1. These three lines, which are a sort of motto, precede a picture representing a rich man seated at a table which is loaded with money and plate. Two poor travelers approach and look covetously upon the wealth. All three men wear the fool’s cap.

2. The picture shows a fool stirring porridge and looking into a mirror.

3. A note by Simrock states that upon the old bridge at Heidelberg was formerly to be seen an emblematic ape, with the verses:

Was hast du mich hier anzugaffen?

Sahst du noch nie den alten Affen?

Zu Heidelberg sieh hin und her;

Du findest meinesgleichen mehr.

XXXVIII. FOLK-SONGS OF THE FIFTEENTH CENTURY

A large number of folk-songs originated in the 15th and still more in the 16th century. From the nature of the type they can seldom be exactly dated unless they relate to a known historical occurrence. The following selections are taken from Erk and Böhme’s admirable Deutscher Liederhort, 3 volumes quarto, Leipzig, 1893-4. As any translation into smooth modern verse would destroy a part of the characteristic flavor of the songs, they are printed as in Erk and Böhme, but with occasional modernizations of spelling and grammar.

In this chapter, textual notes are shown alongside the poems, as in Part II.

1
Reigen um das erste Veilchen.1

1. A song for the ring-dance about the earliest spring violet; Erk and Böhme, II, 713.

Der Maie, der Maie

Bringt uns der Blümlein viel;

Ich trag’ ein frei’s Gemüte,

Gott weiss wohl, wem ich’s will.

Ich will’s ei’m freien Gesellen,

Derselb’ der wirbt um mich,

Er trägt ein seiden Hemd an,

2. M.H.G. brîsen, equivalent to modern schnüren.

Darein so preist2 er sich.

Er meint, es säng’ ein’ Nachtigall,

Da war’s ein’ Jungfrau fein:

Und kann er mein nicht werden,

Trauret das Herze sein.

2
Burschenleben.3

3. An old student song, found in a manuscript of the year 1454; Erk and Böhme, III, 484.

Ich weiss ein frisch Geschlechte,

Das sind die Burschenknechte,

Ihr Orden steht also:

Sie leben ohne Sorgen

5

Den Abend und den Morgen,

Sie sind gar stätiglich froh.

Du freies Burschenleben!

4. The holy Grail as symbol of something very precious.

Ich lob’ dich für den Gral;4

Gott hat dir Macht gegeben

10

Trauren zu widerstreben,

Frisch wesen überall.

Sie können auch nit hauen

Des Morgens in dem Taue

Die schönen Wiesen breit;

5. In the sense of modern aber.

15

Sonder5 die schönen Frauen

Die können sie wohl schauen

Die Nacht bis an den Tag.

Das macht ihr frei’s Gemüte

Der schönen Frauen klar;

20

Gott selber sie behüte

Durch seine milde Güte,

Die minnigliche Schar!

Wie selten sie auch messen

6. For Korn, i.e. ‘grain.’

7. The miller’s ‘toll’ (part of the grist taken in payment for grinding).

8. Gerwel reiden, ‘turn the hand-mill.’

9. Ohne Dank, ‘reluctantly.’

Das Koren,6 das sie essen,

25

Und was der Metzen7 gilt!

Die Bauern müssen schneiden

Und dazu Gerwel reiden8

Viel gar ohn’ ihren Dank.9

Du feines Burschenleben!

30

Ich lob’ dich für den Gral;

Gott hat dir Macht gegeben

Trauren zu widerstreben,

Frisch wesen überall.

3
Mädchenkunde eines fahrenden Sängers.10

10. An elderly minstrel joins in the dance and sings the praise of girls that he has seen in different German lands; Erk and Böhme, II, 712.

11. Des besten . . . kann, equivalent to so gut ich kann.

12. ‘To sing,’ or perhaps ‘singing.’

13. Habe.

Ich spring’ an diesem Ringe

Des besten, so ich’s kann,11

Von hübschen Fräulein singen,12

Als ich’s gelernet han.13

5

Ich ritt durch fremde Lande,

Da sah ich mancherhande,

Da ich die Fräulein fand.

Die Fräuelein von Franken

Die seh’ ich allzeit gern;

10

Nach ihn’ stehn mein’ Gedanken,

Sie geben süssen Kern.

Sie sind die feinsten Dirnen,

Wollt’ Gott, ich sollt’ ihn’ zwirnen,

14. Lernen.

Spinnen wollt’ ich lern.14

15. Über die Lehre, ‘surpassing their instruction,’ ‘outdoing their teachers.’

16. Nit geringe, ‘smart.’

15

Die Fräuelein von Schwaben

Die haben golden Haar,

Sie dürfen’s frischlich wagen,

Sie spinnen über Lahr;15

Wer ihn’ den Flachs will schwingen,

20

Der muss sein nit geringe,16

Das sag’ ich euch fürwahr.

Die Fräuelein vom Rheine

17. Sehr.

Die lob’ ich oft und dick:17

Sie sind hübsch und feine

25

Und geben freundlich Blick.

Sie können Seide spinnen,

Die neuen Liedlein singen,

Sie sind der Lieb’ ein Strick.

Die Fräuelein von Sachsen

30

Die haben Scheuern weit;

18. Equivalent to klopft, ‘beats.’

19. Liegt.

Darin da posst18 man Flachse,

Der in der Scheuern leit.19

Wer ihn’ den Flachs will possen,

Muss haben ein’ Flegel grosse,

35

Dreschend zu aller Zeit.

Die Fräuelein von Baiern

Die können kochen wohl,

Mit Käsen und mit Eiern

Ihr’ Küchen die sind voll.

40

Sie haben schöne Pfannen

Weiter denn die Wannen,

Heisser denn ein’ Kohl’.

20. ‘Court.’

21. ‘Soon.’

22. Es wird . . . Tag, equivalent to Tag reiht sich an Tag. The sense is: The time comes fast when one must turn from girls to wine, as I am even now doing.

Den Fräuelein soll man hofieren20

Allzeit und weil man mag,

45

Die Zeit die kommet schiere,21

Es wird sich alle Tag’;22

Nun bin ich worden alte,

Zum Wein muss ich mich halten

Alldieweil ich mag.

4
Anweisung zum Raubritterberuf.23

23. A robber knight greets the spring-time as good for his business, and expresses his lordly contempt of the peasantry; Erk and Böhme, II, 23.

Der Wald hat sich belaubet,

Des freuet sich mein Mut.

Nun hüt’ sich mancher Bauer,

24. ‘Secure.’

Der wähnt, er sei behut!24

5

Das schafft des argen Winters Zorn,

Der hat mich beraubet,

Das klag’ ich heut und morn.

Willst du dich ernähren,

Du junger Edelmann,

10

Folg’ du meiner Lehre,

25. Bann here means the robber’s lurking-place.

Sitz’ auf und trab’ zum Bann!25

Halt’ dich zu dem grünen Wald,

Wenn der Bauer ins Holz fährt,

So renn’ ihn frischlich an!

15

Erwisch’ ihn bei dem Kragen,

Erfreu’ das Herze dein,

Nimm ihm, was er habe,

Spann’ aus die Pferdlein sein!

Sei frisch und dazu unverzagt,

26. Keinen mehr.

27. So russ . . . ab, ‘cut his throat.’

20

Wann er nummen26 Pfennig hat,

So russ ihm d’ Gurgel ab.27

Heb’ dich bald von dannen,

Bewahr’ dein’ Leib, dein Gut!

28. Schanden.

Dass du nit werdest zu Schannen,28

25

Halt’ dich in stäter Hut!

Der Bauern Hass ist also gross;

Wenn der Bauer zum Tanze geht,

So dünkt er sich Fürstengenoss.

29. ‘Wench.’

Er nimmt die Metze29 bei der Hand,

30

Die gibt ihm einen Kranz;

Er ist der Metze eben

30. ‘Pig’s tail,’ figuratively for ‘dirty clown.’

31. ‘Agreeable.’

32. Conz, or Kunz, contemptuously for a country lubber.

Derselbe Ferkelschwanz.30

Die Tölpel trippeln hinten nach,

Das ist der Metze eben31

35

Und dem Conzen32 auch.

Ich weiss ein’ reichen Bauern,

Auf den hab’ ich’s gericht’;

Ich will ein’ Weile lauern,

33. Geschicht, for geschieht. The sense is: I’ll lurk for him and see what comes of it.

Wie mir darum geschicht.33

40

Er hilft mir wohl aus aller Not,

Gott grüss’ dich, schönes Jungfräulein,

Gott grüss dich, Mündlein rot!

5
Ritter und Schildknecht.34

34. Erk and Böhme, I, 374. Imagine the story thus: A faithless wife instigates her husband’s squire to kill him. When the murder is reported to her she is at first pleased, then touched with remorse. She rides forth to find the body of her husband, and the lilies—symbols of purity—bow in shame as she passes. At sight of her dead husband’s face, she resolves to enter a convent.

Es ritt ein Herr und auch sein Knecht

Wohl über eine Heide, die war schlecht, ja schlecht,

Und alles, was sie red’ten da,

War alles von einer wunderschönen Frauen,

5

Ja Frauen.

“Ach, Schildknecht, lieber Schildknecht mein,

Was redest du von meiner Frauen, ja Frauen?

Und fürchtest nicht mein’ braunen Schild,

Zu Stücken will ich dich hauen,

10

Vor meinen Augen!”

35. Wenig.

36. Fräulein here in the sense of ‘young wife’; um des Fräuleins Güte, ‘to gain the young wife’s favor.’

“Euern braunen Schild, den fürcht’ ich klein,35

Der lieb’ Gott wird Euch wohl behüten, behüten.”

Da schlug der Knecht sein’ Herrn zu Tod,

Das geschah um des Fräuleins36 Güte,

15

Ja Güte.

“Nun will ich heimgehn landwärts ein,

Zu einer wunderschönen Frauen, ja Frauen.”

“Ach Fräulein, gebt mir’s Botenbrot,

37. Und der is pleonastic.

Eu’r edler Herr und der37 ist tot,

20

So fern auf breiter Heide,

Ja Heide.”

“Und ist mein edler Herre tot,

Darum will ich nicht weinen, ja weinen;

Der schönste Buhle, den ich hab’,

25

Der sitzt bei mir daheime,

Mutteralleine.

Nun sattle mir mein graues Ross!

Ich will von hinnen reiten, ja reiten.”

Und da sie auf die Heide kam,

38. Täten sich neigen, ‘did bow’; täten being indicative.

30

Die Lilien täten sich neigen,38

Auf breiter Heide.

Auf band sie ihm sein’ blanken Helm

Und sah ihm unter die Augen, ja Augen;

“Nun muss es Christ geklaget sein,

35

Wie bist du so zerhauen

Unter dein’ Augen.

39. Lan, for lassen.

40. Durch meinen Willen, ‘for my sake.’

41. Addressed to the husband; he is not to accuse her before God.

Nun will ich in ein Kloster ziehn,

Will den lieben Gott bitten, ja bitten,

Dass er dich ins Himmelreich woll’ lan,39

40

Das gescheh’ durch meinen Willen!40

Schweig stille!”41

6
Tannhäuser.42

42. Erk and Böhme, I, 40. The Venus of the folk-song represents the German Frau Holde, a love-goddess who holds her court in a mountain and infatuates men to the peril of their souls. Just how and when the saga attached itself to the historical minnesinger Tannhäuser is not known. Urban IV, referred to in the last stanza, was pope from 1261 to 1265.

Nun will ich aber heben an

Von dem Tannhäuser singen,

Und was er Wunders hat getan

Mit Venus, der edlen Minne.

5

Tannhäuser war ein Ritter gut,

Wann er wollt’ Wunder schauen,

Er wollt’ in Frau Venus Berg,

Zu andern schönen Frauen.

“Herr Tannhäuser, Ihr seid mir lieb,

10

Daran sollt Ihr gedenken!

Ihr habt mir einen Eid geschworn,

Ihr wollt von mir nit wenken.”

43. A form of the old negative particle; en nit = nicht.

44. Jemands . . . Ihr, ‘any one but you.’

“Frau Venus, das en43 hab ich nit,

Ich will das widersprechen;

15

Und red’t das jemands mehr denn Ihr,44

Gott helf’ mir’s an ihm rächen!”

45. Bleiben.

“Herr Tannhäuser, wie red’t Ihr nun?

Ihr sollt bei mir beleiben;45

Ich will Euch mein’ Gespielin geben

20

Zu einem stäten Weibe.”

“Und nähm’ ich nun ein ander Weib,

Ich hab’ in meinem Sinne:

So müsst’ ich in der Hölle Glut

Auch ewiglich verbrinnen.”

25

“Ihr sagt mir viel von der Hölle Glut,

Habt es doch nie empfunden;

Gedenkt an meinen roten Mund,

Der lacht zu allen Stunden.”

“Was hilft mich Euer roter Mund?

46. Equivalent to gleichgültig.

30

Er ist mir gar unmäre;46

Nun gebt mir Urlaub, Fräulein zart,

Durch aller Frauen Ehre!”

“Herr Tannhäuser, wollt Ihr Urlaub han,

Ich will Euch keinen geben;

35

Nun bleibt hie, edler Tannhäuser,

Und fristet Euer Leben.”

“Mein Leben das ist worden krank,

Ich mag nit länger bleiben;

Nun gebt mir Urlaub, Fräulein zart,

40

Von Eurem stolzen Leibe!”

“Herr Tannhäuser, nit reden also,

Ihr tut Euch nit wohl besinnen;

So gehn wir in ein Kämmerlein

Und spielen der edlen Minne.”

45

“Eu’r Minne ist mir worden leid,

Ich hab’ in meinem Sinne:

Frau Venus, edle Fraue zart,

Ihr seid ein’ Teufelinne.”

“Herr Tannhäuser, was red’t Ihr nun,

50

Und dass Ihr mich tut schelten?

Nun, sollt Ihr länger hierinnen sein,

Ihr müsst’ es sehr entgelten.”

“Frau Venus, das en will ich nit,

Ich mag nit länger bleiben.

55

Maria Mutter, reine Maid,

Nun hilf mir von dem Weibe!”

“Herr Tannhäuser, Ihr sollt Urlaub han,

Mein Lob das sollt Ihr preisen,

Wo Ihr in dem Land umfahrt;

47. The legendary old man, faithful Eckart, who warns of danger and rebukes sinners.

60

Nehmt Urlaub von dem Greisen!”47

Da schied er wieder aus dem Berg,

In Jammer und in Reuen:

“Ich will gen Rom wohl in die Stadt

Auf eines Papstes Treuen.

65

Nun fahr’ ich fröhlich auf die Bahn,

Gott müss’ sein immer walten!

Zu einem Papst, der heisst Urban,

Ob er mich möcht’ behalten.”

“Ach Papste, lieber Herre mein,

70

Ich klag’ Euch hie mein’ Sünde,

Die ich mein’ Tag’ begangen hab’,

Als ich Euch’s will verkünden.

Ich bin gewesen auch ein Jahr

Bei Venus, einer Frauen.

75

So wollt’ ich Buss’ und Beicht’ empfahn,

Ob ich möcht’ Gott anschauen.”

Der Papst hat ein Stäblein in seiner Hand,

Das war sich also dürre:

“Als wenig das Stäblein grünen mag,

80

Kommst du zu Gottes Hulde!”

“Und sollt’ ich leben nur ein Jahr,

Ein Jahr auf dieser Erden,

So wollt’ ich Beicht’ und Buss’ empfahn

Und Gottes Trost erwerben.”

85

Da zog er wied’rum aus der Stadt

In Jammer und in Leiden:

“Maria Mutter, reine Magd,

Muss ich mich von dir scheiden!”

Er zog nun wied’rum in den Berg

90

Und ewiglich ohn’ Ende:

“Ich will zu meiner Frauen zart,

Wo mich Gott will hin senden.”

“Seid gottwillkommen, Tannhäuser!

48. For entbehrt.

Ich hab’ Eu’r lang entboren;48

95

Seid gottwillkommen, mein lieber Herr,

Zu einem Buhlen auserkoren.”

Das währet an den dritten Tag,

Der Stab hub an zu grünen.

Der Papst schickt’ aus in alle Land:

100

Wo der Tannhäuser wär’ hinkommen?

Da war er wieder in den Berg

Und hatt’ sein Lieb erkoren;

Des muss der vierte Papst Urban

Auf ewig sein verloren!

XXXIX. LATE MEDIEVAL RELIGIOUS PROSE

Prior to Luther the most noteworthy prose is found in the sermons of Berthold von Regensburg, the great 13th century preacher, and in the somewhat later writings, largely sermons, of the mystics Eckhart, Seuse, Tauler and Meerschwein. Their interest is rather more religious than literary. The earliest example of imaginative prose is the so-called Farmer of Bohemia, written in 1399, in which a bereaved husband discourses of his lost wife with Death. The 15th century shows a considerable body of prose literature in the form of sermons, chronicles, translations, paraphrases, but nothing of great artistic distinction.

1
From a Sermon of Berthold von Regensburg ‘On the Angels.’1

Wir begehen heute das Fest der grossen Fürsten, der heiligen Engel, die der ganzen Welt ein überaus grosses Wunder sind, und an denen der allmächtige Gott viele Wunder und grosse Wunder geschaffen hat. Und wollte ein Mensch nicht aus anderm Grunde in den Himmel kommen, so könnte er doch gerne darum in den Himmel kommen, nur damit er sähe, was für Wunder und Wunder da sind. Und des Wunders kann niemand zu Ende kommen, das Gott in den heiligen Engeln an den Tag gelegt hat. Und sie sind unseres Herrn Boten, denn Engel heisst auf Griechisch ein Bote. Unser Herr hatte grosse Freude, da er ohne Anfang war, wie er auch auf immer ohne Ende ist. Ich rede von der Gottheit, von der Krone; ehe er etwas erschuf, wie wir jetzt sind, da hatte er gar grosse Freude in sich selbst und mit sich selbst. Da gedachte er zu machen, er wollte zwei Kreaturen machen, zweierlei Kreaturen, damit diese seiner Freude teilhaftig würden, er selbst aber darum nicht weniger Freude hätte. Und wie grosse Freude er auch ihnen gab, hatte er doch selbst darum nicht mindre Freude, recht wie der Sonnenschein. Wie viel die Sonne uns auch alle Tage ihres Lichtes gibt, hat sie selbst um nichts weniger. Und also machte Gott zwei Kreaturen: das waren der Mensch und der Engel. Da machte Gott ein Ding,2 und das war das allerbeste Ding unter allen Dingen, die Gott je gemacht hat. Und nie machte er ein Ding so gut unter allen Dingen, die Gott gemacht hat, [wie dieses, das er machte,] damit Mensch und Engel seiner Freude teilhaftig würden, da es so nütze und so gut war. Und also machte es Gott, dass Menschen und Engel davon immermehr Freude haben sollten. Und wie ausserordentlich nütze das Ding auch war, und wie viel Ehre und Seligkeit auch daran liegt, so waren doch etliche Engel im Himmel, die das Ding nicht behalten wollten, und diese wurden verstossen aus den ewigen Freuden und wurden in die ewige Marter geworfen. Und alle, die das Ding behielten, die blieben bei dem allmächtigen Gott in den ewigen Freuden, weil sie das Ding behielten, das so gut ist, unter allen Dingen das beste . . . .

Und also begeht man heute das Fest der Engel, die bei Gott blieben und aushielten, dass sie nicht fielen. Und also begeht man heute das Fest Sankt Michaels und der heiligen Engel. Und dass man das Fest der heiligen Engel nicht oft im Jahre begeht, daran tat unser Herr gar weislich und wohl; wie billig es auch wäre, dass man ihr Fest dreimal im Jahre beginge, so tat unser Herr gar weislich und wohl daran, und es ist besser, dass man es nicht oft begeht. Warum? Seht, aus diesem Grunde. Wenn man ihr Fest mit Singen und Lesen beginge, müsste man auch von ihnen predigen. Und wenn wir also oft von den Engeln predigen müssten, so käme vielleicht ein Frevler und würde vielleicht so frevelhaft sein, dass er von den heiligen Engeln Ketzerei predigen könnte. Denn unser Herr hat so viel Wunders an den Engeln gemacht, dass wir es nicht alles sicherlich wissen. Er hat etliche Wunder an den Engeln gemacht, wovon wir nicht genau wissen sondern nur vermuten. Und wer ein Ding vermutet, der weiss es nicht sicherlich. So hat auch unser Herr manches Ding an ihnen gemacht, das wir wohl wissen. Wer daher die Dinge predigen wollte, die wir vermuten, der könnte vielleicht Ketzerei predigen. Also soll niemand etwas predigen als das, was man sicherlich weiss.

2
From Eckhart’s tractate ‘On the Nature and Dignity of the Soul.’3

Die Seele hat zwei Füsse, das Verständnis und die Minne; und je mehr sie versteht, desto mehr minnet sie. Und wer kann sie fällen, da der sie erhält, der alle Kreaturen erhält? Denn die Gnade reizet die Begierde und ziehet die Seele aus sich selber heraus, so dass sie mit der Gnade und in der Gnade in Gnade kommt, und über die Gnade in Gott, ihren ersten Ursprung kommt, wo es ihr wohler als je wird in wonnesamer Einigung. Denn da verstummen alle Sinne, und der Seele Wille und der Wille Gottes fliessen ineinander, so dass die zwei Willen sich minnesam umfangen in rechter Einigung. Und da kann die Seele weder mehr noch minder denn göttliche Werke hervorbringen, und zwar deshalb, weil an ihr nichts mehr als Gott lebet. Darum spricht die Seele in dem Buch der Minne: Ich habe den Kreis der Welt umlaufen und konnte nicht zu dessen Ende kommen; deshalb habe ich mich in den einzigen Punkt meines einzigen Gottes versenkt, weil er mich verwundet hat mit seinem Anblicke. Und wen dieser Anblick nicht verwundet hat, dessen Seele ist von der Minne Gottes nie verwundet worden. Darum sagt Sankt Bernhard: Welcher Geist den Anblick empfunden hat, der vermag ihn nicht zu beschreiben, und wer ihn nicht empfunden hat, der vermag nicht daran zu glauben. Denn da wird ein Pfeil ohne Zorn geschossen, und man empfindet es ohne Schmerzen; denn da wird der lautere und klare Brunnen der Arzenei der Gnade aufgetan, der die inneren Augen erleuchtet, so dass die Seele mit einem wonnesamen Anschauen den Wollust der göttlichen Heimsuchung empfindet, in dem man unerhörte Dinge geistlichen Gutes gewahrt, die nie gehört noch gepredigt wurden und in keinem Buche geschrieben stehen.

3
From Seuse (Suso): The Prelude to the Silent Mass.4

Er ward gefragt, was er damit meinte, als er Messe sang und vor der stillen Messe das Präludium anhub: Sursum corda. (Denn nach ihrer gewöhnlichen Bedeutung meinen die Worte auf Deutsch: Saust auf in die Höhe, alle Herzen, zu Gott!). Die Worte kamen recht begehrlich aus seinem Munde, so dass die Menschen, die sie hörten, auf einen sonderbaren Andacht haben daraus schliessen können. Auf diese Frage antwortete er mit einem minniglichen Seufzer und sprach also:

“Wenn ich diese lobreichen Worte sursum corda in der Messe sang, geschah es gewöhnlich, dass mein Herz und meine Seele zusammenflossen von göttlicher Qual und Begierde, die mein Herz sofort aus sich selbst entrückten; denn es erhoben sich gewöhnlich drei hochentzückende Vorstellungen, in denen ich zu Gott aufgeschwungen ward, und durch mich alle Kreaturen. Die erste einleuchtende Vorstellung war also: Mich selbst nach allem, was ich bin, nahm ich vor meine inneren Augen mit Leib und Seele und allen meinen Kräften und stellte um mich herum alle Kreaturen, die Gott je erschuf im Himmel und auf Erden und in den vier Elementen, waren es Vögel der Luft, Tiere des Waldes, Fische des Wassers, Laub und Gras des Erdreiches, oder der unzählige Sand am Meer, und dazu all das kleine Gestäube, das im Glanz der Sonne schimmert, und alle die Wassertröpflein, die vom Tau oder vom Schnee oder vom Regen je gefallen sind oder fallen werden, und wünschte, es hätte deren jegliches ein süsses, aufdringendes Saitenspiel, wohlgenährt vom Safte meines innigsten Herzens, und dass also ein neues, hochherziges Lob dem geminnten, zarten Gott aufklänge von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und dann zertrennten und zerteilten sich auf eine fröhliche Weise die minnereichen Arme der Seele gegen die unsägliche Zahl aller Kreaturen, und es war ihr Gedanke, sie alle darin eifrig zu machen, recht wie ein freier, wohlgemuter Vorsänger die singenden Gesellen anspornt, fröhlich zu singen und ihre Herzen zu Gott aufzubieten: Sursum corda!

“Die zweite Vorstellung,” sprach er, “war also: Ich nahm in meine Gedanken mein Herz und aller Menschen Herzen und überlegte, welche Lust und Freude, was für Glück und Frieden die geniessen, die ihr Herz Gott allein geben, und dagegen was für Schaden und Leiden, was für Qual und Unruhe vergängliche Minne ihren Untertanen einträgt, und ich rief dann mit grosser Sehnsucht zu meinem Herzen und den andern Herzen, wo sie auch sein möchten in allen Enden dieser Welt: Wohlauf, ihr gefangenen Herzen, aus den engen Banden vergänglicher Minne! Wohlauf, ihr schlafenden Herzen, aus dem Tode der Sünde! Wohlauf, ihr üppigen Herzen, aus der Lauheit eures trägen, lässigen Lebens! Hebt euch auf mit einer gänzlichen ledigen Umkehr zu dem minniglichen Gott: Sursum corda!

4
From the ‘Farmer of Bohemia,’ Chapter 3: A bereaved husband expostulates with Death for taking away his wife.5

Ich bin genannt ein Ackermann; von Vogelweid’ ist mein Pflug.6 Ich wohne im Böhmer Land. Gehässig, widerwärtig und widerstrebend soll ich Euch [o Tod] immer mehr sein, denn Ihr habt mir den zwölften Buchstaben,7 meiner Freuden Hort, gar grausam aus dem Alphabet entrückt. Ihr habt meiner Wonne lichte Sommerblume mir aus des Herzens Anger auf ewig ausgerodet. Ihr habt meines Glückes Inbegriff, meine auserwählte Turteltaube, arglistig entfremdet; Ihr habt unwiederbringlichen Raub an mir getan. Erwägt es selber, ob ich nicht billig zürne, wüte und klage; bin ich doch von Euch freudenreichen Wesens beraubt, täglicher guter Lebtage verlustig gemacht, und aller wonnebringenden Freuden benommen. Froh und freudig war ich ehemals zu jeder Stunde; kurz und lustig war all meine Zeit Tag und Nacht in gleichem Mass, beide freudenreich, überschwenglich reich. Jedes Jahr war für mich ein gnadenreiches Jahr. Nun wird zu mir gesagt: Vorbei! bei trübem Getränk, bei dürrem Ast, betrübt, schwarz und zerstört, bleib’ und heul’ ohne Unterlass! Also treibt mich der Wind; ich schwimme durch des wilden Meeres Flut; die Wogen haben überhand genommen, mein Anker haftet nirgends. Darum will ich schreien ohne Ende: Tod, seid verflucht!

From the same, Chapter 12, in which Death makes reply.

