Elephantenheerde auf der Flucht.
Wir kamen in eine seichte in das Leschumothal führende Niederung, welche mit schönen Mimosenbäumen bewachsen war, deren Krone dem ermüdeten Wanderer den köstlichsten Schatten spendeten, nur hie und da vermochte der Sonnenstrahl die dichte Laubkrone zu durchdringen. Aus der Einsenkung ging es wieder hinauf in einen sandigen Wald, dessen Boden sich nach Nordwest etwas verflachte, um plötzlich gegen das Thal des Tschobe und Zambesi abzufallen. Unvergeßlich bleibt mir das Panorama, das sich meinen Blicken an jenem Tage bot, als ich plötzlich aus dem Walde heraustrat und in das Thal der beiden Ströme herabblickte.
So war ich doch an den Strom gelangt, von dem ich als Knabe so viel gelesen und geträumt hatte. Vor mir öffnete sich ein weites, nach rechts etwa drei Meilen breites, nach links in seiner größten Ausdehnung durch eine unabsehbare Ebene begrenztes Thal. An meiner Seite war es von dem bewaldeten felsigen Abhang des sandigen Hochplateaus beherrscht. Die Mitte dieses Thales nehmen zwei Inseln ein, das Land, welches den Zambesi und Tschobe nach ihrer theilweisen Vereinigung zwischen dieser und ihrer eigentlichen noch von einander scheidet. Die östliche, die »Prager« Insel ist einige hundert Schritte lang und etwas weniger breit, die zweite 2 Stunden lang und 1 bis 1½ Stunden breit. Die erste ist flach, die zweite zeigt bewaldete Felsenkuppen, von denen sich nur eine in der östlichen Hälfte, zahlreiche und meist zusammenhängende in der westlichen befinden. Am Fuße der östlichen liegt Impalera, Makumba’s Stadt, zur Zeit meines Besuches die »Wacht« des Marutse-Reiches nach Süden. Vor dieser Masupia-Niederlassung schimmert tief unter dem Beschauer und etwa eine Stunde von ihm entfernt, das von Schilfmassen besäumte an 300 Schritte breite Bett des Tschobestromes. Die Höhen auf der großen Impalera-Insel sind ein Verbindungsglied des Abfalls, der nach Westen zu bis an den Tschobe herantritt, ihn mit Felsenbänken durchzieht und so Stromschnellen bildet, dann sich zu den Impalera-Höhen erhebt, um nochmals nach Nordnordost den Zambesi mit Felsenrissen zu durchziehen, hier ähnliche doch bedeutendere Schnellen und Inseln zu bilden und sich mit dem, bei den Victoriafällen an das linke Zambesi-Ufer herantretenden felsigen Plateau-Abfall zu verbinden.
Das Thal war nach Westen nur durch den bläulichen, von dem röthlichen Glanz der untergehenden Sonne in seinen tieferen Partien in Feuerpracht schimmernden Horizont umsäumt. Die unbegrenzte Ferne hinter den unabsehbaren Schilfrohrdickichten war das Land, dem meine eigentliche Forschungsreise galt, dort wollte ich erringen, was ich seit meiner Kindheit erstrebt.
[7] Ein Pfund Thee kam hier auf 12, ein Pfund Kaffee auf 4, 1 Pfund Zucker auf 4 Shillinge zu stehen.
[8] Der beschränkte Raum gestattet es mir nicht, hier näher auf die Gewohnheiten und die Lebensweise der afrikanischen Elephanten einzugehen.
Das Thal des Tschobe und seine Vegetation. — Signalisirung meiner Ankunft. — Die ersten Boten aus dem Marutse-Reiche. — Landschaftscenerie an den Stromschnellen des Tschobe. — Begegnung mit Masupias. — Mein Mulekau. — Geschichte der Matabele-Einfälle in das Reich Sekeletu’s. — Ein Masupia-Grab. — Thierleben am Tschobe. — Makumba. — Begegnung mit englischen Officieren in Impalera. — Die Hütten der Masupia. — Der Schlangenhalsvogel. — Meine erste Bootfahrt auf dem Zambesi. — Die Schilfrohrwälder an den Ufern des Zambesi und das Thierleben in denselben. — Letschwe und Puku Antilopen. — Krokodile und Flußpferde. — Jagd auf Flußpferde. — Ankunft in Alt-Schescheke. — Blockley’s Kraal.
Bootfahrt im Zambesi.
Das Thal des Tschobe-Rivers ist gegen seine Mündung eine halbe bis drei englische Meilen breit, ähnlich auch das Thal des Zambesi, so weit es noch oberhalb der Victoriafälle die Tschobe-Victoriahöhen begleiten. Mit Ausnahme jener Stellen, an welchen die Felsenhöhen unmittelbar mit ihren Ausläufern herantreten, sind die Ufer beider Flüsse sandig, ähnlich wie die des Zugaflusses und der meisten Zuflüsse des schon erwähnten Hochlandbeckens des centralen Süd-Afrika; die felsigen Ufer, die, wie schon erwähnt, ober der Vereinigung beider Flüsse (am rechten Tschobe-Ufer einige Meilen weiter aufwärts als am linken Zambesi Ufer) beginnen, sind meist der Abfall eines tiefsandigen Plateaus. Auf dieser Strecke, sowie am Flusse abwärts fanden wir eine üppige tropische Vegetation, stromaufwärts nimmt sie, so weit als ich gelangen konnte, etwas ab. Beim Eintritte in das Thal fallen dem Besucher sofort neue Baum- und Buscharten auf. Die meisten tragen Früchte, welche, mit Ausnahme der bis zu zwei Fuß langen, armdicken, wurstförmigen des Moschunkulu, eines Giftbaumes, theils zu verschiedenen häuslichen Zwecken verwendet, theils genossen werden. Welche Wandlung die Vegetation im Zambesithale und auf dem angrenzenden Plateau im Vergleich zu den südlicher gelegenen Strecken im Innern Süd-Afrika’s erfährt, können wir schon aus der Thatsache ersehen, daß sich die Bewohner am centralen Zambesi (wohl um so mehr am unteren und oberen Zambesi) das ganze Jahr hindurch nur von Früchten ernähren können. Jeden Monat im Jahre finden wir irgend welche Frucht oder eßbare Samen zur Reife gediehen. Auch die Thierwelt ist reichhaltiger, darunter namentlich Vögel, Schlangen, Fische, Insecten, und unter diesen wieder besonders Schmetterlinge. Auch der Mensch ist in jenen Gebieten aus eigener Kraft höher entwickelt als die Bewohner der Gegenden südlich vom Zambesi.
An einer Uferstelle, welche durch eine kleine Bucht und durch einen prachtvollen Moschunkulubaum ausgezeichnet war und sich einige hundert Schritte oberhalb der am jenseitigen (linken) Ufer gelegenen Masupia-Niederlassung Impalera befand, ließ ich, da es der gewöhnliche Landungsplatz der den Strom übersetzenden Eingebornen war, einen Skerm und eine Grashütte errichten. Unterdessen schritt ich zum Flusse hinab und fand den Tschobe stellenweise 2 bis 300 Schritte breit und so tief, daß sein Gewässer tiefblau erschien. Die dicht beschilften Ufer gaben den zahlreichen Krokodilen Gelegenheit, ohne gesehen zu werden, stets auf der Lauer zu liegen und nicht weit ab auf der klaren Fluth wiegten und schaukelten zahlreiche Nyhmphaeaceen einer kleinblüthigen und nur wenige Blumenkronenblätter besitzenden Species.
