Tohuwabohu
(nach den hebräischen Ausdrücken für "wüste und leer").—
1. Mos. 1, 3 steht:
Es werde Licht.—
1. Mos. 1, 12 schliesst:
Und Gott sahe, dass es gut war.—
Den Menschen nennen wir nach 1. Mos. 2, 7 einen
Erdenkloss.—
Nach 1. Mos. 2, 9 u. 17, wo von dem "Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses" die Rede ist, dessen Früchte der Herr dem ersten Menschenpaar zu geniessen verbietet (s. 3, 2-6), wurden die Worte üblich:
Vom Baum der Erkenntniss essen
und:
Die verbotene Frucht.—
Nach 1. Mos. 2, 18 citieren wir:
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei,
und:
Mann und Frau sind Eins
nach 1. Mos. 2, 24: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein Ein Fleisch" (vrgl. Matth. 19, 5).—
Aus 1. Mos. 2, 23, wo Adam von Eva sagt: "Das ist doch Bein von meinen Beinen, und Fleisch von meinem Fleisch", entnehmen wir:
Fleisch von meinem Fleisch und Bein von meinem Bein.—
1. Mos. 3, 5 lesen wir das Schlangenwort: "Und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist". Die Vulgata giebt: "Eritis sicut Dii". "Und werdet sein wie die Götter". Wir aber citieren die Stelle so, wie sie Goethe in der Schülerscene des "Faust" anwendet:
Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.
Und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
Die Verwendung bei Goethe dürfte durch Agrippa von Nettesheim vermittelt sein, der im Anfange seines Werkes "de incertitudine et vanitate omnium scientiarum", Köln 1527, sich dahin äussert, die Wissenschaft erhebe zu Gott nur im Sinne dieses Spruches der Schlange. "Eritis sicut Deus" wurde zum Titel eines die Philosophen, besonders Fr. Th. Vischer, verspottenden Romans erkoren, der 1855 anonym zu Hamburg erschien und dessen fromme Verfasserin Wilhelmine Canz hiess.—
Nach dem Sündenfall heisst es 1. Mos. 3, 7 von Adam und Eva, sie "wurden gewahr, dass sie nackend waren; und flochten Feigenblätter zusammen, und machten ihnen Schürzen". Hiernach ward uns das
Feigenblatt
ein bildlicher Ausdruck für "schamhafte Verhüllung".—
1. Mos. 3, 16 spricht Gott zu Eva: "dein Wille soll deinem Manne unterworfen sein, und
Er soll dein Herr sein".—
1. Mos. 3, 19 steht:
Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brod essen,
und:
Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.
Dies citieren wir auch mit Sirach 41, 11 (vrgl. 42, 13 u. Pred. Sal. 12, 7) in der Form:
Alles, was aus der Erde kommt, muss wieder zur Erde werden.—
1. Mos. 4, 9 fragt Kain:
Soll ich meines Bruders Hüter sein?—
Der Ausdruck
himmelschreiend
beruht auf 1. Mos. 4, 10; 18, 20; 19, 13; 2. Mos. 3, 7; 22, 23; Jakobi 5, 4. Die alte Dogmatik hatte hieraus den Begriff der "schreienden Sünden", der "peccata clamantia" gebildet und diese in folgenden Versen aufgezählt:
Clamitat ad coelum vox sanguinis et Sodomorum,
Vox oppressorum, viduae, pretium famulorum.
Es schreit zum Himmel
die Stimme des Bluts und der Sodomiter, die Stimme der
Unterdrückten, der Witwe, der Arbeiter Lohn.—
Nach 1. Mos. 4, 15: "Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge", reden wir von einem
Kainszeichen
in dem fälschlichen Sinne, als stünde geschrieben, dass der Herr sichtbarlich Kain zum Mörder stempelte.—
1. Mos. 5, 24 heisst es von Henoch: "Und dieweil er ein göttlich Leben führte, nahm ihn Gott hinweg
und ward nicht mehr gesehen".
