[277] S. anlachen.
[278] Was hier unter „auslassen“ zu verstehen ist, ergibt sich aus der deutlicheren Bezeichnung bei Kapff in seinen Ergänzungen zur schwäb. Händlerspr. (Lütz. 214: bremse[n] = „furzen“, Bremser = „Furz“). Die Etymologie bleibt unsicher, doch könnte man vielleicht an einen Vergleich mit dem knarrenden Geräusch des Bremsens denken; vgl. etwa auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1395 (unter „bremse[n]“, Nr. 5: bremse[n] = „prickeln in der Nase, z. B. vom kohlensaurem Getränke“).
[279] Zu dieser Redensart s. (betr. schmusen) das Näh. unter „ansagen“.
[280] S. abgehen.
[281] S. abbiegen.
[282] S. ansagen.
[283] S. Ärger.
[284] S. aufwachen.
[285] Das Zeitw. schlanne(n) (-na) entspricht in seinen Bedeutgn. (schlafen [schlummern], liegen, ruhen) ganz dem Syn. durme(n), so auch in den Zus., nämlich (außer ausschlauna [wozu zu vgl.: ausg’schlaunet = erwacht]) noch einschlauna = einschlafen, herumschlauna = herumliegen, hinschlaunen = (sich) hinlegen, niederschlaune = (sich) niederlegen. Ableitung: das Adj. schlaunerich = schläfrig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (schlaunen = schlafen); W.-B. des Konst. Hans 256 (schlauna = schlafen); Schöll 271 (Schlauna = Schlaf); Pfulld. J.-W.-B. 339, 342, 344 (schlaunen = schlafen, verschlaunen = einschlafen, nobus schlaune = schlaflos sein, Schlane = Schlaf, Schlaunklamine = Schlafzimmer, Schlaumalfes [sic] = Schlafrock, schlaunerig = schläfrig); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. 215: schlaune[n] = schlafen). Etymologie: Der Ausdruck, der sich bis in den Lib. Vagat. zurückverfolgen läßt (s. dort 55: schlun = schaffen [lies: schlaffen]) stammt her von einem in deutsch. Mundarten bekannten Zeitwort (z. B. alemann: schlunen). S. Pott II, S. 17, A.-L. 601 (unter schlonen), Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81 vbd. mit W.-B. (7. Aufl.), S. 43 (unter „schlummern“) u. Stalder, Schweiz. Idiotikon usw., Bd. II, S. 333 (schlunen); vgl. auch Weber-Günther, S. 180. Über das stammverwandte schlummern s. d. Näh. unter „Herberge“.
[286] S. abschreiben.
[287] S. anschauen.
[288] S. anlachen.
[289] S. ansagen.
[290] S. abwaschen.
[291] S. anfassen.
[292] Das Zeitw. schoren (z’schore [Spr.]) = stehlen (entwenden), (be)rauben), findet sich noch in d. Zus.: herausschoren = herausstehlen u. wegschoren = wegstehlen. Ableitungen: Schorer = Dieb, Räuber (vgl. dazu Schorerulma = Diebesbande) u. Schorerei = Diebstahl. Mit dem stammverw. Hauptw. Zschor = Dieb, Räuber, dagegen ist zusammenges. Zschor-Kitt = Diebesherberge. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 253, 255, 257, 260 (schornen = stehlen, T’schor od. Schorne = Dieb, T’schorr-Kitt = Diebesherberge, T’schor-Bais = Diebeswirtshaus, T’schor-Kaffer, -Gaya = Mann [bzw. Frau], der [die] gestohlene Sachen kauft); Schöll 268, 271-73 (dschornen = stehlen, Dschorn = Raub, Tschor = Dieb, „Jauner“); Pfulld. J.-W.-B. 337-39, 343, 345 (schornen = stehlen, ausplündern, Schornen = Diebstahl, Gschor = Dieb, Schelm, Spitzbube); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (tschornen = stehlen); Schwäb. Händlerspr. 486 (schôren [in U. (214): tschōren] = stehlen). Zur Etymologie der (auch sonst im Rotwelsch [seit Anf. des 18. Jahrh.] bekannten) Vokabeln — aus der Zigeunersprache (vgl. Einltg., S. 30) — s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 326, Anm. 1 u. dazu noch Jühling, S. 227 (Tschoraben = das Stehlen, Tschormasskäro = Dieb) u. Finck, S. 92 (tšōr = „Dieb, Räuber“, tšōr[d]- = „stehlen, rauben“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter „Tschor[n]“ bzw. „tschor[n]e[n]“).
[293] S. (zu beiden Ausdr.) Abort.
[294] S. abgerahmte Milch.
[295] Das Zeitw. flös(s)le(n) od. flessle bedeutet (außer: „harnen“, „pissen“) auch noch „regnen“ (Spr.) u. dementsprechend das Subst. Flösle = a) Harn („Pisse“, Urin), b) Regen. Für die Bedeutg. unter a) auch: Flöslete. Mit dem Stamm (flössel-) des Zeitw. flöss(e)le(n) erscheinen gebildet die Zus. Flösselflu(h)te = a) Harn („Pisse“), Urin, b) Regenwasser, Flösselnolle = Nachthafen, Urintopf u. Flösselglansert = Uringlas, ferner noch Flösselreifling = Regenbogen u. Flösselschei = Regentag. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (flöslen = „Wasser abschlagen“); Pfulld. J.-W.-B. 338 (flößeln = „brunzen“, Nebenbedtg.: beweinen, heulen); Schwäb. Händlerspr. 484, 485, 488 (flößlen = mingere, flößeln od. flößeren = regnen [aber flôßeren = weinen]; dazu in Pfedelb. [211] noch Flößl = „Kandel“, d. h. Dachrinne). Vgl. auch Pleißlen der Killertaler (nach Kapff [212]: flüssne[n] = mingere). Zur Etymologie von flös(s)len u. ä. (dessen Bedeutungen im sonstigen Rotwelsch sehr wechseln [vgl. z. B.: a) Basler Betrügnisse um 1450 (15: geflösselt = ertränkt) u. dann öfter im 16. u. 17. Jahrh.; b) Lib. Vagat. 53 (flößlen = „seichen“) u. dann öfter (s. oben; vgl. auch noch Pfister 1812 [298: Flössel = Urin]); c) D. Schwenter um 1620 (140: flösseln = sieden; vgl. Flos = Suppe); d) A. Hempel 1687 (168: flösseln = weinen); e) Schintermicherl 1807 (289: flösseln = regnen; vgl. Flos = Wasser)]) s. A.-L. 541 (unter „Floß“) u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1585/86 (unter „flössere[n]“ u. „flössle[n]“). An erster Stelle dürfte wohl als Quelle dafür zu betrachten sein das mundartl. Floß für „kleines fließendes Wasser“ (vgl. auch mhd. vlôz = „Fluß, Strömung“ u. a. m. [s. Weigand, W.-B. I, Sp. 558 u. 559 unter „Floß“ 1 u. 2]), weiterhin überhaupt das gemein-deutsche Fluß bzw. fließen usw. Vgl. auch das stammverwandte (rotw. u.) jenische Flößling = Fisch, worüber d. Näh. noch weiter unten, sowie das alte rotw. Floßart (Flossert) u. ä. = Wasser (vgl. Näh. bei Weber-Günther, S. 186).
