Fischotterjagd am Tschobeflusse.
Nach Schescheke zurückgekehrt, war es meine Absicht, hier meine Genesung abzuwarten und die Reise dann fortzusetzen. Mein Zustand verschlechterte sich indeß wieder, und da eben die ungesunde Zeit eingetreten war, rieth mir Sepopo sowohl als Westbeech, die Stadt und das Marutse-Reich zu verlassen, nach dem Süden zurückzukehren und meine Reise erst nach meiner vollständigen Genesung wieder aufzunehmen. Meine bisherigen Erfahrungen sagten mir aber, daß die Befolgung dieses Rathes einem Entsagen aller und jeder Hoffnung, in nächster Zeit das Ziel zu erreichen, gleichkam.
Der König, sowie mehrere mir befreundete Häuptlinge kamen um mich zu sehen und drückten ihr Bedauern aus, obgleich mich die meisten versicherten, daß sie meine Erkrankung vorhergesehen; jeder sprach die Ansicht aus, daß ich zu spät Schescheke verlassen hatte, der König beschuldigte mich, daß ich mit meinem Besuche der Victoriafälle des Zambesi die erste günstige Gelegenheit, Schescheke verlassen zu können, versäumt habe, seine Unterthanen jedoch gaben ihm die Schuld, indem er mich von October bis December zurückgehalten habe, und mir vielleicht selbst damals die Kähne nicht zur Verfügung gestellt hätte, wenn er nicht wiederholt von Moquai deshalb bestürmt worden wäre.
Da die von mir bewohnte und von Blockley in Westbeech’s Gehöfte erbaute Hütte nach meiner Abreise eine andere Bestimmung erhalten hatte, nahm mich Westbeech in seinem Waarenhause freundlichst auf. Mit dem Könige selbst ging es stark herab; ich erwähnte, daß während meines Aufenthaltes am Njambwe-Katarakt der geachtetste Mann im ganzen Reich an mir vorüber nach Schescheke fuhr, um den König zu begrüßen. Es war mir auch bekannt, daß ihn Sepopo wegen seines Ansehens und seiner Beliebtheit bei dem Volke tief haßte. Da sich kein Unterthan seines Reiches zu einem Meuchelmord am Barotse-Gouverneur hergegeben hätte, klagte er ihn und die mit ihm von der Barotse zugleich herabgekommenen Häuptlinge des Hochverrates an, doch ohne Erfolg, denn dieselben wurden sofort freigesprochen. Bei dieser Gelegenheit war Westbeech und John Mahura gegenwärtig; wie tief Sepopo in Macht und Ansehen gesunken war, mag daraus hervorgehen, daß er sich während der Verhandlung von Mahura einen Narren und den größten Verräther an seinem Lande nennen ließ.
Am 13. kam der König wieder zu Besuche, indem er mit seinem Hofstaate, sich an dem Mokoro-Tanze belustigend, in das Höfchen hineingelangt war. Er nannte mich seinen Mulekau, und während sich Inkambella und seine Freunde zu mir setzten, trat der König zu Westbeech; die Gesellschaft Inkambella’s war ihm unerträglich geworden.
Am 14. gegen Abend stellten sich bei mir solche Brustschmerzen und Beklemmungen ein, daß ich mich auf der Erde wand und mich meine vier Diener kaum zu halten im Stande waren. Erst nachdem mir Westbeech etwas Ipecacuanha gereicht hatte, und ich mich darauf zweimal erbrochen hatte, wurde das Athmen etwas freier. Später während meiner sechzehnmonatlichen Krankheit wiederholten sich diese Anfälle noch mehrmals, bei deren Bekämpfung mir das oben erwähnte Mittel stets gute Dienste leistete.
Masupia. Panda.
Am 17. berichtete man mir, daß mein zuerst engagirter, portugiesischer Führer Sykendu zu gleicher Zeit mit mir Schescheke verlassen und sich das Zambesi-Thal entlang nach der Barotse gewendet hatte. Unter den Schwarzen, die er mit nach dem Westen nahm, und die er bei den zwischen der Küste und dem Innern Central-Afrikas wohnenden Stämmen gegen Gummi und Elfenbein auszutauschen pflegte, befanden sich auch zwei Mädchen, die er unmittelbar vor seiner Reise gekauft hatte. Eines der Mädchen entzog sich der nach der Westküste ziehenden Sklaven-Carawane heimlich durch die Flucht, sie wurde jedoch wieder eingefangen, mit ihrer Genossin in Ketten gelegt und weiterbefördert.
In den letzten Wochen waren die zahlreichen Völker Sepopo’s durch Vertreter eines neuen Stammes vermehrt worden. Es waren Masarwa’s, welche aus dem östlichen und weltlichen Bamangwato-Lande entflohen, Schutz bei Sepopo suchten und hier als äußerst geschickte Elephantenjäger mit offenen Armen empfangen wurden und ein bedeutend besseres Los als bei ihren früheren Herren zu erwarten hatten. Bei meinem späteren Besuche in dem königlichen Gehöfte machte mich oft der König auf diese Flüchtlinge aufmerksam. »Sieh, Njaka, sieh da die Masarwa’s;« ein andermal. »Hier sitzen Khama’s Unterthanen« u. s. w. Am selben Tage ging es Abends während des Impotegelages in dem königlichen Höfchen recht lebendig zu. Ein Mambari, der von Sekeletu, dem letzten Makololoherrscher zum Sklaven gemacht worden war, beklagte sich darüber, daß er nicht, gleich den anderen, frei gegeben wurde und begann einen Streit mit den Marutse, der in Tätlichkeiten auszuarten drohte.
Ich konnte mich noch immer nicht vom Lager erheben, den ganzen Tag mir allein überlassen, hatte ich Muße genug, über meinen Zustand nachzudenken und über das harte Walten des Geschickes zu klagen. Durch Boten, die von dem Panda ma Tenka-Flüßchen zum Tschobe gesendet wurden, sowie durch Masupia’s vom genannten Flusse erfuhren wir, daß meine englischen Freunde McLaud, Fairly, Cowley, Dorehill, ihre sämmtlichen Diener, sowie mein Diener Pit in Panda ma Tenka am Fieber schwer erkrankt waren.
Erst am 19. hatte sich mein Zustand so weit gebessert, daß ich mit Hilfe meiner Diener einen Gang durch das Gras um unser Gehöfte machen konnte. Um uns unseren Aufenthalt in Schescheke recht zu verleiden, gesellten sich zu den schon bestehenden Unannehmlichkeiten noch die Mosquitos, welche am Zambesi und am Zugariver eine wahre Landplage sind. Der Abend und die Nacht sind die Zeiten, zu denen diese kleinen blutdürstigen Insecten ihre wüthenden Angriffe auf Mensch und Thier unternehmen, selbst Wolldecken schützen vor den langen spitzen Saugrüsseln der Schnacken nicht. Das einzige Mittel, das uns einigermaßen gegen ihre Angriffe Schutz gewährte, bestand darin, daß wir von den Dienern drei bis vier Kuhdüngerhaufen in unserer Hütte anzünden ließen.
