Hof-Demagoge.

("So nämlich nenn' ich keinen Berliner! Hof-Demagogen sind Männchen, Die allem Volke den Hof machen Und bei jeder Gelegenheit Für massigen Preis, Was preussisch ist, preisen".)

Dies wurde der Spitzname für den aus Münchengosserstädt stammenden Berliner Schriftsteller Friedrich Förster, der ein eifriger Liberaler und Hofgelegenheitsdichter war. Später nannte ein Kritiker der "Nachträge zu den Reisebildern (1831)" im "Konversationsblatt" Heinrich Heine einen "Salondemagogen" (s. "Ges. W." XX, 225, 1876), woraus dann das harmlosere Witzwort "Salontiroler" entsprungen sein mag, was Berthold Auerbach in seinem Roman "Auf der Höhe" gebraucht und das von Defregger zum Titel und Inhalt eines Gemäldes (Berliner Nationalgalerie) auserkoren ward, nur dass dort nicht das Waldkind im Salon, sondern der Salonmensch unter den Wäldlern die komische Figur spielt.—

Der "Denkspruch" von Karl Streckfuss (1779-1844):

Im Glück nicht stolz sein und im Leid nicht zagen,

Das Unvermeidliche mit Würde tragen,

Das Rechte thun, am Schönen sich erfreuen,

Das Leben lieben und den Tod nicht scheuen,

Und fest an Gott und bess're Zukunft glauben,

Heisst leben, heisst dem Tod sein Bitt'res rauben,

findet sich in seinen "Gedichten" (Lpzg. 1811) und ist im Inhaltsverzeichnisse mit der Jahreszahl 1809 versehen. Die zweite Reihe wurde zum "geflügelten Worte".

Nach den Mitteilungen seiner Söhne bestimmte Streckfuss 1831, als die Cholera in Berlin herrschte, in seinem Testamente, dass jene Verse auf sein Grab gesetzt werden sollten. Sie befinden sich auch auf seinem namenlosen Grabstein auf dem alten Dreifaltigkeitskirchhofe in Berlin vor dem Hallischen Thore. 1843, ein Jahr, ehe Streckfuss starb, liess die litterarische Gesellschaft, deren Vorsteher er war, ihn durch Franz Kugler zeichnen und die, mit dem von ihm eigenhändig geschriebenen Denkspruch versehene Zeichnung lithographisch vervielfältigen.—Der gleiche Gedanke ist schon früh den Griechen aufgestiegen. Vrgl. Theognis, 591-594 (Poetae lyrici graeci, ed. Bergk. Leipz. 1882, 4. Aufl. Tom. II):

Τολμᾶν χρή, τὰ διδοῦσι θεοὶ θνητοῖσι βροτοῖσιν,

ῥηϊδίως δὲ φέρειν ἀμφοτέρων τὸ λάχος,

μηδὲ λίην χαλεποῖσιν ἀσῶ φρένα, μηδ' ἀγαθοῖσιν

τερφθῇς ἐξαπίνης, πρὶν τέλος ἄκρον ἰδεῖν.

(Der Mensch soll dulden, was die Gottheit sendet,

Und, wie das Loos auch fällt, es leicht ertragen.

Im Leid lass nie dein Herz zu tief verzagen,

Im Glück nicht jubeln, eh' du weisst, wie's endet!)

und die Worte des Kleobulus bei Diogenes Laertius (I, 6 u. 4, 93):

εὐτυχῶν μὴ ἴσθι ὑπερήφανος ἀπορήσας μὴ ταπεινοῦ.

(Sei nicht übermütig im Glück, nicht kleinmütig im Unglück.)

Conz († 1827) übersetzt den am Ende des "Handbuches des Epiktet" (Stuttgart o. J.) befindlichen Vers (der nach Simplicius dem Kleanthes, Schüler des Zeno und Lehrer des Chrysippus, angehört):

Ὅστις δ' ἀνάγκῃ συγκεχώρηκεν καλῶς

(Wer sich der Notwendigkeit in schöner Weise fügt)

mit Benutzung der Streckfussischen Worte:

Und wer das Unvermeidliche mit Würde trägt.