Dies Wort ist oft dichterisch als Schlusseffekt verwendet worden[8].—
[8] Z. B. von Wieland am Schlusse des "Musarion"; von Goethe am Schlusse der Ballade "der Fischer"; von Schiller in der "Braut von Messina", als Manuel dem Chor seine Liebe enthüllt; und von Tiedge am Schlusse des Gedichtes "Jenny" in Beckers "Taschenb. z. gesell. Vergnüg." Leipzig 1804. S. 259.
Nach diesem Spruch (oder nach 1. Mos. 6, 9) sagt man auch:
Ein göttliches Leben führen,
ohne mehr an Henochs oder Noahs Wandel zu denken, sondern im Märchensinne des Schlaraffenlebens.—
Zur Bezeichnung eines sehr hohen Alters dient
Methusala, gewöhnlich: Methusalem,
welcher nach 1. Mos. 5, 27 das Alter von 969 Jahren erreichte.—
für "zu Grunde gehen" entnehmen wir wohl aus 1. Mos. 6, 12-13: "Da sahe Gott auf Erden, und siehe, sie war verderbet; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbet auf Erden. Da sprach Gott zu Noah: Alles Fleisches Ende ist vor mich gekommen, denn die Erde ist voll Frevels von ihnen; und siehe da, ich will sie verderben mit der Erde". Auch 1. Kön. 2, 2: "ich gehe hin den Weg aller Welt", ist zu beachten und Hiob 16, 22 (s. unten).—
1. Mos. 6, 4 steht:
Berühmte Leute.—
Nach 1. Mos. 6, 17; 7, 10 u. 17; 9, 11 u. 15; Psalm 29, 10; Weisheit 10, 4; Sirach 40, 27; Matth. 24, 38 u. 39; 2. Petri 2, 5; 3, 6 reden wir mit Luther von einer
Sündflut
anstatt von einer Sintflut (Sint-Fluot d. i. grosse Flut), wie die genaueren Gelehrten nun zu schreiben pflegen.—
Das Ölblatt,
welches nach 1. Mos. 8, 11 die zweite von Noah ausgesandte Taube heimbrachte, gilt bis heute als Zeichen der Beschwichtigung, der Versöhnung und des Friedens.—
1. Mos. 8, 21 (vrgl. 1. Mos. 6, 5) steht:
Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.—
Zur Bezeichnung eines leidenschaftlichen Jägers dient Noahs Enkel
Nimrod
nach 1. Mos. 10, 9: "Daher spricht man: Das ist
ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn
wie Nimrod".—
Menschenkind(er),
kommt 1. Mos. 11, 5 und sonst noch sehr oft in der Bibel vor, namentlich im Hesekiel.—
Babylonische Verwirrung
stammt aus 1. Mos. 11, 9: "Daher heisset ihr Name Babel, dass der Herr daselbst verwirret hatte aller Länder Sprache . . ."—
Gnade vor deinen (meinen) Augen finden
beruht auf 1. Mos. 18, 3; 19, 19; 2. Mos. 33, 12. 13. 16. 17.—
1. Mos. 18, 14 (vrgl. Jerem. 32, 27) steht: "Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?" und danach Jerem. 32, 17 "und ist kein Ding vor dir (Herr) unmöglich", was dann bei Luk. 1, 37 (vrgl. Matth. 19, 26; Mark. 10, 27; Luk. 18, 27) also lautet:
bei Gott ist kein Ding unmöglich.—
Auf 1. Mos. 19 beruht
Sodom und Gomorrha,
eine oft in der Bibel wiederkehrende Bezeichnung lasterhafter Stätten.—
Mit Blindheit geschlagen werden
steht 1. Mos. 19, 11; 5. Mos. 28, 28; 2. Kön. 6, 18 und "Weisheit" 19, 16.—
Zur Salzsäule werden