Auf den Rath der mir von Blockley mitgegebenen Diener, welche schon mehrmals mit ihrem Herrn hier gewesen waren, feuerte ich einige Schüsse ab, um die Bewohner von Impalera von unserer Ankunft in Kenntniß zu setzen. Bald darauf kamen zwei Männer in einem etwa 8 Schuh langen, 14 Zoll breiten und 10 Zoll tiefgehenden, aus einem Baumstamme mit der Pallahaxt ausgehöhlten Kahne an unser Ufer. Es waren zwei dunkelbraune Gestalten, groß und stark gebaut, welche das primitive Bekleidungsstück der Banthufamilie Süd-Afrika’s in der geschmackvollsten Weise, die ich bis jetzt beobachtet habe, angelegt hatten. Sie trugen einen ledernen Leibgurt, um den bei dem einen drei ausgearbeitete Felle kleinerer Thiere, bei dem anderen ein etwa drei Meter langes Calicostück so geschlungen war, daß dieses eine vordere und hintere Schürze und einen die Lenden bedeckenden mittleren Theil bildete. Unstreitig sahen sie in diesem primitiven Anzuge schmucker aus als die Zulu, Makalaka, Betschuana, Colonial-Kaffern etc.
Ich gab ihnen ein Messer, um mich bei ihrem Häuptlinge Makumba anzumelden, zu gleicher Zeit erwähnten auch meine Diener, daß Dschorosiana (Georg), Maniniani (der kleine Georg, im Gegensatze zu Westbeech, der ob seiner Größe Dschorosiana Umutunja genannt wurde), im Leschumothale auf Träger harre, um des Königs Handelsgüter nach Impalera zu bringen; die Männer sollten jedoch auf ihrem Wege nach dem Leschumothale Korn bringen, welches Dschorosiana Maniniani mit Sipaga (kleinen Glasperlen), Talama (große Glasperlen) und Sisipa (2½ Meter Kattun) austauschen wolle. Während der Zeit unserer Besprechung hockten die beiden Männer auf der Erde und standen, nachdem der Manansa-Diener seine Rede beendet mit einem Autile intate (wir haben verstanden, Freund) auf, um sich mit den Worten Camaja koschi (wir sind im Begriffe zu gehen, Herr) von mir zu verabschieden. Früh am 11. unternahm ich einen Ausflug flußaufwärts und fand in dem Thale zahllose Spuren von Büffeln, Roen und Kudu’s, Wasserbock-Antilopen, Pallah-, Deuker- und Orbecki-Gazellen, Schakalen, Leoparden und Löwen. Auch sah ich zahlreiche Hyänenspuren und von den Felsenhügeln tönte unaufhörlich Paviangebelle in’s Thal herab, während mich in dem Palmengebüsch zahlreiche Affen zu einigen Schüssen verleiteten. Vom Wildgeflügel beobachtete ich zwei Francolinus-Arten, das Perlhuhn, von Sumpf- und Wassergeflügel den Scopus (Hammerkopf), drei Arten der Spornkibitze, Hoplopterus, Sattelstörche, (Mycteria Senegalensis, Shaw), mehrere Arten von Enten und eine Plectropterus-Art, Sporngänse, sowie eine Plotus- (Schlangenhalsvogel) und eine Kormoran-Art (Phalacrocorax),
Am anziehendsten fand ich den Tschobe an und über den Stromschnellen, welche sich etwa sechs Meilen oberhalb seiner Mündung und drei Meilen oberhalb unseres Landungsplatzes befanden. Oberhalb dieser Stromschnellen verbreiten sich in einer marschigen Gegend in einem wahren Riesenschilfwalde die Verbindungsarme mit dem Zambesi; es sind breite natürliche Canäle mit ruhig fließendem Wasser, welche ich mit dem Auge weit verfolgen konnte. An den Stromschnellen liegen sehr viele kleinere und größere Felseninseln, die theils kahl, theils mit Sand bedeckt und von welchen letzteren wieder einige mit Schilf, andere mit dichtem Gebüsch und Bäumen bewachsen sind. Da, wo zwischen zwei Felseninseln ein kleiner Wasserstrahl einen winzigen Verbindungsarm bildet, fand ich äußerst geschickte, aus Rohr gearbeitete, den in Mittel-Europa gebräuchlichen ähnlich geformte Fischreusen. Auf den Inseln war auch eine reiche Vogelwelt vertreten, namentlich Sumpfvögel, welche die höheren Felsenriffe sowie das sandige Ufer occupirt hatten und in den feuchteren Partien sich herumtummelten. Besonders reich schien mir der Fluß an Krokodilen zu sein während ich an den Schnellen, die ich Blockleyschnellen taufte, Wasserleguane bemerkte.
Als ich Abends zu unserem Lager zurückkehrte, traf ich 17 Masupia’s daselbst an, es waren prächtige Gestalten, welche ihre Haarwolle an der Craniumhöhe in kleine Zöpfchen geflochten trugen und ihre Haare auch sonst mit verschiedenem Schmucke, wie Haarbüschel verschiedener kleiner Raubthiere und Gazellen, Korallen und kurzen Glasperlenschnürchen zierten. Als besonderen Schmuck trugen sie Armringe, die bei einigen aus Thierhaut, bei anderen, offenbar wohlhabenderen, aus Elfenbein verfertigt waren. Ich erhandelte von diesen für Glasperlen und Kattun Alles, was sie mit sich gebracht hatten, Assagaie, Messer, Kafirkorn und Bohnen. Jener, dem ich gestern das Messer geschenkt, brachte mir heute einen aus Thon von den Frauen mit der Hand gearbeiteten und mit Butschuala (Kafirkorn-Bier) gefüllten Topf. Dadurch und ohne es zu ahnen, wurde ich sein Mulekau (d. h. ich konnte Alles, was sein Haus bot, beanspruchen). Dieses Mulekauthum ist einer der unglückseligsten Gebräuche des Marutsereiches, indem dadurch die bei den Völkern dieses Reiches in einem höheren Grade als bei den anderen Südafrikanischen Stämmen beobachtete eheliche Zuneigung früh untergraben wird. Da man auf Alles, in dem Hause des Mulekau Anspruch machen kann, sind auch die Frauen des Hauses davon nicht ausgenommen, und mein Mulekau wunderte sich nicht wenig, als ich einige Tage später, nach Impalera kommend, von seinem Anbote, mit Ausnahme von Fischen, Bier, Korn und einigen ethnographischen Gegenständen, keinen Gebrauch machen wollte.
Impalera.
Die Anwesenden theilten mir durch den Manansa-Diener August mit, daß der Häuptling Makumba auf dem jenseitigen Zambesi-Ufer auf der Elephantenjagd weile und mich nicht eher sehen und grüßen dürfe, als die Antwort des Königs Sepopo auf mein Ansuchen in Impalera eingelangt sei. Aus diesem Grunde nahmen sie auch kein Geschenk für ihren Häuptling Makumba an. Die in Impalera sowie am Tschobe aufwärts und am Zambesi abwärts wohnenden Masupia haben den Strom zu überwachen und weder einem Weißen noch Farbigen ohne Wissen und Willen des Königs das Ueberschreiten des Flusses zu gestatten. Ihr Verhältniß zum Könige des Marutsereiches hatte mir später Makumba mit einigen Worten klar dargelegt. Ich bemerkte auch an ihnen, daß sie das »Mein und Dein« nicht sonderlich respectirten, ihre Gelüste aber bezähmten, wenn man sie bei ihren Besuchen im Lager scharf fixirte.