[296] S. Amme.
[297] Zu glemse(n) (-sa) = weinen (beweinen), heulen, jammern, schreien (als Subst. Glemsen = Tränen, Ableitung: Glemserei = Heulerei) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 101 (klemsen = heulen, weinen); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: glimse[n] = weinen). Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. hat das Wort nicht aufgeführt.
[298] S. anzahlen.
[299] S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.
[300] S. Ärger.
[301] S. ankleiden.
[302] Dazu das Diminutiv Doberle = Beil. In den verw. Quellen m. Wiss. unbekannt u. desgl. wohl im älteren Rotwelsch (denn in der Sulzer Zigeunerliste v. 1787 [252] ist es nur als Zigeunerwort — für rotw. Hekerling — aufgeführt), dagegen findet es sich in einigen Sammlungen des 19. Jahrh. (wie Pfister 1812 [297], v. Grolman 17 u. T.-G. 84, Karmayer G.-D. 196). Zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einltg.“, S. 29) s. Näh. bei Liebich, S. 162, 180 u. 182 (tōwer = Axt, Beil); Miklosich, Beiträge III, S. 20 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 83 (unter „tover“: bei den deutsch. Zig.: tover; vgl. pers. u. hind. tabar, kurd. taver, armen. tapar, russ. topor usw.); Jühling, S. 89 (Dowär = Axt, Beil); Finck, S. 89 (tower = „Axt, Beil“).
[303] S. abbrühen.
[304] Betr. Fläderling s. Adler.
[305] Der Ausdruck jenisch ist hier, wie die nachfolgenden Bemerkungen Wittichs im Text zeigen, in dem Sinne von „zu den fahrenden Leuten gehörig“ oder „auf sie Bezug habend“ (vgl. „Vorbemerkung“, S. 5 u. Anm. 7) genommen. Übereinstimmend damit die weiteren Verbindungen: jenischer Benk (Benges) od. Fi(e)sel = „fahrender Bursche“, jenische Moss u. Model = „fahrende Frau“ u. „fahrendes Mädchen“, jenische Ulma = „fahrende Leute“. Bemerkt sei hierzu noch, daß nach Jühling, S. 220 von den Zigeunern „alle herumziehenden Leute“, die „nicht Zigeuner“ sind, als Chalo-Jenische (zu Chalo = Fresser [ebds. S. 220]?) bezeichnet werden. Im übrigen vgl. betr. die Etymologie, die verschiedenen Bedeutungen u. die Belege für das Wort jenisch (im Rotw. usw.) die ausführl. Angaben in m. „Vorbemerkg.“, S. 4, Anm. 6 ff.
[306] Bestätigt ist dieser Ausdruck auch von Liebich, S. 156, 165 u. 180 u. Finck, S. 92 (rómeno tširklo), die jedoch beide keine Erklärung hinzugefügt haben. Näheres darüber soll sich nach einer Mitteilg. Wittichs in seinen (auch von Groß, Handb. für Untersuchungsrichter, S. 511, Amn. 2 a. E. angeführten) Aufsätzen im Jahrg. 1912, Heft 1 der „Mitteilungen über die Vogelwelt“ (S. 89, 212 ff.) finden, die ich leider nicht einsehen konnte.
[307] S. aufhören.
[308] Lehm (od. [seltener] Lechem) = Brot kommt auch noch in folgenden Zusammensetzgn. vor: a) im Anfang stehend: Lehmschottel = Brotbüchse, Lehmrande = Brotsack, Lehmschure = Brotschrank; b) ans Ende gesetzt: Dercherlehm = Bettelbrot, Schmunklehm = Butterbrot, Lanengerlehm od. -lechem (d. h. „Soldatenbrot“) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Schoflelehm od. Schofellechem (Spr.) = Schwarzbrot, Dofelehm od. dofer Lehm (Spr.) = Weißbrot, Süßlinglehm = Zuckerbrot. Betr. die Vermutung, daß auch Boslem = Exkremente zu Lehm zu ziehen s. schon oben unter „After“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Lechem od. Lehm = Brot, schofel —, gehechelter — (= schwarzes, weißes Brot); W.-B. des Konst. Hans 254 (Leham = Brot, Lehmschlupfer [sic] = Bäcker); Schöll 271 (Lehem = Brot); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338 (Lächum = Brot, Lächumschupfer od. Lemer = Bäcker, Lächumrande = Brotsack); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Lechum od. Lehm = Brot, Kafferlechum = Bauernbrot); Schwäb. Händlerspr. 479, 480 (Lêm [in Pfedelb. (209): Lehm] od. Lechem = Brot, Lêmschupfer = Bäcker, in Pfedelb. [208]: Kafferlehm = Bauernbrot). S. auch noch Pfälz. Händlerspr. 436, 437 (Lêchem od. Leachem = Brot, Finne Lêchum = Stück Brot) u. Metzer Jenisch 216 (Lēm). Zur Etymologie (vom gleichbed. hebr. lĕchĕm) s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 25, 26 (dort in den Anmerkgn. auch über die sonst. Belege im Rotw.); vgl. auch Weber-Günther, S. 157/58 (unter „Legem“) u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1081 u. 1082 (unter „Lechem“ u. „Lehm“).
[309] Mit Hitzling = Ofen (am Anfang) sind noch folgende Zus. gebildet: Hitzlingschwä(t)zling = Ofenruß (s. d. betr. Schwetzling [wohl für Schwärzling] = Ruß), Hitzlingpflanzer od. -schenegler = Ofensetzer, Hitzlingbossert = Rauchfleisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 91 (Hitzling = Ofen, Lechem- od. Lehmhitzling = Backofen); Schöll 271 (Hitzling = Ofen, aber auch = Sonne); Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (Hitzling = Ofen, Lächumschupferhitzling = Backhaus); Schwäb. Händlerspr. 487 (Hitzling). Zur Etymologie des Wortes (das im Rotw. schon 1687 — bei A. Hempel [167] — für „Stube“ vorkommt) vom deutsch. Subst. Hitze vgl. A.-L. 549, Günther, Rotwelsch, S. 60 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1702.
[310] S. (betr. Kittle) Abort u. (betr. Kies) Apfelkern; vgl. dazu auch „Vorbemerkg.“, S. 19, Anm. 48 sowie die Anm. zu „Ziegelstein“ im W.-B.
[311] S. abbrühen.
[312] S. abwaschen.
[313] Mit Rutsch = Bahn, Eisenbahn sind zusammengesetzt: Rutschschenegler = Eisenbahnarbeiter u. Rutschrädling = Eisenbahnwagen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (Rutsch = Eisenbahn); Schwäb. Händlerspr. 480 (ebenso); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Rutscher = Wagen, Eisenbahn). Zur Etymologie (vom Zeitw. rutschen) s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 67 (unter „Rutscher“).
[314] Sitzleng (-ling) = Bank (Kanapee) oder Stuhl (Schemel, Sessel) kommt auch vor in den Zus. Leile- od. Schundsitzleng = Nachtstuhl u. Schoflereisitzling = Richterstuhl. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 487 (Sitzling = Stuhl, Bank); s. auch im Metzer Jenisch (217) Setzerling = Stuhl, während der Hennese Flick von Breyell (450) dafür Sitterd, das Bargunsch von Zeele (470) Zitterik hat. Der Etymologie nach gehört der Ausdr. natürlich zu sitzen.
[315] S. Almosen u. Abort.
[316] Vgl. dazu die Verbindg. grandiche Lobekitt = Münze, Münzwerkstätte. — Lobe = Geld, Geldstück, Münze (ferner Barschaft, Gehalt, Sold, Summe) findet sich ferner noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Lobesins = Bankier, Lobeschure = Geldkasse od. -kästen, Loberande = Geldsack, Lobepflanzer = Münzarbeiter (dazu: nobis dufter Lobepflanzer = Falschmünzer); b) am Ende: Stradelobe = Chausseegeld, Schenagelslobe (eigtl. „Arbeitsgeld“) = Lohn, Duftlobe (eigtl. „Kirchengeld“) = Opfergeld, Kieslobe (eigtl. „Steingeld“) = Pflastergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Labe = Geld); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Labai); Schwäb. Händlerspr. 481 (Lôbe); ebenso auch im Metzer Jenisch 216. Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, S. 30) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 270/71 und Anm. 3 vbd. noch m. Liebich, S. 144, 201, 223 (lōwo = Geld, Münze), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 7 (bei d. deutsch. Zig.: lōvo) u. Finck, S. 71 (lōwo = Münze, plur. lōwe = Geld); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 901 (unter „Labe“) u. 1310 (unter „Lobe“).
[317] S. Almosen und Amtmann.
[318] Mit Kies = Geld, Geldstück, Münze sind ferner noch zusammengesetzt: a) am Anfang: Kiesreiber = Beutel, Geldbeutel (-tasche), Säckel, Kiesschure = Geldkasse od. -kästen, Kiesrande = Geldsack, Kiespflanzer = Münzarbeiter (vgl. nobis dufter Kiespflanzer = Falschmünzer); b) am Ende: Schenagelskies = Lohn u. Duftkies = Opfergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kis = Beutel u. kislen = Beutel schneiden); W.-B. des Konst. Hans 254 u. 258 (Kies = Silber, Geld; vgl. auch [255]: kiesle = Beutel schneiden); Schöll 269, 270 (Kis = Beutel, Geld; Kißler = Beutel schneiden); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Kiß = Geld, Kißrande = Geldbeutel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 70 (Kies = Geld, Kiesreiber = Geldbeutel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Kîs [in Pfedelb. (211): Kies] = Geld, Kis- [od. Kies]reiber = Geldbeutel). Über weitere Belege im Rotw. und die Etymologie (vom hebr. kîs = „Beutel, Geldbeutel, Geld“, jedoch vielleicht auch mit Einfluß des rotw. Kisow od. Kisof[f] = Silber[geld] aus hebr. kesef = „Silber“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 254, Anm. 1 u. bes. S. 260 ff. u. die Anmerkgn.; vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 420 (unter „Kis“, Nr. 4, lit. a u. b, mit Hinweis auf d. zigeun. kísik = „Beutel, Geldbeutel“ [Finck, S. 64]).
[319] S. Bank u. Amtmann.
[320] Bochdam bedeutet auch allgemeiner Leinwand od. Tuch. Zus. damit sind: a) am Anfang: Bochdampflanzer = Leinenweber od. Tuchmacher; b) am Ende: Begerbochdam = Leichentuch. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Bockdam = „Tuch en général“); W.-B. des Konst. Hans 255 (Bokdam = Tuch); Pfulld. J.-W.-B. 342 u. 345 (Bokdame = wollenes Tuch; Dame = Leinwand, Tuch). Auch sonst im Rotw. (bei Schintermicherl 1807 [288] z. B. in der Form Poktam [= Leinwand]) bekannt. Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, S. 29]) s. A.-L. 585 (unter „Pochtam“ [der an eine zigeunerische Verstümmelung von begodim, Plur. des hebr. beged = „Kleid“, dachte]) vbd. mit Pott II, S. 367/68 (unter „Pochtan“), Liebich, S. 152, 181, 219 (pōchtánn = Leinwand, Barchent), Miklosich, Beiträge III, S. 17 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 48 (bei den deutsch. Zig.: pōchtan = Leinwand), Jühling 220 (Bochtan = Leinwand) u. Finck, S. 79 (póxtan = „Leinwand, Tuch, Barchent“).
[321] S. Almosen.
[322] Gore hat ungefähr dieselben Bedeutgn. wie Bich, Kies u. Lobe, also (außer Barschaft noch) bes. Geld (Geldstück, Münze), auch Gehalt, ist aber in Zus. weniger beliebt; vgl. jedoch Stradegore = Chausseegeld. Unter den verw. Quellen hat das Wort nur die Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Gore = Geld). Nach Horn, Soldatenspr., S. 96, soll es auch bei den württembergischen Soldaten gebräuchlich sein. Die Etymologie ist unsicher; auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 751 gibt darüber keinen Aufschluß.
[323] S. Bank.
