Erzbösewicht".
Als solcher wird Maccabäer 15, 3 Nicanor bezeichnet, der aber anderen Schaden zu thun trachtet.—
Aus "Sprüche" 24, 15: "Laure nicht als ein Gottloser, auf das Haus des Gerechten, verstöre seine Ruhe nicht" mag sich der Ausdruck
Schlaf des Gerechten
entwickelt haben (andere leiten ihn her aus 3. Mos. 26, 6; aus Psalm 3, 6. 7; 4, 9; 127, 2; oder aus Sprüche Sal. 3, 24).—
"Sprüche" 24, 29: "Wie man mir thut, so will ich wieder thun", wird verkürzt zu:
Wie du mir, so ich dir.—
"Sprüche" 25, 11 bringt uns:
Güldene Äpfel in silbernen Schalen.—
"Sprüche" 25, 22 steht geschrieben: wer seinem Feinde Gutes thut, wird "Kohlen auf sein Haupt häufen" d. h. er wird dessen Wangen vor Schamröte erglühen machen. Nach dem Apostel Paulus (Röm. 12, 20) citieren wir dies Wort also:
Feurige Kohlen auf sein (oder: Jemandes) Haupt sammeln.—
Nach "Sprüche" 26, 27: "Wer eine Grube machet, der wird darein fallen" (vrgl. Psalm 7, 16; 9, 16; 57, 7; Predig. Sal. 10, 8; Sirach 27, 29) ist gebildet:
Wer ändern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Vrgl. Hesiod, (Werke und Tage, Vers 265): "οἷ τ' αὐτῷ κακὰ τεύχει ἀνὴρ ἄλλῳ κακὰ τεύχων" (Der Mann, der einem andern Böses bereitet, bereitet das Böse sich selbst.)—
Prediger Salomo 1, 2 und 12, 8 ruft: "Es ist alles ganz eitel", danach wir sagen:
Alles ist eitel.
Auch wird der lateinische Text citiert:
Vanitas vanitatum, et omnia vanitas.—
1, 7 (vrgl. Sirach 40, 11) heisst es:
Alle Wasser laufen ins Meer.—
1, 8: . . "das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich nimmer satt" liess uns das Wort bilden:
Ein Nimmersatt.—
1, 9:
und geschiehet nichts Neues unter der Sonne.—
3, 1:
Ein jegliches hat seine Zeit.—
3, 11:
(Er aber thut) Alles (fein) zu seiner Zeit.—
3, 12: "Darum merke ich, dass nichts besseres darinnen ist, denn fröhlich sein und ihm
(sich) gütlich thun
in seinem Leben".—
3, 13: "Denn ein jeglicher Mensch, der da isset und trinket und hat guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist
eine Gabe Gottes".—
5, 18: ". . . welchem Menschen Gott Reichtum und Güter und Gewalt giebt, dass er davon isset und trinket für sein Teil und fröhlich ist in seiner Arbeit; das ist
eine Gottes-Gabe".—
4, 12: "Einer mag überwältigt werden, aber zween mögen widerstehen; denn eine dreifältige Schnur reisst nicht leicht entzwei", daher wohl stammt:
Doppelt reisst nicht oder: Doppelt hält besser.—
9, 4: Ein lebendiger Hund ist besser weder (d. h. als) ein toter Löwe.—
Nach dem Prediger Salomo 10, 15: "Die Arbeit der Narren wird ihnen sauer" und nach Sirach 7, 16: "Ob dirs sauer wird mit deiner Nahrung und Ackerwerk, das lass dich nicht verdriessen" sagen wir:
Es wird Einem sauer
und:
Saure Arbeit.—
Pred. Sal. 10, 16 bietet:
Wehe dir Land, dess König ein Kind ist.—
Aus Pred. 12, 1: "Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: sie gefallen mir nicht", entnehmen wir:
Das sind Tage, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht.—
12, 12 steht:
Viel Büchermachens ist kein Ende.—
Das Hohelied Salomons (1, 15; 4, 1; 5, 12) schenkt uns das Wort:
Taubenaugen
und (8, 6):
Liebe ist stark wie der Tod.—
Nach Jesaias 5, 7: "Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel" (vrgl. Matth. 20, 1 ff.) sprechen wir vom
Weinberg des Herrn.—
Jesaias 8, 14 und 1. Petri 2, 8 findet sich:
Stein des Anstossens (gewöhnlich: des Anstosses),
während Römer 9, 32 und 33 "Stein des Anlaufens" gesagt wird.—
Wenn die christliche Poesie den Fürsten der Finsternis
Lucifer
(Lichtbringer)
nennt, so stützt sie sich auf Jesaias 14, 12: "Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern!" da die lateinische Bibel für "Morgenstern" "Lucifer" setzt.—
sagen wir von dem Wesentlichen eines Werkes nach Jesaias 28, 16: ". . . ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein."