Am 12. erhielt ich zahlreiche Besuche von den Masupia’s von Impalera, sie frugen wiederholt meine Diener, von denen die Manansa der von den Masupia’s gesprochenen Makololosprache vollkommen mächtig waren, ob mein freundlicher Begleiter Dschorosiani Maniniani, Matabele-Diener im Leschumothale habe; sie hatten den Auftrag, keinen Weißen, selbst wenn er vom Könige die Erlaubniß zum Besuche des Reiches erhalten hätte, den Eintritt in das Reich zu gestatten. Wenn ich Matabele-Diener gehabt und trotzdem darauf bestanden hätte, das Marutse-Reich zu besuchen, hätte ich wie Stanley, d. h. mit Gewalt vorgehen müssen.
Die Matabele sind bei den Völkern des Marutsereiches so wie nördlich von Zambesi, doch auch von den östlich anwohnenden Maschonas so gehaßt, wie die mohammedanischen, schwarzen Sclavenjäger, die von der Ostküste ihre Raubzüge gegen die großen Seen Central-Afrika’s unternehmen, von den Bewohnern der Negerländer Central-Afrika’s. Als Begleiter hätten sie es mir ermöglicht, den afrikanischen Continent vom Süden nach Norden zu durchqueren, allein die mir nachfolgenden Weißen hätten es dafür büßen müssen. Zweimal hatten es die Matabele unter der Regierung des am centralen Zambesi herrschenden Königs Sekeletu versucht, ihre Raubzüge auch auf die nördlich vom Zambesi liegenden Gebiete auszudehnen, doch beide Versuche mißlangen. Einmal gelangten sie über die Stromschnellen, auf eine oberhalb der Victoriafälle liegende Insel, welche von den Batoka’s, einen an Sekeletu Tribut zahlenden Stamm, mit der Manzafrucht bebaut war. Da einige Tage später Hochwasser herabkam, war ihnen die Rückkehr abgeschnitten, sie gruben sich aus Nahrungsmangel die Manzawurzel aus dem Boden, und erlagen alle, da dieselbe nur im getrockneten Zustande genossen werden kann, im frischen jedoch giftige Eigenschaften besitzt, dem Genusse derselben. Bei einem zweiten Versuche wurde eine Truppe Matabele von einem Masupia auf eine Insel stromaufwärts übersetzt. Darauf entschuldigte sich der Mann, daß er von der Arbeit sehr ermüdet sei und zur Fortsetzung der Ueberfahrt den Beistand einiger Landsleute in Anspruch nehmen müsse. Ganz gegen ihre Gewohnheit schenkten die Matabele den Worten des Mannes vollen Glauben und ließen ihn ziehen. Der Masupia kehrte aber nicht wieder und hatte so die Feinde seines Landes in die Falle gelockt und sich weiter um sie nicht gekümmert. Auf der Insel gefangen, hatten die Zulus kein angenehmes Los. Da sie im Speeren der Fische nicht geübt waren, und den Fluß ob seiner vielen Krokodile nicht zu durchschwimmen wagten, auf der Insel aber mit Ausnahme einiger weniger Früchte, der Fächerpalme, nichts Genießbares vorfanden, war ihre Lage sehr schlimm und der Hunger so groß, daß sie ihre aus Ochsenhaut verfertigten Sandalen und Schilde im Wasser aufweichten, sie mit ihren Speeren zerschnitten und genossen. In Folge der Nahrungsnoth starben viele, der Rest wurde vom Könige Sekeletu, der inzwischen mit zahlreichen bemannten Kähnen von Linyanti herbeigeeilt war, ohne Schwierigkeiten überwältigt, gefangen genommen, und in der Barotse, dem Mutterlande der Marutse, welche damals seine Unterthanen waren, angesiedelt.
Während meines zweimaligen Besuches am Marutsehofe hatte ich Gelegenheit einige dieser nach Schescheke Tribut abführenden Matabele kennen zu lernen. Sie trugen zwar noch die bekannten, aus Federn gearbeiteten Kopfverzierungen, doch der kriegerische Geist der Zulus war aus ihnen gewichen, sie waren, wie mir König Sepopo mittheilte, ganz vorzügliche Ackerbauer geworden.
Einer von den schon erwähnten, mich am 12. besuchenden Masupia war ein grauwolliges Männchen, welches sich darauf viel einbildete, den verstorbenen König Sekeletu, unter dem das Makololo-Reich vernichtet wurde, bedient zu haben. Ich erstand an diesem Tage für dreiundeinhalb Meter gewöhnlichen Kattuns einen Ziegenbock, den man von Impalera herübergebracht hatte. Derselbe war in Folge des Stiches der Tsetsefliege auffallend klein. Als der Bock geschlachtet wurde, setzte sich mein Mulekau in der Erwartung eines Geschenkes neben demselben nieder, das heißt: er machte als neuer Freund seine Rechte geltend, deren eines es war, jederzeit wenn er mich zur Essenszeit besuchte, von mir Bewirthung fordern zu können. An diesem und am folgenden Tage zogen die Masupia, im Ganzen vierzig Mann, haufenweise zu Blockley nach dem Leschumo-Thale; sie brachten auf Verlangen Korn zum Verkauf, welches sie in etwa drei bis vier Liter fassenden, aus Kürbisschalen verfertigten Gefäßen, mittelst Tragstangen transportirten. Diese Gefäße waren mit Bast umflochten und mit solchem auch an den Tragstangen befestigt.
Diese Kürbisgefäße werden von allen südafrikanischen Stämmen zu den verschiedenartigsten Zwecken benützt. Die häufigste Verwendung finden sie aber im Marutse-Reiche und werden von dem Mambunda-Stamme mit eingebrannten Zeichnungen (Menschen und Thiere darstellend) verziert. Man gebraucht sie im Allgemeinen als Wassergefäße, wobei sie auch mit einem aus Riemen gearbeiteten Netze umspannt sind. Die Vasallenstämme der Betschuana, die Makalahari, Barwa, Masarwa und Madenassana, die keinen Ackerbau betreiben, bedienen sich zu solchen Zwecken der Straußeneier. Mittelgroße Kürbisschalen gebrauchen die meisten Banthu-Stämme als Gefäße zur Aufbewahrung fetter Substanzen. Der kleinsten bedienen sich namentlich die südlich von Zambesi wohnenden als Schnupftabaksdosen, und die plattgedrückten, sowie gleichmäßig weiten, cylindrischen werden zu Musikinstrumenten verwendet.
In der Nacht auf den 13. ließen sich zum erstenmale die Nilpferde mit ihrem dumpfen Brüllen hören. An diesem Tage kam ein Basuto, mit Namen April, der Blockley begleitet, um von Sepopo die Erlaubniß zu erhalten, Elephanten in dessen Gebiet jagen zu können, mit 18 Masupia, welche nach dem Leschumo-Thale Korn getragen hatten und nun mit Blockley’s Gütern beladen waren; sie trugen 50—60 Pfund per Mann. Blockley selbst hoffte noch am selben Abend im Tschobe-Thale eintreffen zu können.