Den folgenden Tag begaben sich Walsh und Westbeech auf die Sporngansjagd und versahen unsere Küche mit frischem Fleischvorrath. Leider erlaubte es mein Zustand nicht, mich selbst an einer solchen Jagd zu betheiligen. Die Sporngänse wie die meisten Entenarten halten sich um diese Zeit des Jahres auf den freien Stellen in den Sümpfen auf, und man nähert sich ihnen mit Kähnen, indem man ihrem Gekaker folgend, durch das hohe Schilfrohr streichen muß. Am erfolgreichsten ist die Jagd bei mäßigem Winde, wobei das Sausen des Schilfes das durch das Boot verursachte Geräusch deckt. Als der König von den Jagderfolgen meines Freundes gehört hatte, kaufte er ihm eine größere Menge Schrot ab und sandte einige seiner Günstlinge auf die Jagd aus, und als ich einige Tage später beim Könige zu Besuche war, wurden einige der erbeuteten Gänse zum Frühstück servirt; aus der Zubereitung derselben konnte ich entnehmen, daß die Marutse gewohnt sind, ähnliches Wild zu erbeuten und zuzubereiten. Speisen in fester Form werden mit den Fingern, halbflüssige mit Holzlöffeln zum Munde geführt und die Mahlzeiten gewöhnlich in sitzender Stellung auf Stroh und Binsenmatten, sei es im Wohnhause oder vor dem Eingange desselben, eingenommen.
Zum königlichen Frühmahle werden stets einige seiner Frauen (Königinnen) und Kinder geladen, die sich gegen Sonnenaufgang (Osten) niederlassen, Fremde (Weiße) erhalten dieselbe Richtung angewiesen, während sie Abends zur Linken des Herrschers zu sitzen kommen. Die eingeladenen Würdenträger, wenn sie zufällig hinzukommen, lassen sich bei den im Hause eingenommenen Mahlzeiten zur Rechten vom Eingange und vom König, bei den im Freien eingenommenen zu seiner Linken und auf bloßer Erde nieder. Bei den Früh-Mahlzeiten im Hause gruppirte sich das stets zahlreich vertretene Volk um den Eingang des Hauses, bei den letzteren um den König, seine Gäste und die Gouverneure in einem Halbzirkel gegen den Hofeingang, so zwar, daß zwischen dem Könige und dem halbkreisförmigen Knäuel eine Stelle offen blieb, die von den das Mahl auftischenden Dienern, beim Mahlschluß von dem königlichen Mundschenk eingenommen wurde. Der König und der Hausherr überhaupt, wenn es ein höherer Würdenträger ist, sucht sich das beste Stück aus, er reicht sodann das Gericht der Lieblingsfrau und den anderen Königinnen, hierauf erst dem weißen Gaste (sind zwei anwesend, so müssen sie sich mit einem Gefäße behelfen) und zuletzt einem oder zweien der Würdenträger. Sind jedoch die Frauen nicht gegenwärtig, so erhalten die Würdenträger oder der Mundschenk die ersten Bissen.
Nach dem Frühstück wird Kafirkornbier genossen, gewöhnlich ein, beim Könige zwei bis drei riesige Töpfe voll. Das Bier wird aus langgestielten Kürbißlöffeln getrunken. Beim Könige wird außerdem noch Honigbier nach dem Frühstück, beim Nachtmahle ein bis drei wohlgefüllte Kalebassen desselben aufgetragen. Für das kredenzen derselben ist stets ein Mundschenk bestimmt, der zuerst das Getränk verkosten muß, bevor er es dem König reicht. Der König leert das erste Gefäß, nippt vom zweiten, um es einer der Frauen oder einem seiner kleinen Kinder zu reichen; dann thut er ein Gleiches dem weißen Besucher gegenüber. Vom Honigbier bekamen nur seine besonderen Günstlinge zu verkosten, meist Menschen, deren Dienst er den Tag über in Anspruch nahm oder es für den nächsten Tag beabsichtigt.
Da der Honig Krongut ist, wird das Honigbier nur in der königlichen Familie öffentlich, sonst nur im Geheimen getrunken, es wird, wie ich schon erwähnte, nicht aus reinem Honig, sondern aus den mit Wasser übergossenen und an einer der Sonne ausgesetzten Stelle acht bis zwölf Stunden in einer Kalebasse belassenen Honigwaben und dem unreinen Honig bereitet.
Am 24. wagte ich einen längeren Ausgang durch die Stadt, ich ging, wie ich es später zu meiner Hauptbeschäftigung in Schescheke machte, um gegen die nun leider nicht mehr benöthigten Ausrüstungs-Utensilien von den verschiedenen Schescheke bewohnenden Stämmen ethnographische Objekte einzutauschen. Unter den gesammelten Pflanzen fand ich ein Drittel mir schon bekannter Arten vor, zwei Dritttheile waren mir neu, von welchen wieder ein großer Theil vom unmittelbaren Ufer des Zambesi aus dem Zambesi-Hochlande herrührte.[14]
Die uns durch die Mosquitos bereiteten schlaflosen Abende benützte ich, um von Westbeech Näheres über die als Unterthanen der Matabele am Majtengwe wohnenden westlichen Südzambesi-Makalakas zu erfahren, die ich persönlich während meiner verschiedenen Besuche in Schoschong sowie durch die Berichte meines Freundes Mackenzie kennen gelernt hatte.
Am 25. fühlte sich der König derart unwohl, daß er den Weißen den Eintritt in sein Gehöft bis auf Weiteres verbot; es war das unstreitig das Werk Sykendu’s, dem es darum zu thun war, dem gesunkenen Handel seiner Partei wieder aufzuhelfen und die weißen Männer aus dem Süden möglichst zu verschwärzen und ihnen die Gunst Sepopo’s zu entziehen.
Täglich brachten uns die Fischer Sepopo’s Fische zum Kaufe. Die im Marutse-Reiche übliche Fischerei theile ich in Fisch- und Wasserreptilien-Fang ein. Im Fange gewisser Wasserreptilien haben einige, im Fischfange die sämmtlichen am Zambesi vom Kabompo bis weit über die Victoria-Katarakte östlich wohnenden Stämme eine ungewöhnliche Fertigkeit, sie übertreffen in dieser Hinsicht manche der Küstenbewohner (Eingeborne) und jene am N’gami-See, welche keine schlechten Fischer zu nennen sind. Nicht minder meisterhaft betreiben gewisse Stämme im Reiche, wie die Marutse und Mamboë’s den Fang der beiden großen Wasserreptilien, des Wasserleguans und des Krokodils. Die Fischerei verschafft den Bewohnern des Reiches einen nicht unbedeutenden Theil der Lebensbedürfnisse; die Fische, welche regelmäßige Steuer- und Tributabgaben bilden, sind auch Handelsartikel. Der Fischfang wird auf fünffache Art betrieben: 1. in Netzen, 2. in Reusen, 3. in niedrigen kleinen Dämmen, 4. durch Absperren kleinerer Lagunen mit weitmaschigen Rohrmatten und 5. mit Speeren. Von den fünf verschiedenen Fangweisen der Fische im Marutse-Reiche ist der Fang mit Netzen am großartigsten und reichlichst lohnend. Die Marutse arbeiten sehr gute, weite und engmaschige, mit Schwimmpflöckchen und Beschwermitteln versehene, fünfzehn bis fünfundzwanzig Meter breite Netze aus Bastfäden, die zu Federspul- und kleinfingerdicken Schnüren gedreht sind. Die Netze entsprechen ihrem Zwecke vollkommen, halten sich auch länger als man denken würde. Nach beendeten Fischzügen werden sie sorgsam gereinigt und getrocknet. Die Netze werden meist zum Fischen in den breiten und längeren Lagunen benützt, namentlich in solchen, die kein morastig-schilfiges Ufer haben. Die Mamboë, Marutse und Masupia sind als die besten Fischer im Reiche bekannt. Dieselben sind in Colonien längs dem Flusse angesiedelt, und bewohnen hier theils stabile, theils periodische Niederlassungen.
