So ist der Aufschwung, den die Himmelskunde durch die Erfindung des Fernrohrs erfuhr, kaum größer gewesen als derjenige, den in unserem Zeitalter die Einführung des Spektroskops, sowie der photographischen Kamera für die astronomische Wissenschaft herbeigeführt hat. Des ferneren hat sich kein physikalischer Grundsatz gleich fruchtbar für diese Disziplin erwiesen als der von Doppler ausgesprochene Gedanke650, daß die Höhe eines Tones, sowie die Art eines Lichteindruckes davon abhängen, ob sich die Entfernung zwischen der Wellenquelle und dem empfindenden Organe vergrößert oder verringert.

Als man 1868 kleine Verschiebungen der Linien bekannter Elemente in den Spektren der Sterne wahrnahm, erinnerte man sich des Dopplerschen Prinzips, das jene nach beiden Seiten stattfindenden Verschiebungen nicht nur zu erklären vermochte, sondern auch ein Mittel an die Hand gab, um aus dem Grade dieser Verschiebungen die Größe der Annäherung und der Entfernung eines lichtspendenden Körpers in absolutem Maße zu ermitteln, selbst wenn, wie bei Arktur, die Tiefe des zwischenliegenden Raumes so ungeheuer ist, daß der Lichtstrahl Jahrzehnte braucht, um unser Spektroskop zu treffen.

Die Methode der Linienverschiebung ermöglichte es ferner den Leitern des Potsdamer Observatoriums651, eine Erklärung der rätselhaften Erscheinung zu geben, die Algol im Sternbilde des Perseus den Astronomen seit 200 Jahren bietet. Dieser Stern zeigt nämlich innerhalb der kurzen Zeit von 68 Stunden einen eigentümlichen Lichtwechsel. Nachdem er etwa 60 Stunden als Stern 2. Größe geglänzt hat, nimmt er innerhalb 4 Stunden um mehrere Größen ab, wächst dann in derselben Zeit wieder zu einem Gestirn 2. Größe an, um diesen Wechsel nach abermals 60 Stunden zu wiederholen. Die spektroskopische Beobachtung ergab, daß sich Algol vor dem Minimum von uns entfernt und danach sich uns wieder nähert. Der Stern besitzt also eine kreisende Bewegung, welche der Periode des Lichtwechsels entspricht. Beide Erscheinungen weisen darauf hin, daß, wie schon früher vermutet wurde, Algol zur Klasse der Doppelsterne gehört, und daß ein dunkler, sehr naher Begleiter durch seine Vorübergänge jenen eigenartigen Lichtwechsel hervorruft.

Auch wo es sich um leuchtende Doppelsterne handelt, welche durch die schärfsten Teleskope nicht getrennt gesehen werden können, gibt das Spektroskop uns Aufschluß. In diesem Falle werden nämlich die Spektrallinien in bestimmten Zeitintervallen doppelt erscheinen und damit beweisen, daß das scheinbar einheitliche Licht des Gestirnes von einem sich uns nähernden und von einem sich entfernenden Weltkörper ausgesandt wird652.

Huggins, der zuerst die Geschwindigkeit des Sirius bestimmte, äußerte die Ansicht, daß man mit Hilfe dieser Methode die wichtigsten Entdeckungen des 20. Jahrhunderts machen werde653. Da das Spektroskop nur die in die Gesichtslinie fallende Bewegungskomponente zu messen gestattet, bedarf es einer Ergänzung durch die Bestimmung der senkrecht zu jener Richtung vor sich gehenden Ortsveränderungen.

An diesem Punkte setzt eine astronomische Aufgabe ein, die an Bedeutung und an Großartigkeit bisher nicht ihres Gleichen hat. Im Jahre 1887 faßte nämlich in Paris eine internationale Versammlung den Beschluß, eine Himmelskarte auf photographischem Wege herzustellen. Viele Sternwarten, unter denen sich das astrophysikalische Observatorium zu Potsdam befindet, haben sich in diese Aufgabe geteilt. Ihre Organisation hat bis zur Erledigung der Einzelheiten allein drei Jahre gedauert. Handelt es sich doch um 22000 Aufnahmen, die alle Sterne bis hinab zur 14. Größenklasse umfassen. Früchte sind von dieser Riesenarbeit aber nur dann zu erhoffen, wenn spätere Generationen sie wiederholen und so die nötigen Vergleichspunkte gewinnen werden. Es ist dies die einzige Möglichkeit, die am Fixsternhimmel periodisch vor sich gehenden Bewegungen, sowie die Bahn des Sonnensystems, dessen augenblickliche Bewegungsrichtung die Forschungen der letzten Jahrzehnte mit einiger Zuverlässigkeit dargetan haben, zu enthüllen.

Wenden wir uns von den fernen Sonnen zu den Gliedern unseres Planetensystems, so sind die Aufgaben, die sich auch hier dem Astronomen bieten, nicht weniger interessant und zahlreich, zumal die Begierde, einen Einblick in die auf der Oberfläche der nächsten Himmelskörper stattfindenden Vorgänge zu tun, durch einige Entdeckungen der neueren Zeit in ganz besonderem Grade rege geworden ist. Leider wird das Teleskop die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit wohl bald erreicht haben, so daß die Hoffnung, durch Beobachtung der Marsoberfläche z. B. unverkennbare Spuren lebender Wesen zu finden, kaum jemals in Erfüllung gehen dürfte. Vorläufig bietet auch das organische Leben, wie es sich hier auf der Erde abspielt, der Aufgaben und der Rätsel so viele, daß es dem forschenden Geiste an Zeit mangelt, sich wissenschaftlichen Träumen über eine Vielheit der Lebewelten hinzugeben.

Seitdem man die höheren Organismen als eine Vereinigung von Elementargebilden auffassen gelernt hat, erblickt die Physiologie ihre wichtigste Aufgabe in dem Studium der einzelnen Zelle mit ihrem protoplasmatischen Inhalt in der Voraussetzung, daß sie sich hier dem Problem des Lebens in seiner einfachsten Gestalt gegenüber befindet. Bisher hat man sich indessen fast ausschließlich darauf beschränkt, den Ablauf der Verrichtungen der Zelle, sowie die Reaktionen der lebenden Substanz auf den Angriff der verschiedenartigsten Kräfte nach Art und Größe kennen zu lernen. Die wichtige Aufgabe dagegen, den Lebensvorgang selbst als chemisch-physikalischen Prozeß zu deuten, hat sich bisher als wenig zugänglich erwiesen, wenn sich die Physiologie auch von der Überzeugung leiten läßt, daß es ein, wenn auch äußerst verwickelter Mechanismus ist, dem sie sich gegenüber befindet. So steht z. B. die Botanik der Assimilation, mit dem die Kette der in der Pflanze und dem Tiere vor sich gehenden Prozesse erst beginnt, noch fast ebenso ratlos gegenüber wie zu den Zeiten Saussures und Liebigs.

Erst in der neuesten Zeit ist es gelungen, auf photochemischem Wege aus Kohlendioxyd und Wasserstoff Kohlenhydrate ohne die Mitwirkung von Chlorophyll synthetisch darzustellen654. Ließ man ultraviolettes Licht in Gegenwart von Kaliumhydroxyd auf ein Gemisch von Kohlendioxyd und Wasser wirken, so bildete sich Formaldehyd (CH2O), das man schon vor längerer Zeit als das erste Produkt des Assimilationsprozesses ansprach. Wurde der Versuch in der Weise geändert, daß man die ultravioletten Strahlen auf Kohlendioxyd und Wasserstoff im Entstehungszustande wirken ließ, so entstand bei Gegenwart von Kaliumhydroxyd Zucker, den man ja als ein Polymerisationsprodukt von Formaldehyd betrachten kann (6 CH2O = C6H12O6).