Am 14. zeitlich Morgens unternahm ich einen Ausflug flußabwärts und stieß auf demselben auf verlassene Eingebornengehöfte der Masupia, welche sich nach der Zerstörung des südlich an die Victoria-Fälle angrenzenden Manansa-Reiches durch die Matabele — auf das jenseitige Tschobe- und Zambesi-Ufer geflüchtet hatten. Ich fand im Thale einige Gräber von Masupia-Häuptlingen. Es waren kahle, elliptische Stellen, auf denen Antilopenschädel und Elephantenhauer aufgepflanzt waren; die letzteren so angebracht, daß ihre Spitzen nach außen und unten hervorragten. Jene, die schon vor geraumer Zeit auf das Grab gepflanzt waren, trugen deutliche Spuren des Verwitterungs-Processes an sich, sie waren gebleicht, porös und zersplittert; mehr nach der Mitte des Grabes zu, doch nahe an diesen standen ein Paar besser erhaltene, wenn auch kleiner, 20—30 Pfd. schwere — doch auch viele von diesen waren schon durch die Einflüsse der Atmosphäre beschädigt, während die zuletzt gesetzten Milchzähne, daher werthlose Gaben waren. Sie wurden in aller letzter Zeit eingepflanzt, als die Marutse den Werth des Elfenbeins kennen gelernt, und der Herrscher, trotz dieses Actes der Pietät seiner Unterthanen, seine Revenuen nicht geschmälert sehen wollte.
Auf dem Heimwege fand ich längs des Flusses Sikomoren, von denen sich namentlich eine dadurch auszeichnete, daß der Stamm, sowie die Aeste mit Feigen — leider unreifen — ungemein dicht behangen waren. Am Nachmittage kam Blockley aus dem Leschumo-Thale und bezahlte jedem Masupia als Traglohn ¼ Pfund Glasperlen. Dabei wollten die Masupia’s die ihnen angebotenen blaßrothen Glasperlen nicht annehmen; sie begehrten kaiserblaue, indem sie betonten, daß sie für dieses Geld Assagaie kaufen wollten, und der Stamm, von dem sie diese Waffen zu kaufen gewohnt waren, gegenwärtig nur an den letzteren Glasperlen Gefallen finde.
Einen recht interessanten Anblick bot die Ueberfahrt der mit Blockley zurückkehrenden Kornverkäufer. Spät am Nachmittage stiegen sie in ihre Kähne, die etwa 20 an der Zahl in der nahen kleinen Bucht lagen und ruderten dem jenseitigen Ufer zu. Je nach der Größe des Canoes hatte dieses ein bis vier der dunklen Gestalten als Bemannung. Die meisten der engen, von 7 bis 16 Fuß langen Kähne waren mit den leeren Korngefäßen, einige mit Brennholz gefüllt, auch waren hie und da Fleischstücke von einer erlegten Büffelkuh zu sehen. Die letzten der Truppe waren fünf unserer Besucher, darunter auch mein Mulekau, er hatte einen der kleinsten, die anderen, einen der größeren Kähne zur Verfügung. Da er seine Kunst im Rudern glänzen lassen wollte, bemühte er sich, vor seinen vier Gefährten das jenseitige Ufer zu erreichen. Da auch die übrigen nicht zurückbleiben wollten, entspann sich vor meinen Augen eine originelle Regatta. Es gelang zwar meinem Mulekau, einen ziemlichen Vorsprung zu gewinnen, doch in der Mitte des Stromes verfing sich ein Windstoß in den Falten seines Kubu (Mantel) und trieb ihn mit seinem Kahn zurück, während seine Gefährten ihn nun leicht überholten. Eitelkeit hatte ihm diesmal die Siegespalme entrissen, indem er sich von Pit aus den von mir für zwei Schlachtbeile eingetauschten Calico (6 Meter) eine Kubu (Decke) zuschneiden ließ, die ihm verhängnißvoll geworden war.
Am Tschobe-Ufer.
Am 15. schiffte sich Blockley ein, ich selbst mußte noch hier auf die Antwort des Königs warten und benützte die Zeit bis dahin zu weiteren Ausflügen. Ich fand weitere zwei warme, salzhaltige Quellen und vermehrte meine Fischsammlung mit einigen von den Masupias in der Bucht und in den Flußdickichten gespeerten Fischen. Auch hier hatte ich wie am Limpopo wiederholt die Gelegenheit, Krokodile nach den, auf über dem Wasser hängenden Büschen und Röhrichten sitzenden Eis- und Sumpfvögeln schnappen und sich dabei bis zwei Fuß hoch mit dem Oberkörper aus dem Wasser emporheben zu sehen.
Wildebene bei Blockley’s Kraal.
Die Nacht vom 15. auf den 16. brachte ich am Flusse zu, indem ich das nächtliche Thierleben unmittelbar am Wasser beobachten wollte. Ich wählte mir eine etwas kahle Sandstelle aus, an der ich durch einige Binsen gegen den Fluß gedeckt, mit Hilfe des Mondlichtes ziemlich deutlich Alles um mich, namentlich die Gegenstände in dem Wasser der Lagune beobachten konnte. Gegen 11 Uhr kam eine Pallah-Heerde an das obere Ende der Lagune, der führende Renner mit einem tiefen Brüllton die Sicherheit des Ortes seinen Schützlingen meldend. — Das meiste Interesse flößte mir ein Pärchen der großen Fischotter ein, welches von dem Schilfrohrdickicht am jenseitigen Ufer der kleinen Bucht ausgehend, den seichten Rand derselben abjagte und im Fischfang weit mehr Geschick zeigte, als die zahlreich aus dem Wasser emporschnellenden Krokodile.
Die Thiere blieben etwa zwei Fuß vom Wasser entfernt, am Rande des Gewässers einige Momente stehen, dann sprangen sie vorwärts und liefen rasch durch einige der nächsten Binsen, indem sie mit den Schnauzen die Stellen um die Binsenwurzeln absuchten; kehrten hiernach wieder zurück und auf’s Ufer, um da die Beute zu verzehren, welche mir nur aus kleinen Fischen zu bestehen schien.
Am nächsten Tage machte ich einen größeren Ausflug flußaufwärts, doch war ich nicht im Stande, obgleich es eine interessante Hetzjagd war, weder einer der Roen-Antilopen oder Pallahgazellen, noch eines der zahlreichen Paviane habhaft zu werden; hingegen war es mir vergönnt, namentlich schöne große Eisvögel (Ceryle Maxima), ferner Bienenfänger und Kukuke zu beobachten. Nachmittags begrüßten mich am jenseitigen Ufer mehrere rasch aufeinander folgende Gewehrschüsse, es war das Rumela (der Gruß), welchen der Häuptling Makumba abfeuerte, um mir anzuzeigen, daß die zum Könige abgesandten Boten mit einer für mich befriedigenden Antwort von Schescheke angelangt waren. Der Sitte gemäß hatte ich darauf in ähnlicher Weise zu erwidern und benützte diesen Anlaß, um nach den Früchten des Maschungulubaumes zu schießen. Da es mir gelang, einige derselben zu spalten, andere zu durchbohren, hatte ich in den Augen der anwesenden Masupia’s sehr an Ansehen gewonnen. Bald darauf stießen zwei kleine Kähne vom jenseitigen Ufer ab, um mich hinüber zu bringen. Der untere Tschobe wie der Central-Zambesi sind tiefe Ströme (ich schätze ihre Tiefe auf 30 bis 40 Fuß), welche selbst größeren Dampfern freie Schifffahrt ermöglichen. Leider sind die schiffbaren Strecken nach je 50 bis 100 englischen Meilen durch Felsenbänke unterbrochen, welche Stromschnellen verursachen.