Die zweite Fangweise ist die in Reusen; diese wird zur Zeit des niedrigsten und des höchsten Wasserstandes, im letzteren Falle oft combinirt mit der dritten Fangweise, versucht. Im ersteren Falle stets an den Stromschnellen, wo die Wassermenge des Flusses durch zahlreiche Inseln getheilt, kleine, zwischen zwei Felsenblöcke eingeengte Strömchen bildet. Die Reusen sind auffallend schmal, etwa 1½ Meter lang, mit dreißig bis vierzig Zentimeter Querdurchmesser und in der Form unseren Reusen ähnlich. Sie sind aus starkem Rohr gearbeitet und werden dem Strome mit ihren Mündungen entgegengehalten.
Die dritte Fangart besteht in der Errichtung niedriger, aus dem durchweichten Boden der überschwemmten ebenen Partien der Thäler aufgeführter Ringdämme. Diese werden mit dem ersten Sinken des Flusses errichtet, welches so rasch erfolgt, daß man mit Leichtigkeit sich der Fische innerhalb der Dämme bemächtigen kann. Ich fand ähnliche Dammüberreste an ebenen Stellen in der Nachbarschaft der Dörfer und Städte. Der Inquisi wird in dieser Weise häufig erbeutet. Das trübe Wasser erleichtert das Gelingen des Fanges.
Die vierte Fangweise besteht im Absperren der Mündungen kleiner drei bis zehn Meter breiter, minder dicht oder gar nicht beschilfter Lagunen mit weitmaschigen, aus starkem Rohr gearbeiteten Matten. Diese Fangweise wird in den Monaten Mai, Juni, Juli und August zur Zeit des Sinkens des Wassers in der Regel mit gutem Erfolge angewendet. In ähnlicher Weise werden in den Fluß einmündende Regenmulden abgesperrt. Die fünfte Fangweise ist nächst dem Netzfang die anziehendste und beweist die große Geschicklichkeit, mit welcher die Zambesi-Bewohner die leichteren Wurf- und Stoßspeere zu handhaben wissen. Nebst den Fischen werden auch Leguane gespeert, als Speere bedient man sich einer Waffe, die zwischen einem Fischotter- und einem Fischassagai die Mitte hält. Die Scheide ist nur acht bis zehn Zentimeter lang, zierlich gearbeitet und vertritt die nagelförmige runde Spitze der letztgenannten Waffe, so, daß der übrige Theil vierkantig und fingerdick ist. Die vier Kanten sind von vier Reihen gekrümmter Widerhaken gebildet.
Der Unmuth Sepopo’s über seine Krankheit mehrte sich von Tag zu Tag, er wurde mißtrauisch, denn auch diesmal erblickte er in seiner Krankheit den Einfluß eines bösen Zaubers eines seiner Unterthanen und suchte durch eine Reihe von Hinrichtungen diesen Bann zu brechen. Die Stimmung Sepopo’s kam Vielen sehr gelegen, sie konnten sich nun auf die leichteste Weise ihrer Gegner oder Nebenbuhler entledigen, indem sie dieselben einfach des Hochverrates anklagten.
Da sich der Zustand Sepopo’s nicht besserte, ließ er am 27. Sykendu rufen und drohte, ihn hinrichten zu lassen, wenn nicht rasch eine günstige Aenderung eintreten würde. Sykendu versprach ihm rasche Hilfe, jedoch nur unter der Bedingung, daß Sepopo ihm ein schönes Makololo- oder Masupia-Weib übergebe. Der König, welcher bisher das wiederholt ausgesprochene Verlangen des Mambari unberücksichtigt ließ, erfüllte es nunmehr.
Am 30. besuchte mich der Häuptling Rattau; ich lenkte das Gespräch auf meine zukünftige Reise und er erzählte mir von einem Araber, welcher diese Reise einst unternommen hatte. Als ich nun Westbeech darüber befragte, berichtete mir dieser eine Episode, die ebenso abenteuerlich wie interessant genannt werden muß und die Zähigkeit des Arabers erkennen läßt. Ein Araber, der im Dienste des Sultans von Zanzibar stand, schiffte sich mit einem der englischen Dampfschiffe nach Capstadt ein. Hier lebte er eine Zeit lang unter den Malayen und als er von einem Weißen, den er darum befragt hatte, über die Richtung belehrt wurde, in der seine Heimat lag, nahm er sich vor, dahin zu wandern. Man bewilligte ihm die Ueberfahrt nach Port Elizabeth, von wo er sich nach den Diamantenfeldern wandte. Von hier wieder die Richtung nach Norden einschlagend, gelangte er mit dem Wagen eines Händlers bis Kuruman, und bei der ersten Gelegenheit, die sich ihm darbot, nach dem Marico-District, von da kam er irriger Weise wieder nach Kuruman zurück, um schon in kurzer Zeit darauf nach dem Marico-District zurückzukehren. Von Zeerust reiste er auf einem zufällig mit Lebensmitteln nach Schoschong fahrenden Wagen nach dem Lande der östlichen Bamangwato, woselbst er sich eine Zeit lang aufhielt, ohne jedoch das Anerbieten der Schoschonger Kaufleute, sich bei ihnen zu verdingen, anzunehmen.
Das Speeren der Fische.
In ein dürftiges Gewand gehüllt, mit getrocknetem Fleisch und einem Kiri versehen, trat er, nachdem er sich den Weg nach Norden hatte beschreiben lassen, seine Weiterreise an. So kam er bis zum Nataflusse, hier fanden ihn Seschele’s Leute (welche von einem Jagdzuge zurückkehrten) in halbverhungertem Zustande, trugen ihm ihre Hilfe an und forderten ihn auf, mit ihnen nach dem Süden zurückzukehren. Er schlug jedoch ihr Anerbieten aus und zog weiter. In Folge Wassermangels wich er jedoch vom Wege ab, schlug eine östliche Richtung ein und irrte drei Tage lang umher, schlief in der Nacht auf Bäumen, bis er zuletzt unter einem derselben in bewußtlosem Zustande liegen blieb. Hier fanden ihn Matabele, nährten ihn bis er wieder zu Kräften kam und brachten ihn hierauf zu ihrem Könige La Bengula nach Gubuluwajo, woselbst er einige Zeit verweilte. Als er von Westbeech’s erstem Zuge zu Sepopo hörte, folgte er diesem, nachdem ihm der Matabele-König eine Strecke weit Führer mitgegeben. So kam er abermals zum Nataflusse, an dem er den Wagen des holländischen Jägers van Groonen antraf, jedoch ohne Aufenthalt weiter nach dem Zambesi zog. Jenseits des Saddler’schen Tümpels begegneten und berichteten ihm Westbeech’s Diener, daß der letztere am Tschobe weile. In Folge Wassermangels verließ er neuerdings seinen Pfad und traf einen Haufen Masarwa’s, die einen Kudu und ein Zebra erlegt hatten; von ihnen erhielt er Antilopenfleisch und ließ sich zu Westbeech führen. Dieser war nicht wenig erstaunt, diesen kaum bekleideten, und über und über von dem dornenvollen Wege mit Wunden bedeckten Menschen vor sich zu sehen. Am 9. September 1871 verließ der Araber Impalera, um sich mit Sepopo’s Leuten nach der Barotse, wo der König damals wohnte, einzuschiffen. Fünf Monate lang blieb er bei Sepopo, bis er sich erholt hatte; als er sich auf die Weiterreise begab, wurde er von einem Stamme, der weiter ab wohnte, wieder zu Sepopo zurückgebracht, verblieb hier einige Zeit und trat neuerdings seine Reise weiter nach Norden an. Man erfuhr nur noch, daß er nach einer der nördlichen Provinzen des Landes, nach dem Mankoë-Lande gelangt war und dann verschollen blieb.
