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Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

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About This Book

An observational travel account of the author's return journey from Java to Europe, combining travel narrative, geological and volcanic description, and practical route and station details. He describes weakened health prompting departure, highland retreats and the crater-top view, contrasts between cool uplands and hot lowlands, reflections on volcanic power and human fate, interruptions by political and meteorological news, and stops at ports with notes on schedules, costs, and local conditions, interweaving scientific observations with personal impressions and practical advice for travelers.

The Project Gutenberg eBook of Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

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Title: Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

Author: Franz Wilhelm Junghuhn

Release date: April 14, 2014 [eBook #45393]
Most recently updated: October 24, 2024

Language: German

Credits: Produced by Iris Schröder-Gehring and the Online Distributed
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from the Google Print project.)

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK RÜCKREISE VON JAVA NACH EUROPA MIT DER SOGENANNTEN ENGLISCHEN ÜBERLANDPOST IM SEPTEMBER UND OCTOBER 1848 ***

[Seite a] Rückreise
von
Java nach Europa
mit der
sogenannten englischen Überlandpost
im September und October 1848

von

Franz Junghuhn

Aus dem Holländischen übertragen

von

J. K. Haßkarl.

Mit 4 Ansichten und 2 Karten.


Leipzig,

Arnoldische Buchhandlung.

1852.

[Seite c] Vorwort.

Anfangs war es nicht meine Absicht, diese Reise zu veröffentlichen, besonders weil andere Arbeiten mich sehr beschäftigten. Ich hatte jedoch das Meiste auf der Reise (von Java bis Holland) selbst schon niedergeschrieben, und Freunde, welche dieses Manuscript lasen oder denen ich einzelne Erlebnisse von der Reise erzählte, munterten mich kräftig auf, mich doch der kleinen Mühe zu unterziehen, meine Aufzeichnungen zu einem Ganzen zu vereinigen, wo es nöthig war, weiter auszuarbeiten und bekannt zu machen, – welchem Rathe ich endlich folgte.

Dies möge zur Erklärung des späten Erscheinens dieser Beschreibung dienen.

Leyden im Januar 1851.

Der Verfasser.

[Seite e] Inhalt.

I. Von Java bis in die Nähe der Insel Socotora.

Meine Gesundheit war zerrüttet und die Kräfte meines Körpers waren nach einem 13jährigen Aufenthalte auf Java und Sumatra geschwächt. – Ich litt an den Folgen der so viele Jahre lang nicht mehr unterbrochenen Einwirkung einer größern Hitze, der nur wenige nordische Naturen auf die Dauer widerstehen können. – Wohl reiste ich noch in Krawang, mit geologischen Untersuchungen beschäftigt, mußte aber oft (erschöpft) die höhern, kühlern Gebirgsgegenden aufsuchen, um dem glühenden Klima nicht zu unterliegen.

Der letzte Berggipfel, den ich, durch solche Gründe veranlaßt, den 17. Juni 1848 erstieg, war der Gunung-Tangkuban Pra. Meine Hütte stand auf dem höchsten Punkte seiner südlichen Kratermauer, der sich 6030 par. Fuß über das Meer erhebt und eine mittlere Temperatur genießt von ohngefähr 56° F., während in den Tiefländern am nördlichen Fuße des Gebirges die mittlere Wärme 81,5° beträgt. In der kühlen Luft dieser Region kehrte wieder etwas Willenskraft in die Seele zurück, die mit dem Körper ebenfalls erschlafft und in Gleichgültigkeit versunken war. Die Ermahnungen von Freunden, die mich in meiner Einsiedelei besuchten, trugen dazu bei, mich in meinem Vorhaben zu bestärken, und so gedieh endlich mein Entschluß zur Reise, das Land des ewigen Sommers ein Paar Jahre lang zu verlassen und in das Vaterland zurückzukehren, das den eisigen Polen so viele Grade näher liegt.

Hier auf dem Kraterrande des Vulkans war es auch, wo ich die Zeitungen aus Europa empfing, die in der Mitte des Juni mit der Landmail nach Batavia gebracht waren. – Revolution in Paris, kaum geahnt und schon beendigt, – Republik ausgerufen, – Louis Philipp entflohn! – dieser vorsichtige König, den alle Welt so fest auf seinem Throne glaubte. – Dies waren die Nachrichten, die auf das Unerwartetste, ganz mährchenhaft, vermeldet wurden und die alle Gemüther auch auf Java in die ängstlichste Spannung versetzten. Es glich die Aufregung der Völker, dadurch veranlaßt, der electromagnetischen Kraft, die sich mit unsichtbarer Schnelle durch die halbe Welt fortpflanzt. – Dazu kamen später noch die Nachrichten aus Bali, – Reformbewegungen, politische Demonstrationen zu Batavia, – ungewöhnliche Witterungserscheinungen, – Höhenrauch, – Regen, – Überströmungen, – Erdbeben! – vulkanische Ausbrüche, – ein erwarteter Komet allhier – und dort in Europa Aufruhr und Krieg; – – so waren die Nachrichten, die zu dieser Zeit auf uns einstürmten und die, wenn auch nicht alle erfreulicher Art, denn doch geeignet waren, auch das erschlaffteste Gemüth aus seiner Lethargie zu erwecken.

Die Auspicien einer Reise also zu dieser Zeit nach Europa waren nicht günstig. Ich war aber krank und bedurfte als Heilmittel der Kälte. Meine Abreise ward daher beschlossen und mein Gesuch um Erlaubniß abgesandt an die hohe Regierung zu Batavia, in deren Auftrag ich reiste.

Ehe ich den Berggipfel und die schönen Wäldchen, die ihn umgrünen, verließ, sah ich noch einmal nieder in das weite Kesselthal des Kraters, dessen Grund 800 Fuß tief zu meinen Füßen lag und ließ dann meinen Blick über den jenseitigen (weniger hohen) Kraterrand hinweg- und hinabgleiten in das ferne Land von Krawang, das 6000 Fuß tiefer lag und das sich mit dem ewigen Grün seiner Felder und Wälder bis an's Meer hinzog. So glatt und blinkend, wie ein silberner Spiegel lag dies stille javanische Meer vor uns da, während die Morgensonne mit ihren ersten Strahlen hinter den fernen Kegeln Tjĕrimai und Tampomas hervorblickte und mit dem Lichtglanze, der sie umgab, einen goldenen Hintergrund bildete, auf welchem sich die dunkeln Gestalten dieser hohen Berge deutlich abzeichneten; – sie vergoldete dann noch manche andre Bergspitzen und goß ihren Schein aus über das weite grüne Land, in welchem Tausende von Menschen und Thieren zu neuem Leben erwachten.

Es war ein Bild schöner und majestätischer Ruhe, vergleichbar mit dem menschlichen Gemüthe, das in Frieden lebt. Dicht zu unsern Füßen aber lag der weite, wüste Schlund des Kraters und dieser erinnerte an die Leidenschaften der Menschen, wenn diese in Wuth ausbrechen, sich selbst und ihre Werke zerstörend. Zwar lag auch dieser Mund des Vulkans jetzt in tiefer Stille da, – auf der Kraterwand zu unsrer Linken lächelte lieblich der erste Sonnenschein und ließ grell den Schatten erkennen von einigen Falken, die langsam und friedlich über den weiten Raum hinüberschwebten. – Nichts als das Echo hallte wieder, wenn man hinabrief oder einen Stein in die Tiefe warf, – sonst war Alles still; – aber die Kahlheit der Felsen, die Hunderte von Fußen hoch emporstarren, – die hingestreckten Wälder und schwarzgebrannten Baumstämme des äußern Gehänges, – die bleiche Farbe der Asche, wovon Alles überschüttet war, – die Abwesenheit von aller Vegetation im Innern, – der völlig nackte Grund, aus dem man bei genauerer Betrachtung doch noch Dämpfe emporsteigen sah, – dies Alles rief dem Reisenden warnend zu: „Traue dieser Ruhe des Kraters nicht, denn sie gleicht mit der schönen belebten Natur umher ganz dem menschlichen Gemüthe und dem Leben der Völker, das leicht durch Leidenschaften getrieben wird, sein eignes Glück zu vernichten, – aber so wie die Waldung rund um den Krater nur so lange blüht und grünt, bis ein neuer Ausbruch aus dem Schlunde kommt, der Alles wieder verwüstet und, was in langen Jahren allmählig wuchs, oft in einer Nacht zerstört.“