Die erste Zeile der Streckfussischen Grabschrift entsprang wohl dem Verse

"Im Glücke bin ich stolz, verzagt in Kümmernissen"

aus Gellerts Gedicht "Das natürliche Verderben des Menschen" (s. "Geistliche Oden und Lieder" 1757).—

Aus der zuerst 1809 aufgeführten "Schweizerfamilie" Joseph Weigls mit Text von Ignaz Friedr. Castelli (1781-1862) citieren wir:

Setz' dich, liebe Emeline,

Nah', recht nah zu mir.—

Der Anfang eines Liedes von Johann Rudolf Wyss d. J. (1781-1830) lautet:

Herz, mein Herz, warum so traurig?

Und was soll das Ach und Weh?

Es erschien im Schweizeralmanach "Alpenrosen" 1811 zuerst in Berner Mundart:

"Herz, myn Herz, warum so trurig?"—

Adalbert v. Chamissos (1781-1831):

Der Zopf, der hängt ihm hinten,

(1822. "Tragische Geschichte". Zuerst in "Moosrosen" auf das Jahr 1826, herausg. von Wolfgang Menzel, Stuttg. 1826, S. 395, 396) ist ebenso bekannt, wie sein

Das ist die Zeit der schweren Not,

was zuerst in einem im Juni 1813 von Chamisso an J. Hitzig aus Kunersdorf geschriebenen Briefe vorkommt (J. Hitzig: "Leben und Briefe von Ad. v. Chamisso", I., S. 343, Leipz. 1839), wo es heisst: "Gott verzeihe mir meine Sünden!

Thema.

Das ist die schwere Zeit der Not,

Das ist die Not der schweren Zeit,

Das ist die schwere Not der Zeit,

Das ist die Zeit der schweren Not".

Diese vier Zeilen führen in den Werken Chamissos jetzt den Titel "Kanon".—

In Chamissos "Nachtwächterliede" (1826; Werke 3, 95 Lpz. Weidmann, 1836) lautet die dritte Strophe:

"Hört, ihr Herrn, so soll es werden:

Gott im Himmel, wir auf Erden,

Und der König absolut,

Wenn er unsern Willen thut.

Lobt die Jesuiten!"—

Auch wird aus Chamissos "Frauen-Liebe und -Leben" 2 ("Gedichte" 1831 n. A.) citiert:

Er, der herrlichste von allen.

vrgl. Hiob 1, 3: "Er war herrlicher, denn Alle, die gegen Morgen wohneten".—

Max von Schenkendorf (1783-1817) sagt in der vorletzten Strophe von "Schills Geisterstimme" (1809):

Für die Freiheit eine Gasse!

Theodor Körner sagt nach ihm in seinem "Aufruf" (von 1813) "Frisch auf, mein Volk! die Flammenzeichen rauchen", wo es den Anfang des vorletzten Verses der ersten Strophe bildet:

Der Freiheit eine Gasse!

Dass Arnold von Winkelried, wie erzählt wird, sich mit diesen Worten 1386 in der Schlacht bei Sempach in die Speere der Feinde gestürzt habe, lässt sich nicht nachweisen. Im Liede Halbsuters, das von Liliencron in den "historischen Volksliedern der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrh.", 1. Bd. S. 125-140 mitteilt, wird nur Strophe 27 "Ein Winkelried" genannt und Strophe 29 von ihm gesagt:

Hie mit da tet er fassen

ein arm voll spiess b'hend;

den sinen macht er gassen,

sin leben hat ein end.

Herwegh besang Winkelrieds That mit einem Gedichte, dessen Titel und Kehrreim: "Der Freiheit eine Gasse!" ist. Ähnlich sagte schon um 61 n. Chr. Seneca ("de provid." 2), indem er schildert, wie Cato Uticensis sich nach der Niederlage bei Thapsus (46 v. Chr.) das Leben nahm: "Una manu latam libertati viam faciet"—"mit einer Hand wird er der Freiheit eine breite Bahn schaffen".—

Auch citieren wir den Anfangsvers von Schenkendorfs Liede (1813):

Freiheit, die ich meine,

Die mein Herz erfüllt,

Komm' mit deinem Scheine,

Süsses Engelsbild!—

Was vergangen, kehrt nicht wieder;

Aber ging es leuchtend nieder,

Leuchtet's lange noch zurück!

bildet in den Gedichten Karl Försters (1784-1841), herausg. v. L. Tieck, Leipz. 1843, I. S. 60 den Anfang des Gedichtes "Erinnerung und Hoffnung".—

Das von Pius Alex. Wolff (1784-1828) nach des Cervantes Novelle: "la gitanilla de Madrid" gedichtete Drama "Preciosa" (zum ersten Male in Berlin 14. März 1821 auf die Bühne gekommen) enthält 1, 5:

Herrlich! Etwas dunkel zwar—

Aber 's klingt recht wunderbar,

und

Leb' wohl, Madrid! (Nie wende sich dein Glück!)—

Der 2, 1 vorkommende Reim:

Wird man wo gut aufgenommen,

Muss man ja nicht zweimal kommen,

lautet als stehendes Citat gefälliger so:

Wird man wo gut aufgenommen,

Muss man nicht gleich wiederkommen.—

2, 2 enthält Preciosas Gesang:

Einsam bin ich nicht alleine,

(s. "Geflügelte W. a. d. Geschichte". "Rom": Scipio.)—

Aus 3, 2 der "Preciosa" sind die Worte Pedros:

Auf der grossen Retirade, und:

Peter des Plaisirs

für "maitre de plaisir", und

Thut nichts, könnt's noch öfter hören;

aus Sc. 3 u. 8:

Donnerwetter Parapluie;

Die Stelle der dritten Scene lautet:

Pedro:  Parapluie!

Ambrosio: Flucht nicht so grässlich!

Pedro:  Donnerwetter!

Pedro spricht gern in wälschen, von ihm missverstandenen Wörtern, und so wird jenes "Parapluie" von ihm aus "parbleu" verzerrt, das seinerseits aus "par Dieu" entstand, wie "Potsdonnerwetter" aus "Gottsdonnerwetter".—

Ernst Benj. Sal. Raupach (1784-1852) lässt seinen "König Enzio" (1831) zweimal sagen:

Das Glück war niemals mit den Hohenstaufen.

(Akt 2, Sc. 2, Auftritt 5 und Akt 4, Sc. 2, Auftritt 8.)—

Adolf Bäuerles (1784-1869) Lied "Was macht denn der Prater?" aus seinem von Wenzel Müller komponierten Operntext "Aline" (aufgef. in Wien am 9. Okt. 1822) hat den Refrain:

"Ja nur ein' Kaiserstadt, ja nur ein Wien".

Dies Lied wurde in K. v. Holteis "Die Wiener in Berlin" (4. Jahrb. d. Bühne für 1825) eingeschoben, und man citiert es im Wiener Dialekt:

's giebt nur a Kaiserstadt, 's giebt nur a Wien!

"Es giebt nur a Wien" steht übrigens schon in einer 1781 in Wien erschienenen, namenlosen Schrift "Schwachheiten der Wiener".—

Ein altes jüdisches Sprichwort: "Butterbrot fällt uf's Ponim" (d. h. aufs Gesicht, vom hebräischen "panim") hat Ludwig Börne (1786-1837) zu dem Worte verarbeitet (Ges. Schr., 3, 276):

Minister fallen, wie Butterbrode, gewöhnlich auf die gute Seite.—

In seiner "Rede auf Jean Paul" (Ges. Schr., 1, 313) sagt Börne (vrgl. Kap. IX Heraklits πάντα ῥεῖ):

Nichts ist dauernd als der Wechsel,

was Heine als Motto seiner "Harzreise" (1824) verwendet.—

In den "Briefen aus Paris" schreibt Börne unter dem 4. Nov. 1831 (Ausg. 1833: IX, 83): "Salvandy ist einer von den bequemen Carlisten, die in Pantoffeln und im Schlafrock die Rückkehr Heinrichs V. abwarten". Dies Wort verwandte der preussische Minister des Auswärtigen, Frhr. v. Manteuffel, als er am 8. Jan. 1851 in der ersten Kammer über eine etwaige Beamtenrevolution sagte: "Ja, meine Herren, ich erkenne eine solche Revolution für sehr gefährlich, gerade weil man sich dabei in Schlafrock und Pantoffeln beteiligen kann, während der Barrikadenkämpfer wenigstens den Mut haben muss, seine Person zu exponieren". Daher stammt der Ausdruck:

Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln.

Börne wird nur ein in Paris wohl längst bekanntes Wort Napoléons umgemodelt haben, welcher, nach den "Memoires de Mdme la Duchesse d'Abrantés" (Par. 1832, VI, 40), kurz bevor er die Tempel der Pariser Theophilanthropen schloss (Décret des 1. Consuls vom 4. Okt. 1801), deren Religion "une religion en robe de chambre" nannte.—

Der Karnickel hat angefangen!

steht in folgender von dem Reimer und Kupferstecher Heinrich Lami (1787-1849) in Verse gebrachten Geschichte, "Eigennützige Dienstfertigkeit" (s. "Mixpickel (sic!) und Mengemus, eingemacht von H. Lami", Magdeburg 1828, S. 21 und 22): Der Pudel eines über den Markt wandelnden Herrn zerreisst ein lebendiges Kaninchen, das zu dem Kram einer Hökerin gehört. Obwohl der Herr ihr zehnfachen Ersatz bietet, besteht die Verkäuferin, in der Absicht, ihn zu prellen, darauf, dass er mit ihr "auf die Obrigkeit" gehen soll. Ein Schusterjunge, der dem Streite zugehört hat, nimmt Partei für den Herrn und verspricht, gegen ein Trinkgeld zu bezeugen, "det der Karnickel hat angefangen" (dass das Kaninchen angefangen hat). Der Ausdruck ist jetzt auch ins Französische übergegangen. Am Schluss eines Artikels "Aménités" der Pariser Zeitung "Le Bien public", No. 66, 7. März 1877, heisst es: "Encore une fois,

c'est le lapin qui a commencé!"—

Aus Ludwig Uhlands (1787-1862) "Wanderliedern" (7, "Abreise"; 14. Sept. 1811; zuerst gedruckt im "Deutschen Dichterwald", S. 32, Tübingen 1813, wo es die Bezeichnung 6 trägt) wird citiert:

Von Einer aber thut mir's weh;

aus Uhlands "Frühlingsglauben" ("Frühlingslieder", 2; 21. März 1812; zuerst ebenda S. 5):

Nun muss sich Alles, Alles wenden,

und:

Die Welt wird schöner mit jedem Tag;

Man weiss nicht, was noch werden mag;

aus Uhlands "Freier Kunst" (24. Mai 1812, zuerst gedruckt im "Deutschen Dichterwald", S. 3):

Singe, wem Gesang gegeben,

was Chamisso 1831 zum Motto seiner "Gedichte" erkor; aus "Des Sängers Fluch" (3. u. 4. Dez. 1814; Gedichte, Stuttg. u. Tüb., Cotta, 1815, S. 335) das vielfach travestierte:

Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut,

Und was er spricht, ist Geissel, und was er schreibt, ist Blut;

ferner:

Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundener Pracht;

und:

Versunken und vergessen.—

Aus der "Schwäbischen Kunde" (6. Dez. 1814), ebenda S. 287 wird citiert:

Der wackre Schwabe (oft verwandelt in: Ein wackrer Schwabe) forcht sich nit;

aus Uhlands "Vaterländischen Gedichten. Am 18. Okt. 1816":

Untröstlich ist's noch allerwärts;

aus "Bertran de Born" ("Morgenblatt von 1829", No. 283. 6. Nov.):

Deines Geistes

Hab' ich einen Hauch verspürt.—

Aus dem einaktigen, 1836 erschienenen Vaudeville Karl Blums (1786-1844): "Ein Stündchen vor dem Potsdamer Thor", ist wohl nur in Norddeutschland geläufig:

O Kyritz, mein Vaterland!—

Aus Louis Angelys (1788-1835): "Fest der Handwerker" (Angelys "Vaudeville und Lustspiele", Berlin 1828-34, II. 11) sind die Worte des Maurerpoliers Kluck:

Positus, ich setz' den Fall,

mit Anlehnung an Jean Pauls "Posito, gesetzt Sie werden unser Landmesser" (in dem "heimlichen Klaglied der jetzigen Männer", "4. Ruhestunde") und:

Darum keine Feindschaft nicht!

(eigentlich: "Dadrum keene Feindschaft nich")

sowie die Redensart Hähnchens des Tischlers:

Allemal derjenige, welcher,

besonders in Berlin übliche Citate geblieben.—

Aus demselben Lustspiele erhielt sich auch Hähnchens Wort

Nie ohne dieses.—

Arthur Schopenhauer (1788-1860) braucht in seinen 1856-1860 geschriebenen "Materialien zu einer Abhandlung über den argen Unfug, der in jetziger Zeit mit der deutschen Sprache getrieben wird" (A. Sch.'s "Handschriftlicher Nachlass", her. v. J. Frauenstädt. Lpz. 1864. S. 66) zuerst das Wort

Zeitungsdeutsch.—

Aus Joseph Freiherr v. Eichendorffs (1788-1857) Gedichte "Der frohe Wandersmann" (1822), zuerst gedruckt in der Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts", (Berlin 1826. S. 4-5) wird der Anfang citiert:

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,

Den schickt er in die weite Welt.—

Aus Friedrich Rückerts (1788-1866) Gedichte "Welt und Ich" wird citiert:

Wenn die Rose selbst sich schmückt,

Schmückt sie auch den Garten.

Es stand zuerst im "Deutschen Musen-Almanach" von Chamisso und Schwab, 1834, No. 19, S. 41. 42.—

Aus Ferdinand Raimunds (1790-1836) Zauberspiele "Der Diamant des Geisterkönigs", (1824) 2, 19 wird citiert:

Ich bin dein Vater Zephises

Und habe dir nichts zu sagen als dieses.—

In Raimunds romantischem Original-Zaubermärchen (1826) "Der Bauer als Millionär" oder "Das Mädchen aus der Feenwelt", 2, 6, singt die Jugend:

Scheint die Sonne noch so schön.

Einmal muss sie untergeh'n,

was durch Heinr. Heine ("Buch der Lieder", Vorrede zur 2. Aufl. 1837) in der Umformung Citat wurde:

Und scheint die Sonne noch so schön,

Am Ende muss sie untergeh'n.—

In Raimunds romantisch-komischem Märchen (1828) "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (1, 20 u. 21) singt die arme Kohlenbrennerfamilie "Glühwurm" beim Verlassen ihres vom reichen "Rappelkopf" gekauften Hauses, das sie in Leid und lärmendem Zwist bewohnt, fünfmal die Verse:

So leb' denn wohl du stilles Haus.

Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.—

Aus Theodor Körners (1791-1813) "Hedwig" 2, 10 citieren wir:

Die Pferde sind gesattelt (gnäd'ger Herr)

als Beispiel für eine unbedeutende Rolle, da es die einzigen Worte sind, die ein auftretender Diener in jenem Stück zu sprechen hat.—

Aus Körners "Aufruf" (1872. "Frisch auf, mein Volk! . . .") stammt:

Vergiss die treuen Toten nicht!—

Aus Franz Grillparzers (1791-1813) "Ahnfrau"; (1816) ist anzuführen:

Den Jüngling ziert Bescheidenheit,

eine Umstellung der Worte gegen Ende des ersten Aufzuges:

Ziert Bescheidenheit den Jüngling,

(Nicht verkenn' er seinen Wert,)

welche auch die bekannte Travestie hervorgerufen haben:

Bescheidenheit ist eine Zier,

Doch kommt man weiter ohne ihr.—

Aufzug 3 der "Ahnfrau" bietet:

Ja, ich bin's, du Unglücksel'ge,

Bin der Räuber Jaromir;

auch dies ist verändert, da zwischen beiden Versen fünfzehn andere des ursprünglichen Textes weggelassen werden.—

In Grillparzers "Abschied von Wien" (1842) wird Wien

Capua der Geister

genannt, weil Capua bei den Alten wegen seiner entnervenden Üppigkeit berühmt war.—

Ich bin ein Preusse, kennt ihr meine Farben?

wurde zum Geburtstage Friedrich Wilhelms III. 1830 von J. B. Thiersch (1794-1855) verfasst und steht in den "Liedern und Gedichten des Dr. Bernhardt Thiersch, von seinen Freunden in und bei Halberstadt für sich herausgegeben" (Halberstadt 1833).—

Graf August v. Platen (1796-1835) sagt in einem titellosen Gedichte vom Jahre 1818:

So viel Arbeit um ein Leichentuch!—

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) dichtete 1822 das Lied:

Du siehst mich an und kennst mich nicht.

Es erschien zuerst in seinen "Gedichten", Breslau 1827, S. 114. Sein auf Helgoland entstandenes Lied:

Deutschland, Deutschland über alles

erschien zuerst als Einzeldruck am 1. September 1841 zu Hamburg, und zwar mit Haydns Melodie zu "Gott erhalte Franz den Kaiser", wodurch Hoffmann die österreichische Volkshymnenweise geschickt nach Deutschland hinüberspielte.—

Aus dem 1826 zum ersten Male auf der Königstädtischen Bühne in Berlin gegebenen Singspiele von Karl v. Holtei (1798-1880): "Der alte Feldherr" sind folgende zwei Liederanfänge:

Denkst du daran, mein tapferer Lagienka?

eine Nachbildung des 1815 gedichteten Liedes von Emile Debraux:

Te souviens-tu, disait un capitaine

Au vétéran qui mendiait son pain?

("Chants et chansons populaires de la France par H. L. Delloye", Paris 1843, 2. Serie, No. 1), und

Ford're niemand mein Schicksal zu hören!—

Der Anfang des 1827 geschriebenen Mantelliedes aus Holteis "Lenore" (zum ersten Male aufgeführt zu Berlin, 12. Juni 1828) lautet:

Schier dreissig Jahre bist du alt,

Hast manchen Sturm erlebt.

Das Lied fand die weiteste Verbreitung, weil es nach der schönen alten Volksweise gesungen wird: "Es waren drei Reiter gefangen".—

Aus Heinrich Heine (1799-1856) citieren wir das 1822 in den "Gedichten" mit der Überschrift "An Karl von U(echtritz). Ins Stammbuch" abgedruckte:

(Anfangs wollt' ich fast verzagen

Und ich glaubt' ich trüg' es nie,

Und ich hab' es doch getragen,—)

Aber fragt mich nur nicht wie?—

Und aus seiner ebenda befindlichen, 1819 gedichteten Romanze "Die Grenadiere":

Was schert mich Weib, was schert mich Kind?

(Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind.)

Dies entsprang den Versen der altschottischen Ballade "Edward, Edward" (s. Percy: "Reliques of ancient english poetry", (2. ed., London 1767, p. 59):

"And quhat wul ze leive to zour bairns and zour wife,

Quhan ze gang ovir the sea, O?

The warld is room, late them beg throw life,

Mither, mither.")

Nach Herder (Suphan, Bd. 25, S. 20, Berl. 1885), aus dem Heine wohl schöpfte:

"Und was willst lassen dein'm Weib und Kind

wann du gehst übers Meer—o!

Die Welt ist Raum!—lass's betteln drinn

Mutter, Mutter."—

Aus Heines "Lyrischem Intermezzo" (1823 mit den "Tragödien" erschienen) sind die Anfangsverse der Gedichte (No. 1 u. 9):

Im wunderschönen Monat Mai,

und:

Auf Flügeln des Gesanges,

sowie (No. 39) die Verse aus dem zuerst im Berliner "Gesellschafter" vom 9. Okt. 1822 gedruckten Gedichte: "Ein Jüngling liebt' ein Mädchen":

Es ist eine alte Geschichte,

Doch bleibt sie immer neu.—

Aus Heines "Heimkehr" (No. 2) ist das zuerst im Berliner "Gesellschafter" vom 26. März 1824 abgedruckte:

Ich weiss nicht, was soll es bedeuten,

Dass ich so traurig bin;

Ein Märchen aus alten Zeiten,

Das kommt mir nicht aus dem Sinn,

mit dem Schlusse:

Und das hat mit ihrem Singen

Die Lorelei gethan;

ferner der Schluss des zuerst in den "Rheinblüten" (Taschenbuch auf das Jahr 1825) abgedruckten Gedichtes (No. 19):

Sei mir gegrüsst, du grosse,

Geheimnisvolle Stadt,

mit dem überraschenden Wortspiel:

(Die Thore jedoch, die liessen

Mein Liebchen entwischen gar still;)

Ein Thor ist immer willig,

Wenn eine Thörin will;

und aus dem (ebenda zuerst gedruckten) Gedichte (No. 38) "Mensch, verspotte nicht den Teufel" die Zeile:

Mensch bezahle deine Schulden;

sowie der Anfang des Liedes (No. 64):

Du hast Diamanten und Perlen

mit seinem Kehrreim:

Mein Liebchen, was willst du mehr?[55]

welches mit der Notiz "Geschrieben im Herbst 1823" zuerst in der Hamburger Zeitschrift "Die Biene" vom 31. Jan. 1826 erschien; und das in No. 66 enthaltene:

Die Leutnants und die Fähnderichs,

Das sind die klügsten Leute.—

[55] Eine Anlehnung an den Kehrreim in Goethes "Nachtgesang": "Schlafe! was willst du mehr?" (vrgl. "Goethe in Heines Werken" v. W. Robert-tornow. 1883. S. 11) der dem "Dormi, che vuoi di più?" eines von Reichardt komponierten italienischen Volksliedes nachgebildet ist, welches Viehoff ("Goethes Gedichte" I, 110; 3. Aufl. 1876) mitteilt.

Am Schlusse eines Gedichtes in der "Harzreise" (1824; Ges. W. I, 63) nennt Heine sich einen "Ritter von dem heil'gen Geist"; ein Wort, das uns in der Form

Ritter vom Geist

durch Gutzkows Roman "Die Ritter vom Geiste" (1850-52) geläufig wurde.—

Aus dem siebenten Gedichte des zweiten Cyklus von Heines "Nordsee" (1826), "Fragen", wird der Schlussvers citiert:

Und ein Narr wartet auf Antwort.—

Alle bisher angeführten Heinecitate finden sich im "Buch der Lieder".—

In den "Englischen Fragmenten" (1828, Kap. 12, Vorrede von 1830) nennt sich Heine "so recht

europamüde".

Ernst Willkomm schrieb dann (1838) einen Roman "Die Europamüden", und Immermann citierte das Wort im "Münchhausen" (Düsseld. 1839. I, 18). Im Vorwort zu A. Weills "Sittengemälden aus dem elsässischen Volksleben", 1847 (Ges. W. XIV, 151), und im "Romancero", 1846-51 (Ges. W. XVIII, 79 u. 122), wendet Heine selbst das Wort wiederum an.—

Aus Heines "Neuem Frühling" (1831), No. 6, stammt:

Wenn du eine Rose schaust,

Sag', ich lass' sie grüssen.—

Aus Kap. 24 von Heines "Atta Troll" (Kap. 1-24 ersch. 1843 in der "Zeitung für die elegante Welt") ist:

Kein Talent, doch ein Charakter,

und aus Kap. 27 des "Atta Troll" (ersch. Hamb. 1847), wo Heine von den jungen Freiheitsdichtern im Gegensatz zu den alten Romantikern singt:

"Das sind ja des Völkerfrühlings

Kolossale Maienkäfer,

Von Berserkerwut ergriffen!"

citieren wir den

Völkerfrühling.

Fürst Bismarck schloss seine Reichstagsrede am 2. März 1885 mit dem Satz: "Es liegt eine eigentümliche prophetische Voraussicht in unserem alten nationalen Mythus, dass sich, so oft es den Deutschen gut geht, wenn ein deutscher Völkerfrühling wieder, wie der verstorbene Kollege Völk sich ausdrückte, anbricht, dass dann auch stets der Loki nicht fehlt, der seinen Hödur findet, einen blöden, dämlichen Menschen, den er mit Geschick veranlasst, den deutschen Völkerfrühling zu erschlagen, respektive niederzustimmen". Joseph Völks Rolle im öffentlichen Leben begann aber erst nach dem Erscheinen des "Atta Troll", so dass er wohl schwerlich vor Heine vom "Völkerfrühling" gesprochen haben wird. Heine singt schon in seinem "Poseidon" (1825-26 "Die Nordsee" I, 5) von Hellas' leuchtendem "Menschenfrühling" und Friedrich Delbrück schrieb ein Buch "Über die Verehrung gegen Eltern und der Frühling der Natur verglichen mit dem Frühling des Menschengeschlechts". Magdeburg 1799.—