Gang durch Schescheke.
Am letzten Tage des Jahres 1875 brachten uns Masupia’s von Panda ma Tenka die traurige Nachricht, daß Cowley, der Begleiter der beiden englischen Officiere, welche zu Sepopo der Elephantenjagd halber gekommen waren, dem Fieber erleben sei, ferner daß die beiden Officiere in einem trostlosen Zustande von den Victoriafällen von ihren Dienern zurückgetragen wurden.
Am 2. Jänner 1876 erkrankte Westbeech an einer Entzündung der Kniehöhle, nachdem ihm seine Mittel nicht die gewünschte Linderung brachten, untersuchte ich die erkrankten Stellen und fand, daß beiderseits die Kniehöhle von zahllosen weißen Blasen bedeckt sei. Ich öffnete einige derselben und fand zu meinem Erstaunen, daß sie mit feinen äußerst scharf bewollten Pflanzenhärchen eines binsenartigen Grases gefüllt waren. Zu dem Könige, den ich seit meiner Rückkehr noch nicht besucht hatte, war in der letzten Zeit außer Sykendu, drei seiner Frauen und seinen Günstlingen Niemand zugelassen worden.[15]
Westbeech und auch die mich besuchenden Häuptlinge riethen mir meiner Gesundheit halber so bald als möglich Schescheke zu verlassen. So entschloß ich mich zur Rückkehr nach Panda ma Tenka. Jene Tage, an welchen mich mein Zustand ans Lager oder in der Hütte fesselten, benützte ich, um von den mich besuchenden Häuptlingen Erkundigungen über das sociale Leben im Marutse-Reiche einzuziehen. Ich gebe in Folgendem die Berichte derselben in der Hauptsache wieder.
Die wirklichen Unterthanen werden als Sklaven angesehen, wenn sie einem anderen Stamme als den der Marutse und Mabunda angehören und nicht vom Herrscher frei erklärt wurden. Die Marutse sind allgemein frei von Sklavendiensten, allein sie können nach begangenen Missethaten oder wenn sie des Königs Ungunst erregen und deshalb angeklagt und verurtheilt wurden, zu Sklavendiensten verhalten werden. Erhielt oder nahm ein Sklave eines anderen Stammes eine Marutse-Frau zur Gemahlin, so werden die Kinder, wenn der Vater nicht später frei erklärt wurde, als Sklaven angesehen und gehören demjenigen an, in dessen Leibeigenschaft der Vater stand. Der Preis für einen ausgewachsenen Sclaven belief sich in Schescheke auf ein Boot, eine Kuh oder zwei Baumwolldecken; im westlichen Theile des Reiches ist der Preis noch niedriger, in den nördlichen Partien wie am oberen Kaschteja-Flusse sind sie sogar für einige Glasperlenschnüre feil. Im Marutse-Reiche finden keine öffentlichen Sklavenmärkte statt, trotzdem können aber viele Sklaven in einem einzigen Dorfe erstanden werden. Leider sind es meist die Mambari, die so manchen Sklaven kaufen und verkaufen und damit gewiß den unwissenden Schwarzen kein gutes Beispiel geben. Diese Händler, die gleich mit ihren Gebetbüchern zur Hand sind, um sich vor Jeden, den sie als schreib- und lesekundig wähnen, als Christen zu bekennen, haben in Wirklichkeit nichts von christlicher Liebe und tragen nur Verwirrung statt Belehrung und Civilisation in die vom Aberglauben befangenen Gemüther der Völker am oberen und centralen Zambesi.
Ist ein Mann nicht gerade Leibsklave, so kann er, mit Erlaubniß seines Herrn, mehrere Frauen nehmen. Freie Frauen, die nicht wie Sklavinnen einfach als Geschenk gegeben oder verkauft werden, sind in ihrer Wahl frei. Schon die Vorliebe für weibliche Herrscher setzt eine größere Achtung für das weibliche Geschlecht voraus, größer, als wir sie bei den Betschuana’s finden, bei welchen sie Dienerinnen und Arbeiter, bei den Masarwa’s, bei denen sie Lastthiere sind und bei der Zulu-Race, bei welchen sie als Sklaven betrachtet und behandelt werden. Verschenkt der Regent oder ein Angesehener eine Frau, so geschieht dies meist als Gegengeschenk oder als Gunstbezeugung. Am 10. kam von Panda ma Tenka die höchst betrübende Nachricht, daß Westbeech’s Gehilfe Bauren dem Fieber erlegen sei. Am 11. erschien der Kommandant Capella in unserem Höfchen und brachte die Nachricht, daß der König sechs Kähne dem Elfenbeinhändler zur Verfügung gestellt habe, um sein Elfenbein nach Impalera zu schaffen. Der Letztere erklärte jedoch, er brauche zweimal so viel und könne jetzt noch nicht abgehen. Ich jedoch benützte diese Gelegenheit, um meine Sachen zu packen und die Rückreise anzutreten. Westbeech versprach, sich noch am selben Tage von Sepopo mehrere Kähne zu erbitten und mich drei Tage später einzuholen. Ich verließ mich darauf, traf keine Vorsorge, mir Nahrungsmittel zu verschaffen — nicht ahnend, daß durch Sepopo’s Hinterlist aus den drei Tagen fünf Wochen wurden, und ich noch die traurigste Zeit auf dieser dritten Reise erleben sollte. Im folgenden Capitel will ich Handel und Wandel, Sitten und Gebräuche der Stämme des weitläufigen Reiches schildern, hier sei es mir erlaubt, vor dem Scheiden von Schescheke noch einiger Charakterzüge der bedeutendsten das Marutse-Reich bewohnenden Stämme zu gedenken.