Dennoch konnte ich diesen Berggipfel nicht verlassen ohne ein wehmüthiges Gefühl. Sind doch diese Kraterthäler die schönsten auf Java und von allen Landschaften der Insel am reichsten an malerischer Abwechselung, – tritt doch das Starre, Nackte der Felsen, das Kolossale der Dimensionen daselbst in den anziehendsten Contrast mit dem umgebenden Grün, – sind doch die niedrigen Alpenbäumchen, die dort wachsen, die lieblichsten der Insel, die fast immer mit den schönsten farbigen Blüthen geschmückt sind, – ist doch die Luft auf diesen Höhen so rein, so kühl, genießt man doch von dort die herrlichste Aussicht rundum über das weite, tiefe Land, – ist das Innere der Krater doch so einsam, so ungestört, so beschützt vor allen Winden, – lächeln die Seen, die in vielen derselben liegen, den Reisenden doch so freundlich, so friedsam an, – und giebt ihnen der Gedanke an die gewaltsamen, vernichtenden Kräfte, die unter ihnen in der Tiefe schlummern, doch einen so eigenthümlich bangen Reiz, daß man unwillkührlich gemahnt wird an den Wechsel des Schicksals im Leben der Menschen und an die Vergänglichkeit alles irdischen Glücks, – und hatte mich doch eine lange Reihe von Jahren mit allen diesen Kratern auf Java so vertraut gemacht, daß sie mir lieb geworden waren, wie eine zweite Heimath! –

Erinnerungen und Gefühle dieser Art fesselten mich an den Ort und ich saß (von Thibaudiabäumchen überwölbt) noch am Kraterrande, als meine javanischen Begleiter den Gipfel schon verlassen hatten und am Gehänge hinabeilten. Ich warf noch einen Blick hinab und rundum – und folgte ihnen. Doch war es mir unmöglich von diesem Berge (dem letzten, den ich vor meiner Rückkehr nach Europa ersteigen sollte,) Abschied zu nehmen und ihm das „Lebt wohl, ihr Berge!“ – zuzurufen, ohne den heimlichen, aber innigen Wunsch zu empfinden: „auf Wiedersehn.“

Diese Hoffnung auf Wiedersehn tröstete mich auch, als ich, kaum erquickt von der größeren Kühle dieser Region, wieder herab in das tiefere Land stieg und dem heißen Batavia zueilte.


Ich kann nicht unterlassen, der wohlwollenden Rücksicht hier zu gedenken, welche die Regierung auf meine geschwächte Gesundheit nahm, nicht nur, um mir den erbetenen Urlaub nach Europa zu bewilligen, sondern auch um meine Abreise in ein kälteres Klima zu beschleunigen. Besonders verpflichtet bin ich Sr. Excellenz dem Hrn. Generalgouverneur J. J. Rochussen, der mich sehr liebreich behandelte und mich beim Abschied mit den herzlichsten Wünschen entließ.

Dennoch verzögerte sich meine Abreise bis gegen Ende August und dieser fast zweimonatliche Aufenthalt in dem heißen Klima von Batavia wirkte noch mehr erschlaffend auf meine geschwächte Gesundheit. – Erst mit dem Kriegsdampfer Etna, den der erste Lieutenant Eschauzier commandirte, war es mir vergönnt, nach Singapure zu gehn, von wo die mit der Landmail aus Europa angekommenen Briefe abzuholen und andere dahin gerichteten zu überbringen waren.[1]

Endlich, in dem Nachmittag des 27. August konnte ich Batavia verlassen und begab mich an Bord des Etna in Begleitung meines Freundes und Collegen Dr. Schwaner, der erst vor Kurzem von seinen weiten Reisen auf Borneo zurückgekehrt war und zur Ausarbeitung seiner Karten noch einige Zeit auf Java zu bleiben gedachte.[2] – Den folgenden Morgen sollte das Dampfschiff die Rhede verlassen. Dieser Gedanke stärkte mich verbunden mit der Einwirkung der kühlen Seeluft, die ich des Abends auf dem Verdecke genoß und nun erst fing ich an, mich zu freuen, denn erst nun konnte ich die Schwierigkeiten, die sich meiner Abreise entgegengestellt hatten, für überwunden achten und die Hoffnung hegen, dem Vaterlande sicher zuzueilen.

Wir verließen am 28. August 1848 früh die Rhede von Batavia. Die Wasserfläche war todtstill, – sie glich einem glänzenden Spiegel und die Schiffe, die unbeweglich darauf lagen, glichen den Häusern einer Stadt; auf dem einen Schiffe wurde gesungen, auf dem andern getrommelt und gepfiffen, – und auf noch andern ertönte, den Rhythmus der täglichen Verrichtungen der Seeleute abmessend, die Schiffsglocke, deren Klang weit über die glatte Fläche hinscholl. Falco pondicerianus umkreiste die Masten noch eben so, wie vor 13 Jahren, als ich den Busen voll geschwellter Erwartungen, erhoben durch unbegrenzte Hoffnung hier ankam, – die Physiognomie der Küste mit ihren weißen und rothen Häusern, die durch das Grün hindurchschimmerten, war noch ganz dieselbe, – auch der Zuckerhut des Gunung-Panggerango blickte aus blauer Ferne noch eben so, wie damals, über die untern dunstreichen Luftschichten herab, – die ganze Natur war die alte, unveränderlich getreu in allen ihren Nüancen, – – nur ich war nicht mehr derselbe, ich in meiner Denkweise, in meiner Empfänglichkeit für die Eindrücke der Außenwelt war ein Andrer geworden und sah nun kalt, erregungslos und gleichgültig auf dieselbe Welt herab, die mich vor 13 Jahren, als ihr Antlitz für mich noch ein ganz fremdes war, so lebhaft erregte, so unwiderstehlich anzog und zur Erforschung ihrer Eigenthümlichkeiten entflammte.

Außer der Schwächung des Körpers durch die anhaltende Hitze und den verlornen Reiz der Neuheit nach allmählig genauer gewordener Bekanntschaft mit der tropischen Natur, ist es, glaube ich, vor Allem der Mangel an Abwechselung in den Jahreszeiten und in den Erscheinungen des Luftkreises, – es ist die zwischen den Tropen ununterbrochene Dauer des Sommers, es ist das ewige Grün, das den Geist der Europäer auf Java zuletzt erschlafft und in Gleichgültigkeit gegen die Schönheiten javanischer Natur versinken läßt. – Man verlangt endlich nach Veränderungen, von welcher Art auch, man hat Bedürfniß nach etwas Neuem. Eben so sehnsüchtig, wie ich vor 13 Jahren nach dem üppigen Grün der tropischen Wälder verlangte, so sehnte ich mich jetzt nach einer kahlen Winterlandschaft, – ich verlangte nach Eis, nach Schnee.

Unser Schiff setzte sich um 6¾ Uhr des Morgens in Bewegung, – das eiserne Dampfboot Onrust[3] fuhr vor uns hin und die befreundete Küste trat immer mehr zurück. – Ich hatte gestern von meinen Bekannten ziemlich gleichgültig Abschied genommen, – jetzt erst, nun ich unwiderruflich von ihnen getrennt war, nun ich mich mit jeder Minute weiter von ihnen entfernte, bemächtigte sich meiner ein Gefühl, das mich zu ihnen zurückzog, – eine lebhaftere Theilnahme erwachte, – meine Gedanken kehrten zu ihnen zurück, zu den Bewohnern dieses Landes, die mir durch einen vieljährigen Umgang lieb geworden waren und ich bedauerte nun mit einem reuigen Gefühl, gestern in meiner Gemüthserschlaffung, in dem Scheintode aller herzlichen Gefühle, ihnen nicht wärmer die Hand gedrückt zu haben!