(Vrgl. Psalm 118, 22: "Der Stein, den die Bauleute verworfen, ist zum Eckstein geworden" und Jer. 51, 25-26: ". . . ich will an dich, du schädlicher Berg . . . dass man weder Eckstein noch Grundstein aus dir nehmen könne". S. auch unter den "Gefl. Worten aus der Geschichte": Süvern.)—
Jesaias 34, 8 (u. a. a. O.) steht:
Der Tag der Rache.—
Nach Jesaias 38, 1: ". . . Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben" . . . sagen wir für "sein Testament machen":
Sein Haus bestellen.—
Wer vergeblich mahnt, den nennen wir einen
Prediger in der Wüste
nach Jesaias 40, 3: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste" (vrgl. Jes. 53, 1: ". . wer glaubt unserer Predigt?"); nach der Vulgata:
vox clamantis in deserto,
was, gedeutet auf Johannes den Täufer, Matth. 3, 3, Mark. 1, 3, Luk. 3, 4 und Johannes 1, 23 wiederholt wird. Genau genommen wäre zu übersetzen: "Es ist die Stimme eines Rufenden: In der Wüste (bereitet dem Herrn den Weg, auf dem Gefilde machet eine Bahn unserm Gotte)". Hieraus und aus Jesaias 42, 20: "Man predigt wohl viel, aber sie halten es nicht; man sagt ihnen genug, aber sie wollen es nicht hören" bildete man wohl das Wort:
Tauben Ohren predigen.—
Aus Jesaias 48, 4 "und deine Stirn ist ehern" ist entnommen:
Eherne Stirn,
oder, wie Lessing (1755 "Miss Sara Sampson" 2, 4) sagt:
Eiserne Stirn,
die er auch der "frons ferrea" der Angeberschar bei Plinius (Panegyricus, 35) verdanken kann.—
In der Vulgata lautet Jesaias 49, 20: ". . . Angustus est mihi locus, fac spatium mihi, ut habitem".—"Der Raum ist mir zu eng, mach' mir Platz, auf dass ich wohnen kann!" In seinem "Il poeta di teatro" (zuerst ersch. Lond. 1808) II, 14 "la rivoluzione teatrale", 2, singt Filippo Pananti da Mugello, wohl darauf anspielend:
E donde nascon le rivoluzioni?
Dai lumi dei filosofi? dal peso
Dell' ingiustizia, delle imposizioni?
So che questo si dice; anch' io l'ho inteso.
Ma tutto si riduce, al parer mio,
Al dire, esci di li, ci vo' star io.
Und woher kommen Revolutionen?
Von Philosophenlichtern? Von den Banden
Der Ungerechtigkeit, der Steuerfronen?
Ich weiss, so sagt man; und ich hab's verstanden.
Doch scheint mir alles drauf hinaus zu gehen,
Zu sagen: pack' dich fort, ich will hier stehen!
