Am Ufer sehen wir werktätiges Leben: es wird alles hergerichtet, was zum Bau notwendig ist. Im Hintergrund, am Wald, werden die gefällten Bäume von Zimmerleuten zugerichtet und im Vordergrund zu Konstruktionen zusammengesetzt.
Auf zwei Böcken liegt ein schweres Bord, das von zwei Mann zersägt wird. Beachtenswert sind an der hier abgebildeten Säge die beiden voneinander verschiedenen Handgriffe. Der obere sitzt an zwei schräg stehenden Eisen in der Verlängerung des Rahmens, der untere auf dem Querholz des Rahmens.
Ein Vergleich mit der Preisliste einer heutigen französischen Sägen-Fabrik ergab, daß diese Form der Säge noch in Frankreich zu finden ist. Es ist beachtenswert, wie sich die Formen der Werkzeuge oft Jahrhunderte lang unverändert erhalten. Rechts im Vordergrunde sehen wir neben dem Mann, der ein Loch in das Gebälk bohrt, eine der im Mittelalter beliebt gewesenen schwertförmigen Stichsägen. Bei diesen Sägen stehen die Zähne immer auf Stoß und die Zahnkante ist bauchig. Der Griff ist so lang, daß er mit beiden Händen erfaßt werden kann. Griff und Sägeblatt sind durch einen runden Schutzteller von einander getrennt.
Die Säge ist das Symbol des Propheten Jesaias, den wir hier (Seite 30) mit einer mächtigen Trecksäge mit rundem Rücken sehen. Die technisch wie künstlerisch gleich wertvolle Darstellung ist von einem unbekannten Meister in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Kupfer gestochen worden[33].
In den Ingenieur-Handschriften, die im Mittelalter vor Erfindung des Buchdrucks für Städte und Burgen zu Verteidigungszwecken geschrieben wurden, wird die Säge als notwendiges Werkzeug häufig erwähnt.
Da wir die Zeiten verlassen, die man als Mittelalter bezeichnet, wären einige Spielformen von Sägen zu besprechen.
Im Zeughaus zu Schwarzburg in Thüringen wird ein Schwert aufbewahrt, das an einer Kante der Klinge eine starke Säge trägt. Die Klinge ist 108 cm lang, nahe der Spitze befindet sich ein Loch. Hier zog man ein Seil durch, um einen zweiten Mann an der Säge anfassen zu lassen. Diese eigenartige Verbindung von Waffe und Werkzeug soll ums Jahr 1490 entstanden sein.
Im Germanischen National-Museum zu Nürnberg wird ein Kriegswerkzeug aufbewahrt, das man »Bohr-Säge« nennen könnte (Seite 31). Es besteht aus einem starken hölzernen Stiel von 120 cm Länge, der an einem Ende mit einer kräftigen Eisentülle versehen ist. Aus dieser Tülle läßt sich ein vierkantiges Werkzeug herausziehen und durch ein eingeschobenes Eisen feststellen. Oben trägt das Werkzeug einen Bohrer und darunter eine kräftige Säge. Man näherte sich mit diesem Stück einem feindlichen Tor, bohrte dieses an und sägte dann schnell das Schloß oder die Schloßnieten heraus. Die ausgezogene Säge hat eine Länge von 28 cm. Diese Bohrsäge stammt aus dem Dresdner Zeughaus und ist, wenn man eine Datierung versuchen soll, wohl ums Jahr 1640 entstanden[34].
Seilsägen waren bei den Bewohnern der Landenge von Panama in Gebrauch, ehe die Europäer nach Amerika kamen. »Die Einwohner machen Seile von einem gewissen Kraute, welches von ihnen Neqvon oder Henechen genennet wird, und solche Blätter hat, die einer Distel ähnlich sehen, mit denen sie so, wie wir mit dem Hanff oder Flachs, umzugehen pflegen, und sie nicht allein zum binden brauchen, sondern auch Eisen damit zu schneiden: Denn sie ziehen diese Stricke wie eine Säge hin und her, und thun das rauhe Ende auf die Stelle, wodurch sie schneiden wollen.« Der Berichterstatter vergaß hier zu sagen, ob die Eingeborenen mit den Pflanzenfasern allein mühsam sägten, oder ob sie Corund, Schmirgel oder etwas ähnliches hinzufügten[35].
Im Jahr 1709 sägte ein Italiener, der in Kassel ansässig war, Mosaik-Steine mit einer »zärtern Säge, von doppeltem übereinander gedrehtem Drat«[36].
Der Kuriosität halber sei hier ein Versuch angeführt, den man 1850 machte: »Papierscheiben von 6 Zoll Durchmesser, die mit einer Umfangs-Geschwindigkeit von 500 Fuß per Secunde rotiren, schleifen von englischen Feilen an den entgegengehaltenen Stellen den Hieb augenblicklich ab«[37].
Als »türkische Sägen« bezeichnet man heute diejenigen, deren spitze Sägezähne auf das Sägeheft hin stehen. Diese Sägen schneiden also nicht beim Stoß, sondern beim Zug. Das Wort »türkisch« hat nach alter Überlieferung die Bedeutung »weit hinten, im Orient«. Und in der Tat: irgendwo im Orient liegt eine Grenzlinie, jenseits der verschiedene technische Bewegungen entgegengesetzt den Bewegungen bei uns verlaufen. Einige Beispiele: die weisende Spitze der Nadel im Kompaß ist bei den Chinesen und Japanern die nach Süden zeigende, das Hobeleisen steht mit der Schneide gegen den Arbeiter hin, man dreht die Schraube nach links hinein und nach rechts hinaus. So sägt man auch jenseits dieser noch unbekannten Grenzlinie im Orient ziehend, nicht stoßend. Dies ist besonders bei den Chinesen und den Japanern der Fall.
Die älteste mir bekannte Säge dieser Art wird im Historischen Museum zu Dresden aufbewahrt (Abbildung Seite 33 unten). Sie stammt aus dem Besitz des Churfürsten Vater August von etwa 1570.
Als »ostindische Sägen« wurden die beim Zurückziehen wirkenden Sägeblätter im Jahr 1834 in unserer technischen Literatur bekannt, und es wurde dabei darauf hingewiesen, daß das Sägeblatt hier viel dünner sein könne. Mithin säge man mit einer ostindischen Säge leichter, als mit einer europäischen[38].
Mögen die Sägezähne auf Zug oder Stoß gestellt sein, immer bedingen sie Verlust an Zeit, weil man die Säge der Zahnstellung entgegen wieder zurückbringen muß. Es war deshalb eine bedeutsame Erfindung, die Sägezähne so anzuordnen, daß sie sowohl beim Zug als auch beim Stoß wirkten. Man könnte glauben, diese Erfindung sei eine absichtliche Vereinigung unserer stoßenden Säge mit der ziehenden Säge der Orientalen. Solche Schlüsse aber darf man in der Geschichte der Erfindungen nicht machen. Aus Abbildungen des Altertums und des Mittelalters und aus den wenigen gefundenen Stücken ist nicht zu ersehen, welche Gestaltung die Zähne hatten. Man kann nur annehmen, daß die Formgebung bei jedem Meister, der Sägen machte, eine willkürliche war. Der erste, von dem wir mit Sicherheit wissen, daß er M-förmige Zähne bewußt verwandte, war Leonardo da Vinci, der vielseitige italienische Künstler und Generalingenieur[39]. Aus den tausenden Skizzen, die Leonardo aus seiner technischen Praxis, wie auch als Erfinder hinterlassen hat, besitzen wir in einem kleinen, zu Paris aufbewahrten Notizbuch die hier (Seite 35) wiedergegebene Skizze, unter der die Worte stehen: »Doppelte Säge, die ziehend und stoßend operiert.« Dieses Notizheft Leonardos stammt aus den Jahren 1488–1497[40].
Leonardo da Vinci beschäftigte sich auch mit der Konstruktion von Sägewerken. Den Antrieb zu einem solchen skizziert er dicht neben dem frühsten bekannten Entwurf zu einer Drehbank mit Tretvorrichtung (Seite 35). Die Drehbank stößt mit dem Spindelstock-Balken und dem Fußtritt an das Schwungrad des Sägewerks, es ist also nicht schwer, die Zeichnungen der beiden Maschinen auseinander zu halten. Die Säge sitzt in einem Rahmen und wird oben und unten von je einer Kurbel gefaßt. Unten trägt die Kurbelachse eine Schwungscheibe, und wir müssen annehmen, daß die beiden Kurbelachsen irgendwie zwangsläufig verbunden waren. Der Antrieb der unteren Kurbel erfolgt mittelst einer am Ausgang des Mittelalters gebräuchlichen Hand-Schubstange.
Eine Reihe kleiner Skizzen von Leonardos Hand bezieht sich auf Sägewerke, doch diese Skizzen sind nur flüchtig ausgeführt und stark vergilbt. Da sie nichts Bemerkenswertes bieten, lohnt sich die Wiedergabe nicht[41].
Daß man in holzreichen Ländern die Axt der Säge vorzog, lesen wir in der »Natürlichen Historie von Norwegen«, die 1753 erschien. Es heißt dort: »Vor der Mitte des 16. Jahrhunderts behaute man jeden Stamm und spaltete ihn mit der Axt in zwei Planken, da er jetzt sieben bis acht Bretter gibt, da denn das meiste Holz in Spähne zersplittert wird. Dieses geschieht noch an einigen Orten, wo keine Sägewerke in der Nähe sind, insonderheit auf Sudenöer und im Amte Nordland, wo sehr viele Jagden und Böte aus lauter dergleichen gehauenen Brettern gebauet werden, die zwar doppelt so stark sind, aber auch allzuviele Stämme kosten«[42].
Mit der Angabe, daß man bis ums Jahr 1550 in Norwegen hauptsächlich mit der Axt arbeitete, stimmt die Nachricht überein, daß erst um 1530 das erste Sägewerk in Norwegen angelegt wurde[43].
Den späteren Kaiser Maximilian sehen wir in seiner Jugend mit einer großen Säge in der Hand auf einem Holzschnitt von Hans Scheuflein aus dem Jahre 1514 (Seite 37). Der junge Fürst ist hier als Lehrling der Zimmerleute dargestellt[44].
Außer dem Propheten Jesaias (Seite 30) wird der Apostel Simon — nicht zu verwechseln mit Simon Petrus — mit der Säge dargestellt, ja, er ist auch der Schutzpatron der Säger, denn es wird von ihm berichtet, daß er auf einer Missionsreise in Persien von fanatischen Priestern lebendig in Stücke zersägt worden sei[45]. Der große Meister Lucas Cranach der Ältere hat 1539 in einer Serie »Das Symbolum..... der zwelff Aposteln«[46] den Martyrertod des Simon grausig dargestellt (Seite 38).
Die Werkzeuge des Zimmermanns, darunter auch 2 Sägen, sind sehr deutlich auf einem Holzschnitt dargestellt (Seite 39), der im Jahre 1546 in einem Buch über die Perspektive erschien.[47]
Um's Jahr 1550 überreichte der Nürnberger Mechaniker Hanns Lobsinger den Stadtvätern ein handschriftliches Verzeichnis seiner mechanischen Erfindungen. Es ist nicht veröffentlicht worden und neuerdings auch im Original verschwunden. Aus einem älteren Auszug wissen wir aber, daß Lobsinger eine ganze Reihe bedeutsamer Erfindungen machte und daß einige von ihnen der Zeit um Jahrhunderte vorauseilten. So fertigte er auch Maschinen, »in welchen ein Rad den Marmor oder andere Steine, welche man sonsten mit einer kupffern Sägen sehr langsam durcharbeitete, ziemlich förderlich durchschneiden muste«[48]. Demnach verwendete Lobsinger schon vor 350 Jahren in Nürnberg die ungezahnte Kreissäge zum Steinschneiden. Diese Erfindung ist um so erstaunlicher, als doch unsere heutige Kreissäge für Steine (Seite 62) erst im Jahre 1833 in England erfunden wurde[49]. Sonderbar nur, daß Lobsinger nicht auf den Gedanken kam, die Scheibe zu zahnen, um Holz damit zu schneiden. Die Kreissäge für Holz wurde, wie wir noch hören, erst 1793 erfunden.
Jacques Besson, Ingenieur des Königs von Frankreich, und der Nachfolger Leonardo da Vincis in diesem Amte, hat ums Jahr 1565 eine Reihe von Maschinen gezeichnet. Nach seinem Tode (1569) wurden diese Zeichnungen mit einem kurzen Text im Jahr 1578 zum ersten Mal veröffentlicht. Und später sind sie wiederholt neu gedruckt worden und auch in andern Ländern erschienen[50].
Zwei recht umständlich gebaute Sägewerke von Besson (Seite 40 und 41) sind für uns interessant, wegen der Zahnstellung und der Zahnform. Besson hängt in den Gatterrahmen, der bei ihm schon aus Eisen konstruiert ist (Seite 40) das erste Sägeblatt mit den Zahnspitzen nach unten, das zweite mit den Zahnspitzen nach oben, das dritte wieder nach unten und das vierte wieder nach oben. So will er erreichen, daß das Gatter beim Auf- wie beim Niedergang in je zwei Schnitten gleichmäßig belastet ist.
In einem andern Sägewerk (Seite 41) hängt Besson zwei Sägeblätter in den Gatterrahmen ein, und er gibt den Zähnen eine Form, die man als ein umgedrehtes M bezeichnen kann. Er erhält dadurch ein Sägeblatt, das in beiden Richtungen schneidet.
In dem Porträtbuch der Landauerschen Handwerkerstiftung in Nürnberg wird im Jahr 1571 ein Tischler abgebildet (Seite 42), in dessen Werkstatt wir eine Rahmensäge sehen. Die Form hat sich so herausgebildet, wie sie noch heute meist zu finden ist. Zwanzig Jahre später wird einer der Landauerschen Brüder, der nach der bildlichen Darstellung ein Säger war, als »Schalenschrodter« bezeichnet. Das Wort bezeichnet einen Handwerker, der mit der Schrotsäge Bretter sägt, die hauptsächlich zum Verschalen der Dächer verwendet wurden. Wir müssen bedenken, daß die Häuser des Kleinbürgers damals noch mit Holz gedeckt waren. Die Landauersche Stiftung, die von 1510 bis 1806 bestand, nahm ähnlich der Mendelschen (Seite 26) zwölf alte, arme Nürnberger Handwerker auf[51].
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts mehren sich die gedruckten Anweisungen zum Maschinenbau. Es sind große Tafelwerke, in denen die Ingenieure verschiedener Länder ihre Konstruktionen zeichnerisch niedergelegt und erläutert haben. In einer Handschrift zu einem solchen später gedruckten Maschinenbuch ist das hier auf Seite 43 dargestellte Sägewerk um 1580 von dem deutschen Ingenieur Strada gezeichnet worden[52].
Agostino Ramelli, Ingenieur des Königs von Frankreich, veröffentlichte 1588 in einem solchen Werk mehrere Sägegatter an denen die gleichschenklig, dreieckige Form der Sägezähne mit zwischenliegenden Unterbrechungen auffällt (Seite 44)[53]. Daß der Handwerker sich damals auch noch einfache Sägewerke zu bauen wußte, erkennen wir aus zwei Bildern, die der Italiener Veranzio um 1600 hinterlassen hat (Seite 45 und 46). Einmal ist eine Säge für Holz, das andere Mal eine Gattersäge für Stein dargestellt[54].
Der Antrieb der Sägewerke geschah, wie wir sehen, entweder von Hand oder durch Wasserkraft. Im Jahr 1592 gab der Holländer Cornelisz van Uitgeest den Windrad-Antrieb für Sägewerke an und seitdem haben sich die sogenannten Wind-Sägemühlen besonders in Holland bis auf den heutigen Tag erhalten. Im Jahr 1633 errichtete ein Holländer in der Nähe von London eine solche Mühle mit Windradbetrieb. Sie ging aber wieder ein und wurde später wiederholt neu errichtet. Es erhoben aber gegen diese Maschinen die Arbeiter Einspruch und zerstörten sie im Jahr 1768[55]. Auffallend spät finde ich den Antrieb eines Sägewerks durch Göpel. Es war die Konstruktion des als Nationalökonom bekannten Gelehrten Johann Joachim Becher. Er ging dabei von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus und betrieb das Sägewerk durch Ochsen, »die man in den Wald verfuhren kan / zu den Bäumen selbst; denn man kan mit leichterer Mühe / die geschnittenen Bretter verführen / als gantze Bäume«[56]. Erst 1857 hat man diesen Gedanken praktisch verwirklicht (Seite 64).
Im Jahr 1589 finde ich den ersten Hinweis auf eine gezahnte Säge aus Metall, die Metall schneiden kann. Giambattista della Porta, ein vermögender Edelmann aus Neapel, der lange Reisen im Ausland gemacht hatte, verfaßte in zweiter Auflage im Jahr 1589 ein Buch, darin er alles das sammelte, was er im Gegensatz zu der Masse seiner Zeitgenossen als »Natürliche Magie« ansah. So erklärte er eine ganze Reihe von physikalischen und technischen Vorgängen und zeigte durch Experimente, daß hier keinerlei Zauber und Hexerei vorkomme. Bei dieser Gelegenheit erwähnt er eine gehärtete »Säge aus dem Stahl«, die so kräftig sei, »daß sie Eisen schneide.« Dies ist sicherlich eine der frühsten, wenn nicht die frühste Nachricht von einer Kaltsäge.
Porta sagt in der gleichen Stelle auch, daß man Eisen unter Beifügung von Schmirgel und Öl mit einem Kupferdraht schneiden könne[57].
Portas Vorschlag scheint in dem betriebsamen England nicht unbeachtet geblieben zu sein; denn am 11. Dezember 1618 erwarb Bewis Bulwer eines der ersten britischen Patente auf eine Sägemaschine zum Zersägen von Eisenbarren. Er wollte aus den abgesägten Streifen Nägel herstellen[58].
Besondere Sägen hatte man früher, um das sehr harte, als Farbholz geschätzte Brasilholz zu zerkleinern. Den Namen hat dieses Holz nicht von Brasilien, sondern es war schon Jahrhunderte vor der Entdeckung dieses Landes in Europa bekannt und hieß »lignum bresilium« oder »lignum braxillii«[59]. In Nürnberg bildeten die Brasilholzstoßer oder »Prisilgstoßer« ein eigenes Gewerbe[60].
Das Zersägen dieses harten Holzes geschah im 17. Jahrhundert und später in den Zuchthäusern, d. h. in den Anstalten, in denen verwahrloste Jugendliche, Landstreicher und Dirnen wieder zum ordentlichen Lebenswandel erzogen werden sollten. Von unsern heutigen Zuchthäusern unterschieden sich diese Anstalten also sehr. Auf einem niederländischen Kupferstich vom Jahr 1613 ist das Sägen des Brasilholzes deutlich zu erkennen (Seite 46). An einem langen Eisen, das mit Handhaben versehen ist, sind zwei starke Sägeblätter seitlich in Knopfschlitzen befestigt und oben durch zwei Paar Eisenbügel gehalten. Zwei Sträflinge ziehen diese Doppelsäge über das in einem Bock eingespannte Farbholz, das dadurch in kleine Stücke zerteilt wird, hinweg[61].
Auch gemeingefährliche Verbrecher, die man fesseln mußte, wurden (Seite 47) mit dem Sägen von Brasilholz in ihrer Zelle beschäftigt. Hier hat die Säge im Jahr 1663, wenn die Zeichnung richtig ist, drei nebeneinander liegende Blätter[62].
Die Eissäge scheint eine deutsche Erfindung zu sein; denn der aus den Niederlanden stammende Ingenieur Adam Wybe (Seite 48) erhielt im Jahr 1637 von der Stadt Danzig ein Patent auf seine Erfindung »Eis zu schneiden«. Wybe hat diese Erfindung bis zu seinem Tod mit Vorteil ausgenutzt. Aus den noch vorhandenen Akten[63] ließ sich aber nicht ersehen, welcher Art die Konstruktion dieser Eissäge war. Dieser Wybe wurde später, 1644, berühmt durch seine große Anlage einer Seilschwebebahn, die bei den Danziger Festungsbauten zur Wegschaffung großer Erdmassen lange in Betrieb war[64].
Ein sehr ausdrucksvolles Porträt eines Schreiners aus dem Landauer'schen Bruderhaus (vgl. Seite 49) ist hier aus dem Jahre 1679 abgebildet[65].
Das Wappen der Nürnberger Säger ist in einer mit Hunderten von Wappen gezierten Handschrift abgebildet, die alle Ordnungen der Nürnberger Handwerker, die um 1680 in Gültigkeit waren, enthält (Seite 50). Die Säger führen ein aufrechtstehendes, bauchiges, blaues Sägeblatt im Wappen[66].
Die Werkstatt eines Sägemachers bildet im Jahre 1698 Christoff Weigel in einer Zusammenstellung der wichtigsten Handwerke ab[67]. Die Verse bei dem Bild stammen von dem berühmten Kanzelredner Abraham a Sancta Clara, der wegen seiner drastischen Vergleiche bekannt war. Wir sehen, wie der »Eberschmied« dabei ist, die Zähne einer großen Säge einzufeilen. Neben ihm liegen eigentümlich geformte, lange Sägeblätter, Meißel und Bohrer; denn außer Sägen macht der Eberschmied besondere Bohrer. An der Wand hängen Rahmensägen und eine Metallsäge mit Griff. Außen am Fensterkreuz hat der Meister eine Säge ausgehangen, um Käufer anzulocken. Eigentliche Auslagen, Schaufenster, gab es damals bei Handwerkern nicht immer.
Bei der Beschreibung der Arbeiten des Messingbrenners, des heutigen Gelbgießers, erwähnt Weigel sogar Gattersägen für Metall: »so gießen sie (Messing) zu großen Tafeln und Platten, welche nachgehends durch den Messing-Schneider oder Säger auf einem Werk-Tisch, gleich den Holtz-Schneide-Mühlen fest gemachet zu ein- zwei- auch wohl drey Finger breiten Schienen, Zainen oder Stäben zerschnitten oder gesäget werden«[68].
Schiller hat sich in »Wallensteins Lager« die ergötzlich polternde Redeweise des Abraham a Sancta Clara zum Vorbild für seinen Kapuzinerpater genommen. Hier ein Beispiel, wie Abraham in der Barockzeit beim »Säg-Müller« erbaulich schrieb: »Ich weiß eine Sau / die hat keine Augen / keinen Rüssel / keinen Kopff / keine Füße / und ist doch eine Sau / das ist wunderbarlich; Ich weiß eine Sau / die hat keine Haut / keine Börsten / kein Fleisch / kein Speck / ist doch eine Sau / das ist seltzsam; Ich weiß eine Sau / die lebt nicht / und frißt doch mehr als eine gantze Heerde Säu / das ist achtlich.« Dann erzählt er unmittelbar von allerhand Flüssen des Altertums und der neueren Zeit und sagt dann plötzlich: »Savus auf Deutsch die Sau / ein vornehmer Fluß in Sclavonien. Diese Sau hat kein Maul / lebt nicht / und frißt doch viel / da beist sie ein Stuck Acker hinweg / dort eine Reyh Wiesen / anderwärts ein große Gestätt / an einem Ort ein halbes Dorff / unterhalb eine gantze Au: Ey du grobe Sau!« Anfänglich sei diese Sau ganz klein, später aber werde es eine großmächtige Sau. So werde auch kein Mensch »auf einmal eine grobe Sau / eine unzüchtige Sau.« Also müsse man sich vor den kleinen Sünden hüten, wenn man nicht in die großen fallen wolle. Zu seiner Überschrift, dem Sägemüller, schwenkt Abraham nach dieser Betrachtung virtuos mit dem Satz: »Wann die Säg einmahl recht ankommt und das Wasser treibt / ists gewiß / daß es bey Vorigem bleibt.« Von da ab erzählt er alles mögliche über die Sägemühle, wo man sie anlegen soll, und was man drauf schneidet. Plötzlich schwenkt er wieder in geistliche Betrachtungen ab und schließt dann das Kapitel mit den Worten: »Der Säg-Müller gewohne sich gleich im Anfang zum Guten / so wird man von ihm sagen können / daß er allezeit bey demselben verbleiben wird«[69].
Die Säge eines verschwundenen Handwerks ist auf Seite 52 abgebildet. Sie ruht in einem Bügel zwischen Werktisch und Sitzbank des »Bleiweißschneiders.« Dieser Handwerker zerschnitt den Graphit — damals Bleiweiß genannt — zu feinen Stäbchen, die man in Holz faßte. Es ist also der Ahne unserer heutigen Bleistiftfabrikanten[70].
Eine reichverzierte, mit künstlichem Eisenschnitt versehene Bügelsäge mit Metallsägeblatt befindet sich im Kunstgewerbemuseum zu Berlin (Seite 54). Sie stammt etwa aus dem Jahr 1700[71].
Es ist mir aufgefallen, daß die Sägemühle den Zeichnern und Malern sehr selten und recht spät eine Anregung gab; denn man findet die Mahlmühle für Brotgetreide seit dem Mittelalter in einer endlosen Zahl von Darstellungen, niemals aber die Sägemühle. Die frühste mir bisher bekannt gewordene Darstellung einer solchen auf einem Kunstblatt stammt aus dem Jahr 1701 und auch hier ist sie mit der Wassermühle und der Windmühle zusammen in der gleichen Landschaft zu sehen[72]. (Seite 55).
An einer recht versteckten Stelle fand ich, daß ein eiserner Spanndraht anstelle des Spannstrickes bei der Rahmensäge ums Jahr 1700 von einem Niederländer erfunden wurde. Der Frankfurter Patrizier[73] v. Uffenbach besuchte im Jahr 1710 den Amsterdamer Mechaniker Metz und sah bei ihm »Sägen, welche ein Gestell wie die gemeine Holz-Sägen hatten, außer daß an statt des Stricks ein eiserner Drat mit einer Schraube an einer Seite daran war.« Man hat diese Rahmensägen, wie so manches andere Werkzeug, bisher irrtümlich für eine amerikanische Erfindung gehalten.
Ums Jahr 1695 erschienen in Paris Abbildungen von Handwerkern, die im damaligen barocken Geschmack mit ihren eigenen Werkzeugen oder Fabrikaten bekleidet waren. Man fand an solchen Bildern Geschmack und es kamen bis etwa 1730 mehrere Serien solcher Kunstblätter »der mit ihren eigenen Arbeiten und Werckzeugen eingekleideten Künstlern, Handwerckern und Professionen« heraus. Hier ist auf Seite 56 die Frau des Wagners dargestellt, die in der rechten Hand eine große Säge hält. Die Schnecken des Haares, die Puffärmel und die Krinoline sind aus Wagenrädern gebildet und rings um den Reifrock herum hängen alle möglichen Werkzeuge[74].
Der Laubsägen-Bügel wird 1763 in dem gewaltigen französischen Werk abgebildet, das eine Reihe von Gelehrten, die Encyclopédisten, über alle die bis dahin unbeachtet gebliebenen Gebiete des menschlichen Wissens verfaßte. Sie wollten das zur menschlichen Tätigkeit Notwendige, bis in die kleinsten Einzelheiten wissenschaftlich ebenso sorgfältig behandeln, wie man seit Jahrhunderten die Einzelheiten der reinen Geisteswissenschaften behandelt hatte. So entstand unter dem Titel »Encyclopédie« ein Werk von 34 Foliobänden mit über 3000 großen Kupfertafeln. Jedes einzelne Gewerbe, jedes Handwerk wird sorgsam beschrieben und alle seine Maschinen und Werkzeuge werden bis in die Einzelheiten abgebildet. Hier sehen wir oben die Laubsäge samt der Spannvorrichtung. Sie wurde damals von den Schachtelmachern benutzt[75].
Die Rahmensäge des französischen Schachtelmachers hatte ums Jahr 1750 die auf Seite 58 angegebene Form[75].
Der erste, der den später so überaus fruchtbar gewordenen Plan hatte, Papier aus Holz herzustellen, der Regensburger Prediger Jacob Christian Schäffer, erfand 1768 eine originelle Sägemaschine (Seite 59). Der alte Herr hatte wohl selbst ein Bedürfnis, sich zwischen den anstrengenden gelehrten Arbeiten Bewegung zu verschaffen. So ließ er sich von dem Regensburger Tischler Simmerding die hier abgebildete Maschine bauen, probierte sie aus und schrieb flugs ein Buch darüber. In einem großen, geschweiften und verzierten Gestell hängt an einem Pendel eine Rahmensäge. Legt man auf zwei Konsolen ein Stück Holz, dann kann man im Wohn- oder Arbeitszimmer »zur Leibesbewegung für Gelehrte und Kränkliche« nützlich Brennholz sägen[76].
Die soeben auf Seite 57 erwähnte Encyclopédie wurde von dem Berliner Gelehrten Johann Georg Krünitz für die deutschen Verhältnisse passend übersetzt und ergänzt. So entstand das größte bisher in Deutschland überhaupt erschienene, zusammenhängende Werk, ein Lexikon, das von A bis Z 242 Bände umfaßt. Im 10. Band dieses Riesenwerkes steht auch eine Nachricht von der Eissäge: »Um das Eis eines Grabens oder Flusses zu durchschneiden und zu öffnen, bedient man sich einer Maschine, entweder in Gestalt eines Pfluges, oder in Gestalt einer Säge, welche von Menschen in Bewegung gesetzt wird«[77].
Im 34. Band sagt Krünitz, daß man in der Geschützgießerei die angegossenen Trichter nach dem Erkalten »mit einer großen Säge, welche von 4 oder 5 Menschen an ihrem eisernen Bogen geführt wird« abschneide[78]. Hier wird also eine Bügelsäge zum Metallschneiden in recht beträchtlichen Abmessungen verwendet.
Wir hörten auf Seite 38, daß der Nürnberger Mechaniker Lobsinger ums Jahr 1550 die Kreissäge zum Schneiden von Stein erfunden hatte. Die Kreissäge für Holz und Metall ist eine Erfindung von Samuel Bentham in Westminster. Er nahm am 23. April 1793 das britische Patent Nr. 1951. Der Antrieb sollte durch Dampfkraft erfolgen und die Beschreibung läßt, obwohl sie ohne Zeichnung eingereicht wurde, erkennen, daß ein kreisrundes, gezahntes Sägeblatt zwischen zwei Flanschen eingespannt, nach einer Richtung hin umläuft. Die Säge soll rohe Werkstücke, wie sie aus der Gießerei oder aus der Schmiede kommen mit geraden Kanten versehen. Die Auflage für das Werkstück läßt sich gegen die Säge vorschieben und hoch und tief verstellen. Die Sägeblätter sollen entweder aus Stahl oder aus Eisen mit aufgeschweißtem Stahlkranz bestehen. Größere Blätter werden aus einem eisernen Stammblatt mit angesetzten Ringausschnitten hergestellt[79].
In der Literatur ist die Angabe verbreitet, die Kreissägen seien die Erfindung eines Deutschen namens Gervinus. Trotz vieler Mühe habe ich nichts über einen Mann dieses Namens und über diese seine angebliche Erfindung feststellen können. Nach einer andern Lesart sollen die Kreissägen zum Zersägen von Eis im 18. Jahrhundert im Uralgebirge[80] verwendet worden sein. Mir erscheint diese Nachricht, obwohl keine Quelle dafür angegeben wird, glaubhaft, weil man im Ural auch frühzeitig rotierende Steinfräser benutzte[81].
Im Jahr 1799 ließ sich L. C. A. Albert in Paris die gezahnte Kreissäge als »scie sans fin« patentieren. Sie ist, wie wir unten erkennen, aus mehreren Segmenten zusammengesetzt[82]. Die Erfindung wurde alsbald auch in Deutschland bekannt gemacht[83].
Die französische Bezeichnung »Säge ohne Ende« hat oberflächliche Beobachter veranlaßt[84], die Albertsche Kreissäge für das zu halten, was der Franzose heute darunter versteht: für eine Bandsäge.
Im Jahre 1801 erfand Marc Isambard Brunel die Kronsäge, die aus einem zum Vollkreis gebogenen Sägeblatt besteht und mit der gezahnten Kante kreisförmige und bogenförmige Ausschnitte aus Holz macht[85].
Im Jahr 1806 werden in den vornehmen Häusern der Engländer große Vorlegemesser gebräuchlich, die am Rücken scharfe Sägezähne haben, um die Knochen der großen englischen Braten zu zersägen[86].
Im Jahr 1807 erfand der englische Ingenieur William Newberry die Bandsäge[87]. Ob er sie im gleichen Jahr, wie man gelegentlich liest[88], auch gebaut hat, ist nicht nachweisbar.