Den 28sten hatten wir bei stets heiterem Wetter eine stille, kleinwellige See und wenig Wind. – Außer den vielen kleinen Inseln der Rhede von Batavia und denen, die von der Rhede an nach Norden zu regellos zerstreut vorkommen, sahen wir die sogenannten Tausend-Inseln, die zwei-, drei-, ja vierfach hinter einander gruppirt, einen von Süd nach Nord ausgedehnten kleinen Archipel bilden, an dessen Ostseite wir vorüberfuhren. Sie blieben also links liegen, die nächsten etwa drei bis vier englische Meilen entfernt. (Ihre Lage: der Lampongspitze gegenüber, doch dem Meridian von Batavia näher, als dem von Bantam.) Der sogenannte „Süd- und Nordwächter“ bezeichnen ihre Grenzen der Längenausdehnung nach. Sie gleichen vollkommen den Inseln der Rhede und allen übrigen, die wir in diesem Meere sahen, – die größten haben drei bis fünf englische Meilen, die kleinste eine Viertelmeile im Durchmesser; sie sind flach, mit Wald bedeckt. Jede Insel ist nur ein Wald. – Kein kahles Fleckchen. Die nähern lassen zwischen ihrer grünen Waldung und dem glänzendblauen Meere noch einen weißen Küstenstreifen erkennen.

Ihre Zahl ist etwa 40-45. Sie sind eine rechte terra incognita, noch nicht aufgenommen, denn die Schiffe fahren in weiter Entfernung nur um sie herum, weil die Untiefen, Klippen, – Korallenbänke, womit die Inseln untermeerisch verbunden sind, alle Annäherung verbieten. Nur Räuberfahrzeuge besuchten sie früher. Sie liegen regellos zerstreut und sind wahrscheinlich nur einzelne Punkte einer einzigen großen Korallenbank, – nämlich die Punkte derselben, die (einige Fuß) über den Meeresspiegel hervorragen. – Ob die Korallen auf Tertiärschichten ruhen? – auf einer submarinen Erhebungslinie, die der Ostküste von Sumatra (den Lampong's) parallel läuft?

Vom „Nordwächter,“ der im Nachmittag des 28sten noch sichtbar war, sahen wir keine Inseln mehr; wir durchschnitten nun vom 28sten Abends an die Nacht durch, nord-nord-westwärts den langen Raum zwischen diesen nördlichsten der Tausend-Inseln und der Insel Lucipara, die am südlichen Eingang der Straße Bangka liegt; – als der Abend fiel, wurden zwei verschiedenfarbige Laternen an den Masten aufgehängt, die eine mit rothem Glas und rothem Lichtschein hinten am Fockmaste und die andere mit grünlich-gelbem Lichte vorn am großen Maste (das Zeichen der Dampfschiffe bei Nacht).

Die Nacht war hell und windstill, – die See kleinwellig.

Den 29sten des Morgens um 7½ Uhr bei ganz heiterem Wetter kam uns die Lucipara-Insel zu Gesicht und etwas später erschien als ein langer dunkler Streifen auch die flache, niedrige Küste von Sumatra. Wir dampften zwischen beiden hindurch. Lucipara, die rechts liegen blieb, war eben so flach und waldig, wie die vorigen Inseln und hatte in ihrer Mitte einen kleinen kegelförmigen Höcker. Ihr Durchmesser beträgt nach den Seekarten 1½–2 engl. Meilen. –

Schon um 7 Uhr fing das Wasser an sich immer grünlich-heller zu färben. Um 8 Uhr waren wir noch 7 engl. Meilen von der Küste entfernt und erblickten vorn, im Eingang der Straße Bangka, sieben (größere und kleinere) Schiffe, die dem Meere ein recht belebtes Ansehen gaben. Als wir uns der Richtung: West von Lucipara-Insel und Ost von Lucipara-Spitze (Sumatra's) näherten, fingen wir an zu peilen und unsern Cours Nord-West bei 4½–5 Faden Wasser in Nord-Nord-West zu verwandeln. Wir näherten uns also mehr der Küste von Sumatra, die deutlicher wurde und sich als niedriges, flaches, sumpfiges Land darstellte, mit Waldung bedeckt.

Wie eine Mauer stieg der Waldsaum dieser Küste von Sumatra empor und erhob sich gewöhnlich in einer doppelten Terrasse, zweimal hinter einander. 1º Man unterschied einen vordern niedrigen Waldstreifen, der wahrscheinlich aus Rhizophoren bestand und sich wandartig aus dem Meere erhob, – 2º einen hintern höheren Wald, der eben so mauerartig und scharf begrenzt war und der hier und da, wo der erstere fehlte, bis an's Meer vorgerückt erschien und dann unmittelbar aus dem Wasser aufstieg. – In diesen Waldmassen bildeten die Bachmündungen schmale Klüfte und erschienen wie schroff hindurchgehauene Straßen oder scharfbegrenzte Kanäle. Ein röthlich-schmutziger Strand war vor diesem Waldsaume kaum zu erkennen.  – Wir kamen mehren Schiffen nahe vorbei und waren nur 2–3 engl. Meilen von der Küste Sumatra's entfernt.

Um 11 Uhr befanden wir uns der ersten vorspringenden Ecke Sumatra's (het eerste punt der holl. Seekarten) gegenüber, deren Waldung aus mäßig hohen Bäumen zusammengesetzt war und mit einer scharfen Grenze wie eine Mauer endete; – wir konnten die weißlichen, schlanken und geraden Stämme deutlich unterscheiden; – der Strand machte sich durch eine trübe schlammig-braune Färbung des Wassers kenntlich, die bis weit vom Lande ab in die See hinaus reichte. Auch Bangka wurde in größerer Ausdehnung sichtbar und stellte sich als ein flaches oder doch sehr niedrig-hügeliges Land dar.

Von 1 Uhr an kam uns der höchste Berg Parmasan auf Bangka zu Gesicht und bildete einen langgedehnten, convex-buckligen Wulst, der in der Richtung von Süd-West nach Süd-Ost seine größte Längenerstreckung zu haben schien. Weil sich sein Gehänge Absatzweise erhebt, so glaubt man, daß er aus mehren, in der angegebenen Richtung hintereinander liegenden Bergen bestehe, von denen der mittelste der höchste ist. Wir schätzten diesen auf 2–2½ tausend Fuß. – Seitwärts, sowohl zur Linken als zur Rechten, dieses Bergzuges war Alles, was wir sahen, nur niedriges Land, das eine eben solche flache Waldküste bildete, wie das gegenüber liegende Sumatra. Während der Himmel über der letzteren Insel, die, so weit man hier sehen konnte, flach ist, heiter war, so lag über dem gebirgigen Bangka eine düstere Wolkendecke ausgestreckt und die Berge erschienen in einem dunkeln Blau, das Meerwasser war aber grünlich-hell (s. Fig. 1, Gunung-Parmasan). – Indem wir durch die Straße von Bangka weiter dampften, die an ihrer schmalsten Stelle, gegenüber het eerste punt nur 5, übrigens aber 7–10 engl. Meilen breit ist, kamen uns Erscheinungen entgegen, die schon Columbus als Beweise nahe liegender großer Flußmündungen betrachtet hatte, nämlich eine Menge treibendes Holz und Bambus; – zugleich rückte uns mit dem gedrehten Winde, der nun aus Norden blies, die schwarze Luft immer näher und bald fing ein Gewitterregen an herabzuströmen, der mit starkem Nordwind bis 3 Uhr anhielt.

Auf unserer Weiterfahrt durch die Straße blieb der Anblick der flachen Küste von Sumatra und der ebenfalls flachen, nur hier und da mit niedrigen Bergzügen oder Hügeln bedeckten Küste von Bangka bis gegen Abend derselbe, und es fing schon an zu dämmern, als uns zuerst der Berg Manumbing sichtbar wurde, an dessen Fuße Muntok, die Hauptstadt Bangka's, liegt. – Es war schon völlig Nacht, als wir uns der Küste näherten, und es mußten drei Kanonenschüsse hintereinander gelöst werden, um den Bewohnern Muntok's zum Signal zu dienen. Alsbald, nachdem die Schüsse gefallen waren, wurden drei helle Lichter an der Küste sichtbar, die unserm Schiffe die Richtung des zu befolgenden Courses vorschrieben und die uns auch bald darauf auf der Rhede von Muntok willkommen hießen, wo wir um 9 Uhr ankerten.