[324] Die Bedeutung von Rande = Bauch (Wanst) ist erst eine Begriffsübertragung, denn ursprünglich ist der Ausdr. so viel wie: Beutel, Sack (Bündel, Felleisen, Quersack, Ranzen [auch: Büchsenranzen], Rucksack, Tornister), Tasche. In diesem Sinne ist er verwendet in folgenden Zus.: a) am Anfang (selten): Randeschnurrant = Taschenspieler; b) am Ende (sehr häufig): Dercherrande = Bettelsack, Kritzlerrande = Brieftasche, Lehmrande = Brotsack, Bich-, Kies- u. Loberande = Geldsack, Bäzemerande = Hodensack, Sprausrande = Holzsack, Buxen- od. Kopelrande = Hosensack (-tasche), Stupflengrande = Igelsack, Schmalerrande = Katzensack, Staubertrande = Mehlsack, Malfesrande = Rocktasche, Dächlesrande = Schirmsack, Toberichrande = Tabaksbeutel, Toberichschurerande = Zigarrentasche. Mit Rande = Bauch sind gebildet nur die Zus. Randeschure = Bauchgrimmen u. die Verbindg. grandicher Rande = Dickbauch, als Adj. gebr. = beleibt, wohlbeleibt, insbs. auch schwanger (trächtig); vgl. dazu gr. Rande bosten = schwanger gehen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Rante = Sack); W.-B. des Konst. Hans 255, 260 (Rande = Sack, Felleisen); Schöll 271 (Rande = Sack); Pfulld. J.-W-B. 338, 340, 343, 345 (Rande = Bündel, Sack, Tasche, Lächumrande = Brotsack, Kißrande = Geldbeutel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Rande = Bauch [nur so!]); Schwäb. Händlerspr. 485, 487 (Rande = Ranzen, Tasche, [in Pfedelb. (208) auch = Bauch]); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Rande = Portemonnaie). Zur Etymologie des — im Rotwelsch schon früh auftretenden Wortes (vgl. Lib. Vagat. [55]: Rantz = Sack), das auch als Quelle unseres gemeinsprachl. „Ranzen“ zu betrachten ist, s. Günther, Rotwelsch, S. 96 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 111 (unter „Ranzen“, Nr. 2), Kluge, W.-B. (7. Aufl.), S. 363, Sp. 2 und Weigand, W.-B. II, Sp. 526 (unter „Ranzen“ u. „Ränzel“); vgl. auch Horn, Soldatenspr., S. 65. Auch unser Ranzen ist wohl für „Bauch“, „dicken Leib, auch im Zustand der Schwangerschaft“, zunächst als „ein niedriges Volkswort des 18./19. Jahrhunderts“, dann auch im Schriftdeutsch gebräuchlich geworden. S. Grimm, D. W.-B., a. a. O. vbd. mit Kluge, a. a. O.
[325] S. (betr. Schure) abbiegen.
[326] Kaffer (Plur. Käffer [Spr.]) hat auch in Wittichs Jenisch — in wesentlicher Übereinstimmg. mit dem Rotwelsch (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 331/32) — mehrfache Bedeutgn., nämlich: a) Mann (Kerl); b) spezieller: Ehemann (Gatte, Gemahl); c) Bauer (Landmann). Zu der Bedeutg. unter a gehört das Dimin. Käfferle mit den Bedeutgn. a) Junggeselle u. b) Greis (alter Mann), während die Redensart Käfferle pflanzen = Onanie treiben wohl (wie noch weiter unten auszuführen ist) an die Bedeutung unter c angeknüpft hat. Mit K. in der Bedeutg. unter a (= Mann) sind gebildet worden: α) die Verbindungen: grandicher Kaffer = Riese (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch „Vorbemerkung“, S. 17) nebst dem Gegensatz nobis grandicher Kaffer = Zwerg sowie schofler Kaffer = Heuchler (od. auch „Hurenkerl“); β) folgende Zusammensetzgn.: aa) mit K. am Anfang: Kaffermalfes = Gewand für Männer, Kafferkluft, -klufterei = Mannskleid, -kleider, Kafferstreifling = Socken; bb) mit K. am Ende (bes. beliebt für Standes- u. Berufsbezeichnungen, wie im Rotw. [vgl. „Vorbemerkung“, S. 12, Anm. 29]): Dercherkaffer = Bettelmann, Rädlingskaffer = Fuhrmann, Vergremers- od. Verkemerskaffer = Handelsmann, Kittkaffer = Hausherr, Fehtekaffer = Hauswirt, Herbergsgeber, Quartierherr, Finkelkaffer = Hexenmeister, Schwarzkünstler, Sprauskaffer = Holzmacher, Sicherkaffer = Koch, Begerkaffer = Leichenbeschauer, aber auch Totengräber, Leilekaffer = Nachtwächter, Blibelkaffer = „Stundenmann“ (Methodist). Mit K. in der Bedeutg. unter b (= Ehemann) sind zusammengesetzt: α) im Anf.: Kaffersglied = Mannsschwester; β) am Ende: Modelkaffer = Tochtermann (Schwiegersohn); zu vgl. hierzu auch das (gleichsam menschliche Begriffe auf Tiere übertragende) Trabertkaffer = Hengst (eigtl. „Pferde[ehe]mann“, männl. Pferd im Gegens. zu Trabertmoss = Stute [s. d.]; betr. der Zigeunerspr. s. unter „Hengst“). Mit K. in der Bedeutg. unter c (= Bauer) sind keine Zus. od. Verbdgn. gebildet worden. Mit dem Dimin. Käfferle findet sich noch die Verbdg. nobis vergrönter Käfferle (eigtl. „nicht verheiratetes Männchen“) = Junggeselle, die insofern pleonastisch erscheint, als ja auch schon das einfache Käfferle dasselbe bezeichnet. Über die Redensart Käfferle pflanzen s. schon oben. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 96, 98 (Kaffer = Mann, Grönkaffer = Ehemann, Gaskekaffer = Schulmeister); W.-B. des Konst. Hans 255, 256, 259 (Kaffer = Kameraden [s. dazu: Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 22 u. Anm. 1], schofler Kaffer = böser Mann, T’schorkaffer = Mann, der gestohlene Sachen kauft); Schöll 271 (Gaver = Mann); Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 342 (Kafer = Mann, Biedermann, kochemer Kafer = kluger Mann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Kaffer = Bauer, Dorfbewohner, Kafferlechem = Bauernbrot.); Schwäb. Händlerspr. 479, 483 (Kaffer = Mann, Bauer). S. noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kafrînum = Mann). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (aus dem Hebr. [kâfâr, Verbindgsform kĕfar, = Dorf, bzw. rabbin. kaphri = „Dorfbewohner, Bauer“]) s. d. ausführl. Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 328 ff. u. dazu noch Weber-Günther, S. 165, Seiler, Lehnwort IV, S. 490 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 145.
[327] Mit Ruch = Bauer (Landmann) sind zusammengesetzt: Rucheg’fahr = Bauerndorf (vgl. dazu die folgende Anm.), Ruchamoss = Bauernfrau (vgl. S. 378, Anm. 329) u. Ruchekitt = Bauernhaus. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Ruoch = Bauer, Ruochen Kitt = Bauernhaus); W.-B. des Konst. Hans 253 (im wes. ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Ruech = Bauer, Ruechekehr = Bauernhaus, Ruchemalfes = Bauernkittel, Ruchegasche = Bauernvolk u. a. m.); Schwäb. Händlerspr. 479 (Rûch od. Ruoch = Bauer); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Ruch). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die Etymologie (wahrscheinl. vom mhd. Adj. rûch u. ä. = „rauh“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 5.
[328] Für G’fahr (Gefahr) = Dorf (Ortschaft) war früher im Jenischen Palar gebräuchlich (s. „Einleitung“, S. 27); über d. Synon. Mochum (-am) bzw. Hegesle (= kleines Dorf) s. unter „Dorf“. Außer Rucheg’fahr finden sich keine Zus. mit dem Worte. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (G’far = Dorf); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Gfart); Schwäb. Händlerspr. 480 (Gefar); s. auch Metzer Jenisch 216 (G’fār), u. Pfälz. Händlerspr. 438 (Kfâr). Dagegen hat die Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 die stammverwandte Form Kaff; ähnlich bei den schwäb. Händlern in Lütz. 214 (Khāf). Über sonstige Belege im Rotwelsch u. die Etymologie (vom hebr. kâfâr = Dorf [vgl. oben Anmerkung 326 (zu Kaffer)]) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 328 u. Anm. 3; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 135 (unter „G[e]fahr“ II); insbs. noch über die Form Kaff s. Archiv, Bd. 48, S. 329, Anm. 2 u. dazu noch Fischer, a. a. O., Bd. IV, Sp. 143 (unter „Kaf[f]“, Nr. 1) vbd. mit Bd. III, Sp. 2 (betr. Gab = Dorf, das nach ihm zum zigeun. gāw = Dorf [s. Finck, S. 58; vgl. Jühling, S. 221] zu stellen ist).
[329] Moss od. (seltner) Mos bedeutet: a) Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib, sodann enger b) entsprechd. der Bedtg. von Kaffer unter b): Ehefrau (Gattin, Gemahlin); dazu das Dimin. Mössle = Jungfrau; eine Ableitung davon ist mossich = weiblich od. weibisch. In der Bedeutg. unter a) findet sich das Wort in den Verbindungen: schofle Mos(s) = Ehebrecherin, Kebsweib und jenische Mos(s) = fahrende Frau sowie in folgenden Zusammensetzgn.: α) am Anfang stehend: Mos(s)malfes = Gewand für Frauen, Frauen- od. Weiberrock, Mos(s)klufterei = Frauenkleid, Mos(s)fūrflamme = Frauenschürze, Mos(s)schrende = Frauenstube; β) ans Ende gesetzt (bes. für Standes- u. Berufsbezeichn. [vgl. „Vorbemerkg.“, S. 12, Anm. 29]): Derchermos(s) = Bettelfrau, Vergremmos(s) = Handelsfrau, Kittmos(s) = Hausfrau, Deisel- od. Disselmos(s) = Hebamme, Finkelmos(s) = Hexe, Begermos(s) = Leichenfrau, Fehtemos(s) = Quartiersfrau, Jerusalemsfreundmos(s) = Schäferin, Blibelmos(s) = „Stundenfrau“ (Methodistin), Pfladermos(s) = Wäscherin. Dagegen beziehen sich mehr auf die Bedeutg. unter b (= Ehefrau) die Zus.: Ruchamos(s) = Bauernfrau, Stichtlersmos(s) = Schneidersfrau, Trittlingpflanzersmos(s) = Schustersfrau u. Lanengersmos(s) = Soldatenfrau, wohl auch noch Sinsemos(s) = Dame, Herrin, das aber auch zu Gruppe a gerechnet werden könnte. Über Trabertmos(s) = Stute (als Gegens. zu Trabertkaffer) s. schon oben S. 376, Anm. 326; vgl. dazu betr. d. Zigeunerspr. Näh. unter „Hengst“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 101 (Moos = Weib, Grünt’-Moss = Ehefrau); Schöll 272 (Moos = Weib); Pfulld. J.-W.-B. 339, 340, 342, 346 (Mosch = Eheweib, Musch = Frau, Muß = Weib, Fingelmuß = Hexe, Oldrischmus = Mutter); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 70 (Moß = Frau, Mößle = Fräulein, Finkelmos = Hexe); Schwäb. Händlerspr. 483 (Moß = Frau, Weib [in Pfedelb. (211) auch: Mutter]; Dimin.: Mößle od. Mêßle = Mädchen [in Pfedelb. (209 u. 213) auch = Fräulein, Tochter]; Zus.: Finkelmoss = Hexe, in Pfedelb. [208 u. 214]: Rammelsmoß = Bäuerin, Baizersmoß = Wirtin, Wittmoß = Witwe, in U. [214]: Schenalmoss = Magd). S. auch noch Metzer Jenisch 217 (Muss = Weib) u. Pfälz. Händlerspr. 438 (Moss = Frau). Über noch weitere Belege im Rotwelsch u. die Etymologie des Wortes (das deutschen Ursprungs u. eigentl. eine pars pro toto [spätmhd. mucze od. mutz(e) = „weibl. Geburtsglied“] gewesen) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 345 ff.; vgl. auch „Anthropophytoia“, Bd. IX, S. 34 ff. u. Weber-Günther, S. 178 (unter „Moß“) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1770 (unter „Moß“) vbd. mit Sp. 1827 (unter „Musch“).
[330] S. (betr. Kitt) Abort.
[331] S. (betr. Ulme) arme Leute.
[332] S. Apfelbaum.
[333] Spraus = Holz hat auch noch die engeren Bedeutgn.: Block, Dorn, Pfahl, Pflock, Prügel, Scheitholz, Stab, Stecken, Stock; dazu das Dimin. Spräusle = Splitter u. die Ableitung sprausich = hölzern. Zus. mit Spraus sind noch: a) am Anf.: Sprausrande = Holzsack, Sprauskaffer = Holzmacher, Sprauskritzler = Steckbrief (s. Näh. unter diesem Worte; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, S. 18, Anm. 46 sowie die Anm. zu „Attest“), Sprauspflanzer = Stockmacher; b) am Ende (außer Stöberspraus): Johlespraus = Weinrebe. Mit Spräusle ist gebildet Funkspreisle (sic) = Zündhölzer. Eine Verbindg. ist grandicher Spraus = Stange (s. d. betr. wes. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. a’gefunkter Spraus (eigtl. „angebranntes Holz“) = Kohle. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunersprache 94 (Spraus = Holz); W.-B. des Konst. Hans 255 (Sprauß, Bedeutg. ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 346 (Form: ebenso, Bedtg.: auch Wald, Sprausfetzer = Zimmermann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Sprausfetzer); Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (wie Pfulld. J.-W.-B., dazu in Degg. [215]: Funk-Spraus = Zigarre). Auch das Metzer Jenisch (216) kennt Spraus = Holz. Zur Etymologie des Wortes (wohl verwandt mit unserem gemeinspr. „Sproß“) sowie noch über sonstige Belege im Rotw. s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 55, Anm. 1.
[334] Die Bezeichnung des Eichhörnchens als Stöberschmaler, d. h. „Baumkatze“, ist sicher aus der Zigeunersprache übernommen, in der das Tier sachlich ganz ebenso heißt (näml. [nach Liebich 156, 181, 191] rukkéskri od. rukkengĕri mádschka od. [nach Finck 72] rakéskeri mátška, d. h. etwa die sich auf Bäumen aufhaltende Katze, zu ruk(k) = Baum u. mátška (madschka) = Katze [s. Liebich, S. 156, 181, 214 u. Finck, S. 72, 82]); vgl. auch schon „Vorbemerkung“, S. 18. Ein Synon. damit ist auch romésk(e)ri mátška, d. h. „Zigeunerkatze“ (s. Liebich, S. 156 u. 191 u. Finck, S. 72), wie denn das Eichhörnchen neben dem Igel und dem Fuchs (sowie dem Federvieh) zu den „Leckerbissen“ der Zigeunerküche gehört (s. Liebich, S. 85). — Neben Schmaler = Katze (auch Kater; Dimin.: Schmalerle = Kätzchen) findet sich im Jenischen auch die gleichbd. Form Schmaleng (plur. Schmaling [vgl. „Vorbemerkung“, S. 13, Anm. 30). Mit Schmaler sind zusammengesetzt noch Schmalerbossert = Katzenfleisch und Schmalerrande = Katzensack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341 (Schmaling = Katze); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Gschmaling); Schwäb. Händlerspr. 482/83 (Schmâle [in Pfedelb. (211): Gschmale], Schmâling [in Pfedelb. (211): Schmarling] oder Gschmâling [in Pfedelb. (211): auch Gschmarling] = Katze); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Schmalert) u. Regensb. Rotwelsch 489 (Schmali u. a. m.). Der Dolm. der Gaunerspr. (98) kennt das Synon. Schmalfus, das schon im W.-B. von St. Georgen 1750 (207) verzeichnet ist und sich — gleich den Formen Schmaler (zuerst dial.: Schmola bei Schintermicherl 1807 [289]) u. Schmaling — bei den Gaunern bzw. Kunden bis in die Neuzeit erhalten hat (vgl. z. B. Groß 491 u. Ostwald [Ku.] 133). Der Etymologie nach gehören alle diese Ausdrücke gewiß zu unserem Adj. schmal; s. Pott II, S. 23; Wagner bei Hersig, S. 249; Günther, Rotwelsch, S. 57 u. 63, Anm. 64; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 481 (unter „G[e]schmaling“).
[335] S. Angst.
[336] S. anreden.
[337] S. ansagen.
[338] S. abbetteln.
[339] S. Adler.
[340] S. Aas; vgl. „Vorbemerkg.“, S. 15, Anm. 36 (Substantivierung eines Partizips).
[341] S. Ärger.
[342] S. anschauen.
[343] S. Angst.
[344] Das Zeitw. bodera (-re) od. budera (-re) = begatten (erzeugen), als Subst. gebr. = Begattung (Beischlaf) ist m. W. nicht nur in dem verw. Quellenkreis, sondern auch sonst im Rotw. usw. ungebräuchlich. Es ist nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1557 (unter „budere[n]“) ein gemein-schwäbischer Ausdruck mit den Bedeutungen: a) „klopfen, schlagen“, b) „poltern“ u. c) „Unzucht treiben“, der seinerseits zu dem Hauptw. Buder (Nebenf. zu Bauder) = „Stoß“ (s. W.-B. I, Sp. 1506 vbd. m. Sp. 69) gehört, wobei (bezügl. der Bedeutg. unter c) „volkstüml. etymol. an buttern, auch an pudern (d. h. ‚mit Puder bestreuen‘) gedacht werden“ mag.
[345] Das Zeitw. kirme(n) (mit gleicher Bedeutg. u. Verwendung wie bodera) kommt für „Unzucht treiben“ auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. (76) vor, desgl. (noch etwas allgemeiner) für „coire“ in der schwäb. Händlerspr. (in U. [213]). Es scheint sich auch hier zunächst um ein schwäb. (bzw. überhaupt südd.) Dialektwort (mit ursprüngl. wohl allgemeinerer Bedeutg.) zu handeln; s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 213 (unter „g[e]hirme[n]“) mit weitern Angaben über südd. Mundarten.
[346] Das Zeitw. schnirgla (-le) — ebenfalls gleichbed. m. bodera — ist m. Wiss. sonst in den Geheimsprachen nicht bekannt. Etymologisch darf man es (nach gefl. Mitteilung von Dr. A. Landau-Wien) vielleicht stellen zu mundartl. Schneck(e) = „feminal“, vulva u. dgl. (s. z. B. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 567 [unter „Schneck“, lit. g] u. ausführl. Angaben bes. bei Aigremont in d. „Anthropophyteia“, Bd. VI, S. 48, 49; vgl. auch Müller, ebds. Bd. VIII, S. 11) bzw. (schwäb. u. bayr.) Schnickel = „penis“ (s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 474 u. Schmeller, a. a. O., Sp. 567 [mit Anführg. v. holl. sneukelen = „Hurenhäuser besuchen“]) oder (schles.) Schnicke = „penis“, schnicken = „supprimere abiquam“ (s. Weinhold, Beitr. zu e. schles. W.-B., S. 87; vgl. auch Müller, a. a. O. S. 6).
[347] S. abbiegen.
[348] S. abbetteln.
[349] S. Adler.
[350] S. anmutig.
[351] Diese Vokabel setzt ein Zeitw. verfinkeln = behexen voraus, das aber im Vokabular nicht angeführt ist, ebenso wie ein einfaches finkeln (im Rotw. für „kochen [sieden, braten]“ usw. bekannt) fehlt, während als Ableitungen von letzterem die Subst. Finkler = Zauberer, Schwarzkünstler, Finklere = Zauberin, Finklerei = Hexerei, Zauberei u. als Zus. mit dessen Stamm finkel-: Finkelmoss = Hexe, Finkelkaffer = Hexenmeister u. Finkelkitt = Hexenhaus erscheinen. Über das — gleichfalls zu diesem Zeitw. gehörige — Subst. Gefinkelter = Branntwein s. Näh. unter diesem Ausdr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 270 (Fenkel Caspar = Betrug mit Hexerei); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Fingelschize = Hexe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Finkelmos = Hexe); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: Finkelmoß = Hexe, Finkelschütz = Hexenmeister). — Das einfache Finckel = Hexe kannte die Scharfrichtersprache v. 1813 (308). Zur Etymologie: Den Übergang von der Bedeutg. des — zu dem Stammwort Funk u. ähnl. = Feuer (vgl. Bd. 63 S. 35 u. Anm. 125) gehörenden — Zeitw. finkeln od. fünkeln = kochen usw. (s. schon Lib. Vagat [53]: fünckeln = sieden od. braten u. dann öfter) zu den Begriffen Finklerei = Hexerei, Finklere od. Finkelmoss = Hexe usw. haben höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie „Teufelsbraten“ u. „Hexenküche“ (u. überhaupt die Vorstellung von dem Zubereiten [Kochen] von allerlei Zaubertränken durch die Hexen) vermittelt; s. dazu Pott II, S. 34; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 350 (unter „Fingelmusch“).
[352] S. Axt.
[353] Buxa (-e), plur. Buxen = Beinkleid, Hose kommt auch vor in Zus., nämlich Buxeschmelzer = Feigling (vgl. dazu schon Bd. 63, S. 132, Anm. 293 zu „austreten [schwer]“) u. Buxerande = Hosensack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Buchsen = Hosen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Buxen = Hosen); Schwäb. Händlerspr. 482 (ganz ebenso). S. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Form: ebenso, Bedtg.: auch Unterhosen) u. Regensburg. Rotw. 490 (Buxen = Hose). Etymologie: Es handelt sich um ein schon früh (17. Jahrh.) ins Rotwelsch — auch in Süddeutschl. — eingedrungenes niederd. Wort. S. Pott II, S. 17 u. Günther, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81; vgl. auch Fischer, Schwab. W.-B. I, Sp. 1495 (unter „Buchse[e]“).
[354] Mit Kopel (plur. Kopla) = Beinkleid, Hose zusammengesetzt ist nur Kopelrande (= Buxerande). In dem verw. Quellenkr. ist der Ausdr. unbekannt. Der Etymologie nach handelt es sich zwar wahrscheinlich um ein Zigeunerwort (s. „Einleitung“ S. 30), jedoch müßte bei seiner Aufnahme ins Jenische eine Umstellung (Transposition) der Buchstaben der letzten Silbe stattgefunden haben, da es im Zigeunerischen — nach Jühling, S. 221 — Cholep lautet (s. ebds. S. 228: früher dafür auch Chochlep). Vgl. ferner Pott II, S. 163, 170 (unter „Chólov“); Liebich, S. 130, 182, 211 (chōlib od. chóleb = Beinkleid, Hose); Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 222 (unter „cholov“: bei den deutsch. Zig.: cholib); Finck, S. 69 (xóliw od. xóluw = „Hose“). In dieser Form ist die Vokabel vereinzelt wohl auch ins Rotwelsch eingedrungen (vgl. z. B. v. Grolman 39 u. T.-G. 102 [Kollew od. Kollet = Hosen] u. Karmayer, G.-D. 206 [ebenso]).
[355] Lubne hat im W.-B. auch die Bedeutgn.: Hure (Dirne [Buhldirne], Freudenmädchen), Ehebrecherin, Kebsweib (Mätresse). Dazu die Zus. Lubnebenk = „Hurenkerl“ und die Ableitg.: lubnen = „huren“. In dem verw. Quellenkr. ist das Wort unbekannt, dagegen ist es sonst im Rotw., wenngleich selten, anzutreffen. S. darüber sowie über die Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. „Einleitung“, S. 30]) d. näh. Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 256/57 u. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 19 (vgl. auch Bd. IX, S. 26) u. dazu noch Finck, S. 71 (zig. lúbni [-li, -lin] = „Hure“); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1311 (unter „Lubegane“). Nach Miklosich, Beitr. I/II, S. 32 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 7 geht das Zigeunerwort auf das altind. lubh = „verlangen, begierig sein“ zurück.
[356] Über schofel s. unter „arg“. — Schof(e)le Model (auch Schoflemodel) ist im W.-B. auch noch durch „Dirne“, „Freudenmädchen“ u. „Hure“ wiedergegeben. Mit Model = Mädchen (Frauensperson, Frauenzimmer), auch Braut, Schwester und Tochter (dazu d. Dimin. Mödele = junges [kleines] Mädchen) sind noch gebildet: a) die Verbindgn.: dofe Model = Geliebte (Liebhaberin, Liebste [wogegen dufte Model nur allgemeiner ein „brauchbares Mädchen“ bedeuten soll]) u. jenische Model = „fahrendes Mädchen“; b) mehrere Zusammensetzgn., näml. α) am Anfang: Modelgalm = Tochterkind, Modelkaffer = Tochtermann (Schwiegersohn), Modelfiesel = Tochtersohn; β) am Ende (bes. für Stände u. Berufe [vgl. „Vorbemerkung“, S. 12, Anm. 29]): Derchermodel = Bettelmädchen, Sinsemodel = Fräulein, Verkemeresmodel = Handelsmädchen, Galma- od. Schrabinermodel = Kindermädchen, Fehtemodel = Quartiermädchen, Jerusalemsfreundmodel = Schäferin, Schmelemermodel = Zigeunermädchen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 342 (Model = Mädchen); Schwäb. Händlerspr. 481, 483 (Môdel = Mädchen, Frau [in Pfedelb. (209): auch Fräulein u. Tochter]). Über die Belege im sonst. Rotwelsch usw. sowie die (nicht ganz sichere) Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.; vgl. auch „Anthropophyteia“, Bd. IX, S. 27 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1725 (nach dem Model „vielleicht einfach“ aus „Modell“ entstanden ist).
[357] S. abbeißen.
[358] S. ankleiden.
[359] Bestieben heißt auch noch spezieller: erwischen od. fangen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 90, 92 (bestieben = bekommen, bestiebt werden = arretiert od. erwischt werden); W.-B. des Konst. Hans 256, 257 ff. (bestieben [Partiz.: bestiebt] = bekommen); Schöll 272 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339 (bestieben = bekommen, ertappen, fangen); Schwäb. Händlerspr. 479 (auch Lütz. [214]: besti[e]be[n] = bekommen [in Pfedelb. (209, 210, 212) auch = ertappen, fangen, geben u. schenken; in Eningen (S. 206, Anm. 1): stieben = geben u. die merkwürd. Subst. Beistieber(in) = Knecht, Magd u. Käppelesstieber = Pfarrer (zu Käppele = Kirche [vgl. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 349]), wozu vielleicht stieben = laufen im Pleißlen der Killertaler 436 herangezogen werden dürfte]). Die Etymologie bleibt unsicher. A.-L. 524 hat das Wort zu dem gemeinspr. „stöbern“ gestellt, Stumme, S. 19 denkt an einen Zusammenhang mit „stibitzen“ (wofür bestieben = bestehlen im Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [226] sprechen würde) od. auch an das latein. stipare = stopfen („in die Tasche stopfen?“), Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 941 (zu „bestieben“, Nr. 2) bemerkt nur negativ: „vielleicht ein anderes Wort“ als „bestäuben“.
[360] S. Adler und Bauch.
[361] S. angenehm.
[362] S. (betr. schmusen) ansagen.
[363] Das Zeitw. ko(h)len = belügen, erlügen (während es für das einfache „lügen“ — wohl nur versehentlich — im W.-B. fehlt), ferner verleugnen u. betrügen — nebst der Zus. vorko(h)len = vorlügen — gehört zu dem Hauptwort Kohl = Lüge (Fabel), das auch adjektivisch (= erlogen, verlogen) gebraucht wird. Ableitungen davon sind: Kohler = Lügner u. Kohlerei = das Lügen, der Betrug. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kohl machen = „einen zum besten haben“); W.-B. des Konst. Hans 259 (Kohl malochen = lügen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 342 (kohlen = erzählen, lügen, ankohlen = anführen, anlügen; Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68, 72 (Kohl = Aufschneiderei, Lüge, Kohl reissen od. kohlen = lügen, ankohlen od. verkohlen = betrügen); Schwäb. Händlerspr. 479, 483 (Kohl reissen od. kôlen = lügen, verkôlen = betrügen; dazu in Pfedelb. [208, 209, 211] noch: Kohl = Lüge, ankohlen = anlügen u. betrügen sowie wegkohlen = leugnen). Über sonstige Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie (vom hebr. qôl = „Stimme“) s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 135 (unter „Oberkohler“) u. Anm. 1 u. 2; vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwab. W.-B. IV, Sp. 570 (unter „Kol“ II).
[364] S. anschauen.
[365] S. angenehm.
[366] S. anfassen.
[367] S. ausstehlen.
[368] Bei dambes = berauscht liegt offenbar der Fall eines adjektiv. Gebrauchs eines Substantivs (Dambes = Rausch [Spr.]) vor; vgl. „Vorbemerkung“, S. 15, Anm. 38). Der Etymologie nach gehört Dambes, das als Dampes auch in süddeutsch. Mundarten (Schwaben, Bayern, Tirol usw.) für einen Rausch (mäßigen Grades) gebräuchlich ist (vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 510 u. bes. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46 mit ausführl. Lit.-Angaben über die verschied. Mundarten), vermutlich zu Dampf od. auch zu dem Zeitw. dämmen = „prassen, schwelgen“ u. dgl. (s. Schmeller, a. a. O., Sp. 509 vbd. m. Grimm, D. W.-B. II, Sp 709). Die Endung -es (vgl. „Vorbemerkung“, S. 13, Anm. 32) ist hier wohl als eine Abschwächung des latein. -us zu betrachten. — Im Rotw. u. in sonstigen Geheimspr. ist der Ausdr. m. W. nicht bekannt.
[369] S. Amme.
[370] Molum = berauscht kommt (gleichsam als Gegenstück zu dem ursprüngl. Subst. Dambes für „berauscht“) auch als Hauptw. — für „Rausch“ — gebraucht vor. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 u. Schwäb. Händlerspr. 485, die übereinstimmend nur Molum = Rausch (also nicht als Adj.) haben. Seiner Etymologie nach ist das Wort aber als Adj. (bzw. Partiz.) aufzufassen, da es nicht etwa zu dem zigeun. mōl = „Wein“ (s. Finck, S. 74; vgl. Liebich, S. 146 u. 259, Miklosich, Beitr. I/II, S. 14 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 16 sowie Jühling, S. 224) gehört, sondern zurückgeht auf d. jüd. môle (hebr. mâle’ = „erfüllend, voll“, zu mâlâ’ [mâlê’] = „erfüllen“ [vgl. A.-L. 403]), das in die meisten deutschen Mundarten als mole (moule, moile) od. molum (målum) eingedrungen (so z. B. bes. in Thüringen u. Sachsen, Hessen u. Westfalen) und (in d. Form molum = „besoffen“) auch der Studentensprache (seit Anf. des 19. Jahrh.) bekannt gewesen ist (s. Kluge, Studentenspr., S. 105). Daß es jedoch in diese erst aus der Gaunersprache aufgenommen wäre (s. J. Meier, Hall. Studentenspr., S. 10), ist kaum anzunehmen, da im eigtl. Rotwelsch das Wort (und zwar i. d. R. in der Form mole) m. Wiss. nicht vor dem 19. Jahrh. vorkommt, und auch dann meist nur in dem allgemeinen Sinne von „voll, gefüllt“ überhaupt (s. z. B. v. Grolman, T.-G. 131; Karmayer, G.-D. 121; Groß 479; nur bei Thiele noch bes. mole jajin = „voll Weines“; erst bei A.-L. 575 in d. Form molum = „betrunken“ u. bei Groß 479 vbd. m. 476 [unter „lunen“]: Molum (-lun) = „Rausch“). S. Weber-Günther, S. 159/60 (unter „moule“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1733 (unter „Molum“).
[371] Auch hierbei handelt es sich (wie bei d. Syn. dambes) um den adjektiv. Gebrauch eines Substantivs, Schwächer = Rausch (vgl. „Vorbemerkung“, S. 15, Anm. 38).
[372] S. abschaffen.
[373] S. abgeben.
[374] Ste(c)ken hat (gleich dogen) auch die allgemeinere Bedeutung von „geben“ (so z. B. Fehma oder Grifling ste[c]ken = die Hand geben), dann aber auch die von „hauen, prügeln“ (s. auch: „fechten“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (stecken = geben); W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (steken = geben, aber auch: sagen); Schöll 272 (ganz ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 344 (steken = hergeben, schenken, Fehma steken = Hand geben, usserkinnig steken = herausgeben); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (stecken = geben); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: stecken = geben, Griffling stecken = die Hand geben); s. auch Metzer Jenisch 216 (sticken = geben). Zur Etymologie: Es handelt sich um nichts anderes als unser gemeinsprachl. Zeitw. stecken, das „Bewirkungswort“ zu stechen (Weigand, W.-B. II, Sp. 957 unter „stecken“ 1), das wohl auch (z. B. nach Ku. IV [433]) gleichbedeutend damit gebraucht wird, in der neueren Gaunersprache aber meist in einem engeren Sinne (nämlich: „heimlich geben“ [„zustecken“], „heimlich zu verstehen geben“ (vgl. z. B. A.-L. 610; Groß 495; Rabben 125] od. „heimlich Unterschrift geben“ [s. Ostwald 148]) vorkommt. Von Verbindungen wie den Kohl stecken = „den Staupenschlag geben“ oder einem Guffti od. Macks stecken = „schlagen“ (eigtl. „jmdm. Schläge geben“) im älteren Rotwelsch (s. für die erstere Wendung: A. Hempel 1687 [168] u. Waldheim. Lex. 1726 [189], für die letztere: W.-B. von St. Georgen 1750 [218 u. 220]) sowie dem mundartl. volkstüml. „einem eine (näml. Ohrfeige) stecken“ (s. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 726) u. dgl. m. konnte sich dann die engere Bedeutung von „prügeln“ usw. leicht entwickeln; außerdem mag auch der Anklang an „Stecken“ (= Stock) dabei vielleicht noch mit eingewirkt haben.