Am jenseitigen Ufer gelandet, wurde ich mit abermaligen Schüssen von Makumba begrüßt und hatte sie zu erwidern. Was mir beim Betreten des Masupiadorfes sofort auffiel, waren die aus Schilfrohr erbauten Hütten und Gehöfte. Die meisten waren nach dem System der Doppelbauten, wie ich sie bei Mosilili’s Ruinenstadt antraf, errichtet. Dieselben hatten einen Durchmesser von 9 Fuß, die äußeren einen solchen von 25 Fuß bei einer Höhe von 12 Fuß. Weder zuvor noch später beobachtete ich so hohe Schilfrohr-Umzäunungen wie in Impalera und bei einem Zweigstamme der Marutse. Das Schilfrohr war hier in seiner ganzen Höhe belassen, einestheils, um das Spiel der Winde abzuhalten, anderntheils, um dem andringenden Schwalle des Hochwassers in den Sommermonaten besser zu widerstehen und die Hütten zu schützen. Einige Hütten zeigten Backofenformen, bestanden aus einer Veranda und zwei Kammern und waren aus Schilfrohr und Gras aufgeführt.
In der Mitte der Niederlassung auf einem Rasenplatze stand eine Berathungshütte, d. h. eines jener kegelförmigen, auf einigen dünnen Pfählen ruhenden Strohdächer, und in diesen fiel mir besonders ein länglicher, hohler Gegenstand, eine Morupa (Trommel) auf, welche sich, wie ich später erfuhr, in den meisten Dörfern des Marutse- und Masupia-Reiches vorfindet. Das Trommelfell ist durchbohrt und ein Stäbchen durch die Oeffnung gesteckt, durch welches oben ein Querstäbchen läuft. Man entlockt dieser Trommel einen dem Knarren neuer Stiefel nicht unähnlichen Ton, und wird derselbe dadurch erzeugt, daß man das Stäbchen im Innern der 1½ Fuß langen röhrenförmigen Trommel mit der, mit einem befeuchteten Baobab-Baststücke umwickelten Hand schnell reibt. Die Trommel findet nur dann Verwendung, wenn die Insassen des Dorfes den siegreich von einer Löwen- oder Leopardenjagd Heimkehrenden entgegengehen, um sie mit Gesang und Tanz zu empfangen.
Ich wurde von Makumba, einem dunkelfarbigen Masupia von etwa 40 Jahren, freundlich empfangen und traf noch am selben Tage zwei englische Officiere, Captain McLoud und Fairly, sowie Herrn Cowley, welche von Natal der Jagd halber an den Zambesi gereist waren. Sie hatten auch deshalb Sepopo ersucht, sein Reich betreten zu dürfen. Der König sagte es zu, und die Herren waren, nachdem sie ihm ihre Geschenke überbracht, eben im Begriffe, nach Panda ma Tenka zu ihren Wägen zurückzukehren, um sich für die großen Jagden im Marutse-Reiche zu rüsten. Leider wurden sie bitter enttäuscht und trotz aller ihrer Opferwilligkeit von Sepopo nicht gut behandelt.
Captain McLoud erzählte mir, daß er einen Elephanten erlegt habe, dessen Hauer je hundert Pfund schwer waren. König Sepopo hatte sie in Empfang genommen und ihm nach seiner Rückkehr nach Schescheke zwei andere, die er selbst erbeutet, als Ersatz versprochen. Makumba hatte uns in einer seiner Wohnungen mit Butschuala (Kafirkornbier) bewirthet. Es wurde in großen Holztöpfen servirt und mit aus Kürbisschalen verfertigten Schöpflöffeln getrunken. Während des Gespräches machte Makumba, der seinem König treu ergeben war und später sogar sein Leben für ihn aufopferte, mich auf des Königs Eigentümlichkeiten aufmerksam, damit ich mein Betragen darnach einrichten konnte. Bevor ich Impalera verließ, machte ich wiederholt Gänge durch das Dorf und fand, daß man die Niederlassung in drei Gehöftgruppen eintheilen konnte. Die dem Flusse anliegende Gruppe zählte 135, jene gegen den einige hundert Schritte nach Norden zu liegenden Hügel, auf dem die Bewohner von Impalera sich bei Hochwasser zu flüchten pflegen, 25 und die westliche 32 Wohnungen. Die Frauen des Dorfes trugen keine Schürzen, wie wir sie in so mannigfacher Form bei den Betschuana’s finden, sondern bis an die Knie reichende aus gegerbtem Leder verfertigte Röckchen. Im Allgemeinen fand ich das Aussehen der Leute bedeutend besser, als das der Betschuana.
Makumba verließ noch am selben Tage Impalera, um sich nach seiner Residenz, welche am linken Zambesi-Ufer liegt, zu begeben. In Impalera wohnte nur eine seiner Frauen mit ihren Dienerinnen, um für den Häuptling das Feld zu bestellen, und ihn zu empfangen und zu bewirthen, so oft er Impalera mit seinem Besuche beehrte. Er kam diesmal, um mich in des Königs Namen zu bewirthen. Als ich ihm für seine Freundlichkeit dankend, ein Geschenk anbot, wies er dieses mit den Worten zurück. »Würde ich es thun, so hätte ich es mit meinem Leben zu büßen, wir dürfen von keinem Fremden, ob Schwarzer oder Weißer ein Geschenk annehmen, bevor nicht der König eines empfangen.«
Spät am Nachmittage des 17. brachen wir auf, um zu der Landungsstelle am Zambesi zu gelangen, welche in der Nähe eines großem Baobab gelegen, Makumba-Hafen genannt wird. Die Bootsleute errichtetem für mich und Blockley einen Skerm; hier verbrachte ich am Ufer des Riesenstromes, nach dem ich mich jahrelang gesehnt hatte, die erste Nacht zu. Die Makumba-Landungsstelle liegt unmittelbar an den schon erwähnten Stromschnellen des Zambesi, kaum vier englische Meilen oberhalb seiner Vereinigung mit dem Tschobe. Vor uns im Strome lagen die zahlreiche theils bewaldeten, theils beschilften Inseln. An einigen über die Stromschnellen hängenden kahlen Aesten saßen Schlangenhalsvögel, und an den hervorragenden braunen Felsenrissen hatten Kormorane Stellung genommen. Sie tauchten in die Fluth, ließen sich von dem Wasser nach abwärts tragen und fischten, mieden jedoch die von Krokodilen bewohnten Tiefen. Auffliegend, ließen sie sich wiederum an den Felsenblöcken nieder und breiteten ihre Flügel aus, um sie zu trocknen. Wir schossen mehren der Vögel, doch konnten wir uns nur zweier bemächtigen, die übrigen, wie ein von mir erlegter Schrei-Seeadler (Haliaëtus vocifer), wurden von dem Wasser fortgetragen und fielen den Krokodilen zur Beute. Während der Nacht ließen sich die Nilpferde in Intervallen von zehn zu zehn Minuten hören, doch blieben wir in Folge des mächtigen, gegen den Fluß zu angezündeten Feuers von einem Besuche der unwillkommenen Gäste verschont.
