The Project Gutenberg eBook of Mein Lied
Title: Mein Lied
Author: Peter Rosegger
Release date: January 4, 2015 [eBook #47872]
Most recently updated: October 24, 2024
Language: German
Credits: Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau, Norbert Müller
and the Online Distributed Proofreading Team at
http://www.pgdp.net
Mein Lied
Von
Peter Rosegger
Erstes bis zehntes Tausend
Leipzig 1911 / Verlag von L. Staackmann
Alle Rechte vorbehalten.
Copyright 1911 by L. Staackmann, Leipzig.
Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
Inhaltsverzeichnis
Vorstellung.
Doch zeigen sich Feinde, so findet sich Rat,
Meine Lust ist das Sein, meine Tat ist das Lied,
Und singt man sich selbst, ist das Lied eine Tat.
Aus heiterer Kehle, das Lied ist doch echt.
So singet der sündige Adamssohn
Im Streiten und Siegen gleich schlecht und recht.
Der weder nach Titel und Knittel hascht,
Der nicht Magnaten die Stiefel putzt
Und nicht Proleten die Hemden wascht.
Und nicht um Beifall der Menge wirbt,
Der nicht für die Götzen des Tages lebt
Und nicht für die Schatten der Götzen stirbt.
Der Menschheit Seheraug' mein Fanal;
Ich seh' das Geheimnis durch jeden Flor,
Und kenne die Sünde mit ihrer Qual.
Stehst doch als nackter Adam vor mir.
O Menschenbruder verbirg dich nicht,
Ich weiß es: du bist halb Gott, halb Tier!
Und taumelst du nieder zu Nacht und Gericht,
So heb ich dich jauchzend zur Höhe des Tags,
Zur Freiheit, zur Liebe, zum seligen Licht.
Heimat
Das Mutterherz.
*[A]
Sprach der Herr zu mir,
Brauchst du Liebe,
Die dich schützet,
Brauchst du Treue,
Die dich nicht verläßt.
Finden nicht so bald
Lieb' und Treue
Echt und heilig;
Darum geb' ich dir
Von meiner mit.
Liebes Menschenkind,
Daß du findest
In der Trübsal
Diese Gaben,
In das Mutterherz!
[A] Die mit * bezeichneten Gedichte stammen aus früher Jugendzeit des Verfassers.
Mein Vaterhaus.
Mein Vaterhaus ist klein,
Und schließt doch meine ganze Welt
Und meinen Himmel ein.
Vom Mutterauge rinnt,
Denn fort von heim, weit in die Welt
Zieht hin ihr liebstes Kind.
Der Sohn ist in der Fern',
Ihr Tischgebet gilt sein, und sie
Empfiehlt ihn Gott dem Herrn.
Und viel Gefahren drohn!
Sie kann nichts tun als weinen still
Und beten für den Sohn.
Und ihren Lüsten weihn;
Das Vaterhaus, das Mutterherz
Soll mir der Himmel sein.
Ich bin ein armer Hirtenknab'!
*