Schliesslich citiert man aus Heines "Neuen Gedichten", 1844 (Jolanthe und Marie):

Blöde Jugendeselei,

und aus dem "Romancero" (1846-51 "Zwei Ritter") als Muster verkommenen Polentums:

Krapülinski und Waschlapski.—

Aus Wilhelm Hauffs (1802-27) Liede "Reiters Morgengesang" (gedichtet 1824 nach dem schwäbischen Volksliede) citieren wir, das Vergängliche menschlicher Pracht betonend:

Gestern noch auf stolzen Rossen,

(Heute durch die Brust geschossen,

Morgen in das kühle Grab!).

und:

. . ach, wie bald

Schwindet Schönheit und Gestalt!—

Aus Nikolaus Lenaus (1802-50) Liede "Der Postillon" hört man oft den Anfangsvers citieren:

Lieblich war die Maiennacht.—

Aus des Wieners Friedrich Kaiser Posse "Verrechnet", deren Kouplets von Johann Nepomuk Nestroy (1802-62) sind, blieb

Es muss ja nicht gleich sein,

—es hat ja noch Zeit,

in der Form bekannt:

Muss es denn gleich sein?—

Ludolf Wienbarg (1802-72) versah sein Buch "Aesthetische Feldzüge", 1834, (nach Strodtmann "Heines Leben" I, S. 432, auf den Vorschlag seines Verlegers Julius Wilh. Campe) mit einer Widmung an

das junge Deutschland,

und im folgenden Jahre richtete W. Menzel ("Litteraturblatt", 11. und 13. Sept.) seinen ersten Angriff auf die junge Litteratur, der er zum Zeichen der Verachtung ihres kosmopolitischen Strebens den Namen "la jeune Allemagne" gab.—

Des Lebens Unverstand mit Wehmut zu geniessen,

Ist Tugend und Begriff;

stammt aus dem Anfange dieses Jahrhunderts und hat nicht, wie die "Braunschweiger Anzeigen" (Okt. 1876. St. 232. S. 2809) behaupten, den weiland braunschweigischen Hof-Buchbinder Joh. Engelh. Voigts zum Verfasser, sondern den General und Oberhofmarschall des Kurfürsten von Hessen, Hans Adolf von Thümmel († 1851), der in dem Glauben, ein Dichter zu sein, viele ähnliche Verse beging. Die obigen begeisterten einen Kandidaten der Theologie, A. L., dazu, ins Fremdenbuch der Rudelsburg folgende Worte (mit Zeichnung) einzutragen:

Und wer des Lebens Unverstand

Mit Wehmut will geniessen,

Der lehne sich an eine Wand

Und strample mit den Füssen.—

Derselbe v. Thümmel soll auch der Verfasser sein von:

Im Schatten kühler Denkungsart.

Möglicherweise aber sind diese Worte Eigentum des oben genannten Voigts, wie in dem angeführten Artikel der "Braunschweiger Anzeigen", allerdings ohne Beleg, versichert wird.—

Aus Gust. Albert Lortzings (1803-51) zuerst 1837 in Berlin aufgeführter Oper "Czar und Zimmermann" citieren wir:

O, ich bin klug und weise,

Und mich betrügt man nicht.

und:

Es ist schon lange her—

endlich:

O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

Der Text zu dieser komischen Oper ist nach Hoffmann von Fallersleben ("Unsere volkstümlichen Lieder", No. 817, Nachtrag) von Salomon Reger (1804-57); nach dem Textbuche Hermann Mendels (Herausg. d. musikal. Convers.-Lex.) hat aber Lortzing den Operntext selbst gedichtet, und nur das Czarenlied stammt von Salomon Reger her.—

Aus Eduard Mörikes (1804-75) Gedichten ist in Süddeutschland als Citat anzusehen: