[375] S. Ärger.

[376] S. abgerahmte Milch.

[377] S. abschreiben.

[378] S. anschauen.

[379] Kochem hat im W.-B. noch folgende Bedeutungen: gelehrt, gescheit, klug, schlau, vernünftig, verschlagen, verschmitzt, verständig. In dem verw. Quellenkreise der älteren Zeit tritt das Wort nur in dem bekannten engeren Sinne von „gaunerisch“, „auf die Gauner bezüglich“ u. dgl. oder in d. R. vielmehr substantivisch gebraucht für „Gauner“ („Spitzbube“, „Dieb“) u. ä. auf, während es in der neueren Zeit dann wieder mehr seine ursprüngliche Bedeutung (vgl. unten „Etymologie“) — von „klug“, „gescheit“ usw. — angenommen hat, also mit Wittichs Jenisch übereinstimmt (s. auch schon „Einleitung“, S. 28 u. Anm. 92 vbd. mit „Vorbemerkung“ S. 5, Anm. 8). Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 91, 93, 94 (Kocheme [sing.] = Spitzbub, Kocheme-Kitt = Diebsherberge, Kocheme Grunerej od. Gascherey = Diebshochzeit, Kochemgeis = Diebsvolk u. a. m.); W.-B. des Konst. Hans 256 (Kochem = Dieb); Schöll 268, 271, 273 (Kochum = Dieb, Kochumer [plur.] = „Jauner“, Kochumebaiser = Diebswirt); Pfulld. J.-W.-B. 308, 341, 343 (Kochemer = „Schelm“, Kochemer Kehr, -Kitt od. -Baiss = Diebsherberge, als Adj. gebr. aber kochem = klug, daher kochemer Baiser, Kaim, Kafer = kluger Wirt, Jud, Mann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70, 71, 77 (kochem = klug, kochum = hochfein, cochum = vortrefflich); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: kochem = gescheit, klug). Zur Etymologie (vom hebr. châkâm = „klug, weise“) s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2 u. bei Weber-Günther, S. 157 (hier auch weiter rotw. Belege); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 560.

[380] Komparativ zu dof; s. angenehm.

[381] Ein danach zu erwartender Infin. strupfen = strafen ist im W.-B. nicht angeführt. Dagegen findet sich noch das (wohl als Stamm zu betrachtende) Hauptw. Strupf = Strafe (u. dazu: Strupf bereimen = Strafe bezahlen). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213]: Strups = Strafe [aber schripfen od. stricheln = strafen]). Die Etymologie erscheint nicht sicher. Die z. B. bei v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 514 und Schmeller, Bayer. W.-B. III, Sp. 818 (unter „strupfen“) angeführten Bedeutgn. wollen nicht recht passen; vielleicht liegt daher nur bloße Verunstaltung von „Strafe“, „strafen“ vor. Mit Bezug auf den (aus der Wendg. Strupf bereimen [für Strupf] zu entnehmenden) engeren Begriff „Geldstrafe“ könnte man allenfalls auch an das wienerische Strupf’n = Gulden (s. Schranka, Wien. Dial.-Lex., S. 167) denken.

[382] S. anbeten.

[383] S. anschauen.

[384] S. Amme.

[385] Kasperei = Betrug (bes. auch Wahrsagen) u. Kasperer = Betrüger (Wahrsager, Zauberer [Spr.]), fem. Kaspere = Wahrsagerin sind Ableitungen von dem Zeitw. kaspere = betrügen, auch zaubern (Spr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kasperer = „Betrüger mit falschen Arzneien“); Schöll 270, 271 (kaspern = betrügen, Fenkel Caspar = „Betrug mit Hexerei“, Höllich Caspar = „Betrug mit Beschwörung unschädlicher Geister u. Erhebung verborgener Schätze“); Pfulld. J.-W.-B. 338 (kaspern = betrügen, lügen); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209]: kaspern = betrügen). Über weitere Belege im Rotw. s. Schütze, S. 72, 73. Zur Etymologie (vom hebr. kâzab = „belügen“) s. Groß’ Archiv Bd. 42, S. 21, 22 (unter „Kasper-Fehlinger“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 250 (unter „kaspern“) betr. Angaben über die mundartl. Verbreitg. des Wortes.

[386] S. belügen.

[387] Fehlinger findet sich schon in den verw. Quellen des 18. Jahrh., jedoch in dem engeren Sinne von „Betrüger mit falschen Arzneien“ (so: Dolm. der Gaunerspr. 90; Synon.: Kasperer [s. oben Anm. 385]; vgl. [89] Feling = Arznei) u. dergl. (s. W.-B. des Konst. Hans 255 [= „falsche Ärzte, Ölträger“]). Eine nähere Einteilung der Fehlinger (in Staats- u. gemeine Fehlinger) gibt dann Schöll 1793 (269/70; vgl. 272: Feling = Arzneien); s. auch noch Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (262) und Uracher Jauner- u. Betrügerliste 1792 (268) sowie weitere Belege in Groß’ Archiv Bd. 42, S. 21 (unter „Fe(h)ling“). In neuerer Zeit ist dagegen der Ausdruck m. Wiss. sonst nirgends mehr gebräuchlich. Zur (nicht sicheren) Etymologie s. das Näh. in Groß’ Archiv Bd. 42, S. 20, 21. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1042 hat die Vokabel nicht erklärt.