Zwar ist der Vorgang der Assimilation durch diesen Versuch noch nicht in allen seinen Einzelheiten erklärt. Doch ist damit bewiesen, daß wir zu seiner Erklärung nicht etwa eine besondere Fähigkeit der lebenden Substanz in Anspruch zu nehmen brauchen.

Wie die Assimilation so bietet auch der zweite der fundamentalsten Vorgänge des organischen Lebens, die Atmung, noch manches Rätsel, dessen Lösung der Forschung unserer Tage vorbehalten blieb. Zu diesen Problemen gehört das Leben ohne Sauerstoff oder die Anoxybiose. Entzieht man einer lebenden Zelle den Sauerstoff, so wird dadurch der Stoffwechsel keineswegs sofort unterbrochen. Die Zelle spaltet vielmehr wie bei der normalen Atmung als das Endprodukt der in ihrem Inneren stattfindenden Zersetzungen Kohlendioxyd ab, ein Vorgang, den man wohl als intramolekulare Atmung bezeichnet hat. Der Vorgang der Anoxybiose wurde zunächst an den einfachsten Lebewesen studiert. Die neuere Physiologie hat diesen Vorgang durch das ganze Tier- und Pflanzenreich hindurch verfolgen können. Man fand, daß es Parasiten gibt, die normalerweise ohne Zufuhr von Sauerstoff leben.

Zu den Tieren, die eine zeitweilige Entziehung von Sauerstoff ertragen, gehören die Frösche, die sich bekanntlich im Winter im Schlamme der Teiche vergraben. Die noch vor kurzem geltende Annahme, daß diese Tiere einen Sauerstoffvorrat in ihrem Innern aufspeichern, hat sich als hinfällig erwiesen. Die geringe zur Erhaltung des Lebens notwendige Energie wird jedenfalls durch den Zerfall eines Teiles der Körpersubstanz erzeugt. Darauf weist auch die jüngst entdeckte Tatsache hin, daß bei der anoxybiotischen Abscheidung von Kohlendioxyd nur ein Drittel der Wärmemenge erzeugt wird, die sich bei der oxybiotischen Abscheidung der gleichen Menge Kohlendioxyd entwickelt. Den Vorgang der Anoxybiose hat man auch an Organen warmblütiger Tiere, z. B. an der Leber, verfolgen können. Die chemischen und physiologischen Fragen, die sich an diese Untersuchungen anknüpfen, werden jedenfalls den Stoff zu vielen neuen Forschungen darbieten. Und so verhält es sich nicht nur hier, sondern mit jedem anderen Gegenstande und zwar selbst bei solchen, für die schon ein abgeschlossenes Ergebnis vorzuliegen schien. Vertiefen wir uns in ihn von neuem, so erweitern sich zwar unsere Kenntnisse, es tauchen aber auch stets wieder neue Ausblicke und Fragen auf, so daß es dann oft so scheint, als ob die alten Grundlagen schwankend geworden seien. In der Biologie macht sich das um so mehr bemerkbar, als man heute geneigt ist, einer vitalistischen Erklärung der Erscheinungen einen breiteren Spielraum zu gönnen, während man vor kurzem noch ausschließlich der mechanistischen Erklärungsweise huldigte. Dazu kommt die Fortbildung der beschreibenden zur experimentellen Morphologie und der Wechsel in der Bewertung der von Darwin aufgestellten Lehre von der natürlichen Zuchtwahl. Von einer Umwälzung und völligen Neugestaltung der Biologie kann aber trotzdem ebensowenig die Rede sein, wie von einer Umgestaltung der Physik und der Chemie infolge der Entdeckung der radioaktiven Substanzen und der Aufstellung der Theorien, die an jene Entdeckung angeknüpft wurden.