Giusti wiederholte fast buchstäblich die beiden letzten Verse in einem Sonett (1829) mit dem Zusatz: "come dice un poeta da Mugello" "wie's ein Poet Mugellos ausgedrückt". Wir aber citieren die Schlusssentenz in der französischen Fassung des Grafen Saint-Simon ("Catéchisme des industriels". Paris 1823, s. "Oeuvres" Paris 1875. Vol. VIII, p. 53):
ôte-toi de là, que je m'y mette!—
Ein Himmel, wie ein Sack
sagen wir nach Jesaias 50, 3: "Ich kleide den Himmel mit Dunkel und mache seine Decke als einen Sack".—
Wer geduldig, still und willig anderen nachgiebt, von dem sagen wir, nach Jesaias 53, 7 und Apostelg. 8, 32, er sei
wie ein Lamm.—
Wer da schweigt, wo er reden sollte, von dem sagen wir, er sei
Ein stummer Hund
nach Jesaias 56, 10: "Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts: stumme Hunde sind sie, die nicht strafen; sind faul, liegen und schlafen gerne".—
Kopfhänger und Kopfhängerei
bilden wir nach Jesaias 58, 5: "Sollte das ein Fasten sein, das ich erwählen soll, dass ein Mensch seinem Leibe des Tages über Leid thue oder seinen Kopf hänge wie ein Schilf . . .", aus Jeremias 48, 39: "Wie heulen sie! Wie schändlich hängen sie die Köpfe!" und aus Sirach 19, 23: "Derselbige Schalk kann den Kopf hängen und ernstlich sehen und ist doch eitel Betrug".—
Von Leuten, die Böses sinnen, sagen wir, dass sie
nach Jesaias 59, 5: "Sie brüten Basiliskeneier und wirken Spinnwebe. Isset man von ihren Eiern, so muss man sterben, zertritt man sie aber, so fährt eine Otter heraus", (vrgl. Plinius: "Basiliskenblick".)—
Nach Jeremias 4, 20 und 11, 16 reden wir von einem
Mordgeschrei,
nach Jeremias 12, 6 von
Zeter schreien,
und nach Amos 3, 9 und Judith 14, 16 von
Zetergeschrei,
woraus wir gebildet haben
Mord und Zeter schreien und Zeter Mordio.—
Das übliche Bild vom
Lockvogel
findet sich zuerst bei Jeremias 5, 27: "ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist"; und bei Sirach 11, 81: "Ein falsch Herz ist wie ein Lockvogel auf dem Kloben und lauert, wie er dich fangen möge", (vrgl. auch: Lockspitzel.)—
Jeremias 7, 11: "Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube?" citiert Matth. 21, 13 (vrgl. Luk. 19, 46) in der Form: "Mein Haus soll ein Bethaus heissen. Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht", und wir citieren danach ganz ungenau, wenn wir statt "aus jemandes Hause . . ." sagen:
Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen.—
Jeremias 12, 13 (vrgl. Sirach 11, 11) heisst es von den Gottlosen: "sie lassen es ihnen [= sich] sauer werden, aber sie werden es nicht geniessen", daher wir sagen:
Es sich oder Sich's sauer werden lassen.—
Auf Jeremias 13, 23: "Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein Parder seine Flecken?" beruht:
Mohrenwäsche, einen Mohren weiss waschen.
Die Griechen sagten sprichwörtlich: "Einen Aethiopier abreiben". (S. Aesop, Fab. 13 rec. v. Halm, Lucian "An den Ungebildeten", 28 und Zonaras 15, 4.)—
"Gnade und Barmherzigkeit" findet sich sehr oft in der Schrift; aber
ohne Gnade und Barmherzigkeit,
wie wir zu sagen pflegen, beruht wohl auf Jeremias 16, 5: ". . . ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, spricht der Herr, samt meiner Gnade und Barmherzigkeit", wobei dann noch vorschweben mag Psalm 56, 8: "Gott stosse solche Leute ohne alle Gnade hinunter" oder Psalm 59, 14: "Vertilge sie ohne alle Gnade" und 2 Macc. 5, 12: "Und hiess die Kriegsknechte erschlagen ohne alle Barmherzigkeit" oder Ebr. 10, 28: "Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muss sterben ohne Barmherzigkeit".—
Jeremias 26, 23 lesen wir, dass Jojakim des hingerichteten Uria "Leichnam unter dem
gemeinen Pöbel.