Kein Stamm des Marutse-Mabunda-Reiches ist so tapfer und muthig wie die südlich vom Zambesi wohnenden Zulu’s und Amaswazie’s. Von den Matabele findet sich eine Kolonie in der Barotse, während unter den übrigen zahlreichen Stämmen die Mamboë und Masupia zu den muthigsten zu rechnen sind. Mit Rücksicht auf Muth den wilden Thieren gegenüber sind die Masupia-Elephantenjäger unerschrocken, doch keiner der Stämme besitzt so tüchtige Löwenjäger wie es die Matabele sind. Nur in der Jagd des Nilpferdes und des Krokodils werden diese von einem der Zambesi-Stämme, den Mamboë’s übertroffen. Zu Trägern und schweren Arbeiten eignen sich die Mabunda und Mankoè. Die letzteren sind unstreitig der schönste und kräftigste Menschenschlag im vereinigten Königreiche. Als die feigsten werden die Manansa angesehen, ich selbst lernte sie nur als bewährte, keineswegs feige Diener kennen. Stolz ist unter den Eingebornen meist mit Muth gepaart, deshalb erreicht er bei den Matabele einen hohen Grad, während die Stämme des Marutse-Mambunda-Reiches ihn kaum kennen. Zwar lassen die Marutse es den übrigen Völkern deutlich und öfter fühlen, daß sie der herrschende Stamm seien, allein von eigentlichem Stolz und einem auf selbstbewußter Kraft und Machtstellung beruhenden Dünkel, wie ihn die Matabele und Zulu’s zur Schau tragen, bemerkt man hier zu Lande nichts, selbst die in der Barotse angesiedelten Matabele sind durch ihre friedliche Umgebung nach und nach zahme Löwen geworden. Deshalb ist auch das Verhältniß zwischen Herr und Sclave ein ziemlich befreundetes, ein viel freundlicheres, als bei allen südlich vom Zambesi wohnenden, Vasallen und Sklaven haltenden Stämmen. Bescheiden erscheinen namentlich die Mamboë und alle nördlich des Zambesi wohnenden Stämme, welche selten den Marutse-Hof besuchen. Im Allgemeinen ist die Bescheidenheit von Seite der Unterthanen den Kosana’s und Koschi’s und dem königlichen Hofe gegenüber eine an tiefste Unterwürfigkeit grenzende; wenn sich die Bewohner des Tschobe-Striches, ferner die Batoka, Matonga am Zambesi und die in und um Schescheke lebenden Marutse und Mabunda den Weißen gegenüber oft sehr arrogant betragen, so trägt wohl meist das Benehmen der Weißen selbst die Schuld daran. Diese Arroganz kann jedoch nicht als Stolz bezeichnet werden; denn ich beobachtete nur zu oft, daß ein dem anmaßenden Dünkel und der Frechheit entsprechendes scharfes, strenges Auftreten die Eingebornen einschüchterte.
Wie blind und treu die Untertanen gehorchen, zeigt das Verhältniß zu Sepopo. Was die Treue der Sklaven zu ihrem Gebieter betrifft, ist diese meist eine lobenswerthe, dafür kann man weniger von ehelicher Treue und Liebe sprechen. Ich bemerkte wohl, daß oft Zuneigung zur Ehe führte, diese aber in seltenen Fällen als bindend betrachtet wird, wofür schon das Mulekau-Unwesen spricht. Dasselbe ist ein Krebsschaden des ganzen Volkes, es zerstört jedes Eheglück und wirkt schon auf die heranwachsende Jugend so verderblich, daß diese sehr wenig von wirklicher Zuneigung in’s eheliche Leben hinüberbringt. Das Mulekauthum scheint namentlich den südwestlichen und westlichen Stämmen eigen gewesen zu sein, sich aber nach und nach über das ganze Reich ausgebreitet zu haben.
Was die elterliche und kindliche Zuneigung anbelangt, so beobachtete ich in der Regel blos die erstere, ja ich fand die Eltern oft sehr liebevoll und zärtlich schon herangewachsenen Sprossen gegenüber, allein in der Regel wird diese von den Kindern schlecht belohnt, wenn die Eltern altersschwach und gebrechlich werden. So wie ich die Stämme des Marutse-Mabunda-Reiches kennen lernte, würde ich es dem Reisenden nicht rathen, den ihm vom Könige mitgegebenen Dienern blindlings zu vertrauen. Der Reisende muß einen Chef oder einen sonst angesehenen Mann als Führer fordern, einen, der mit dem Kiri den Trägern und Bootsleuten gebietet, wenn sich diese widerspenstig zeigen, er muß schon im Vorhinein die gegenseitigen Pflichten und Rechte vom Könige genau feststellen lassen. Der Reisende darf nicht zu freigebig sein und die verschiedenen Stämme so behandeln, wie es ihre geistige Entwicklung und ihr Charakter erheischt. Güte hilft bei den Manansa und Mamboë, ein gemessenes etwas mehr zurückhaltendes Betragen bei den Marutse, Mankoë; unablässige Vorsicht ist den Masupia, Mabunda und Matonga gegenüber geboten. Ein ernstes, ich möchte sagen jedes Lächeln bannendes Benehmen muß man den Matabele zeigen, und vor den Makalaka’s Alles nagelfest halten. Den Herrscher behandle man mit großer Freundlichkeit und suche es geheim zu halten, wenn man sich mit ihm entzweit. Hilft Güte allein nicht und stellt der Regent immer unverschämtere Forderungen, so muß man sich ernst, gemessen und furchtlos zeigen und sich nicht zu übereilten, gewaltthätigen Schritten hinreißen lassen. Tapferkeit und Muth sind, wie schon erwähnt, nicht die Zierden der obgenannten Stämme, und darum ist ein entschlossenes, furchtloses Auftreten das beste Mittel, sich den Rückzug zu sichern, wenn man an weiteres Vordringen oder an die Verwirklichung anderweitiger Pläne nicht mehr denken kann.
Die Menschenopfer zu Zauberzwecken, die Art und Weise des Tödtens der Hausthiere, der Gebrauch der mit Widerhaken versehenen Wildassagaie etc. zeigen deutlich, daß der thierische Raub- und Vernichtungssinn eine der größten Schwächen der obgenannten Völker bilden. Haß und Falschheit sind äußerst selten, ich möchte nur die Makalaka’s der letzteren Untugend beschuldigen. Dankbarkeit den Weißen gegenüber ist unstreitig allen Stämmen eigen und in um so höheren Grade, je einfacher ihre Lebensweise und je weiter nach Norden, Nordosten oder Nordwesten dieselben von den Victoria-Katarakten und der Tschobe-Mündung wohnen. Eitelkeit besitzen alle wilden Stämme; derselben zu fröhnen, haben im Allgemeinen die Völker des Marutse-Mabunda-Reiches mehr Geschick und Sinn, als die meisten der südlich vom Zambesi wohnenden eingebornen Stämme. In moralischer Beziehung stehen sämmtliche Stämme des Reiches tief, doch ist diese Schattenseite ein Produkt des Urzustandes und nicht erworben, wie bei einigen Stämmen der Hottentotten-Race. Ich glaube, daß ein gutes Beispiel, Bekehrung, ein von den Weißen auf den Herrscher sanft ausgeübter Druck schon nach zwei Jahren eine äußerst befriedigende Umgestaltung bezwecken könnte. Es gehört jedoch dazu ein ernsteres Auftreten von Seite der Weißen und ein Mann als Herrscher, der mehr Ehrenhaftigkeit besitzen müßte, als ich es an Sepopo beobachtet habe. Erstlich müßten die Fremden das Anerbieten der Mulekau-Ehre zurückweisen. Sie gewinnen nicht allein mehr Achtung, sondern zeigen auch dadurch, daß solche Sitte in dem Lande der Weißen nicht allein ungebräuchlich, sondern auch verdammt ist.
Das System, nach welchen sich der König seine Gemahlinnen nimmt, indem er sie in der Regel gegen ihren Willen raubt, und deren sich dann viele, trotz aller Androhungen des Todes, der Untreue schuldig machen, muß auch erst gebrochen werden, bevor eine merkliche Besserung der Sitten im Gesammtreiche erzielt werden könnte. Die Frauen betrachten ohnehin die ehelichen Bande als sehr lose, selbst da, wo sie sich den Mann frei gewählt haben. Das Beispiel der Königinnen, die sich der Untreue schuldig gemacht, trägt sicherlich nicht dazu bei, der allgemeinen Unsittlichkeit zu steuern, und dies umsoweniger, als Sepopo selbst jeden ihm zu Gehör gekommenen Fall der Oeffentlichkeit preisgab.
