des „Morgensterns“ beschaffen, den David Forbes analysieren ließ und der bei Sorata gefunden wurde. Er enthielt 88% Kupfer und 11,4% Zinn, sowie Eisen und Silber in geringer Menge.[370] Peruanische, aber in Chile am Flusse Maypa gefundene Bronzen enthielten dagegen wieder, ähnlich wie der Bronzemeißel Humboldt's, 6% und 5% Zinn.[371] Ein von Boussignault analysierter Bronzemeißel aus Steinbrüchen, welche zum Teil das Plattenmaterial der langen Straße von Quito nach Cuzco lieferten, bestand aus 95% Kupfer und 4,5% Zinn, sowie etwas Blei, Eisen und Spuren von Silber.[372] Eine konstante Mischung von Zinn und Kupfer, wie wir sie als maßgebend für Bronze ansehen (9 Kupfer, 1 Zinn), ist daher in Peru nicht vorhanden gewesen. Die mexikanischen Bronzen zeigen eine andere Zusammensetzung als die peruanischen, was wieder für die Unabhängigkeit beider Bronzereiche spricht.
Eine der Hauptfundstätten für peruanische Bronzen ist Chimu an der Küste bei Truxillo gewesen, wo Waffen und Geräte so massenhaft vorkamen, daß sie zentnerweise verkauft wurden. Viele derselben gleichen in der Form europäischen Bronzekelten und wurden wohl ähnlich wie diese benutzt. Die Abbildung Fig. 50 ist ein Durchschnittstypus dieser Art und 22 cm lang; ganz gleiche Ackerwerkzeuge werden heute noch in Nicaragua gebraucht, nur ist Eisen an die Stelle der Bronze getreten; man benutzt sie zum Umgraben des Bodens. Doch der Peruaner hatte Ackerwerkzeuge, welche unserem Spaten in der Form näher kamen, wie Figg. 51 und 52 zeigen. Der glatte Spaten ist 25 cm lang und 10 cm breit, der ornamentierte 30 cm lang und 10 cm breit. Auch ein Ackerwerkzeug mit gekrümmter Schaufel (Fig. 53) ist in Chimu gefunden worden. Es ist 25 cm lang.
In großer Anzahl sind in Peru eigentümlich gestaltete Geräte gefunden worden, welche in der Form sich stets gleich bleiben, in der Größe aber von wenigen Centimetern bis zu einer Länge von fast 60 cm wechseln und scheinbar aus einer dünnen, aber festen Bronzeplatte geschlagen sind. Das untere, halbmondförmige Ende ist stets zugeschärft, das obere, gerade abgeschnittene aber nur gelegentlich. Squier hält dieses Instrument (Fig. 54) für eine Kelle, welche bei der Anwendung des Thones beim Bau oder in der Töpferei Verwendung fand. Als Messer der Peruaner werden eigentümlich halbmondförmige und mit einem zuweilen ornamentierten Stiele versehene Geräte aus Bronze bezeichnet, welche die Gestalt von Figg. 55 und 56 zeigen.
Die häufigsten Bronzegeräte der Peruaner sind Lanzenspitzen verschiedener Form, breit und schwer oder zierlich schlank und leicht. Sie sind bis 50 cm lang gefunden worden, während die Bronzepfeilspitzen 5-10 cm lang waren. Auch Morgensterne oder Cassetêtes von der Form wie Fig. 57 haben die Peruaner aus Bronze hergestellt.[373] Daß die Peruaner ihre Bronzekultur nach Süden ausbreiteten, wurde bereits erwähnt. Doch sind die Bronzefunde aus Chile, dessen Eroberung in der Mitte des 15. Jahrhunderts durch den Inka Yupanki erfolgte, nicht häufig. Ihr Typus ist rein peruanisch.[374]