begraben" liess.—
Jeremias 31, 34 spricht der Herr: "ich will ihnen ihre Missethat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken", danach wir sagen:
vergeben und vergessen.—
Jeremias 32, 7-8 steht geschrieben: "Du hast das nächste Freundrecht dazu, . . . denn du hast Erbrecht dazu und du bist der Nächste". Daraus stammt das vielcitierte Lieblingswort der Frau Pastorin in Fritz Reuters "Ut mine Stromtid" (1862-64):
Ich bin die Nächste dazu.—
Jeremias 32, 34 steht:
versiegelt und verbrieft.—
Nach Jeremias 33, 8: "Er hält weder Treue noch Glauben" sagen wir:
Treue und Glauben halten.—
Jeremias 50, 43 (s. Hesekiel 30, 16) heisst es vom Könige zu Babel: "ihm wird so
angst und bange werden,
wie einer Frau . . . . . . .". Nach Sirach 4, 19 sagen wir:
angst und bange machen,
("bange und angst" steht 1. Maccab. 13, 2).—
Nach Jeremias 51, 6: "Fliehet aus Babel, damit ein jeglicher seine Seele errette . . .", 51, 9: "Wir heilen Babel, aber sie will nicht heil werden . .", 51, 24: "ich will Babel vergelten alle ihre Bosheit, die sie an Zion begangen . . ." 51, 25: "Siehe, ich will an Dich, du schädlicher Berg . . ." und nach anderen Bibelstellen dient
Babel
uns zur Bezeichnung einer sündhaften Grossstadt. Wer bildete danach das für Paris übliche Wort:
Seinebabel?—
Aus Jeremias 51, 39 (s. auch 57) entnehmen wir:
Den ewigen Schlaf schlafen,
denn es heisst dort: "Ich will sie . . . trunken machen, dass sie fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen, von dem sie nimmermehr aufwachen sollen, spricht der Herr".—
Nach "Klaglieder Jeremiae" bilden wir:
Jeremiade.—
Aus 2, 11 (vrgl. Baruch 2, 18) entnehmen wir:
sich die Augen ausweinen.—
2, 12 (vrgl. Apostelg. 5, 5 und 10; 12, 23) bringt uns die übliche Wendung für "sterben":
Den Geist aufgeben.—
3, 41: "Levemus corda nostra cum manibus ad Dominum in coelos" "Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel" scheint die Quelle des
Sursum corda! empor die Herzen!