Daß die wenigen Weißen und Eingebornen, die von Süden her das Marutse-Mabunda-Reich besuchen, schon einen gewissen indirekten Einfluß auf die Stämme des Zambesi ausgeübt haben, erhellt daraus, daß sich die Stämme schon, wenn auch noch sehr primitiv, bekleiden, während die nördlichen Nachbarn des Reiches, die Maschukulumbe, vollkommen nackt einhergehen.
Religiöse Vorstellungen. — Lebensweise der Völker. — Ackerbau. — Erträgniß desselben. — Preis der Feldfrüchte. — Consum. — Kleidung der Männer und Frauen. — Die Stellung der Frau im Marutse-Reiche. — Erziehung der Kinder. — Ehe. — Todtenbestattung. — Grabdenkmäler. — Das Reisen im Lande. — Die Rechtspflege im Reiche. — Eine Hinrichtung. — Die Doctoren Sepopo’s. — Aberglauben. — Zaubermittel. — Menschenopfer. — Industrie-Erzeugnisse der Marutse. — Thongefäße. — Holzarbeiten. — Calebassen. — Flechtarbeiten. — Schneide-Werkzeuge. — Jagd- und Kriegswaffen. — Textil-Industrie. — Canoebau. — Tabakspfeifen und Schnupftabakdosen. — Toilette-Artikel. — Schmuckgegenstände.
Ertränken arbeitsunfähiger Personen.
Ich erlaubte mir in den letzten Capiteln bei verschiedenen Gelegenheiten auf die mir interessant erscheinenden Gebräuche im Marutse-Reiche und auf viele Charakterzüge seiner Stämme hinzuweisen; ich will nun die Schilderung derselben im Folgenden vervollständigen und im nächsten Capitel zu meinen Reise-Erlebnissen zurückkehren.
Wie schon erwähnt, besaß die Banthu-Familie, bevor sie sich in die zahlreichen Stämme theilte, welchen wir gegenwärtig begegnen, den Glauben an einen mächtigen, unsichtbaren Gott; bei den Marutse hat sich dieser Glaube unter allen Banthu-Stämmen am reinsten erhalten. Man glaubt an ein unsichtbares allwissendes Wesen, welches genau das Thun eines Jeden beobachtet und mit jedem Menschen nach Belieben verfährt.
Man scheut sich sogar seinen Namen auszusprechen, und bedient in der Regel eines Ersatzwortes: »Molemo«, welches Wort jedoch umfangreichen Begriff in sich schließt und deshalb in seinem jedesmaligen Sinne leicht verwechselt werden kann. Molemo kann Gott, kann böse oder gute Geister, Heilmittel und auch Gifte, Zaubermittel Amulete etc. bezeichnen. Ihre richtige Benennung für das oben erwähnte allwissende Wesen ist »Ñambe« = Njambe. Beim Aussprechen dieses Wortes erheben sie ihre Augen gegen das Firmament, weisen mit der Hand dahin oder sie thun beides ohne Njambe auszusprechen. Ich beobachtete Viele, die es mit »Er da oben« oder »Er« umschrieben. Sie meinen, das mächtige Wesen lebe »mo-chorino«, d. h. im Blau des Firmamentes. Stirbt Jemand natürlichen Todes, so heißt es: »Njambe rief ihn hinweg«; unterliegt ein anderer im Kampfe mit seinem Nebenmenschen, mit wilden Thieren oder der Wuth der Elemente, so heißt es: »Es geschah auf Njambe’s Geheiß;« wird ein Verbrecher zum Tode verurtheilt, so wird dies als die gerechte von Njambe gesandte Strafe angesehen und der Schuldige, der davon überzeugt zu sein scheint, ergibt sich demüthig in sein Geschick, während der unschuldig Verurteilte (unter Sepopo gab es deren zahllose) wie die ihn begleitenden Freunde bis zum letzten Momente das größte Vertrauen in Njambe’s Allwissenheit setzend, auf seine Hilfe hoffen, die sich bei dem bei Hinrichtungen gebräuchlichen Giftgenusse im Erbrechen des Giftes äußern soll.
Die Völker des Marutse-Reiches glauben außerdem an unsichtbare gute und böse Geister und suchen letztere durch auf Pfähle aufgehangene Beschwörungsmittel von ihren Gehöften zu bannen oder sie mindestens zu besänftigen. Die Abwehr- und Besänftigungsmittel sind: Thier- und Menschenknochen, Nilpferdzähne, besondere Holzstücke, Baumrinden, Kürbißkalebassen etc., die in aus Bast, Gras oder Baumblättern geflochtenen sackförmigen Körbchen auf drei bis vier Fuß hohen Pfählen aufgehangen werden. Die meisten Völker des Marutse-Mabunda-Reiches glauben an ein Fortleben nach dem Tode, und so pflanzen z. B. die Masupia mächtige Elfenbeinzähne auf die Gräber ihrer Chefs. Es geschieht dies hauptsächlich, um den verstorbenen, Njambe näher gerückten Chef durch die Weihe der Zähne für seine Trennung von seinem Hab und Gut und von ihnen selbst zu beschwichtigen und sich seines nun doppelt mächtigen Schutzes zu vergewissern.
Außerdem, daß sie jedes Unheil bösen Geistern zuschreiben, glauben sie auch viele Unglücksfälle dem Uebelwollen, dem Zürnen eines verstorbenen Chefs zuschreiben zu müssen, die durch gewisse am Grabe vorgenommene Ceremonien besänftigt werden können. Erkrankt ein Mitglied der königlichen Familie, oder ein weiser Besucher in der Umgebung von königlichen Beerdigungsstätten, so wird der Erkrankte, wenn er sich der Gunst des königlichen Hauptes erfreut, an das Grab des Angesehensten gebracht, und hier verrichtet der Herrscher eine gebetartige Ceremonie in flehender und beschwörender Form, damit sich der Verstorbene des armen Dulders erbarme und ihn durch seine Fürsprache bei Njambe gesund mache.
Die Lebensweise der Stämme des vereinigten Marutse-Mabunda-Reiches ist im Allgemeinen nicht so einfach wie die ihrer südlich vom Zambesi wohnenden Bruderstämme. Der Boden lohnt die Mühe des Ackerbaues so reichlich, die Viehzucht gedeiht in zwei Dritttheilen des Reiches so vortrefflich, und das von der Tsetse inficirte Dritttheil ist derart von Wild überschwemmt, die Flüsse und ihre Lagunen fischreich und die Wälder, Büsche und Wiesen so reich an eßbaren Früchten, Samen und Wurzeln, daß die Eingebornen nicht, wie manche Betschuana-Stämme durch das Ausbleiben der Sommerregen von Hungersnoth heimgesucht werden. Die reichliche Wassermenge, der gute Boden und das warme Klima unterstützen Ackerbau und Viehzucht in der kräftigsten Weise.