Als am 30. August auf eine helle Nacht, in welcher ein starker Landwind geweht hatte, ein gleich heitrer Morgen folgte, lagen wir südwärts von Muntok und erblickten den langen, waldigen Berg Manumbing nun in voller Klarheit im Norden (s. Fig. 2). – Dann dampften wir noch näher und legten der Stadt gerade gegenüber in Süd-Süd-West an (s. Fig. 2). – Außer dem Manumbing und den Vorbergen und Hügeln, die sich ihm auf beiden Seiten anreihen und die in einer Linie von Nord-Ost nach Süd-West zu liegen scheinen, ist alles Andere, was man von Bangka sieht, niedriges Land; – es ist aber keine Ebene, viel weniger eine Alluvialfläche, sondern es erhebt sich in den mehrsten Gegenden schon von der Küste an oder in geringer Entfernung von dieser und steigt 50–100 Fuß steil empor, um sich dann in kleine Platten auszubreiten. Auf einer solchen Platte liegt die Benteng (Schanze, s. Fig. 3), – von welcher herab ein weißes Haus mit seinem rothen Dache, – wahrscheinlich die Commandantenwohnung – weit in die Ferne schimmert. – Am Fuße dieses Festungsberges, zur Linken desselben, liegt die Stadt, die dermaßen im Gebüsch von Fruchtbäumen verborgen ist, daß man nur einige dem Strande näher liegende Häuser und Hütten derselben gewahr wird; und auch diese sind noch mit Gebüsch umgeben und von Kokospalmen überragt. Nur zwei größere (** auf Fig. 3) von ihnen sind weiß mit rothen Dächern (wahrscheinlich Packhäuser), die übrigen sind graue, oder schmutzig-bräunliche Bambushütten der Eingebornen, die auf dem gelblich-falben Sande zerstreut stehen. Alles Andere ist waldig-grün.

 

 

 

 

 

 

 

Nur in manchen Gegenden, wie im Süden des Berges auf Fig. 2, ist dem Hügellande ein flacher Strand von etwas größerer Breite vorgelagert; dieser ist dann gewöhnlich mit Rhizophoren bedeckt, die sich zungenförmig in's Meer hinausziehn und deren dunkele Stämme, da sie sich grell auf dem weißlichen Sandboden abzeichnen, man schon aus großer Weite in See unterscheiden kann.

Nachdem der Zweck unseres Anlegens auf Muntok erfüllt, nämlich die Postpackete abgegeben und ein für Palembang bestimmter Offizier an's Land gesetzt war, – setzten wir um 8½ Uhr die Cylinder unsrer Dampfmaschine wieder in Bewegung, schifften um die scharfbegrenzte, spitze Landecke herum, welche in West-Nord-West von Bangka in's Meer ragt und fuhren dann nach Norden weiter. Wir kamen so nahe an der Küste vorbei, daß wir Baumstämme, Felsen, Alles mit bloßen Augen deutlich unterscheiden konnten. Es zieht sich von jener Spitze ein verflachter, weißlich-falber Strand nach Norden und eine Menge rauher, wie angefressener Klippen von schwärzlicher Farbe ragen, bald einzeln, bald zu ganzen Kämmen, aus diesem Sande hervor, mit dessen Farbe sie einen grellen Contrast bilden; sie vereinigen sich hier und da zu kleinen Wänden und Felspartien und verschwinden dann unter dem Grün von struppigen, nicht hohen Wäldern, die Alles, was vom Lande sichtbar ist, bedecken und in denen man, an ihrem pyramidalen, tannenartigen Wuchse viele Casuarinen (Cas. equisetifolia L. = Tjĕmara laut) bald einzeln, bald zu ganzen Gruppen gewahr wird. – Ähnliche schwarze Klippen tauchen auch noch links aus dem Spiegel des Meeres auf.

Auch noch weiter nord- und nord-ost-wärts von Muntok behielt die Küste von Bangka, so lange wir sie sehen konnten, diese Beschaffenheit und ging einwärts in Landschaften über, die weder ebene Flächen, – noch mit eigentlichen Bergen besetzt waren, sondern die ein 30, 40–100 Fuß hohes, verflachtes Hügelland von felsiger, wenig fruchtbarer Oberfläche zu bilden schienen.

Von Sumatra war nichts zu sehen; der Manumbingberg, convex von Form wie ein gekrümmter Katzenrücken, trat, je mehr wir nach Norden avancirten, immer weiter unter den Horizont zurück – und kaum war die letzte Nordspitze Bangka's aus dem Gesicht verschwunden, als das anfangende stärkere Schwanken unseres Schiffes uns verkündete, daß wir uns auf freierem Meere, weiter von Landtheilen entfernt, befanden.

So heiter der Morgen gewesen war, so düster war die Wolkendecke, die den ganzen Tag lang alles Blau des Himmels vor unsern Blicken verbarg und die oft einen feinen Regen herabströmen ließ. Auch folgte eine eben so trübe Nacht auf den trüben Tag, während wir unter stetem, sehr starkem Schwanken des Schiffes unsern Cours nach Norden verfolgten. Das starke Schwanken des Schiffes bei gleichzeitiger Windstille scheint sich aus der Lage der See zu erklären, die wir durchschifften. Diese steht nämlich nach Nord-West hin offen bis weit in die chinesische See hinein und die Wogen aus dieser See, in der es vielleicht stürmte oder gestürmt hatte, rollten, in Beziehung auf den Cours unseres Schiffes, in fast querer Richtung zu uns heran.

Was die Form der höheren Berge auf Bangka betrifft, so würde man schon aus dieser Form, auch ohne eine nähere Kunde vom geologischen Bau der Insel zu besitzen, mit Wahrscheinlichkeit ableiten können, daß es weder trachytische Berge, die sich fast immer kegelförmig vorthun, viel weniger Vulkane sind, – noch auch erhobene Theile einer sedimentären Formation, weil die letztern sich immer als langgezogene Ränder darstellen oder als Ketten, die auf der einen Seite breit sind, sanft ansteigen und dann auf der andern Seite, vom höchsten Rande an, plötzlich fallen. Die Berge Bangka's sind aber breite, stumpfe Wülste und bestehen wahrscheinlich aus granitischen Gesteinen oder Porphyrarten, während das tiefe Land zwischen ihnen von granitischen und quarzigen Schuttmassen, Felsentrümmern (mit dem Zinnerz) erfüllt ist.

Wahrscheinlich hat Bangka seinen Zinnreichthum (im Diluvialboden, aus dem das Erz ausgewaschen wird) mit dem nahen Biliton, so wie mit vielen Gegenden der Halbinsel Malaka (den Staaten Kalantan, Pahang, Perak, Salangore) und einigen östlichen Landschaften von Sumatra (Tana Hualu, nord-westwärts von Bila, Asahan, vielleicht auch Delhi) gemein.

Literatur über Bangka:

J. Crawfurd, History of the Indian Archipelago. Edinburg, 1820.

Court, Exposition of the relations of the British Gouvernment with the Sultan and State Palembang.

v. Siebold, Voyage au Japon. t. 1, p. 17–60 (mitgetheilter Berichte über Bangka und seine Zinnminen).

Dr. Epp, Schilderungen aus Ostindien's Archipel. Heidelberg, 1841.

Dr. P. Bleeker, Bijdragen tot de kennis von de statistiek der bevolking von Banka en Biliton. In Tijdschr. voor Nêêrl. Indië Jaarg. 1850. afl. 11. p. 348 etc.

Verschiedene andere zerstreute Berichte über Bangka in derselben Zeitschrift (voor Nêêrl. Indië) Jahrgang V, 2, 392, – VI, 2, 49, – VIII, 4, 125 (wo auch eine Karte der Insel mitgetheilt wird, welches die beste und ausführlichste der bis jetzt erschienenen ist), – IX, 1, 117. – Das Hauptwerk aber ist:

Thomas Horsfield, Verslag aangaande het eiland Banka. In Tijdschr. voor Nêêrl. Indië. Jaarg. 1850. p. 192 etc. – (Übersetzt aus: The Journal of the Indian Archipelago and Eastern Asia. 1848.) – Ein vortreffliches Werk, obgleich mehr in politischer und administrativer Beziehung, ist auch: H. M. Lange, Het eiland Banka en sijne aangelegenheden. d' Hertogenbosch 1850. Mit einer vom Verfasser zusammengestellten Karte der Insel, welche dieselbe ist, die bereits (wie so eben bemerkt) in der Zeitschr. für Niederländisch Indien. VIII, afler. 4 mitgetheilt wurde.

Nach Dr. Bleeker betrug die Gesammtbevölkerung zufolge einer Zählung, die gegen Ende von 1848 bewerkstelligt worden war, 41,246 Köpfe über die ganze Ausdehnung (223 geogr. Quadratmeilen) von Bangka, oder 185 auf eine Quadratmeile, während diese Zahl auf Java 4000 auf einer Quadratmeile beträgt.

Ein eben so trüber, regniger Himmel wie gestern begleitete den 31. August unsre Fahrt auf der Ostseite der Insel Linga vorbei nach Bintang. Wir sahen kein Land vor 8½ Uhr, zu welcher Zeit uns zuerst die kleinen Inseln zu Gesicht kamen, welche dem Südende der größern Insel Bintang Rio vorgelagert sind. Die äußerste kleinere davon (Burean) und dieser zur Linken eine noch kleinere sind bloße Bergscheitel, die aus dem Meere auftauchen. Sie sind wie alle andern dieser Gruppe, mäßig hoch, ohne eigentliche Kegel zu bilden. – Indem wir unsern Cours nach West zu Nord nahmen, nämlich zwischen der Insel Batang (deren Küste wir nicht sehen konnten) und Bintang, der letztern viel näher, hindurch, so blieben die bintang'schen Vorinseln uns zur Rechten liegen.

Der Hauptinsel näher kommend, fuhren wir nach 1 Uhr zwischen der Insel Alligator und 5 kleinen Inselgipfeln hindurch, – sahen uns bald darauf fast auf allen Seiten, rundumher von convexen, flachhügligen Inseln umgeben, die nur mit einer struppigen, häufig unterbrochenen Waldung bedeckt waren und durch deren Pflanzendecke überall eine röthliche Bodenart hindurchschimmerte, und warfen um 2 Uhr auf der Rhede von Bintang Rio nämlich süd-westwärts vom Fort und süd- zu westwärts von dem Berge von Bintang Anker. Dieser einzige hohe Berg der Insel blickte aus Nord zu Ost über die Mitte der Insel Pulu Patingit (Marsinsel der Seekarten) zu uns herüber, deren östlicher Strand mit den kahlen Hütten eines Dorfes bedeckt war (s. Fig. 4.). –

Einige englische Meilen von uns in Nord-Ost, auf einem verflachten, niedrigen Bergwulste lag das Fort von Rio, das wir an seinem Flaggenstock und der weißen Farbe seiner Ringmauer erkannten.[4] Der flache Berg, worauf es lag, war mehr bräunlich als grün und eben so kahl wie dieser, kaum hier und da mit etwas struppiger Waldung bedeckt erschienen auch die andern Theile der Insel Rio links und rechts vom Fort, die sich als ein niedriges (nach Schätzung nur 2–300 Fuß hohes), nicht flaches, sondern in weiten Abständen welliges (sanft erhobenes und gesenktes) mageres Land darstellten. – So weit man sehen konnte, war die Insel aus solchen langhingezogenen, flach-convexen Landwülsten zusammengesetzt, aus deren magerer Erddecke der nackte Grund an vielen Orten röthlich, selbst bolusroth, hindurchschien, und wo man an der Küste Waldung sah, war diese mit Casuarinen vermengt, struppig. Am kahlsten, magersten sah die Patingit-Insel aus.

Wir dachten an die luxuriösen, feuchten, schattigen, kein Fleckchen unbedeckt lassenden Waldungen Java's, – an den vulkanischen Boden, der diese trägt und glaubten schon hieraus, so wie aus der äußern Landform von Bintang auf eine ganz andere geologische Zusammensetzung dieser kahlen Inseln, wenigstens auf die Abwesenheit von Trachyt und von Lava, also auf den Mangel an leicht verwitterndem, den Boden mit Kali speisendem Feldspath schließen zu können. Auch auf Java in den wenigen Gegenden, wo vulkanische Producte fehlen z. B. in manchen Districten Sukapura's, herrscht eine ähnliche Baumleerheit des Bodens und Alang-Gras vertritt die Stelle der Wälder.

Nachdem ein angekommenes Boot das Postpacket für Rio von uns in Empfang genommen hatte, setzten wir um 2½ Uhr unsere Reise nach West zu Nord fort, ließen das Westende der Patingit-Insel zur Rechten liegen und erblickten neue flache (oder nur niedrighüglige) Inselküsten, die uns bald wieder auf allen Seiten umgaben. Manche waren so niedrig und flach, daß sie kaum aus dem Wasser hervorragten, z. B. Pulu Sori, Terkoli, – sie waren wenig mehr als Sandbänke, auf deren weißlichem Grunde sich sparsames Gebüsch mit einzelnen Casuarinen erhob. Das linke Ende der letztgenannten Insel lag uns um 3¼ Uhr gegenüber in Nord-Ost und in derselben Richtung erschien im Hintergrunde der Bintang-Bai die linke Ecke † des Gipfels vom gleichnamigen Berge (s. Fig. 5. – † ist der sogenannte kleine Bintang-Berg).

Der Waldreichthum der Küsten von Inseln, die wir nun sahen, nahm allmählig zu, je weiter wir nach Nord-West steuerten. Wir befanden uns um 4 Uhr dem Süd-Ostende von Loboan besar gegenüber, aus deren Pflanzendecke zunächst über dem Meere hier und da auch noch ein rother Boden hindurchschimmerte, – und sahen ringsherum fast überall nur Küsten mit hohem Wald.

Wir näherten uns nämlich dem Ausgange der Straße, welche von Süd nach Nord zwischen der westlichen oder links liegenden Insel Batang und der östlichen oder rechts liegenden Insel Bintang hindurch führt, und welche kaum 3 geographische Minuten breit ist. Kleine Inseln liegen hier vor den Küsten der größern und vor den kleinen liegen noch kleinere und alle zusammen mit ihren schmalen, oft nur flußähnlichen, geschlängelten und einander durchkreuzenden Durchgängen bilden ein so geheimnißvolles, kaum zu entwirrendes Labyrinth von Kanälen zwischen düstern und einander so sehr gleichenden, menschenleeren Waldküsten, daß die Eingebornen von andern benachbarten Inseln selbst, wenn sie durch diese Straßen schiffen oder rudern, Signale an den Ufern setzen oder an hohen Bäumen befestigen müssen, um sich nicht zu verirren und eine Insel wieder zu erkennen!

So fuhren wir zwischen den Waldinseln auf stiller See wie zwischen den beiderseitigen Ufern eines breiten Flusses dahin und kamen besonders der Küste von Bintang (auf unsrer Ostseite) oft bis auf einen Gewehrschuß nahe, so daß wir alle Bäume zählen konnten, die sich einwärts von dem bräunlich-falben Strande erhoben. Casuarinen waren auch unter diesen nicht selten.

Erst gegen halb sechs Uhr wurde die Straße breiter, die seitlichen Küsten traten mehr und mehr zurück, und bald hatten wir in der Abenddämmerung weiter nach West-Nord-West dampfend, den Genuß, die Süd-Ostecke der malaischen Halbinsel als ein mäßig hohes Land vor uns auftauchen zu sehen. Wir hatten also die südlichste Spitze des großen asiatischen Continents vor uns und begrüßten den Anblick von Kap Remunia.[5]

Es war ein schöner stiller Abend. Die See war so ruhig wie der Spiegel eines Binnensees und die Luft war warm, doch eher angenehm als drückend. Die Natur um uns her zwischen diesen Wäldern war friedlich; sie dämmerte in menschenleerer Stille. Das Meer erweiterte sich allmählig wieder und wir fuhren im Halblichte dahin, das die Sterne und die Mondessichel aus dem klaren Azur des tropischen Himmels auf uns herabgossen und das zwischen diesen Umgebungen doppelt zauberisch war.

Indem wir durch den narcotischen Reiz der Abendlandschaft unwiderstehlich hingerissen nach den Sternen dort oben blickten und unser Schiff Etna nach West-Nord-West zu immer weiter dampfte, – da erschienen auch eine Menge Sterne tief am Horizont, – mehr und mehr solcher leuchtender Punkte tauchten vor uns auf, – bald bildeten sie eine lange Reihe von Lichtern neben einander, – dunkele Körper, wie der Rumpf großer Schiffe zeichneten sich in Umriß von ihnen ab, – die Scene belebte sich, – Menschenfleiß mit seinen Werken fing an die waldigen und wässerigen Öden zu ersetzen – und auf unserm Schiff erscholl das Commando: – «halve kracht,» – «stop,» – «laat vallen het anker!» – – Es war 9 Uhr und wir hatten die Anker auf der Rhede vor der Stadt Singapur geworfen, deren Lage in einem Halbmond entlang des Strandes nur jene lange Reihe von Lichtern bezeichnete.

Wir waren am 1sten September schon früh munter an Bord und standen auf dem Verdeck, um den Anbruch des Tages zu erwarten. Es war Neugierde, endlich selbst einmal die berühmte Stadt zu sehen, die sich seit 1819 in so kurzer Zeit zum Hauptstapelplatz des Handels zwischen Britisch Indien und China erhoben hatte, welche uns so frühzeitig weckte.

Es dauerte nicht lange, – die Schöpfung von Sir St. Raffles lag vor uns in Nord-West, und die aufgehende Sonne warf ihre ersten Strahlen auf das zierlich-schöne Bild der Stadt, die, in ihrer ganzen halbmondförmigen Ausdehnung nach uns ihre Front zukehrte. Wir sahen fast lauter zweistöckige Häuser, von denen einige weiß, andere gelblich angestrichen waren; – hübsche Wohngebäude mit Balconen oder Estraden, die auf Säulen ruhn, – kleine zierliche Paläste, – zwei Kirchen mit kleinen Thürmchen, – Packhäuser mit Bogengängen dichtgedrängt, – reihten sich an einander und bildeten eine lang hingedehnte Gruppe, die sich unmittelbar auf dem halbmondförmigen Strande zu erheben schien. Dazwischen blickte einiges, doch sparsames Grün von Frucht- und Zierbäumen hervor und sanft gerundete Hügel erhoben sich im Hintergrunde, von denen viele ebenfalls mit Gebäuden bedeckt waren; dazu gehört namentlich der nächste gerundete Hügel nord-westwärts hinter der Stadt, die er beherrscht, – Government-hill genannt, weil er die Wohnung des Gouverneurs mit dem Telegraphen trägt.

Von den schattig-kühlen Fruchtbäumen java'scher Dörfer und den Tausenden von Kokospalmen, deren Wipfel dort aus den Gewölben der Laubbäume hervorragt, war Nichts zu sehen, die Pflanzennatur in und um Singapur war kahler, baumleerer; aber eben darum hatte der Ort ein viel mehr städtisches, europäisches Ansehen, als das fast überall in Fruchtbaumwaldungen versteckte Batavia.

Bald kamen eine Menge Kähne (tambangan's) zu uns herangerudert und umschwärmten unser Schiff mit wiederholten, laut ausgeschrienen Anerbietungen, um die Passagiere und unsere Bagage an's Land zu bringen. Einige wurden von Malaien gerudert, andere, die kein Steuer hatten, von Chinesen und in diesen saß jederzeit nur ein Ruderer, – die mehrsten aber wurden von Kalinganesen und Bengalesen regiert und diese waren es auch, die es an Zudringlichkeit allen Andern zuvorthaten. – Sie kamen an Bord, warfen, ohne viel zu fragen, Stücke Bagage, deren sie habhaft werden konnten, in ihre Böte und waren dann, wenn sie glaubten, den Passagier in ihrer Gewalt zu haben, unverschämt genug, einen Dollar (spanische Matte) für die kurze Überfahrt zu fordern, die nur einige Minuten dauert und nicht mehr als einen halben, höchstens einen Gulden kostet.

An's Land gestiegen und auf der schmalen, etwa 10 Fuß über dem Meere liegenden Küstenfläche angekommen, befindet man sich unmittelbar gegenüber dem «London Hôtel,» das aus zwei hübschen Gebäuden nebeneinander (zu zwei Vertiefungen) besteht und etwa 2–300 Fuß von der Küste entfernt liegt. – Da hier fast alle Reisende, die mit Landmailschiffen ankommen, einzukehren pflegen, so ist es besonders während der Zeit, zu welcher diese Schiffe auf der Rhede liegen, als auch in der Zwischenzeit der Ankunft zweier einander ablösender, correspondirender Schiffe, von Passagieren überfüllt. (Diese Bemerkung gilt auch von allen andern Hotels zwischen hier und Alexandrien.) Das Logis, worin begriffen ist ein Zimmer mit einem guten Bett und sehr schlechter Bedienung, Kost an table d'hôte, nämlich Frühstück um 9, Tiffet um 12, Diner um 4½ Uhr, – kostete hier täglich 3 Dollar.

Ich blieb acht Tage (vom 1sten bis mit 8ten September) zu Singapur, nämlich in Erwartung des Dampfschiffes, das die Reise von China über Singapur bis Ceylon zu vollbringen bestimmt war. Es war der Landmail Steamer Braganza und wurde täglich erwartet. – Den 5ten kam ein Dampfschiff der Landmail von Ceylon an und brachte auch die für Niederländisch Indien bestimmten, etwa in ein Dutzend Kisten gepackten Zeitungen und Briefe mit. Nachdem diese vom Etna in Empfang genommen waren, fuhr dieser den 7ten Sept. des Morgens früh wieder ab, um nach Batavia zurückzukehren und ich sagte den Offizieren (den Herren de Jong und de Graaf) für die freundliche Bewirthung an Bord, ein dankbares Lebewohl. – Erst den 8ten Sept. Vormittags kam die Braganza von Kanton an.

Wenn man als Fremder durch die Straßen von Singapur wandelt, so ist man verwundert, fast keine andern Farben zu erblicken, als das bleiche Gelb der Häuser (die zweistöckig und meistens eng an einander gebaut sind) und das Bolusroth der Straßen, deren Staub auch an den gelblichen Wänden der Gebäude sichtbar wird. Nur hier und da wird das Auge erquickt von dem Grün lebender Hecken von Schlingpflanzen, die oft bis zur zweiten Etage der Häuser hinanreichen. – Übrigens hat Alles ein mehr europäisches, städtisches Ansehen, als in den Küstenplätzen von Java.

Am rechten Ufer des schlammigen Flusses von Singapur (süd- und süd-westwärts von der übrigen Stadt) liegen außer den Packhäusern und den Bureaux der europäischen Kaufleute, hauptsächlich die eng aneinandergedrängten Wohnungen der Chinesen (chinesischer Kampong), die vielleicht den größten Theil der eigentlichen Stadt einnehmen, von denen aber viele ein sehr verfallenes Ansehn haben.

Eines Besuches werth sind außerdem: der prächtig verzierte chinesische Tempel, – der Tempel der Hindu's und der Government-hill, von dessen flachgerundetem Scheitel man eine belehrende und schöne Aussicht über Rhede und Stadt und über die angrenzenden Gegenden des Innern der Insel genießt. – Von den Ruinen auf der Nord-Westseite dieses Berges, die nach Crawfurd aus den Zeiten abstammen sollen, in welchen der König Sri Iskander Shah (in der ersten Hälfte des 13ten Jahrhunderts[6]) über Singapur regierte, sind wenig mehr als noch einige Terrassen und Sandsteinblöcke zu sehen, ohne Inschriften und ohne Sculptur.

So weit man vom Scheitel des Government-hill sehen kann, besteht das Innere der Insel aus bald mehr gerundeten, bald flacher ausgebreiteten 1½–3 Hundert Fuß hohen Hügeln, die sich einer an den andern reihen und dadurch ein wellenförmiges, labyrinthisch-unebenes Ganzes bilden, das einwärts, in größerer Entfernung von der Stadt auch waldiger wird, auf dessen näher gelegenen Anhöhen aber man noch eine Menge kleiner, oft zierlicher, europäischer Wohnungen, hier und da zerstreut, erblickt. Diese nähern Theile der Insel sind ziemlich kahl, weder mit Anpflanzungen, noch mit eigentlichen Wäldern bedeckt, sondern nur mit Graswuchs und vereinzeltem Gebüsch bekleidet. Wie bekannt, wird auf Singapur, so wie auf den benachbarten Inseln (Bintang, Rio u. a.) besonders der Gambir-strauch (Nauclea Gambir, Unkara der Malaier) cultivirt, wovon das mit dem Siri- (Betel-) Blatt gekaute, bittere Gummiharz Gambir kommt (in Europa mehr noch unter dem Namen Terra japonica, Catechu bekannt); aber auch von diesem Culturgewächs habe ich in der Nähe der Stadt nichts gesehen.

Die Wege in und in der Nähe der Stadt sind gut und bestehen aus klein geschlagenem, fein und festgestampftem Thoneisenstein, der bräunlich-roth und gepulvert fast roth aussieht; das allgemein gebräuchliche Transportmittel sind Palankin's, die auf vier Rädern ruhn, von einem Pferd gezogen werden und einen Dollar täglich kosten. Der stets bengalische Fuhrmann «Zeis» sitzt auf keinem Wolkenthrone, wie Zeus, nicht einmal auf einem Bocke (denn einen solchen hat das Fuhrwerk nicht) sondern läuft neben her und hört nicht, wenn ihm der eingeschlossene Reisende zuruft, still zu halten. – Er bringt seine Pflegebefohlenen daher, nolens volens, ohne Anhalten an die einmal angegebene letzte (endliche) Bestimmung der Fahrt. Diese ringsum geschlossenen, viereckigen Kasten stehn weit hinter den eleganten, mit ledernen Niederschlägen versehenen und von zwei Pferden gezogenen Miethwagen Batavia's zurück, in denen man schneller und bequemer reist.

Von öffentlichen Vergnügungs- und Versammlungsorten Singapur's weiß ich nichts zu sagen, ich glaube auch nicht, daß es deren giebt, oder man müßte die Spielhäuser der Chinesen dahin rechnen, – die Kegelbahn der deutschen Kaufleute (deren Zahl hier 13 beträgt) – und die Regimentsmusik der Sipoy's, die sich jeden Freitag, des Abends von 5½ bis 7½ Uhr, auf dem offenen Platze zwischen dem Strande und dem London Hôtel hören läßt. Da sowohl der erste als der letzte Tag meines Aufenthaltes auf Singapur ein Freitag war (der 1ste und 8te Sept.) so hatte ich zweimal Gelegenheit diese Musik zu hören. – Die Sipoy's mit ihren schwarzbraunen Gesichtern, ihrer weißen Kleidung und rothen Kragen kommen um die bestimmte Zeit, schaaren sich im Kreis und spielen von einem deutschen Kapellmeister in Civilkleidung dirigirt, meistens alte beliebte Stücke, Märsche, Symphonien, die sie gut ausführen, wenigstens ungleich besser, als die Chöre java'scher Musikanten, denen man hier und da auf Java das Spielen europäischer Instrumente gelehrt hat.

Dieses ist auf Singapur der Ort und die Zeit, wo die gebildete (schöne und nichtschöne) Welt zusammenkommt, – zu Fuß, zu Pferd oder in Palankin's, deren Pferd dann, so lange die Musik dauert, ausgespannt wird, – wo Kaufleute und Freunde einander treffen, wo Bekanntschaften mit Fremden angeknüpft und wo auch wohl noch zartere Rendez-vous gehalten werden. Wenn nach Untergang der Sonne die Dunkelheit zu sehr zugenommen hat (um die Noten sehn zu können) – dann wird bei Laternenlicht gespielt, und es ist ein eigenthümlich angenehmes Schauspiel zu sehen, wie in der erfrischenden Abendkühle, bei Sternenlicht oben, und Laternenschein unten, – Menschen der verschiedensten Art durch einander wimmeln, wie Privatpersonen, Beamte, Offiziere, elegante Damen, Kaufmänner und Seeleute in buntem Gewühl den engen Kreis der Musici umfluthen oder sich in Gruppen rund um den schönen Inhalt (in seidnen Gewändern) mancher Palankin's schaaren – und wie um diese europäische elegante Welt weiter außen noch Hunderte von Chinesen, Bengalesen, Arabern, Javanen und Malaien herumziehn, alle vergnügt und still genießend, – während die harmonischen Klänge der Musik im weiten Concertsaale verhallen, den keine andren Wände als Himmel und Meer verengen.

Den geologischen Bau der Insel habe ich nur in den Gegenden kennen gelernt, welche dem Strande am nächsten liegen und welche ich bis zu 5 engl. Meilen Abstand von der Küste nach West- und Nord-West durchkreuzt habe. In diesen flachhügligen Gegenden der Insel habe ich nur sedimentäre, unter verschiedenen Winkeln, oft steil, einfallende Schichten gefunden, nämlich von Mergeln, von Thon, von Sandsteinen und auch von gröbern Conglomeraten. Vorherrschend ist hier ein fester, meistens feiner, quarziger, weißer, zuweilen auch rother, nämlich durch Eisenoxyd gefärbter und verkitteter Sandstein, aus dem auch hauptsächlich der Government-hill hinter der Stadt besteht. Zwischen solchen Schichten kommen häufig sehr mächtige Lagen von Thoneisenstein vor, der unter andern auf der Nordseite des genannten Berges in Tagebau gebrochen und in Stückchen zerschlagen zur Belegung und Ausbesserung der Wege benutzt wird. Nachdem er auf diesen Wegen allmählig fein gestampft und gefahren ist, wird er zu einer ziemlich festen, harten Masse. – Der Boden in der kleinen Bucht, die sich südwärts vom genannten Berge in's Land hineinzieht, und die zwischen sumpfigen Ufern der Fluß durchströmt, ist Alluvialgrund. – Nach Colebrooke sollen diese Schichten einer Secundärformation angehören. Er theilt keine Versteinerungen daraus mit. Ich habe zwar auch keine darin finden können, da aber die sedimentären Bildungen, die ich auf Sumatra (in den Batta-Landen, also ziemlich in derselben Breite mit Singapur) kenne, eben so wie die kohlenhaltenden auf Borneo tertiäre sind und da die große neptunische Formation auf Java, aus der ich viele Hunderte versteinerte Conchylien und andere Thiere gesammelt habe,[7] ebenfalls eine tertiäre ist, so habe ich Ursache zu vermuthen, daß auch die Gesteinschichten von Singapur und dessen nachbarlichen Inseln keinem ältern, als dem Tertiärgebirge angehören, zumal da sie in petrographischer Hinsicht der java'schen Formation in manchen Gegenden vollkommen gleichen. – Es scheint, daß ältere als tertiäre Gebirgsformationen erst weiter in Norden (in der malaischen Halbinsel und in Britisch Indien) vorkommen, wo auch größere Massen von Granit- und Syenitgebirgen auftreten, welche auf Java nur in vereinzelten und sehr beschränkten Punkten (der obersten Spitze von Gängen) bis zur jetzigen Oberfläche des Landes gelangt sind.