zu sein, womit der katholische Priester die "Praefatio", den Lobgesang beginnt, welcher den "Canon missae", die Einsegnung des Brotes und Weines, einleitet. Die Gemeinde respondiert dann: "habemus ad Dominum" "wir haben sie zum Herrn (emporgerichtet)". Schon Cyprian, der Kirchenvater (3. Jahrh.), erwähnt diesen Brauch ("De dominica oratione" "Über das Gebet des Herrn", 31).—
Hesekiel 3, 19 (vrgl. 33, 9) lautet: "Wo du aber den Gottlosen warnest und er sich nicht bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wege: so wird er um seiner Sünde willen sterben; aber du hast eine Seele errettet". Daher rührt unser:
dixi et salvavi animam meam,
Ich habe gesprochen (d. h. gewarnt) und meine Seele gerettet (d. h. mein Gewissen beruhigt).—
Hesekiel 17, 21 steht:
In alle Winde zerstreut.—
Hesekiel 17, 24 u. 21, 26 (vrgl. Sprüche Sal. 29, 23; Xenophon "Anabasis" 6, 3; Luk. 14, 11 u. 18, 14) citieren wir mit Matth. 23, 12 in dieser Form:
Wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet.—
Hesekiel 33, 14. 16. 19; 45, 9 entnehmen wir:
Thun was recht und gut ist.—
Auf Nebucadnezars Traum im Daniel 2, 31-34 beruht das Wort:
Koloss mit oder auf thönernen Füssen.—
Für "Warnungsruf" sagen wir:
Mene Tekel
nach Daniel 5, 25. König Belsazer gab ein wüstes Mahl. Plötzlich sah er entsetzt an der hell bestrahlten Wand des Saales entlang sich Finger einer Menschenhand bewegen und die Worte verzeichnen: "Mene, Mene, Tekel, Upharsin". Daniel, zur Deutung dieser rätselhaften Ausdrücke herbeigerufen, las den Untergang des Reiches heraus. Der König starb in der folgenden Nacht. Die in Vers 27 enthaltene Verdolmetschung des Wortes "Tekel": "man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht gefunden", hat der deutschen Sprache die Wendung zugeführt:
In einer Wage gewogen und zu leicht befunden werden.—
Daniel 9, 27 (11, 31; 12, 11; 1. Maccab. 1, 57; Matth. 24, 15; Mark. 13, 14) bietet:
Gräuel der Verwüstung.—
Auf Hosea 8, 7 (vrgl. "ut sementem feceris, ita metes"): "Sie säen Wind und werden Ungewitter einernten", "ventum seminabunt, et turbinem metent" beruht:
Wer Wind säet, wird Sturm ernten.—
Joël 2, 13 steht: "Zerreisset eure Herzen und nicht eure Kleider" und Psalm 7, 2-3: "Hilf mir . . .; dass sie nicht, wie Löwen, meine Seele . . . zerreissen . . ." Hieraus entstand uns wohl das Wort
herzzerreissend.—
Nach Amos 5, 7 u. 24; 6, 12 reden wir von
Recht und Gerechtigkeit.—
Amos 5, 12 steht: ". . . ich weiss . . ., wie ihr die Gerechten dränget und
Blutgeld
nehmet und die Armen . . . unterdrücket". Auch werden Matth. 27, 6 mit diesem Wort die dreissig Silberlinge bezeichnet, für die Judas Jesum verriet.—
Nach Jona 4, 11 sprach der Herr: "Und mich sollte nicht jammern Ninive's, solcher grossen Stadt, in welcher sind mehr denn hundert und zwanzig tausend Menschen, die
Nicht wissen (Unterschied), was rechts oder links ist,
dazu auch viele Tiere?"—
Micha 7, 3 steht: "die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen Schaden zu thun, und drehen es, wie sie wollen", und Sirach 19, 22 heisst es vom "Schalk": er "kann die Sache drehen, wie er's haben will". Danach sagen wir:
Es oder Eine Sache drehen, wie man will.—
Zephanja 1, 11 heisst es: "Heulet, die ihr in der Mühle wohnet; denn das ganze
Krämervolk
ist dahin und alle, die Geld sammeln sind ausgerottet", woher wohl Adam Smith den Ausdruck
nation of shopkeepers>
nahm. Er sagt in seinem Werk "Wealth of Nation" (1775; II, 4; Kap. 7, Part. 3): "Einen grossen Staat gründen zu dem einzigen Zweck ein Volk von Kunden aufzuziehen, mag beim ersten Blick als ein nur für ein Krämervolk geeigneter Plan erscheinen". Und vor ihm, 1766, heisst es in einem Traktat des Dekans von Gloucester, Tucker: "Was von einem Krämer wahr ist, ist auch von einem krambesitzenden Volk wahr".—
Nach Haggai 2, 7 (vrgl. 2, 22 u. Ebr. 12, 26), wo der Herr verheisst, er werde "Himmel und Erde und das Meer und das Trockne bewegen", sagen wir:
Himmel und Erde in Bewegung setzen.—
Nach Sacharja 8, 23; Apost. 10, 28; 21, 39 und 22, 3 wird gesagt:
Ein jüdischer Mann.—
Das Maleachi 3, 16 und Matth. 23, 5 vorkommende Wort
Denkzettel
erklärt sich aus 4. Mos. 15, 38-39, wo der Herr durch Moses den Kindern Israel befiehlt, dass sie "Läpplein an den Fittigen ihrer Kleider" tragen, bei deren Anblick sie an alle Gebote denken sollen (vrgl. das ähnliche "Denkmahl" 5. Mos. 6, 8; 11, 18 und dazu Sprüche 3, 3; 7, 3).—
Aus dem Buche "Die Weisheit Salomons an die Tyrannen" 15, 12: "Sie halten auch das menschliche Leben für einen Scherz, und menschlichen Wandel für einen Jahrmarkt" . . entnehmen wir den
Jahrmarkt des Lebens.—
Im Buche Judith 6, 3 steht:
sterben und verderben.—
Tobias 2, 9 lesen wir: "Tobias aber fürchtete Gott mehr, denn den König" . ., danach uns Paulus in der Apostelgeschichte 5, 29 die Lehre giebt:
Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.—
Ein alter Reimspruch:
Was du nicht willst, das dir geschieht, Das thu' auch keinem andern nicht,
oder:
Was du nicht willst, das man dir thu', Das füg' auch keinem Andern zu,
ist die Umformung von Tobias 4, 16: "Was du nicht willst, das man dir thue, das thue einem Andern auch nicht", (vrgl. Matth. 7, 12 und Luk. 6, 31.) Man nimmt an, das Buch Tobiae stamme aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, und so könnte man diesen Spruch auch auf den Rabbi Hillel zurückführen, der von 70 vor bis 10 n. Chr. lebte. Nach dem Talmudtraktat Sabbath (fol. 31 a) hat nämlich dieser Synedrialvorsitzende und Mischnalehrer einst einem Heiden, der ins Judentum aufgenommen werden wollte, gesagt: "Was dir unlieb ist, füge deinem Nebenmenschen nicht zu; das ist das ganze Gesetz u. s. w." Wir citieren das Wort auch lateinisch nach Lampridius (51), welcher vom Kaiser Alexander Severus († 235 n. Chr.) berichtet: "Er rief öfter aus, was er von einigen Juden oder Christen gehört und behalten hatte:
Quod tibi fieri non vis, alteri ne feceris,
liess es, wenn er jemanden rügte, durch den Ausrufer ausrufen, und liebte diesen Spruch so, dass er ihn sowohl an seinen Palast wie auch an öffentliche Gebäude anschreiben liess". Doch hätte der Kaiser diese Weisheit auch von den Heiden erfahren können: denn schon im 4. Jahrh. v. Chr. sagte Isokrates (3, im Nikokles, 61) ἃ πάσχοντες ὑφ' ἑτέρων ὀργίζεσθε, ταῦτα τοῖς ἄλλοις μὴ ποιεῖτε (Worüber ihr zürnt, wenn ihr es von andern erleidet, das thut den andern nicht.) Der Spruch findet sich ferner im Seneka (ep. 94) und in der syrischen Redaktion des Buches "von den sieben weisen Meistern" (von Fr. Bäthgen, Lpz. 1879, S. 4), sowie in der arabischen Bearbeitung dieser Erzählung in "1001 Nacht". (Deutsche Ausgabe. Hagen-Habicht, B. 15, S. 117.) u. s. w.—
Ein guter Gesell
sagen wir nach Tobias 5, 6.—
"Der gute Engel
Jemandes sein" oder "Einem als solcher zur Seite stehen", ist aus Tobias 5, 29 (vrgl. 2. Makk. 15, 23) entlehnt, wo Tobias zur Frau seines Sohnes von diesem spricht: "Ich glaube, dass der gute Engel Gottes ihn geleite".—
Die Worte aus Tobias 6, 3:
O Herr, er will mich fressen!
wendet man im gewöhnlichen Leben an, um ein unverstecktes, unhöfliches Gähnen damit zu rügen. Weil man aber gähnt, wo es langweilig ist, so kritisiert man damit auch eine solche Gesellschaft, oder man sagt kurzweg:
Tobias sechs, Vers drei.—
Jesus Sirach 3, 11 steht:
"Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser,
aber der Mutter Fluch reisset sie nieder".—
3, 24 lesen wir:
(Und) was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz;
und nach 3, 27: "Denn wer sich gern in Gefahr giebt, der verdirbt darinnen" wird citiert:
Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um.—
Wider den Strom schwimmen
ist entnommen aus Sirach 4, 31: "Strebe nicht wider den Strom" (vrgl. Juvenal 4, 89: "nunquam direxerit brachia contra torrentem").—
Sirach 7, 15 (vrgl. Matth. 6, 7): . . . "wenn du betest, so mache nicht viele Worte" ist die Quelle der Redewendungen:
Viele Worte machen
und:
Nicht viele Worte machen.—
Sirach 7, 40 steht:
Was du thust, (so) bedenke das Ende.
Ist nach diesem Spruch der lateinische gemacht:
Quidquid agis, prudenter agas et respice finem,
Was du beginnest, beginne es klug und bedenke das Ende, der schon im Mittelalter (z. B. in den "Gesta Romanorum", c. 103) citiert wird? Andere mittelalterliche Schriften (Edélestand du Méril, Poésies inédites du moyen-âge, p. 162) berufen sich hinsichtlich dieses Ausspruches auf Aesop (Fab. 45, bei Halm; vrgl. 45b): ... τῶν ἀνθρώπων τοὺς φρονίμους δεῖ πρότερον τὰ τέλη τῶν πραγμάτων σκοπεῖν, εἶθ' οὕτως αὐτοῖς ἐπιχειρεῖν—"klugen Leuten ziemt es, zunächst das Ende eines Unternehmens ins Auge zu fassen, und es erst dann also ins Werk zu setzen". Ferner ist zu erinnern an V. 27 aus den pseudo-pythagoräischen "goldenen Sprüchen": βουλεύου δὲ πρὸ ἔργου, ὅπως μὴ μωρὰ πέληται—"Überlege vor der That, damit nichts Thörichtes daraus entstehe".
Hans Sachs erzählt in dem 1557 geschriebenen
"Mensch, was du thust, bedenk' das End,
Das wird die höchst' Weisheit genennt."
(I, 4), dass ein Philosoph aus Athen diese Weisheit für tausend Goldstücke zu Rom dem Kaiser Domitianus verkauft habe, und glaubt irrtümlich, diese Geschichte sei im Sueton zu finden. Im "Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 50 wird erzählt, dass der Tyrann Dionysius einst einen Philosophen unter den Kaufleuten sitzen sah und ihn fragte, was er zu verkaufen hätte. Er antwortete: "Weisheit" und bestimmte den Preis dafür auf 400 Gulden. Dionys bezahlte den Preis, und der Philosoph sagte ihm unsern Spruch her.—
Sirach 9, 24 steht:
Das Werk lobt den Meister.—
Auf Sirach 10, 12 "Heute König, morgen tot" beruht
Heute rot, morgen tot.—
Aus Sirach 11, 29 stellen wir um:
Du sollst niemand rühmen vor seinem Ende.
vrgl. auch: nemo ante mortem beatus.—
Aus Sirach 11, 34 citieren wir:
Nichts Gutes im Sinne haben.—
Sirach 13, 1 steht:
Wer Pech angreift, (der) besudelt sich (damit).—
Aus Sirach 18, 20: "Hilf dir zuvor selber, ehe du andere arzneiest" entsprang:
Arzt, hilf dir selber!
Lukas 4, 23 wird es schon als Sprichwort angeführt.—
Seine Worte auf der Goldwage wägen
stützt sich auf Sirach 21, 27: "Die unnützen Wäscher plaudern, das nichts zur Sache dienet; die Weisen aber wägen ihre Worte mit der Goldwage" und 28, 29: "Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest du nicht auch deine Worte auf der Goldwage?"
In einem Fragmente des Varro aus der Satire Περίπλους (Buch 2 περὶ φιλοσοφίας) kommt der Ausdruck in der Form "unum quodque verbum statera aeraria pendere" ebenfalls vor. (Ausg. v. Bücheler, No. 419.)—
Eine sitzen lassen
sagen wir nach Sirach 22, 4: "Eine vernünftige Tochter kriegt wohl einen Mann, aber eine ungerathene Tochter lässt man sitzen und sie bekümmert ihren Vater".—
Mit Bürger ("Die Weiber von Weinsberg" Strophe 6) reden wir von
Weiberlist
nach Sirach 25, 18: "Es ist keine List über Frauen List".—
Einem den Rücken bläuen
entnehmen wir aus Sirach 30, 12: "bläue ihm den Rücken, weil er noch klein ist, auf dass er nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde".—
Heute mir, morgen dir
stammt wohl aus Sirach 38, 23: "Gedenke an ihn wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war es an mir, heute ist es an dir".—
Früh aufstehen
für "gescheidt sein" sagen wir nach Sirach 39, 5, wo es von dem Gelehrten und Weisen heisst: "und denkt, wie er früh aufstehe, den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten".—
Nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten haben
citieren wir aus Sirach 41, 3: "O Tod, wie wohl thust du dem Dürftigen, 4: Der da schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt und nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten hat!"—
Sirach 41, 26 steht:
Gut machet Mut.—
Sirach 42, 4:
Rechtes Maß und Gewicht halten.—
Sirach 50, 24:
Nun danket alle Gott,
was als der Anfang eines 1644 verfassten Kirchenliedes von Martin Rinckhart (1585-1649) am bekanntesten ist.—
Nach Baruch 2, 25 sagen wir:
jämmerlich umkommen.—
1. Maccabäer 10, 18 und 11, 30 wird Jonathan, des Mathathias Sohn, in den Briefen der Könige Demetrius und Alexander
angeredet, womit jetzt scherzend die Nordamerikaner bezeichnet werden. Der bibelfeste Washington nämlich soll nach einem ergebnislosen Kriegsrat, auf seinen Freund Jonathan Trumbull, den Gouverneur von Connecticut zielend, ausgerufen haben: "da müssen wir Bruder Jonathan zu Rate ziehen", und diese Bezeichnung soll dann, sprichwörtlich geworden, auf die Nordamerikaner überhaupt angewandt worden sein. Oder meinte Washington jenen anderen Jonathan, den Sohn Sauls, der (s. oben 2. Sam. 1, 26) von seinem Freunde David "Bruder Jonathan" genannt wird?—
Es giebt Petschafte mit der Inschrift "1. Maccabäer 12, 18" weil daselbst steht:
Und bitten um Antwort.—
Aus 2. Maccabäer 3, 38 schöpfen wir das Wort:
Mit dem Leben davon kommen.—
2. Maccabäer 4, 11 heißt es vom Hohenpriester Jason: "die guten löblichen Sitten, von den alten Königen geordnet, that er gar ab . . .", daher wir sagen:
Eine löbliche Sitte.—
2. Maccabäer 7, 28 ist die Quelle des Wortes:
Aus Nichts hat Gott die Welt erschaffen;
denn es heisst da: "Siehe an Himmel und Erde, und alles, was darinnen ist: dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch so gemacht".—
Auf der Historie von der Susanne und Daniel beruht der Ausdruck