heisst uns "vor Entsetzen erstarren" nach 1. Mos. 19, 26 "Und sein (Lot's) Weib sahe hinter sich und ward zur Salzsäule". Der Herr hatte zu Lot und den Seinen gesagt, als die Engel sie fortführten aus dem der Vernichtung anheimfallenden Sodom (17): "Errette deine Seele und siehe nicht hinter dich".—
Nach 1. Mos. 22, 17; 32, 12; 41, 49; Jesaias 10, 22; 1. Kön. 4, 20; Hosea 1, 10; Gebet Asariae 36; Römer 9, 27 und anderen ähnlichen Schriftstellen sagen wir
Wie Sand am Meer.—
Aus 1. Mos. 23, 4. 9. 20; 49, 30; 50, 13 kommt uns das Wort:
Erbbegräbnis.—
1. Mos. 23, 6 heisst es: "begrabe deinen Todten in unsern ehrlichsten Gräbern", Sirach 38, 16: "bestatte ihn ehrlich zum Grabe" und 2. Macc. 4, 49: "und liessen sie ehrlich zur Erde bestatten". Hieraus bildeten wir das Wort
ein ehrliches Begräbnis.—
Nach 1. Mos. 25, 34 nennen wir etwas Wertloses, wofür etwas Wertvolles preisgegeben wird,
ein Linsengericht;
denn für ein solches mit Brod verkaufte Esau dem Bruder Jakob seine Erstgeburt (vrgl. Ebr. 12, 16).—
Gotteshaus
wird für "Kirche" oder "Tempel" gebraucht nach 1. Mos. 28, 22; Richter 17, 5; Matth. 12, 4. Kühnerweise schrieb Zesen sich diese Erfindung zu [s. unt. a. a. O. bei "Gottestisch"].—
Nach 1. Mos. 31, 20; 2. Sam. 15, 6 sagen wir:
Einem das Herz stehlen
und danach:
Herzensdieb.—
Die Kinder Israël
werden 1. Mos. 32, 32 und auch sonst häufig in der Bibel genannt.—
1. Mos. 33, 9 steht
Behalt, was du hast,
was sich Offenbar. Joh. 3, 11 in der Form: "Halt, was du hast" wiederholt, während es ebenda 2, 25 heisst: "(Doch) was ihr habt, das haltet, (bis dass ich komme)".—
Nach 1. Mos. 34, 1 wird ganz willkürlich von Männern auf Freiersfüssen gesagt:
ausgehen, um die Töchter des Landes zu besehen;
denn Jakobs und Leas Tochter Dina, so steht geschrieben, "ging heraus, die Töchter des Landes zu sehen".—
Nach 1. Mos. 37, 27: "Es ist unser Bruder, Fleisch und Blut", nennen wir die nächsten Angehörigen unser
Fleisch und Blut.—
1. Mos. 37, 35 steht für "sterben":
in die Grube fahren,
ein oft in der Bibel wiederkehrender Ausdruck.—
Habeat sibi,
meinetwegen,
oder, wie Luther übersetzt: "Sie hab's ihr", ist aus 1. Mos. 38, 23 entlehnt (vrgl. Sueton: "Julius Cäsar", 1).—
Keusch wie Joseph
ist entwickelt aus 1. Mos. 39.—
Pharaos Traum, 1. Mos. 41, von "sieben schönen fetten Kühen", die von "sieben hässlichen und mageren Kühen" gefressen und von "sieben dicken und vollen Ähren", die von "sieben mageren Ähren" verschlungen werden, wird von Joseph dahin gedeutet, dass in ganz Ägyptenland "sieben reiche Jahre" und nach denselben "sieben Jahre teure Zeit" kommen würden. Hiernach sprechen wir von
Fetten Jahren und mageren Jahren.—
Aus 1. Mos. 41, 43, wo geschrieben steht, dass Pharao vor Joseph her ausrufen liess: "Der ist des Landes Vater" stammt
Landesvater,
oder aus Cicero "pr. Sest." 57: "pater patriae", "Vater des Vaterlands".—
Benjamin
als Bezeichnung des jüngsten Kindes und Lieblingssohnes beruht auf 1. Mos. 42, 4 und 43, 6 und 14.—
Nach 1. Mos. 44, 4; 1. Sam. 24, 18; 25, 21 und Jerem. 18, 20 sagen wir:
Gutes mit Bösem vergelten.
"Arges um Gutes thun" steht Psalm 35, 12; 38, 21 und: "Vergeltet nicht Böses mit Bösem" 1. Petri 3, 9; daher unser:
Böses mit Bösem vergelten.—
Nach 2. Mos. 1, 14: "Und (die Ägypter) machten ihnen (den Kindern Israel) ihr Leben sauer, mit schwerer Arbeit in Thon und Ziegeln und mit allerlei Fröhnen auf dem Felde", sagen wir:
Einem das Leben sauer machen.—
Wir sprechen von einem gesegneten Lande,
darinnen Milch und Honig fliesst
nach 2. Mos. 3, 8. Der Ausdruck wiederholt sich häufig in der Bibel und ist auch in den klassischen Sprachen bekannt[9].—
[9] Vrgl. Gualterus Robert-tornow: "De apium mellisque apud veteres significatione et symbolica et mythologica" (Berolini apud Weidmannos, 1893, p. 82-85).—
Zeichen und Wunder,
2. Mos. 7, 3 wiederholt sich ebenfalls oft in der Bibel. Auch im Aelian (2. Jahrh. n. Chr.; "Variae historiae" 12, 57) findet sich der Ausdruck σημεῖα καὶ τέρατα, also in derselben Form, wie im Neuen Testament an vielen Stellen, z. B. Matth. 24, 24.—
Der Finger Gottes
beruht zunächst auf 2. Mos. 8, 19, wo die Zauberer, weil Aaron Läuse aus dem Staube entstehen lassen konnte, zu Pharao sprechen: "Das ist Gottes Finger". Luk. 11, 20 spricht Jesus vom Austreiben der Teufel "durch Gottes Finger".—
Wir reden von der
Ägyptischen Finsternis
nach 2. Mos. 10, 22: "Da ward eine dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage".—
2. Mos. 14, 17. 18 und Psalm 46, 11 heisst es:
Ehre einlegen.—
2. Mos. 15, 10: "Da liessest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie" . . "Flavit spiritus tuus et operuit eos mare" . . . rief ein viel citiertes Wort hervor. Auf die Vernichtung der gegen England gesandten Riesenflotte Philipps II., der Armada, durch die August- und Septemberstürme d. J. 1588 schlugen nämlich die Holländer in Middleburg eine Dank- und Denkmünze. Die eine Seite trägt mit den Wogen kämpfende Schiffe und die Umschrift: "Flavit Jehovah et dissipati sunt" ("Jehovah" in hebräischen Lettern auf einem Gewölk: vergl. Van Loon "Nederlandsche Historipenningen" 1, 392). Die andere Seite zeigt als Sinnbild des Protestantismus eine auf meerumbrandetem Fels festgegründete Kirche, darunter des Moritz von Nassau Wappenschild und um den Rand die Worte: "Allidor non laedor" ("mag es an mir anprallen, wird es doch an mir abprallen"). Irrtümlich schreibt Addison ("Spectator" No. 293) eine solche Denkmünze mit der Inschrift: "Afflavit Deus et dissipantur" der Königin Elisabeth von England zu, und Schiller bringt, nach Mercier ("Portrait de Philippe second" Amst. 1785. "Précis historique" p. IX), in der Anmerkung zu seinem Gedicht "Die unüberwindliche Flotte" (1786, "Thalia" II, 71) denselben Irrtum nebst der nun durch ihn landläufig gewordenen Änderung der Devise:
Afflavit Deus et dissipati sunt,
die er am Schluss des Gedichtes also übersetzt:
"Gott der Allmächt'ge blies,
Und die Armada flog nach allen Winden".
Dies lautet in Racines "Athalie" (1691) 5, 6, 3-4:
"Comme le vent dans l'air dissipe la fumée,
La voix du tout-Puissant a chassé cette armée . . ."
