Das Talbecken von Dresden erstreckt sich auf beiden Seiten der Elbe von Pirna bis Meißen. Der Elblauf selbst hat in diesem Gelände eine Länge von 43 km, doch zieht der Strom nicht, wie in der viel größeren oberrheinischen Ebene, seine Stromrinne durch die Mitte des Talbodens, sondern bespült oberhalb Dresdens von Pillnitz bis Loschwitz den Steilrand des Lausitzer Granits, unterhalb Dresdens von Niederwartha bis Meißen den Fuß der Vorhöhen des Erzgebirges. Dadurch gewinnen die Tallandschaften und Stromansichten an malerischem Reiz und erhöhen die Schönheit der beständig wechselnden Szenerie. Die Höhen auf beiden Seiten des Talkessels, dessen Entstehung bis in die Tertiärzeit zurückreicht, überragen den Talboden um 100–150 m, zeigen aber einen durchaus verschiedenen landschaftlichen Charakter.
Da die Talebene sich nach Nordwest erstreckt, so kann man die Abhänge des Erzgebirges als die Schattenseite, den steileren Abfall des Lausitzer Granitplateaus als die Sonnenseite bezeichnen. Die ganze östliche Tallandschaft, vom Stromufer an bis auf die Höhen des Lausitzer Granits, ist vorherrschend von Talsanden und Heidesand bedeckt, welche sich für die Sonneneinstrahlung weit empfänglicher zeigen als der Lehmboden der linken Talseite. Daher gedeiht dort an den Gehängen der Wein und feineres Obst und zwar auf der ganzen Strecke von Pillnitz bis Meißen und hat dadurch auch frühzeitig die Anlage von einzelnen Weinbergsgütern, Villen und Landhäusern aller Art hervorgerufen (Abb. 3); während auf dem linken Ufer nur ausnahmsweise, an der Nordseite der ausmündenden Seitentäler, die vom Sonnenstrahl kräftig getroffen werden, Weinberge und -gärten angelegt werden konnten. Dagegen sind in dem flacheren Gelände auf dem rechten Elbufer oberhalb Dresdens nur im Tal, im Pillnitzer Tännicht, aber unterhalb Dresdens auch auf den Höhen weithin die unfruchtbaren Sandflächen mit Nadelholz, meist Kiefern, bestanden; links der Elbe ist dagegen das steilere Gehänge zum Strom und an den zahlreichen Nebenflüssen auf Lehmboden vorherrschend mit Laubwald bedeckt.
Abb. 5. Die Begerburg im Plauischen Grunde. (Zu Seite 9.)
Gegen Süden endigt der Talkessel an den niedrigen Quadersandsteinmauern bei Pirna, wo die Elbe aus dem engen Felsental in die offene Elbaue eintritt. Im Norden bildet die aus Pläner bestehende Landschwelle, die von Meißen über Bohnitzsch und Gröbern nach Oberau zieht, den natürlichen Talabschluß, der von dem Eisenbahntunnel auf der Linie von Dresden nach Leipzig durchbrochen wird, während die Elbe unterhalb Meißen noch weithin bis nach Riesa sich durch den harten Granitboden ein enges Erosionstal geschaffen hat.
So ist also der Talkessel auf allen Seiten von Höhen begrenzt, ist ähnlich wie die oberrheinische Ebene während der Diluvialzeit durch Einbruch entstanden und bildet bei seiner niedrigen Lage, da der Elbspiegel in Dresden nur 105,5 m über der Ostsee liegt, den wärmsten Teil Sachsens. Es wird schon allein hieraus erklärlich, daß gerade dieser Landstrich zuerst Spuren menschlicher Besiedelung aufweist.
Aber nicht bloß das äußere Ansehen der Landschaften verdient Beachtung, sondern auch der wechselvolle Boden und seine Bodendecke, denn sie gerade wirken darauf bestimmend ein, daß die Umgebungen von Dresden durch ihren Wechsel so reizvoll werden und sich von jeder Höhe, sei es am rechten oder linken Elbufer, immer neue, unerwartete Landschaftsbilder dem entzückten Auge darbieten. Dieser Reichtum an prächtigen Spaziergängen und kürzeren Ausflügen wird von den Bewohnern Dresdens selbst noch viel zu wenig gewürdigt, und doch hat M. Christian Weiß schon vor länger als hundert Jahren auf diesen Reichtum an verschiedenen Landschaftsformen hingewiesen. „Man mag Gegenden benennen oder charakterisieren wie man will, so wird man gewiß jede Art derselben im Umkreise von zwei bis drei Stunden um Dresden finden.“ (I, 4.)
Wir betrachten zuerst die linke Talseite.