[388] Sauft (wohl auch im Sing. Säuftleng, argum.: plur. Säuftling [vgl. „Vorbemerkg.“, S. 13, Anm. 30]) = Bett (Federbett), Lager, auch Kissen erscheint noch in der Redensart in Sauft bosten = niederkommen sowie in folgenden Zus.: a) im Anfang: Sauftschottel = Bettschüssel u. Sauftschure = Bettüberzug (Bettuch, Bettzüge); b) am Ende: Rauschertsauft = Streu- od. Strohlager u. Galmesauft (eigtl. „Kinderbett“) = Wiege. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld J.-W.-B. 338, 341 (Sanft = Bett, Kissen); Schwäb. Händlerspr. 479 (Sonft od. Saunft = Bett; Nebenformen: Senftling u. Sänftel [in Eningen (206, Anm. 2): Seifle]); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Sempfle oder Siampfle). Zur Etymologie: Es handelt sich wohl jedenfalls nur um eine (mundartl.) Verunstaltung von Sanft (bzw. Sänftling), einer alten rotw. Vokabel, die — in der Form Senfterich — schon im 15. u. 16. Jahrh. auftritt (s. Basl. Betrügnisse um 1450 [15]; Lib. Vagat. 55 [Senfftrich]), dann später als Senftling (so schon A. Hempel 1687 [167]), Sänftling, Senffte (s. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [231]), Sänft (s. A.-L. 594) u. a. m. begegnet und ohne Zweifel zu unserem Adj. „sanft“ gehört (s. Weber-Günther, S. 181 vbd. im Pott II, S. 11, A.-L. a. a. O., Stumme, S. 25). Der Übergang von Sanft (Sonft) zu Saunft (s. Schwäb. Händlerspr.) und von da zu Sauft ist leicht gegeben.

[389] S. abbetteln u. Attest.

[390] S. (betr. Lehm) Bäcker.

[391] Fi(e)sel = Bube (Jüngling) bedeutet auch noch spezieller: Freund, Kamerad, Kollege sowie ferner: Bräutigam, Geliebter, Liebhaber; dazu das Dimin. Fi(e)sele = Junge (Knabe), Sohn. Verbindungen damit sind: schofler Fi(e)sel = Heuchler, ferner, „Hurenkerl“ u. auch Krüppel, jenischer Fi[e]sel = fahrender Bursche, dofer Fi(e)sel = Junker (während dufter Fi(e)sel für „brauchbarer Bursche“ angeführt ist); als Zusammensetzgn. damit kommen (bes. auch als Standes- u. Berufsbezeichgn. [vgl. „Vorbemerkung“ S. 12, Anm. 29]) noch (außer Dercherfi[e]sel) vor: Linkfi(e)sel = böser Mensch (Mann), Verkemerfi(e)sel = Handelsbursche, Sicherfi(e)sel = Koch, Kenemerfi(e)sel = „Lausbube“, Fehtefi(e)sel = Quartierbursche, Modelfi(e)sel = Tochtersohn (während unter „Sohn“ nur das Dim. Fi[e]sele [s. oben] angeführt ist), Schmelemerfi(e)sel = Zigeunerbursche. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 344 (Fißel = Bube, Junge, Knabe, Visel = Sohn); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 76 (Fiesel = Bursche, Bruchfiesel = lumpiger Stromer); Schwäb. Händerspr. 482-84, 486 (Fîsel [Fisel], Fîßel = Junge, Mann, Sohn [in Pfedelb. (209, 210): Bursche, Junggeselle]; Zus.: Kîslerfîsl = Maurer, in Pfedelb. [209, 211, 212]: Stibbersfisel = Bettler, Wägersfisel = Kaufmannslehrling, Facklersfisel = Schreiberlehrling). Über sonstige Belege in Rotw. sowie die Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 137 ff.: vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1523 (unter „Fisel“, Nr. 5).

[392] S. (zu beiden Ausdr.) abbetteln.

[393] S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.

[394] S. (betr. Ulma) arme Leute.

[395] S. (betr. Model) Beischläferin.

[396] S. (betr. Kaffer) Bauer.

[397] Zu manga (dial. = mange[n]) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 330, 338 (mangölen = abbetteln, betteln, Mangöler = Bettler); Schwäb. Händlerspr. 479 (mangen = betteln; in U. [213]: Mangkitt = Bettelhaus); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (mange = betteln). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. vgl. „Einleitung“, S. 30]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1438 vbd. m. Pott II, S. 445 (unter „Mangawa“), Liebich, S. 145, 184 u. 197 (mangāwa = ich bitte, flehe, bettele), Miklosich, Beitr. III, S. 15 (unter „mangen“) u. S. 30 u. Denkschriften Bd. 27. S. 9, 10 (unter „mang“: bei d. deutsch. Zig.: mangāva = bitten, betteln), Jühling, S. 224 (manga = betteln) u. Finck, S. 72 (Stamm: mang- [mangd-] = „bitten, betteln, fordern“).

[398] S. (betr. Rande) Bauch.

[399] S. (betr. Stenz) Ast.

[400] S. Bett u. Aschenbecher.

[401] S. (betr. Schure) abbiegen.

[402] S. Angst.

[403] Kiesreiber bedeutet eigentl. spezieller Geldbeutel, Geldbörse (Börse, Säckel), zus. aus Kies = Geld u. dgl. (s. Näh. unter „Bankier“) u. Reiber = Beutel, das jedoch in Wittichs W.-B. nicht für sich allein vorkommt, sondern nur in gewiss. Zus. wie (außer Kiesreiber) noch Toberichreiber = Tabaksbeutel u. Dämpferereiber = Zigarrenbeutel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 98 (Reipert = Sack) Megesreipert = Geldbeutel [wozu betr. Meges = Geld zu vgl. Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 257, Anm. 2, lit. b u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 572: zu hebr. mäkäs = „Abgabe“]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Kiesreiber = Geldbeutel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Kîsreiber, Bedtg. ebenso). Über weitere Belege im Rotw. — seit dem 16. Jahrh. (s. schon Lib. Vagat. 54 [Rippart = „Säckel“]) — u. die Etymologie (wohl zu unserem Zeitw. reiben, mhd. rîben) s. Näh. bes. bei Weber-Günther, S. 179; vgl. auch Pott II, S. 34, 35; A.-L. 591 (unter „Reiber“); Stumme, S. 24.

[404] S. Bauch.

[405] S. ausweinen.

[406] Mit plotze[n] (-za) = werfen (bewerfen), schmeißen sind zusammengesetzt: einplotza = einwerfen (oder einfallen), herab-, hin-, nach-, niederplotze[n] = herab-, hin-, nach-, niederwerfen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (plozen = fallen, aufplozen = aufbrechen, aufmachen, niederplozen = niederwerfen; Schunplotzer = Maurer); Schwäb. Händlerspr. 488 (Schumplotzer od. Schundplotzer [in Degg. (215): Schund-blozer] = Maurer; in Pfedelb. [212]: niederpletzen = niederwerfen). Zur Etymologie (zu d. mundartl., bes. schwäb. plotzen od. blotzen = „stoßen, schlagen [prügeln], werfen“ [bes. mit Geräusch „hin- und herwerfen“ u. dgl.]) s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 139, Anm. 2 u. dazu auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1217.

[407] Zu bereimen = bezahlen (auch vergüten) s. die Wendung Strupf bereimen = Strafe bezahlen (vgl. oben unter „bestraft“). Auch Bereime = Zahlung ist wohl nichts anderes als der substantiv. Infinitiv (in dial. Aussprache), während Bereimerei = Verdienst als eine Ableitung davon erscheint. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 479 (beräumen [in Pfedelb. (209): bereimen] = bezahlen, in Pfedelb. [208] auch: ausbereimen = auszahlen). Über sonstige Belege im Rotw. (vom 18. Jahrh. [s. Kluge Rotw. I, S. 239] bis zur Gegenwart) s. Groß’ Archiv Bd. 33, S. 305, Anm. 3 unter lit. a. Ebds. auch über die Etymologie des Wortes, das von A. L. 524 zu dem ahd. (h)rim = Zahl (vgl. Näh. bei Graff, Althd. Sprachsch. II, Sp. 506) gestellt worden, während Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 863 zwar den Ausdruck „bereinigen“ (im Sinne von „bezahlen“) zum Vergleiche herangezogen hat, dann aber doch meint, eine Entstellung aus „bereinen“ passe deshalb nicht, weil dieses ebenso wie das Adj. „rein“ in Schwaben nicht volksüblich sei.

[408] S. anzahlen.

[409] S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.

[410] S. angenehm.

[411] Mit Blamb ist zusammengesetzt nur Blambglansert (s. d. W.-B.), das auch unter „Schoppenglas“ angeführt ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Blembel = Bier); W.-B. des Konst. Hans 254 (B[l]empel); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Blamp od. Blempel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 (Plampe); Schwab. Händlerspr. 480 (Plamp = Bier, dazu in Pfedelb. [208]; Plamppflanzer = Bierbrauer; abweichend in Eningen [206, Anm. 1]: Plempel = Wein). Im Pleißlen der Killertaler (436) ist Plamp, Plempel od. Plimpel = Getränk schlechthin, Gañsplempel = Wasser, gwanter Plempel = Wein. Über sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch Weber-Günther, S. 179 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter „Plämpel“).

[412] Mit Glansert = Glas (Humpen, Schoppen) aber auch Flasche („Bouteille“, „Pulle“) finden sich ferner noch folgende Zus.: Gefinkelter- oder Sorufglansert = Branntweinpulle (-flasche), Feneter- oder Scheiglansert = Fensterglas, Gleisglansert = Milchglas, Grabegautsehertglansert = Mostglas, Schwächglansert = Trinkglas, -geschirr, Flösselglansert = Uringlas, Johleglansert = Weinglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Glensert = Glas); Schwäb. Händlerspr. (U. [213]: Glänzerle = Glas). Etymologie: Das Wort, dem sich auch sonst im Rotwelsch noch manche ähnliche Formen zur Seite stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. „Glanz“ bzw. „glänzen“. Vgl. Pott II, S. 33; Weber-Günther, S. 189; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter „Glänzer“).

[413] S. abbiegen.

[414] S. alles Nähere unter „Apfelbaum“.

[415] Mit Stieling = Birne ist ferner noch zusammengesetzt Stielingkies = Birnenkern. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Stieling = Birne); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Stühling); Schwäb. Händlerspr. 480, 484 (Stîling; vgl. Stîlingsjôle = Most); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Stilche od. Stîlche). Der Etymologie nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort (vgl. Kluge, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr. „Stiel“; vgl. Pott II, S. 38 u. Günther, Rotwelsch, S. 61.

[416] S. (betr. Kies) Apfelkern.

[417] Vgl. auch Hoherpriester. Mit Kolb = Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Kolbekitt = Pfarrhaus (u. dazu die Verbindg. grandiche Kolbekitt = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.]) u. Kolbemalfes = Priesterrock; b) am Ende: Kaimekolb (d. h. „Judenpfarrer“) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341, 343 (Kolb = Pfarrer, Priester, Unterkolb = Kaplan); Schwäb. Händlerspr. 482 (unter „katholisch“) u. 484 (Kolp [in Pfedelb. (212): Kolb] = Pfarrer, in Pfedelb. [212]: Oberkolb = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.] Kolbe = „geschorener Kopf“ mit Bez. auf die Tonsur der kathol. Geistlichen) s. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch Weber-Günther, S. 172 (unter „Kolm“).

[418] Auch die Zigeunersprache kennt die Umschreibung „großer Pfarrer“, bāro rašai (raschai), für „Bischof“ oder „Superintendent“ (s. Finck, S. 82) u. dergl. (z. B. „Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer“ [s. Liebich, S. 127]), ja nach Jühling, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach Liebich, S. 131 u. 228] schwendo dād, d. h. „heiliger Vater“ gebräuchlich ist). Die von Wittich im Text erwähnte Art der Steigerung der Rangstufen im Jenischen (durch grandichergrandich) ist mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — nicht bekannt (vgl. schon „Vorbemerkung“, S. 17, Anm. 42; s. jedoch auch weiter unten die Anm. zu „Förster“).

[419] Diese merkwürdige Art der Steigerung, bei der grandicher als eine Art Komparativ erscheint (wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch „größer“ wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte — Grundstufe (der „Positiv“) als Superlativ fungiert, erinnert an einen in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden Sprachgebrauch, wonach etwa ein „besseres Kindermädchen“ nicht so hoch geschätzt wird wie ein „gutes“, ein „älterer Herr“ jünger zu sein pflegt als ein „alter“ usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B. durchgeführt (außer bei Kolb, grandicher Kolb, grandich Kolb) noch in folgenden Fällen: Sins = „Herr“ (Edelmann, Gebieter), grandicher Sins = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, grandich Sins, d. h. „der größte Herr“, = König (fem. grandich Sinse = Königin); Grünwedel = Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, grandicher Grünwedel (d. h. — wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. „der größere Forstmann“) = Förster, grandich Grünwedel (d. h. „der größte Forstmann“) = Oberförster; Schuker = Gendarm, grandicher Schuker = Wachtmeister (Obergendarm), grandich Schuker = Oberwachtmeister; Bu(t)z = Polizeidiener, grandicher Bu(t)z = Polizeiwachtmeister, grandich Bu(t)z = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu Lanenger = Soldat, grandicher Lanenger (Grandicher-Lanenger) = Offizier, insbes. Hauptmann ein Superlativ grandich L., den man etwa für den Oberst oder General erwarten dürfte; vielmehr hat grandich Lanenger im Vokab. die Bedeutg. von „Heer“, ist demnach als Plural und in dem Sinne von „(sehr) viele Soldaten“ auszulegen. In gleicher Weise ist grandich auch sonst noch verwendet worden, so z. B. in grandich Ulma = Menge (eigtl. „[sehr] viele Menschen“), grandich Schure od. Sore = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. „[sehr] viele Dinge“), u. in anderen Fällen ist es, weil ein (durch den Zusatz von grandicher gekennzeichnetes) Mittelglied fehlt, wohl einfach durch „groß“ oder „sehr groß“ wiederzugeben, so z. B. bei grandich Flu(h)te = Meer (eigtl. „[sehr] großes Wasser“), grandich Begerisch = Schwindsucht (eigtl. „[sehr] großes Siechtum“) oder grandich Babing od. Strohbutzer = Schwan (eigtl. „[sehr] große Gans“). Dagegen könnte man die Verbindg. grandich Flederling = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne nach wohl durch „größter Vogel“ (nämlich unter den bei uns in Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in grandicher Flederling = Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter „Adler“).

[420] S. abbeißen.

[421] S. abbetteln.

[422] S. abschreiben u. abbiegen; vgl. dazu auch, „Vorbemerkung“, S. 19, Anm. 48.

[423] S. Augapfel.

[424] S. anschauen.

[425] S. aberwitzig.

[426] S. abbiegen.

[427] Zu Rat = Blut (Geblüt) gehören die Ableitungen ratich = blutig u. verratten = verbluten. In dem verw. Quellenkr. ungebräuchlich u. auch sonst im Rotw. selten (vgl. jedoch z. B. Groß 486). Zur Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. „Einleitung“, S. 30]) s. Näh. bei Pott II, S. 272 (unter „Rat“), Liebich, S. 154 u. 186 (rād), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 54 (bei d. deutsch. Zig.: rād, zu altind. rakta, hind. rātā = „rot“), Jühling, S. 225 (Ratt) u. Finck, S. 82 (rat).

[428] Diese Wendung, die m. Wiss. sonst nirgends bekannt ist, bleibt auch etymologisch unklar.

[429] Keif = Borg(en), Kredit, aber auch Schulden kommt noch vor in der Verbindg. Keif pflanzen (eigtl. „Schulden machen“) = borgen, leihen u. in der Zus. Keifkitt = Leihhaus. Aus dem verw. Quellenkr. darf wahrscheinlich schon keif = teuer im W.-B. des Konst. Hans (260) hierher gezogen werden, als Subst. erscheint das Wort in der Pfälz. Händlerspr. (438) in der Form Kôfes = Schuld. — Die (allgem.) Kundenspr. kennt die Redensart Keif machen = Schulden (auf der Penne) machen (s. Ku. III [426] u. IV [431]; Ostwald [Ku.] 78) sowie ein Adj. keif = schuldig (s. Ostwald, a. a. O.). Seiner Etymologie nach stammt Keif wohl jedenfalls aus dem Hebr. (chôb = „Schuld“, jüd. chuf, chof, poln.-jüd. choiw); s. A.-L. 368 (unter „Chuw“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310 (der jedoch auch eine Ableitung vom jüd. Keifel = „Geldstück“ zur Wahl stellt).

[430] Betr. pflanzen s. anbrennen. — Bomma (od. Bomme[r]) = Schulden kommt außerdem noch vor in der Zus. Bommerkitt = Syn. zu Keifkitt (s. Anm. 429). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 486 (Bommer [in Pfedelb. (212): Bummen] = Schulden; dazu in Pfedelb. [212] noch bummich = schuldig); Pleißlen der Killertaler 434 (Bommer = Schulden). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp.1286 (unter bzw. zu „Pommer“, Nr. 6 [d. i. schwäb. = „Schulden, spez. Trink- u. Spielschulden“]) gehört der Ausdruck zu dem volkstüml. „Pump“ bzw. „pumpen“, dessen Ursprung bekanntlich in der Gaunersprache zu suchen ist. (S. schon bei A. Hempel 1687 [168]: pompen — borgen, u. so auch noch bei den schwäb. Händlern [in Pfedelb. (209)]; in Körner’s Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241]: die Subst. Pumpes = Schuld, Pumpesmacher od. Pumper = Borger). Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 54 vbd. m. Kluge, W.-B. S. 358 u. Weigand, W-B. II, Sp. 491 (unter „pumpen“, Nr. 3).

[431] S. Beutel; vgl. Bankier.

[432] S. Augenbrauen.

[433] S. (zu beiden Ausdr.) arg.

[434] Mit Goi (= Frau, Weib) kommt noch vor die Verbindg. schofle Goi = Kebsweib (also mit engerem Sinne als lenke Goi, während sonst die Adj. lenk u. schofel ja ungefähr gleichbedeutend gebraucht werden; vgl. Näh. unter „arg“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (Tschor-Gaya = Frau, die gestohlene Sachen kauft); Schöll 272 (Gaja = Weib); Pfulld. J.-W.-B. 339, 346 (Gai = Frau, Gaie = Weib, Grängoi = Eheweib); Schwäb. Händlerspr. 481 u. 483 (Goie = Frau, Goi = Mädchen) s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 (Gôje = Frau). Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie (fem. zu rotw. Goi = „Mann“ [in Zus.], vom hebr. gôi, pl. gojim, = „Volk, Nichtjude, Heide, Christ“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 325 ff. vbd. m. 323/24; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 736 (unter „Goi“, Nr. 2).

[435] S. Bauernfrau.

[436] Um was für „böse Sachen“ es sich bei dieser Redensart wohl speziell handelt, dürfte daraus zu entnehmen sein, daß sie auch gleichbedeutend mit „huren“ gebraucht wird, so daß das Wort Falla (Falle) hier vielleicht in der Bedeutg. von „Bett“ zu nehmen ist, die es in volkstüml. Redeweise in manchen Gegenden hat (s. H. Meyer, Richt. Berliner, S. 39 u. Horn, Soldatensprache, S. 9 u. 100). Die rotw. Wendg. Falle machen u. ä. (für „zum [betrüglichen] Spiel verlocken“ [s. A.-L. 538]) wird man dagegen — wegen ihres engeren Begriffs — wohl kaum damit in Zusammenhang bringen dürfen. — Erwähnt sei übrigens noch der Ausdruck Falbais = „Hurenschenke“ bei Castelli 1847 (391), Fröhlich 1851 (397) u. in der Wiener Dirnenspr. 1886 (417).

[437] S. Bauer.

[438] S. Bettelbube.

[439] Gof (plur. Gofa) = böses Kind (Dim. Göfle [Gefle (Spr.)] ist in gleicher Bedeutg. auch der schwäb. Händlerspr. bekannt (483: Gôf = böses Kind, im Plur. [Gôfe] dagegen = Kinder schlechthin). Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 735 bemerkt dazu, daß die Bezeichnung (in Schwaben überhaupt) „nur geringschätzig od. tadelnd als Ausdruck des Unmuts“ gebraucht wird, bes. für ein „unartiges, naseweises, widerwärtiges, krittliges Kind“ („Range“, „Göre“), während er sie der Etymologie nach unerklärt gelassen hat.

[440] S. Bierglas.

[441] S. abbrennen.

[442] Zusammengesetzt hiermit sind a) am Anfang: Gefinkelterglansert = Branntweinpulle (-flasche) u. b) am Ende: Blauhanzegefinkelter = „Zwetschgenwasser“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 ([Finkeljochem od.] gefinkelter Jaiem = Branntwein); W.-B. des Konst. Hans 254, 256 (G’finkelterjole = Branntwein); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Gfinkelter = Branntwein); Schwäb. Händlerspr. 486 (G[e]finkelte[r] = Schnaps); s. auch noch Metzer Jenisch 217 (Fünkeler = Schnaps). Zur Etymologie: Wie die älteren Quellen zeigen, lautete der Ausdruck ursprünglich Gefinkelter Jaiem, -jole, d. h. „gebrannter Wein“ (vgl. „Einleitung“, S. 28), zu finkeln (fünkeln) u. ä. = „sieden, braten, kochen“ (s. dazu schon oben unter „behext“). Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 81; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 163 (unter „g[e]finkelt“).

[443] Mit Katschete sind im W.-B. keine Zus. gebildet worden, auch fehlt es in dem verw. Quellenkreise und kommt auch sonst im Rotw. nur selten vor (so z. B. bei Pfister 1812 [300: Katschedi, in einer Zusammensetzg.], v. Grolman 33 [Katschedi] u. Karmayer, G.-D. 203 [ebenso]: vgl. auch Miklosich, Beitr., S. 11 u. 22). Über die Etymologie des Wortes aus der Zigeunersprache (vgl. „Einleitung“, S. 30) s. Näh. bei Pott II, S. 160 (unter „Chatschjevava“), Liebich, S. 130 u. 186 (chatschérdi), Miklosich, Beitr. III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 218 (unter „chačar“: bei den deutsch. Zig.: chačerdi = Branntwein, Partiz. von chačāva od. chačevava = „brennen, anzünden“), Jühling, S. 220 (Chatschärti = Schnaps) u. Finck, S. 68 (xátšerdi = „Branntwein“).

[444] Soruf erscheint in gleicher Weise in Zus. verwendet wie Gefinkelter (Sorufglansert, Blauhanzesoruf). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 486 (Sorof = Branntwein); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Soruff od. Soroff = Schnaps); Schwäb. Händlerspr. 486 (Sôruf = Schnaps); ebenso auch in der Pfälz. Händlerspr. 439. Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (vom hebr. fârûf, Part. pass. von fâraf = „brennen“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 223 u. Anm. 1 u. S. 229 u. Anm. 1; vgl. auch Günther, Rotwelsch, S. 85 u. in d. „Wiss. Beiheften zur Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins“, V. Reihe, Heft 36 (1913), S. 184.

[445] S. (betr. Glansert) Bierglas.

[446] S. auskochen.

[447] S. (zu beiden Wörtern) Aas.

[448] a) Schmunk bedeutet soviel wie: Schmalz (Fett, Mark, „Schmer“), in Zus. auch Butter, wofür sonst spezieller dofer Schmunk, d. h. „gutes (od. besseres) Fett (Schmalz)“, gebraucht wird. Die Zusammensetzgn. sind: α) mit Schm. voran (außer Schmunkbolle noch): Schmunklehm = Butterbrot Schmunkschure = Butter-(od. Schmalz-)faß, Schmunkgleis = Buttermilch Schmunkschottel = Fettbüchse, Schmunkhornikel = Mastochse, Schmunkbossert = Speck; β) mit Schm. am Ende: Bogaschmunk = Kuhbutter, Hornikelschmunk = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), Horbogeschmunk = Rindsfett sowie ebenfalls Unschlitt. Eine Ableitg. ist das Zeitw. schmunken = schmälzen (schmelzen). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 98 (Schmunk = Butter, Schmalz); W.-B. des Konst. Hans 253 (Form: ebenso, Bedtg.: Schmalz), Pfulld. J.-W.-B. 344 (ebenso, dazu: schmunkig = schmutzig); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74, 75 (Schmunke = Schmalz; Zus.: Schmunkbossert = Speck); Schwäb. Händlerspr. 486 (Schmunk = Schmalz; dazu in Pfedelb. [209, 213]: Rindschmunk = Butter u. Schmunkbossert = Speck); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Schmoñg = Schmalz) u. Metzer Jenisch 216 (Schmunk = Butter). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie des Wortes (das nach richtiger Ansicht deutsch. Ursprungs ist) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 210 (unter „Schmunk-Buckeler“); vgl. auch Weber-Günther, S. 180. — b) Bolle (-la) bedeutet — ebenso wie die Zus. Schundbolla (s. dazu Näh. schon unter „abgerahmte Milch“) —: Kartoffeln (Erdäpfel). Zwei andere Zus. damit sind noch (nach den Spr.) Bolleblättling = Kartoffelsalat u. Bolleschottel = Kartoffelschüssel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Schompollen = „Grundbieren“ (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Bolle = Kartoffeln); Schwäb. Händlerspr. 482 (Bolle od. Schunbolle = Kartoffeln). Zur Etymologie s. bes. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1274 (unter „Bolle“, Nr. 5, bes. lit. b), wonach Bolle im allgem. einen „runden Körper, Klumpen, Kugel“, weiter eine „rundliche (knorpelige) Frucht“ u. bes. die Kartoffel bedeutet; vgl. dazu auch Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 298 (betr. Bolle = a) Zwiebel, b) Taschenuhr) sowie bes. über die Form Schundbolle u. ä. A.-L. 605 u. Groß’ Archiv, Bd. 59, S. 263, 265, 283. Über die Verwandschaft von Bolle mit d. mhd. Zeitw. boln (ahd. bolôn) = „rollen, wälzen, werfen, schleudern“ u. dgl. s. Kluge, W.-B., S. 64 u. Weigand, W.-B. I, Sp. 265; vgl. auch schon oben (unter „abfallen“) betr. das jenische Zeitw. bohlen.

[449] S. angenehm.

[450] S. anmutig.

[451] S. (betr. Mos[s]) Bauernfrau.

[452] Benges od. Benk = Bube, Bursche, Jüngling, dann auch: Freund, Kamerad, Kollege, ferner: Geliebter, Liebhaber (Bräutigam), endlich noch: Sohn (sowie dazu d. Dimin. Bengesle = Junge, Knabe) erscheint beliebt in Verbindungen und Zusammensetzgn. (sowohl für Eigenschafts- wie Standes- u. Berufsbezeichnungen [vgl. dazu „Vorbemerkung“, S. 12, Anm. 29]), so: a) in Verbindgn. (außer dufter B. noch): jenischer Benges od. Benk = fahrender Bursche, schofler Benk = Heuchler, auch Krüppel, dofer Benk = Junker, dann (gleich dofer Benges) auch: Geliebter (also wie das einfache Benges od. Benk [s. oben], während dufter Benk od. Benges nur durch „brauchbarer Bursche“ wiedergegeben ist (s. oben im Text), nobis vergrönter Benges (d. h. eigtl. „nicht verheirateter Bursche“) = lediger Mann; b) in Zus.: α) für Eigenschaften: Lubnebenges = „Hurenkerl“, Kenemerbenges (-benk) = „Lausbube“; β) für Berufe: Verkemersbenk = Handelsbursche, Sicherbenk = Koch, Rattebenk = Nachtwächter, Groenikelbenk = Sauhirt, Schweinehirt, Jerusalemsfreundbenk = Schäfer, Schafhirt, Stradebenk = Straßenwärter. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Bink = Vater); Schwäb. Händlerspr. 482-484 (Penk = Herr, Pink [in Pfedelb. (211, 213): Bink] = Mann [in Pfedelb. (a. a. O) auch: Meister, Vater]; Kislerpink = Maurer, in Pfedelb. [208, 210, 211, 213] noch: alter Bink = „Ausdinger“, Schupferbink = Bäcker, Treppertsbink = Fuhrmann, Hausbink = Hausherr, Wägersbink = Kaufmann, Langraßlersbink = Stationsvorstand [an d. Eisenbahn], in Eningen [206, Anm. 1]: Penk = Mann, Stichelpenk = Landjäger, Gwanderpenk = Schultheiß, Plempenteilespenk = Wirt; in U. [214]: Schenägelspenk = Knecht, Balespenk = Waldhüter). Sehr beliebt sind Zus. mit Penk (Pink) = Mann (vgl. dazu Penkle = Bube, Knabe) auch im Pleißlen der Killertaler, und zwar auch hier sowohl für Berufe (s. darüber Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 349) als auch zur Kennzeichng. von Eigenschaften (s. z. B. [435, 436]: Fetschnerspink = schlechter Kerl u. Schnellpenk = geiler Mann; vgl. auch [nach Kapff 213]: Schwenzlerspenk = Dieb (zu schwenzle(n) = stehlen]). Über weitere Belege aus dem Rotw. sowie die Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 819 (unter „Penk“).

[453] S. Bettelbube.

[454] S. Bauer.

[455] Galm = Kind, plur. Galme (od. -ma) = Kinder (Nachkommen), Dimin. Gälmle (Kindlein [Spr.]) findet sich noch in der Verbdg. dofer Galm = braves Kind sowie in den folgenden Zusammenstzgn.: a) am Anfang: Galmamodel = Kindermädchen (-magd), Galmeguffer (d. h. eigtl. „Kinderprügler“) = Lehrer, Schullehrer, Galmesauft (eigtl. „Kinderbett“) = Wiege; b) am Ende: Schoflergalm = Stiefkind. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Gallme = Kind); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Galma = Kind); Schwäb. Händlerspr. 483 (Galme = Kinder [sowohl kleinere wie auch größere], Galmeguffer = Lehrer [in Pfedelb. (211, 213): Galmen = Kind (sic), Galmenguffer = Oberlehrer [im Gegensatze zu dem Schrazeskneppler = Unterlehrer; vgl. dazu schon oben unter „aufschlagen“] u. Galmegufferei = Schule]): s. auch Metzer Jenisch 216 (Galmes [neben Galster u. Gambes] = Kind). Über noch weitere rotw. Belege sowie die (nicht ganz sichere) Etymologie (vielleicht in erster Linie zu hebr. gôlem = „Leibesfrucht, Embryo“ u. dergl.) s. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 138 (womit im wes. übereinstimmt auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 34); vgl. jedoch auch Archiv Bd. 48, S. 350 (Nachtr. u. Berichtigungen: Galme zu mhd. galmen = „schallen“?)

[456] Schrabiner od. Schrawiner = Kinder, Nachkommen (nur im Plural) scheint weniger gebräuchlich zu sein als Galme (-ma), auch in Verbdgn. u. Zus.; s. jedoch noch dofe Schrabiner und Schrabinermodel als Synon. zu dofe Galme u. Galmamodel (s. d.) Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 483 (Schrawêner = Kinder). — Nach Schütze 90 soll Schrab(b)iner (das auch schon in Ku. III [428] angeführt) gemäß einer Mitteilung eines ostpreußischen „Kunden“ der Plural zu Schrappen = Kind sein. Letzteres findet sich (jedoch meist für die Mehrzahl [„Kinder“]) vereinzelt auch in der Gaunersprache (s. z. B. v. Grolman 64 u. T.-G. 105 [Schrappen = Kinder]; Karmayer 149 (Schrapp od. Schrampen = Kind [also beides sing.]; A.-L. 604 [Schrappen, Schrabben od. Schrammen = Kinder]; Groß 492 [Schrapfen = kleine Kinder]; vgl. ferner noch Hall. Lattcherschmus 492 [Schräppchens = Kinder]). Die Etymologie bleibt unsicher (s. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 140, Anm. 3 a. E.); vgl. A.-L. 604, der das angels. screpan (nach Kluge W.-B., S. 415: crimpan) = „schrumpfen“, das engl. shrimp = „Knirps, Zwerg“ sowie unser volkstüml. spött. Krabbe (eigtl. „kleiner Seekrebs“) für ein kleines (munteres) Kind (s. Paul, W.-B., S. 304 u. Weigand, W.-B. I, Sp. 1131) herangezogen hat. — Über das Synon. Stratz (plur.: Stratze) s. unter „Hurenkind“.

[457] S. Beischläferin.

[458] S. brauchbarer Bursche.

[459] S. Bettelbube.

[460] S. angenehm.

[461] S. brauchbares Kind.

[462] S. abbiegen. Ob es sich bei Schure = Bremse um die Tierbezeichnung oder um das gleichnamige Werkzeug handelt, ist nicht ersichtlich.

[463] S. abbrennen.

[464] S. Attest.

[465] S. (betr. Rande) Bauch.

[466] S. (betr. -buckler) abtragen.

[467] S. anschauen.

[468] S. Ananas.

[469] S. Bäcker.

[470] Maro = Brot (seltener als Lechem od. Lehm) kommt im W.-B. nur in einer Zus. vor, Lanengermaro (eigtl. „Soldatenbrot“) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Marum = Brot, gehechelter, schofel M. = weißes, schwarzes Brot); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Maro = Brot, Kächeltemano (sic, Druckf.) = „Bäckerbrot“); Schwäb. Händlerspr. 480 (Maro); s. auch Metzer Jenisch 216 (ebenso). — Über weitere Belege in Rotw. sowie die Etymologie (aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, S. 30]) s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 22, 23 u. Anm. l u. dazu noch Finck, S. 72 (māro). Nach Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 10 läßt sich das Wort bis ins Altindische (manḍha = „eine Art Gebäck“) zurückverfolgen.

[471] S. Bäcker.

[472] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[473] S. (betr. Rande) Bauch.

[474] S. (betr. Schure) abbiegen.

[475] Betr. Flu(h)te s. abbrühen. — Das Wort Sore nimmt eine ähnliche Aushilfsstellung ein wie (das auf denselben Stamm zurückzuführende) Schure (vgl. „Einltg.“, S. 24 u. „Vorbmkg.“, S. 16), jedoch kommt es für sich allein doch seltener vor als letzteres und auch in Verbindgn. u. Zusammensetzgn. mit anderen Vokabeln erreicht es nicht die gleiche Beliebtheit wie Schure. a) Ohne Zusatz erscheint es gebraucht: α) für Tiere: im Sinne von „Vieh“; β) für Sachen: in den Bedeutgn. „Ding, Sache“, ferner „Ware“ (wohl die ursprüngl. Bedtg.) u. spezieller noch: Porzellan, Zwirn sowie versch. Produkte des Pflanzenreichs, näml.: Erbsen, Linsen, Pfeffer und Zwiebeln. b) Eine Verbindg. mit Sore für einen allgemeinen (abstrakten) Begriff ist grandich Sore (ebenso wie gr. Schure) = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. = „[sehr] viele Dinge“; vgl. dazu oben unter „Bischof“). c) Zusammensetzgn. mit Sore sind: α) im Anfang: Soreschottel = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch: Pfefferbüchse und Porzellantasse u. Sorebrandling = Zwiebelkuchen; β) am Ende: (außer Flu[h]tesore, das noch die Nebenbdtg. „Wasserfaß“ hat, noch): Stöbersore = Obst, Kupfersore (d. h. eigtl. „Grasding“) = Sense, Begersore = Totenbahre, Pfladersore = Wäsche, Johlesore = Weinfaß, Säftlingsore = Weinberg, Rondlingsore = Wursthaut. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr. [in dem der Aushilfscharakter des Wortes im allgem. noch nicht so scharf hervortritt wie in Wittichs Jenisch]): Dolm. der Gaunerspr. 89, 95, 99, 101 (Sore = allerhand Ware, Mette Sōre = Barche[n]t [zu Mette = Bett, vom jüd. mittō, hebr. mittā; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1642], g’socht Sore = Krämerware, Gschock Sore = gestohlene Marktware); W.-B. des Konst. Hans 253 (Sore = „die in den Kammern und Kisten befindliche Ware“); Schöll 272 (Sore = Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343, 345, 346 (Sore = Ware, Zeug, Sache, Achselsore od. schluckige Sore = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen, Kangerisore = Kirchengerät [zu Kangeri = Kirche, aus d. Zigeunerspr.; vgl. z. B. Finck, S. 63], Sichereisore = Küchengerätschaften); Schwäb. Händlerspr. 488 (Sore = Ware). Über weitere Belege im Rotw. und die Etymologie des Wortes (die die gleiche wie die von Schure ist) s. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 241/42; vgl. oben unter „abbiegen“.

[476] Glied bedeutet demnach: Bruder, Schwester (Geschwister) bzw. Sohn, Tochter. Dazu die Zusammensetzgn.: Kafferglied = Mannesschwester (Schwägerin), Patrisglied = a) Oheim väterlicherseits („Vatersbruder“), b) Tante väterlicherseits („Vatersschwester“), c) Neffe (väterlicherseits), Mamereglied = a) Oheim mütterlicherseits („Mutterbruder“), b) Tante mütterlicherseits („Mutterschwester“), c) Neffe (mütterlichereits). S. dazu betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr. unter „Oheim“ u. „Tante“. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 344 (Glied = Bruder, Schwester); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: Glied = Schwester). Etymologie: Ein Zusammenhang mit dem rotw. Gli(e)d = Hure (worüber Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 13, 14 u. „Anthropophyteia“, Bd. IX, S. 22 ff.) wird kaum vorliegen, vielmehr dürfte der Ausdruck wohl — wie im wes. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 692 (unter „Glid“ II) anzunehmen scheint — schlechthin mit unserem gemeinsprachl. „Glied“ (hier im Sinne etwa von „Familienglied“) gleichbedeutend sein.

[477] S. abbrühen.

[478] S. Amme.

[479] S. brauchbarer Bursche.

[480] S. Bettelbube.

[481] S. abbiegen.

[482] S. Apfelbaum.

[483] S. Aschenbecher.

[484] Klass = Büchse (Flinte, Gewehr [Schießgewehr], Muskete) findet sich nur in zwei Zus., näml. Klasspflanzer = Büchsenmacher und Klasskitt = Schießhaus. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaun. 93 (Klosheim = Gewehr); W.-B. des Konst. Hans 256 (Klasse [plur.] = Pistolen); Schöll 271 (Glasse = Flinte, Gewehr); Pfulld. J.-W.-B. 340, 344 (Klassa = Geschütz, Klasse = Gewehr, Schießgewehr, klassen = schießen, Klasset = Schuß); Schwäb Gaun.- u. Kundenspr. 70, (Klass = Gewehr); Schwäb. Händlerspr. 481 (Klaß [in Pfedelb. (209): Klasse] = Gewehr, Flinte). — Im sonst. Rotw. (wo das Wort übrigens schon 1724 [im Duisb. Vokab. (184)] — als Classey = Pistole — nachweisbar ist) gehen die Formen sehr auseinander. S. Näh. darüber sowie über die Etymologie (entw. vom hebr. kĕli ēma = „Gerät der Furcht“ od. vom hebr. kĕli zimma — „Gerät der Schädlichkeit“) in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 12, Anm. * (zu „Klassensenteser“).

[485] S. abschießen.

[486] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[487] S. Bauch.

[488] S. Beischläferin.

[489] S. arg.

[490] Hornikel od. Hornigel = Ochse (Bulle, Stier) findet sich in den folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Schmunkhornikel = Mastochse; b) am Ende: Hornikelschmunk = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.), Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Hornikelgielblättling = Ochsenmaulsalat, Hornikelkafler = Ochsenmetzger, Hornikelstenkert = Ochsenstall. In dem spez. verw. Quellenkr. ist der Ausdr. m. W. unbekannt, dagegen findet er sich im Metzer Jenisch 216 (in der Form Hornigl für „Kuh“) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für „Ochse“ oder „Kuh“ (s. z. B. Schwenter 1620 [137: Hornnickl = Ochsen]; bei A. Hempel 1687 [167: Hornickel = Kuh) u. a. m.). Zur Etymologie (wohl von Horn u. Nickel, Kurzform von Nikolaus, also e. Art. Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. Günther, Rotwelsch, S. 80; vgl. auch Pott II, S. 11 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete Gronickel = Schwein, worüber Näh. auch noch unten unter „Eber“).

[491] Kritsch = Bürgermeister (Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem Dolm. der Gaunerspr. 98, 101 bekannt gewesen (Kritsch = Schulz, Vogt; vgl. [89]: Krisch = Ammann [sic]); vgl. ferner: Pfulld. J.-W.-B. 346 (Gritsch = Vogt) u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Kritsch = Schultheiß). Die Etymologie ist zweifelhaft. Von Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 770 (unter „Kritsch“ II) ist das zigeun. krísni = „Amt, Gericht“ (s. Finck, S. 66; vgl. auch Pott II, S. 123 [unter „Krisni“]; Liebich, S. 138, 174 u. 202 [grisni = Gericht, Amt]; Jühling, S. 222 [Grissni = Gericht]) herangezogen worden.

[492] Schar(r)le (Synon. zu Kritsch) kommt in dieser Form und Bedeutung im Dolm. der Gaunerspr. noch nicht vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere Grandscharle für „Hatschier“, das früher auch in Wittichs Jenisch gebräuchlich gewesene (vgl. „Einleitung“, S. 28), dagegen hat schon das W.-B. des Konst. Hans neben Grandscharle = Hatschier (so: 257, in den „Schmusereyen“) auch noch Scharle = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254, im Vokabular), und ebenso führt das Pfulld. J.-W.-B. beide Vokabeln auf (s. 339: Granscharle = Gardist; 346: Scharle = Vogt). Die neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s. Schwäb. Gaun. u. Kundenspr. 74 u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Scharle od. Schârle = Schultheiß). Etymologie: Die Herkunft des Wortes Schar(r)le (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter „Grandscharle“) hat keine Erklärung gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 347 (unter „Scha[a]rbin[c]k“); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw. Belege für Scha(a)r(r)le u. Gran(d)schar(r)le.