und in Martin Crugots "Der Christ in der Einsamkeit" (1756, J. Korn, Breslau): "Der Allmächtige blies und zerstäubete die Unüberwindliche wie Spreu, welche der Wind zerstreuet". Vrgl. "Martin Crugot, der ältere Dichter der unüberwindlichen Flotte Schillers". Urkundlich nachgewiesen von Karl Hermann Manchot (Bremen, C. W. Roussell, 1886. S. 23).—
Auf 2. Mos. 16, 15. 33. 35 (vrgl. Psalm 78, 24; Joh. 6, 31. 49. 58), beruht:
Manna in der Wüste.—
Wollen wir bezeichnen, dass sich jemand nach einer äusserlich besseren Lage zurücksehnt, so sagen wir mit Anlehnung an 2. Mos. 16, 3 (vrgl. 4. Mos. 11): "Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben, durch des Herrn Hand, da wir bei den Fleischtöpfen sassen", dass er sich zurücksehnt nach
den Fleischtöpfen Ägyptens.—
2. Mos. 21, 24; 3. Mos. 24, 20; 5. Mos. 19, 21; Matthäi 5, 38 steht:
Auge um Auge, Zahn um Zahn.—
Die Verehrung des Reichtums und die Sucht nach Metallbesitz bezeichnen wir fälschlich nach 2. Mos. 32 (wo wörtlich 'gegossenes Kalb' steht) mit
Anbetung des goldenen Kalbes; Tanz ums goldene Kalb;
denn in der betreffenden Stelle handelt es sich um ein Götzenbild, welches die Israeliten allerdings anbeteten und umtanzten, zu dessen Herstellung sie sich aber ihres goldenen Geschmeides entäussert hatten; auch liefert Ch. Beke (in "The Idol of Horeb: Evidence that the Golden Image was a Cone and not a Calf", 1871) den Beweis, dass die eigentliche Bedeutung des hebräischen Wortes nicht "Kalb", sondern "Kegel" ist.—
Aus 2. Mos. 23, 6; 5. Mos. 16, 19; 24, 17; 27, 19; 1. Sam. 3, 3; Hiob 34, 12 (vrgl. auch Sprichw. 17, 23; 18, 5; Jes. 10, 2) entnehmen wir:
das Recht beugen,
nach Luther, der so übersetzt, gleichviel ob in der Vulgata "declinare", "opprimere", "subvertere" oder "pervertere" steht. Aber es entstand unabhängig von ihm aus den Vulgataworten (5. Mos. 27, 19 vrgl. dazu 24, 17 und Hiob 34, 12): "maledictus, qui pervertit iudicium . . ." die Wendung:
das Recht verdrehen
und daraus:
Rechtsverdreher
und:
Rechtsverdrehung.—
Nach 2. Mos. 32, 27: ". . Gürte ein jeglicher sein Schwert auf seine Lenden . ." sagen wir für "sich kampfbereit machen":
Seine Lenden mit dem Schwert gürten.—
2. Mos. 33, 11 steht geschrieben: "Der Herr aber redete mit Mose
von Angesicht zu Angesicht,
wie ein Mann mit seinem Freunde redet".—
Auf 3. Mos. 16 (vrgl. 4. Mos. 7, 16ff.; 15, 24; 28 u. 29) beruht der Ausdruck:
Sündenbock,
von welchem Vers 21 und 22 geschrieben steht: "Da soll denn Aaron seine beide Hände auf sein Haupt legen, und bekennen auf ihm alle Missethat der Kinder Israel, und alle ihre Übertretung in allen ihren Sünden; und soll sie dem Bock auf das Haupt legen, und ihn durch einen Mann, der vorhanden ist, in die Wüste laufen lassen: dass also der Bock alle ihre Missethat auf ihm in eine Wildnis trage".—
Aus 3. Mos. 19, 18: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" ("als dich selbst": Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 31; Röm. 13, 9) entsprangen die Worte:
Nächstenliebe
und (Gal. 5, 14):
Liebe deinen Nächsten als dich selbst.—
3. Mos. 19, 32 lautet: "Vor einem grauen Haupt sollt ihr aufstehen und die Alten ehren"; daher wir sagen:
Ein graues Haupt ehren.—
Aus 3. Mos. 19, 36: "Ihr sollt nicht ungleich handeln am Gericht, mit der Elle, mit Gewicht, mit Maas" stammt die Wendung:
Mit gleicher Elle messen.—
3. Mos. 20, 4 steht für "gegen Einen nachsichtig sein": dem Menschen
Durch die Finger sehen.—
3. Mos. 24, 11-16 (vrgl. Daniel 7, 25) lesen wir von Einem, der "des Herrn Namen lästert" und danach 2. Macc. 13, 6 das Wort:
Gotteslästerer
und 2. Macc. 15, 24, wie Matth. 26, 25; Mark. 2, 7; 3, 28; 14, 64; Luk. 5, 21:
Gotteslästerung.
Hier giebt der Grundtext:
Βλασφημία,
Blasphemie,
was bei den Hellenen lediglich "Lästerung" bedeutete.—
3. Mos. Kap. 25 ist überschrieben "Feier- und Jubeljahr", und es wird darin den Kindern Israel befohlen, jedes fünfzigste Jahr mit dem Schall der Posaune (hebräisch: jobel) als ein Erlassjahr anzukündigen, "da jedermann wieder zu dem Seinen kommen soll". Eigentlich müsste es also "Jobeljahr" heissen; aber schon im 6. Jahrh. n. Chr. nennt Arator ("de actib. Apostol." II, 677) dieses jüdische Festjahr "annus iubilaeus". Wir sagen nun von einer seltenen Wiederholung, sie komme
"alle Jubeljahr' mal",
und die katholische Kirche feiert noch heute alle fünfundzwanzig Jahre ein gewinnbringendes Jubel- und Gnadenjahr, welches zuerst Bonifacius VIII. i. J. 1300 für eine hundertjährige Wiederkehr eingesetzt hatte. Die Worte "Jubel, jubeln, jubilieren, Jubelfest, Jubiläum, Jubilar, Jubelgreis", sind alle davon herzuleiten.—
3. Mos. 26, 6; 1. Macc. 7, 50; 9, 57; 14, 11 steht:
Friede im Lande.—
Aus 4, Mos. 6, 25: "Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig" entnehmen wir:
Sein Angesicht leuchten lassen über Jemandem.—
4. Mos. 9, 23 heisst es von den Kindern Israel: "Nach des Herrn Munde lagen sie und nach des Herrn Munde zogen sie, dass sie auf des Herrn Hut warteten . . ." Dieser Spruch und andere auf den Wachtdienst im Tempel bezügliche Stellen des alten Testamentes (s. 3. Mos. 8, 35; 4. Mos. 9, 19; 1. Chron. 24, 32; Nehemia 12, 45; Sacharja 3, 7) trugen bei zur Bildung des Sektennamens
Herrnhuter.
Nämlich der Zimmermann Christian David aus Mähren begründete im Jahre 1722 auf Berthelsdorf, dem Oberlausitzischen Gut des frommen Grafen Zinzendorf, mit neun Anderen am Hutberge eine Niederlassung, aus der die "evangelische Brüdergemeinde" hervorwuchs. Er, der Haushofmeister Georg Heitz und der Magister Christian Gottfried Marche benannten in des Spenders Abwesenheit den Ort "Herrnhut" und David schrieb darüber (s. Ersch und Grubers "Encyclopädie" unter "Brüder-Unität"): "Wir gaben diesem Orte nach dem dabei gelegenen Hutberge den Namen Herrnhut, teils deswegen, weil wir uns immer dabei erinnern sollten, dass der Herr über uns Hüter und Wächter ist, teils um uns täglich zu erinnern, dass wir auch auf der Hut und Wache sein sollen".—
Für Riesenkind, riesig starker Mensch, sagen wir nach 4. Mos. 13, 23. 29. 34 und anderen Stellen des alten Testamentes
Enakskind.—
Aus 4. Mos. 14, 34; 5. Mos. 31, 6. 8; Psalm 74, 11 schöpfen wir das Wort
die Hand abziehen von Einem.—
Die Bezeichnung eines Haufens wüster Polterer durch
die Rotte Korah
ist 4. Mos. 16, 5 entnommen.—
Auf 4. Mos. 31, 26. 27; Josua 22, 8; Eichter 5, 20 beruht:
Den Raub unter sich teilen.—
Dorn im Auge
ist aus 4. Mos. 33, 55 gebildet, wo es heisst:
"Werdet ihr aber die Einwohner des Landes nicht
vertreiben vor eurem Angesicht, so werden euch
die, so ihr überbleiben lasset, zu Dornen werden
in euren Augen—".—