Könntest du richtig messen, wägen, zählen oder aus dem Kopfe dichten, hieltest du nicht solche Rede. Du fluchst und bittest unvernünftig und ohne alle Notdurft. Was taugt solcher Unsinn? Wir haben früher gesagt: kunstreich, edel, ehrhaft, fruchtreich, artig,—alles, was lebet, muss von unsern Händen zu Ende kommen. Doch schwatzest du und klagst, all dein Glück sei an deinem frommen Weib gelegen. Soll nach deiner Meinung Glück an Weibern liegen, wollen wir dir wohl raten, dass du immer bei Glück bleibest. Warte nur, ob es dir nicht in Unglück gerät! Sage uns: Da du zuerst dein löblich Weib nahmst, fandst du sie fromm oder machtest du sie fromm? Hast du sie fromm gefunden, so suche vernünftiglich: du findest noch viele fromme Frauen auf Erden; von denen eine dir zur Ehefrau werden mag. Hast du sie aber fromm gemacht, so freue dich: du bist der lebendige Meister, der noch ein frommes Weib und eine Frau auferziehen kann. Ich sage dir noch mehr: je mehr dir Liebes wird, desto mehr Leides widerfährt dir. Hättest du dich des Lieben enthalten, würdest du jetzt des Leiden entbehren. Je mehr Liebes zu erfahren, desto mehr Leides in Entbehrung des Lieben. Lieb’, Weib, Kind, Schatz und alles irdisch Gut muss am Anfang etwas Freude und am Ende mehr Leides bringen. Alles irdische Lieb muss zu Leide werden: Leid ist Liebes Ende; der Freude End’ ist Trauer; nach Lust muss Unlust kommen; Willens Ende ist Unwillen. Zu solchem Ende laufen alle lebendigen Dinge. Lern’ es besser, willst du von Klugheit prahlen.

5
From a sermon of Johann Geiler von Kaiserberg.8

Der Mensch, der Gott lieb hat und ihm anhängt allein darum, dass er ihm das Himmelreich gebe, der hat Gott nicht recht lieb. Warum? Darum: sein Gedanke an Gott ist nicht lauter; er denkt an sich selbst; er sucht seinen eignen Nutzen. Ich sage nicht, dass du das Himmelreich nicht begehren solltest, oder dass du Gott nicht darum bitten, ihm nicht darum dienen solltest. Nein, ich verwerfe das nicht; die Schrift ist voll davon, dass man Gott um das Himmelreich bitten sollte. Du sollst das Himmelreich begehren, sollst Gott darum bitten; aber du sollst nicht da stehen bleiben, dass du Gott allein darum dienest, und ihn allein darum liebhabest, damit er dir das Himmelreich gebe, und anders nicht. Das heisst nicht rechte Liebe; das ist Freundschaft um Freundschaft, wobei einer dem andern eine Freundlichkeit tut, damit er es ihm wiedervergelte; wie wenn du einem andern eine Wurst schenktest, damit er dir dagegen eine Seite Speck schenke. Du tust ihm eine Freundlichkeit; erwartetest du aber keine Freundlichkeit dagegen, du tätest ihm auch keine. Das heisst nicht rechte Liebe: es ist Freundschaft um Freundschaft. Aber das heisst rechte Liebe, dass einer einen lieb hat nicht um der Gabe willen, oder weil er etwas von ihm erwartet; sondern er hat ihn eben lieb; er gönnet ihm Gutes; er fördert seinen Nutzen; er wendet Schaden von ihm ab, wo er kann und mag, ohne dass er Wiedervergeltung erwartet. Der hat den andern recht lieb. Also tut der Mensch, der Gott recht lieb hat, allein um dessentwillen, weil er solch ein grosser Herr ist, dass er es würdig wäre; weil er der Höchste und das beste Gut ist.

1. Pfeiffer’s edition of Berthold von Regensburg, Vienna, 1862, vol. ii, page 174.

2. The ‘thing,’ as explained further on, is die Tugend.

3. Pfeiffer’s edition of Meister Eckhart, Leipzig, 1857, page 401.

4. Kürschners Deutsche National-Litteratur, Vol. 122, page 210.

5. Kürschners Deutsche National-Litteratur, Vol. 122, page 145, with comparison of Knieschek’s edition, Prag, 1877. The work consists of thirty-two chapters in which, alternately, the widower complains and Death replies. Then God, as judge, decides in favor of Death: the body must die that the soul may live. The whole ends with a fervid and eloquent prayer for the repose of the dead wife’s soul.

6. It is conjectured that the author was a schoolmaster who chose to call himself symbolically an Ackermann, that is, a ‘sower of seed.’ Hence he says that his ‘plow’ comes from the birds; in other words, it is a pen.

7. The letter M with which the dead wife’s name (Margareta) began.

8. Kürschners Deutsche National-Litteratur, Vol. 122, page 265.

 
 

END OF PART FIRST