Die Felder werden von den Frauen durch fleißiges Ausjäten rein gehalten, auf den meisten lange Furchen zum Wasserabfluß gezogen. Zur Zeit der herannahenden Reife errichtet man Wächterhütten, in denen Junge wie Erwachsene zuweilen Tag und Nacht die Felder bewachen. Beim Ausdreschen schüttet man die Aehren und Kolben auf große Carossen und Häute, auch auf Stroh- und Rohrmatten und schlägt mit Knütteln auf dieselben los. Ein bestimmter Theil der Ernte gehört den Frauen, welche darüber nach Gutdünken verfügen können. Dabei wissen sie ihr Eigenthum in Wort und That zu wahren und ihren Theil gut zu verkaufen; ich beobachtete sowohl bei meinen Unterhandlungen als bei dem Tauschgeschäft der Händler, daß wir nicht so leicht die gesuchte Waare von dem schönen Geschlechte erstehen konnten; selbst wenn Männer an Stelle ihrer Frauen die Waaren feilboten, forderten sie stets einen höheren Preis und sagten: »Die Frau fordert es, sonst muß ich das Korn wiederbringen.« Für ihren eigentlichen Bedarf, abgesehen von den Abgaben an den Chef und den König, baut sich eine Familie von etwa fünf Personen ein bis drei Grundstücke von je 2800 bis 3000 Quadratmeter Fläche. Da dieselben zu zwei Dritttheilen in den bewaldeten Theilen des Landes liegen, wird zuerst von den Männern und Jungen das Unterholz abgehauen, und die großen Bäume ihrer Aeste beraubt. Mir dem gewonnenen Holze wird das Feld umzäunt. Das Unterholz und das ausgejätete Unkraut wird hierauf in Brand gesteckt und mit der Asche das Feld gedüngt und nun die Saat gepflanzt. Diese Aussaatzeit begreift die Monate September und October in sich; zur Saat der Kürbisse, bohnenartigen Früchte, des Tabaks etc. wählt man die Zeit von Ende October bis Anfang December. Die zuletzt erwähnten Feldfrüchte werden zuerst und bei einem auffallend raschen Wachsthum oft schon im Jänner reif, die Kafirkornarten und der Mais im Februar, die Bohnen in beiden Monaten. Am häufigsten wird das gewöhnliche Kafirkorn angebaut, von dem ich zwei Arten, das rothe und das weiße unterscheide. Es gedeiht vorzüglich und liefert das Hauptcontingent der vegetabilischen Abgaben, sowie für den nach außen hin mit Feldfrüchten getriebenen Handel. Die beiden Arten stimmen vollkommen mit denen Süd-Afrikas überein.
Die dritte Kornart, die wir auch hie und da, doch selten in Süd-Afrika vorfinden, wird von den holländischen Jägern »Kleen-Korn«, von den Marutse »Rosa« genannt. Diese Art zeigt kleine, dem Vogelsamen (Hanfsamen) ähnliche Samen, welche fein gestoßen, ein schwarzes, zur Brodbereitung durch größere Bindekraft tauglicheres Mehl als die beiden sorghumartigen liefern. Es wird von den Marutse als feinere Mehlgattung angesehen und hat den zweifachen Werth der beiden anderen Gattungen.
Gleich häufig wird der Mais gepflanzt und gedeiht vortrefflich. Noch häufiger als Mais werden im Marutse-Reiche die kürbißartigen Früchte angebaut, darunter mehrere Arten Wassermelonen, eßbare Kürbisse und eine Unzahl Flaschen- etc. Kürbisse, die nur der äußeren Schalen halber gepflanzt werden. Ebenso häufig werden zwei Bohnengewächse, das eine mit kleineren farblosen, das andere mit etwas größeren, meist carminrothen oder violetten Bohnen gepflanzt. Sie bilden wie das Mabele (gewöhnliches Korn), die Rosa und der Imboni (Mais) einen Theil der Abgaben. Mit Nilpferdspeck oder Fleisch gekocht, bietet die Li-tu- und die Di-nau-a-Bohne ein Gericht, welches unsere heimische Art an gutem Geschmack übertrifft. Zu diesen Feldfrüchten müssen wir noch drei hinzufügen, von welchen die Manza und die Masoschwani (Arachis hypogaea, M’pinda der centralen Westküste) im Gesammtreiche, Baumwolle in den östlichen Landestheilen allein angebaut werden. Die drei letzteren verbürgen, daß auch Reiscultur mit Erfolg betrieben werden könnte. Die Arachis bildet einen Theil der Steuern und des Tributs, die Manza ist Krongut und wird im Gesammtertrage dem Hofe abgeliefert, während die Baumwolle von den östlichen Stämmen für den eigenen Bedarf gebaut und verwendet wird. Die Arachis wird in der Asche und in Schalen geröstet genossen, von den Europäern, welche den Zambesi besuchen, im Nothfalle geröstet und als Kaffeesurrogat verwendet. Die Manza wird zu feinem Mehl gestoßen und ohne Zuthat von Salz als Mehlbrei genossen.
Bezüglich der Baumwolle erwähne ich, daß sie zu guten starken Geweben verarbeitet wird. Weniger als Nahrungsmittel denn als durststillendes Mittel pflanzt man häufig um die Hütten und zerstreut zwischen Korn und Mais das gleich üppig und hoch aufwachsende Zuckerrohr (Imphi). Es ist dieselbe Art, welche man in ganz Süd-Afrika vorfindet und erreicht am centralen Zambesi ihre Süßreife im December bis Februar.
Der Preis der Feldfrüchte stellt sich wie folgt:
Zur Anpflanzung des Tabaks wählt man meist kleine, etwa 10—20 Quadratmeter umfassende Vertiefungen. Der Tabak wird getrocknet, zerkleinert, etwas befeuchtet und dann in den Kornstampfblöcken zu kegelförmigen und brodförmigen Ballen festgestoßen. Im Allgemeinen ist der Tabak, wie ihn die Unterthanen des Marutse-Herrschers anbauen, dichter gearbeitet, hält sich länger und ist bedeutend nicotinreicher als jener, den wir bei den südafrikanischen Eingebornenstämmen finden. Mit Rücksicht auf Boden, Klima und Bewässerungs-Möglichkeit bin ich der Meinung, daß nicht allein unsere Getreidearten, namentlich Weizen, sondern auch Reis, Baumwolle, in den östlichen Theilen auch Kaffee, nicht minder Wein und unsere sowohl als auch Südfrüchte ausgezeichnet gedeihen könnten.
Ziehen wir die Menge der consumirten Nahrungsmittel in Betracht, so finden wir, daß nebst Wildfleisch gewöhnliches Kafirkorn, Kleinkorn und Mais sowie Kürbisse in erster Linie stehen. Nach den Fischen folgt im Verhältniß der consumirten Mengen: saure Milch, süße Milch, Rind-, Ziegen- und Schaffleisch, etwa fünfundvierzig wilde Fruchtarten, zwei Bohnenarten, Erdnüsse, Hühner, Wildgeflügel, Manza, Honig etc. Das Fleisch wird meist in gut geschlossenen, irdenen Töpfen gekocht, oder auf Kohlen am und ohne Bratspieß geröstet. In der Fleischzubereitung übertreffen die Stämme jene südlich vom Zambesi, ich glaube, daß kein Einziger derselben so wohlschmeckende Fleischgerichte bereiten könnte, wie man sie in den besseren Häusern des Marutse-Reiches zu bereiten pflegt. Es wird den Reisenden um so mehr überraschen, wenn er bedenkt, wie sehr das Reich den Betschuana-Reichen gegenüber »verschlossen« genannt werden muß. Wildgeflügel wird gekocht oder gebraten, und mit den Kopffedern oder der Krone auf schön durchbrochenen Holzschüsseln servirt. Aus Aberglauben verschmähen manche Stämme gewisse Wildarten, bei einigen wurde z. B. die Pallah nicht beachtet, bei anderen die Eland-Antilope, bei manchen das Fleisch des Nilpferdes, während wieder manche Fleisch genossen, welches, wie das der Raubthiere, von den meisten südafrikanischen Eingebornen als ungenießbar betrachtet wird. Fleisch und Fische werden auch getrocknet und ohne jeden Einsalzungsproceß auf längere Zeit aufbewahrt. Die Kornarten werden gekocht oder in hölzernen Stampfblöcken zu Mehl gestoßen und aus demselben mit Milch oder Wasser ein Brei bereitet, Mais wird in grünem und trockenem Zustande gekocht und geröstet. Von Bohnen kochen die Stämme die genannten Arten und rösten die Erdnuß (Arachis). Die Kürbisse werden zerschnitten und gekocht, die Wassermelonen roh genossen oder gekocht. Wichtig ist die Zubereitung der Manza, deren Wurzel im grünen Zustande giftige Eigenschaften besitzt, im trockenen, fein pulverisirt, einen schmackhaften arrowrootartigen Brei liefert, der namentlich zu Fleischspeisen als eine passende Zuspeise gelten kann. Wilde Baum- und Buschfrüchte werden im frischen und getrockneten Zustande geröstet (am Feuer sowohl als an der Sonne) oder werden in Milch gekocht oder auch zerstoßen und in breiartigem Zustande genossen. Da die einzelnen Wildfrüchte zu verschiedenen Jahreszeiten reifen, so kann man füglich sagen, daß die Eingebornen im Marutse Reiche sich von diesem Nahrungsmittel allein das ganze Jahr hindurch nähren könnten.