5. Mos. 1, 17 (vrgl. Sprichw. 24, 25; Joh. 7, 24) steht: "Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen" und Hiob 34, 19 heisst es von Gott (vrgl. Hiob 13, 10; Maleachi 1, 9; Sir. 35, 16; Matth. 22, 16; Mark. 12, 14; Luk. 20, 21; Apostelg. 10, 34. 35; Röm. 2, 11; 2. Kor. 19, 7; Gal. 2, 6; Ephes. 6, 9; Col. 3, 25; Jak. 2, 1): "Der doch nicht ansieht die Person der Fürsten und kennt den Herrlichen nicht mehr, denn den Armen". Daher verlangen wir mit 1. Petri 1, 17, man solle richten
Ohne Ansehen der Person.—
Nach 5. Mos. 4, 26 sagen wir:
Himmel und Erde zu Zeugen (an)rufen.—
5. Mos. 4, 29; 6, 15; 10, 12; 26, 16; 30, 2; 30, 6; 30, 10; Josua 22, 5; 23, 14; 1. Kön. 2, 4; 8, 48; 2. Kön. 23, 3. 25; Jerem. 32, 41 steht geschrieben:
Von ganzem Herzen und von ganzer Seele—
und 5. Mos. 30, 19 und 31, 28:
Himmel und Erde zu Zeugen nehmen.—
Aus 5. Mos. 8, 3 ist:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
entnommen, was wir Matth. 4, 4 und mit Wortumstellung Luk. 4, 4 lesen.—
Für "Einen unbarmherzig strafen" sagen wir:
Einen steinigen
nach 5. Mos. 13, 10; 17, 5; 21, 21. 24.—
stammt aus 5. Mos. 15, 11 (vrgl. Psalm 104, 28; 145, 16): "Es werden allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand aufthust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande" und Psalm 37, 21: "Der Gerechte ist barmherzig und milde".—
5. Mose 21, 1-9 wird angeordnet, dass da, wo ein Erschlagener liege, dessen Mörder unbekannt sei, die Ältesten der nächsten Stadt über einer jungen Kuh, der der Hals abgehauen ist, ihre Hände waschen und dabei sagen sollen: "Unsere Hände haben das Blut nicht vergossen, so haben es auch unsere Augen nicht gesehen; sei gnädig deinem Volke Israel, dass du, der Herr, erlöset hast, lege nicht das unschuldige Blut auf dein Volk Israel u. s. w.". Hierauf beruht die uns nach Psalm 26, 6 oder besser Ps. 73, 13 (vrgl. Pilatus bei Matth. 27, 24) geläufige Wendung:
Ich wasche meine Hände in Unschuld,
oder:
Seine Hände in Unschuld waschen.—
Aus 5. Mos. 22, 26 "Sünde des Todes werth" und 1. Joh. 5, 16. 17 "Sünde zum Tode" stammt das Wort:
Todsünde.—
Aus 5. Mos. 24, 1. 3 (vrgl. Matth. 5, 31; 19, 7; Mark. 10, 4; Luk. 16, 18; 1. Kor. 7, 10) stammt der
Scheidebrief.—
Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden
steht 5. Mos. 25, 4 (vrgl. 1. Kor. 9, 9; 1. Timoth. 5, 18). Noch heute wird in Syrien das im Freien ausgebreitete Getreide gedroschen, indem man mit einem ochsenbespannten hölzernen Stuhlschlitten darüberhinfährt, unter dessen Kufen scharfe Steine befestigt sind.—
5. Mos. 25, 18 findet sich:
müde und matt.—
5. Mos. 27, 15-26 steht zwölfmal: "und alles Volk soll sagen: Amen"; Matth. 5, 37: "Eure Rede sei ja, ja . . ." und Offenb. Joh. 22, 20: "Ja, ich komme bald, Amen". Daher unser:
Ja und Amen zu Etwas sagen.—
Aus 5. Mos. 28, 29, wo dem, der nicht auf des Herrn Stimme hörte, prophezeit wird: "Und wirst tappen im Mittage, wie ein Blinder tappet im Dunkeln", citieren wir:
im Dunkeln tappen.