Am 18. unternahm ich nach Sonnenaufgang meine erste Bootfahrt auf dem Zambesi. In einem gebrechlichen, kaum 18 bis 20 Zoll breiten, aus einem Baumstamme ausgehöhlten Kahne, dessen Bord nur 2½ Zoll über das Wasser ragte, schaukelt sich der Reisende auf der klaren Fluth, die unter ihm schwärzlich-blau erscheint und von der großen Tiefe des Stromes spricht, während sie sich vor und hinter ihm als ein dunkelblaues Band hinzieht und die in allen Nüancen des Grün prangenden Inseln umschlingt. Zu unserer Rechten, etwa sechs Fuß über dem Strome, erhebt sich eine dichte Wand des riesigen Schilfrohrs, welche sich stellenweise meilenweit in’s Land hineinzieht. Hie und da gewahren wir förmliche Grotten in der ganzen Breite dieser Schilfrohrmassen, zu welchen Gänge — die Pfade der Nilpferde — führen, welche dieser riesige Dickhäuter benützt, um vom Flusse aus auf die Weide gelangen zu können. Zahlreiche schöne Winden mit rothen Blüthen schlängeln sich an den Schilfrohrstängeln empor und beleben in anmuthiger Weise die dunkle Wand des rauschenden Schilfwaldes. Zu unserer Rechten breitet sich eine morastige Schilfinsel aus, ringsum von den wunderlichen Formen der Papyrusstaude, wie mit einem spitzen Kragen umsäumt, die äußersten der Stauden, deren Stängel theilweise vom Wasser bespült werden, bewegen deutlich ihre Fiederköpfe, sie zittern und jene an der stärkeren Strömung schaukeln hin und her. An kleinen freien Stellen zwischen den phantastischen Gebilden der Papyrusstauden sieht das Auge hie und da plötzlich weiße, rothe, graue, oder schwarze Farbentöne durchschimmern und bevor wir uns noch dessen versehen, ist ein Silber-, Purpur- oder grauer Reiher aufgeflogen, während wir zahlreiche kleinere Arten des Reihers, der Dommel und anderer Sumpfvögel, an den etwas gebeugten Stängeln der Staude nach Fischchen auslugend, beobachten können.
Biegt man in einen der von den Bootsleuten seltener aufgesuchten Arme ein, so sieht man sich bald von Wildgänsen und Enten umschwärmt, während die Sandbänke von Klaffschnäblern, Strandläufern und drei Möwenarten wimmeln. Durch ihren langgezogenen Schrei ziehen die pärchenweise auf Bäumen oder an erhöhten Uferstellen sitzenden Schrei-Seeadler die Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich; immer wieder tauchen neue und anziehende Erscheinungen aus der Thierwelt an dem Ufer des mächtigen Stromes auf. Zu der interessanten Uferscenerie, dem durch eine bunte vielstimmige Vogelwelt belebten Schilfrohrwald zu unserer Rechten und den Papyrusdickichten zu unserer Linken gesellt sich noch der Reiz, den die Fahrt in dem Canoe auf den Reisenden ausübt. Wir können uns kein malerischeres Bild denken, als die Bemannung der die Fluthen schnell durchschneidenden und doch schwer beladenen Kähne, die dunklen Gestalten der Marutse mit ihren langen Rudern und ihren aus gegerbten Fellen bestehenden, mit weißem und rothem Calico umwundenen, im Winde flatternden Schurzfellen. Der am Bootschnabel stehende Mann lenkt denselben. In einem Tempo werden die Ruder in’s Wasser getaucht und diese Bewegung zuweilen mit Gesang begleitet. Unmittelbar hinter dem vordersten Ruder sitzt der Reisende und hinter ihm haben in der Regel noch drei bis vier, doch zuweilen bis eilf weitere Bootsleute Posto gefaßt und führen stehend ihre Ruder. Die längsten der Kähne messen 22 Fuß.
Ich schätze die Breite des Flusses, je nachdem und in welcher Anzahl Inseln denselben verbreitern, auf 300 bis 1000 Meter. An vielen Stellen ist das Ufer unterwaschen und senkt sich unmittelbar zur Tiefe des Stromes. An den beschilften Stellen beträgt die Tiefe, acht Fuß vom Ufer entfernt, sechs Fuß, während dieselbe Tiefe an den mit Binsen bewachsenen Stellen erst in einer Entfernung von 20 Fuß beobachtet wird.
Nach einer dreistündigen Bootfahrt lichtete sich das rechte beschilfte und bewaldete Ufer zu einer in weiter Ferne von einem Gehölze begrenzten und von zahllosem Wilde belebten Grasebene, welche die Masupia und Marutse, Blockley zu Ehren Blockley’s-Kraal benannt haben. Hier verließ ich das Boot und ging dem Ufer entlang weiter. Nahe an dem Schilfwalde, häufiger noch am Rande des Laubwaldes, trieben sich Büffelheerden herum. Zum erstenmale beobachtete ich hier Letschwe- und Puku-Antilopen, welche in Heerden zu Hunderten auf den Grasebenen weideten. Die ersteren Thiere größer, die letzteren kleiner als die Bläßbock-Antilopen, waren durch ein gelblich-braunes (wie bei allen Wasserantilopen) dichtzottiges Fell und ein Paar nach vorwärts gekrümmter Hörner ausgezeichnet. Außerdem sah ich Trupps von Rietbockgazellen im hohen Grase hinter den Schilfrohrpartien. Nach dem Gehölze zu bemerkte ich zahllose Heerden von Zebra’s und kleinere 10 bis 20 Stück zählende Trupps des gestreiften Gnu.
Nilpferdjagd.
Wir fuhren stets nahe am Ufer und dies namentlich, um den tagsüber sich in der Strommitte aufhaltenden und nur zeitweilig an der Oberfläche auftauchenden Nilpferden auszuweichen. Hatten wir an manchen Stellen der Strömung halber den Fluß zu kreuzen, so wurde dies von den Bootsleuten so schnell wie möglich ausgeführt. Als wir das linke Ufer mit dem an der betreffenden Stelle von einer Papyrus-Insel gebildeten rechten, vertauschten und stromaufwärts dahin glitten, fiel es mir auf, daß die Leute plötzlich innehielten und der mir zunächst stehende Ruderer mir das Wort Kubu zuflüsterte. Ueber die Bedeutung dieses Wortes blieb ich nicht lange im Zweifel, denn mein freundlicher Nachbar wies auf eine etwa 200 Schritte entfernte Stelle im Strome vor uns, an welcher ein dunkler kurzer Klotz auftauchte und dem ein niedriger doppelter Wasserstrahl entstieg, bald darauf erschien auch ein zweiter. Es waren die Köpfe von Nilpferden. So wie die dunkle Masse unter dem Wasser verschwand, wurde äußerst leise und langsam vorwärts gerudert, und als wir mit der Stelle, wo die Thiere zuerst erschienen, in eine Linie gekommen waren, wurde wieder stille gehalten. Blockley und ich hielten unsere Gewehre schußbereit; zuerst erschienen diesmal die Köpfe zweier junger Thiere, dann der große Kopf des männlichen Thieres, dem jener eines weiblichen unmittelbar folgte. Von acht auf die beiden letzteren abgefeuerten Schüssen trafen zwei den Alten hinter das Ohr. Die Bootsleute behaupteten, daß das Thier tödtlich getroffen sei, und es mußte auch der Fall gewesen sein, denn obgleich wir noch eine Stunde lang gegen den Willen der Eingebornen, welche, wenn nicht mit den kleinsten ihrer Kähne und mit eigens dazu verfertigten Speeren ausgerüstet, aus der Nähe dieser Thiere so schnell wie möglich zu kommen trachten, auf derselben Stelle blieben, tauchten immer wieder nur drei Köpfe, nicht aber jener des Alten auf.