Wer etwas mehr über Singapur zu wissen wünscht, der lese außer vielen Aufsätzen verschiedener Art im Singapore Chronicle und der Hist. of the Indian Archip. von J. Crawfurd, dessen Descr. and History of Singapore, in seinem Journal of an Embassy to the Courts of Siam and Cochinchina, 1828, Ch. XIV, p. 529 etc. –, dann (über die Naturbeschaffenheit überhaupt) G. Finlayson, Journal of the Mission to Siam and Hué, London 1826, 8, p. 78 etc. –, und (über die geologische Beschaffenheit in's Besondre) H. T. Colebrooke, Notice respecting the Rocks of the Island of Penang and Singapore, in den Transact. of the Geol. Soc. Sec. Ser. 1822, 4. vol. I, p. 165 etc. – Auch kommen in den Transact. of the Royal Asiatic Society, z. B. im Anhang zu vol. I, Nachrichten über das Klima vor. – Ferner Newbold, Political and statistical account of the British settlements in the straits of Malacca 1839. – Nach dem Singapore Chronicle betrug die Population in 1841: 35,400 Seelen, wovon die Hälfte Chinesen waren.

Nachdem ich meine Bagage schon am Morgen früh auf die Braganza befördert hatte, begab ich mich am 9ten Sept. um die Mittagsstunde selbst an Bord dieses Dampfers und verließ Singapur mit der Überzeugung, daß es sowohl in Schönheit der Natur, als in Größe und Pracht der Menschenwerke eben so weit hinter Batavia zurücksteht, als es von letztgenannter Stadt an Regsamkeit menschlichen Verkehrs und Treibens übertroffen wird. Nur die häufige Ankunft von Dampfschiffen, seitdem die Landpost besteht und die Druckpresse mögen hiervon eine Ausnahme machen. Doch war der Eindruck, den das freundliche Städtchen in mir hinterließ, ein recht angenehmer, – auch hatte ich von verschiedenen Kaufleuten, besonders von Herrn Rautenberg daselbst, eine sehr hülfreiche, gefällige Behandlung genossen und es war mit einem Gefühle aufrichtiger Erkenntlichkeit, als ich meinen neuen Freunden Lebewohl! sagte.

An Bord des Schiffes bekümmerte sich um mich eben so wenig Jemand, als dies in der Stadt Singapur oder im Hotel bei meiner Ankunft daselbst der Fall gewesen war, – keinem Menschen fiel es ein, nach meinem Paß oder nach meinem Namen zu fragen, – diese Waare galt hier nicht, – ein Jeder war scheinbar vollkommen frei; – die Matrosen packten meine Kisten auf, ohne erst zu fragen: von wem – von wo – oder wohin? – sie warfen dieselben ohne Weiteres in den Schiffsraum und erst als das Schiff schon in Bewegung und auf der Abreise begriffen war, wurden den Passagieren ihre Hütten (Cabin's[8]) angewiesen und ihnen die Quittungen für die zu Singapur (im Landmail-office) bezahlten Passagegelder abgefordert. Also – Geld allein war hier ein gültiger Paß. – Ein andres Dampfschiff, dessen Verdeck vollgepfropft von Menschen war, kam eben an, fast in demselben Augenblicke, als wir die Rhede (es war um 2¼ Uhr) verließen. Die Kühle der See und der Luftzug, dem wir durch das schnelle Dahingleiten unseres Kieles durch die Wogen bloßgestellt waren, that uns wohl, denn die Sonne brannte warm und es war heiteres Wetter, eben solches, als an allen vorigen Tagen meines Aufenthaltes zu Singapur geherrscht hatte. Nur den 6ten Sept. von 4 Uhr des Morgens an hatte ein stürmischer West-Süd-Westwind geweht, welcher Regengestöber vor sich hertrieb, sich aber schon um die Mittagsstunde wieder legte.

Ich warf noch einen letzten Blick auf die freundliche Stadt, die perspectivisch kleiner wurde, – ich dachte an die Veränderungen in der Schifffahrt seit der Zeit, als im Jahre 1160 unter Turi Buwana die Insel Singapur zuerst bevölkert wurde, und – ließ mich dahin führen durch den, nur von unsern Schiffsrädern bewegten Spiegel der See, dessen weite Flächen mit ihren Inseln für mich (und vielleicht auch noch für Andre) eine terra incognita waren.

Einschaltung.

Ehe ich weiter erzähle, will ich hier eine Übersicht der Passagekosten für die Reise mit der englischen Landmail in 1848 folgen lassen, die vielleicht manchem Leser erwünscht ist. – Von Batavia bis Singapur kann man nur gelegentlich mit einem Segelschiff gelangen oder durch Begünstigung des Kommandanten der Indischen Seemacht mit einem Kriegsdampfer der Kolonialen (Nêêrlandsch-Indischen) Marine, der zwischen dem 26sten und 28sten eines jeden Monats zur Überbringung und Abholung der Packete für die Landmail die Reise nach Singapur und zurück macht. Natürlich wird auf Kriegsschiffen keine Passage bezahlt. Auch kann man nur durch Begünstigung der Offiziere Platz nehmen an deren Tafel, wofür der Begünstigte 5 Fl. per Tag in die Menagekasse einzahlt. Die Reise nach Singapur dauert gewöhnlich 4 Tage.

Wenn man von Singapur direkt nach England (Southampton) Passage nimmt, so werden 71 Pfund, nämlich die Hälfte der ganzen Fracht vorausbezahlt. Will man sich nicht bis England verbinden, so ist der Frachtpreis höher und kann nur bis Suez und von dort wieder bis Alexandrien bezahlt werden. – Nach dem Tarif sind 300 Pf. Bagage frei, von welcher kein Stück schwerer als 80 Pf. sein darf, jede 100 Pf. mehr sollen mit 3 Pf. St. bezahlt werden; ich habe jedoch nicht gesehen, daß Kisten der Passagiere jemals gewogen wurden und ich hatte mehr als 500 Pf. bei mir, ohne daß sich Jemand darum bekümmerte.

Was das coursive Geld betrifft, so waren damals auf Batavia silberne Gulden nicht zu bekommen und die Recepisse waren außerhalb Java nicht gewillt. Guineen (Sovereing's) waren auch nicht oder nur sehr wenige zu haben. Deßhalb hatte ich zu Batavia Willem's d'or eingekauft, das Stück für 12½ Gulden Recepis und Dukaten, das Stück für 7 Guld. Recepis. – Dieses holländische Goldgeld (sonst auf der ganzen Reise für den vollen europäischen Werth beliebt,) wurde aber am Landmail-office zu Singapur nicht angenommen und mußte bei Chinesen umgewechselt werden, der Dukaten für 2,25 und der Willem's d'or für 3,80 Dollar.

 

Reise.
(Unter Passage wird auch jederzeit die Beköstigung mit verstanden, sowohl an Bord der Seeschiffe als durch die Wüste und an Bord der Flußdampfschiffe auf dem Nil.)
Passagekosten
für Passagiere erster Klasse.
Pound Sterling. Dollars. In holl. silb. Fl. nach europ. Cours
Von Singapur bis England (Southampton) die Reise durch Egypten mitgerechnet 142 681,60 1704
Von Singapur bis Suez 105
en 8 Sh.
506,00 1260
Von Suez bis Alexandrien. (Man kann nach Belieben in Cairo bleiben und die Ankunft einer folgenden oder nachfolgenden Mail abwarten; das bezahlte Passagebillet bis Alexandrien bleibt so lange gültig.) 12 57,60 144
Von Alexandrien bis Triest (wo 1848 keine Quarantaine gehalten wurde. Mit österreich. Lloyd'sdampfern) 18 86,40 216
Von Alexandrien bis Marseille (wo zehn Tage Quarantaine gehalten wurde) 580 Francs 23
en 4 Sh.
111,00 249
Von Alexandrien bis Southampton,(wo keine Quarant. gehalten wurde) 40 192,00 480
Also von Singapur bis Triest     1620

 

Was den Aufenthalt in den Zwischenstationen betrifft, so bezahlt man in den ersten Hotels für Logis und Kost per Tag zu