Von Pirna an elbabwärts streicht die Vorstufe des Erzgebirges, das Elbtalgebirge, ebenso wie auch das Lausitzer Tafelland in nordwestlicher Richtung, aber nicht wie das Erzgebirge nach Nordosten. Weil nicht mehr vorherrschend aus den für das Erzgebirge charakteristischen Gneisen, sondern aus jüngeren Schiefern bestehend, ist der den Elbstrom bis über Dresden hinaus begleitende vordere Höhenzug als Elbtalgebirge bezeichnet. Für unsere Zwecke reicht es aus, diese 6–8 km breite Abdachung des Erzgebirges als ein von der Hauptmasse in seinen Bestandteilen abweichendes Berggelände zu bezeichnen. Wo das Gebirge mit steiler Böschung ziemlich nahe an den Elbstrom herantritt, liegen auf der Höhe die Dörfer Klein- und Groß-Sedlitz; jenes hart an den Höhenrand vorgeschoben, so daß man von den vorderen Landhäusern eine entzückende Aussicht ins Elbtal hat, dieses etwas zurückgelegen und sich an eine Bodenfalte anlehnend, die, sich nach Osten zum Elbtal senkend, sehr geschickt zur Anlegung eines ausgedehnten parkartigen Gartens im französischen Stil benutzt worden ist (Abb. 4). Jetzt ziemlich einsam oder „kaum gegrüßt, gemieden“, waren Schloß und Garten mit seinen verschnittenen Hecken und zugestutzten Baumwipfeln, mit seinen jetzt trockenen Wasserkünsten und seinen meist kunstlosen Statuen, unter denen die allegorischen Darstellungen der vier Erdteile vielleicht am merkwürdigsten sind, vor 200 Jahren der Lieblingsaufenthalt Augusts des Starken und der Schauplatz vieler Hoffeste.
Abb. 6.
Schloß Scharfenberg bei Meißen.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 10.)
Abb. 7.
Dohna.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 10.)
Das älteste Gestein des Elbtalgebirges besteht aus Schiefern der silurischen Formation. Jünger ist der Zug von Grauwacke, der sich vorherrschend zwischen der Gottleuba und dem Lockwitzbach ausbreitet, aber vielfach mit Rotliegendem und selbst gneisartigen Gesteinen abwechselt. Ein Felsrücken, der sich quer über die alte Straße hinzieht, die von Dohna südwärts übers Erzgebirge nach Teplitz führt, und der sich unter dem Namen Ziegenrücken südlich von dem altberühmten Gasthof „Zur kalten Ruhe“ bis zu 274 m Höhe erhebt, besteht aus Quarzit. Von seiner Höhe, die durch einen Denkstein bezeichnet ist, genießt man eine herrliche Aussicht ins Elbgelände hinunter und gegen die Sächsische Schweiz. Etwas höher ragt nordwestlich davon bei Burkhardtswalde der Kanitzberg hervor, 342 m hoch. Er bildet eine kleine Kuppe aus Kieselschiefer, die infolge ihres härteren Gesteins der Verwitterung widerstanden hat und ebenfalls eine treffliche Rundsicht bietet. Noch weiterhin nach Nordwesten bildet bei Witgendorf der Sandberg, 336 m hoch, eine kleine, aber auffällige Kuppe von Kieselschiefer. Die durch einen einsamen Baum kenntliche Höhe ist ebenfalls als Aussichtspunkt durch bescheidene Ruhebänke geziert. Jenseit des Lockwitzbaches bedecken jüngere Gesteine, Plänerkalk und Quadersandstein noch die vordere Stufe des Gebirges bis zu ihrer Höhenlinie und erstrecken sich über den Plauischen Grund am Weißeritzbache bis in die Gegend von Cossebaude. Bei Brießnitz tritt der Pläner sogar als niedere Felsenmauer bis unmittelbar an das Elbbett heran, so daß für die über Elsterwerda nach Berlin führende Eisenbahn nur mit Mühe der nötige Raum gewonnen werden konnte, ohne den gepflasterten Leinpfad, noch näher dem Wasser, zu beeinträchtigen. Überall wo in diesem Gebirge die Platten des Pläners mit Leichtigkeit gebrochen und verwendet werden konnten, sind sie zu kunstlosen Mauern zum Schutz der bäuerlichen Gehöfte und Obstgärten aufgeschichtet und bilden in den zahlreichen Dörfern dieses Landstriches eine charakteristische Erscheinung. Auf der Höhenlinie selbst, die zu gleicher Zeit mit der Grenze der jüngeren genannten Gesteinsarten zusammenfällt, liegen wiederum drei aussichtsreiche Höhenpunkte, an der Babisnauer Pappel, 334,5 m hoch, die Goldene Höhe, 345,5 m hoch, und die Prinzenhöhe, 329 m hoch, von denen die Höhe an der Pappel nur mit einem Aussichtsgerüst, die beiden letzteren mit Aussichtstürmen versehen sind. Obwohl in der Luftlinie kaum je 2 km voneinander entfernt, und scheinbar fast dieselbe Aussicht bietend, wird doch die mittlere, die Goldene Höhe, am meisten besucht und bietet wohl auch, sowohl nach der zu Füßen liegenden Residenz Sachsens als gegen die ferneren Felsenberge der Sächsischen Schweiz die berühmteste Aussicht. Dann aber bietet auch noch näher an Dresden der Hohe Stein oberhalb des Vorortes Plauen von einem Turme aus einen entzückenden Ausblick sowohl in den unmittelbar darunter liegenden Plauischen Grund und über die sich immer mächtiger ausdehnende Hauptstadt, die recht eigentlich den Mittelpunkt des ganzen Talgeländes bildet, als auch auf die hinter ihr sich allmählich erhebenden weiten Nadelwälder der Dresdener Heide, auf das oberhalb der Stadt sich erstreckende Weingelände mit seinen zahllosen Landhäusern von Loschwitz bis Pillnitz, und auf den zunächst gelegenen Teil der Oberlößnitz. Die Felsen des Plauischen Grundes bestehen aus Syenit, der hier die silurische Formation durchbrochen hat (Abb. 5); aber über ihm lagerte, auch am Hohen Steine, Plänerkalk. Der Hohe Stein selbst, auf dem der Aussichtsturm sich erhebt, und die nächste Umgebung bot ehemals eine reiche Fundgrube von Versteinerungen der Kreidezeit, in der Haifischzähne und Austerschalen durch massenhaftes Auftreten besonders ins Auge fielen. Der Syenit des darunter liegenden, ehemals durch seine landschaftliche Schönheit hochberühmten Plauischen Grundes schließt sich dann weiter nach Nordwesten an das Syenit- und Granitgebiet von Meißen an.