Unter den größeren Säugethieren Südafrika’s halte ich das Hippopotamus dem unbewaffneten Menschen gegenüber für das gefährlichste. In der freien Natur kennt und leidet das Thier nur jene Objecte in seiner Nähe, die es stets um sich sieht. Jeden ihm fremd erscheinenden Gegenstand behandelt es als einen seine Ruhe störenden Feind; trifft es bei seinem Ausgange oder Heimwege zum Flusse (in den Schilfrohrgrotten) ein solches Object, mag es nun ein Ochs, ein Pferd, ein Stachelschwein oder eine Kiste, ein angestrichener Holzblock, eine quer über gehängte Wolldecke oder gar ein menschliches Wesen sein, so stürzt es sofort darauf los, um sich den Weg frei zu machen. Geschieht es nun, daß der betreffende Gegenstand rasch entfernt wird oder daß sich das lebende Wesen in die Büsche zurückzieht, so geht das Nilpferd seines Weges ruhig weiter, es hat den Gegenstand, der seinen Stumpfsinn für einen Moment aufgeregt hat, vergessen.[9] Vor ihm findet der unbewaffnete Mensch, der doch so oft aus einer Begegnung mit dem Löwen und in der Mehrzahl der Fälle, aus einer solchen mit dem Leoparden, und Büffel (wenn er diese Thiere nicht gereizt) unbehelligt hervorgeht, keinen Pardon.
Wird von mehreren auf derselben Stelle im Flusse auftauchend Nilpferden eines verwundet, so kommen die Uebrigen seltener zur Oberfläche des Wassers, und war die Wunde eine tödtliche, so erscheint das leblose Thier eine Stunde nach seinem Tode an der Oberfläche und treibt mit den Wellen abwärts. In einem solchen Falle verstehen es die Völker des Marutse-Reiches sich auf leichte Weise des Kadavers zu bemächtigen. Ein an eine Grasschnur befestigter Stein wird über dem Cadaver geworfen, und indem man das freie Ende der Schnur in der Hand festhält, vermag man mit einem leisen Zuge der Hand den Coloß gegen das Ufer zu ziehen. Die Bewohner des Marutsereiches, vor Allem aber die längs dem Zambesi-Ufer wohnenden, Marutse, Masupia, Batoka und namentlich jedoch die letzteren, welche ob ihrer Geschicklichkeit im Jagen dieses Dickhäuters von den Marutsekönigen aus ihren am oberen Zambesi befindlichen Wohnsitzen geholt und längs dem Flusse in kleinen Dörfern angesiedelt wurden, um den königlichen Hof sowohl, wie die in den am Flusse grenzenden den Provinzen wohnenden Häuptlinge mit frischen und getrockneten Fischen und Nilpferdfleisch zu versorgen, sind passionirte Jäger des Thieres.
Diese Stämme haben die kleinsten ihrer Kähne, die kaum eine Person tragen und äußerst schwierig zu regieren sind, jedoch blitzschnelle Bewegungen zulassen, Mokoro tschi Kubu (Nilpferdkanoe) genannt. Zur Jagd bedienen sie sich besonders großer, mit einem einfachen Widerhaken versehener, langgestielter Assagaie, welche jedoch, da der Stiel aus weichem Holze gearbeitet ist, nicht schwerer als die gewöhnlichen kleineren Wurfspeere sind. Als ich später nach Schescheke kam, berichtete man mir einen höchst traurigen Fall, der sich im vorigen Jahre (1874) auf einer Sandbank in der Nähe dieser Stadt abgespielt hatte. Ein den Fluß herabfahrender Masupia bemerkte an der Sandbank ein schlafendes Nilpferd und hielt es für eine leichte Sache, dasselbe zu erlegen. So geräuschlos wie möglich heranrudernd, kam er in die unmittelbare Nähe des Thieres. Er steigt aus dem Boote, nähert sich dem Thiere und stößt ihm den Speer hinter die Schulter ein. Doch das Eisen erzeugte nur eine unbedeutende Wunde, indem es an einer Rippe abglitt. Bei dem Stoße erhob sich das Thier und wandte sich so rasch, daß der Mann nicht bei Seite und aus seinem Gesichtskreise springen konnte. Da er sich jedoch sofort von dem Thiere angegriffen sah, warf er sich flach auf die Erde, um sich unsichtbar zu machen. Doch er mußte diese Bewegung nicht behend genug ausgeführt haben, um selbst das stumpfsinnige Geschöpf zu täuschen, denn das Thier warf sich auf ihn und wollte den Mann zertreten. Als dieser sich wehrend den rechten Arm ausstreckte, fühlte er denselben auch zwischen den scharfen Hauern des Feindes und bis auf einen Hautlappen durchbissen. Der unwillkürliche Versuch, auch die linke Hand zur Abwehr auszustrecken, hatte eine völlige Amputation derselben zur Folge. Vorüberfahrende Fischer fanden den Verstümmelten in sterbendem Zustande.
Ich habe wiederholt Nilpferdfleisch genossen, doch konnte ich demselben keinen besonderen Geschmack abgewinnen. Als ein Leckerbissen wird die gelatinöse dicke Haut desselben gebraten betrachtet. Roh zugeschnitten, gibt sie gute Handhaben für Messer und kleinere Werkzeuge, da sie getrocknet zusammenschrumpft und den Eisentheil festhält.
Wird von den Masupia oder Marutse flußaufwärts oder abwärts bis zu zehn geographischen Meilen von Schescheke entfernt, ein Flußpferd erlegt, so wird beinahe in allen Fällen die Hälfte nach Schescheke dem Könige überbracht, dabei gilt der Brustkorb als Königsstück. In der Regel verläßt das Hippopotamus sein Element am Abend und geht auf die Weide, wobei es oft wählerisch ist und zuweilen grasend neun englische Meilen stromaufwärts streift, um bei Tagesgrauen den Heimweg nach dem Flusse anzutreten, d. h. die Stelle aufsucht, an der es am Tage im Flusse oder in der Lagune geweilt, und seine Anwesenheit durch wiederholtes Auftauchen und »Blasen« kundgibt. Zuweilen wurden die Flußpferde neun bis zehn englische Meilen weit vom Strome im Walde und dann meist schlafend angetroffen. Weniger beschwerlich ist die Jagd auf diese Thiere im östlichen und südlichen Matabele, sowie im Maschona-Land, wo sie im Süden vom Limpopo, im Norden vom Zambesi die Zuflüsse aufwärts verfolgen und sich in der Tangente derselben aufhalten. Matabele-Händler berichteten mir Fälle, in welchen Maschonas vor ihren Augen mit breitschneidigen Dolchen die Nilpferde im Wasser angriffen und auch bewältigten.
Die Nilpferde waren in früheren Jahren über ganz Südafrika verbreitet; die an den Felsenhöhen angetroffenen Gravirungen der Buschmänner beweisen, daß sie einst nicht nur die Flüsse, sondern auch die salzhaltigen Regenpfannen bevölkerten.
