Die nordhemisphärischen Gattungen Vitis, Ampelopsis, Parthenocissus und die tropische Gattung Cissus gehören zur 2. Familie Vitaceae (Fig. 740, 741). Vitis vinifera, die Weinrebe, ist als alte Kulturpflanze in zahlreichen Rassen und Varietäten verbreitet. Die Blätter sind handförmig gelappt, die blattgegenständigen Rankensprosse sind ursprünglich endständig, aber durch einen Achselsproß zur Seite gedrängt. Oft stehen die rispigen Blütenstände an Stelle von Ranken, und Zwischenbildungen beider sind häufig. Der Kelch ist nur in Form eines kurzen Randes vorhanden, und die am Scheitel verwachsene fünfzählige Krone wird beim Öffnen der Blüten abgeworfen. Korinthen sind die samenlosen Früchte der Vitis vinifera var. apyrena. Die in Nordamerika und Asien verbreiteten Parthenocissus-Arten, wilder Wein, haben geteilte Blätter und klettern zum Teil mit Haftscheiben tragenden Ranken (Fig. 208). Offizinell: Vinum (Pharm. germ., austr., helv.).

Fig. 737. Blütendiagramme. A Von Rhamnus cathartica (hermaphrodit gedacht). B Von Rh. Frangula. Nach A. W. EICHLER.

Fig. 738. Rhamnus Frangula. 12 nat Gr. Blühender Zweig und Zweigstückchen mit Früchten.

Fig. 739. Rhamnus Frangula. Blüte längsdurchschnitten. a Blütenbecher, b Kelch, c Kronblatt, d Staubblätter, e Fruchtknoten, Vergr. Nach BERG und SCHMIDT.

Fig. 740. Vitis vinifera. Öffnung der Blüte. a Kelch, b Krone, c Diskus, d Staubblätter, e Fruchtknoten. Vergr. Nach BERG und SCHMIDT.

Fig. 741. Blütendiagramm von Ampelopsis hederacea. Nach A. W. EICHLER.

[Die im Vorhergehenden gegebene Reihenfolge ist im wesentlichen derjenigen des sero-diagnostischen Stammbaumes gefolgt; daß die Aquifoliaceen zu den Sapindaceen gestellt sind, ist wohl eine kleine Vereinfachung für die Aufzählung der Familien. Nun sollen auch die Ericaceen in diesen Zweig eingegliedert werden. Wenn es auch seit langem klar war, daß sie nicht zu den typischen Sympetalen gehören, so hätte man nach morphologischen Gesichtspunkten eine Anreihung an die Guttiferen oder die Ternstroemiaceen erwarten können, wohin teilweise Sympetalie, apikale Poren der Antheren und Eigentümlichkeiten im Bau der Fruchtknoten zu weisen scheinen. Somit reihe ich die Ericaceen nur mit allem Vorbehalt vorläufig als letztes Glied dem Columniferenaste ein.]

22. Ordnung. Ericinae.

mit der Familie der Ericaceae. Es sind hier immergrüne, kleinblättrige, häufig nadelförmig belaubte Sträucher oder Halbsträucher vereinigt, deren Blüten Antheren besitzen, die einmal durch ein „Exothecium“ (S. 470) ausgezeichnet sind, die sich andererseits in Poren oder Spalten öffnen und hornförmig abstehende Anhänge tragen, daher auch wohl Bicornes genannt werden.

Fünfzählige Blüten in allen fünf Kreisen tragen die Rhododendron-Arten, die Alpenrosen, deren wir drei einheimische Arten besitzen. Ebenso sind die Blüten des Porst, Ledum palustre, und der Gattung Andromeda fünfblättrig, und alle genannten besitzen einen oberständigen Fruchtknoten, der zu einer Kapselfrucht wird. Ebenso verhält sich Arctostaphylos uva ursi (Fig. 742), mit dem einzigen Unterschiede, daß hier Steinfrüchte entstehen. Fünfzählige Blüten mit unterständigem Fruchtknoten finden wir bei mehreren Beerensträuchern aus der Gattung Vaccinium (Fig. 743): der Heidelbeere, Vaccinium Myrtillus, und Preißelbeere, V. Vitis idaea, welche dementsprechend die Reste des Kelches auf jeder Beere tragen. — Eine Reduktion der Gliederzahlen auf vier findet sich in der Gattung Erica, die besonders im trockenen Mittelmeer- und Kapgebiet verbreitet ist; dabei hat Erica oberständigen Fruchtknoten. Verbreitet ist bei uns außer Erica Tetralix besonders das nahe verwandte Heidekraut, Calluna vulgaris[491], von Erica durch den die Krone überragenden Kelch unterschieden.

Fig. 742. Arctostaphylos uva ursi. 1 Blühender Zweig. 2 Blüte im Längsschnitt. 3 Pollentetrade. 4 Frucht. 5 Fruchtquerschnitt. 2–5 vergr. Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell.

Fig. 743. Diagramm von Vaccinium (Ericaceae). Nach F. NOLL.

Offizinell sind Folia uvae ursi (Pharm. germ., austr., helv.) von Arctostaphylos uva ursi und Fructus Myrtilli (Pharm. austr., helv.) von Vaccinium Myrtillus.

B. Sympetalae.

Das einzige den Sympetalen gemeinsame Merkmal ist die verwachsenblättrige Krone. Die Mehrzahl der nach Ausschluß der Primulinae und Ericinae verbliebenen Sympetalen haben nur einen Staubblattkreis, da der innere Kreis ausgefallen ist. Sie werden daher als Tetracyclicae bezeichnet. Nur die einzige Ordnung der Diospyrinae besitzt auch diesen inneren Staubblattkreis, sie werden daher als Pentacyclicae jenen Vierkreisigen gegenübergestellt.

Stammbaum der Sympetalen nach den sero-diagnostischen Untersuchungen von W. ALEXNAT.

Die 1. Ordnung der Diospyrinae,

zu der die tropischen Familien der Ebenaceae, Sapotaceae und Styracaceae zu zählen sind, ist von Bedeutung wegen der den Sapotaceen angehörigen Palaquium- (Fig. 744) und Payena-Arten des Malayischen Archipels, welche Guttapercha (Pharm. germ.) liefern; Mimusops-Arten (Sapotaceae) geben einen ähnlichen Körper, Balata, und von den Styracaceen leitet man das Benzoëharz (Pharm. germ., austr., helv.) ab, doch ist seine Herkunft von Styrax Benzoin zweifelhaft geworden.

Fig. 744. Palaquium Gutta. 12 nat. Gr. Nach A. MEYER und SCHUMANN. — Offizinell.