Vrgl. Hiob 5, 14; 12, 25.—
Vom Scheitel bis zur Sohle
sagen wir nach 5. Mos. 28, 35; 2. Sam. 14, 25 und Hiob 2, 7, obwohl wir eigentlich "von der Fusssohle an bis auf die Scheitel" citieren müssten.—
Aus 5. Mos. 28, 37 (vrgl. 1. Kön. 9, 7; 2. Chron. 7, 20; Hiob 17, 6; Jerem. 24, 9; Hes. 14, 8) entnehmen wir:
zum Sprichwort werden
und:
zur Fabel werden.—
Eine Person oder Eigenschaft, die Einem Unehre macht, nennen wir einen
Schandfleck
nach 5. Mos. 32, 5: "Sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder", und nach Sir. 20, 26: "Die Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem Menschen" und 47, 21: ". . und bringest deiner Ehre einen Schandfleck an".—
Jemanden wie seinen Augapfel behüten
ist aus 5. Mos. 32, 10 und Psalm 17, 8. (Sacharja 2, 8: "Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an".)—
Traubenblut
für "Wein" finden wir 5. Mos. 32, 14.—
5. Mos. 32, 35 (Röm. 12, 19; Ebr. 10, 30) spricht der Herr:
Die Rache ist mein.—
Mann Gottes
steht 5. Mos. 33, 1 und sonst noch sechzigmal im alten Testamente.—
Josua 1, 14; 8, 3; Richter 3, 29; 18, 2; 20, 17; 1. Chronika 6, 18; 11, 12 finden wir:
streitbare Männer,
Josua 17, 1:
Ein streitbarer Mann.—
Josua 3, 7 verspricht der Herr, "Josua gross zu machen vor dem ganzen Israel", 4, 14 beginnt: "An dem Tage machte der Herr Josua gross vor dem ganzen Israel", und in der "Historie von der Susanne und Daniel" 64 heisst es: "Und Daniel ward gross vor dem Volk". Daher stammt die unserer jüdischen Bevölkerung geläufige Redensart:
Gross vor den Leuten.—
Josua 6, 5. 10. 16. 20; 1. Thess. 4, 16 steht:
Feldgeschrei.—
Nach Josua 10, 24; Psalm 74, 3; Ev. Joh. 13, 18 und Ebräer 10, 29 sagen wir:
Einen mit Füssen treten.—
Josua 24, 15 steht:
Ich (aber) und mein Haus wollen dem Herrn dienen.—
Josua 24, 16; 1. Samuelis 14, 45; 2. Sam. 20, 20; Römer 3, 4. 6 und öfters in den paulinischen Briefen lesen wir:
Das sei ferne!
vrgl. "Das sei ferne von dir" (1. Mos. 18, 25) und "Das sei ferne von mir" (1. Mos. 40, 7).—
Das Buch der Richter 2, 10 (vrgl. 2. Kön. 22, 20; 2. Chronik. 34, 28; 1. Macc. 2, 69 und auch 1. Mos. 25, 8) schenkt uns das Wort:
zu seinen Vätern versammelt werden.—
Im Buch der Richter 5, 6 (vrgl. Psalm 125, 5) steht: ". . . die da auf Pfaden gehen sollten, die wandelten durch
krumme Wege".—
Im Buche der Richter 6, 12 und Ruth 5, 6 steht:
(Ein) streitbarer Held.—
Als Bezeichnung des Losungswortes für eine Partei gebrauchen wir nach dem Buch der Richter 12, 5. 6:
Schiboleth.
Die Gileaditer hatten sich bei einer Furt des Jordans aufgestellt und richteten an jeden Ephraiter, der hinüber wollte, die Frage: "Bist du ein Ephraiter? Wenn er dann antwortete: Nein; so hiessen sie ihn sprechen: Schiboleth; so sprach er: Siboleth und konnte es nicht reden. So griffen sie ihn" u. s. w.—
Löst jemand eine Aufgabe mit fremder Hülfe, so nennen wir das: