III.
Die Bevölkerung.

Die Bevölkerung im Elbtal.

Verhältnismäßig erst spät ist der Mensch in das für Besiedelung günstige Talbecken eingezogen, und zwar erst, wie seine im Boden hinterlassenen Spuren an Waffen und Geräten zeigen, in der jüngeren Steinzeit, in der Zeit der durchbohrten und geschliffenen Steinwerkzeuge; denn in der älteren Steinzeit, die sich nur roher Steingeräte bediente, deckte noch der starre Mantel skandinavischer Eisströme das Land bis in das Sandsteingebirge und bis auf die Vorhöhen des Erzgebirges. Aber man hat auch südlich von der Grenze des nordischen Eises, das überall seine Spuren durch Moränen und Geschiebelehm zurückgelassen hat, keine Steingeräte oder Tonscherben gefunden, die uns das Vorhandensein von Menschen verrieten.

Abb. 18. Jagdschloß Moritzburg.
Nach einer Aufnahme von F. & O. Brockmanns Nachf. R. Tamme in Dresden. (Zu Seite 20.)

Die älteste Bevölkerung.

Die erste Besiedelung des flacheren Landes in Sachsen erfolgte von Westen, von Thüringen her; die Spuren dieser ältesten Bewohner sind nachgewiesen bei Leipzig, im Elbtal, besonders nördlich von Dresden, und um Bautzen an der Spree. Eine spätere, aber auch noch vorgeschichtliche Einwanderung scheint von Böhmen her ebenfalls das Elbtal von Pirna bis Riesa besetzt zu haben. Dann folgt die Bronzezeit. Gräberfelder aus diesem Zeitalter sind zahlreich über den ganzen Norden von Sachsen, über die Ebene und das Hügelland verbreitet. Die Bevölkerung erscheint bereits seßhaft zu sein; aber es haben sich doch aus dieser Zeit nur wenige Ansiedelungen nachweisen lassen, so bei Dresden[1] und überraschenderweise auf dem Pfaffenstein in der Sächsischen Schweiz. Die Herdstellen unterscheiden sich in der äußeren Form noch nicht von denen der Steinzeit. Und wenn nun gar in der Nähe von Dresden an hundert Feuerstätten nahe beieinander aufgedeckt sind, dann kann eine solche Ansiedelung schon als Dorf bezeichnet werden. Auch Eisen ist neben der Bronze bei diesen Urbewohnern gefunden. Daß die Römerzeit für Sachsen spurlos vorübergegangen ist, erklärt sich aus seiner Lage, die sich eben so fern von der Westgrenze Germaniens am Rhein, als von der Südgrenze an der Donau befand. Auch scheinen die Handelswege, die von der Donau her die Bernsteinküsten an der Ostsee aufsuchten, unser Land, das im Rücken des unwegsamen Erzgebirges lag, nicht berührt zu haben. Daher sind in Sachsen bis jetzt noch keine Funde von römischen Münzen gemacht, die auf einen solchen Verkehr hinweisen könnten. Und wenn römische Geschichtsschreiber doch eine allgemeine Kenntnis von den geographischen Verhältnissen Sachsens scheinen gehabt zu haben, insofern sie von der Elbquelle und dem Oberlaufe des Stromes Mitteilungen machen, so liegt doch die Vermutung nahe, die Römer hätten die Saale für den oberen Elblauf gehalten und danach ihre Beschreibung verfaßt. Wir wissen aus dieser Zeit nur, daß die deutschen Stämme der Hermunduren und Semnonen im Lande wohnten und zwar so, daß die Elbe etwa die beiden Volksstämme voneinander schied. Doch wird ein großer Teil dieser Bewohner in der Zeit der Völkerwanderung das Land wieder verlassen haben.

Abb. 19. Partie aus Brießnitz.
Nach dem Stich von Peschek. (Zu Seite 26.)

Die Wenden.

Im sechsten Jahrhundert erschienen dann, wahrscheinlich im Gefolge der Awaren, die Slaven, Wenden, die sich in kleinen Dörfern, sogenannten Rundlingen, oder auch in Straßendörfern ansiedelten. Die erste Form der Ortschaften zeigt uns die Häuser in Kreisform geordnet, mit den Giebeln nach dem inneren Dorfplatz gekehrt, der, da nur ein Weg von außen hineinführt, wohl geeignet ist, das Vieh der Gemeinde für die Nacht in sicheren Schutz zu nehmen. Man hat aus dieser Dorfanlage mit Recht geschlossen, daß die Bewohner vor allem Viehzucht getrieben haben. Die zweite Form der Dörfer stellt die Häuser in zwei parallele Reihen, zwischen denen die Straße entlang geht; daher der Name Straßendorf. — Die Wenden erscheinen uns aber keineswegs als Träger einer höheren Kultur, wie eine voreingenommene Geschichtsschreibung sie bezeichnet hat. Sie besaßen noch wenig Metalle, brauchten mehr Werkzeuge von Knochen, Horn und Holz. Nur in der Töpferei zeigt sich ein wesentlicher Fortschritt durch die allgemeine Anwendung der Drehscheibe.

Der Burgwall in Koschütz über dem Plauischen Grunde ist als zu einer slavischen Ansiedelung gehörig erkannt worden. Im allgemeinen nahmen die Wenden dieselben Gebiete in Sachsen ein wie vor ihnen die Germanen, das heißt, sie besetzten nur das Flachland und die offenen Flußtäler, ließen aber das höhere Bergland mit seinem schwereren Boden meist unaufgebrochen. Am meisten nach Süden drangen sie im Elbtale vor, aber auch hier nur bis nach Pirna. Es waren also immer wieder nur die schon in der Steinzeit besiedelten Gegenden, die von den neuen Ankömmlingen besetzt wurden. Die ersten Spuren eines in weitere Ferne gehenden Handels und Verkehrs sind in den Funden arabischer Münzen des zehnten Jahrhunderts aus den innerasiatischen Münzstätten von Bochara und Samarkand zu erblicken. Aber solche Funde sind nur in der Lausitz gemacht; indes wissen wir doch, daß arabische Kaufleute um dieselbe Zeit Deutschland durchzogen haben und elbaufwärts auch in Böhmen eingedrungen sind.

Von den Wenden ist auch Dresden gegründet; und da die Slaven von Osten her kamen, lag ihre älteste Ansiedelung Dresden auf dem rechten Elbufer, in der heutigen Neustadt. In der alten Gestalt des Neustädter Marktes nahe der Augustusbrücke will man noch den Rundling der ältesten Dorfanlage erkennen. Von hier sind die neuen Ansiedler dann auf das gegenüberliegende Ufer, die Altstädter Seite, hinübergegangen, haben aber hier sich nur als Fischer ansässig gemacht, legten daher nicht ein Dorf nach der Gestalt des Rundlings an, sondern wohnten in einer Reihe von Häusern am Flußufer, „an der Elbe“, der heutigen Terrasse und in der Fischergasse.

Der Ackerbau der Slaven war (nach O. Schulze) eine Art wilder Feldgraswirtschaft, womit eine halbnomadische Weidewirtschaft verbunden war. Der hölzerne Hakenpflug vermochte nur den leichten Alluvialboden oder den Heidesand umzubrechen. Nach wenigen Ernten wurde das Feld wieder verlassen. Wo sich Rundlinge erhalten haben, überwog jedenfalls die Viehzucht. Erst als die Deutschen mit dem Eisenpfluge erschienen, konnte auch der schwerere Löß- und Lehmboden des Berglandes urbar gemacht werden. Daher finden wir auch jetzt noch in den Tälern und im Flachlande slavische Ortsnamen, im Hoch- und Berglande dagegen deutsche.

Aber es wäre irrig, aus der Verbreitung slavischer Ortsnamen immer bestimmt auf altslavischen Anbau schließen zu können. Die slavische Benennung im allgemeinen ist nach Schulzes Ansicht gar kein Beweis dafür, daß wir es mit einem ursprünglich von Sorben oder Wenden angelegten Ort zu tun haben. Die leidige Vorliebe der Deutschen für alles Fremdländische war anscheinend schon den Kolonisten des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts eigen. Nicht nur behielten sie den wendischen Namen der Ortschaften, aus denen die sorbischen Bewohner vor ihnen wichen, sondern auch von ihnen selbst gegründeten neuen Siedelungen gaben sie oft genug der fremden Sprache entlehnte Namen. So 928 Misni (Meißen), ferner Albertitz, Berntitz, Rampoltitz oder Rampitz auf dem Boden von Altstadt Dresden. Der Name der Rampischen Straße erinnert noch an den Ortsnamen. Conradesdorf ist um 1190 von einem deutschen Ritter angelegt und erscheint schon um 1206 als Conratiz.

Es muß daher auffallen, wenn wir unter den zahlreichen Ortschaften im Dresdener Talkessel nur drei deutsche Ortsnamen: Niederau, Zaschendorf und Naundorf finden, von denen Naundorf urkundlich am frühesten, schon im zehnten Jahrhundert genannt wird und sicher damals ein neues Dorf, eine neue Dorfanlage war, wie der Name aussagt. Aber nach Schulzes Forschungen sind viele Dörfer mit slavischem Namen auch in der Ebene erst zur Zeit der deutschen Herrschaft nachweisbar und von deutschen Herren angelegt. Nur die Ortsnamen mit patronymer Bildung, in denen also ein Personenname steckt, sind entschieden slavischer Gründung und geben über die ältesten sorbischen Anlagen Auskunft. Aber ihre Erklärung ist deshalb oft schwierig, weil ein Name mehrere Deutungen zuläßt.

Abb. 20. Meißen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 31.)


GRÖSSERES BILD

Abb. 21. Der Dom und die Albrechtsburg in Meißen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 32.)

Dazu kommt ferner noch die eigentümliche Erscheinung, daß die deutschen Rittergeschlechter fast durchweg die Namen der Sorbenorte annahmen, in denen sie saßen, als mit dem Ende des zwölften Jahrhunderts die Familiennamen aufkamen. Dahin gehören die Namen Carlowitz, Könneritz, Minckwitz, Nostitz, Planitz, Seydlitz, Seydewitz, Wallwitz und Zezschwitz.

Die Deutschen.

Die Deutschen kamen erst im zehnten Jahrhundert wieder an die Elbe, um ihren herrschenden Einfluß bis zu dem Strome auszudehnen. Als Heinrich I. 928 den Grund zur Burg Meißen legte, handelte es sich noch nicht um die Ausdehnung des Reiches bis dahin, sondern nur darum, die Slaven tributpflichtig zu machen. Das sollte dadurch erreicht werden, daß am hohen Rande des westlichen Elbufers an geeigneten Plätzen Burgen errichtet wurden, die eine Reihe von Militärposten darstellten, und die zu gleicher Zeit der Mittelpunkt und Hauptplatz eines besonderen, Burgward genannten Distrikts waren, der eine militärische Verfassung erhielt. Solche Burgwarde waren für den Elbtalkessel Meißen, Woz, das man fälschlich in Weistropp gesucht hat, wo sich kein geeigneter Platz findet, Brießnitz (Abb. 19), Pesterwitz und Dohna. Kriegserprobten Männern waren die Burgen anvertraut, die Deutschen fanden sich nur in den Burgen, deutsche Ansiedler wurden noch nicht herangezogen, auch lag es anfänglich noch nicht in der Absicht des Königs, die Wenden dem Christentum zuzuführen. Die deutsche Reichsgrenze blieb einstweilen noch an der Saale.

Die deutschen Ansiedelungen im Mittelalter.

Die Verhältnisse erfuhren zunächst eine Änderung unter Kaiser Otto I. Die Slaven wurden unterworfen, das Gebiet östlich der Saale in die drei Marken Merseburg, Zeitz und Meißen geteilt und 968 das Bistum in Meißen begründet, um die Christianisierung des Landes durchzuführen. Die Ritter, die zur Verteidigung des Landes herangezogen wurden, kamen meistens aus Thüringen und Franken. Bauern kamen auch jetzt noch nicht und konnten auch nicht die Urbarmachung des Bodens in Angriff nehmen, solange der Besitz des Gebietes noch von böhmischen und polnischen Fürsten bestritten wurde, solange das Land von unaufhörlichen Kriegen verheert und das Volk zu Tausenden in die Sklaverei geschleppt wurde. Also auch im elften Jahrhundert konnte noch nicht an eine Germanisierung gedacht werden. Es soll nur daran erinnert werden, daß 983 Meißen für die Deutschen verloren ging, aber 987 wieder gewonnen wurde. Im Jahre 1002 ging die Meißener „Wasserburg“, die am Fuße der Albrechtsburg gelegen haben soll, von neuem verloren, der Ort selbst wurde 1015 verbrannt, aber 1029 von Konrad II. wieder erobert. Endlich erschien 1075 noch ein feindliches böhmisches Heer im Lande. Erst als 1089 die Mark Meißen an den Wettiner Heinrich von Eilenburg, den Stammherrn des sächsischen Königshauses, kam, gewann das Land allmählich seine Ruhe wieder. Zwar besaß anfänglich, schon seit 1086, Wiprecht von Groitzsch, der Schwiegersohn des Herzogs Wratislaw von Böhmen, den Gau Nisani, in dem Dresden lag, aber auch dieser südlich von der Mark gelegene Gau fiel 1143 an das Haus Wettin. Wiprecht von Groitzsch hatte aber das Verdienst, zuerst in größerem Stil die deutsche Kolonisation befördert und deutsche Bauern von Thüringen und Franken ins Land gerufen zu haben. Ihm schreibt der Chronist auch die Verordnung zu, daß er den Einwanderern, die im Berg- und Hügellande Land angewiesen erhielten und es in fränkischen Hufen austeilten, gestattete, ihr Dorf nach ihrem Führer oder Schulzen zu benennen, daher wir in der Umgebung des Elbtales bis in die Sächsische Schweiz hinein so häufig Namen begegnen wie Kunnersdorf, Hermsdorf, Dittersbach, Seifersdorf, Rennersdorf u. a., die also nach Konrad, Hermann, Dietrich, Siegfried oder Reinhard benannt worden waren. Doch fand die Ansiedelung zunächst an der Elbe ihre Ostgrenze. Und so bildete der Strom noch bis ins zwölfte Jahrhundert auch die Grenze zwischen den christlichen Deutschen und den heidnischen Slaven.

Die deutschen Bauern kamen, wie die Ritter, vorwiegend aus Franken und Thüringen, einzelne Gruppen auch aus Niedersachsen oder wurden aus den Niederlanden gerufen. Diese, die Vlaemen, sollten vor allem die sumpfigen Niederungen entwässern und urbar machen. Sie teilen die Dorfflur, abweichend im Größenmaß, in vlaemische Hufen. Die viel häufiger angewandten fränkischen oder Königshufen, auch Waldhufen genannt, umfaßten in der Regel 47–50 ha.

Abb. 22. Die große Appellationsstube in der Albrechtsburg zu Meißen. (Zu Seite 33.)

So hat man z. B. an der Gliederung der Dorfflur erkannt, daß das Dorf Biela bei Dresden (in seiner offiziellen schlechten Schreibweise Bühlau genannt) von Vlaemen angelegt ist. Die Dorfgemeinde teilte die ihr zugewiesene Flur nach der Zahl der Hofstellen oder Familien in gleichwertige Hufen, die sich von den in der Regel an einem Bach gelegenen Bauernstellen als lange Feldstreifen auf die Höhen bis zur Grenze hinzogen. Aus jedem Gehöfte führte dann ein Feldweg die ganze Hufe entlang. So viele Höfe, so viele fast parallel laufende Feldwege, die auf den Spezialkarten eingetragen, sofort die Einteilung der Dorfflur erkennen lassen. Eine zweite Art der Einteilung, die man besonders im Elbtal fast allgemein vertreten findet, sondert zunächst die Gemeindeflur in größere Stücke gleichartigen und gleichwertigen Bodens und teilte diese einzelnen Stücke wieder nach Anzahl der Hofstellen in gleiche Streifen. Dann war die Aufteilung in Gewannen erfolgt. Der Bauer besaß nicht einen einzigen zusammenhängenden Landstreifen, sondern mehrere kleine Streifen in verschiedenen Abteilungen der Gemeindeflur, die wohl auch bald besondere Namen erhielten. Ein Teil der Flur wurde aber nicht aufgeteilt, sondern blieb Gemeindeland als Weide oder Wald zu gemeinsamer Ausnutzung.

Abb. 23. Die Königl. Porzellan-Manufaktur in Meißen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 34.)

Deutsche Ansiedelung und Germanisierung.

Um die Ansiedelung des bisher unbebauten Landes machten sich nicht bloß Fürsten und Herren, sondern auch die Geistlichen, in unseren Gebieten ganz besonders das Domkapitel von Meißen, sehr verdient. Daneben aber auch die Cisterzienser, die nach ihrer Ordensregel besonders auf den Feldbau angewiesen waren. Das erste Cisterzienserkloster in Altzelle wurde 1162 vom Markgrafen Otto gegründet und die Mönche, die von Walkenried am Harz kamen, erhielten am Rande des bis dahin noch fast unbewohnten Waldes südlich von Nossen 800 Hufen Landes angewiesen, ein beträchtlicher Besitz, der aber erst für den Anbau gewonnen werden mußte. Dieser Besitz erstreckte sich südwärts bis über Freiberg hinaus, und hier wurde höchst wahrscheinlich, wenn auch nicht urkundlich zu belegen, durch die Mönche selbst der erste Silberfund gemacht. Denn da das Mutterkloster in Walkenried als wichtigen Teil seiner Einkünfte einen Anteil vom Ertrage des Silberbergbaues im Rammelsberge bei Goslar besaß, so verstanden die Mönche etwas vom Bergbau und kannten die Gesteine, in denen Silberadern vorkommen können. Das führte denn zur Entdeckung des Silbers bei Freiberg. Dadurch gewann der bis dahin gemiedene Urwald des Erzgebirges eine besondere Anziehungskraft und förderte wesentlich die Besiedelung auch der höheren Bergstriche. Es sind diese Verhältnisse hier kurz berührt, wenn sie auch scheinbar nicht in den Rahmen unseres landschaftlichen Gebietes fallen, weil, wie wir später sehen werden, ohne die rasche Blüte des Freiberger Bergbaues die Entwickelung Dresdens zur Hauptstadt des Elbtales und weiterhin zur Hauptstadt des ganzen Landes nicht denkbar wäre.

Abb. 24. Drehen, Formen und Gießen in der Königl. Porzellan-Manufaktur zu Meißen.
(Zu Seite 34.)

Die obersächsische Mundart.

Das oberfränkische Bauernhaus.

Die Besiedelung des flacheren Landes und des niedrigen Berglandes war am Ende des dreizehnten Jahrhunderts durchgeführt. Damit verschwanden die Slaven links von der Elbe und im Elbtal, ohne daß eine gewaltsame Vertreibung stattgefunden hätte. Auch die Sprache erlosch allmählich, und 1424 wurde der Gebrauch der wendischen Sprache vor Gericht im Meißenerlande verboten. Dazu trug namentlich auch die Abneigung der Deutschen bei, mit den Unterworfenen, den Hörigen, jedenfalls sozial Niedrigerstehenden irgend welche Verbindung einzugehen. Wo sie in den Städten aufgenommen wurden, mußten sie in besonderen Gassen wohnen. Man findet daher oft und westwärts sogar bis zum Harz in den deutschen Städten die Benennung „windische Gasse“. Die Zünfte nahmen keinen Wenden auf und noch bis ins achtzehnte Jahrhundert wurde wohl bei Ausstellung eines Lehrbriefes dem jungen Manne bezeugt, ehe er seine Wanderschaft antrat, daß er aus einer deutschen Familie und nicht aus slavischer Wurzel stamme. So breitete sich also auch im Elbgelände wiederum die deutsche Sprache aus, nachdem der slavische Laut über 500 Jahre allein geherrscht hatte. Es entwickelte sich die obersächsische Mundart, die aber eine ziemliche Anzahl slavischer Ausdrücke aufnahm und auch bis heute im Volksmunde bewahrt hat. Wie die Ansiedler aus Franken und Thüringen kamen, so ist auch das fränkische Wohnhaus im ganzen Lande verbreitet. Es hat im Gegensatz zum niedersächsischen Bauernhause ein Obergeschoß; Viehstall und Wohnhaus sind nicht unter einem Strohdache. Wohnhaus und Kuhstall stehen vielmehr rechtwinklig zur Straße und sind gegen die Straße durch eine Mauer, die den Hof abschließt, verbunden. Durch diese Mauer führen das oft hochgewölbte Einfahrtstor und die bescheidenere Pforte für die Fußgänger. Nach hinten schließt die Scheune den Hofraum ab. Auf der dem Hof zugekehrten Langseite des Wohnhauses lief sonst im Obergeschoß ein Laubengang entlang, der aber in neuerer Zeit schon vielfach verschwunden ist. In den Dörfern des Elbtales findet sich noch die Eigentümlichkeit, daß die Hofmauer nach der Straßenseite über die Giebelfront des Wohnhauses in die Straße hineingerückt ist, so z. B. in Radebeul und Kötzschenbroda; vielleicht geschah es, um das Weinspalier nicht unmittelbar an der Straße pflanzen zu müssen, sondern durch einen Zaun schützen zu können. In dem sehr charakteristischen Rundling von Radebeul ist so fast der ganze innere Dorfplatz von den vor den Häusergiebeln liegenden Weingärten eingenommen, so daß nur schmale Fußwege vom Platz zwischen diesen Weinpflanzungen zu den Häusern führen.

Abb. 25. Malersaal der Königl. Porzellan-Manufaktur zu Meißen. (Zu Seite 34.)

[1] Auf dem Boden der Stadt, in Blasewitz, Strehlen und Übigau; dann bei Löbtau, Brießnitz und Stetzsch.