Zur Würze der Speisen bedienen sich blos die Wohlhabenderen des Salzes, da dieses von weit her aus West und Südwest herbeigebracht wird. Von geistigen Getränken erzeugen sie aus Kafirkorn ein starkes und ein schwaches Bier, das erstere, das Lagerbier, wird Matimbe, das zweite Butschuala genannt; außerdem erzeugen sie süßliche Biere aus mehreren Wildfrüchten, so aus der Morulafrucht, das ciderartige, ferner das schon erwähnte Honigbier Impote. In der Regel halten Wohlhabende zwei Mahlzeiten, die erste 1½ oder zwei Stunden nach Sonnenaufgang, die zweite beim Sonnenuntergang, Bier wird nachgetrunken. Die ärmeren Classen halten nur eine nennenswerthe Mahlzeit und zwar am Abend.
Unstreitig sind die Völker im Marutse-Mabunda-Reiche in der Zubereitung ihrer Speisen auffallend reinlich und verwahren dieselben in reinen Holz- und Erdtöpfen, in Körben und Kalebassen. Auch waren die Marutse die ersten, bei denen ich Butter zubereiten sah; sie rauchen mehr Tabak als jene Stämme, zu denen er von den Weißen eingeführt wird. Mit dem Genuß von Rauch- und Schnupftaback wird schon in früher Jugend begonnen, dem letzteren huldigen alle, auch junge Mädchen nicht ausgenommen. Doch ist ihr Schnupftabak ein complicirterer als der im Süden gebrauchte, er enthält gestoßenen Tabak, Asche, getrocknete und gepulverte Nymphaeastengel und die Secretion aus der Drüse des Rhabdogale mustelina. Der Rauchtabak wird in brödchenförmigen Kuchen geformt, die durchlöchert an einer Schnur getragen werden.
Was die Pflege des Körpers betrifft, so halte ich von allen mir bis jetzt in Süd-Afrika bekannten dunklen Stämmen die das Marutse-Mabunda-Reich bewohnenden für die reinlichsten; sie baden häufig, selbst wenn dies auch in seichten Stellen und in den Lagunen der Krokodile halber sehr gefährlich ist.
Die Kleidung der Marutse ist trotz ihrer Einfachheit weit geschmackvoller als jene der meisten südafrikanischen Stämme. Statt der Riemenfranzen der Zulu-Race und den um die Lenden geschlungenen, kaum handbreiten Riemen der Betschuana, Makalaka etc. tragen die Männer in der Regel Leder- und Kattunschürzen, welche an einem Leibgurt, d. h. um denselben von vorne nach hinten geschlungen werden. Blos die Stämme, die häufiger das südliche Zambesi-Ufer besuchen, wie die Batoka, Makalaka, Manansa, Masupia, Marutse etc., d. h. jene, die oft mit den Weißen zusammenkommen, bedienen sich des Kattuns als Schürze. Gewöhnlich beanspruchen sie ein 2½ bis drei Meter langes Stück gewöhnlichen Kattuns, ohne auf Farbenunterschiede Gewicht zu legen. Können sie ein Stück von obiger Länge (eine Sitsiba) nicht erhalten, so trachten sie mindestens ein solches zu gewinnen, das vorne bis an die Knie reicht. Jene, welche Lederschürzen tragen, bedienen sich rauhgar gegerbter Felle kleiner Säugethiere, so die Marutse und Masupia solcher des Scopophorus und Cephalopus, welche längs des Randes mit eingeschnittenen rundlichen oder viereckigen Löchern versehen sind, die Kopftheile finden sich oben am Gürtel. Die Manansa benützen einen kleinen, kaum handbreiten Kattun-, Tuch- oder Lederlappen. Auch in ihren Carossen differiren die das Marutse-Reich bewohnenden Banthustämme bedeutend von den meisten südlich vom Zambesi wohnenden, zu dieser großen Völkerfamilie gehörenden Stämmen. Sie lieben die Kreisform, die einem spanischen Mäntelchen nicht unähnlich ist und bis zu den Hüften herabreicht. Auch sind Mäntelchen aus Letschwe- und Pukufellen im Gebrauch. Der Herrscher und einige seiner höchsten Würdenträger kleiden sich zuweilen in europäische Kleider, doch gehen sie auch oft blos mit der Schürze angethan einher oder sie hüllen sich, wie bei ungünstiger Witterung in eine Wolldecke ein. Der Leibgurt ist aus glattgar geerbtem Gnu- oder Gazellenleder, aus Elephantenhaut, aus der Haut des Wasserleguans, der Boa, Cobra und anderer Schlangen, oder auch aus Stroh- und Grasgeflecht verfertigt.
Was die Bekleidung der Kinder und Frauen betrifft, gehen kleine Mädchen bis zum vierten, Knaben bis zum sechsten und zehnten Jahre unbekleidet einher. Im vierten Jahre erhalten Mädchen ein Riemenschürzchen aus dünnen, bis fünfundzwanzig Centimeter langen, gedrehten, zuweilen mit Bronceringelchen geschmückten Riemen; vom zehnten Jahre an tragen sie in der Regel eine kleine an einem Riemen befestigte viereckige Lederschürze. Da sie jedoch meist schon in früher Jugend, lange vor ihrer Reife verlobt werden, so tragen viele zwei Schürzen, eine vordere kürzere und eine hintere längere. Verheiratete Frauen bedienen sich eines bis an die Knie herabreichenden, rauhgar gegerbten, mit den Haaren nach innen gekehrten, meist aus Rindsfell verfertigten Röckchens, das mit einem Doppelband (Riemen) an den Leib festgehalten wird. Die Außenseite des Röckchens ist mit einem röthlichbraunen, angenehm riechenden Rindenstoffe stark eingerieben. Säugende Frauen gehen oft ähnlich den Männern mit einem Letschwefellmantel angethan umher, der gewöhnlich über den Rücken geworfen, bei Annäherung von Fremden oder Besuchern über die Brust zugezogen wird.