Abb. 8.
Schloß Weesenstein.
Nach einem Aquarell von Adrian Zingg. (Zu Seite 12.)
Nur eines kleinen Hügels auf der untersten Stufe des Gebirges, oberhalb Dresdens, muß noch gedacht werden, nämlich des Gamighügels bei dem Dorfe Torna, weil er eine geologische Merkwürdigkeit bietet. Er besteht oder bestand nämlich aus Lausitzer Granit, wird aber bald ganz verschwunden sein, weil er, bequem in der Nähe eines öffentlichen Weges gelegen, als Steinbruch ausgebeutet wird. Das Meißener Syenit- und Gneisgebiet tritt bereits an der Linie von Dresden westwärts nach Wilsdruff auf und reicht mit dem sich im Nordwesten anschließenden Granit bis an das Triebischtal und bis nach Meißen. Das Pläner- und Syenitgebiet verhalten sich in ihrer Abdachung gegen das Elbtal durchaus verschieden. Der leicht verwitternde Pläner- und Sandsteinboden schafft sanfte Abhänge, über die vom Gebirge im Süden, oder von dem Hochlande im Westen ohne Schwierigkeit bequeme Straßenzüge ins Tal in gerader Linie auf Dresden zu angelegt werden konnten, wodurch die Zugänglichkeit Dresdens von dieser Seite her wesentlich erhöht wurde.
Anders im Syenit- und Gneisgebiet. Hier treten die Fels- und Berghöhen von Cossebaude an sofort mit schroffem Absturz gegen die schmale Elbaue und den Strom vor, doch ist zwischen Cossebaude und Gauernitz eine sanfter geneigte Plänerstufe angelagert, die aber den obern Steilrand nicht erreicht. Die steilen Abhänge sind mit Laubwald bedeckt. Von den Höhen blicken die alten Schlösser Scharfenberg (Abb. 6) und Siebeneichen in den Strom hinab. Diese Höhen bildeten weithin beim Vordringen der Deutschen im Mittelalter eine vortreffliche Verteidigungslinie und waren mit den ersten deutschen Wallburgen besetzt, allen voran zuerst Meißen. Aber die Gehänge sind auch so steil, daß kein Straßenzug vom Westen her die Stromebene erreichen kann; die Straße von Wilsdruff nach Meißen läuft immer über die Höhen, bis sie sich in steilen Windungen ins Triebischtal niedersenkt. Die Dresden zunächst gelegenen Höhen in der Umgebung von Cossebaude sind, nachdem die Eisenbahn das Gebiet von der Hauptstadt her bequemer zugänglich gemacht hat, in neuerer Zeit in beliebte, vielbesuchte Aussichtspunkte umgewandelt worden, so die Alberthöhe, Liebenecke (Gneis), Osterberg und Parkschenke.
Nur an einer Stelle in diesem Gebiete, nämlich bereits im nördlichsten Granitgebiet bei Scharfenberg, wird Bergbau getrieben, und zwar seit 1525. Die Hauptblüte liegt allerdings schon um einige Jahrhunderte zurück und fällt ins siebzehnte Jahrhundert; aber es wird auch jetzt noch gearbeitet. Man förderte Bleiglanz, Zinkblende und Fahlerz (Silber). Der Ertrag belief sich 1887 auf 175000 Mark. Dieser bergmännischen Tätigkeit verdanken die nahe beim Schlosse Scharfenberg gelegenen Orte Gruben und Bergwerk Entstehung und Namen.
In der Eiszeit dehnten sich die skandinavischen Gletscherströme über alle Höhen rechts und links der Elbe aus und drangen sogar bis in den unteren nördlichen Teil der Sächsischen Schweiz vor. Überall wo man ihre Spuren hat nachweisen können, sind nordische Kiese mit den eingeschlossenen Geröllen nach ihrem skandinavischen Ursprunge erkannt. Bis zu einer Höhe von 295 m ü. M. sind sie bei Burkhardtswalde gefunden und ebenso bei dem noch südlicher gelegenen Dorfe Nenntmannsdorf. Geschiebelehm, als Reste der alten Grundmoränen, deckt auch auf beiden Seiten des Plauischen Grundes die Höhen von Döltzschen und Koschütz. Bedeutende Lehmlager am Fuß der Vorhöhen, namentlich südöstlich von Dresden, werden zum Zweck des Ziegelbrennens erfolgreich ausgebeutet, tragen aber sowohl durch ihre baulichen Anlagen als durch die zahlreichen hohen Essen zur Verminderung der landschaftlichen Schönheit nicht unwesentlich bei. Weiter nordwärts gegen Meißen und noch weit über Meißen hinaus deckt die Höhen vielfach fruchtbarer Löß. Daher findet man mit Ausnahme der steilen Böschungen an den engen und vielfach gewundenen Seitentälern überall Feldbau und prangen namentlich die milderen Gehänge gegen den Talkessel hin im Frühjahr im schimmernden Schmuck der Obstblüte, welche den Großstädter mehr als sonst hinauslockt, namentlich elbabwärts, in den Zschonergrund, nach Cossebaude, ja sogar bis Meißen.
Aber auch das Gebiet westlich von dem Triebischtal und unterhalb Meißen müssen wir noch in unsere Betrachtung hineinziehen, weil es für die Stellung Meißens und seine geschichtliche Entwickelung wichtig ist. Hier treten nämlich Porphyre und Pechstein auf. Besonders wichtig sind die schwarzen, grünen und roten Pechsteine. Durch Verwitterung verliert dieses Mineral seine Farbe, bleicht völlig aus und bildet schließlich eine weiße Porzellanerde, die in neuerer Zeit immer mehr für die Porzellanindustrie verwendet wird. Weiterhin gegen Nordwesten deckt die immer niedriger werdenden Hochflächen ein lichtgrauer, bis zu 15 m mächtiger, höchst fruchtbarer Löß, der über die durch ihre besondere Fruchtbarkeit weithin bekannte Lommatzscher Pflege hinausreicht. Zahlreiche aber nur kleine Dörfer, aus wenigen aber stattlichen und behäbigen Gehöften bestehend, sind dicht über das ganze Land verstreut.
Abb. 9.
Weesenstein, vom Belvedere aus.
Nach einer Aufnahme von F. & O. Brockmanns Nachf. R. Tamme in
Dresden. (Zu Seite 12.)
Die vom Erzgebirge herabkommenden, meist wasserreichen Bäche haben tiefe und enge Erosionstäler in den harten Boden eingegraben, an denen vielfach Felsenhöhen zu Tage treten. Dahin gehört das romantische Müglitztal, dessen Ausgang zum Talkessel der Elbe die alte Feste von Dohna (Abb. 7) bewachte, während zu gleicher Zeit in längst vergangenen Tagen von hier aus der einzige gangbare Verkehrsweg über das Gebirge, aber nicht durchs Müglitztal, wie man wohl gemeint hat, nach Böhmen führte. Den Glanzpunkt des Müglitztales bildet das malerische Felsenschloß Weesenstein (Abb. 8 u. 9), das sich auf und an einem frei aus dem Tale aufsteigenden und vom Bache umflossenen Felsen erhebt und von einem hochragenden Turm beherrscht wird. Die Verteilung der Wohn- und Wirtschaftsräume des der königlichen Familie gehörigen Schlosses, das in die Felsmasse eindringt und an derselben klebt, ist sehr merkwürdig; es wird daher viel von Fremden besucht, um so mehr, als ein herrlicher Park von hohen Laubbäumen den Felsenbau im Tale umgibt und das Tal selbst ober- und unterhalb reich an prächtigen, schattigen Spazierwegen ist.
Auf das Müglitztal folgt dann das liebliche Tal des Lockwitzbaches, dessen anmutigster Teil bei dem ehemals viel mehr besuchten, in neuerer Zeit vernachlässigten Bade Kreischa liegt. Soweit der Pläner reicht, haben die kleineren Zuflüsse der Elbe nur wenig eingeschnittene Täler mit sanfterem Gehänge, so daß mehrfach das Ackerland sich bis auf den Talboden hinunterzieht. Eine Ausnahme bildet nur das untere Tal des längsten Zuflusses von der linken Seite, der Weißeritz, das zwischen Potschappel und Plauen in Syenit eingeschnitten ist und in der Hauptrichtung von Westen nach Osten ziehend, als Plauischer Grund noch bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wegen seiner idyllischen und romantischen Szenerie nicht bloß von den Bewohnern der nahen Hauptstadt gern und oft besucht wurde, sondern auch, und damals wohl mit Recht, von allen Fremden, die durch die Kunstschätze Dresdens angelockt worden waren, aufgesucht wurde, schon weil man seine Schönheiten über alles pries, und selbst die grotesken Täler und wilden Gründe der damals erst bekannt werdenden Sächsischen Schweiz nicht daneben wollte gelten lassen. Seitdem aber die Eisenbahn nach Freiberg, Chemnitz und weiter hinaus nach Bayern den idyllischen Grund durchzieht, mancherlei Fabrikanlagen mit rauchenden Schloten die ehemals unter hohen Baumgruppen versteckten oder an rauschenden Wehren gelegenen einsamen Mühlen verdrängt haben und eine sehr belebte Landstraße im Grunde hin nach den Kohlengruben am Windberge und bei Zaukerode führt und die weitere Umgebung von Potschappel zu den dichtest bewohnten Gebieten von Sachsen gehört, ist der Reiz, den sonst die Einsamkeit des von Felsen umstarrten Grundes und die ländliche Ruhe gewährte, längst verwischt, so daß heutzutage der Grund von den Lustwandelnden eher gemieden als gesucht wird.
Die übrigen Täler bis nach Meißen sind bis zur Triebisch sämtlich nur kurz, sind tief in den Syenit eingeschnitten, mit buschigen und waldigen Gehängen, einsam, fast wegelos, ohne Ortschaften und werden nur gelegentlich von Freunden einer stillen Natur aufgesucht, die ganz abseits vom Weltgetriebe liegt. Anders und bedeutender ist das Triebischtal geartet, das aus dem Tharandter Walde, wo die Quellen liegen, nach Norden sich erstreckt und bei Meißen in die Elbe mündet. Der obere Teil gehört dem Porphyrgebiet, der mittlere der Grauwacke, der untere dem Syenit, Porphyr, Pechstein und Granit in raschem Wechsel an. Wechsel der Bodenarten bedingt auch einen Wechsel der landschaftlichen Ansichten. Und wenn auch das Triebischtal wie alle übrigen ein Erosionstal ist, das nur durch das unaufhörlich am Boden arbeitende Wasser entstanden ist, so bietet es doch in manchen Talweiten die Möglichkeit von Ansiedelungen, ist also belebter und ist dem Verkehr noch mehr durch die Anlegung der Eisenbahn von Meißen über Nossen nach Leipzig gewonnen. Doch darf man wohl kaum behaupten, daß im Mittelalter, als durch König Heinrich I. die Burg in Meißen (Abb. 10.) begründet wurde, das Triebischtal einen bequemen Zugang von Westen her zur Elbe gewährt habe; denn die leichteren und bequemeren Wege von Westen her nach Meißen liefen, wie auch heute noch, über die Höhen zur Stadt und zur Elbe.
Abb. 10.
Die Albrechtsburg in Meißen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 12.)
Obwohl nun diese westliche Seite des Elbtales mancherlei landschaftliche Schönheiten bietet, so ist sie doch von den Bestrebungen aller Großstädte, sich über das Weichbild der Stadt hinaus in Villenkolonien einen erfrischenden Landaufenthalt zu sichern, fast noch gar nicht berührt worden. Nur bescheidene Anfänge lassen sich unterhalb Dresdens am Fuß der waldigen Höhen erkennen, und nur ein Versuch, auch die Höhen mit ihren herrlichen Fernblicken zu besetzen, in der Nähe von Cossebaude zu verzeichnen. Ausgedehnte und vielbesuchte Sommerfrischorte finden sich nur auf den Höhen der Lausitzer Seite.
Abb. 11.
Kötzschenbroda-Niederlößnitz.
Nach einer Aufnahme von Carl Pittius in Kötzschenbroda. (Zu Seite 15.)
Unleugbar hat diese östliche Seite des Elbtales als die Sonnenseite ihre Vorzüge, sie ist wärmer, durch den Steilabfall des Hochlandes mehr gegen die rauhen Nordostwinde geschützt und übt ihre Anziehungskraft namentlich von Dresden an abwärts bis in die Nähe von Meißen durch die ausgedehnten Nadelwaldungen der Dresdener Heide und des Friedewaldes, die den ganzen Höhenrand in ununterbrochener Folge bedecken.
Der steile Abbruch des Lausitzer Hochlandes erstreckt sich über die ganze Länge des Talkessels von Oberau und Weinböhla an über Pillnitz bis nach Bonnewitz und erscheint von der Elbtalaue aus als ein Gebirgszug mit ziemlich gleichmäßigen Höhen. Es ist ein Teil der großen Verwerfungslinie, die sich auch noch weiter nach Südosten über Hohnstein nach Hinterhermsdorf an der Ostgrenze des Sandsteingebiets der Sächsischen Schweiz in ihren Wirkungen bemerklich macht. Die Hauptrichtung dieser Bruchlinie verläuft wie der Elblauf von Südost nach Nordwest; nur zweimal ist auf kurze Strecke eine Abweichung von dieser Richtung erfolgt und zwar sowohl oberhalb als unterhalb Dresdens in der Richtung von Ost nach West, das einemal östlich von Pillnitz, das anderemal östlich von Kötzschenbroda; und in beiden Fällen folgt südlich von diesen Abweichungen der Elblauf und schlägt ebenfalls eine veränderte Richtung ein.
Auf der Südwestseite dieser großen Lausitzer Verwerfung ist nun der Gebirgsteil abgesunken und hat einerseits den Talkessel der Elbe veranlaßt, andererseits aber, auch infolge von Einsenkung, das Sandsteingebirge erhalten, während die Ablagerungen des Kreidemeeres, dem die Sächsische Schweiz ihre Entstehung verdankt, sowohl auf den Hochflächen des Lausitzer Gebiets, als auch auf den Vorstufen des Erzgebirges, über die sich das Kreidemeer ausdehnte, durch Verwitterung und Abtragung bis auf wenige Reste verschwunden sind.
Aber an der großen Lausitzer Bruchlinie ist nicht bloß ein Absinken erfolgt, sondern der Lausitzer Granit hat sich zum Teil schräg aufwärts über die jüngeren Schichten von Pläner und Sandstein hinübergeschoben und dadurch an den Berührungsflächen merkwürdige geologische Erscheinungen hervorgerufen. Auf diese Überschiebung des Granits ist man seit 1826 aufmerksam geworden und hat an vielen Stellen in der Nähe der Verwerfungslinie dafür unzweideutig Belege gesammelt. Bei Oberau, unfern des Tunnels der Leipzig-Dresdener Eisenbahn liegt Granit, bei Weinböhla Syenit auf dem Pläner. Hier sind die Gesteine des Lausitzer Hochlandes über die übergekippten Plänerschichten hinaufgeschoben. Ausgezeichnete Reibungs- und Rutschflächen mit starken Zerklüftungen zeigt der Syenit in einem Steinbruch unterhalb der Friedensburg bei Kötzschenbroda (Abb. 11). Am Fuße der Syenitberge beim „Letzten Heller“ sind (nach Gutbier) die Schichten des unteren Pläners unter steilem Winkel aufgerichtet und stark zerklüftet. Andere ähnliche Erscheinungen werden wir auch in der Sächsischen Schweiz kennen lernen.
Abb. 12.
Hosterwitz bei Pillnitz.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 15.)
Das Lausitzer Hochland selbst, wie es von Oberau bis Pillnitz als Gebirgsgrenze des Talkessels gegen Osten erscheint, hauptsächlich aus Granit, Syenit und verwandten Gesteinen bestehend, besitzt eine durchschnittliche Höhe von 300–350 m und ist auf seiner Hochfläche mit vielen flachen Hügeln und kleinen Kuppen bedeckt. Von seinen höchsten Punkten, dem Triebenberg, 383 m, und dem Porsberg, 354 m, bei Pillnitz, nehmen gegen Nordwesten die Höhen allmählich ab. Der Porsberg, hart gegen den Steilabfall des Gebirges vorgeschoben, besteht aus Granit und ist infolge seiner freien Lage gegen Südosten, Süden und Südwesten vor allen anderen Höhen durch seine umfassende Aussicht nach der Sächsischen Schweiz und gegen das Erzgebirge berühmt und gewährt dazu auch noch einen reizenden Blick in die mit Ortschaften bedeckte Elbtalaue bis weit über Dresden hinaus. Von Pillnitz bis Dresden fließt die Elbe hart am Fuße des von Ortschaften belebten und an den Gehängen von zahlreichen Landhäusern, die teilweise eine 30 m höhere Sandfläche vor dem Abfalle besetzt halten, geschmückten Gebirges hin; hier liegen an oder in der Nähe der Elbe die Schlösser und Villen der königlichen Familie in Pillnitz, Hosterwitz (Abb. 12) und Wachwitz. Hier sind die Abhänge mit Rebenpflanzungen und Obstgärten bekleidet und von dem Hochlande her öffnen sich mehrere tiefeingeschnittene, malerische und romantische Täler gegen die nahe Elbe. Ihr kurzer, bald sanft, bald steil in Stufen ansteigender Verlauf bietet eine Reihe reizender, vielbesuchter Spaziergänge, die zu zahlreichen Restaurants auf dem Höhenrande hinaufführen. So der Friedrichsgrund bei Pillnitz, der Keppgrund mit der malerischen Keppmühle (Abb. 13) bei Hosterwitz, der Helfenberger Grund bei Niederpoyritz, der Wachwitzgrund und endlich der Loschwitzgrund (Abb. 14 u. 15), der durch zahlreiche Neubauten von seiner sonst so gerühmten landschaftlichen Schönheit verloren hat, so daß er nicht mehr, wie vor 50 Jahren, den Jüngern der Landschaftsmalerei unter Leitung Ludwig Richters zahlreiche idyllische Vorwürfe für ihre Studien zu bieten vermag.
Wie Karl Maria von Weber an seinen unsterblichen Opern Freischütz und Oberon während seines Landaufenthaltes in Hosterwitz schuf, wie Schiller auf dem Landsitze seines Freundes Körner in dem Weinbergshäuschen in Loschwitz (Abb. 16) in den Sommern 1786 und 1787 als Gast lebte und an seinem Don Carlos arbeitete, so hat auch Ludwig Richter jahrelang hochgelegene, bescheidene ländliche Wohnungen in Loschwitz als stillen Ruhesitz für sein künstlerisches Schaffen geliebt.
Ganz anders erscheint uns die Landschaft an dem Steilabfall, der sich von Pillnitz nach Osten zieht und das volle Sonnenlicht von Süden empfängt. Zwar erscheint von der Talsohle aus das Gebirge hier noch mächtiger, weil die höchsten Erhebungen sichtbar werden; allein der ganze Hang ist mit Nadelholz bedeckt und Wege, die von den Höhen durch kurze Täler oder Schluchten hinabführen, sind ungepflegt, denn nirgends wird ein Landhaus sichtbar, nirgends zeigt der hochstämmige Wald eine Lücke für Gärten oder Obstpflanzungen. Das Gebirge erscheint von hier aus unbewohnt. Der Mensch hat es gemieden, denn das erquickende Auge der Landschaft, des Stromes fließender Spiegel fehlt, der das Gelände von Pillnitz bis Dresden mit erfrischendem Hauche belebt und durch seinen regen Schiffsverkehr anziehend macht. Dazu ist der ganze Talboden südwärts bis Pirna großenteils mit magerem Heidesand bedeckt, auf dem sich, die Hälfte des ganzen Gebietes einnehmend, das Pillnitzer Tännicht ausbreitet. Nur wo sich in der Nähe des Stromes, auf beiden Ufern, eine 1–2 m mächtige Decke von fruchtbarem Tallehm findet, sind die Ortschaften: Kopitz, Pratzschwitz, Birkwitz und Söbrigen auf dem rechten Ufer, Heidenau und Mügeln auf dem linken Ufer entstanden.
Doch auch die Hochflächen des Lausitzer Granitbodens haben ihre lebhaften Beziehungen zur Talebene und zur nahen Hauptstadt. Auf den Höhen sind manchmal die diluvialen Schottermassen so mächtig, daß sie einen sichtbaren Einfluß auf die Gestaltung der Oberfläche ausgeübt haben. Geschiebelehm deckt die Höhen, daher finden sich nordwärts bis zum Loschwitzgrunde zahlreiche Dörfer. Dann aber ändert sich das Landschaftsbild plötzlich. Der Heidesand beherrscht den Boden so vollständig, daß auf der weiten Strecke zwischen Dresden und Radeberg, auf einem Flächenraum von 70 qkm nur Wald, die Dresdener Heide, aber nicht ein einziges Dorf anzutreffen ist. Aber am Süd- und Nordrande der Heide haben sich städtische Villenkolonien auf dem Weißen Hirsch, in Klotzsche und Langebrück entwickelt, die, je mehr die Großstadt im Tale um sich greift, in der Nähe des Waldes auf einer 100 m höher gelegenen Hochfläche gedeihlich wachsen und sich immer weiter ausbreiten.
Nur hier auf der ganzen Strecke der steilen Böschungen der Lausitzer Verwerfungslinie hat der Heidesand den Abfall des Hochlandes zu einer sanft ansteigenden, geneigten Ebene ausgeglichen, die es allein ermöglichte, von Dresden aus nach Osten, Nordosten und Norden Straßenzüge anzulegen und gerade in Dresden die bequemste Übergangsstelle über den Strom zu schaffen.
Wie oberhalb der Stadt ist auch unterhalb derselben an dem Trachenberge eine deutlich aus der Elbaue absetzende Talstufe von Heidesand gebildet, die in neuester Zeit ebenfalls mit Landhäusern besetzt wird und deren nach Süden geöffneter halbkreisförmiger Bogen wie ein altes, längst verlassenes Elbufer erscheint.
Abb. 13.
Keppmühle im Keppgrunde bei Hosterwitz.
Nach einer Aufnahme von P. Heine in Dresden. (Zu Seite 16.)
Auf der Hochfläche hinter den Trachenbergen breitet sich fast wagerecht eine Sandebene bis zum Fuß der beim Wirtshause „Zum letzten Heller“ schroff aufsteigenden Syenitberge aus, wo der Sand eine ganz besondere Rolle spielt. Dieser Sand, der sich von dem die Dresdener Heide durchschneidenden Prießnitzgrunde bis in die Lößnitz ausdehnt, ist von hellgrauer und hellgelber Farbe, gleichmäßig feiner Quarzsand und deutlich geschichtet. Er bildet eine etwa 50 m hohe Stufe über der Elbebene. Und hier haben sich unter dem Spiel der Winde typische Dünen gebildet, wie man sie vielleicht im Binnenlande nicht erwartet. Wo eine Pflanzendecke fehlte, ist der Flugsand in langen Höhenzügen aufgeweht, die, den herrschenden Ostwinden entsprechend, meistens eine nordsüdliche Richtung innehalten. Viele dieser Dünen sind durch die neuen Militärbauten in der Albertstadt Dresdens eingeebnet und bedeckt, andere sind noch auf dem weiten Exerzierplatz am Heller, dem unfruchtbarsten Gebiet des Heidesandes, zu erkennen.
Abb. 14.
Loschwitz.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 16.)
So weit der Heidesand reicht — und das ist sowohl auf dem vorderen Höhenrande als am Gehänge und auf dem ganzen Talboden bis zum westlichen Strom und zur nördlichen Grenze des Talkessels —, so weit deckte ursprünglich der Kiefernwald fast ausschließlich das Land; aber die steileren Gehänge des Hochlandes zwischen Radebeul und Koswig sind schon seit dem Mittelalter für den Weinbau gewonnen, der allerdings in neuester Zeit durch die Reblaus bedeutende Einbuße erlitten hat und in manchen Weinbergen völlig aufgegeben ist. Dieser Strich mit der angelehnten Sandstufe, die sich langsam in die eigentliche Niederung der Elbaue senkt, in der allein die alten Dörfer liegen, trägt den Namen Lößnitz, durch den Lößnitzgrund (Abb. 17) in Ober- und Niederlößnitz geschieden. Der Name bedeutet eigentlich Waldland, bildet auch keine geschlossene Ortschaft, ist aber wohl als die früheste Kolonie von Dresden anzusehen. Von den gegenüberliegenden Höhen des westlichen Elbufers, vom Osterberge und den nahegelegenen Aussichtspunkten hat man eine mit Landhäusern bedeckte Landschaft vor sich, die sich 6–7 km weit am Fuß der Lößnitzberge ausdehnt. Die Straßen und Wege laufen dem Fuß des Gebirges parallel und die Namen obere, mittlere, untere Bergstraße zeigen, daß die Häuserreihen staffelweise emporsteigen. Nirgends trifft man städtisch aneinander gerückte Häuserzeilen, sondern an diesen Bergstraßen ist jedes Landhaus von Gärten umgeben. Gerade dieser Teil des Elbtales gilt als der wärmste und ist daher wohl am frühesten aufgesucht. Bis auf den Höhenrand stiegen die Winzerhäuser, die zum Teil in Villen umgewandelt sind, und die Weinbergshäuser empor. Meist durch ihre herrlichen Aussichten berühmt sind sie allmählich in besuchte Restaurants umgestaltet und auch auf bequemen Pfaden zugänglich gemacht. Zu ihnen gehören die Wilhelmsburg, das Spitzhaus, der Pfeifer, das Paradies und die Friedensburg. Wie man aber das Quadersandsteingebirge eine Schweiz genannt hat, so die Lößnitz das sächsische Italien oder noch seltsamer das sächsische Nizza, doch sind die Namen glücklicherweise nicht volkstümlich geworden. Besonders hervorragende Gipfel hat dieser Teil des Hochlandes nicht. So mögen denn nur der Spitzberg, 206 m hoch, bei Koswig genannt werden, dessen bewaldete Kuppe aus Gneis besteht, und der Himmelsbusch, 210 m hoch, eine Felsklippe am Steilrande bei Kötzschenbroda, die aus Hornblendeporphyr besteht. Diese beiden Höhen gehören also nicht dem eigentlichen Lausitzer Granit an und zeigen bereits, daß außer dem eigentlich typischen hellen oder dunkelblaugrauen Lausitzer Granit auch noch andere verwandte Gesteinsarten und zwar besonders Syenit an der Bildung der Lößnitzberge beteiligt sind.
Abb. 16.
Pavillon auf Körners Weinberg in Loschwitz,
wo Schiller wohnte.
Nach einem Stiche von G. A. Frenzel. (Zu Seite 16.)
Die Hochflächen östlich von dem steilen Abbruche haben ihre besondere Eigentümlichkeit in den vielen kleinen Kuppen und bewaldeten Höckern zwischen den Ackerfluren und sumpfigen Niederungen. Die Oberfläche besteht da, wo der Heidesand zurücktritt, aus Geschiebelehm, der Grundmoräne des nordischen Inlandeises, in dem man baltische Feuersteine, Porphyre und Quarzite antrifft, die aus Mittelschweden stammen. Bei Boxdorf liegt dieser Lehm 3 m mächtig. Seine Auswaschungs- und Schlemmprodukte bestehen aus Tonen und Tonsanden. Daneben findet sich östlich vom Lößnitzgrunde bei Wilschdorf feinerdiger gelbbräunlicher Löß, in der Nähe der Friedensburg auch mehliger feiner Lößsand. Wo diese besseren Erdarten vorherrschen, sind Dörfer gebildet und herrscht der Ackerbau vor; doch schieben sich die mageren Heidesandflächen mehrfach dazwischen.
Hinter der Lößnitz gegen Osten liegt auf den Hochflächen des Lausitzer Granitbodens von weiten Nadelwaldungen umgeben und mitten zwischen mannigfach gestalteten großen und kleinen Teichen ein eigenartig gebautes, nach seinem Erbauer Kurfürst Moritz benanntes fürstliches Schloß: Moritzburg (Abb. 18). Auf einer Insel, die nach Norden und Süden durch breite, fahrbare Dämme mit dem Lande verbunden ist, erhebt sich das mächtige Schloß, dessen gewaltige runde Ecktürme sich in dem stillen Wasser spiegeln. Als Jagdschloß besitzt es auch eine sehr merkwürdige Geweihsammlung und ist in seinen glänzend ausgestatteten Gemächern reich an malerischen Vorwürfen im Barockstil und besitzt für die zahlreich, namentlich von Dresden kommenden Besucher eine besondere Anziehungskraft in seinem ausgedehnten Tiergarten mit einem namhaften Bestand von Rot- und Schwarzwild, dessen allabendliche Fütterung auf einem bestimmten weiten Wiesenplatze im Walde stets viele Zuschauer anzieht.
Da wir auf dem Boden der eigentlichen Elbniederung nur jüngere Bildungen diluvialen und alluvialen Ursprungs und nirgends anstehendes Gestein bis in die Nähe von Meißen finden, so darf man wohl auch erwarten, daß wir in der Elbaue selbst noch hie und da Spuren des alten Elblaufes finden und daß das Strombett, das erst nach der Eiszeit seine festere Gestalt gewonnen hat, einst andere Wege eingeschlagen hat. So hat die Elbe nach ihrem Eintritt in den Talkessel unterhalb Pirna nicht bloß durch ihre Schottermassen den unteren Lauf der Wesnitz aus ihrer südwestlichen in eine westliche Richtung verschoben, sondern infolgedessen selbst auch eine westlichere Bahn einschlagen müssen, wobei die alte Talrinne, die noch jetzt in dem Birkwitzer See zu erkennen ist, verlassen werden mußte. Die langgestreckte Einsenkung dieser sumpfigen Niederung weist auf den kürzesten Weg von Pirna nach Pillnitz hin. Andere in ähnlicher Weise entstandene Niederungen lassen sich bei Zschachwitz und Laubegast oberhalb Dresdens und bei Kaditz und Serkowitz unterhalb der Stadt erkennen. Nur bei großen Hochfluten wie 1845 ist das Elbwasser in diese Niederungen wieder eingetreten und hat sie in ihren Beziehungen zur Elbe klar gelegt. Nur bei der großen Flut von 1845 hat die Elbe auch in der Nähe von Meißen den alten Weg um das Spaargebirge herum ostwärts von Sörnewitz über Zaschendorf benutzt. Wie der jetzige Durchbruch des Stromes zwischen dem Meißener Granitgebiet und dem Spaargebirge, der ein reines Erosionstal zu sein scheint, entstanden sein mag: das bleibt ein noch ungelöstes Rätsel, wenn auch manche Erklärung dafür versucht ist.
Abb. 17.
Talsiedelungen und Felsformen. Lößnitzgrund.
Nach einer Aufnahme von Carl Pittius in Kötzschenbroda. (Zu Seite 18.)
Merkwürdig und eigenartig bleibt immerhin das eigentlich zur erzgebirgischen Seite gehörige Spaargebirge, das durch den gegenwärtigen Elblauf auf das rechte Ufer verlegt ist. Im Süden steil und schroff in Felsklippen ansteigend, senkt sich diese Gebirgsinsel, von kleinen Tälern und Schluchten durchzogen, langsam nordwärts in die Niederung von Cölln, Meißen gegenüber, und ist mit zahlreichen einzelnen Weinbergsgütern und Winzerhäusern besetzt, zu denen sich in neuerer Zeit auch Landhäuser gesellen. So bildet in Bezug auf Besiedelung dieser kleine Gebirgsstock einen bestimmten Gegensatz gegen den nördlichsten Teil des Talkessels, der, niedrig gelegen, fast nur aus feuchtem Wiesenland besteht, in das sich nur ein Dorf, Niederau, hineinschiebt, während die übrigen Dörfer nur auf oder an dem umgebenden Höhenrande liegen.