Nachschrift.

Daß mehrere der vorstehenden Briefe nur dem wesentlichsten Inhalt nach, kürzer gefaßt den Meinen zugeschickt wurden und Vieles erst, nachdem Erstere zum Druck bestimmt, aus meinem Tagebuch und andern Druckschriften, wie dieses die mit Gänsefüßchen („“) eingeschaltenen Sätze anzeigen, ergänzt worden ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Da es aber häufig der Fall ist, daß Leser eines Buches die Vorrede überschlagen, so erlaube ich mir noch die Schlußbemerkung: weniger streng über den schwerfälligen, nicht immer fließenden Styl zu urtheilen, da ich selbst nur zu bald beim Beginn dieser literarischen Arbeit die Bemerkung machen mußte, daß die den Tag über von technischen Geschäften angegriffenen und zerstreuten Gedanken, des Nachts dann die ungeübte Feder nicht immer dem Aufschwung des Geistes zu folgen vermochten, was mich bestimmte, das von mir Niedergeschriebene nochmals der Ueberarbeitung eines jungen Literaten zu unterwerfen. Leider war aber von diesem das Geschäft gegen die Tendenz der Vorrede und meinen Willen aufgefaßt worden, so daß nicht eine Ueberarbeitung, sondern eine förmliche Umarbeitung Statt fand, zu welcher ich den Namen nicht hergeben konnte, indem meine gereiftern Grundsätze sich nicht mit den Romanideen eines schwärmerischen Geistes einigen wollten, und sich auch dadurch mehrere Sinn entstellende Sätze eingeschlichen hatten. — Um nun nicht abermals Zeit zu verlieren, so sah ich mich genöthigt, dabei auf die Nachsicht der geehrten Leser vertrauend, das Werkchen schmucklos so in die Welt zu schicken, wie es von mir geboren worden ist.

Fr. Höhne.


Druck der Albrecht’schen priv. Hof-Buchdruckerei.


Bei dem Verleger dieser Reisebeschreibung sind folgende Werke erschienen:

Die Erscheinungen der Elektrizität und des Magnetismus in ihrer Verbindung mit einander.

Nach den neuesten Entdeckungen im Gebiete des Elektro-Magnetismus und der Induktions-Elektrizität. Für Freunde der Naturwissenschaften und besonders für Aerzte ausführlich dargestellt von D. I. Eydam. Mit 60 Abbildungen.

gr. 8. 1 Thlr. 26 Sgr. 3 Pf.

Unstreitig hat kein Theil der Naturwissenschaften einen so vielseitigen und lebhaften Anklang im Publikum gefunden, wie die wunderbaren Beziehungen zwischen Elektrizität und Magnetismus, welche unter dem Namen des Elektro-Magnetismus begriffen werden, besonders seitdem dieselben angefangen haben, eine Rolle in der Mechanik zu spielen und sich unter andern die Ansicht eröffnet hat, daß durch Einführung der elektro-magnetischen Treibkraft die durch den steigenden Preis des Brennmaterials immer kostspieliger werdende bisher gebräuchlichste Maschinenkraft, der Dampf, endlich verdrängt werden wird. Ich zweifle daher nicht, daß obige Schrift, die mit besonderer Rücksicht auf die technische Anwendung des Elektro-Magnetismus und der Magneto-Elektrizität sich über alle die interessanten Erscheinungen verbreitet, welche aus dem Conflikte der magnetischen Kraft mit der elektrischen hervorgehen und zugleich eine gründliche, dem neuesten Zustande der Wissenschaft angemessenen Darstellung der Lehre von der Elektrizität und dem Magnetismus, von dem Thermo-, Photo- und Rotations-Magnetismus, der Galvanoplastik, der elektrischen Telegraphie u. s. w. enthält, sich einer willkommenen Aufnahme zu erfreuen haben werde, zumal da der Verfasser seinen Gegenstand so auffaßte, daß nicht nur der gebildete Laie, sondern auch der Physiker vom Fache Befriedigung bei Aneignung der Schrift hoffen darf. Besonders werden auch Aerzte bei Lesung derselben Gelegenheit finden, sich über die Verhältnisse der medizinischen Anwendung der Elektrizität und des Magnetismus, so wie der elektro-magnetischen und magnetelektrischen Rotations-Apparate und deren Einrichtung, wie sie in neuester Zeit gebräuchlich worden sind, sich zu unterrichten. — Indem wir im Uebrigen auf das dem Werke vorgedruckte reichhaltige Inhaltsverzeichniß verweisen, bemerken wir nur noch, daß bei der äußern Ausstattung desselben von uns nichts verabsäumt wurde, was zur Empfehlung desselben dienen kann.