Es zeugt von einer tendenziösen Darstellung der Wissenschaften, wenn es so geschildert wird, als ob ihre Grundlagen ins Wanken geraten seien und unsere Zeit von neuem aufbauen müsse. Die geschichtliche Betrachtung läßt erkennen, daß beispielsweise der Wechsel, der um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert erfolgte, kein geringerer war als der Umschwung, der sich heute geltend macht. Dennoch stellt sich jener Wechsel dem Historiker als ein Weiterbauen und nicht etwa als ein bloßes Niederreißen dar. Ebenso wie in jenem Falle wird dem Geschichtsschreiber einer späteren Zeit dasjenige, was sich heute auf dem Gebiete der Wissenschaften vollzieht, als eine Fortbildung erscheinen, bei dem eins aus dem anderen erwächst.

Fußnoten

[1] E. du Bois Reymond, Kulturgeschichte und Naturwissenschaft.

[2] Nach den Angaben von Prof. Dr. J. Ruska in Heidelberg.

[3] Als geradezu folgenschwer muß es bezeichnet werden, wenn das Spezialistentum unseres Zeitalters dazu führt, daß selbst Männer, die an dem weiteren Ausbau der Wissenschaft beteiligt sind, mitunter keine oder eine nur sehr oberflächliche Kenntnis von den geistigen Zusammenhängen besitzen, die den wesentlichen Inhalt der Geschichte der Wissenschaften bilden. R. Burckhardt, der wiederholt für die höhere Bewertung des historischen Momentes eingetreten ist (R. Burckhardt, Biologie und Humanismus, Jena 1907) führt als ein besonders krasses Beispiel an, ein namhafter Zoologe habe ihm gestehen müssen, daß er noch niemals eine Zeile von Cuvier, dem Begründer der neueren Zoologie, gelesen habe.

[4] Im Wintersemester 1912/13 fanden an deutschen Hochschulen folgende Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie und Erdkunde statt: Strunz (Techn. Hochsch. Wien): Geschichte der Naturwissenschaften und der Naturbetrachtung im Altertum I (2); ders.: Gemeinsame Lektüre und Besprechung der neueren Literatur über Geschichte der Naturwissenschaften und ihre Grenzgebiete (2). – Simon (Univ. Straßburg): Geschichte der Mathematik im Altertum (3). – Klein (Univ. Göttingen): Über die Entwickelung der Mathematik im 19. Jahrhundert (4). – Oppenheim (Univ. Wien): Geschichte der Astronomie (1). – Ambronn (Univ. Göttingen): Einzelne Kapitel aus der Geschichte der Astronomie (1). – Foerster (Univ. Berlin): Geschichte der mittelalterlichen Astronomie (2). – L. Günther (Techn. Hochschule Berlin): Entwickelungsgeschichte unserer Landkarte (1). – v. Pfaundler (Univ. Graz): Ausgewählte Abschnitte aus der Geschichte der Physik (1). – Würschmidt (Univ. Erlangen): Geschichte der Physik und Mathematik der älteren Zeit (1). – Cherbuliez (Techn. Hochschule Zürich): Galileis Leben und Werk (1); ders.: Geschichte der Physik von Newton bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (2). – Auerbach (Univ. Jena): Die Entwickelung der Physik im 19. Jahrhundert (1½). – Haas (Univ. Wien): Geschichte der Physik I (von den ältesten Zeiten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts) (2); ders.: Besprechung ausgewählter Abschnitte aus physikalischen Klassikern (1). – v. Buchka (Univ. u. tech. Hochsch., Berlin): Geschichte der Chemie (2). – Strunz (Techn. Hochschule, Wien): Geschichte der Chemie und Alchemie (2). – Schäfer (Univ. Leipzig): Die Wandlungen des Atombegriffs (1). – Benrath (Univ. Königsberg): Justus Liebig und seine Zeit (1). – S. Günther (Techn. Hochschule München): Geschichte der Erdkunde, I. Teil (3). Nach Angaben von Dr. A. Haas (Wien).

[5] S. Arrhenius, Theorien der Chemie. Leipzig 1909. Siehe Vorwort.

[6] Siehe den nächsten Abschnitt dieses Bandes.

[7] Siehe an späterer Stelle dieses Bandes.

[8] Tables astronomiques, publiées par le bureau des longitudes, contenant les tables de Jupiter, de Saturne et d'Uranus. Paris 1821.

[9] Flamsteed, Bradley, Mayer.

[10] Urbain Jean Joseph Leverrier, 1811 in St. Lô (Département La Manche) geboren, seit 1854 Direktor der Pariser Sternwarte, starb im Jahre 1877. Siehe Leverrier, Recherches sur les mouvements de la planète Uranus. Compt. rend. XXII, S. 907 ff.

[11] Joh. Gottfried Galle, geboren am 9. Juni 1812 in der Nähe von Gräfenhainichen, war von 1851 bis 1897 Direktor der Sternwarte zu Breslau. Galle starb am 11. Juni 1910.

[12] A. v. Humboldt, Kosmos II, S. 211.

[13] Friedrich Wilhelm Bessel wurde 1784 zu Minden geboren. Während er in Bremen als Kaufmannslehrling tätig war, widmete er sich in seinen Mußestunden mit unermüdlichem Eifer nautischen, mathematischen und astronomischen Studien. 1804 verfaßte er eine erste selbständige Arbeit über den Kometen vom Jahre 1607. Bessel wurde 1810 als Astronom nach Königsberg berufen, wo er 1846 starb.

[14] Im Jahre 1829.

[15] Das heißt des Winkels, unter dem der Halbmesser der Erdbahn von dem betreffenden Fixstern aus gesehen wird.

[16] Das sind 12 Billionen Meilen. Spätere Ermittelungen haben den Wert der Parallaxe 61 Cygni zu 0,44'' und denjenigen für den der Sonne nächsten Stern, α Centauri, zu 0,92'' (entsprechend 8 und 4,3 Lichtjahre) ergeben.

[17] F. W. Bessel, Untersuchungen über die Länge des einfachen Sekundenpendels als 7. Band von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften, herausgegeben von H. Bruns. Leipzig, Verlag von W. Engelmann, 1889.

[18] Ostwalds Klassiker Nr. 7, S. 100.

[19] Von Bohnenberger vorgeschlagen und von dem Engländer Kater zuerst zum Messen der Länge des Sekundenpendels benutzt.

[20] C. Bruhns, Johann Franz Encke, sein Leben und sein Wirken. Leipzig 1869. Encke starb im Jahre 1865.

[21] A. a. O. S. 143.

[22] Franz Encke, Über die Berechnung der Bahnen der Doppelsterne. 1832.

[23] Dieser Gedanke rührt von F. Savary (* 1797) einem Franzosen her.

[24] Sie erschien im Berliner Astronomischen Jahrbuch für 1854 und wurde neuerdings von Bauschinger im 141. Band von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften mit Anmerkungen von neuem herausgegeben. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann, 1903.

[25] Histoire de l'acad. roy. des Sciences. Année 1748 (Paris 1752).

[26] Jean Antoine Nollet wurde 1700 in der Nähe von Noyon geboren; er wirkte als Professor der Physik in Paris und starb dort im Jahre 1770.

[27] Nouvelles recherches sur l'Endosmose et l'Exosmose par M. Dutrochet. Annales de chimie et de physique. Bd. 37 (1828). Ferner Nouvelles observations sur l'Endosmose et l'Exosmose et sur la cause de ce double phénomène par M. Dutrochet. Ann. de chimie et de phys. Bd. 35 (1827).

[28] Eine Ansicht, die besonders Poisson vertrat.

[29] A. W. Hofmann, Zur Erinnerung an G. Magnus. Berlin, 1871, S. 51.

[30] Thomas Graham wurde 1805 in Glasgow geboren. Er studierte in seiner Vaterstadt und bekleidete dort später eine Professur für Chemie. Im Jahre 1837 wurde er an die Universität in London berufen, wo er 1869 starb. Während der letzten 15 Jahre seines Lebens verwaltete er das Amt eines Münzmeisters, das auch Newton und Herschel innegehabt hatten.

[31] Poggendorffs Annalen, Bd. 17 (1829), S. 341. (Freier Auszug aus dem Quarterly Journ. of Science. New. Series. Nr. XI, p. 74)

[32] Th. Graham, Über das Gesetz der Diffusion der Gase. Ein Bericht über die Arbeit erschien in Poggendorffs Annalen, Bd. 28 (1833) S. 331 u. f.

[33] Von dem griechischen Worte Κόλλα, Leim. Kolloidal heißt also leimartig.

[34] Th. Graham, Abhandlungen über Dialyse. Bd. 179 von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften, S. 33. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann, 1911.

[35] Na2SiO3 + 2 HCl + H2O = Si(OH)4 + 2 NaCl.

[36] Ostwalds Klassiker, Bd. 179, S. 106 u. f. Daß es sich dabei mitunter nicht um einen bloßen Durchtritt, sondern um eine Verbindung des Gases mit dem Metall handelt, zeigt das schon von Graham untersuchte Verhalten des Palladiums. Graham ermittelte, daß das Palladium bei einer unter dem Siedepunkt des Wassers liegenden Temperatur mehr als das 600fache Volumen Wasserstoff absorbiert.

[37] Die Entzuckerung der Melasse durch Dialyse (Anwendung von Pergamentpapier) wurde 1863 in Frankreich erfunden. Die Anwendung von Kolloidalsubstanzen in gelatinierter Lösung hat in der Bakteriologie (Nährgelatine), in der Sprengtechnik, in der Photographie (Trockenplatte), zur Herstellung von Trockenelementen usw. Anwendung gefunden. Eine Zusammenfassung des Wichtigsten aus der Kolloidchemie enthält Wo. Ostwalds Grundriß der Kolloidchemie, Dresden 1911.

[38] Siehe Bd. III, S. 285.

[39] Eine Nachprüfung der Ergebnisse Gay-Lussacs und Daltons durch Reduktion auf vergleichbares Maß hat später ergeben, daß der von Gay-Lussac gefundene Koeffizient (0,00375) von dem durch Dalton ermittelten erheblich abweicht. Die richtig durchgeführte Reduktion, die man unbegreiflicher Weise verabsäumt hatte, ergibt nämlich nach Daltons Zahlenangaben für den Ausdehnungskoeffizienten der Gase 0,00391.

[40] Fredrik Rudberg (1800-1839) war Professor der Physik in Upsala.

[41] F. Rudberg, Über die Ausdehnung der trocknen Luft zwischen 0° und 100° C. Poggendorffs Annalen, Bd. 41 (1837), S. 271-293. Neuerdings wieder abgedruckt in Ostwalds Klassiker, Bd. 44. Siehe dort S. 59 unten.

[42] Heinrich Gustav Magnus (1802-1870) war Professor der Physik an der Berliner Universität. Er veröffentlichte seine, im Jahre 1840 zum Abschluß gebrachte Untersuchung in Poggendorffs Annalen, Bd. 55 (1842). Siehe auch Ostwalds Klassiker, Bd. 44, S. 67 u. f.

[43] Regnaults Abhandlungen über die Ausdehnung der Gase, erschienen 1842 in den Annales de chimie et de physique. Sie wurden im 44. Bande von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften neu herausgegeben. Henri Victor Regnault (1810-1878) wirkte als Professor der Chemie und der Physik in Paris.

[44] Thomas Andrews wurde 1813 in Belfast geboren. Er wirkte dort als Professor der Chemie und starb im Jahre 1885.

Die wichtigsten Abhandlungen Andrews über das Verhalten der Gase erschienen 1869 und 1876 in den Philosophical Transactions. Sie wurden neuerdings ins Deutsche übersetzt und im 132. Bande von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften neu herausgegeben.

[45] Es geschah im Jahre 1877, ein Jahr nach der Veröffentlichung von Andrews zweiter Abhandlung über den gasförmigen Zustand der Materie durch die französischen Physiker Cailletet und Pictet.

[46] Van der Waals (geb. 1837, Professor in Amsterdam), Die Kontinuität des gasförmigen und flüssigen Zustandes. 1879. Deutsch von F. Roth, Leipzig 1881.

[47] Nach dieser Gleichung ist das Produkt aus dem Druck (P) und dem Volumen (V) eines Gases der absoluten Temperatur T proportional. R ist eine konstante Größe, die sich aus dem Druck und dem Volumen ergibt, die dem Gase bei 0° zukommen:

P . V = (P0 . V0)/273 . T = RT

[48] Amadeo Avogadro wurde 1776 in Turin geboren. Er war zuerst Professor der Physik an einem Lyzeum. Später wurde für ihn ein besonderer Lehrstuhl an der Universität zu Turin errichtet. Dort starb Avogadro im Jahre 1856.

Die wichtige Abhandlung, in der er seine Hypothese entwickelt, erschien 1811 im Journal de Physique (Bd. 73, S. 58) unter dem Titel: Versuch eines Verfahrens, die relativen Gewichte der Moleküle und die Verhältnisse zu bestimmen, nach denen sie sich verbinden. Diese Abhandlung wurde im 8. Bande von Ostwalds Klassikern von neuem veröffentlicht. Leipzig, W. Engelmann, 1889.

[49] So verbinden sich 3 Volumina Wasserstoff mit einem Volumen Stickstoff zu 2 Volumina Ammoniakgas. Das Volumen der Verbindung verhält sich also zum Volumen, das die Gase vor der Verbindung einnehmen, wie 1 : 2. Näheres siehe im III. Bande, S. 287 u. f.

[50] Die Anzahl der in der Volumeinheit enthaltenen Moleküle sei n. Bei der Bildung von Ammoniak verbinden sich n Moleküle Stickstoff mit 3 n Molekülen Wasserstoff zu 2 n Molekülen Ammoniak. Die in den 2 n Molekülen Ammoniak enthaltenen 2 n Atome Stickstoff waren vor dem Eingehen der Verbindung in n Molekülen Stickstoff enthalten. Jedes Molekül Stickstoff muß daher aus 2 Atomen bestehen. Noch deutlicher zeigt dies die folgende Gleichung, welche die volumetrischen Beziehungen zum Ausdruck bringt:

n Moleküle   3 n Moleküle   2 n Moleküle
N +   3H   = N H3

[51] Näheres über die Dissociation befindet sich an späterer Stelle dies. Bds.

[52] Siehe Band III, S. 227 u. f.

[53] Ampère entwickelte seine Ansicht in einem an Berthollet gerichteten Briefe, der im Jahre 1814 in den Annales de chimie (Bd. 90, S. 43-86) erschien. In deutscher Übersetzung wurde dieser Brief im 8. Bande von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften herausgegeben. Leipzig, W. Engelmann, 1889.

[54] Siehe Bd. III, S. 282 u. f.

[55] Gay-Lussac, Biot, Traité de physique. Bd. I, S. 291.

[56] Annales de Chimie et de Physique XXXIII (1826) S. 337 u. f.

[57] Hofmann verdampfte eine gegebene Flüssigkeitsmenge in einem Barometerrohr, das von dem Dampf einer höher siedenden Flüssigkeit umspült wurde. Victor Meyer bediente sich der Luftverdrängungsmethode. Sein Verfahren hat sich als besonders geeignet erwiesen, um die Dampfdichte schwer vergasbarer Stoffe zu ermitteln.

[58] Siehe Bd. III, S. 276.

[59] Siehe Bd. II, S. 253.

[60] Näheres über die Beteiligung Cauchys an dem Ausbau der Undulationstheorie. Siehe Bd. III, S. 277.

[61] Biographisches über F. Neumann und näheres über Neumanns Forschungen auf dem Gebiete der Elektrizitätslehre enthält der nächste Abschnitt dieses Bandes.

[62] F. E. Neumann, Theorie der doppelten Strahlenbrechung, abgeleitet aus den Gleichungen der Mechanik, als 76. Band von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften, herausgegeben von A. Wangerin. Leipzig, W. Engelmann, 1896.

[63] F. Neumann, Die Gesetze der Doppelbrechung des Lichtes in komprimierten oder ungleichmäßig erwärmten, unkristallinischen Körpern. Abhandlungen der Berliner Akademie vom Jahre 1841. S. 1-247.

[64] Abhandl. der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften, V. Folge, Bd. 2. Prag 1842.

[65] Sie wurde nebst anderen Arbeiten Dopplers, 1907, als 161. Band von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften durch H. A. Lorentz neu herausgegeben. Leipzig, W. Engelmann.

Doppler wurde 1803 in Salzburg geboren. Er wirkte als Professor der Mathematik in Prag und Wien und starb im Jahre 1853.

[66] Charles Wheatstone wurde 1802 geboren. Er war Professor der Physik und Mitglied der Royal Society in London. Wheatstone starb im Jahre 1875. Er erfand unter anderem einen zweckmäßigen Apparat zum Messen von Leitungswiderständen (Wheatstonesche Brücke) und machte sich um die Einführung der Telegraphie in die Praxis sehr verdient.

[67] Ch. Wheatstone, Beiträge zur Physiologie der Gesichtswahrnehmung (1838). Neuerdings in deutscher Übersetzung herausgegeben im 168. Bande von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften. Leipzig, W. Engelmann, 1908.

[68] David Brewster (1781-1868) wirkte als Professor der Physik in St. Andrews in Schottland. Er ist der Erfinder des Kaleidoskops und der Entdecker der Fluoreszenz, einer Erscheinung, die er besonders am Chlorophyll und am Flußspat studierte. Die erste, an dem Auszuge des Nierenholzes gemachte Beobachtung der Fluoreszenz war in Vergessenheit geraten.

Brewsters auf das Stereoskop bezügliche Abhandlungen finden sich gleichfalls im 168. Bande von Ostwalds Klassikern.

[69] August Toepler wurde schon gelegentlich der Erfindung der Quecksilberluftpumpe erwähnt. (Siehe S. 49.) Er wurde 1836 in der Nähe von Bonn geboren, wo er an der landwirtschaftlichen Hochschule Physik und Chemie lehrte. Später war er Professor der Physik in Graz. Toepler starb 1912.

[70] August Toepler, Beobachtungen nach einer neuen optischen Methode (1864) und Beobachtungen nach der Schlierenmethode (1866). Beide Abhandlungen wurden als Band 157 und Band 158 von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften von neuem herausgegeben. Leipzig, Verlag von W. Engelmann, 1906.

[71] E. Mach veröffentlichte die Ergebnisse seiner ballistisch-photographischen Versuche in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, Bd. 78, S. 5, 98, 105, 106.

[72] Fizeau, La vitesse de propagation de la lumière in Compt. rend. XXIX, 90, 1849, sowie in Poggendorffs Annalen XIX, S. 167. 1850. Hippolyte Fizeau, geboren in Paris am 23. Sept. 1819, gestorben am 18. Sept. 1896.

[73] Siehe S. 36 dieses Bandes.

[74] Annales de Chimie et de Physique. 1854. XLI, 163.