Man findet sie noch in den Flüssen Natals und in der Cap-Colonie berichtete man mir, daß sie noch am Unterlaufe einiger der Flüsse in Kaffraria vorgefunden werden. Im centralen Südafrika trifft man sie von Süden her zuerst im Limpopo an. Obgleich der Zambesi von Krokodilen wimmelt, und sie die Hauptursache waren, warum die Bootsleute so sehr die Nilpferde mieden, sahen wir doch kein einziges. Die Ufer bestanden aus Thon und Humus in abwechselnden 2 bis 18 Zoll starken Lagen, von einer torfähnlichen Masse aus den angeschwemmten und vermoderten Pflanzenresten gebildet. Hie und da, wo eine seichte Einsenkung aus der Grasebene zu unserer Rechten in eine Rinne endend, am Flusse ihren Abschluß fand, hatten die Masupia-Fischer ein bis zehn Fuß hohes Schilfrohrgitter errichtet und damit die Vertiefung gegen den Fluß zu abgesperrt. Wir machten etwa 3 bis 3½ englische Meilen per Stunde und kreuzten an dem ersten Tage zehnmal den Strom und dies theils um scharfen Biegungen desselben, theils um der starken Strömung auszuweichen. Während wir einen Ueberblick über die Grasebene zur Rechten (Blockley’s Kraal) mit all’ ihrem Wildreichthum bis an das sie begrenzende Gehölze genossen, war uns der Ausblick nach Süden und Westen durch hohes Schilfrohrdickicht vollkommen verwehrt. Diese lagunenreichen Dickichte zwischen dem unteren Tschobe und dem Zambesi sind ein wahrer Lieblingsaufenthalt der Elephanten und Nilpferde. Auf einer sandigen Insel, auf welcher wir eine verlassene Hütte trafen, schlugen wir unser Nachtlager auf. Während einige mit ihren Assagaien und Messern das Schilfrohr abschnitten, es zu Bündeln banden, gruben andere mit den gleichen Werkzeugen Löcher in den Sand, in welchen die zu Pfählen verbundenen Schilfbündel eingelassen wurden. Inzwischen hatten drei Kähne abgestoßen, um vom gegenüberliegenden Ufer getrocknetes Gras herbeizuschaffen und es auf die oben in ihren Wipfeln vereinigten Rohrbündel zu werfen. Die nachtmützenförmige etwa 4½ bis 6 Fuß hohe, 2 bis 2½ Fuß breite Hütte war von den Männern in unglaublich kurzer Zeit fertiggestellt.
Am folgenden Vormittage passirten wir am linken Ufer einen an seiner Mündung etwa 50 Meter breiten, an Krokodilen reichen Fluß Kascha oder Kaschteja (der von Livingstone gebrauchte Name Madschilla mußte bei den Makololo im Gebrauche gewesen sein). Schon einige hundert Schritte oberhalb der Mündung verengte sich der Fluß stellenweise bis zu 15 Meter; trotz der stellenweise geringen Tiefe (drei Fuß) wäre das Durchwaten desselben ein gefährliches Wagestück, denn die getrübte Fluth verräth die tückischen Insassen des Gewässers nur zu deutlich. Wir begegneten mehreren Kähnen mit Leuten aus Makumba’s Stadt, welche Elfenbein nach Schescheke zu Sepopo gebracht hatten und nun mit Schießmaterial und zwei Wolldecken als Gegengeschenk auf dem Heimweg waren. Nach einem erfrischenden Bade an einer seichten und ungefährlichen Stelle steuerten wir rüstig weiter, um noch vor Abend die neue Residenz zu erreichen. Die Nähe dieser tsetsefreien Niederlassung der Masupia verkündeten uns schon kleine Viehheerden, welche längs des Flusses und wohl bewacht weideten.
Alt-Schescheke lag etwa 1½ Meilen westlich von der Stelle, wo der Strom von Süden her eine plötzliche Wendung nach Osten macht, an einer Zambesi-Lagune. Der Marutse-Hof residirte von jeher in dem fruchtbaren und für die Viehzucht so wohlgeeigneten Mutterlande Barotse. Sepopo, zur Zeit meines Besuches König des Reiches, hatte sich viele Grausamkeiten unter seinem Stamme zu Schulden kommen lassen, weshalb er in der Barotse mißliebig wurde, seine Residenz verließ und sich in der zum größten Theile durch die Tsetse inficirten Masupia-Provinz niederließ. Ein zweiter Grund der Uebersiedlung war seine Unzufriedenheit mit den portugiesischen Elfenbeinhändlern von der Westküste, deren Waaren ihm im Vergleiche zu jenen Westbeech’s werthlos schienen, weshalb er bemüht war, seine neue Residenz den von Süden kommenden Händlern näher zu rücken.
Als wir uns der Residenz näherten, rieth Blockley an, unsere Ankunft mit einem Rumela anzuzeigen. Kaum waren die Salutschüsse verhallt, erschienen Menschengruppen unter den Bäumen und einige zwanzig Schüsse folgten sofort als Gegengruß; sie bewiesen, daß sich der König unter der Menge befand und selbst die Anlage der neuen Stadt leitete. Unter dem Geschrei der Menge, das uns nun entgegenscholl und welches die Bootsleute aneiferte, hatten wir eine Viertelstunde später das Ufer an den Bäumen erreicht und an eine Stelle, wo einige Kähne an’s Land gezogen waren, angelegt. Zur Audienz bei dem Herrscher am centralen Zambesi hatten wir in Gala zu erscheinen, meine Bestürzung war daher keine geringe, als zur Completirung des Anzuges mein Hut fehlte. Blockley ließ mir kaum Zeit, mein Gepäck zu durchsuchen, denn schon ertönten von den Bäumen her die Klänge der Myrimba.
Wie ich schon früher erwähnte, war mein Kommen dem Könige seit mehreren Monaten bekannt, er hatte sich wiederholt bei Westbeech und Blockley um mich erkundigt und geäußert: »Wenn doch der Njaka käme, der wie Monari (Livingstone) in seinem Reiche reisen wolle.« Deshalb sollte sich auch mein Empfang feierlicher gestalten, als er seit Livingstone den 15 Blaßgesichtern, die vor mir das königliche Antlitz Sepopo’s geschaut, bereitet worden war.
[9] Dies Alles beruht wohl auf der Gehirnquantität der Körpergröße des Thieres gegenüber.
Mein Empfang bei Sepopo. — Der Libeko. — Sepopo auf Schleichwegen. — Sepopo’s Residenz. — Geschichte des Marutse-Mabunda-Reiches. — Die Stämme des Reiches und ihre Wohnsitze. — Unterthanen-Verhältnisse derselben. — Die Sesuto-Sprache. — Portugiesische Händler am Hofe Sepopo’s. — Sepopo erteilt mir die Erlaubniß zur Bereisung seines Landes und beschreibt mir den einzuschlagenden Weg. — Der Bau von Neu-Schescheke. — Brand von Alt-Schescheke. — Culturstufe der Stämme des Reiches. — Der Aberglaube und seine Opfer. — Thronfolge. — Machtbefugnisse des Herrschers. — Das Bauwesen bei den Völkern des Reiches. — Dreifache Bauart der Hütten. — Das Innere des königlichen Gehöftes. — Der Kischitanz. — Sepopo’s Musikcapelle. — Die Musik-Instrumente bei den Marutse-Mabunda’s. — Kriegstrommel. — Die Kischitänzer-Masken. — Rückfahrt nach Impalera. — Ankunft in Panda ma Tenka. — Ein Löwenabenteuer.