Interessante civilrechtliche Entscheidungen der höchsten deutschen und andern Spruchbehörden. Gesammelt und herausgegeben von Dr. G. v. Hellfeld.
gr. 8. 1 Thlr.

Diese Sammlung wird kein Jurist unbefriedigt aus der Hand legen. Sie enthält keineswegs eine weitläufige juristische Polemik, sondern immer nur den Kern von 25 Entscheidungen auf 14 Bogen und unter diesen besonders folgende: über actio in factum de syndicatu gegen Richter und Kollegien aus nachlässigem Handeln, oder Unterlassen; — über den Beweis der condictio indebiti nach dem Sinne und Geiste der C. 25. D. de probationibus; — über Erbvertrag, Umfang des deutschrechtlichen mundii; — über Erbschaftsklage und Specifikation bei Universal- und Singular-Klagen; — über Suppletoria, Dos und Paraphernal-Vermögen; — über Perception industrieller Früchte durch den Usufruktuar; — über Miethvertrag, Einrede des nicht erfüllten Kontrakts und Ehescheidung wegen Haß; — über Privation wegen Ehebruches; — Juramentum novorum; — über der Rechtskraft nicht unterliegende Dekrete, Extrajudicial-Appellation und deren Eigenthümlichkeit; über devolutive und nicht devolutive Rechtsmittel; — über Zulässigkeit der Geschäftsführer zum Zeugenbeweis und über die Nachtheile der Zuvielforderung, nebst Register zum leichteren Gebrauche etc.


Die
innern Hals- und Brust-Krankheiten
der Kinder.

Dargestellt von Aug. Höcker. Fol. Tabellen-Format
1 Thlr. 20 Sgr.

Wir machen bei Anzeige dieses Werks, des dem ärztlichen Publikum bereits durch seine in unserm Verlage erschienene und mit allgemeinem Beifalle aufgenommene Schrift: Die Geschäftsführung der Staatsarznei-Wissenschaft etc. rühmlichst bekannten Herrn Verfassers, besonders auf das leicht Uebersichtliche der Tabellenform aufmerksam, in welcher dasselbe bearbeitet ist. Nach dem uns zugekommenen Urtheile Sachkundiger sind die einzelnen in dasselbe aufgenommenen Krankheitsformen, selbst in ihren individuellen Verhältnissen mit seltener Sorgfalt und der genauesten Sachkenntniß dargestellt und mit Hervorhebung der charakteristischen Merkmale, durch welche sie sich von einander unterscheiden, so neben einander gereihet, daß die bei den Krankheiten der Kinder so äußerst schwierige Kunst der Diagnose auf das Wesentlichste erleichtert wird. Wir glauben deshalb die Schrift, die eine fühlbare Lücke in der medizinischen Literatur ausfüllt, als eine Bereicherung derselben den Herren Aerzten mit Recht empfehlen zu können.


Fußnoten:

[1] Bei Weimar.

[2] Bei Erfurt.

[3] Hinter Erfurt.

[4] Bei Gotha.

[5] Nachdem ich fest entschlossen war, die Reise nach Amerika ohne Familie zu unternehmen, so war dabei sogleich festgestellt, mich nur auf die allernothwendigsten Ausgaben zu beschränken, um in pekuniärer Hinsicht so wenig als möglich zu opfern und dabei zu beweisen, daß der Mensch alles kann, wenn der gute Wille nicht fehlt. Ich theilte daher sogleich vom Anfang der Reise an, die Lebensweise meiner, zum Theil armen Gefährten, unter denen sich einige befanden, deren weniges Vermögen mir zur Bestreitung der Reisekosten anvertraut worden war; schlief mit ihnen auf der Streu, lebte eben so dürftig wie sie, aß Mittags nie warm, sondern erst Abends, in Gemeinschaft der ganzen Gesellschaft. Hierdurch wurde es möglich, daß erwachsene Personen täglich mit 6 gr. Cour. auslangten, und daß Familien pro Kopf 4 gr. Cour. bedurften. Als Fracht für den Zentner Effekten wurde von Weimar bis Bremen 1 thlr. 6 gr. berechnet, und um bei gutem Wege fahren zu können, zahlten außerdem die Erwachsenen 2 thlr. pro Kopf, Kinder die Hälfte.

[6] Bis weit vor die Stadt schicken die Herren Wirthe, welche Auswanderer beherbergen, diese Makler entgegen, wovon Jeder die billigste Bewirthung und das solideste Haus offerirt. Die Wahrheit solcher Anweisungen lernt man erst während des Aufenthalts kennen. Ich kann aber Auswanderern, welche ein billiges Unterkommen suchen und keine großen Ansprüche machen, den Schneidermeister Achelpohl empfehlen, wo man gut aufgehoben ist.

[7] Für Kost und Logis mit einem Bett à Person 10 gr. Cour. täglich. Bei gemeinschaftlichen Schlafen auf der Streue im großen Saale, 8 gr. Cour.

[8] Friedr. Jos. Schlevogt aus Oettern bei Weimar, lebt jetzt glücklich in Baltimore und ist Besitzer einer Basket-Faktory (Korbmacherei).

[9] Einige Schiffskapitäne, an welche ich mich wegen Akkordirung zur Seereise wendete, versicherten, daß sie zur Zeit (ob dieses immer der Fall ist, weiß ich nicht, da ich das Gegentheil gehört habe) streng angewiesen wären, ohne Vorwissen der Herren Schiffsmakler, keine Zwischendeckpassagiere aufzunehmen, dieses sei jedoch nicht der Fall mit den Kajütenpassagieren.

[10] Wichelhausen.

[11] Der Grot hat 4 pf., 72 Groten werden auf einen Bremer Thaler gerechnet.

[12] Wichelhausen.

[13] Wie mir später versichert wurde, soll es wirklich gesetzlich seyn daß derjenige, welcher Auswanderer zu einem Makler bringt, für jede Person 1 Gulden in Gold als Douçeur erhält. Herr W. suchte zwar dieses zu widerlegen, als ich, Bezug darauf nehmend, um Ermäßigung des Fahrgeldes für eine unserer armen Familien bat, ließ sich dennoch aber bestimmen, statt 35 nur 30 Thaler für den Säugling anzunehmen.

[14] Wie dem gegebenen Versprechen nachgekommen war, sieht man im Lauf meiner Erzählung. Es ist daher räthlich, den Kontrakt gerichtlich zu machen, und zwar um so mehr, wenn derselbe für mehre Personen lautet. Darin ist genau zu bestimmen, was vor und während der Reise dem Passagier zu gewähren sei, und im Fall, daß die gegebene Zusage nicht gehalten würde, auf Kosten des Herrn Schiffsmaklers, in Amerika das Weitere gerichtlich verfolgen zu können.

[15] Gebot auch die Vernunft, den gewünschten Vorschuß nicht zu leisten, weil, wie ich mehrfach gehört und gelesen, im freien Amerika sich selten einer noch verpflichtet hält, überseeisch gemachte Versprechungen zu erfüllen, so folgte ich dennoch dem Drange meines Herzens und gab das Erbetene, ohne mehr als das Wort zum Unterpfand zu verlangen. Wie schändlich ich dafür belohnt worden bin, zeigt der Gang meiner Erzählung.

[16] Wichelhausen.

[17] Dieses Alles fanden wir in Bremerhaven bestätigt, wo Niemand nach einem Reisepaß oder sonstiger Legitimation fragte. Die Passagiere wurden beim Abgang des Schiffes nicht in dasselbe hinein gezählt und Keinem Quittung über gezahltes Fahrgeld abverlangt und so hatte jeder Vagabund die schönste Gelegenheit, unerkannt den Rächerhänden der Justiz zu entschlüpfen. Zwei sich auf dem Schiffe ohne Vorwissen der Makler und des Kapitäns eingeschlichene Individuen wurden von uns selbst, da sie sich unpolitischer Weise verriethen, dem Gericht übergeben.

[18] Vor Allem sind zu einer Seereise nöthig: blecherne Eß-, Trink- und Nachtgeschirre, worunter sich ein Schaffen befinden muß. Eine mit Seegras oder Stroh ausgestopfte Matratze nebst Kopfkissen und wollener Decke, welche letztere von Hause aus mitzunehmen ist, um sie auf der Landreise bis Bremen benutzen zu können. Ein Korb mit weißem Schiffszwieback, einige Pfund Waizenmehl, worin Eier sich gut aufbewahren lassen, etwas Butter, Schweizerkäse, oder einen geräucherten Schinken, auch Wurst vertritt die Stelle; Pfeffer, Salz, Kaffee, Zucker, Wein und Essig leisten ebenfalls während der Seereise gute Dienste. Sollte auch von den besonders angeschafften Lebensmitteln bei der Ankunft in Amerika noch Etwas übrig seyn, so wird dieser Rest dem Passagier trefflich zu statten kommen und dieses ist um so mehr der Fall, wenn man sogleich eine Privatwohnung bezieht, woran es nie mangelt, und sich nicht den Uebertheuerungen der Wirthe aussetzt.

[19] Wichelhausen.

[20] Eine Familie mit erwachsenen Töchtern sollte nie die Ausgabe scheuen, diese Schiedbleichen der Schlafstellen ganz zuschlagen zu lassen, wozu in Ermangelung von Bretern, Tisch- oder Betttücher verwendet werden können. Eben so rathsam ist es, den Breterboden der obern Schlafstellen mit einem Tuche zu überziehen, wo dann zwischen den Fugen dieses Bodens kein Schmutz auf die darunter Liegenden fallen kann.

[21] Warum nur Anfangsbuchstaben? Eine Reisebeschreibung hat natürlich weit mehr Glaubwürdigkeit, wenn die Namen ausgeschrieben sind; aus diesem Grunde habe ich schon vorher den Namen Wichelhausen zur öffentlichen Kunde gebracht und nenne nunmehr auch den Namen Ulrich, als dessen Agenten in Bremerhaven, und zwar auf Veranlassung folgender Umstände: Ein hiesiger Partikulier hatte Auszüge aus Höhne’s Reisebriefen und zwar gerade diese empörende Behandlung der Auswanderer an den „allgem. Anzeiger d. D.“ nach Gotha gesendet, wo sie 1840 in No. 71 und 73 abgedruckt stehen. Der Herausgeber der Dorfzeitung fand sich bewogen, bezüglich dieser Auszüge folgende Notiz in der Dorfzeitung 1840 No. 51 erscheinen zu lassen:

„Der Allg. Anzeiger enthält Abscheu erregende Mittheilungen über die Schiffe, auf welchen die armen deutschen Auswanderer nach Amerika überfahren und von den Betrügereien vor, während und nach der Ueberfahrt. Warum werden aber solche Bursche in Bremen wie W. und ihre Agenten blos mit den Anfangsbuchstaben bezeichnet, warum brandmarkt man solche Seelenkäufer nicht öffentlich? Sind die meisten Auswanderer nicht ohnehin unglücklich genug, daß man sie noch solchen Blutsaugern in die schmutzigen Hände giebt?“

Hierauf erschien nun in dem Allg. Anzeiger No. 84 desselben Jahres folgende

Erklärung.

„Eine in der Dorfzeitung vom 16. März erschienene Anzeige, welche, mit Bezugnahme auf einen Aufsatz in dem Allg. Anzeiger, einen Bremer Schiffsexpedienten, bezeichnet mit dem Buchstaben W., betrifft, zwingt mich zu der Erklärung, daß ich demjenigen die Summe von tausend Gulden sofort auszahlen lassen werde, welcher mich überführen kann, mich auf eine so empörende Weise, wie dort geschildert wird oder überhaupt nur auf eine unrechtliche Weise gegen die von mir expedirten Auswanderer benommen zu haben.“

„Mein Charakter, welcher, wie ich mir schmeicheln darf, in ganz Deutschland allgemein als rechtlich und ehrliebend anerkannt ist, sollte mich freilich gegen alle Angriffe dieser Art schützen, allein Mißverständnissen ist in einem solchen Falle nicht vorzubeugen und es handelt der Einsender jenes Aufsatzes sehr unrecht, wenn er den Namen desjenigen verschweigt, welcher die Unbilde begangen, indem er dadurch den Zweck verfehlt, welchen er durch seine Bekanntmachung zu erreichen beabsichtigte.“ Bremen den 19. März 1840.

Fried. Jac. Wichelhausen

Ohne an dem rechtlichen Charakter des Herrn Wichelhausen zu zweifeln, so sind die angeregten Unbilden wenigstens durch sein Komptoir begangen worden, möglich ohne sein Vorwissen, allein der Chef des Komptoirs bleibt immer dafür verantwortlich. Unverantwortlich bleibt der Umstand, daß man das Fahrgeld, welches man mit seinem Agenten besprochen und gewissermaßen accordirt hatte, in Bremen erhöhete; unverantwortlich, daß man 208 Auswanderern die accordirte Schiffskost vorenthielt, welche erst dann erfolgte, als man gerichtliche Hülfe suchte und daß wahrscheinlich Herr Ulrich 277 Währungssymbol für achttägige nicht gelieferte Schiffskost in die Tasche steckte.

Der Zweck, den man übrigens durch den Abdruck dieser Briefe in den Anzeiger beabsichtigte, wurde vollkommen erreicht, durch die bald darauf erfolgte obrigkeitliche Bekanntmachung des Bremer Senats, nach welcher dergleichen überseeische Seelentransportirungen unter eine sehr vernünftige Aufsicht gestellt wurden.

W. H.

[22] Recht gut ist es, sich außer den schon angegebenen, zur Seereise nöthigen Gegenständen, noch mit einigen Leckereien, wie Bonbons, zu versehen, welche man bei passenden Gelegenheiten an Kinder verschenkt und dadurch sich die Zuneigung der Eltern erwirbt, welche in vorkommenden Fällen durch Hülfeleistungen gern dafür erkenntlich sind. Ferner schaffe man sich zur Kurzweil ein Bretspiel oder Domino an, vergesse ein Gebetbuch nicht, da Beten das Herz erhebt und füge dem noch einige Bücher zur Lektüre bei. Selbst eine Brieftafel mit Bleifeder ist von Nutzen, um immer das Nöthige notiren zu können.

[23] Zum Malheur für uns waren unter den am Bord habenden Kartoffeln viele faulige, welche während der Reise auch die guten ansteckten, so daß der ganze, in Fäulniß übergegangene Vorrath ins Wasser geworfen werden mußte, wodurch wir um eines der besten Lebensmittel kamen. — Die zur Aufbewahrung des Wassers bestimmten Fässer waren vor dem Füllen nicht gereinigt worden, und so konnte es nicht anders kommen, daß der dort zurück gebliebene Unrath das frische Wasser bald so verdarb, daß es nur aus Noth genossen werden konnte. — Ob Arzneien oder sonstige Leckereien für die Kranken auf dem Schiff sich befanden, wie dieses uns von Herrn W. bekannt gemacht worden war, vermag ich nicht zu behaupten, da eben so wenig Kranke, wie Gesunde Etwas davon verspürten.

[24] Ein Universalmittel für gänzliche Abwendung der Seekrankheit giebt es bis jetzt noch nicht. Bei sämmtlichen Deckpassagieren, 208 an der Zahl, welche verschiedene Kuren machten, half keins vollkommen. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht ist es das beste sich schon vor dem Antritt der Seereise in Diät zu üben, den Magen nie zu überladen, Leib und Füße warm zu halten, möglichst wenig und nur mit Essig vermischtes Wasser zu trinken, auch, um den Stuhlgang zu befördern, mitunter Pflaumen zu genießen. Auch ist es gut, so lange die Kräfte es erlauben und die Witterung es gestattet, sich auf dem Verdeck aufzuhalten, um den mephitischen Ausdünstungen im innern Raume zu entgehen und sich Bewegung zu machen.

[25] Die gethane Bitte, uns für Geld ein Paar Flaschen Wein abzulassen, wurde mit der Bemerkung abgeschlagen, daß für Kranke kein Wein am Bord sey und der Kapitän selbst nur das nöthige Quantum für die Kajüte besitze.

[26] Der für die Zwischendeck-Passagiere bestimmte Schiffszwieback wird aus Roggenschrot gemacht, von welchem das feine Mehl weggenommen ist. Die kleinen hart gebackenen Brode werden, in zwei Hälften geschnitten, geröstet, und so vor dem Verschimmeln auf der See geschützt. Der Zwieback für die Matrosen hingegen ist aus Waizenmehl bereitet und gleicht an Geschmack unsern Fastenbretzeln.

[27] In den Speisen Haare zu finden, waren wir schon gewöhnt, als aber meinem Neffen eine ganze Locke zwischen den Zähnen hängen blieb, so verging uns doch der Appetit auf einige Tage, bis solcher, durch Hunger veranlaßt, sich wieder einstellte.

[28] Die Schwaben hatte das Schiff in Ostindien erhalten und waren, wie die Matrosen versicherten, aller bis jetzt angewandten Mittel ungeachtet, noch nicht auszurotten gewesen.

[29] Der Lootse, oder Pilot, soll für seine Bemühung, das Schiff unbeschädigt in sichern Hafen zu bringen, 50 Dollar erhalten.

[30] Zwei Passagiere kommen auf fünf Tonnen.

[31] Wenn auch den Männern nicht mehr so oft das Glück auf Amerikanischem Boden lächelt, so bleibt solches doch noch immer den Frauenspersonen hold. Der Verdienst für Letztere ist gut, 4 bis 6 Dollars monatlich, und bei der Ankunft sind in der Regel offene Stellen vorhanden. Auch wenn sie heirathslustig sind, fehlt es nicht an Männern.

[32] Ein Dollar oder spanischer Thaler ist gleich fünf Franks 30 Centimes französisches Geld, oder 1 Thlr. 14 gGr. Preuß. Cour. hat 8 Schillinge, der Schilling 12½ Cents. Der Cents ist die kleinste Kupfermünze in Amerika und gehen 100 Stück auf den Dollar.

[33] Dergleichen Kommissionäre giebt es hier in allen Städten, und nur zu oft werden von ihnen die Arbeitsuchenden geprellt. Auch oben bemerkter Herr hatte schon einige Mal wegen sich schuldig gemachten Betrugs, vor Gericht gestanden, sich aber als echter Amerikaner den Rückweg offen zu erhalten gewußt. Die Versprechungen, immer für tüchtige und fleißige Arbeiter in jeder Branche Stellen offen zu haben und solchen einen hohen Lohn zu stellen, beruht selten in Wahrheit und ist dieses nur die Lockspeise, um damit die Einwanderer zu bestimmen, sich seiner Person als Vermittler zu bedienen.

[34] Als Gehülfe in einem Fabrikgeschäft oder bei einem Meister einzutreten, wenn ein solcher einen Gesellen braucht, wirft nicht so viel ab, um sich und eine Familie ernähren zu können. Auf eigene Hand aber, sofort bei Ankunft in Amerika zu arbeiten, ist noch schwieriger, denn dazu gehören Mittel, Kundschaft und die nöthige Landessprache. Außer Kredit fehlen auch noch die hier gebräuchlichen Handgriffe, um mit seinen Kollegen konkurriren zu können. Alles dieses kommt erst mit der Zeit. Die ersten Jahre sind Leidensjahre, da Jeder wieder von vorn anfangen muß in seinem Geschäft zu lernen.

[35] Sehr oft trifft man solche Unglückliche, die in Amerika an Kanälen und Eisenbahnen arbeiten müssen, während sie im Vaterland eine weit glänzendere Rolle gespielt haben.

[36] Wie ich später erfuhr, hatten 4 Mann auf gemeinschaftliche Rechnung die Gastwirthschaft im Pacht, und einer von ihnen war es, welcher mich beim Bezahlen einer Flasche Bier um einen halben Dollar betrog.

[37] Ich selbst habe als Probe ein Zeitblatt aus Amerika mit zurückgebracht, welches 6 Fuß breit und 4½ Fuß hoch ist.

[38] Ein ähnliches Gesetz bestimmt auch, daß die Schiffseigner verbunden sind, jeden Einwanderer, welcher im ersten Jahr seines Aufenthalts in Amerika kein Unterkommen findet und aus Mangel an Geldmitteln dem Magistrat zur Last fällt, unentgeldlich nach dem Hafen wieder zurückzufahren, von wo aus der Auswanderer seine Reise nach Amerika angetreten hat. Leider ist dieses Gesetz nicht bekannt genug, denn sonst würden wohl Tausende meiner Landsleute mit Freuden in die liebe Heimath zurückkehren.

[39] Vergebens habe ich mich bemüht, die Entstehung dieses so sonderbaren Schimpfwortes, was in allen Vereinigten Staaten unter den niedern Volksklassen üblich ist und gegen die Deutschen gebraucht wird, zu erfahren.

[40] Gewöhnlich werden fünf englische Meilen auf eine deutsche gerechnet und es sind im Lauf dieser Briefe immer nur Erstere zu verstehen, wenn auch das Wörtchen: „englische“ weggelassen ist.

[41] Tanneberg, ein geborner Weimaraner, war dort 6 Jahre mein Freund und Hausgenosse gewesen. Wir hatten beide beschlossen, die Seereise nach Amerika, wo er sich förmlich übersiedeln wollte, zusammen anzutreten, während meine Absicht war, nur drei Jahre dort zu verweilen. Geschäftsangelegenheiten zwangen mich jedoch, den Abgang auf ein Jahr hinaus zu verschieben; da Ersterer aber nicht so lange warten wollte, trat er die Reise ohne mich an.

[42] Nur zu gewiß ist, daß dieser Arme sich abermals in seinen Hoffnungen getäuscht hat, da er seinem gegebenen Versprechen gemäß, mir nach meiner Heimkehr dann und wann Kunde zuzuschicken, bis jetzt nicht nachgekommen ist. Ebenso sind die noch lebenden Mutter und Bruder ohne alle Nachricht geblieben, obgleich Letzterer in mehren Briefen dringend darum gebeten hat. Die wahren Verhältnisse seines Geschicks mag er vermuthlich aus falscher Scham nicht schreiben und die Seinigen zu belügen denkt er zu rechtschaffen.

[43] Zur Versinnlichung dieser herrlichen Ansicht folgt hier aus dem Western-Pilot ein Kärtchen mit dem Kanal.

[44] Zu besserer Verständigung sehe man die Abbildung.

[45] Zum Mäßigkeitsvereine Gehörende.

[46] Bremen, Taback kauen.

[47] Borden, in Miethe und Kost gehen.

[48] Betrug und Geldschneiden gehören also in den Vereinigten Staaten Amerikas in die Kategorie erlaubter Spekulationen.

W. H.

[49] Im Erdgeschoß des Rathhauses befindet sich die Wachtstube der Bürgerwache nebst einem Gefängniß für Neger und sonst aufgegriffenes Gesindel. Vor der Wache steht eine Kanone, aus welcher jeden Abend 8 Uhr ein Schuß geschieht, welches das Signal ist, daß von dieser Zeit an kein Neger ohne Erlaubnißschein sich auf der Straße blicken lassen darf, desgleichen kein Gepäck mehr durch die Straßen transportirt werden soll, um dadurch das Entwenden der Sachen mehr zu verhüten, und aufgegriffenen Dieben mehr die Ausrede zu benehmen.

[50] Die Fahrpreise von New-Orleans nach den nördlichen Staaten sind immer um die Hälfte theuerer, als es der Fall umgekehrt ist.

[51] Thalemann war die dritte Person, welche mit mir und Tanneberg zu gleicher Zeit die Reise nach Amerika beschlossen; durch meinen späten Abgang aber getrennt, nur mit Tanneberg vereint, ein Jahr früher als ich, den amerikanischen Boden betreten hatte.

[52] Die Stadt Weimar sandte eine Anzahl Verbrecher nach Amerika, die ihre Strafzeit abgebüßt hatten.

[53] Siehe den beigelegten Plan.

[54] Ein Lobspruch für unsere deutschen Brüder in Amerika! Die Deutschen, in ihrem Vaterlande an Ruhe und Sicherheit gewöhnt, werden nach und nach durch ihre Ueberzahl Zucht und Ordnung verbreiten, die in Amerika herzustellen von Nöthen zu seyn scheint.

[55] Die Polizei und die Sicherheitsanstalten in New-York müssen nach dieser Erzählung wirklich vortrefflich seyn. Das ist also amerikanische gepriesene Freiheit, wo Niemand seines Lebens und Eigenthums sicher ist.

W. H.

[56] Welches Schicksal dieses zweite Schreiben gehabt, liegt im Dunkel, da, wie ich erst kürzlich aus Amerika berichtet worden bin, dorthin keine Antwort darauf eingegangen ist, und das Kind noch immer nicht die heilige Taufe empfangen hat. Vielleicht trägt das hier Mitgetheilte dazu bei, die Sache dennoch an die rechte Schmiede zu bringen, so daß das Sprichwort in Erfüllung geht: „Was lange währt wird gut.“

[57] Schellhorn.

W. H.

[58] Ein durch Dämme abgeschlossener Raum.

[59] Spottweise — er trank gern und viel.

W. H.

[60] Diese ungeheure Figur sollte bei Napoleons Regierung aus Erz gegossen werden; das Projekt wurde jedoch unausgeführt gelassen, und das Modell nimmt jetzt den dazu bestimmten Platz ein.

[61] Ein thüringisches Sprichwort, welches so viel bedeutet: Man weiß eine Sache nicht zu schätzen.

W. H.

[62] Man nennt dieses in Paris die Queue, und eine solche Veranstaltung wäre in Weimar und an andern Orten zur Verhütung von Unglücksfällen einzuführen.

W. H.

[63] Coucous, auf Deutsch „Kuckuk“, sind einspännige, zweirädrige mit einem Verdeck versehene Kutschen, welche von Paris aus in die Umgegend und von da zurück die Reiselustigen befördern.

[64] Lapins, auf Deutsch „Kaninchen“, werden in Paris die Passagiere genannt, welche bei schon besetzten Plätzen im Wagen auf unbequemen Sitzen außerhalb derselben, die Reise für ein geringes Fuhrlohn mitmachen.

[65] Rumpelpost genannt.